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1 (1924)
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DINGELSTEDT 134

zweite Tausend wurde gleichzeitig gedruckt, aber auf anderm Papier,damit es sich als „2. Auflage" auswies. Kamen nun Nachbestellungen,so antwortete er: „Die erste Auflage ist vergriffen, die zweite unver-änderte unter der Presse." Hatten sich die Bestellungen angesammelt,dann lieferte er die zweite Auflage aus. So ging alles „cum figuribus",wie er sich ausdrückte. „Dadurch lenke ich die Journalistik auf diesenUmstand, die dann Stoff zu Raisonnements gewinnt, und niemandahnet hier ein künstliches Manöver, weil die Sache ganz mit Ernstund Würde durchgeführt ist. Änderungen waren nicht möglich, weildas Begehren zu schnell eintrat."

Diese geschickte Inszenierung erregte natürlich die Aufmerksam-keit der Buchhändler. Weit wichtiger bei der Verbreitung eines be-denklichen Buches war aber die möglichste Hinausschiebung einesnachträglichen Verbots, denn das Imprimatur eines Zensors schütztedas betreffende Buch keineswegs vor der Beschlagnahme in allenübrigen dreiunddreißig Bundesstaaten, kaum im Ausgangsorte selbst.Die Hamburger Firma war, besonders in Preußen, alles eher denneine Empfehlung. Auch dafür hatte Campe seinen wohlüberlegtenFeldzugsplan, den er am 28. September dem Dichter klipp und klarentwickelt: „Nach Königsberg geht ein directes Bällchen ab, dort istein sicherer College unterrichtet, ohne zu wissen, w a s er erhält, warteter schon darauf. — So werde ich die Posten überall besetzen, undgleich in tüchtigen Quantitäten die Hauptplätze versorgen. Aber ge-mach —, 4 Wochen muß [in der Journalistik] alles still undruhig . . . bleiben. Königsberg, Breslau, Frankfurt a. M. müssenfrüher abgesandt werden, so, daß die Sendung nach Leipzig nichtfrüher eintrifft bis jene Orte gleichzeitig, an einem Tage, in Besitzkommen. Zuletzt, 8 Tage später wird Berlin, wie jeder an-dere Ort in Besitz gesetzt, da und hier und Hannover ist wiederberechnet, daß wir an einem Tage da sind — so meine ich schlüpfenwir durch." Diese Praxis hatte Campe schon oft angewandt. Ehe dieBehörden solch ein neues Buch näher ansahen, sich zu einem Verbotaufrafften, die Verfügungen an die Regierungspräsidenten der Pro-vinzen erließen und der ganze amtliche Apparat spielte, waren in derRegel die meisten Exemplare schon unter die Leute gebracht und diePolizei hatte das Nachsehen, jedenfalls war der Schade für den Ver-leger nicht allzu groß.

All diese Vorsichtsmaßregeln beruhigten übrigens den „kosmopoli-tischen Nachtwächter" keineswegs. Die Polypenarme der Polizei,besonders der preußischen, waren lang und die Nähe der MainzerZentraluntersuchungskommission für jeden, der etwas auf dem Kerb-holz hatte, höchst unbehaglich. Dingelstedt zog es daher vor, gar nichterst nach Augsburg zu gehen, sondern sich vorher in Stuttgart demVerleger der „Allgemeinen Zeitung" vorzustellen; seine „einnehmende