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1 (1924)
Seite
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CATALOGUS LIBRORUM PROHIBITORUM 9 6

Literatur verzeichnet der Nachtrag Bodmers „Calliope" (1767) undden 1. Band seiner „Neuen theatralischen Werke" von 1768, und zwar„wegen des ersten Stückes, der vierte Heinrich Kaiser"; solche Be-gründungen finden sich nur ganz vereinzelt. Auch Gottscheds„Nöthiger Vorrat" (2. Teil, 1765) trifft jetzt der Bannstrahl, fernerLöwens „Romanzen" (1769), und vor allem Wielands „Idris" (1768)und seine „Geschichte des Agathon" (1766f.). Selbst eine Antwortauf Lessings 17. Literaturbrief gegen Gottsched, „Briefe, die Einfüh-rung des englischen Geschmacks in Schauspielen betreffend" (1760),ist von den Wiener Literaturrichtern gewogen und zu leicht befundenworden. Aus der alten Literatur wird eine Lucian-Übersetzung von1769 verworfen, aus der ausländischen Beaumonts und Fletchers„Der beste Mann", eine Übersetzung Dantes, Fieldings Werke, Shaftes-burys „Characteristics of men" von 1727, die Milton-Biographie vonToland (1761) und mehrere Schriften von Crebillon, Rousseau undVoltaire. An gelehrten Werken sind verpönt Basedows „TheoretischesSystem der gesunden Vernunft", Iselins „Geschichte der Mensch-heit", Joh. Jak. Mosers „Comitial-Handlungen über die Religions-beschwerden" und Schröckhs „Allgemeine Biographie" und „Kirchen-geschichte".

Im Geroldschen Katalog von 1776 nebst seinen Nachträgen sehenwir endlich auch Goethe, wie er sich einmal ausdrückte, von dem Ver-bot der Wiener Zensur „bekränzt": „Die Leiden des jungen Werthers"(i774) sowohl wie „Goethes Schriften" in einem dreibändigen Ber-liner Nachdruck sind verbotene Ware; ebenfalls eine Dramatisierungdes „Werther" als „bürgerliches Trauerspiel in Prosa und 3 Akten"(Frankfurt und Leipzig 1778). Von Lessing sind jetzt hinzugetreten„Zwei Lustspiele" (1775), die 4. Auflage der „Kleinigkeiten" (1769).der 4. Band seines Sammelwerkes „Zur Geschichte und Literatur"( l 777), der ihm auch einen Zensurkonflikt mit dem Herzog von Braun-schweig eingetragen hatte (vgl. den Artikel Lessing), und seine Aus-gaben der Schriften von Mylius und der Aufsätze von Jerusalem. VonWieland sind hinzugekommen die Sammlung seiner prosaischen Schrif-ten und sein leichtfüßiger Roman „Der Sieg der Natur" nebst seinerfranzösischen Übersetzung „Avantures de Don Sylvio de Rosalva",von Voß die „Poetische Blumenlese", Joh. Georg Jacobis „SämtlicheWerke" (1770), Mendelssohns „Schreiben an Lavater", LeisewitzensTrauerspiel „Julius von Tarent", Diderots „Geschwätzige Muschel",Retif de la Bretonnes „Paysan perverti", gelehrte Werke wie Abbtsund Iselins vermischte Schriften, Süßmilchs „Göttliche Ordnung",zahlreiche Bände der „Allgemeinen deutschen Bibliothek" und ganzeStapel von Musenalmanachen aus Leipzig und Göttingen; der „Rhei-nische Most" von 1775 und der „feyne kleyne Almanach" Nicolaisvon 1777 sind natürlich auch darunter.