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1 (1924)
Seite
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2,5 v. ANDRIAN-WERBURG

und niedrig las sie mit gleichem Eifer. Grillparzer fand einmal einenFiaker auf dem Kutschbock in das Buch vertieft (vgl. seine „Erinne-rungen aus d. J. 1848''), und eines Tages geriet sogar ein Exemplarauf den Schreibtisch des Erzherzogs Ludwig. Die Hofschranzen warenaußer sich. Wie Karl Glossy in den Anmerkungen zu BauernfeldsTagebüchern („Grillparzer-Jahrbuch" V, 198. 213) mitteilt, fand dasRätsel bald eine überraschende Lösung: etliche Tage später fragte derjunge Erzherzog Stephan ganz harmlos seinen Oheim Ludwig, wie erüber das Buch denke, das er selbst ihm hingelegt habe ? Im selben Jahrerschien eine italienische Übersetzung „L'Austria ed il suo avenire",die zwar als Druckort Paris angab, aber, wie der Gouverneur von Mai-land, Graf Spaur, am 18. März 1847 dem Wiener Polizeipräsidentenv. Sedlnitzky versicherte, zweifellos im Kanton Tessin gedruckt oderwenigstens nachgedruckt worden war (vgl. Glossy, „Literarische Ge-heimberichte aus dem Vormärz". Wien, 1912. III, 88f.) ; sie enthielteine besondere Vorrede, als deren Verfasser sich „Aleuni Italiani delregno Lombardo Veneto" unterzeichneten, und fügte zu dem Text nochAnmerkungen, die den polemischen Charakter des Buches wesentlichverschärften und in einem förmlichen Aufruf zu bewaffneter Erhebunggipfelten. Auch ins Französische wurde die Schrift noch 1843 übersetzt.

Am liebsten hätte die österreichische Regierung dem kecken Ver-leger das Schicksal des Buchhändlers Palm bereitet, den Napoleon 1806kurzerhand hatte erschießen lassen, weil er den Verfasser der von ihmverlegten und verbreiteten Schrift „Deutschland in seiner tiefsten Er-niedrigung" nicht nennen wollte. Aber Mettemich war kein Napoleon,er ließ dem Hamburger Verlag nur mit einem Gesamtverbot aller seinerBücher in Österreich drohen. „Das kann mir mehr nützen als schaden!"antwortete der verschmitzte Campe dem österreichischen Bevollmäch-tigten, v. Kaisersfeld, und Metternich gab zu, daß darin „etwas Wahreszu liegen scheine". Man begnügte sich also damit, die HamburgerFirma „auch bei erlaubten Artikeln die Hand der Regierung fühlen zulassen". Vom Hamburger Senat die Konfiskation der Schrift zu ver-langen, wie der Wiener Zensor Em. Th. Hohler sogleich geforderthatte, scheint man als aussichtslos gar nicht erst versucht zu haben.Dagegen interpellierte man die dänische Regierung, sie möge der Voigt-schen Druckerei in Wandsbeck, aus der so viel anstößige CampescheVerlagswerke hervorgingen, zureden, sich nicht derart als „Werkzeug"des Verlegers mißbrauchen zu lassen. Alles umsonst.

Wer mochte nur der Verfasser des Werkes sein? Zunächst nannteman allgemein den Grafen Buquoi, der sich beeilt haben dürfte, dieAutorschaft des gefährlichen Buches abzulehnen. Der österreichischenRegierung lag aber an der Feststellung des Verfassers so viel, daß sieeinen eigenen Gesandten nach Hamburg schickte in der Person desPrager Polizeikommissärs Muth, der später als pensionierter Polizei-