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veröffentlicht hat („Literarische Geheimberichte aus dem Vormärz'''1912. III, s) keinen Zweifel. Im Juli 1819 schon war die Mehrheit imSenat der freien Reichsstadt für ein Verbot gewonnen, aber derBürgermeister Mahler widerriet einen solchen Schritt, weil das Blattdann gewiß auswärts gedruckt und „Frankfurt noch mehr an denPranger stellen würde" — eine gewiß nicht unberechtigte Sorge, hattedoch der indiskrete Börne gerade damals in Heft 6 und 7 (April 1819)mit klassischem Frei- und Übermut die lustigen Tänze erzählt, die erwährend der letzten Monate als Redakteur einer Frankfurter Tages-zeitung mit der dortigen Zensur bestehen und mit zahlreichen Geld-strafen büßen mußte. Der Anlaß zu diesen köstlichen „Denkwürdig-keiten der Frankfurter Zensur" war es jedenfalls, der Börnes Arbeits-kraft so völlig in Anspruch nahm, daß er die „Wage" vernachlässigenmußte: Der Frankfurter Buchhändler Johann Friedrich Wenner hattedem so schnell berühmt gewordenen Journalisten die Redaktion desverwahrlosten „Staatsristretto" angeboten, und von Januar bis Juni1819 waltete Börne dieses Amtes. Aber wie es um die Freiheit der
„Zeitung der freien Stadt Frankfurt" — so hieß das Blatt jetzt __
bestellt war, hat Börne in jenen „Denkwürdigkeiten" mit einer Fülleurkundlicher Belege wirklich „an den Pranger"' gestellt. Die Einzel-heiten mag man dort selbst nachlesen; es handelte sich stets nur umdie banalsten Dinge: Für jede Tatsache, die etwa aus Paris gemeldetwar, verlangte der Zensor eine „gute deutsche Quelle", sonst wurde siegestrichen; der Ehrgeiz des Redakteurs, „Originalmitteilungen" zubringen, war verbrecherisch. „Wie ist es nun möglich, daß eine fran-zösische Geschichte eine deutsche Quelle haben kann ?" — fragteBörne; „Quelle, Quelle, hieß es jeden Abend 10 Uhr, wenn ich denCensurbogen bekam; ich träumte von Quellen, ich hörte sie rauschen".Ebenso ging es mit Ansichten: standen sie nicht schon in solch einerQuelle, einer andern deutschen Zeitung, die mit Zensur erschien, oderwaren sie gar französischen Blättern entnommen, so wurden sie er-barmungslos gestrichen. „Darf ein Frankfurter nicht so gut eine Mei-nung haben als ein Anderer?" fragte Börne. Meldete die „Zeitung derfreien Stadt Frankfurt" aus Paris: „Das Ministerium, sagt man, istgut, aber schwach" — so strich der Zensor den Nachsatz „aberschwach", der Vordersatz sollte stehen bleiben! Artikel, die aus denharmlosesten Residenzblättchen eines deutschen Duodezstaates ge-schnitten, also dort zensiert waren, durften in Frankfurt unter denAugen der Bundesversammlung nicht gedruckt werden! Selbst denBundestag ehrlich zu loben war untersagt! Die Zensurlücken durchdie verräterischen Zensurstriche anzudeuten wurde gleichfalls ver-boten, und da der Rotstift des Zensors manchmal den halben Textund mehr zum Papierkorb verdammte, hatte der Redakteur seine liebeNot, immer wieder neues Wasser nachzupumpen, damit das Blatt recht-