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auftretende Fürst Udaschkin in einer das russische Nationalgefühl be-leidigenden Weise gezeichnet sei. Erst 1881 wurde dies Verbot auf-gehoben, unter der Bedingung aber, daß der russische Fürst in einenungarischen Magnaten Fredow Ujhazy verwandelt würde. Mit dieserÄnderung kam das Werk 1881 in St. Petersburg zur ersten erfolg-reichen Aufführung. — Freytags „Valentine" dagegen waren im za-ristischen Rußland durchaus verboten wegen ihres „republikanisch-demokratischen Geistes" (vgl. „Berliner Tageblatt" vom 3. November1881, Nr. 515).
FULDA, LUDWIG (geb. 1862).
Im Oktober 1890 lief das Sozialistengesetz Bismarckschen Ange-denkens ab. Zwölf Jahre lang hatte es über das soziale Problem diegeistige Sperre verhängt und diese brennende Tagesfrage der öffent-lichen Debatte so stark entfremdet, daß die junge Literatur, die sichseiner mit Energie bemächtigte, nicht nur bei den Hütern des Gesetzes,sondern auch beim überwiegenden Teil des Lesepublikums auf grund-sätzliche Abneigung stieß. Statt nun die Versäumnis eines halben Men-schenalters schleunigst einzuholen und die Öffentlichkeit durch diepopulärste Kunst, die der Bühne, der Lösung des die Zukunft ver-schleiernden sozialen Rätsels nahezubringen, wurde die Dosis dergeistigen Rationierung, wie sie der Theaterzensor übt, nicht auf das Be-dürfnis eines wachsenden Gehirns bemessen, sondern auf den Minimal-verbrauch eines bereits senilen Schädels. Der „Normalmensch" derBehörde, war auch hier der bereits pensionsberechtigte Invalide, unddie „kompakte Majorität" bekannte sich zu diesem Menschheitsideal.Zeige mir deine Zensur, und ich sage dir, wer du bist! kann man jedemZeitalter zurufen. Gegen die junge Literatur jeder Epoche hat dieZensur des denkfaulen Publikums stets ebenso eifrig gewütet wie dieder amtlichen Organe, die sich gerne damit bescheiden, sich auf dasNiveau jener Masse einzustellen. Die Teilnahme des sogenanntenPublikums an der Literatur wird immer in erster Linie durch den Stoffbedingt. Ihm gelten Applaus und Zischen, und es war eine der schwer-sten Aufgaben der Literaturbewegung Ende der achtziger Jahre, durchdas Mittel künstlerischer Gestaltung neuen Stoffen ein Heimatrechtin der Literatur zu erobern. An dieser Aufgabe beteiligte sich miteinem ungewöhnlichen Einsatz formaler Gewandtheit auch LudwigFulda. Er war gewiß kein Jakobiner, der nur in einer unerbittlichenKatastrophe das Heil der Zukunft sah. Sein soziales Schauspiel „Dasverlorene Paradies" (1890) beschwört vielmehr den Ausbruch einesStreiks in einer Fabrik durch die in letzter Stunde aufdämmernde Ein-sicht der zunächst Beteiligten; aber schon seine Ablehnung einer Kraft-probe, das Fiasko des den Kampf herausfordernden Elementes, das mitGewalt den wirtschaftlich Schwächeren zur „Raison" bringen will,