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direktor in Wien lebte und dem dortigen Schriftsteller L. A. Frank'selbst erzählt hat, wie schlau er seine Recherche anlegte, auf wie genialeWeise er aber von dem noch schlaueren Campe abgeführt wurde. Diein Frankls „Erinnerungen" (S. 263 f.) überlieferte Anekdote darf inder Geschichte der Zensur geradezu als klassisch bezeichnet werden;sie bezieht sich auch ohne Zweifel auf das Werk „Österreich und dessenZukunft", denn kaum ein anderes konnte Frankl „epochemachend"nennen, und ist in allen Einzelheiten nicht etwa von Wiener Spaßvögelnerfunden, denn gewissermaßen den Aufriß dazu finden wir vollkommenin den schon erwähnten Briefen Campes an Dingelstedt aus dem Jahre1841. „In Hamburg angekommen," erzählt Frankl, „logierte sich derPolizeikommissär als Kaufmann ein, wofür er gewiß jeden andernwegen .Falschmeldung' bestraft hätte, und begab sich unverweilt in dieBuchhandlung, die jenes Buch verlegt hatte. Er ersuchte um einigeBücher über Österreich, die er in der Heimat nie zu Gesichte bekomme.Der Chef der Buchhandlung reichte ihm sogleich das Buch, dessent-wegen er eben den geheimen Argonautenzug von der Moldau an dieElbemündung übernommen hatte. Nach einigen Tagen erschien er wie-der im Laden, ließ sich andere Bücher über Österreich vorlegen undbemerkte so nebenhin, wie sehr ihn das erste gefesselt habe. Der Ver-fasser sei außerordentlich genau unterrichtet und, ob er denn nicht be-kannt sei. Der Buchhändler erwiderte, daß es ein hochgestellter Be-amter sei, den er aber nicht nennen dürfe. Der Polizeikommissär gingmit neuen Büchern beladen, die er ohnehin in Prag besaß, um nacheinigen Tagen wiederzukommen. Wieder fragte er, anscheinend gleich-gültig und wie zufällig darauf zurückkommend, um jenen Autor. Dergeistreiche Buchhändler mochte sich glücklicherweise aus den „Spazier-;gangen eines Wiener Poeten" [von Anastasius Grün, die ebenfallsanonym bei Hoffmann und Campe erschienen waren] an den Vers:|„Naderer da!" erinnern und äußerte, daß er vielfach um den Namendes Autors gefragt werde, aber durch Ehrenwort gebunden sei, den-selben nicht zu nennen. Er habe deshalb an den Verfasser geschrieben,ob er, wenn er auch nicht aus der Anonymität hervortreten könne, esnicht gestatten wolle, ihn denen, die ein lebhaftes Interesse an seinemWerke nähmen, zu nennen. Er erwarte mit jedem Posttage Antwort-Der Polizeikommissär M. verlängerte seinen kostspieligen Aufenthaltund kam, um nicht Verdacht zu wecken, erst nach vierzehn Tage"wieder in die Buchhandlung. Der Chef empfing ihn überaus freund'lieh und mit einem vertraulichen Augenzwinkern führte er ihn in seinkleines streng abgeschlossenes Arbeitskabinett. ,Ich freue mich, Ihr eNeugierde befriedigen zu können; im strengsten Vertrauen: der Ver'fasser des sehr merkwürdigen Buches ist der Polizeikommissär' M-[Muth] aus Prag.' Tableau! wie eine althergebrachte Anekdotentech'nik hier abzuschließen pflegt. Campe hatte seinen Besucher erkannt'