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1 (1924)
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57 v. BAUERNFELD

von Sichingen" zurückgewiesen. Bach suchte zu vermitteln, und balddarauf erhielt Bauernfeld einen Brief des Oberstkämmerers, worin ergebeten wurde, in seinem Stück einige Änderungen vorzunehmen, be-sonders in einer Szene, „wo die beiden Domherren auf eine dasPriesterthum tief verletzende Art eingeführt" seien. „Bedenken Sie,Herr v. Bauernfeld," jammerte der Graf „— und ich in meiner Stellungmuß es berücksichtigen, daß Ihr Stück auf der Hofbühne eines katho-lischen Kaisers gegeben werden soll, wo solche Extreme doch ver-mieden werden möchten." Bauernfeld änderte fast nichts, und dasStück kam dennoch schon am 7. Februar 1850 zur Aufführung, mit-samt dem dicken Domherrn Beckmann, mit Martin Luther und demChoral: „Ein feste Burg ist unser Gott." In Wien, versichert derDichter selbst, galt das Schauspiel für ungemein demokratisch, inFrankfurt und sonst wurde der Verfasser als alt-liberal oder reaktionärverschrien, weil Sickingen, eine Art früherer Gagern, den ihm vom»Jäcklein" angebotenen Landsturm durchaus nicht annehmen wollte.>,In politisch bewegten Zeiten ist schwer, human oder auch nur lüsto?risch zu dichten."

Als Bauernfeld fünf Jahre später demselben Oberstkämmerer seinStück „Unter der Regentschaft" selbst überbrachte, weil der DirektorHeinrich Laube an seiner Annahme seitens des Grafen zweifelte, ver-langte dieser nur, daß das Wort „Grisette" gestrichen werde, und so-gar noch zwanzig Jahre später, 1876, nahm man wieder nur an Worten,an dem Titel „Herrenrecht", Anstoß und verbot dieses Stück Bauern-felds wegen Unsittlichkeit! Der Dichter fand sich bereit, einige Versezu streichen und den Titel in „Ein altes Hecht" umzuändern — dadurchwar das Kapitol wieder einmal gerettet, das Stück wurde erlaubt undam 8. Januar 1876 im Wiener Stadttheater gegeben.

In der Zeit der Reaktion wurden sogar Bauernfelds „Gedichte", die1852 bei Brockhaus in Leipzig erschienen (zweite vermehrte AuflageI 8s6). für Österreich verboten, aber nach fast einem Jahr wieder frei-gegeben. Was die österreichische Regierung darin so erschreckte, istkaum zu konjizieren. Bauernfelds Gedicht „Ein Wiener Zensor",worin er eine Episode aus dem Leben des Dichters und Zensors JosephMayerhofer und dessen Selbstmord (1836) behandelt, stand noch nichtdarin, es wurde erst viel später geschrieben. Wohl aber fanden sichda Verse, die aus der Enttäuschung über die Entwicklung des Volks-geistes geboren waren und selbst dem Ministerium Bach ganz sym-pathisch sein mußten, z. B. „Proletariers Unmuth", der mit den heutemerkwürdig jung erscheinenden Strophen endet:

Arbeit scheu' ich, das versteht sich!

Ordnung mag ein andrer loben!

Doch Geduld — die Welt, sie dreht sich,

Und wir kommen noch nach oben.