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an der äußersten Grenze ihrer Langmut, ihrer Selbstverleugnung. Undwann wäre es ihr auf eine Lächerlichkeit mehr oder weniger an-gekommen ! Daher erklärte sie ohne weitere Begründung am 30. Sep-tember 1843, daß der „Letzte Ritter" in Wien nicht gedruckt werdendürfe! Grün mochte im „Ausland" bleiben — im Vaterland wollteman einfach nichts mit ihm zu tun haben!
Das „Ausland" hatte natürlich keinen Anlaß, gegen ein so spezifischösterreichisches Buch vorzugehen; die spätere Praxis, Bücherverboteals gegenseitige Gefälligkeit unter den Bundesstaaten zu betrachten,hatte sich 1832 noch nicht herausgebildet. Gleich nach Erscheinender „Spaziergänge" war von dem mit Beaufsichtigung des HamburgerBuchhandels betrauten Beamten ein Exemplar dem Berliner Polizei-präsidium eingesandt worden. Das vom Ministerium des Innern be-fragte Oberzensurkollegium war aber gerecht genug, „die Vaterlands-liebe und wohlwollende Auffassung des österreichischen Naturells"in dem Buche anzuerkennen ; da es nur auf Österreich gehe, erklärtedas Kollegium die Gedichte am 27. August 1832 für „nicht gefähr-lich" ; die Form mache sie obendrein dem größten Teil des Volkesunzugänglich, und da bereits eine 2. Auflage erschienen sei, habeihnen offenbar Österreich selbst keine besondere Gefährlichkeit zu-geschrieben, sonst hätte es wohl beim Deutschen Bund einen Antragauf ein allgemeines Verbot gestellt. Auch in keinem andern deutschenBundesstaat scheinen die „Spaziergänge" verboten worden zu sein.
GUTZKOW, KARL (1811—1878).
Am 1. September 1830 wurde auf dem Berliner Polizeipräsidium dasGesuch eines Unbekannten abgegeben, der um Erlaubnis zur Heraus-gabe einer Zeitschrift bat. Ein Prospekt des neuen Unternehmens warbeigefügt. Es nannte sich: „Forum der Journal-Literatur, eine anti-hritische Quartalschrift", und der im Original nicht erhaltene, „ä laJean Paul capriolisirte" Prospekt, von dem uns nur Auszüge gleich-zeitiger Journale Fragmente verraten, besagte: „Ergriffen von derfesten Überzeugung — mögen Andere es Wahn nennen — die Gesetzehöherer Entwickelung begriffen zu haben, tret' ich ohne Rücksichtauf meine Persönlichkeit dem größten Theil der Tages-Literatur gegen-über, einem kleinen zur Seite, mit dem festen Vertrauen, wenigstensEiniges beizutragen zur Förderung der Wahrheit." Jeder gegen Ur-teile anderer Zeitschriften gerichteten Antikritik solle in dem neuenBlatte Raum gegeben werden — ein Aufruf also zu einer „Kritik derKritik", wie er bis heute immer wieder gelegentlich ertönt von jungenoder auch gereiften Männern, die durch handwerksmäßige, dummeund anmaßende Kritik das Wachstum der gesamten — vielleicht auchnur ihrer eigenen — Literatur für bedroht halten.
Der Antragsteller unterzeichnete sich „K. Gutzkow, Kronen-