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1 (1924)
Seite
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3 i v. ARNIM (BETTINA)

Gesetzmännern gerade so unbefangene Urtheile über die Gesetzgebungam Rhein widerwärtig sind, sie möchten jeden Beifall des Gerichts-verfahrens auf revoluzibnäre Gesinnung schieben." Die Rheinlandestanden damals unter dem Code Napoleon, dessen freiere Recht-sprechung manchen mit der Fremdherrschaft zeitweilig versöhnte.

Auch Arnims bescheidene Theatererinnerungen wissen von einemZensurerlebnis zu berichten. Gleich nach dem Abzug der Franzosenaus Berlin und dem Einmarsch der Russen Anfang März 1813 hatte erdem Berliner Hoftheater ein vaterländisches Schauspiel „Die Vertrei-bung der Spanier aus Wesel im Jahre 1629" zur Aufführung ein-gereicht; bei der Aktualität des Stoffes durch die neue erlösende Wen-dung des europäischen Krieges drang er natürlich auf baldige Auf-führung. Mit vaterländischen Schauspielen wußte man aber damals inBerlin ebensowenig anzufangen wie in Wien. Heinrich v. Kleists..Prinz von Homburg" und seine „Hermannsschlacht" existierten fürdie Bühne nicht. Wie konnte Arnim da Besseres für sich und seinStück erhoffen! Iffland als Direktor des Theaters wagte auch keinenselbständigen Entschluß, sondern fragte erst die den abwesenden Staats-kanzler vertretende Oberregierungskommission, ob sie nichts dagegenhabe. Wider Erwarten erteilte die Kommission die Erlaubnis, da demStück „historische Wahrheit" zugrunde liege, obgleich „allerdings An-spielungen auf die Bedrängnisse vorkämen, welche Deutschland undPreußen von den Franzosen erlitten" hätten. Dennoch konnte Ifflandnicht das Herz fassen, das Werk aufzuführen. Auch in Wien, wo Cle-mens Brentano sich dafür verwandte, drang es nicht durch, obgleich esschon der Zensor in der Mache gehabt hatte. Die Zensurhofstelle hattedabei allerhand lustige Änderungen vorgenommen, von denen Bren-tano am 5. April 1814 dem Freunde Arnim einige verriet. Eine Szene,in der von Brutus, dem Mörder Cäsars, die Rede war, wurde ganz ge-strichen. „Was wird der Mensch in der Sklaverei, ein rechtes Vieh"hieß es in einem andern Auftritt; diese echt Arnimsche derbe Wen-dung ging dem Wiener Zensor wider die Haare; er schrieb dafür diehochtrabenden Worte hin: „Wie sinket die Würde der Menschheitunter eisernem Scepter." Und den burschikosen Vergleich: „Sie istso dumm wie ein Ochs" hatte der höfliche Mann auch nicht zugelassen,sondern die letzten drei Worte einfach gestrichen. (Vgl. Steig, „A.v. Arnim und die ihm nahe standen" I 335. III 603; Czygan, „ZurGeschichte der Tagesliteratur während der Freiheitskriege" II 1, 62f.— Siehe auch Brentano.)

v. ARNIM, BETTINA (1785—1859).

Von allen Schriftstellern des Vormärz hat keiner lustigere Sträußemit der preußischen Zensur ausgefochten als eine Frau, das „Kind"Goethes, Bettina v. Arnim. Nicht als ob die geistige Zollbehörde jener