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1 (1924)
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181 FREILIGRATH

mir die Bitte gar sehr erleichterte, indem er mich mit den Wortenempfing-: ,No, wie geht's mit die Sonntagsblätter? Ich les' s' rechtgern, auch meine Frau. Am Sonntag hab' ich Zeit.' — ,Eure Majestät!die Blätter gehen nicht gut.' — ,Sie sein ja recht gut; wo liegt dennd' Schuld?' ■— ,Ich habe Euere Majestät zweimal gebeten, das Blattstatt einmal wöchentlich, dreimal erscheinen lassen zu dürfen.' — ,Dasis recht g'scheit, da »krieg ich's öfter z' lesen.' — ,Ich war nicht soglücklich, einen Bescheid auf mein Bittgesuch zu erhalten.' — ,Nochkein B'scheid haben S' kriegt? Der Sedlnitzky laßt mir alles liegen.Bitten S' mich noch einmal!' Ich tat, wie der gütige Monarch mirbefahl, und erinnerte ihn eingangs der Bittschrift an seine eigenenWorte, um dem Präsidenten, an welchen dieselbe wieder gelangenmußte, anzudeuten, wie der Monarch persönlich die Erfüllung meinesWunsches wolle.

Nach acht Tagen schon lag das Gesuch beim Präsidenten, diesmalnicht signiert, sondern von einem Handbillett (im österreichischenGeschäftsstile eine Kabinettsordre) begleitet, in welchem der Präsi-dent aufgefordert wurde, ungesäumt Bericht zu erstatten. Graf Kolow-rat versprach meine Bitte zu gewähren, wie auch der Bericht ausfallenmöge, nur könne er den .Instanzenzug' nicht umgehen. Unglaublichmag es scheinen, aber es ist eine Tatsache: auch diesmal gab derPolizeipräsident seinem Monarchen, auf die dritte schriftliche Anfrage,keine Antwort, einem Befehle keine Folge." (Für das Obige vgl.Frankls „Erinnerungen", hrsg. von St. Hock. S. 87 f. 164. 171—173.176. 189. 328L)

FREILIGRATH, FERDINAND (1810—1876).

Im Februar 1842 starb zu Hamburg der verdienstvolle Übersetzeritalienischer und spanischer Klassiker, Johann Diederich Gries. SeinTod machte ein Jahrgehalt frei, das Gries seit 1837 vom König vonPreußen bezog: 300 Taler — zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben,bei sparsamstem Haushalt immerhin so viel, um einen Dichter vorschlimmster Not zu schützen und ihm, bei einigem Erfolg seiner lite-rarischen Tätigkeit, die so selten gebotene Freiheit des Schaffens zusichern. Konnte solch ein Glück nicht auch einmal einem jungen, nochunverbrauchten Musensohn in den Schoß fallen? Dieser Gedankebrachte den weimarischen Staatskanzler v. Müller, den Freund Goethes,auf den Vorschlag, man möge die 300 Taler jetzt dem jungen FerdinandFreiligrath zuwenden, der nach dem außerordentlichen Erfolg seiner„Gedichte" (1838) den Kaufmannsrock an den Nagel gehängt, 1841die Weimaranerin Ida Melos geheiratet und in Darmstadt ein lustigesPoetenzelt aufgeschlagen hatte, auf das nur die völlige Unsicherheitder Zukunft einen schmalen Schatten warf. Alexander v. Humboldt,der vertraute Ratgeber Friedrich Wilhelms IV., befürwortete Müllers