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1 (1924)
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So gaffte jeder aus anderm Grund,

und alle schmähten den toten Hund.Da trat Jesus unter den Schwärm;

hell hob er über den Leichnam den Arm.Seht! sprach er und stand voll Sonnenschein :

seine Zähne sind wie Perlen rein!Und lächelte — daß alle, die 's erlebten,durchglühten Schlacken gleich erbebten."Daß dieses Vorwort kein Ehrenmal für den Angreifer darstellte,mochte dieser selbst am stärksten empfinden. Auch die Wucht derTatsache, daß seine Prophezeiung von Jahr zu Jahr sich weniger be-wahrheitete, daß Dehmels Dichterpersönlichkeit hoch darüber hinaus-wuchs, mochte es dem unterdes gereiften und zu eigener Anerken-nung gelangten Draufgänger erwünscht erscheinen lassen, jene schrilleDissonanz in leidliche Harmonie aufzulösen. Detlev v. Liliencronwurde von Münchhausen um Übernahme der Vermittlerrolle ge-beten. Dehmel verlangte öffentlichen Widerruf (an Liliencron, 3. No-vember 1902). Alsdann seine „Gesammelten Werke" (1907 ff.) erschie-nen und Münchhausen nur das Maß, nicht die Art seines Urteilsänderte, lehnte Liliencron jede weitere Vermittlung ab. Immerhindürfte es dieser Verhandlung zuzuschreiben sein, daß Dehmel im

4. Bande jener Ausgabe, der „Die Verwandlungen der Venus" als selb-ständiges Werk brachte, beim fragmentarischen Abdruck der „Venusconsolatrix" die gebotene Zensurlücke nur mit der Bemerkung füllte:„Der Mittelsatz dieser Phantasie, der die sagenhaften Tugenden derMagdalenischen und Nazarenischen Maria in dem hier dargestelltenweiblichen Wesen vereinigt zeigt, ist durch Urteil des Berliner Land-gerichts vom 30. August 1897 für unsittlich erklärt worden und darfdaher öffentlich nicht mitgeteilt werden." Dieselbe Bemerkung ent-hält die dreibändige Ausgabe der „Gesammelten Werke" 1912, Band 1,

5. 384. Als Privatdruck aber hatte Dehmel eine unkastrierte Ausgabedes Zyklus herstellen lassen: „Die Verwandlungen der Venus. Rhap-sodie von Richard Dehmel, Ausgabe im vollständigen Wortlaut. Anno1907. Als Manuskript gedruckt in 150 Exemplaren für eigenen Bedarfdes Verfassers mit Vorbehalt sämtlicher Rechte." Auch Ergänzungs-blätter zur „Venus consolatrix" gab er an Freunde (vgl. an J. R. Becher,13. März 1910).

(Die vorstehende Darstellung fußt im wesentlichen auf den imDehmel-Archiv zu Blankenese aufbewahrten Akten, deren Kenntnisich Frau Ida Dehmel verdanke.)

DINGELSTEDT, FRANZ (1814—1881).

„Lieder eines kosmopolitischen Nachtwächters" nannte sich einBüchlein, das Anfang November 1841 anonym bei Hoffmann & Campe