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1 (1924)
Seite
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I 37 EINSTEIN

„posttäglich Requisitionen" über ihn ein — wovon übrigens die preu-ßischen Akten nichts wissen —, und die Redaktion der „AllgemeinenZeitung" korrespondierte mit ihm unter fremder Adresse. Er wußtewohl, warum er im nächsten Sommer Freund Oetker toll nannte, alsihn dieser zu einer Sommerfahrt nach Berlin einlud. So blieb die Fort-setzung von „Nachtwächters Weltgang" — zwei weitere Bände, derenInhalt jener Brief vom 24. Januar schon skizziert — in dieser Formwenigstens ungeschrieben. Eine von mir herausgegebene bibliophileNeuausgabe der „Lieder eines kosmopolitischen Nachtwächters" er-scheint soeben als Nr. 1 der „Klinkhardt-Drucke" im Verlag Klink-hardt & Biermann in Leipzig.

Zwei Jahre später war aus dem Nachtwächter ein Hofrat geworden,der keine verbotenen Bücher mehr veröffentlichte, aber doch tapfergenug war, nie seine Vergangenheit zu verleugnen. Bei der Aufhebungder Zensur im März 1848 sang Dingelstedt dem Zensor eine „Lite-rarische Todtenklage" (im Stil der „Nadowessischen Todtenklage"von Schiller) :

Bringet her die letzten Gaben, Stimmt die Todtenklag'!Alles sey mit ihm begraben, Was ihn freuen mag!

Gebt, den Leichnam zu umwickeln Sanft und säuberlich,Jene Unzahl von Artikeln, Die der Edle strich.

Auch die Scheere, scharf geschliffen, Die des Denkers KopfRasch mit drei geschickten Griffen Leerte bis zum Zopf.

Röthel auch, sich selbst zu streichen, Gebt dem großen Mann,Daß er droben thu' desgleichen, Wie er hier gethan!

Das Frohlocken war aber verfrüht, zwei Jahre später schien dieZensur in anderer Form neu aufzuleben, man führte statt ihrer wiederKonzessionen und Kautionen ein, als Garantien gegen den Mißbrauchder Preßfreiheit. Darauf bezieht sich Dingelstedts Sonett „Auf-erstehung. (Leider keine Geisterstimme!)" mit der horazischen Schluß-pointe: „Censuram [statt: Naturam!] expellas furca, tarnen usquerecurret" — auf gut Deutsch: Du magst die Zensur noch so oft zurTür hinauswerfen, durch Fenster oder Rauchschlot ist sie flugs wiederda. Ein Wort, das zu beherzigen wir heute alle Veranlassung haben!

■ Beide Gedichte Dingelstedts finden sich in seiner Sammlung „Nachtund Morgen. Neue Zeit-Gedichte" (Stuttgart und Tübingen, Cotta.1851. S. 90fr.). I n seine „Sämmtlichen Werke" (Berlin, Gebr. Paetel.Band 8, S. 341 f.) hat er nur das erste aufgenommen.

EINSTEIN, CARL (geb. 1885).

Der Prozeß gegen Carl Einstein, den Dichter der „Schlimmen Bot-schaft", entfachte besondere Aufmerksamkeit, denn er war der erste