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schuf diesem so versöhnlichen Stücke Gegner. Zwar nicht in Berlin(November 1890 im „Deutschen Theater"), aber in mehreren Provinz-städten, wo auf die Nerven solcher Fabrikbesitzer Rücksicht genommenwerden sollte, wurde es verboten. Gleichfalls ein soziales Problem be-handelte Fuldas Schauspiel „Die Sklavin" (1891) : Eine Frau befreitsich aus einer unwürdigen Ehe und zerbricht die Fesseln eines über-lebten Gesetzes durch die gesetzlose Gemeinschaft mit einem andern,geliebten Manne. Im Frühjahr 1892 wurde dies Stück auf dem WienerHofburgtheater aufgeführt, mußte aber nach der zweiten Vorstellungabgesetzt werden, da die Zimperlichkeit gewisser Persönlichkeiten, die„im Hause des Kaisers" noch weit mehr zu sagen hatten als die Hof-würdenträger, an dieser „unanständigen" Lösung des Konfliktes An-stoß nahmen. Der Vorfall drohte sogar die Stellung des erst zweiJahre amtierenden Burgtheaterdirektors Dr. Max Burckhard zu er-schüttern. — Auch in Wiesbaden wurde das Stück plötzlich vomRepertoire abgesetzt, und von Berlin soll der Befehl gekommensein: alle preußischen Hofbühnen müßten von nun ab die vonihnen angenommenen Stücke erst in Berlin einreichen (vgl. „Maga-zin für Literatur" 1892, S. 182. 213). Dasselbe Jahr brachte Ful-das erfolgreichstes Werk, das dramatische Märchen „Der Talisman",dessen virtuose Verstechnik das Märchenspiel auf der Bühne neu be-lebte, ohne aber dem Autor zu dem verdienten Schillerpreis zu ver-helfen. Auf dem Wiener Hofburgtheater wurden bereits die Probenabgehalten, als die Zensur ihr Veto einlegte. Erst im November 1903lernten die Wiener das Stück auf dem dortigen „Deutschen Volks-theater" kennen, zu einer Zeit also, wo es den Duft blendender Neu-heit längst abgestreift hatte, und auch jetzt noch kam es nicht un-gerupft durch die Zensur: die beiden Verse, die in glücklicher epigram-matischer Form die Pointe des Märchenscherzes darbieten, der Rufder unschuldigen Rita:
Herr, kann dich das im Ernst erbosen?Du bleibst der König auch in Unterhosen!
mußten gestrichen werden! Als einige Jahre später am selben TheaterRosa Rettich in dieser Rolle debütierte und die verpönten Verse den-noch sprach, wurde sie von der Zensurbehörde in Strafe genommen. —Einen ähnlichen Geniestreich leistete sich, Herbst 1898, die BerlinerZensur bei der Uraufführung von Fuldas meisterhafter Übersetzungdes Rostandschen „Cyrano de Bergerac" im „Deutschen Theater";u. a. erklärte sie das nach der Trauung im 3. Akt vorkommende Wort„Hochzeitsnacht" für unzulässig! Gegen diesen Unsinn schritt aberdie Direktion mit Erfolg ein, und der Standpunkt der Kinderkomödiewurde aufgegeben. (Die vorstehenden tatsächlichen Mitteilungen be-ruhen auf eigenen Angaben des Dichters.)