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1 (1924)
Seite
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v. ANDRIAN-WERBURG -'4

v. ANDRIAN-WERBURG, VIKTOR (1813—1858).

Unter der bis 1848 von Jahr zu Jahr steigenden Flut von Schriftengegen Österreich, gegen den Staatskanzler Metternich und sein „Sy-stem", die meist von guten österreichischen Patrioten ausgingen, machteeine ganz besonderes Aufsehen, weil Stil und Inhalt den anonymen Ver-fasser als einen vortrefflich unterrichteten politischen Kopf verrieten,der nach der ganzen Tendenz des Buches zweifellos unter dem hoheneinheimischen Adel zu suchen war. Sie forderte als einzige Rettungvor einer sonst unvermeidlichen gewaltsamen Umwälzung die schleu-nige Bildung einer modernen Repräsentativverfassung und führte vorallem gegen den kleinlichen Bureaukratismus der K. K. „Biomten" eineebenso entschiedene wie würdige Sprache. „Österreich und dessenZukunft" — so lautete der Titel — erschien im Dezember 1842; alsVerleger zeichnete Hoffmann und Campe in Hamburg (1843), die durchden massenhaften Verlag verbotener Literatur bei allen „Gutgesinnten"berüchtigte Buchhandlung. Der in Leipzig die Neuerscheinungen be-obachtende literarische Vertrauensmann der österreichischen Regierung— „Konfident" genannt — berichtete am 15. Dezember 1842, das Buchsei heraus, er könne aber nicht einmal im Zentrum des Buchhandelsein Exemplar auftreiben; nach der Versicherung Volckmars, des Campe-schen Kommissionärs, sei die ganze Auflage nach Österreich verschickt.Die Verbreitung des Buches erfolgte offenbar in aller Stille, nach derbewährten Methode, die Campe mit Hilfe vertrauenswürdiger Sorti-menter in solchen Fällen anzuwenden pflegte; in seinen Briefen anDingelstedt (vgl. den Artikel Dingelstedt) spricht er sich darüber mitamüsanter Offenheit aus. Besonderer Kunstgriffe bedurfte es außer-. dem, die Sendung unbeanstandet über die Grenze zu bringen, da hierjeder Bücherballen geöffnet und auf konfiskable Dinge untersuchtwurde. Gelang es nicht, die ganze Last regelrecht hinüberzuschmug-geln, so half man sich durch Einziehen falscher Titelblätter, die einepolizeiwidrige Schrift etwa als ein harmloses, längst eingeführtes Schul-buch erscheinen ließen — die richtigen Titel erhielten die Empfängerauf besonderm Wege — oder man verstaute die Sendung in plombierten„Transitballen" für Häuser in Mailand oder Triest; beim Aufenthaltin Wien wurden sie vom Buchhändler heimlich geöffnet, entleert undmit erlaubten Büchern gefüllt. Eine dieser Praktiken wurde wohl auchhier angewandt, denn es dauerte einige Monate, ehe die österreichischeRegierung dahinterkam. Erst am 4. April 1843 erließ sie gegen „Öster-reich und dessen Zukunft" das strengste Damnatur und verfügte dieBeschlagnahme aller sich vorfindenden Exemplare, womit diesmal jeden-falls auch die bereits in Privatbesitz befindlichen bedroht waren, wenneine Amtsperson sie zu Gesichte bekam. Das Verbot half natürlichnichts; die Schrift machte eine so ungeheure Sensation, daß noch imJahre 1843 eine zweite und dritte Auflage erscheinen mußten, und hoch