®&Bm%8&
BISMARCK-NATIONAL-DENKMAL d WETTBEWERB
29
Detail der Weinbergslinien (Taf. 5, Fig. 8) führt nicht nur zur Vermeidung großer Stützmauern,es veranlaßt auch zu außerordentlich fein abgewogener Stilisierung der Bau-Details. EineBismarcksäule oder -statue halten auch Pfann und Pfeifer nicht für notwendig. Dagegen bietetder 5 Meter hohe eingebaute Feuerkessel an den Wandungen Raum für 12 Relieftafeln, dieauf die Vorbereitung der von Bismarck vollendeten Einigung des Deutschen Reiches hinweisen.
Endlich bringen auch Brurein und Hosaeus einen Steinkreis, allerdings in mächtig ge-steigerten Proportionen, als dorische Doppelsäulenkolonnade gestaltet und in Verbindung miteiner großen Treppenanlage (Nr. 71; Motto: „ E i n H e i 1 i g t u m ", Taf. 6, Fig. 10). Inmitten einesfestgefugten Kreises von 26 Säulen, die mit dem Wappen der 26 deutschen Bundesstaatengeschmückt sind, soll sich die Bildsäule des Schöpfers deutscher Einheit erheben. Der Unterbauschildert in einem gewaltigen Relief die voraufgegangenen Kämpfe. Durch Kampf zur Einheitist der einfache Gedanke des Entwurfs. Zu diesem Unterbau führt vom Rheine her eine gewaltigeFreitreppe empor, die den Sockel durchdringt und durch halbdunkele Zugänge zu dem imTageslichte thronenden Bismarck-Riesen führt.Brurein will das Denkmal in die Landschafteinfügen, ohne doch die Natur zu überschreien.Er zieht die breite Lagerung der Massen einerharten Vertikalwirkung vor, insbesondere inRücksicht auf die langgezogenen weichen Berg-linien. Er vermeidet den Anklang an sonstigerheinische Bauformen, an Bogen und Kuppeln,betont aber die Aehnlichkeit mit altgermani-schen Steingehegen. Der Unterbau hat über100 Meter Breite bei 28 Meter Höhe, der Rund-bau bei 68 Meter Durchmesser 26 Meter Höhe,die Gesamthöhe des Denkmals beträgt 54 Meter.Trotz der beträchtlichen Größe, trotz der Aus-führung in Sandstein und Muschelkalk über-schreiten Brurein und Hosaeus nach ihren Be-rechnungen den Kostenanschlag nicht.
Den Steinkranzdenkmalen verwandt istauch der Entwurf Nr. 278 (Motto: „Patriaein serviendo consumor", Taf. 15, Fig. 22),den Architekt Oswald Eduard Bieber undMaler G. G. Klemm, beide in München, aus-stellten. Auch sie haben die malerische Wirkungeines Höhenfeuers ausnutzen wollen, an Stelledes Steinkreises aber eine offene Rotunde mit13 Bogenöffnungen gewählt, in deren Mitte einaltarähnlicher Stein zur Aufnahme des Feuerssich befindet (Abb. 12). Zu dem dahinter-liegenden Festplatz führt eine Treppenanlage, inden Terrassenunterbau ist eine Schutzhalle ein-gebaut. Allerdings hat diese dachlose Rotundeetwas Fragmentarisches und erinnert stark anMotive aus Piranesis römischen Ruinen (sieheProtokoll). Der äußere Durchmesser der Rotundebeträgt 60 Meter, die äußere Höhe mit Sockel28 Meter. Die Bogen haben bei 7 MeterBreite 15 Meter Höhe und 5 Meter Tiefe. - Abb. 12. Patriae in serviendo consumor (Nr. 278).In vollem Gegensatz zu diesen Entwürfen stehen o. E. Bieber und G. G. Klemm, München.