79 BÖTTIGER — BRENTANO
Brockhaus war. Von Dresden aus verfügte man sofort die Beschlag-nahme, aber ehe sich die Polizei über den Fundort unterrichtet hatte,war das Nest schon leer! Bossange hatte sein Leipziger Geschäft am*• Juli 1836 an die Firma Avenarius & Friedlein abgetreten; diesewieder war am 31. März 1837 in die Firma Brockhaus & Avenariusübergegangen; als man das glücklich heraus hatte und nun bei dieserFirma recherchierte, war auch nicht ein Exemplar mehr da: der ganzeVorrat war während der Kantatemesse an auswärtige Buchhändlergegen bar verkauft worden! Wer die Abnehmer waren, davon hattenBrockhaus & Avenarius keine Ahnung! Man drohte ihnen zwar mit8 5° der Sächsischen Preßpolizeiverordnung, da die Firma von demv erbot der Schrift, das in Sachsen am 24. April ergangen war, habewissen müssen; aber die preußischen Akten sagen nichts mehr dar-über, ob eine Bestrafung erfolgte.
In Frankfurt, am Sitze des Bundestags, wurde der „Franzosen-fresser" schon am 28. März 1837 beschlagnahmt. Gleichwohl wandertedas Buch „von Hand zu Hand", wie der dortige Konfident nach Wienberichtete (Glossy, a. a. O., I, 112), „und was Börne als letztes Ver-mächtnis hinterläßt, gräbt sich mit Flammenzügen in die Herzen derLiberalen". In Bayern (Erlangen) konfiszierte man es sogar noch am19. Juni 1844! (An Akten des Preußischen Geh. Staatsarchivs wurdenfür diesen Artikel benutzt: Rep. jy II B 30 und Tit. XXI B 5; Rep.101 E Lit. B 39; Ausw. Amt I Rep. IV 196 I und Rep. 18 IX 2 Bd. 11.— Über Brunet s. Rep. yj II H 26: Heideloff und Campe.)
BÖTTIGER, KARL AUGUST (1760—:83s).
In Böttigers, des Dresdener Archäologen, Lebenserinnerungen ausder Weimarer „Genieperiode" über Goethe, Lenz, Lavater usw. strichder Berliner Zensor Grano (Sohn) 1837 kurzweg alle adeligen Namen,auch wenn nichts Schlimmes dabei vorkam; er meinte, man könne dochnicht wissen, ob solcher Familie die bloße Nennung nicht mißfällig sei.Der Verlag Duncker in Berlin mußte daher von der Herausgabe desBuches absehen; er trat seine Rechte dem Verlag F. A. Brockhaus inLeipzig ab, und unter sächsischer Zensur durften Böttigers „Lite-rarische Zustände und Zeitgenossen" 1838 unverstümmelt erscheinen.
BRENTANO, CLEMENS (1778—1842).
Zu den Dingen, die Heinrich v. Kleists „Berliner Abendblätter",die durch die Pedanterie und Strenge der preußischen Zensur unterHardenberg vernichtete Tageszeitung des unglücklichen Dichters,polemisch oder satirisch aufs Korn nahmen, gehörte auch die öffent-liche Sittlichkeit. Ein Artikel des Mitarbeiters und Freundes v. Arnim,der sich mit der behördlichen Duldung der öffentlichen Häuser be-schäftigte, wurde von der Zensur gestrichen, weil er „Staatseinrich-