ig ALEXIS
an die Zensurbehörde aussichtslos erschien, legte er am 26. Februarden ganzen Sachverhalt mit allen zugehörigen Beweisstücken demKönige selbst vor, in der gutmütigen Voraussetzung, daß Se. Majestät„von dem gegenwärtigen Censurverfahren . . . nicht durch eigene An-schauung unterrichtet wären, ja dasselbe vielleicht nicht für möglicherachteten". Er wies zunächst auf die ehrenwerte Absicht hin, die ihnbei der Abfassung seiner Leitartikel erfüllte: „Diese opponirendenArtikel frei zu halten von den leeren, hohlen Theorien jüngerer Schu-len, welche nur negieren und einen systematischen Krieg allem Posi-tiven erklären. Sie sollten der Abdruck der Gesinnungen werden,welche sich in dem ihrem [seinem!] Herrscherhause mit inniger Liebezugethanen, einer starken Monarchie mit fester Treue anhängenden,aber mit vielen Maßregeln nicht einverstandenen Preußischen Volkeaussprachen, Gesinnungen aber, die in dieser Nuance in den sogenann-ten liberalen Blättern bis jetzt selten Vertreter fanden." Zaghafterkonnte der Stolz des märkischen Dichters vor dem Königsthron kaumauftreten. Dann erzählte er die Geschichte seines letzten Aufsatzes,der an ein Wort anknüpfte, das der Geschichtschreiber Johannesv. Müller vor fünfzig Jahren an Sir Charles Abbot gerichtet hatte:„En general, prenant les choses comme elles sont, je suis persuade,que les gouvernements seroient plus sagement de se servir des vraissavans pour rectifier l'opinion publique, que de faire des vains effortspour opprimer des lettres. Malheureusement il faut avoir dejä plus deconnaissance qu'en ont ordinairement les grands dans la plüpart despays, pour sentir la difference ; et il paroit plus commode de renverser,que de diriger." Dieses Zitat erschien den Zensoren besonders an-stößig, deutete doch Johannes v. Müller die häufige Unkenntnis undvorwaltende Bequemlichkeit gewisser Regierungsorgane an. Acht Tagebeschäftigte sich der nichtpolitische Zensor John mit dem Aufsatz undgenehmigte ihn endlich „nach einem Briefwechsel und mehreren Con-ferenzen, nach vielen erledigten Bedenken, Milderungen, Weglas-sungen und Einschaltungen"; in Johannes v. Müllers Ausspruch hatteer erst den Schlußsatz, dann noch ein Mittelstück gestrichen. Nunmachte sich neun Tage lang der politische Zensor darüber und strichdas französische Zitat ganz! Außerdem gewann der Aufsatz, so heißtes in der Eingabe von Alexis, „eine völlig veränderte Gestalt und Fär-bung durch die vielen Auslöschungen, durch die den Eindruck ver-wischenden Einschaltungen, zu denen ich genöthigt wurde, endlich einenandern sogar schärfern Sinn, dadurch, daß die Polemik gegen die Ten-denz der Deutschen Jahrbücher so modifiziert wurde, daß ich sie ganzweglassen mußte, während er in der ursprünglichen Fassung weit ent-schiedener gegen die Theorien der Deutschen Jahrbücher sich aus-sprach". Dann kommt er auf die allgemeine Bedeutung des Vorfalls:„Es bedarf nicht der Ausführung, daß bei einer solchen Handhabung