GUTZKOW 252
zur Anteilnahme am Kampf für die gute Sache der Schönheit, Freiheitund Wahrheit" ergriffen. Was fand er nun? „Auf dem literarischenGebiet erschien mir alles Unselbständigkeit, Nachahmung, affectirte,in Berlin durch besondere Gesellschaften geförderte Vergötterungunsrer classischen Periode. Dort aber, wo noch neue Blüthen getriebenerschienen, wo noch etwas wie frische Farbe und Duft herauskam,sah ich die innerlich leere Vegetation des Sumpfes, grünschillerndeDecken stehender Gewässer . . . Die Ausbeute jedes Besuchs [derLesekabinette] war eine Ansammlung grimmigen Zornes und pole-mischer Gelüste." Diese Empfindung drückte dem Studenten dieFeder in die Hand — so wurde der neunzehnjährige Gutzkow Heraus-geber des „Forum der Journal-Literatur".
Diese polemische Stellung beschattet Gutzkows junge Schaffenszeit,aus ihr sind seine ersten Schriften bis zur „Wally" zu verstehen; siebescherte ihm auch seine Kämpfe mit der Zensur, in denen er alsMensch und 'Schriftsteller Gefahr lief zu verbluten. Näher auf Ent-stehung, Inhalt und Tendenz dieser Werke einzugehen, wäre die Auf-gabe einer Gutzkowbiographie, die ich der Ungunst der Zeit trotz alle-dem noch abzuringen hoffe; einen Entwurf dazu habe ich in meinerEinleitung zu Gutzkows „ausgewählten Wärken in zwölf Bänden"(Leipzig, Hesse & Becker) gegeben. Im Zusammenhang diesesBuches muß es genügen, das Spiegelbild festzuhalten, das die gewaltigumfangreichen Zensurakten von den Schriften dieses kampferprobten„Ritters vom Geiste" bieten.
Vom „Forum" erschienen zunächst zwei Quartalshefte, deren schwer-fällige Phraseologie nur den Schülern Hegels verständlich sein konnte,zu denen Gutzkow damals zählte. Sie lagen „wie Blei": vom ersten(Januar 1831) wurden 70, vom zweiten (Mai) nur mehr 50 Exemplareabgesetzt, der Rest später makuliert. Die Druckschulden für das Unter-nehmen — der Verleger Logier lieh nur seinen Namen dazu —schleppte Gutzkow noch bis 1849 nach. Lag der Mißerfolg an Inhaltoder Form ? Beides wollte er erproben: vom 4. Juli an verwandelte erdas Blatt in eine leichter beschwingte Wochenschrift, und um ihrenInteressenkreis zu erweitern, hatte er am 26. Juni an das Ministeriumder Geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten das Gesuchgerichtet, auch Gegenstände der Religion behandeln zu dürfen, wozueine besondere Erlaubnis nötig war. Er habe, so schrieb er, seineTätigkeit bisher auf das allgemeine Feld der Literatur beschränkt undnamentlich die theologische Seite derselben nicht so wesentlich her-vorgehoben, sehe aber jetzt, daß er sein Unternehmen bei dieser Be-schränkung auf die Länge nicht durchführen könne. „Unsre allgemeineJournalistik, indem sie die Interessen des Lebens ausspricht, hat dasKirchliche in so weit in sich aufnehmen müssen, als dies selbst in dieFormen unsres Lebens so allseitig eingreift. Außerdem liegt in meiner