GRILLPARZER 232
Seiten, der besungene Prinz und der ganze Hof entrüstet, und, um dasUnglück voll zu machen, geht an demselben Tage, wo der Lärm los-bricht, der Vortrag der Hofkammer an den Kaiser ab, in dem für michauf die Nachfolge in dem Gehaltszuschuß meines Vorgängers imArchive angetragen wird . . . Ich aber habe im Interesse der Bildungbeschlossen, nichts unversucht zu lassen, um meine Angelegenheitdurchzusetzen. Trotz meiner sonstigen Gleichgültigkeit und Trägheit,habe ich es selbst bis zur Audienz beim Kaiser getrieben, um nur demLumpenvolk die Freude zu verderben."
Über den Verlauf dieser Audienz berichtet ebenfalls Grillparzer am11. April 1833 in seinem Tagebuch: „Gestern nahm ich Audienz beimKaiser, das erste Mal in meinem Leben. Ich fand mich schon vor7 Uhr ein, der diensttuende Kammerherr aber, ein Husarenrittmeister,Graf Meraviglia, macht sich den Spaß, mich bis dreiviertel auf ■ einUhr warten zu lassen, so daß ich der Drittletzte an die Reihe kam,als die Audienz schon beinahe zu Ende und der Kaiser offenbar zuerschöpft war, dem eine Aufmerksamkeit zu schenken, was man ihmvorbrachte. Ich bemerkte, daß der Kammerherr, der Türhüter und derwachthabende deutsche Gardist sich von mir unterhielten und sich dasWort gaben, mich nach Möglichkeit hinauszuhalten, übrigens auchder Hoffnung waren, der Kaiser werde mich hart empfangen, was fürdie an der Tür Stehenden leicht zu unterscheiden ist, da er, wenn eraufgebracht ist, sehr laut und polternd zu sprechen pflegt. Als ichschon an der Türe stand, um eingelassen zu werden, sprach der Gar-dist, auf den Burgplatz hinaussehend: ,Da kommt ja der Profos ! Wahr-scheinlich hat er eine Ahnung, daß man ihn hier braucht.' Ich be-gnügte mich, den Tröpfen ein verächtliches Gesicht zu machen undkehrte ihnen den Rücken. : Offenbar dachten sie den Kaiser sehr er-zürnt auf mich wegen jenes Gedichtes auf die Genesung des Kron-prinzen. Dies kam übrigens nicht so. Ich trat ein, nannte meinenNamen und trug mein Gesuch um die Nachfolge und die Gehaltszulagemeines Vorgängers im Archive vor. Der Kaiser hörte mich außer-ordentlich wohlwollend an. ,Sind Sie der nämliche', frug er, ,der Autorist?' Ich bejahte und sprach weiter von meinem Geschäfte. Er schiendie Billigkeit meiner Forderung anzuerkennen. „Haben Sie etwasSchriftliches bei sich?' war seine weitere Frage. Ich hatte kein Ge-such. Er sprach von der Wichtigkeit des Archivs, lobte meinen Vor-gänger, forderte mich auf, fleißig zu sein und ,meine Untergebenen.zusammen zu halten' und entließ mich mit einer leichten Kopfneigüng.Das Ganze mochte etwa 5 Minuten gedauert haben." Trotz desguten Verlaufs der Audienz wurde dem Archivdirektor Grillparzer dieerbetene volle Gehaltserhöhung verweigert. Schlimmer aber war>daß durch die Treulosigkeit der Zensurbehörde auch der künftigeKaiser zum Gegner des nationalsten österreichischen Dichters gewor-