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1 (1924)
Seite
178
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FRANKL I7 8

FRANKL, LUDWIG AUGUST (1810—1894).

Von allen österreichischen Schriftstellern wußte keiner sovielSchnurren über die Wiener Zensur zu erzählen, wie Ludwig AugustFrankl, und zu den Zensurerlebnissen fast aller seiner zahlreichenFreunde hat er ein Scherflein beigetragen. Durch Zuverlässigkeit aberzeichnen sich seine „Erinnerungen" keineswegs aus, und da die öster-reichischen Zensurakten nicht mehr vorliegen, eine Nachprüfung derAngaben Frankls also nur in Ausnahmefällen möglich ist, wird mangut tun, viele seiner Anekdoten cum grano salis aufzunehmen. Ver-hängnisvolle Konflikte mit der Zensur hat er selbst nie gehabt; wenner auch mit vielen oppositionellen Geistern verkehrte, hielt er sich dochals Dichter auf dem Pfade des juste milieu, das vor den Augen desZensors einigermaßen Gnade fand, und es mußte schon schlimmkommen, wenn ihm einmal die Geduld riß; er war wohl auch seinerStellung wegen auf ein gutes Einvernehmen mit den k. k. Behördenbedacht; ursprünglich Mediziner, war er, aus Mangel an Beschäftigung,1838 Sekretär der Wiener Israelitengemeinde geworden und brachtees in diesem Amte bis zum hochangesehenen, schließlich gar geadeltenPräses. Hieronymus Lorm nennt ihn „österreichischen Interessenblind ergeben" (s. Wittmer, „Briefe aus dem Vormärz". S. 369) undsagt ihm nach, daß er gerne über die gespottet habe, die der Drangnach Freiheit des Wortes aus dem Lande der Phäaken an der Donauin die Fremde trieb. Daß er es zufällig war, dessen in der Begeisterungdes Augenblicks geborenes Lied „Die Universität" am 15. März 1848,als „erstes zensurfreies" Blatt gedruckt, die Wiener Studenten enthusias-mierte, die noch ihrem Kaiser, Ferdinand „dem Gütigen", zujubelten,stempelt ihn nicht etwa zum Revolutionär, und ein Frondieren ä laGrillparzer oder Bauernfeld war ihm fremd. Die Kinder seiner Muse,meist epische und lyrische Dichtungen, durfte er ruhigen Gewissensdem Kaiser oder diesem und jenem der zahllosen Erzherzöge persön-lich überreichen, ohne Gefahr zu laufen, sich ungnädig empfangen zusehen, und nur das Haschen nach Witz, die echt wienerische Neigungzur Anekdote und die Zuspitzung der Pointen für amüsante Feuilletonslassen ihn in seinen erst 1912 gesammelten „Erinnerungen" hier undda weit malitiöser erscheinen als er zu Lebzeiten jemals war. Immer-hin verdienen auch einige seiner Erlebnisse hier eingereiht zu werden,da sie das ganze System der österreichischen Zensur, selbst einem so un-gefährlichen Poeten gegenüber, in seinem grotesken Stumpfsinn zeichnen.

Als Frankl einmal in Seidls Taschenbuch „Aurora" sein Dramolet„Rudolf von der Wart" erscheinen lassen wollte, wurde dessen Druckverboten, weil der Held ein Mordgenosse Parricidas war und „mandurch nichts daran erinnern dürfe, daß ein gekröntes Haupt gemeucheltworden sei". Frankl beschwerte sich darüber mit dem Hinweis, daßdoch im Wiener Burgtheater „Maria Stuart" und andere Trauerspiele