ALEXIS iö
(1833) in Preußen verboten, weil er darin einen sehr mangelhaftenRespekt vor der „Legitimität" der Fürsten verraten hatte; die Original-akten darüber haben sich bisher nicht gefunden, aber in handschrift-lichen Listen verbotener Bücher sind die „Wiener Bilder" unter demDatum „Dezember 1833" mitaufgeführt, und zwei Jahre später legtedas Polizeiministerium dieses Buch sogar dem Kammergericht vor, imÄrger über eine Beschwerde, die Alexis wegen der Zensur eines seinerAufsätze für den „Freimütigen" eingereicht hatte. Das Gericht scheintaber keinen Anlaß zum Einschreiten gefunden zu haben. Alexis' Ro-man „Das Haus Düsterweg. Eine Geschichte aus der Gegenwart(1835) wurde von dem Regierungspräsidenten Richter in Minden dempreußischen Ministerium denunziert: seine „tadelnswerte Tendenz" er-gebe sich aus den Seiten 61 ff., 79 ff., 82, 235 ff. und 324 ff. Das preußi-sche Oberzensurkollegium erklärte aber, daß „trotz mancher anstößi-gen Stellen" kein genügender Grund zu einem Verbot vorliege, da dasBuch im „Ausland" (in Leipzig) erschienen sei.
Unangenehm aber griff die Zensur 1840 in des Dichters literarischesSchaffen ein. Alexis beabsichtigte, eine Monatsschrift „Märkische Pro-vinzial-Blätter" herauszugeben, am 10. Januar 1840 erbat er die Er-laubnis und legte gleichzeitig ein ausführliches Programm über Ten-denz und Inhalt des Blattes vor. In der Gewißheit, daß ihm dieKonzession unmöglich könne verweigert werden, bat er sogar denOberpräsidenten — zugleich Historiographien — der Mark Branden-burg, v. Bassewitz, um seine persönliche Unterstützung bei dem Unter-nehmen ; außerdem möge er die Provinzialbehörden, die Kirchenämterund Ortsgemeinden beauftragen, die Redaktion mit dem erforderlichenMaterial „in Bezug auf alle locale Institutionen, namentlich die Per-sonalchronik in ausgedehntestem Maße reichlich zu versehen". DasBerliner Polizeipräsidium trat warm für den Plan ein (24. Januar), esversprach sich von solch einem Blatte eine willkommene „Belebungdes Gemeinsinns". Am 2J. April aber erklärte Bassewitz, „die mit derobersten Leitung der Censur-Angelegenheiten beauftragten KöniglichenMinisterien" hätten das Vorhaben nicht genehmigt. Tatsächlich hattendie preußischen Ministerien seit 1837 die Anweisung, die Entwicklungder Zeitschriften einzuschränken und neue möglichst nicht aufkommenzu lassen; sie hatten aber in diesem Falle (14. April) die Entscheidungganz in die Hände des Oberpräsidenten gelegt und nur erklärt: wennBassewitz das Unternehmen nicht für geeignet halte, seien sie mit derAblehnung des Gesuchs ganz einverstanden. Demnach hat Bassewitzselbst einen Plan durchkreuzt, den er als märkischer Geschichtschrei-ber mit Freuden hätte begrüßen müssen! Für die Verwirklichungdieses Planes war damals wohl niemand geeigneter als Alexis, derDichter des „Cabanis", des ersten echt märkischen Romans. Abersolch ein Buch lasen die hohen Herren offenbar nur dann, wenn es