Druckschrift 
1 (1924)
Seite
20
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ALEXIS 20

der Censur unsere Zeitungen niemals mit denen des Auslandes in frei-mütiger Besprechung der Gegenstände des öffentlichen Lebens wett-eifern können. Wenn ein Artikel, der für den Augenblick geschriebenist, einer vierzehntägigen Berathung unterliegt, wenn an jedem Aus-druck gemäkelt, geschulmeistert und ein verborgener Sinn, der viel-leicht hier und dort anstoßen könnte, mit ängstlichem Scharfsinn auf-gesucht wird, so verliert auch der Wohlmeinendste und Vertrauens-vollste den Muth, und überläßt das Schreiben für die Zeitungen Andern,die ihren vielleicht gefährlicheren Meinungen eine solche gewundeneSprache zu geben wissen, daß sie jede Censur passieren." Zum Schlußweist er darauf hin, daß er diese seine Tätigkeit aufgeben werde, wennder König mit den Eingriffen der Zensur einverstanden sei; er tuedas um so lieber, als „gerade jene Artikel, welche der Zensur so be-denklich scheinen, dem Verfasser von der andern Seite den höhnischenVorwurf zuzogen, daß er auf Bestellung der Regierung eine anschei-nend liberale Miene annehme"!

Bei der Absendung widerfuhr Alexis das Malheur, daß er die Unter-schrift vergaß, die er in einem besondern Brief nachholen mußte.Aber die Eingabe gelangte glücklich in das Geh. Zivilkabinett. DerKabinettsminister v. Thile gab sie zur Begutachtung an das Ministe-rium des Innern, die den Zensoren vorgesetzte Behörde, und im Auf-trag des Ministers v. Arnim setzte der Geh. Regierungsrat Bitter eineAntwort auf die Beschwerde des Schriftstellers auf. Sie gab den Zen-soren durchaus recht, daß sie „die in dem Artikel enthaltenen, theilsdirekt aufreizenden, theils den Schein des Lächerlichen auf das Preu-ßische und Sächsische Gouvernement werfenden Angriffe gegen diebetreffenden Zeitungsverbote, insbesondere das von Sr. Majestät demKönige Allerhöchstselbst ausgesprochene wider die Leipziger Allge-meine Zeitung an der Spitze eines in der Residenz selbst vielgelesenenZeitungsblattes nicht zuzulassen für angemessen hielten". Und worinbestanden diese „aufreizenden" oder lächerlich machenden Äußerungen?Alexis hatte vor einer Überschätzung der unterdrückten Blätter ge-warnt mit den Worten: „Das Publikum lächelt! es schaut verwundertnach dem Magus aus, nach dem Hohlspiegel, den er den Erschrecktenhinhält, daß sie die Pygmäen für himmelstürmende Giganten halten."Alexis wollte die verbotenen Zeitungen weder verteidigen noch an-klagen ; wenn sie gesündigt hätten, meinte er, büßten sie schwer. „Ausdem alttestamentarischen Gesichtspunkt der Strafe, des ,Zahn umZahn', lassen sich die Maßregeln besser vertheidigen als aus den mo-dernen Theorien des Abschreckungs- oder des Besserungsprincips.Er hatte aber das Eingehen der „Deutschen Jahrbücher" bedauert, d asie doch mit deutscher Ehrlichkeit ihre Theorien bekannt hätten. Dar-an knüpfte er folgendes Für und Wider: „.Aber sie waren gefährlich'sie rüttelten an den Fundamenten von Staat, Kirche, unserem bürgei"