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GUTZKOW
Concession der Widerspruch, daß ich zwar über Philosophie sprechendarf, des Theologischen mich aber entschlagen muß, ich kenne fürdiese Gebiete keine trennenden Gränzen. Hiezu kömmt, daß von derkirchlichen Seite aus soviel Dinge in Anspruch genommen werden,deren Beurtheilung man gewissen theologischen Zeitungen überlassenmüßte, wenn man mit einer Entgegnung ihnen zu folgen keine Er-laubniß hat." Diese Sätze deuten eine zweite Wandlung an, die damalsin ihm vorging: zwei Monate später trat er aus der theologischenFakultät in die philosophische zurück, in die er sich 1829 zuerst hatteeinschreiben lassen. — Am 12. August wurde sein Gesuch vom Kultus-ministerium (v. Altenstein) genehmigt, aber mit der väterlichen War-nung, „daß der ernste Charakter dieses Theils der Literatur . . . ganzbesonders eine würdige Haltung erfordert" ; das werde er hoffentlichniemals aus den Augen lassen. Bisheriger Zensor des „Forums" warKammergerichtsrat Bardua; ihm wurde jetzt Konsistorialrat Dr. Bresciuszur Seite gestellt, der die theologischen Artikel Gutzkows zu prüfen hatte.Derweil lag schon wieder ein neuer Antr.ag Gutzkows vom I. Julivor, dessen Wortlaut nicht bekannt ist: er bat, ihm auch die Aufnahmepolitischer Artikel zu gestatten. Jetzt wurde man bedenklich. DasMinisterium ließ erst durch die Polizei via Oberpräsident einiges überden Leumund usw. des Petenten feststellen. Die Polizei bescheinigteseinen „sehr günstigen Ruf"; obendrein sei sein Bruder Kreisgendarmzu Forst in der Lausitz und seine Schwester an einen WundarztBungenstab (Neuenmarkt 3) verheiratet. Gutzkows Vater war einkleiner Beamter im Kriegsministerium, also wohl auch zuverlässig.Demnach konnte der Oberpräsident am 26. Juli mit ruhigem Gewissenaussagen: „Führung völlig tadelfrei", und das Fürwort des „Groß-inquisitors", des Ministers v. Kamptz, dürfte auch diesmal nicht ge-fehlt haben, so daß das Unerhörte geschah: was die angesehenstenBerliner Journalisten vergeblich erstrebten, dem jungen Anfängerwurden auch politische Artikel zugestanden, „insofern dieselben mitder Journal-Literatur zusammenhingen". Zugleich aber erscholl diedringendere Warnung, die Erlaubnis werde mit dem Augenblick zu-rückgenommen, „wo die unter den gegenwärtigen Zeitumständen dop-pelt nöthige Vorsicht bei der Redaktion des Blattes außer Acht bliebeund Sie so das, von uns in Sie gesetzte Vertrauen nicht rechtfertigensollten". Mit Rücksicht auf Gutzkows Alter erteilte man die Erlaubniszunächst nur auf ein halbes Jahr, und dem Oberpräsidenten gaben dieZensurminister (v. Altenstein, v. Brenn und v. Bernstorff) die Wei-sung, das „Forum" bleibe hauptsächlich wissenschaftlich; Politik werdenur beiläufig darin berührt. Der bisherige Zensor Bardua bleibe alsozuständig, die politischen Artikel aber seien dem Legationsrat de laCroix vorzulegen, dem Zensor der in die Politik einschlagenden peri-odischen Schriften.