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gericht fertig geworden wäre. Man brachte heraus, daß die Gedichtein Braunschweig gedruckt würden, aber die dortige Polizei weigertesich, dagegen einzuschreiten. Darauf erließ man einen Vorführungs-befehl gegen den Dichter, aber das so tapfer verteidigte Nest in Düssel-dorf war leer. Unterdes erschien das zweite Heft „Neuere politischeund sociale Gedichte" (Düsseldorf, 1851. Selbstverlag des Verfassers.Druck von Gebr. Meyer in Braunschweig — es gibt Exemplare ingrünem, andere in blauem Umschlag). Noch im Juni wurde es be-schlagnahmt, und in Ermangelung des Verfassers hielt man sich anden Buchhändler Scheller, der jedenfalls den Vertrieb auch dieses zwei-ten Heftchens übernommen hatte. Da man fünf Exemplare bei ihm fand,wollte man ihn verhaften; er entzog sich aber dem Zugriff durch eineReise nach London, und Freiligrath schildert in Briefen den politischenFlüchtling Scheller, „einst den Sparenden, jetzt den Berühmten", inergötzlichster Weise: „Er begreift selbst kaum, wie er zu der Ehrekommt, und schwelgt, wenn man ihn in Ruhe läßt, in schmerzlichsüßen Erinnerungen an seine verlassene Geliebte, die Schaubsche Buch-handlung. Tröstet man ihn damit, daß diese Verlassene (durch dasnach ihm und seiner Rückkehr täglich und stündlich fragende Pu-blikum) bedeutend in Aufnahme kommen werde, so lächelt er säuerlichund nimmt mit stürmischer Hast einen Schluck brandy and water.Des Morgens scheint er dann und wann an Katzenjammer zu leiden.Mit seiner englischen Hauswirthin unterhält er sich pantomimisch, sozwar, daß z. B. das Stubenmädchen (wenn sie wissen will, ob er zuHause ißt) auf den Mund deutet und ihn fragend dabei ansieht. Escoursiren dunkle Gerüchte, daß er die erste derartige Geste für eineAufforderung zum Küssen gehalten und demgemäß gehandelt habensoll. Das ist das Loos des Flüchtlings auf der Erde! Sonst geht esihm wohl, doch klagt er manchmal über die Vergänglichkeit der edlenMetalle im Lande der verhängnisvollen drei Buchstaben L. S. D. Imschlimmsten Falle, tröste ich ihn dann, lasse ich . . . für ihn sammeln,und dies ist dann natürlich wieder eine Aussicht, die Sonnenschein aufsein verhärmtes Gesicht zaubert."
Der Scherz ist wohl nur die Maske des Ernstes, der dem Dichterebenso wie dem Buchhändler manche Stunde trübte. Scheller hieltdenn auch das Flüchtlingsleben nicht lange aus; er stellte sich Endedes Jahres der Polizei, wurde aber von den Geschworenen des Düssel-dorfer Landgerichts freigesprochen, obgleich dasselbe Gericht am9- Dezember 1851 die Vernichtung des Freiligrathschen Gedichtbänd-chens, soweit man der Exemplare habhaft werden konnte, angeordnethatte. Der Düsseldorfer Polizeidirektor v. Falderen war über dieseFreisprechung ganz entsetzt, er nannte sie in seinem Bericht nach Ber-lin vom 10. Dezember einen „förmlichen Justizmord" und wollte durchdie Königliche Regierung dem Buchhändler seine Konzession entziehen