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1 (1924)
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ALBERTI 14

teilweise an der eigenen Maßlosigkeit, weil sie nicht genug innerensittlichen Halt besitzen . . . Das habe ich in der Person Hofmeistersgezeigt — in der Person Felschers dagegen, wie das moderne Streber-tum, indem es sich aller erlaubten und unerlaubten Mittel bedient, wohleine Zeitlang oben bleibt und vorübergehende Erfolge, ja bedeutendeErfolge erzielen kann, zum Schluß aber doch, sei es durch höhereFügung, sei es durch Zufall, in sich zusammenbricht . . . Drittens habeich gezeigt, wie wohl ein Mensch, selbst wenn er nicht hervorragendeEigenschaften des Genies besitzt, durch seine innere sittliche Festig-keit alle diese Gefahren der Großstadt und der Unsittlichkeit aus sichselbst heraus überwinden und zu einem tüchtigen, für die menschlicheGesellschaft brauchbaren Menschen werden kann." Nur ein geringerTeil der Leser habe ein so fein organisiertes Scham- und Sittlichkeits-gefühl wie der Herr Staatsanwalt; dieser stoße sich sogar an jeder Er-wähnung des Wortes „Fleisch" — aber man könne doch einen Romannicht nur vom Standpunkt des Vegetarianers aus lesen! Sein Werkverstoße höchstens gegen die Sitte, die Konvention, nie gegen die Sitt-lichkeit, und nirgends habe er die Erregung von Lüsternheit bezweckt,im Gegenteil: „Hinter die Wollust habe ich sofort die Ernüchterunggesetzt, die Erkenntnis ihrer Nichtigkeit, die Enttäuschung, die Ver-zweiflung und die Gewissensbisse." Wenn sein Buch unsittlich sei,müßten auch die größten Klassiker der Weltliteratur beschlagnahmtwerden, Aristophanes, Juvenal, Petron, Plato, Ovid und Homer, Goethe,Schiller, Lessing und Shakespeare, Boccaccio und Cervantes, Machia-velli und sogar das Buch Moses; man möge sich doch einmal ein Bildzu machen versuchen von einer derartig „vernagelten" Weltliteratur.Die Denunziation gegen ihn richte sich wohl mehr gegen die sozialeTendenz seines Buches; gewisse Kreise möchten ihn für einige Zeitunschädlich machen, da ihnen sein Kampf gegen die rücksichtsloseWirtschaft des modernen Geldprotzentums unbequem sei. Diese syste-matische Verhetzung in einem Teil der Presse mache sich schon längerbemerkbar. Seine sozialen Forderungen, die er schon in seiner No-vellensammlung „Plebs" (1887) aufgestellt habe, deckten sich „beinahmit dem sozialen Programm unseres Kaisers", das damals gerade, imJanuar 1890, erschienen war; in seinem Roman habe er in nuce dasalles „anticipirt", selten habe sich das Wort „poeta vates" so bewährt.Auch habe er schon 1888 in einer anonymen Schrift „Was erwartetdie Deutsche Kunst von Kaiser Wilhelm II." (Leipzig, Wilh. Fried-rich) den Staat an eine Ehrenpflicht, die Förderung der Literatur, er-innert und erlebe jetzt die Genugtuung, daß Heinrich Hart, ein Ver-treter der modernsten Richtung, eine staatliche Unterstützung erhalte,was vom Ausland als „ein Akt von höchster politischer Bedeutunganerkannt werde. Alberti berief sich schließlich auf Urteile von HansHopfen, Ernst Wiehert, Karl Frenzel, den man als Sachverständigen