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1 (1924)
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21 ALEXIS

liehen Dasein; Theorien von solcher Extravaganz, daß selbst die An-hänger des Princips scheu wurden.' — Wir haben so viele Seelenzäh-lungen; hätte man doch die Zahl der Anhänger gezählt! — ,Die Extra-vaganz grenzt an Wahnsinn.' — Man sperrt nur die Wahnsinnigenein, die sich an Anderen vergreifen." Das sind die drei wichtigstenStellen, deren Streichung durch die Zensur vom Ministerium als völligberechtigt anerkannt wurde. Ebenso berechtigt sei die Streichung desv. Müllerschen Zitats, gegen das in wissenschaftlich gehaltenen Ab-handlungen, historischen Aufsätzen usw. nichts einzuwenden sei, wohlaber, wenn in solchem Zusammenhange „dergleichen Allegate Artikelnoffenbar aggressiven Inhalts über solche Fragen einverleibt werden,welche das Interesse des Tages lebhaft in Anspruch nehmen und dazubestimmt sind, in sehr weiten Kreisen gelesen zu werden und zu wirken".Im übrigen erhielt der Aufsatz noch die besondere „Zensur": seinePhraseologie sei so verworren und abstrus, daß „ein effectiver Nach-theil von der Veröffentlichung des Aufsatzes vielleicht nicht zu be-sorgen gewesen wäre". Dennoch hätten die Zensoren durchaus korrektgehandelt. — Nur eines sei in der Eingabe von Alexis beachtenswert:die Verschleppung der zu zensierenden Aufsätze durch die doppelteZensur des nichtpolitischen und politischen Zensors. Diesen Mißstandhabe aber das Ministerium bereits früher selbst bemerkt; er werde vomi. Juli ab dadurch beseitigt, daß die Berliner Zeitungszensur in eineHand gelegt werde (und zwar in die Johns!). Bemühen Sie sich alsonicht, lieber Alexis!

Der ganze Erfolg der Eingabe des Dichters war die Anregung odervielleicht nur Beschleunigung einer bureaukratischen Maßregel. Abernicht einmal die Genugtuung, dies zu hören, blieb dem Beschwerde-führer. Er erhielt vielmehr jetzt die Antwort des Königs, die, vomKabinettsminister v. Thile entworfen, in ihrem zweiten Teil ganz dasGepräge des königlichen Stils trägt:

„Ich habe Ihre Eingabe vom 25. v. M. empfangen und geprüft. DieCensoren des mit derselben eingereichten Artikels für die Zeitung habenbei Behandlung desselben nicht gegen die Censur-Vorschriften gefehlt,es ist also ein Grund zur Beschwerde wegen der gestrichnen Stellennicht vorhanden. Glaubten Sie über ungebührliche Verzögerungen sichbeklagen zu müssen, so war diese Klage zunächst an den Minister desInnern zu richten. [Soweit jedenfalls des Ministers Entwurf; nun aberkommt der König:] Mit Widerwillen habe Ich aber einen Mann vonIhrer Bildung und literarischen Bekanntheit durch jenen Artikel unterder Klasse derer gefunden, die es sich zum Geschäft machen, die Ver-waltung des Landes durch hohle Beurtheilung ihres Thuns, durchunüberlegte Verdächtigung ihres nicht von ihnen begriffenen Geistes,vor der großen, meist urtheilslosen Menge herabzusetzen, und dadurchihren schweren Beruf geflissentlich noch schwerer zu machen. Von