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1 (1924)
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GUTZKOW

Straße 65". Daß er Student der Theologie zu Anfang des vierten Se-mesters sei, verschwieg er; als captatio benevolentiae diente dem Ge-such nur die Versicherung : „Dieses gegen Unmoralität und anmaaßendeTendenzen gerichtete Journal liegt durchaus im Interesse der Regie-rung und wird vor Allem die persönlichen Verhältnisse des Einzelnenunberücksichtigt lassen. Obschon noch jung und unbekannt glaub' ichdoch mir durch ein gründliches Studium der Literatur die Kenntnißdes Feldes, worauf es hier ankömmt, verschafft zu haben." — DiePolizei gab am 3. den Bescheid, die gewünschte Erlaubnis und die da-mit verbundene Zuweisung eines Zensors müsse beim Oberpräsidentender Mark Brandenburg, v. Bassewitz, nachgesucht werden. Gutzkowmachte also ein neues Gesuch — die Urschrift ist bisher noch nichtaus den Akten aufgetaucht —, und schon am 13. September hatte erdie Erlaubnis in Händen. Diese ganz ungewöhnliche Gunst verdankteer dem Justizminister v. Kamptz, dem Hauptorganisator der Demagogen-verfolgungen, der den Schulkameraden seines Sohnes begönnerte undfür den unternehmungslustigen Studenten gutgesagt hatte, wie Gutz-kow in seinen spätem Erinnerungen wohl mit Recht vermutete. Ermußte sich nur auf dem Polizeiministerium persönlich vorstellen undangeben, wer er sei, was er wolle und wie er die Kosten des Unter-nehmens — aus eigener Tasche! — zu decken beabsichtige. Daß ihnkurz vorher, am 3. August, die Berliner Universität für eine philo-sophische Arbeit preisgekrönt hatte, wird er bei jenem Examen nichtverschwiegen haben — die goldene Medaille im Wert von 72 Talernmachte ja den Freitischstudenten zum Krösus und hat zweifellos dasVerlagsunternehmen finanziert —; wohl aber verschwieg er, daß dieser3. August im Auditorium der Universität für ihn ein Tag von Damas-kus geworden war: die ersten Nachrichten über die französische Juli-revolution wurden ruchbar! Es war das erstemal, daß ein politischerVorfall wie ein Donnerschlag ihn erschreckte, er war, die Glück-wünsche der Verwandten und Bekannten überhörend, spornstreichs inein Lesekabinett gestürzt, um sich aus der neuesten französischen Zei-tung von der Wahrheit der Pariser Ereignisse zu überzeugen. Vondiesem Tage an wurde er Zeitungsleser und Journalist, dem die Politikalles bedeutete. „Die Wissenschaft lag hinter mir, die Geschichte vormir", so bezeichnete er fünf Jahre später dieses innere Erlebnis, dasseiner ganzen Laufbahn eine andere Richtung geben sollte. — Aberwelche Enttäuschung erwartete zunächst den Neuling auf dem Forumder Tagespresse! Er hatte durch seine Lektüre der Schriften LudwigBörnes und Wolfgang Menzels „die Literatur unter dem Gesichts-punkt des Zeit- und Volksgeistes", die Poesie in ihrem Zusammenhangmit dem Bedürfnis der Erneuerung auf allen Gebieten, „jedenfalls mitden Bedürfnissen des nationalen Lebens, unserer Erziehung und Ge-selligkeit" zu betrachten gelernt, und mächtig hatte ihn „der Drang