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geben hatte. Der Zensor, Konsistorialrat Grashoff in Köln, entschul-digte sich am 30. September, er habe das Gedicht laufen lassen, daes ihm bereits gedruckt vorgelegt worden sei, auch lasse die Anmer-kung am Schluß „eine günstige Vergleichung früherer und jetzigerZeit" zu, und schließlich sei das Blatt so wenig gelesen, daß dies „elendeMachwerk" keinen sonderlichen Schaden tun könne. Mit dieser Aus-rede war man aber in Berlin sehr wenig zufrieden, und der Herr Kon-sistorialrat erhielt am 15. Oktober einen amtlichen Verweis. (Aktendes Preußischen Staatsarchivs Rep. yy II A 17.) — Zehn Jahre späterhatte Rousseau seinen Frieden mit dem Bestehenden gemacht: jetztKurfürstlich Hessischer Titular-Hofrat, gebärdete er sich als ein leiden-schaftlicher Verteidiger der durch das „Junge Deutschland" bedrohtenSitte und Ordnung und machte Januar 1836 in seiner Zeitschrift„Leuchtthurm", die es gleichwohl nur auf wenige Nummern brachte,den ehemaligen Jugendfreund elend herunter. Trotz seiner amtlichbeglaubigten Ungeschicklichkeit wurde er jetzt Redakteur der offi-ziösen „Frankfurter Oberpostamtszeitung", avancierte bei einem Auf-enthalt in Wien zum K. K. Hofrat und leitete 1843 das Feuilleton derBerliner „Neuen preuß. Allg. Zeitung". Sehr lohnend erwies sichder Umfall für ihn nicht: er starb 1867 als armer Teufel in Köln.(Vgl. über ihn Goedekes „Grundriß", 9. Band, und Ad. Strodtmannsnoch immer unentbehrliche Heine-Biographie, 2. Auflage.)
ALBERTI (SITTENFELD), KONRAD (1862—1918).
In dem Kampf der Wagen und Gesänge, der die Literaturrevolutionder achtziger und neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zu einemzwar noch mancher kritischen Klärung bedürftigen, aber allenthalbenfesselnden Schauspiel macht, hat Konrad Alberti eine immerhin beacht-liche Rolle gespielt. Er war nicht gerade Achill oder Ajax, deren Tatenein Heldenlied sind, noch weniger ein kluger Odysseus mit diploma-tischen Allüren; man denkt bei ihm eher an Thersites, dessen schrillesKeifen den Lärm der Schlachten fast übertönt, und seine schrift-stellerische Gallenblase war mindestens so prall wie die seines Stammes-genossen Ludwig Börne. Wenn er jemals „berühmt" war, so verdankter dieses Martyrium zumeist dein Leipziger Staatsanwalt Nagel, der ihnim Jahre 1890 wegen seines sozialen Romans „Die Alten und die Jungen"vor die Strafkammer zitierte; was der „Nagel" zu seinem literarischenSarge werden sollte, wurde zum Piedestal eines flüchtigen Ruhmes, undwenn die Literaturgeschichte sich zu einer Siegesallee ausbauen wollte,so würde Albertis Denkmal vielleicht die größte Ähnlichkeit mit RauchsStandbild Friedrichs des Großen haben müssen, an dessen Sockel sichdie zahlreichen Paladine lehnen, denen der Reiter über ihnen mehr oderweniger verpflichtet war; Albertis Sockel würden die Leipziger Ge-richtsherren zieren, die sich bei jenem denkwürdigem Prozeß der Rei-