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1 (1924)
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FREYTAG, GUSTAV (1816—1895).

Seinen Ruf als Dramatiker begründete Freytag mit seinem Schau-spiel „Die Valentine", das er gleich nach Fertigstellung des Manu-skriptdrucks am 13. Juli 1846 dem Schauspieler Emil Devrient sandte,der als erster Held und Liebhaber das wichtige Dresdener Hoftheaterbeherrschte und für die junge Dramatik bei der dortigen Intendanzmanche Lanze gebrochen hat. Am 11. August dankte ihm Devrientmit der Mitteilung, er habe das Stück sofort dem Intendanten v. Lüt-tichau mit dringendsten Empfehlungen eingereicht; ob es sich aber fürdie Darstellung besonders eigne, wage er nicht zu behaupten. Wieer, wohl mit Rücksicht auf die Hoftheaterzensur, schon ahnen mochte,half seine Vermittlung nichts. Die Schicksale des Stückes in Dresdenwurden zunächst die Veranlassung der lebenslänglichen Gegnerschaftzwischen dem Dichter Freytag und seinem Zeitgenossen Karl Gutz-kow, der seit Dezember 1846 Dramaturg am Dresdener Hoftheater warund daher über die Aufführung der „Valentine" mitzubestimmen hatte.Aus seinem eigenen langjährigen Kampf mit der Theaterzensur, vorallem der Hoftheater und der Dresdener Bühne im besondern, kanntedieser zur Genüge all die kleinlichen Rücksichten, die bei der Darstel-lung eines modernen Dramas in der vormärzlichen Zeit genommenwurden, und in seiner Stellung als Dramaturg mußte er wohl oderübel nun selbst den Zensor spielen, um die Annahme wertvoller Stückedurchzusetzen. Er schrieb daher am 23. Januar 1847 an Freytag, daßer in Dresden zwar wenig Neigung angetroffen habe, das Werk zu -geben, daß er aber dennoch die Darstellung zu erreichen hoffe, frei-lich müßten „der Verhältnisse wegen" einige Änderungen vorgenom-men werden. „Aus dem Fürsten muß ich einen jungen Erbprin-zen, aus der Prinzessin eine Reichsgräfin (natürlich mit .Durch-laucht') machen: das fühl' ich schon; aber auch Georg [Winegg, derunter dem Namen Saalfeld auftritt] muß etwas anders introduzirtwerden; denn so als Bürgerlicher spielt er am Hofe eine traurige Rolle.Ich schlage vor, ihn scheinbar als einen Engländer Sealsfield einzu-führen ; denn Engländern wissen Sie wohl stehen die kleinen Höfevon Weimar usw. sehr leicht offen." Das ging natürlich dem jungenDichter sehr gegen den Strich; der Konflikt zwischen Adel und Bürger-tum, ein von der gesamten jungdeutschen Dramatik, in die auch Frey-tag einzureihen ist (vgl. mein Buch „Emil Devrient" 1903. S. 91 ff.)»mit Vorliebe behandeltes Motiv, ist der Grund und Boden fast allerFreytagschen Schöpfungen, nicht nur der Dramen, sondern auch seinerRomane, und der von einem vorbildlichen Bürgerstolz erfüllte Dichtermußte sich natürlich am heftigsten darüber erbosen, wenn gerade dieseSpitze seines dramatischen Konflikts aus Rücksicht auf die Hof-schranzen abgestumpft oder gar umgebogen werden sollte — einSchicksal, an das sich Gutzkow selbst und die übrigen damaligen