Druckschrift 
1 (1924)
Seite
233
Einzelbild herunterladen
 

233 GRILLPARZER

den war. Die Nachricht von Grillparzers Mißgeschick mit diesemseinem Gedicht durfte, wie Börne in seinen „Briefen aus Paris"(ii. März 1833) schreibt, „nicht allein in allen zensirten Blättern ge-druckt werden, sondern sie stand in den absolutistischen Blätternzuerst".

Kann es Wunder nehmen, daß sich nach solchen Erfahrungen Grill-parzers Muse scheu vor der Welt verschloß? Anfang 1835 bat der Ver-leger Ferdinand Philippi in Grimma (Sachsen) Grillparzer um eineGesamtausgabe seiner Gedichte und Dramen in einem Bande. DerDichter lehnte aber den Vorschlag ab, und zwar lediglich der Zensurwegen. „Bei der vielleicht nur durch vorübergehende Zeitumständeveranlaßten überstrengen Zensur meines Vaterlandes", schrieb er am2 S- Januar, „müßten aus einer Sammlung dieser [lyrischen] Gedichtenotwendig mehrere weggelassen werden, die ich unter die bestenrechne, ohne welche und m i t welchen ich sie einerseits nicht druckenlassen will, andererseits nicht kann". Aus eben diesem Grundewies er auch alle späteren Verlagsanträge zurück. So schrieb er am16. September 1843 an den Verleger Krabbe in Stuttgart: „Die bisherungedruckten [Werke] mag ich weder der österreichischenZensur in ihrer gegenwärtigen Verfassung unterziehen, noch durchÜbergehung derselben mein mit Macht herannahendes Alter durchZensurprozesse und herabwürdigende Zurechtweisungen beunruhigen.Auch ist meine Meinung, daß der rechtschaffene Mann sich den Ge-setzen seines Vaterlandes fügen soll, wenn sie auch noch so absurdwären." Und zu Adolf Foglar sagte er am 17. Juli 1845: „Die drama-tischen [Werke] sind ohnehin gedruckt, und mit den lyrischen willich abwarten bis zu Metternichs Tode. Dann, weiß ich, darf man allesdrucken lassen. Ich will durchaus jeder Berührung mit der Zensurferne bleiben." Ein Epigramm Grillparzers lautet:

Warum gibst deine Werke du endlich nicht heraus?

Mein Freund, bei schlechtem Wetter hält man sich gern zu Haus!

Seine grundsätzliche Meinung über den Unsinn der Zensur legteGrillparzer 1844, als die geplante Wiener Schriftstellerpetition umZensurerleichterung zum Nachdenken über diesen Gegenstand anregte,in einem Aufsatz „Über die Aufhebung der Zensur" nieder. Darinsagt er: „Diejenigen, welche gegen die Zensur zu Felde ziehen, stellenan die Spitze ihrer Beweisführungen gewöhnlich den Satz: Der Menschhabe das Recht zu sagen, was er denkt. Dieses Recht hat er aber nicht.Wenn er etwas Unrechtes, etwas 1 Verkehrtes, allgemein Schädlichesdenkt, so hat er ebensowenig das Recht, es zu sagen, als es zu tun . . .

„Es soll also eine Zensur bestehen? — Ja, eine gute. Dia.bereine gute Zensur nicht möglich ist, eine schlechte aberverderblicher als keine, darum keine; aber nur darum.