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wiesen: so lange wartet, habe er sagen wollen, bis die Stunde schlägt,bis die historische Notwendigkeit die neue Freiheit erzwingt. Einenweiteren Kommentar dazu könne er nicht geben; auch verzichtete erauf das Wort, nachdem der Staatsanwalt und seine beiden Verteidigergesprochen hatten. Die Beratung der Geschworenen war nur kurz.Der Obmann verkündigte das einstimmig gefällte Urteil: Nichtschul-dig ! Ungeheurer Jubel im Saal, Beglückwünschung durch die Freunde,Umarmung der Gattin, festliches Geleit mit Musik durch Bürgerwehrund Volksmenge, daheim ergriffene Ansprache, abends Fackelzug.Der erste, von einem Geschworenengericht entschiedene politischeProzeß endete mit einem Triumph des Angeklagten, und Freiligrathwar für einige Monate der populärste Mann am Rhein. Noch amselben Tag lud ihn Karl Marx zur Teilnahme an der „Neuen Rhei-nischen Zeitung" ein. Ende Oktober folgte Freiligrath diesem Rufnach Köln, redigierte zunächst den englischen Artikel des Blattes, be-schränkte sich aber bald auf Lieferung poetischer Beiträge. SeineGedichte „Wien", „Robert Blum", „Ungarn" usw. erschienen hier zu-erst. Schon ein halbes Jahr später war das Blatt verboten; die letzteNummer erschien am 19. Mai 1849 in rotem Druck und brachte Freilig-raths „Abschiedswort der Neuen Rheinischen Zeitung", das offen eineneue Revolution prophezeite.
Der wahrscheinlichen neuen Verhaftung entzog sich der Dichter, in-dem er nach Holland ging. Aber ohne Paß wurde er dort nicht ge-duldet. Als Heizer verkleidet kehrte er auf einem Dampfschiff nachKöln zurück und beschäftigte sich zunächst mit einer Sammlung seinerälteren, unpolitischen Gedichte „Zwischen den Garben", die noch imselben Jahr bei Cotta erschien ; sie „half in diesen Tagen Den Kum-mer mir ertragen Um das zertretne Vaterland". Gleichzeitig aber er-schien eine gefährlichere Gabe, ein erstes Heftchen „Neuere politischeund soziale Gedichte von Ferdinand Freiligrath" (Köln, 1849. Selbst-verlag des Verfassers. Düsseldorf, W. H. Scheller. Druck von Funckeund Müller in Aachen). Scheller, der Besitzer der Schaubschen Buch-handlung in Düsseldorf, war kühn genug, den Vertrieb des Büchleinszu übernehmen, von dem bald ein „Zweiter Abdruck" (in grünem Um-schlag) erschien.
Beschlagnahmt wurde dies erste Heft anscheinend nicht, und auchder Dichter blieb unbehelligt. Die Polizei wollte sich offenbar nichtwieder eine Abfuhr beim Geschworenengericht holen. Dafür suchtesie dem unbequemen Autor den Aufenthalt am Rhein zu verleiden.Wer mit ihm verkehrte, geriet unter Polizeiaufsicht und wurde bei derersten besten Gelegenheit ausgewiesen. Grund genug, daß sich Freilig-rath bald von der Kölner Gesellschaft verfemt sah. Er siedelte daherim Juni 1850 in das Dörfchen Bilk bei Düsseldorf über. Hier stieß erauf die gleiche, im Dunkeln schleichende Gegnerschaft. Am 6. Juli
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