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1 (1924)
Seite
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GUTZKOW 298

noch Theil nehme, weil er der Einnahme davon für seinen und seinerFamilie Unterhalt nicht entbehren könne, habe er in veränderter Weisegearbeitet. Dieses sein Einlenken sei ihm vielfach verdacht worden.Noch neuerlich habe ein Aufsatz über Preßfreiheit (in welchem ernachgewiesen, daß Preßfreiheit nicht der Vorläufer freier Institutionen,sondern deren Blüthe sein müsse, und daß dieselbe daher in Deutsch-land jetzt nur zerstörend wirken könne) ihm die heftigsten Anfein-dungen aller Leipziger Literaten zugezogen. Er sei, da sein Wunschunerfüllt geblieben, in Berlin eine sichere Existenz, ein Feld für seineliterarische Thätigkeit zu finden, zu seinem Bedauern auf das großePublikum, auf die Masse angewiesen. Bei dieser setze er seineganze Stellung aufs Spiel, wenn er die verlangte Erklärung abgebe,und wenn, wie es so leicht geschehen könne, dies von seinen Gegnernauf hämische Weise in öffentlichen Blättern ausgebeutet werde.

„Wie gern er daher auch sich der Regierung seines Vaterlandesgegenüber reinigen und von jeder Ausnahmebestimmung befreienmöchte, so sei er doch, da er sich, seine Frau und drei Kinder er-nähren müsse, da er, um produciren zu können, einer gewissen aisancedes Lebens bedürfe, und da ein diesem Bedürfnis entsprechender Er-werb ihm nur solange sicher sei, als das große Publikum ihm Beifallschenke, außer Stande, sich der fraglichen Forderung zu fügen. Erbitte in dieser seiner Erklärung, bei welcher er auch nach erneuterPrüfung der Sache werde stehen bleiben müssen, keine Äußerung vonRenitenz, sondern das einfache Geständniß seiner ungünstigen Lagesehen zu wollen."

Protokolle dieser Art sind stets mit Vorbehalt aufzunehmen. Gutz-kow wollte keinesfalls mehr sagen, als er vor der ihm so vielfach feind-lichen Öffentlichkeit würde verantworten können. Sydow hatte zwarschwerlich Sympathie für diesen Mann, der in seinen Berichten seit1835 schon eine üble Rolle gespielt hatte, und gewiß nicht den Takt,ihm den Gang nach Canossa leicht zu machen. Andererseits hatte erdie Aufgabe, eine Art Revers dem Delinquenten zu „extrahiren", under war ein schlechter Diplomat, wenn ihm das nicht gelang. Gutzkowdürfte auf die ihm günstigen Momente mehr Nachdruck gelegt haben,als bei genauer Prüfung ratsam war. Seine Stücke wurden in Berlinund Wien aufgeführt, doch ging es keineswegs immer ohne Verände-rungen ab. In verschiedenen mit seinem vollen Namen gezeichnetenArtikeln über Preßfreiheit, die damals infolge verschiedener neuerZensurerlasse des Königs allgemein erörtert wurde, hatte er die Ge-fahr der Preß- und Karikaturenfreiheit eingeräumt, wenn sie „ohneein freies Volksleben, ohne freie Institutionen, ohne Geschwornen-gerichte, ohne eine durch alle Poren unseres öffentlichen Lebens schongedrungene politische Toleranz" erteilt würden („Telegraph" 1843,Nr. 18: „Die Freiheit der Zerrbilder" und Nr. 38: „Die Furcht vor