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BUSCH
hatte Schauenburg gebeten, daß Busch zu dem Termin in Offenburgpersönlich erscheinen möchte. Auf den Rat des Onkels, Justizrat Eb-hardt in Hannover, ließ er das; denn da er nicht mit angeklagt sei,ihn auch die Verhandlung im ,Ausland' Baden gar nichts anginge,machte er sich mit einer Reise dorthin nur unnötige Ungelegenheiten.Doch hat mein Onkel, wie es scheint, in einem ausführlichen Schreibenan Schauenburg, die Tendenz des Werkes und die ganze Darstellungauch gegenüber den unqualifizierbaren Angriffen des Tübinger Ästhe-tikers, Fr. Theodor Vischer, begründet und gerechtfertigt; das Kon-zept hierzu, das ich besitze, enthält folgende Bemerkungen:
,Der Humor vor den Schranken des Gerichts. Wenn das kleine Bucheine Ironie enthält, so geht dieselbe gegen die Darstellung in katho-lischen Wunderbüchern und ist dadurch veranlaßt. Z. B. findet sich in»Unserer lieben Frauen-Kalender« eine Stelle mit Bild, wo die Mariaden frommen Klosterbruder an ihren Brüsten saugen läßt. Diese Über-treibung des Marienkultus ist in dem Büchlein karikirt. Die Personder Maria ist, soweit in meinen Kräften, ideal dargestellt. Jeder Un-befangene muß diese Absicht erkennen und wird nichts Lüsternes fin-den. »Üppig« sind die Zeichnungen nicht; so könnte man die Dar-stellungen der großen Meister nennen, die die Gestalten der HeiligenGeschichte mit allen Reizen der Farbe und der Form ausgestattethaben und sie in voller Nacktheit und in der Fülle ihrer geschlecht-lichen Schönheit zeigen (Rubens, Cignani, die keusche Susanna inMünchen, Joseph und Potiphars Weib in Dresden, auch Kaulbachsbekannte Szene in Reineke Fuchs). Wer eine gesunde Phantasie hat,wird da nur das Schöne, aber in den kindisch-humoristischen Dar-stellungen des Büchleins auch nur das Drollige sehen. Das Lächer-liche und Wollüstige sind geradezu Gegensätze, und es zeigt sich dieÜbertriebenheit der Anklage darin, daß sie etwas Tadelnswertes mitGewalt finden und an den Haaren herbeiziehen will. — Das Büchleinist nicht anders zu beurteilen, wie vieles Ähnliche. Der alte Spruch:O, heiliger St. Florian, beschütz mein Haus, zünd andere an! ist eineInfamie, aber jeder weiß, daß es scherzhaft gemeint ist. Wie derbund satirisch sind die Pfaffenmärchen und die Legende (bei Bech-stein?), in der Sankt Peter als Bruder Lustig erscheint und von einemBauern Schläge kriegt. In München soll bis vor nicht langen Jahrenein Bild unter den Bögen gehängt haben, wo Luther mit seiner Kathiauf einer Sau reitet, mit der Unterschrift, er sei da die Bratwurst schul-dig geblieben, was das katholische Volk an vielen Orten erzählt.' —So sagt mein Onkel in diesen Notizen über die Tendenz und Dar-stellung des Heiligen Antonius. Daß er dieses Jugendwerk, wie diespäteren scharfen Satiren gegen ultramontane Hetze und Frömmeleiin seinen alten Tagen .bereut' habe, ist mir nie bekannt geworden. Ichwüßte auch nicht, was er hätte bereuen sollen." („Wilhelm Busch."