GRILLPARZER 222
auch für diese Vorstellung zuwege. Zuletzt kam der Eigentümer desTheaters an der Wien, Graf Palffy, mit utilitarischen Gründen underklärte, wenn man ihm die Stücke, die Geld eintrügen, verbiete, müsseer sein Theater schließen. Das wirkte, und Barrabas wurde freigegeben."
Kaiser Franz, der mit seiner Gemahlin der Vorstellung am 7. Märzbeiwohnte, soll sehr gegen die „Ahnfrau" eingenommen gewesen sein.Vielleicht sah er darin eine Verherrlichung des Räubertums, oder erhielt sich einfach an das schon 1799 erlassene Verbot der „Geister-und Betrügergeschichten", wovon er in seinem starren Gerechtigkeits-sinn keinerlei Ausnahme gestatten wollte, am wenigsten hier, wo einerseiner Beamten der Übeltäter war. Denn 1813 war Grillparzer alsKonzeptspraktikant bei der k. k. allgemeinen Hofkammer in den öster-reichischen Staatsdienst eingetreten; nach und nach rückte er zumHofkonzipisten, schließlich zum Archivdirektor auf. Welche Zurück-setzungen er sich in dieser seiner Beamtenlaufbahn gefallen lassenmußte, erzählt er mit grimmiger Erbitterung in seiner Selbstbiographie.Schon zu Anfang der zwanziger Jahre wollte er der „amtlichen Miß-handlungen" wegen den Staatsdienst wieder verlassen, aber seinGönner, der Finanzminister Graf Stadion, zwang ihn geradezu zubleiben, indem er dem Dichter vorstellte, daß es „bei den obwaltendenZensur- und sonstigen Verhältnissen in Österreich für jemanden vonseiner Richtung unmöglich sei, von der Literatur zu leben". Pegasusblieb also im Joch.
Die vielen Schikanen, die Grillparzer als Dichter und Beamter inseinem Leben zu erdulden hatte, waren ihm, abgesehen von der imStaatsorganismus unbequemen überragenden Größe seines Geistes, imbesondern durch ein Gedicht erwachsen, das er im April 1819 bei seinemersten Aufenthalt in Italien geschrieben hatte. „Die Ruinen des Campovaccino in Born" gaben der Empfindung Ausdruck, der sich selbstglaubenstreue Katholiken, wie Graf Stolberg, angesichts dieser Trüm-mer nicht erwehren konnten: die neue Zeit, das Christentum, das, wieGrillparzer sagt, „dem Alten aufgedrungene Pfäffische", hatte imZeichen des Kreuzes auch die künstlerische Blüte der alten heidnischenKultur mit barbarischem Zelotismus so gut wie vernichtet. Das Gedichterschien in dem von Josef Schreyvogel herausgegebenen Almanach„Aglaja" (für das Jahr 1820) und verursachte geradezu einen Sturmdes Unwillens in der kirchlichen Partei. Der Anstoß dazu kam aller-dings, so versichert wenigstens Grillparzer, von außen; der VerlegerWallishauser hatte, „wahrscheinlich auf eine goldene Dose oder derleials Gegengeschenk spekulierend", den Almanach der Königin Karolinevon Bayern gewidmet und das Dedikationsexemplar nach Münchengesandt, ehe die „Aglaja" noch im Buchhandel erschienen war. Dortaber nahm man heftigen Anstoß daran, daß ein solches Gedicht unterder Aegide der bayrischen Königin in die Welt ging, und der Gesandte