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schreien muß — dieser Schrei wird keinen aufwecken". — Die „Kre-felder Zeitung" (18. Oktober) schickte den Dichter mit dem Goethe-wort heim: „Die Geschichte des guten Jesus hab' ich nun so satt, daßich sie von keinem als allenfalls von ihm selbst hören möchte."
Solchen Stimmen tönten allerdings gewichtige Urteile entgegen.Wilhelm Schmidt-Bonn stellte die „Schlimme Botschaft" unter diezehn besten Bücher des Jahres: „Unerschrocken Jesu Welt und unseredurcheinander verwühlt, wie in einem Schöpfungsgewitter mit visio-nären Blitzen. Nie ward der Mensch Jesus so entsetzlich sichtbar ge-macht" (Stefan Großmanns „Tagebuch", 10. Dezember 1921. VerlagRowohlt). Der „Zwiebelfisch" (München) rühmte die „großen Ge-sichtspunkte" dieser „philosophischen Auseinandersetzungen", undHeinrich Eduard Jakob im „Mosse-Almanach" 1922 stellte Einsteinüber Grabbe: „Der unbarmherzige Ernst, der sich hier aussagt, erhebtdas Buch über das bloß Genialische ins Geniale." Max HermannNeiße („Kölner Tagblatt" vom 30. Januar 1922) fand in den „fibel-schlichten" Grundthesen des Dialogs „Ansätze zu einer aktuellen Evan-gelienharmonie".
Hier und da waren auch Bedenken laut geworden gegen den offen-baren Pamphletcharakter der Einsteinschen Expressionen. „Das Buchwird vielen weh tun, was nicht der Fall sein könnte, wenn es eine Dich-tung wäre", prophezeite Dr. E. K. Fischer in einer sonst unbefangenenAnalyse (Chemnitzer „Allgemeine Zeitung", 9. Juli 1921). „Es wirdauch bekämpft werden, weil sein Verfasser Einstein heißt ... Es willgerecht sein und atmet Rachsucht, aber es birgt auch abgründigegrausige Erkenntnis . . . Behält Einstein das letzte Wort, so bleibtSpenglers Prognose wahr . . . Einsteins Zeitpamphlet lese keiner, derein Christusporträt in ihm sucht, der Held des Stückes mit dem GenitivJesi [so hatte der Dichter dekliniert!] heißt im Nominativ: Carl Ein-stein." — F. C. Endres („Süddeutsche Presse", München, 18. Dezember1921) vermißte den nötigen „Takt" bei Behandlung von Vorgängen,„die einer großen Anzahl von Menschen heilig sind", und HansKnudsen empfand den ganzen Versuch Einsteins als eine „unerhörtegeistlose Anrempelei" und „verletzende Großsprecherei" („Zeitschriftfür Bücherfreunde", März/April 1922, und „Hamburger Fremdenblatt",14. Januar 1922). Damit war schon das Gleis angedeutet, auf das derFall alsbald von denen geschoben wurde, die gewöhnt oder gezwungensind, die vergängliche Zufallserscheinung organisierter christlicherKirchen mit dem Begriff des Christentums im Sinne des Messias unddem Begriff der Religion überhaupt zu identifizieren, ohne sich aberder verzeihenden Milde ihres Heilands bei solchem Vorgehen zu er-innern. Die katholische „Schlesische Tagespost" scheint den erstenStein erhoben zu haben; die „Hallesche Zeitung" (20. Januar 1922)nahm ihn auf, und die „Kreuzzeitung" (27. Januar 1922) schleuderte