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abgelehnt hatte, Geheimrat Friedrich Zarncke, Professor in Leipzigund Begründer des „Literarischen Zentralblattes", und auf den BremerDramaturgen und Stadtbibliothekar Heinrich Bulthaupt, der das Ver-fahren gegen Albertis Roman als einen „schweren Irrtum" bezeich-net hatte.
Alle diese Argumente verfehlten aber auf den Gerichtshof, der demKünstler keine Ausnahmestellung gegenüber dem Strafgesetz zubilli-gen zu können meinte, ihre Wirkung; selbst der Hinweis Albertis, daßer „als ein Mann, der der christlichen Gemeinschaft nicht angehöre,"in seinem Roman „die christliche Liebe gewissermaßen verherrlicht"habe, machte so wenig Eindruck auf die Richter, daß sie ihm von allenAngeklagten die strengste Strafe zudiktierten : 300 M. Geldstrafe — vonGefängnis hatte man doch abgesehen —, dazu, wie bei den zwei andernRomanen, Unbrauchbarmachung der beschlagnahmten Exemplare undder zu ihrer Herstellung erforderlichen Platten, Formen usw. Das Ge-richt blieb dabei, die inkriminierten Stellen seien unzüchtig und infi-zierten das ganze Werk, der Verfasser müsse bei seinem Bildungsgraddas Bewußtsein davon gehabt haben. In erster Linie habe es sich dar-um gehandelt, mit dem Buche Geld zu verdienen (!), und wenn es auchmöglich sei, daß er darin soziale Schäden habe aufdecken wollen, sohabe er doch durch geschlechtliche Erregung dem größeren Publikum„Unterhaltung" gewähren wollen. „Die Alten und die Jungen" sei da-her — so gut wie jeder Schmarren billiger Kolportageliteratur — un-züchtig im Sinne des § 184. Dieses Urteil gelangte zur Vollstreckung,die Berufung wurde verworfen, und die junge Literatur hatte ihreersten Märtyrer.
ALEXIS, WILLIBALD (WILHELM HÄRING, 1798—1871).
Länger als zwanzig Jahre hatte Willibald Alexis (so latinisierte Dr.Wilhelm Häring seinen unliterarischen Bürgernamen: alex = derHering, ein vielbespötteltes Pseudonym) als Dichter, Journalist, Kri-tiker und Redakteur in Berlin seine reiche, wenn auch nur erst voneiner kleinen Gemeinde anerkannte Tätigkeit entfaltet, ohne mit dervorgesetzten Zensurbehörde allzu aufregende Zusammenstöße zu er-leben. Dazu war er ein zu loyaler, gottesfürchtiger und züchtigerStaatsbürger, auch wenn er sich im stillen über den „beschränktenUntertanenverstand" mit Recht weit erhaben fühlte. Spitze Heraus-forderung war nicht seine Art, und seine jugendliche Entwicklung fielin die windstille Zeit der zwanziger Jahre, die von „Sturm und Drang"noch wenig verspüren und sich's bei aufgewärmter Romantik wohl seinließ. Mit dem nach 1830 aufkommenden „Jungen Deutschland" konntesich Alexis nie befreunden, ja er gehörte zeitweilig zu dessen heftigstenGegnern, und nichts lag ihm ferner, als gegen Thron, Altar, Sitte undHerkommen zu frondieren. Dennoch wurden seine „Wiener Bilder"