Druckschrift 
1 (1924)
Seite
58
Einzelbild herunterladen
 

BECK 5 S

Ist der Kommunismus fertig,

Freut euch dann, Aristokraten!

Seid des Schlimmsten nur gewärtig,

Reiche, Krämer, Literaten!Ebenfalls verboten wurde im Oktober 1857 „Ein Buch von unsWienern in lustig-gemüthlichen Beimlein von Rusticocampus" (d. i.Bauernfeld; Leipzig, Hirschfeld. 1858) ; es durfte in österreichischenBlättern nicht einmal angezeigt werden — dieselbe Praxis also wieim Vormärz. „In ein paar Jahren wird man über diese albernen Preß-beschränkungen lachen", schrieb Bauernfeld damals in sein Tagebuch.„Die Preßfreiheit ist bereits Eigenthum der ganzen Welt. In Öster-reich nur wissen sie das nicht, weil sie hier Alles zu spät erfahren."So klingen denn auch Bauernfelds Erinnerungen (1872) in dem Stoß-seufzer aus, der bei dem Freunde Grillparzer fast zur Manie gewordenwar: „Soll ich nicht schreiben, wie mirs ums Herz ist, so schreib' ichlieber gar nicht."

BECK, KARL (1817—1879).

Im Winter 1836—1837 tauchte in Leipzig, dem Mekka aller aus-wandernden Österreicher, ein junger Ungar auf, der von den dortigenLiteraturkreisen bald als ein neuer Lenau gefeiert wurde. Karl Beck,so hieß er, hatte in Pesth Medizin studiert; da sich seine Gesundheitdiesem Studium nicht gewachsen zeigte, arbeitete er eine Weile imGeschäft seines Vaters, verließ aber dann wieder den Kaufmannsladenund ging als Student der Philosophie nach Leipzig. Hier entdeckteGustav Kühne, der Herausgeber der „Zeitung für die elegante Welt",das frische Talent; schon die ersten Gedichte, die Beck in diesemBlatt veröffentlichte, erregten allgemeine Bewunderung, und seinwarmer Nachruf auf Börne (in Nr. 44 vom 3. März 1837) gewann ihmvor allen die Herzen der Liberalen. Sein Erstlingswerk „Nächte. Ge-panzerte Lieder" (1838) zeigte einen neuen Stern am Himmel derPoesie, und der „fahrende Poet", so war auch der Titel seines zweiten,noch im selben Jahr erscheinenden Buches, wurde von GoethesSchwiegertochter Ottilie, der steter Anregung bedürftigen, auf jedenneuen Reiz enthusiastisch reagierenden geistreichen Frau, in dasWeimarer Goethehaus eingeführt. Seine „Stillen Lieder" (1840) undbesonders sein Roman in Versen „Janko der ungarische Roßhirt"(1841) rückten ihn in die vorderste Reihe der zeitgenössischen Dich-tung. Alle diese Bücher waren unter milder sächsischer Zensur inLeipzig bei L. H. Bösenberg erschienen, ohne daß irgend etwas übereinen Konflikt mit der Preßpolizei verlautete. Das wurde mit einemSchlage anders, als Beck, der nach Ablauf seiner StudiensemesterLeipzig verlassen mußte, eine Zeitlang in Pesth, dann in Wien inengem Verkehr mit Lenau gelebt hatte, 1844 nach Berlin kam und