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folgenden Jahre den Juden das Bürgerrecht. Dadurch eröffnete sichfür den mittlerweile zum Doktor Promovierten die Möglichkeit eineramtlichen Laufbahn, und am 23. November 1811 wurde Dr. LouisBaruch, wie er sich jetzt nannte, als Aktuar bei der Oberpolizeidirek-tion in Frankfurt angestellt. Den künftigen Verfasser der „Briefe ausParis" mit Entwürfen zu Polizeiverordnungen usw. beschäftigt zusehen, als pflichteifrigen Registratur eines Aktenmaterials, in demsein eigener Name sich später nur zu oft als Rubrum finden sollte, alsGlied der „Beamten-Aristokratie", die auch durch das Trommelfeuerseines explodierenden Witzes leider nicht beseitigt wurde, dieser Kon-trast ist eine ironisch-witzige Glosse, die sich am Rande der Biographieeines Humoristen doppelt wirksam ausnimmt. Die Aktuarsherrlich-keit dauerte aber nicht lange: Der Sturm des Jahres 1813 fegte dasGroßherzogtum Frankfurt und mit ihm das Bürgerrecht der Judenhinweg, Dr. Baruch wurde nach Hause geschickt, aber die StadtFrankfurt mußte ihm, trotz ihres Sträubens, nach den Bestimmungender Wiener Kongreßakte, eine lebenslängliche Pension zahlen. Da eraußerdem der Sohn eines begüterten Vaters war, konnte er sich nunmit doppeltem Behagen einem freien Berufe hingeben: er wurdeSchriftsteller und, da ihm nach seinem eigenen Zugeständnis dieschöpferische Kraft fehlte, die sich den Stoff selbst bildet, Journalist— ein Journalist aber, dessen Feuilletons nicht nur der deutschenPresse eine neue Bahn brachen, sondern auf die gesamte Literatureinen bleibenden Einfluß ausübten. 1818, also erst im vorgeschrittenenAlter von zweiunddreißig Jahren, fühlte er sich reif genug, sein eigenerRedakteur zu sein; unterm 26. Mai schrieb er das Programm einerneuen Zeitschrift „Die Wage", die im Juli ins Leben trat. Vorheränderte er seinen Namen, dessen herausforderndes Hebräertum allesVorurteil gegen seine neue Wirksamkeit aufstacheln mußte: vom17. April 1818 ab nannte er sich Ludwig Börne. Am 5. Juni diesesJahres ließ er sich außerdem taufen, denn die Kulturwelt des Christen-tums war längst seine geistige Heimat geworden, und die leidenschaft-liche Hingabe seiner Glaubensgenossen an Geld, Schacher und Handelwiderte ihn an; ihm fehlte der Sinn für Börsengeschäfte, die sich —damals so wie heute! — vampirartig mästeten auf der wirtschaft-lichen Leiche des Vaterlandes. Die „Wage" erschien zunächst alsMonatsschrift von Juli bis November in Frankfurt bei der Hermann-schen Buchhandlung. Ursprünglich war sie als Wochenschrift odergar als politische Tageszeitung gedacht und ihr Druck im „Ausland"geplant, aber die Zensur machte das unmöglich. Das verriet Börnedeutlich in der Ankündigung: „Cäsar, heißt es, habe den hagernCassius gescheut, doch bei dem beleibten Antonius sei ihm wohlgemuthgewesen. Die Herrscher wechseln und die Herrschsucht bleibt; darumwird auch jetzt noch der flinke Geist gefürchtet, und nur neben dem