Druckschrift 
Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
Entstehung
Seite
441
Einzelbild herunterladen
 

Ansichten über Entstehung und Wesen des Zuckers.

441

i

Zuckers durch die Pflanzensäuren, Göttling (1797) Hess den hier-bei gebildeten Alkohol aus Lichtstoff, Wasserstoff, etwas Kohlen-stoff, und einer unvollkommenen Pflanzensäure bestehen, Wiegleb(1784) glaubte noch, die Zuckersäure (deren Identität mit Savary'sOxalsäure Scheele 1784 bewies) bestehe aus Salpetersäure, vege-tabilischem Stoffe, und Phlogiston, der Zucker aber, den LehrenBergman's (1776) und Macquer's (1778) gemäss, aus Zucker-säure, Phlogiston, und einem Ol; auch Essigsäure wurde im Zuckervermutet, da Scheele (1774) eine, bei der Oxydation desselbenmit Braunstein und Schwefelsäure entstehende Substanz (die erstDöbereiner 1822 als Ameisensäure erkannte), für Essigsäure er-klärt hatte (Kopp, a. a. 0.). Den Milchzucker, bei dessen Oxy-dation Scheele (1780), und unabhängig davon auch Hermbstädt(1782), die Schleimsäure beobachtet hatten, deutete man in ana-loger Weise wie den Rohrzucker als eine Verbindung von Schleim-säure, Zuckersäure, Kalkerde, Phlogiston, und Salz (Wiegleb,„Gesch. d. Chem.« II, 276, 299, 301, 336).

Die erste Analyse des Zuckers rührt von Lavoisier her (1789),doch waren seine Zahlen, ebenso wie die Berthollet's (1803), zuniedrig, was angesichts der Unvollkommenheit der benutzten Me-thoden nicht wunder nehmen kann; genauere Resultate erhieltenerst Gay-Lussac und Thenard (1810), Berzelius (1814), Gay-Lussac (1815), und Döbereiner (1822). Letzterer schloss sichauch schon 1816 in bestimmter Weise den Anschauungen Lavoi-sier's über den Zucker an, und betrachtete ihn als aus Kohlen-säure, Kohlenoxyd, Kohlenwasserstoff und Wasser zusammengesetzt(Kopp, „Entw." 551), während Gay-Lussac (1814) Kohlenstoff-und Wasserdämpf, Dalton (1808) Alkohol und Kohlensäure, undDumas und Boullay (1828) Äthylen, Wasser und Kohlensäureals nähere Bestandteile annahmen, und die Konstitution des Zuckersmit der des kohlensauren Ammoniaks verglichen (Kopp, „Entw."551 und 299; Schorlemmer, a. a. 0. 16).

Über die Ursache der Süssigkeit des Zuckers wurden, nebstden schon oben angeführten Theorien, noch zahlreiche andere auf-gestellt, denen zumeist völlig willkürliche, vorgefasste Meinungenoder Voraussetzungen zu Grunde liegen; im allgemeinen begnügtensich einsichtigere Forscher damit, ihre Unwissenheit einzugestehen,oder, namentlich in älterer Zeit, den unabänderlichen Willen Gottesals Erklärungsgrund anzugeben. Häufig nahm man auch zu einereigentümlichen dem Zucker anhaftenden „vis edulcativa" (versüssen-den Kraft) seine Zuflucht, deren Wesen aber hinwiederum selbstdunkel und geheimnisvoll blieb.

I