FRANKL 180
Als Frankl dem Erzherzog Karl das Werk überreichte, fragte ihndieser: „Warum wählten Sie keinen deutschen Helden für Ihre Dich-tung? Sie kennen den schönen Gedanken Schillers: ,Ans Vaterland,ans teure schließ dich an'?" — Der Dichter erwiederte: „Ich würdediesen Spruch befolgen — wenns keine Zensur hätte." — Darauf er-folgte die beklommene Antwort: „Ich bin nicht für Preßfreiheit, aberauch nicht für die Zensur, wie sie unsere österreichischen Staats-männer misverstehen." Trotz solcher Worte zum Fenster hinausmachte man aber nie einen ernsthaften Versuch, diesen Staatsmännernein anderes Licht über die Zensur aufzustecken, man ließ sie vielmehrals unumschränkte Tyrannen im Reiche der Literatur schalten undwalten und fand selbst nichts dabei, wenn sie es wagten, einem aus-drücklichen Befehl durch Nichtachtung Hohn zu sprechen. Auch dafürerzählt Frankl aus eigener Erfahrung als Herausgeber der vielgelesenenWiener „Sonntagsblätter" ein überaus charakteristisches Beispiel:
„Den ,Sonntagsblättern' stand es rücksichtlich ihrer Verbreitung imWege, daß sie nur einmal in der Woche erscheinen durften, und ichreichte ein Bittgesuch bei der k. k. Polizei- und Zensur-Hofstelle ein,zu gestatten, daß die Blätter jede Woche dreimal erscheinen dürfen.Das Bittgesuch wurde vom Zensor, dann vom k. k. Revisionsamteunter Hervorhebung des Gehaltes und der Haltung der Blätter befür-wortet. Nach einigen Wochen erhielt ich den Bescheid: ,Die Polizei-Zensur-Hofstelle findet nicht Veranlassung die Bitte zu gewähren, in-dem eine Erweiterung dieser Wochenschrift die Tagesblätter Wiensvermehren hieße'. — Als nach einem Jahre der von Dr. Großhoffingerredigierte „Adler" (1838—1841, als „Vindobona" bis 1844) seinen Flugbeendet hatte, ergriff ich den Anlaß, da das gegebene Motiv weggefallenwar, meine Bitte zu wiederholen. Wieder spielte der Präsident denUnparteiischen und gab die Bittschrift an den Zensor und an das Re-visionsamt zur Berichterstattung; wieder rieten beide ein, und wiederwurde ich. diesmal ohne Angabe eines Motivs, abgewiesen. — Ichreichte nun mein Gesuch beim Kaiser ein; schon nach vierzehn Tagengelangte es signiert an den Präsidenten, was in Altösterreich be-deutete, daß der Beamte einen Bericht abgeben müsse. Monate ver-gingen, ich erhielt keine Erledigung. Der Minister Kolowrat, derwohlwollend, wie er mir stets war, das Gesuch an den Kaiser über-nommen hatte, sagte mir, als ich ihm die Verhältnisse meiner Wochen-schrift wieder auseinandersetzte: „Graf Sedlnitzky haßt jeden Schrift-steller. Bitten Sie Se. Majestät um Erledigung Ihres Gesuches, ohnezu erwähnen, daß Sie um das Liegenlassen des Aktenstückes beimPräsidenten wissen." Ich folgte dem Rate, abermals gelangte meineBittschrift, vom Kaiser signiert, an den Präsidenten, abermals gab erseinem kaiserlichen Herrn keine Antwort. „Nach einem Jahr ging ich,den Kaiser persönlich um Erledigung meiner Eingabe zu bitten, der