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1 (1924)
Seite
254
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GUTZKOW 254

Als Gutzkow diese erweiterte, für sein Blatt ebenso bedeutungsvollewie gefährliche Konzession vom 25. August erhielt, waren von denWochennummern des „Forums" bereits acht erschienen ; über dreizehnkam es überhaupt nicht hinaus! Unter den sengenden Augen der nichtweniger als drei Zensoren schwand der Text der Nummern immermehr dahin, obgleich Gutzkow von der neuen Erlaubnis, sich auch mitPolitik beschäftigen zu dürfen, noch keinen Gebrauch machte. Schondas zweite Quartalsheft hatte eine Reihe von Zensurlücken aufgewiesen,in den Wochennummern häuften sie sich. Gutzkow pflegte jede Num-mer sofort nach Erscheinen an seinen damaligen bewunderten GönnerWolfgang Menzel in Stuttgart zu schicken und den vom Zensor ge-strichenen Text handschriftlich einzufügen oder doch jede Zensurlückekenntlich zu machen; dieses interessante und wertvolle Exemplar sei-ner Zeitschrift kam mit Menzels ganzer Bücherei 1874 an die Straß-burger Landesbibliothek, ist also heute französischer Besitz! Glück-licherweise habe ich es 1906 für mein „Bibliographisches Repertorium"(„Zeitschriften des jungen Deutschlands", 1. Teil), worin ich eine aus-führliche Analyse des „Forums" gab, benutzen können. Gleich imJuli wurde dem Wochenblatt eine ganze Nummer gestrichen! Sie ent-hielt einen die vier Quartseiten füllenden Aufsatz „Preßzwang", derverheißungsvoll mit den Worten begann: „Die Notwendigkeit derPreßfreiheit muß man nicht beweisen! Wer wird auch die Thatsachedes Bewußtseins und Gewissens beweisen wollen?" Gutzkow schickteeinen Korrekturabzug davon an Menzel zur Aufnahme in das „Lite-ratur-Blatt", aber für Süddeutschland war der Aufsatz, wie Menzel am23. August antwortete, lange nicht stark genug! Er liegt dem Menzel-schen Exemplar des „Forums" bei, ich habe ihn in meinem „Biblio-graphischen Repertorium" abgedruckt. Das war natürlich ein schwererSchlag für den Herausgeber, der die Druckkosten seines Blattes auseigener Tasche deckte. Mehrere andere „gewaltige" Zensurlückenlassen sich nicht rekonstruieren. Die kürzeren Zensurstriche, die wirdurch Gutzkows schriftliche Erläuterungen kontrollieren können, sindkleinlichster Art. Sprach er von „preußischem Wesen", so verbesserteder Zensor „norddeutschem"; aus der Zeit der Freiheitskriege — soetwa wird sich Gutzkow (II, S. 160) ausgedrückt haben — mußte eine„sogenannte Franzosenzeit" werden! „Die eigentliche Bestimmungdieser Zeit von der Zensur gestrichen", setzt er handschriftlich an denRand. Scherze wie: „Unsre Freiheit ist die Freiwilligkeit des Auf-gebots, unsre Hoffnung ein ewiger Civilversorgungsschein, dessenNichterledigung man sich bei einem anständigen Wartegeld noch ge-fallen läßt", wurden natürlich vom Rotstift des Zensors zugedeckt.Dieser Ängstlichkeit gegenüber war es sehr überraschend, daß derZensor Bardua im II. Quartalsheft die gefährlichste Stelle übersehenhatte; sie deutete schon an, worauf Gutzkow mit seinem spätem Ge-