rV^ W- d F f ' L na ! ' ULB DüsseIdorf +4148 020 01 Geschichte des Zuckers Dr. Edmund 0. von Lippmann. isJI '■ > o 10 c 3 .2 I c rt — > o SS 3 | •* I 5 I t B 5 3 N ö \ / Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rlibcnznckerfabrikation. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte. Von Dr. Edmund 0. von Lippmann Direktor der Zuckerraffinerie Hallo, zu Halle a. S. Wer nicht von dreitausend Jahren Sich weiss Rechenschaft zu geben., lUeiht im Dunkeln, unerfahren, Mag von Tag zu Tage leben. Goethe. -Mfr*- Leipzig. Max Hesse's Verlag. 1890. h f m Alle Rechte, besonders das der Übersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten. , J ' CÄNTMÖ- I' »U»ID STADT-j BIBUOTHHE 1 ty<^J%% Meinen lieben Eltern in Dankbarkeit gewidmet. Vorrede. Der Drang zum Spezialisieren beherrscht in neuerer Zeit die geschichtliche wie die naturgeschichtliche Forschung, und lässt häutig, gegenüber der Bemühung fortdauernd weitere Massen ergiebigen Rohmateriales zu Tage zu fördern, die Aufrichtung eines einheitlichen und wohlgegliederten Gesammt- gebäudes nur allzusehr in den Hintergrund zurücktreten. Die vorliegenden Blätter stellen den Versuch dar, einen wenn auch nur kleinen und unbedeutenden Teil jenes Baues, den an das geplante Ganze zu stellenden höheren Ansprüchen gemäss auszugestalten. Das Unzulängliche eines solchen Beginnens kann indessen Niemandem klarer vor Augen stehen als mir selbst. Einmal nämlich ist der Zucker ein Gegenstand von anscheinend geringer allgemeiner Bedeutung, und die Geschichte seiner Darstellung und Verwendung darf kaum den Anspruch erheben, weiteren Kreisen von vornherein Interesse einzuflösseii; sodann aber greift dieselbe wieder so tief in die Geschichte der Technologie (welche vernachlässigt ist wie keine zweite), und in die Kulturgeschichte ein, und erfordert ausserdem, behufs eingehender Behandlung, derartige Kenntnisse aus dem Gebiete der Botanik, Medizin, Pharmacie, Geographie, Statistik, Nationalökonomie, u. s. f., sowie aus dem der Geschichte .aller dieser Wissenschaften, dass der Einzelne daran verzweifeln muss, solche jemals in nur halbwegs zureichendem Grade besitzen oder erwerben zu können, besonders wenn er nicht Gelehrter von Fach ist, sondern inmitten der industriellen Praxis steht, und jene Studien nur zur Erholung, als Abwendung von dem niederdrückenden Einflüsse des geschäftlichen Alltagslebens, betreiben kann. "Wäre ich nicht durch einen äusseren Umstand, meine Übersiedlung von Rositz VIII Vorrede. nach Halle, zum Abschlüsse derselben gedrängt worden, so hätte ich zweifellos noch weitere jahrelange Arbeit daran wenden können sie zu ergänzen, umsomehr als ich auf dem behandelten Gebiete keinen eigentlichen Vorgänger fand: die "Werke, in denen man zunächst nach Belehrung suchen würde, wie die von Hehn („Kulturpflanzen und Haustiere in ihrem Übergange aus Asien nach Griechenland und Italien", Berlin 1877), Hoffmann („Aus der Kulturgeschichte Europas; Pflanzen und Haustiere", Berlin 1880), und Seh rader („Tier- und Pflanzen-Geographie im Lichte der Sprachforschung", Berlin 1883), schweigen auffälligerweise über Zuckerrohr und Zucker vollständig, und die Abhandlungen von Beckmann, Moseley, Reed, Ritter, u. Anderen, enthalten zwar Vieles von Wichtigkeit und hohem Werte, entsprechen aber den allgemeinen Anforderungen, die ich zu erfüllen strebte, in keiner Weise, und gehen auch über Zeitabschnitte von grosser Bedeutung, z. B. über das ganze Mittelalter, nur flüchtig und mit wenigen Worten hinweg, — vermutlich weil zur Zeit ihrer Abfassung die einschlägigen Quellen nur in spärlichem Maasse erschlossen waren. Während aber diesem Mangel 2iunmehr in genügender Weise abgeholfen ist, und ich z. B. für das Mittelalter durchaus dem bewunderungswürdig reichhaltigen und zuverlässigen handelsgeschichtlichen Werke Heyd's und dessen Quellenangaben folgen konnte, erhebt sich eine andere Schwierigkeit bezüglich jenes Teiles der Geschichte des Zuckers, welcher sich auf orientalischem Boden abspielt. Hier fehlt vor allem noch ein Werk, das, rein aus den fremden Originalquellen geschöpft, gleichsam ein Spiegelbild des Heyd'schen, d. h. den nämlichen Gegenstand vom Standpunkte des Morgenlandes aus beleuchtet, darböte, und nicht nur, wie jenes, allein den Levantehandol, sondern auch den Handel Arabiens, Persiens, und Indiens, in seinen frühesten Anfängen und seiner allmählichen Entwicklung schilderte. Aber abgesehen von den Citaten, die Heyd selbst den Übersetzungen orientalischer Quellen entnommen hat, und die alles was ihm erreichbar war umfassen, wird man nicht nur ein Werk wie das angedeutete, sondern auch die darauf hinzielenden Vorarbeiten, I Vorrede. IX ja vielfach selbst die zu diesem nötigen Vorkenntnisse gegenwärtig noch vermissen; zum mindesten haben mir hervorragende Vertreter der wichtigsten Zweige orientalistischer Forschung, deren Rat und Auskunft ich erbat, übereinstimmend mitgeteilt, dass ihnen in dieser Hinsicht nicht mehr bekannt sei, als was die grossen Handbücher von Lassen, Spiegel, und v. Kremer sagen, und dass sie mir, da der Gang ihrer Wissenschaft jene etwas ferner liegenden Gebiete noch kaum flüchtig berührt habe, weder einzelne Schriftsteller noch Sammelwerke zu nennen vermöchten, auf die sie mich betreff näherer Belehrung verweisen könnten. Der Verfasser der „Kulturgeschichte des Orients zur Zeit der Chalifen", v. Kremer, wohl der grösste Kenner der in Frage stehenden Verhältnisse, äussert sich hierüber in einem Briefe vom 15. Dezember 15 mit den Worten: „Die sonst so reiche orientalische Litteratur ist gerade in allem was Handel, Industrie, und Technik betrifft, sehr mangelhaft; dies empfand ich schon als ich meine Kulturgeschichte schrieb, und leider habe ich bisher nichts gefunden, was diese Lücken ergänzen, und die dort gegebenen Daten wesentlich vervollständigen könnte." Unter diesen Umständen blieb mir, wollte ich den chronologischen Gang meiner Darstellung nicht vollständig unterbrechen, bloss ein einziges Auskunftsmittel übrig: ich musste die einschlägigen, oft sehr umfangreichen Werke, im einzelnen selbst durchstudieren, und aus ihnen alles das ausziehen, was für die Behandlung meines Gegenstandes von Belang erschien. Selbstverständlich . konnte ich mich nicht mit den arabischen, persischen, oder indischen Originalwerken, sondern nur mit den, von einer Anzahl der wichtigsten derselben vorhandenen Übersetzungen in die europäischen modernen oder antiken Kultursprachen befassen; wenn aber schon ein berühmter Orientalist, Barbier de Meynard (in seiner Ausgabe des Massudi, Bd. IX, Vorr. S. 4) schreibt: „trotz des Fortschrittes der morgenländischen Sprachforschung stehen wir den Texten noch häufig so gegenüber, wie die ersten Herausgeber zur Zeit der Renaissance denen der Klassiker; was vorliegt lässt uns ermessen was noch fehlt, und macht unser Vorgehen in vieler Hinsicht zu einem zaghaften", — so müssen sich dem Laien, wenn er solchen Vorrode. Gebieten, mit der Absicht das Studium eines Spezialgegen- standes zu fördern, näher tritt, ähnliehe Besorgnisse in weit fühlbarerer Weise aufdrängen. Von vielen höchst bedeutsamen Werken (z. B. denen der alten arabischen Geographen) fehlen vollständige Übersetzungen noch ganz, von anderen sind nur auszugsweise, oder, was noch schlimmer ist, unzuverlässige Übertragungen vorhanden, die man weder mit Vertrauen benützen, noch, weil es eben an besserem Ersätze mangelt, ganz ausser acht lassen kann; andere Übersetzungen wieder, z. B. die gewisser arabischer Werke medizinischen Inhaltes in das barbarische Latein des frühen Mittelalters, sind infolge der Rohheit des Ausdruckes, und der unzureichenden Wiedergabe der termini technici, häufig unklar, und gerade an entscheidenden Stellen unverständlich. Es ist deshalb schwer, wo nicht unmöglich, auf die geschilderte Weise überall zum vorgesteckten Ziele zu gelangen; bevor indessen die Fachgelehrten sich nicht angeregt fühlen, entweder zahlreichere weitere Übersetzungen zu liefern, oder — was wünschenswerter wäre — in den Originalwerken genauer nachzuforschen, und zur Geschichte des Zuckers, soweit diese ihre einzelnen Spezialgebiete berührt, je einen besonderen Baustein beizutragen, wird es schwierig sein, Besseres und Vollständigeres zu bringen. Mit Rücksicht auf die Entstellungsweise meines Buches werde ich daher nach mehr als einer Richtung hin um nicht allzustrenge Beurteilung desselben bitten müssen. Es mögen sich einzelne Fehler und Verwechslungen eingeschlichen haben, die in den Schriften Fachgelehrter unverzeihlich erscheinen würden; manches wichtige Werk wird meiner Kenntnis entgangen, manche Angabe auch der mir bekannt gewordenen Werke übersehen worden sein; auch war ich meist nicht in der Lage, Stellen aus meinen Notizen, die mir, als ich an die Niederschrift des Buches ging, unklar oder unvollständig schienen, durch nochmaliges Einsehen der Originalwerke zu berichtigen oder zu verbessern, und so kann auch namentlich unter den Quellenangaben hin und wieder eine falsche Ziffer stehen geblieben sein. Betreff der Citate habe ich zu bemerken, dass sie, mit Ausnahme weniger Stellen, in denen längere oder weitschweifige Ausführungen in leicht kennt- Vorrede. XI licher Weise gekürzt und zusammengezogen wurden, stets in getreuer Weise wiedergegeben erscheinen, und zwar durchwegs in deutscher Sprache; die Versuche, einige arabische und provencalische Verse, für welche gereimte Übersetzungen nicht vorliegen, selbst dichterisch nachzubilden, haben nicht philologische Treue, sondern zunächst Wiedergabe des poetischen Sinnes, allerdings unter möglichster Wahrung des ursprünglichen Wortlautes, bezweckt, und wollen mit Nachsicht aufgenommen sein. Die Quellennachweise sind stets unmittelbar im Texte aufgeführt, und enthalten auch Angaben über den Druckort und die Erscheinungszeit der Bücher; diese schienen mir besonders deshalb erforderlich, weil ich von manchen Werken nicht die neuesten Auflagen zur Benützung erhalten konnte. Auf die Wiedergabe der zum Teil höchst interessanten Illustrationen aus älterer Zeit, musste ich leider, des allzuhohen Kostenpunktes wegen, verzichten, und mich darauf beschränken, eine einzige, besonders lehrreiche derselben, als Titelbild voranzustellen, im übrigen aber auf die Fundorte zu verweisen. Ausser dem Titelbilde ist dem Buche noch eine Karte der für die erste Ausbreitung des Zuckerrohres und der Zuckerfabrikation wichtigen Gregenden beigegeben, sowie eine Tabelle mit einer Zusammenstellung der Jahreszahlen, welche sich auf die allmähliche geographische Verbreitung des Zuckerrohres beziehen. An Registern ist, nebst einem ausführlichen Sachregister, ein solches der geographischen- und Eigen-Namen, und eines der citierten Schriftsteller und Werke vorhanden; in Letzterem sind, nebst den Titeln einiger Werke unbekannten Ursprunges, nur die Namen solcher Autoren (und ihrer Übersetzer) aufgeführt, derön Berichte, Meinungen, und Ansichten, im Texte wörtlich oder auszugsweise wiedergegeben wurden, oder dessen Fassung unmittelbar zu Grunde liegen. Die fett gedruckten Zahlen in diesem Register verweisen auf jene Seiten, welche die vollständigen Titelangaben der entsprechenden Werke enthalten; wo mehrere Schriften des Äämlichen Verfassers benützt wurden, findet man unter dessen Namen auch mehrere fett gedruckte Ziffern, und wird sich vorkommenden Falles der kleinen Unannehmlichkeit nicht entziehen können, diese, XII Vorrede. behufs Auffindung eines einzelnen Titels, sämmtlicli nachschlagen zu müssen. Sollte hin und wieder, trotz aller Sorgfalt, eine unrichtige Zahl stehen geblieben sein, so mag diesem Übersehen der Umfang des.,Registers zur Entschuldigung dienen, denn dasselbe enthält il 91 Namen von Schriftstellern, und von manchen derselben kamen mehrere, und häufig sehr umfangreiche "Werke in Betracht. Ich bemerke hierbei, dass ich die in deutscher, mittelhochdeutscher, französischer, englischer, italienischer, lateinischer, und griechischer Sprache abgefassten Werke in der Regel selbst im Original gelesen habe, während ich bei den übrigen entweder auf die gedruckten Übersetzungen in die eben, genannten Sprachen, oder auf Auszüge angewiesen war, die freundliche Förderer meiner Bestrebungen mir zur Verfügung stellten. Von den Gelehrten, die mich durch bereitwillige Erteilung von Auskünften (die allerdings nur allzuhäufig bloss negativer Natur waren), durch Nachweis, Erklärung und Übersetzung einzelner wichtiger Stellen, sowie durch Darleihung oder Beschaffung kostbarer Bücher und Schriften unterstützten, habe ich namentlich den folgenden, die leider nicht mehr vollzählig unter uns weilen, zu danken: Prof. Biedermann- Berlin, Prof. Colin-Breslau, Prof. Elster-Breslau, Prof. Fischer-Hannover, Prof. Flückiger-Strassburg, Victor Hehn-Berlin, Friedrich von Hellwald-Tölz, Dr. Hempel- Hamburg, Dir. Henne am Rhyn-St. Gallen, Dr. Herzfeld- Berlin, Prof. Heyd-Stuttgart, Prof. Karabacek-Wien, Prof. Knapp-Braunschweig, Prof. Kopp-Heidelberg, Alfred v. Krcmer-Wien, Prof. Ladenburg-Breslau, Prof. A. Müller- Halle, Prof. Max Müller-Oxford, Prof. Pischel-Halle, Prof. v.Richthofen-Berlin, Prof. v. Riehl-München, Prof. Schaer- Zürich, Prof. Schenk-Leipzig, Prof. Schrader-Jena, Prof. Suchier-Hallo und Prof. Tollens-Göttingen. Ganz besonderen Dank bin ich indessen den Herren Prof. Flückiger und Prof. A. Müller schuldig, welche es sich nicht der Mühe verdriessen Hessen, während des Druckes eine vollständige Korrektur mitzulesen, und mir aus dem reichen Schatze ihrer ausgedehnten Erfahrungen eine Reihe von Verbesserungen und Ergänzungen zukommen zu lassen, die teils im Texte selbst .; Vorrede. XIII benutzt, teils, wo dies nicht mehr möglich war, unter den Nachträgen aufgeführt wurden. Endlich habe ich noch dankend die Mühewaltung und das Entgegenkommen der Universitätsund öffentlichen Bibliotheken in Altenburg, Berlin, Breslau, Dresden, Freiburg i. Br., Göttingen, Halle, Hamburg, Jena, Leipzig, Strassburg, und Stuttgart, anzuerkennen, welche mir durch Jahre hindurch die gewünschten zahlreichen "Werke, darunter oft wertvolle und kaum ersetzliche, auf das Bereitwilligste zur Verfügung stellten. Ich habe mein Buch, abgesehen von einzelnen Andeutungen und Hinweisen, nur bis zum Beginne der Rübenzucker- industrie geführt. Die Geschichte dieser letzteren ist erstens eine rein technologische, und hätte sich deshalb, sowie ihres grossen Umfanges wegen, in den Rahmen der gewählten Darstellung nicht mehr gut einfügen lassen; sie könnte zweitens ohne sehr zahlreiche und kostspielige Abbildungen dem Verständnisse nicht näher geführt werden; endlich ist sie auch, zwar noch nicht in vollständiger "Weise, aber doch in ihren Hauptzügen, bereits bearbeitet, und stellt keine so völlige terra incognita dar, wie jene der ferneren Vergangenheit. Obschon nun also mein Buch nicht unmittelbar an die jetzige Zeit und ihre praktischen Ziele anknüpft, so hoffe ich doch, dass die Darstellung der Entwicklungsgeschichte der Fabrikation, des Zuckerhandels, und des Zuckerverbrauches in früheren Jahrhunderten, auch dem auf der Höhe der Gegenwart stehenden Zuckerindustriellen von Fach, ein besonderes Interesse darbieten wird; der „Verein für die Rübenzuckerindustrie des deutschen Reiches" hat sogar eiu solches in hervorragendem Maasse bekundet, indem er mein Buch im Voraus für seine sämmtlichen (ungefähr 400) Mitglieder subscribierte, und dadurch den buchhändlerischen Erfolg desselben sicherte. Es sei mir vergönnt, meinem aufrichtigen Danke für einen so ungewöhnlichen Beweis von Vertrauen und Wohlwollen, auch an dieser Stelle Ausdruck zu geben. Halle a. S., Ostern 1890. Der Verfasser. Inhalts -Verzeichnis. Seite Vorrede....................... VII 1. Abschnitt: Zur Vorgeschichte des Zuckers. Der Honig .... 1 2. „ Die Heimat des Zuckerrohres und der Rohzucker-Bereitung ................. 31 3. „ Zuckerrohr und Zucker im europäischen Altertume und frühen Mittelalter............. 59 4. ,, Die Ausbreitung des Zuckerrohres nach Westen, und die Erfindung der Raffination.......... 91 5. „ Der Zucker am Hofe der Chalifen........ 106 6. „ Zuckerrohr und Zucker in den westlichen Provinzen des Chalifats................ 131 7. „ Die Verbreitung des Zuckerrohres nach China und den Küsten des indischen Ozeans......... 155 8. „ Der Zucker zur Zeit der Kreuzzüge....... 169 9. „ Der Zuckerkonsum Europas im 14. und 15. Jahrhunderte, und seine Grosslieferanten.......... 202 10. ,, Der Zucker im Zeitalter der Entdeckungen..... 247 11. „ Die Zuckerfabrikation Amerikas im 17. und 18. Jahrhunderte ................ 293 12. „ Der Zucker verbrauch Europas im 17. und 18. Jahrhunderte 321 13. „ Die europäische Zuckerraffination, im 17., 18., und zu Anfang dos 19. Jahrhundertes......... 353 14. „ Der Zucker im Orient seit Beginn des 14. Jahrhundertes 373 15. „ Die Ersatzmittel des Rohrzuckers........ 385 16. „ Geschichte der Zuckerpreise.......... 408 17. Ansichten über Entstehung und Wesen des Zuckers . 428 Nachträge: 1. Tabelle der Jahreszahlen, die geographische Verbreitung des Zuckerrohres betreffend......... 443 II. Berichtigungen und Ergänzungen........ 444 III. Druckfehlerverzeichnis............ 446 Register: I. Verzeichnis der citierten Schriftsteller und Werke . . 447 II. Verzeichnis der geographischen und Eigen-Namen . . 457 III. Sachregister................. 467 Hierzu ein Titelbild und eine Landkarte. m ERSTER ABSCHNITT. Zur Vorgeschichte des Zuckers. Der Honig. Der Übergang von der ausschliesslichen Pleischnahrung zum regelmässigen Genüsse pflanzlicher Lebensmittel, dessen Zeitpunkt bei den meisten Völkern weit hinter aller geschichtlichen Erinnerung zurückliegt, bei einigen indessen durch Tradition, bei anderen selbst durch beglaubigte Nachricht überliefert ist, bezeichnet nicht nur an und für sich einen der wichtigsten und folgenreichsten Fortschritte menschlicher Kultur, sondern ist auch durch die von ihm ausgehenden weiteren Anregungen von hoher Bedeutung. Die reizlose Nahrung des Mehlkornes erregt das Verlangen nach einer würzenden Zukost, und was auf der einen Seite das Salz ist, der konzentrierteste Stoff seiner Art, das bietet auf der anderen der Speisevorrat des Bienennestes. (Lippert, „Kulturgeschichte der Menschheit", Stuttgart 1886; I, 621.) Das Verlangen nach Salz ist ein physiologisch tief begründetes: der hohe Kaliumgehalt der pflanzlichen Nahrung erfordert das im Kochsalze enthaltene Chlor zu seiner Ausgleichung. Zu allen Zeiten und in allen Ländern kennen daher diejenigen Völker, welche von rein animalischer Nahrung leben, das Salz entweder gar nicht, oder verabscheuen es, wenn sie es kennen lernen, während die vorherrschend von Vegetabilien sich Nährenden, das lebhafteste Bedürfnis darnach tragen, und es als unentbehrliches Lebensmittel betrachten. Scheinbare Ausnahmen, z. B. das geringe oder gänzlich mangelnde Verlangen der Reis-verzehrenden Völker nach Salz, bestätigen diese Regel, da der Reis etwa 20 mal weniger Kalium enthält, als die Getreidearten oder die Kartoffel. — Der angedeutete Zusammenhang zwischen Pflanzennahrung und Salzbedürfnis spricht sich auch in uralten religiösen Vorschriften aus; das mosaische Gesetz befiehlt ausdrücklich, alle Pflanzengaben mit Lippmann, Geschichte des Zuckers. 1 I I 2 Erster Abschnitt. Zur Vorgeschichte des Zuckers. Salz zu opfern, und auch das alt-griechische und -römische Ritual bestimmt, dass Opfertiere ohne Salz, Feldfrüchte stets mit Salz darzubringen seien. (Bunge, „Lehrbuch der physiologischen und pathologischen Chemie", Leipzig 1887, 109 und 113; „Zeitschrift für Biologie" X [1874], 111.) Überall finden wir die Einführung des Salzgebrauches mit dem Übergange zum Ackerbaue Hand in Hand gehend; dass die indogermanischen Sprachen noch kein gemeinsames Wort für Salz besitzen, ist in dieser Hinsicht ein wichtiges Anzeichen. Ahnlich wie mit dem Salze verhält es sich nun wohl auch mit dem am leichtesten zugänglichen, und von der Natur in fertigem Zustande dargebotenen Versüssungsmittel, dem Honig. Die Vorliebe für diesen steht in direktem Verhältnisse zur Masse der pflanzlichen Nahrung, und je durchgreifender diese zur Geltung kommt, desto mehr tritt auch das Begehren nach Honig oder süssen Pflanzensäften hervor. Sitten und Gewohnheiten der Völker, wie sie sich z. B. in Klemm's „Allgemeiner Kulturgeschichte der Menschheit" (10 Bde., Leipzig 1843 — 1852) und in Ratzel's „Völkerkunde" (3 Bde., Leipzig 1885) aufgezeichnet finden, liefern reichhaltige Beweise zur Bestätigung obiger Behauptung: Die Völker Afrikas jenseits der Zambesi-Wasserscheide, die von Erd- nussmehl, Maniok und Lotsa leben, betreiben die Honiggewinnung auf eifrigste Weise (Ratzel I, 365); am mittleren Zambesi, wo Ackerbau die Hauptbeschäftigung ist, wird Zuckerrohr gebaut (ebd. I, 384); die Manganja am Njassa, eines der im Ackerbau vorgeschrittensten Völker Innerafrikas, durchziehen das Land weit und breit, um wilden Honig zu suchen (ebd. I, 401), wobei sie sich des Honigdachses (Ratelus capensis) und des Honigvogels (Indicator major) in geschickter Weise zu bedienen wissen (s. Brehm, „Tierleben", Leipzig 1886; I, 277). Die Bongo und Djur, die im oberen Nilthale ausgebreitetem Ackerbaue obliegen, sowie die Kongo- und Angola-Neger, die fast ausschliesslich verschiedene Pflanzenmehle gemessen, sind nach Livingstone fleissige Bienenzüchter (Ratzel, 1, 489 und 587), ebenso auch die Harrar, die Bebauer des fruchtbaren Somalilandes (ebd. I, 425). In Adamaua im Westsudan, wo nach Barth die Erdmandel das Hauptnahrungsmittel bildet, wird Zuckerhirse gebaut und Honig in Massen verzehrt (ebd. III, 268); dasselbe gilt für die getreidebauenden Gegenden Madagascars (ebd. II, 506), und Abessiniens (ebd. III, 243). Die Australneger, die fast nur von gewissen Bohnen und Erdwurzeln leben, schätzen Honig und Honigwasser so hoch, dass sie behaupten, dies sei die Speise der Engel (ebd. II, 92); in Polynesien, Der Honig. Neuguinea, und den Salomo- und Fidschi-Inseln, welche zur Zeit ihrer Entdeckung hochentwickelten Ackerbau besassen, und sich zum Teil in gartenartig kultiviertem Zustande befanden, zeigte sich Anbau und Genuss des Zuckerrohrs allgemein verbreitet (ebd. II, 162 und 254). In Amerika stand die einheimische Getreideart, der Mais, in der ganzen nördlichen und südlichen Hälfte des Erdteiles in Gebrauch, denn sowohl die „Mounds" des Missouri als die vorgeschichtlichen Gräber Perus enthalten Maiskolben; die nomadischen Indianer, welche nach Newberry („Das Ausland" 1888, 68) die rasch binnen 3 — 4 Monaten reifende Art bauten, sind als Freunde des wilden Honigs bekannt, und sollen auch zuerst die Saftgewinnung aus dem Zuckerahorn entdeckt haben. Regelmässige Honigerzeugung und Bienenzucht betrieben indessen allein die ackerbauenden Kulturvölker mit festen Wohnsitzen, vor allem die Mexikaner; aus Mais, ihrem Hauptnahrungsmittel, wussten sie mit Honig und allerlei Gewürzen achtzehn verschiedene Gerichte herzustellen, und der König empfing aus den südlichen Provinzen des Reiches unter anderem jährlich 600 Schalen Honig als Abgabe (Klemm V, 11 und 71). Völkerschaften hingegen, welche ausschliesslicher Fleischnahrung ergeben sind, kennen dieses Verlangen nach Süssigkeiten nicht: hierher gehören die Waldnomaden Nordasiens (Ratzel, II, 762), die tibetanischen Hirtenvölker (ebd. III, 383), gewisse Jägerstämme Amerikas (Klemm I, 243 und II, 30), die Bewohner des Nootkasundes (ebd. II, 347), die Lappen und Tungusen (ebd. III, 18), die Kalmücken (ebd. III, 145), und die Polarvölker (ebd. II, 255). Besonders auffällig ist auch in dieser Beziehung das Verhalten einiger afrikanischer Völkerschaften (ebd. III, 223, 232 und 238), z. B. der rein fieischessenden Hottentotten-Stämme, welche zwar Honig einsammeln, ihn jedoch nicht verzehren, sondern nur als Tauschmittel benutzen. Wenn also nach Lippert (I, 63 und 621) der Honig bei allen kindlichen Völkern als das Ideal eines Leckerbissens gilt, sein Name dem auf einer bestimmten Kulturstufe stehenden Naturmenschen den Begriff des höchsten Gaumengenusses auslöst, und sein Gebrauch schon der Kindheit der Menschheit angehört, so ist diesen Sätzen wohl nur insofern rückhaltslos zuzustimmen; als unter jener Kulturstufe die beginnende Hinneigung zum Ackerbaue und zum regelmässigen Genüsse pflanzlicher Lebensmittel verstanden wird. Der Unentbehrlichkeit des Salzes und der Unersetzlichkeit des Honigs beim Würzen der vegetabilischen Speise mag es zuzuschreiben 1* Erster Abschnitt. Zur Vorgeschichte des Zuckers. 1 i k sein, dass diesen Stoffen von fast allen Völkern, die ihren Genuss kennen und würdigen lernten, eine tiefere Bedeutung beigemessen wurde. Dem Germanen z. B. galt das Salz als belebend und ernährend, als geistiges Prinzip und als Bild geistiger Kraft und Nahrung; die „Edda" meldet, dass die Götter am Anfange der Urzeit von der Kuh Audhumbla aus Blöcken salzigen Eises hervorgeleckt wurden, welche aus der Gegenwirkung von Frost, Hitze, Feuer und Eis entstanden waren, und in Übereinstimmung hiermit berichtet auch Tacitus, nach deutschem Glauben sei das Salz „ex contrariis inter se elementis, igne atque aquis, indulgentia numinis concretum", d. h. aus den feindlichen Elementen Feuer und Wasser, durch Allvaters Zulassung, verdichtet worden (Simrock, „Deutsche Mythologie", Bonn 1876, 19). Die Salzquellen galten als heilig, und waren nach Tacitus („Germania" 20; „Annalen" XIII, 57), Plinius (XXXI, 39), Strabo (VI, 5, 11), und Ammianus Marcellinus (XXVIII, 5) häufig Gegenstand erbitterter Streitigkeiten zwischen den einzelnen Stämmen. Auch zahlreiche christliche Gebräuche erinnern an die Heiligung des Salzes: so vor allem die Sitte, Täuflingen Salz in den Mund zu geben, um sie vor der Gewalt des Bösen zu schützen (s. Weltzer und Weite, „Kirchenlexikon" X, 668, Artikel Taufe), eine Gewohnheit, welche Le Grand d'Aussy („Histoire de la vie privee des Francois", 1782, neu aufgelegt Paris 1815; II, 194) als eine ursprünglich burgundische bezeichnet, die aber allerdings in. ähnlicher Weise auch von heidnischen Völkerschaften, z. B. den Mongolen, geübt wird (Ratzel III, 374). Salz, besonders geweihtes, gehört überhaupt zu den schärfsten Mitteln gegen die Kraft des Teufels, und wird von diesem ingrimmig gehasst; wer z. B. beim Hexensabbat die Worte Gott, Christus, Maria oder Salz ausspricht, ist auf der Stelle verloren, und wird von den bösen Geistern in Stücke zerrissen (Scherr, „Deutsche Kultur- und Sittengeschichte", Leipzig 1887, 380). Wenn nun der Honig gleichfalls und in verwandter Art zu religiösen Vorstellungen in Beziehung trat, so wirkte hierbei, ausser den bereits angeführten Gründen, noch ein Umstand von besonderer Wichtigkeit mit, nämlich die berauschende Kraft des gegohrenen Honigwassers, welche, angesichts der Wertschätzung der Naturvölker für Honigbrühe (z. B. Ratzel II, 92), jedenfalls schon zu sehr früher Zeit durch Zufall, etwa durch längeres Stehenbleiben einer wässerigen Honiglösung, entdeckt worden sein dürfte. Denn bei allen Völkern und zu allen Zeiten steht der Gebrauch und Genuss der gegohrenen Getränke in enger Verbindung Der Honig. mit religiösen Ideen, indem in deren erregender und berauschender Kraft das eingreifende Walten der Gottheit, und das Hereinwirken überirdischer Macht gesehen wird (s. Mantegazza, „Quadri della natura umana", Mailand 1871). Den Völkern indogermanischer Zunge, welche indes keineswegs auch in leiblicher Hinsicht von einem einzigen Urvolk, den Ariern (ärya = der Ehrenwerte) abstammen, (Mantegazza, „Indien" 235; Le Bon, „Les civilisations de l'Inde" 83), war zur Zeit ihres Übergangs aus dem rein fleischessenden, mit der Würze des Salzes noch unvertrauten Zustande, — in welchem sie in das Licht der Geschichte eintreten —, zu dem des primitiven Ackerbaues, der aus wildem Honig bereitete Meth schon bekannt. Auf diese frühzeitige Verwendung des Honigs weisen auch sprachliche Gründe hin: nach Max Müller („Das Denken im Lichte der Sprache", Leipzig 1888, 371 und 472) gehört zu den etwa 120 Urbegriffen des arischen Denkens, wie sie aus den, an Zahl ungefähr 1000 betragenden Wurzeln der arischen Sprache hervorgehen, auch der Begriff „süss, schmackhaft machen (werden)", Süd = „versüssen" (ebd. 591), Sväd = „süss machen, würzen" (ebd. 576 und 592). Süss mag ursprünglich „gutriechend" bedeutet haben, und scheint eines der ältesten Composita zu sein, die sich in den arischen Sprachen erhalten haben, wofern es aus su = gut und der Wurzel ad = schmecken oder riechen besteht, welche letztere möglicherweise mit ad = essen zusammenhängt; es findet sich svädü im Sanskrit, wie im Griechischen rjdvg, im Lateinischen sua(d)vis, im Gotischen süts, im Englischen sweet (ebd. 283). Für Meth besitzt nach Geiger („Geschichte der menschlichen Sprache und Vernunft", Stuttgart 1868; II, 164 ff.) das Sanskrit das Wort madhu, das Altslawische med, das Litauische medus, das Griechische f.iid-v, — welches später die Bedeutung Wein gewann. Man kann vermuten, dass Meth auch das Urgetränk der in Europa einwandernden Indogermanen war*), und sich als solches bei den im Osten angesiedelten Stämmen am längsten erhielt (Hehn, „Kulturpflanzen und Haustiere in ihrem Übergänge aus Asien nach Griechenland und Italien", Berlin 1877). In Griechenland tauchen noch Spuren eines der Weinzeit vorausgehenden Honigtrankes auf: Antimachos aus Kolophon lässt in seiner „Thebais", deren Sagen in höheres Altertum als die der „Ilias" hinaufreichen, *) Neuerdings mehren sich die Stimmen, welche eine solche Einwanderung ganz in Abrede stellen, und die Indogermanen als in Europa autochthon betrachten. ■I Er3ter Abschnitt. Zur Vorgeschichte des Zuckers. w I I den Adrast die schmausenden Helden mit einem Tranke aus Wasser und neuem Honig bewirten; Orpheus, welcher späteren Zeiten als erster Verkünder der religiösen Geheimlehre gilt, heisst in einem fragmentarisch erhaltenen Gedichte (ed. Herrmann 500, No. 49) die Nacht dem Zeus raten, er möge seinen Vater Kronos überwältigen, wenn er honigberauscht unter den Eichen liege. Noch Homer gebraucht für „Speise und Trank" ebenso häufig die Worte „altog xcä, olvog" wie „alrog neu fti&v", und Plutarch (50—120 n. Chr.) sagt in seinen „Tischreden" (IV, 5) sogar ausdrücklich: „Ehe man den Weinstock kennen lernte, bediente man sich des Honigs, sowohl zum Getränk als zu Trankopfern, und auch jetzt noch trinken die Barbaren, die keinen Weinbau haben, eine Art von Honigtrank, indem sie die gar zu grosse Süssigkeit durch Wurzeln von herbem und weinartigem Geschmack zu lindern suchen." Auch Aristoteles („de mirab. auscult." 22.) erzählt, dass die Taulantier, oder Taulantiner, ein illyrisches Volk, aus Honig Wein zu machen verstanden, und dass diese Kunst in Griechenland einst einigen bekannt gewesen, später aber verloren gegangen sei (s. Strabo IV", 6, 9). In den semitischen Sprachen ist, nach Geiger (II, 164 ff.), der Begriff Honig zweifellos aus dem des Fruchtsaftes abzuleiten, und die Kenntnis des Honigs ist eine uralte. In den biblischen Schriften wird der Honig häufig erwähnt, und zum Gegenstande bildlicher Redensarten gemacht; auffällig ist es, dass als Muster des Fleisses stets nur die Ameisen aufgestellt, die Bienen aber zumeist dem Feinde verglichen werden (Deut. 1, 44; Jes. 7, 15; Ps. 118, 12): Die Amoriter verfolgen wie die Bienen, die Heiden umzingeln das Heer gleich einem Bienenschwärme. Nur das Buch Sirach nennt die Biene „ein kleines Vögelein, das die allersüsseste Frucht giebt*; diese süsse Frucht galt als Symbol höchsten Genusses, und ein Land, „wo Milch und Honig fliesst", — eine Redewendung, die in der Bibel 21 mal wiederkehrt—, war der Gegenstand göttlicher Verheissung. Der Dichter des hohen Liedes vergleicht Lippen und Zunge seiner Geliebten mit Honig, und in den Sprichwörtern Salomos wird der massige Genuss des Honigs empfohlen. Jakob sendet Honig als Geschenk an den ägyptischen Statthalter (1. Mos. 43, 11), und die Gemahlin des Jerobeam an den Propheten Ahia, den sie um das Schicksal ihres todkranken Sohnes befragt (1. Kön. 14, 3); Honig war die erste Nahrung des neugeborenen Kindes (Jes. 7, 15 und 22), wurde willkommenen Gästen vorgesetzt (Luc. 24, 42) und diente als wertvoller Handelsund Tauschartikel (Hesekiel 27, 17); in vornehmen Häusern war ' Der Honig. er ebenso unentbehrlich wie Milch und Mehl (Bessler, ,Geschichte der Bienenzucht", Stuttg. 1886, 14ff.). Wie aus zahlreichen Stellen der Bibel hervorgeht, ist indes unter Honig stets nur der wilde Honig zu verstehen; erst im neuen Testamente (Matth. 3, 4; Mark. 1, 16) wird erzählt, dass Johannes der Täufer von Heuschrecken und wildem Honig lebte, woraus sich schliessen lässt, dass man in dieser Zeit auch schon anderen Honig besass und gebrauchte, und wirklich sprechen auch Flavius Joseph us, sowie Philo der Essäer, Zeitgenossen Christi, zuerst von Bienenkörben (Bessler 18). Diese Unkenntnis der Bienenzucht in relativ später Zeit ist besonders deshalb bemerkenswert, weil sich die Einführung der Bienenwirtschaft in Europa gerade an eine Sage libo-phönizischen, also semitischen Ursprunges knüpft (Hehn 98). Aristäus nämlich (nach Einigen ein Sohn des Apollo und ein Zögling der brisäischen Nymphen von Keos)*), ein alter arkadischer, thessalischer und böotischer Hirtengott, den die Ansiedler der Vorzeit aus Asien nach Afrika und Sardinien, und von dort nach Sizilien gebracht haben sollen, wird als Erfinder des Ols und des Honigs, der Bienenzucht und der Ölpresse genannt (Cicero, „in Verrem" IV, 57; Plinius VII, 199; Diodor IV, 81). Sicherlich noch unbekannt war die Bienenzucht zur Zeit Homers, welche nach Herodot (II, 63) etwa 900 v. Chr., nach Thukydides (I, 3) lange nach dem trojanischen Kriege, nach Mommsen aber („Römische Geschichte", Berl. 1868; I, 134 und 220) aus sprachlichen und historischen Gründen ins 10. oder 11. vorchristliche Jahrhundert zu setzen ist. So heisst es im zweiten Gesänge v. 87 der „Dias" (deutsch von W. Jordan, Prankft. 1881): « . . . . Solion strömte dio Menge zusammen; Ahnlich wie Immen der Öffnung des Baus in felsigen Steilen, Schwärmend in Scharen enteilen, in immer nicht ondenden Zeilen, Dann, zur Traube geballt, auf Blüton schwirren des Lenzes, (Hierhin fliegen im Schwärm die einen, dorthin die and'ren), Ähnlich drängten, . . . ." ganz ebenso wie „Dias" XVI, 259 gesagt wird: „Flugs da schwärmton sie aus, den Wespen am Wege vergleichbar, Wo sie sich Nestor gebaut, zur Seite der Strasse . . . ." In der „Odyssee" (deutsch von W. Jordan, Frkft. 1875) wird von der Najadengrotte berichtet (XIII, 106): „Nistend bauen daselbst auch ihre Waben die Bienen." *) Eine Nymphe Brisa wurde in Thracien auch mit dem Kult des Dionysos in Verbindung gebracht; sie soll den jungen Gott erzogen, und ihn gelehrt haben, Honig aus Waben zu gewinnen (Bessler 6). 8 Erster Abschnitt. Zur Vorgeschichte des Zuckers. m Der Gebrauch des Honigs wird an verschiedenen Stellen erwähnt: beim Opfer wird „gelblicher Honig dazu geschrotene heilige Gerste* aufgesetzt („Ilias" XI, 630); an die Bahre eines Toten stellt man „zween gehenkelte Krüge, gefüllt mit Honig und Salböl* („Ilias« XXIII, 169; „Odyssee* XXIV, 68); Aphrodite zieht die Töchter des Pandareos auf „mit Käs', Honigseim, und würzigem Weine* („Odyssee" XX, 68); bei der Schilderung des Zaubertrankes der Kirke („Odyssee" X, 234) meldet der Dichter: „ . . . . Gerstenmehl rührt' sie, auch Käs' und gelblichen Honig An mit pramnischem Wein, und mischte das Mus mit Gewürzen." Auch in übertragener Bedeutung kommt der Honig vor: Der Wein heisst „der rote Honig der Traube" („Odyssee* IX, 208), und die „Ilias" (I, 249) rühmt den Nestor, „welchem die Rede so süss wie Honig floss von der Zunge". Auch Hesiod, der um 850 v. Chr. lebte, weiss in „Werke und Tage" v. 232 nur zu berichten: „Viele Nahrung gewährt die Erd'; im Gebirge die Eiche Trägt hoch oben die Eicheln, und mehr zur Mitte die Bienen." In seiner „Theogonie" v. 587 und 594ff. werden zwar Bienenkörbe, Arbeitsbienen und Drohnen genannt, doch gilt die ganze Versgruppe für später eingeschoben. Zahlreich sind die Stellen der antiken Klassiker, welche Belege für die Bedeutung des Honigs bei religiösen und Kulthandlungen liefern. Schon Homer sagt bei der Schilderung des Einganges in den Hades („Odyssee" X, 517): „ . . . . Da grab' ein Loch, zwei Euss ins Gevierte, Dies umgiesse du rings mit dem Guss für alle Verstorb'nen, Erst mit Honiggemisch, dann mit süssem Safte der Rebe, Drittens mit Wasser; darauf dann streu geschrotene Gerste." In den „Eumeniden" des Aeschylos (525 — 456 v. Chr.) spricht Klykaemnestra zu den Erinnyen (Übersetzung von Donner, Leipzig, 1860): „Von meiner Habe schlürftet ihr vielfältig einst Weinlose Spenden, unborauschenden Sühnetrank" womit die älteste, ausschliesslich aus Honig und Wasser bestehende Opfergabe an die Erinnyen gemeint ist. Ebenso schildert Atossa in den sänftigt" ,Persern" v. 592 den Trank „der die Toten mild be- „Von unberührter Stärke weiss die Labemilch, Den Thau der Blütenfreundin, hellen Honigseim, Jungfräulich lautren Bornes frischgeschöpftes Nass, Dann, wie dem wilden Mutterstock er einst entsprang, Der alten Rebe goldnen unvermischten Trank, .... Des gelben Ölbaums düftereiche Frucht zugleich." Der Honig. 9 Sophokles (495 — 404 v. Chr.) schreibt im „Oedipus auf Kolonos" vor, zur Versöhnung den Erinnyen zu spenden: „Nebst Wasser Honig; aber Wein gesell' ihm nicht." Im „Orestes" des Euripides (480—406 v. Chr.) sagt Helena zu Hermione (Übersetzung von Donner, Leipzig 1876): „Dies Totenopfer nimm' zur Hand und dieses Haar; Und auf der Klytämnostra Grab, gelangst du hin, 6eu8S Milch gemischt mit Honig, geuss des Weines Schaum." Desgleichen heisst es in „Iphigenie in Tauris" v. 156: „. . . . Ich bereite mich, ihm Trankopfor zu woih'n, und der Toten Pokal Auf den Rücken der Erde zu giesson, Und die Milch bergwoidonder Kühe, Und den heiligen Trank des Lyäos, Und das Werk hellschwirrender Bienen, — Was Sühnungen sind für die Töten." In den „Bacchantinnen" v. 112 beschreibt der Dichter wie Dionysos dahin zieht: „Wo das Gefilde von Milch und Wein strömt, und von der Bienen Nektar strömt, und syrischen Weihrauch duftet", und das Treiben der Bacchantinnen schildert er mit den Worten (v. 615): „Die Eine nahm den Thyrsos, schlug, und traf den Fels, Dass hellen Thaues feuchter Born dem Stein entsprang; Die Andere stiess in grünes Erdenland den Stab, Und einen Woinquell sandte ihr der Gott herauf; Doch, die verlangten nach dem Trank schneeweisser Milch, Die teilten mit der Fingerspitze nur den Grund, Und hatten Milch in Fülle; süsser Honig troff In Strömen aus des Thyrsos epheugrünem Stab." Zur Anrufung der Hekate wird, wie uns bei Ovid („Meta- marphosen", 32, v. 245) erhalten ist, gleichfalls ein Opfertrank aus Milch, Honig und Blut verwendet, welcher auch (ebd. v. 262) zur Anfertigung des Zaubergebräues dient, dessen Rezept wir fast unverändert in der Hexenszene aus Shakespeares „Macbeth" (IV, 1) wiederfinden. Honigkuchen (den als fisliTiü/.ia schon der dem Homer zugeschriebene, aber jedenfalls aus weit späterer, vielleicht erst alexandrinischer Zeit stammende „Froschmäusekrieg" anführt), erwähnt Aristophanes (geb. 444 v. Chr.) in seinen „Wolken" v. 500 als Sühnopfer für die Götter der Unterwelt, und in der „Lysistrata" v. 596 als Besänftigungsmittel für den Höllenhund Cerberus, von welchem noch Appulejus im 6. Buche seines zur Zeit des Kaisers Hadrian verfassten Romanes „Der goldene Esel" sagt: „Zolle ihm einen Honigkuchen, so ist seine Wut bezähmt, -J. 10 Erster Abschnitt. Zur Vorgeschichte des Zuckers. II' und sonder Gefahr kannst du vorbeischlüpfen." Auch die Schlange im Heiligtunie der Pallas Athene bekam monatlich einen Honigkuchen; als die Athener während der Perserkriege auf Vorschlag des Themistokles die Stadt verlassen sollten, galt es als Zeichen göttlicher Zustimmung, dass die Schlange zum ersten Male den Kuchen unverzehrt stehen liess. (Herodot VIII, 41). Pin dar (522—450 v. Chr.), der grosse griechische Lyriker, vergleicht im dritten nemeischen Siegesgesange v. 130 (Übersetzung von Donner, Leipzig 1860) sein Lied einem perlenden Tranke aus Milch und Honig: „Ich sende dir hier Den Honigseim, gesellt zu der reinen Milch, o Freund; der schäumende Thau umkränzt ihn." und im elften olympischen Gesang verspricht er (v. 140): Die Stadt der Lokrer, Die blühende, mit Honig zu bethauen" d. h. sie im süssen Liede zu preisen. In seiner vierten pythischen Hymne v. 96 erwähnt er „die delphische Biene", womit die Priesterin Pythia gemeint ist, und erinnert so an die uralte Beziehung der, wegen ihrer Reinheit heilig geachteten Biene zum Kultus der Demeter; denn schon in grauer Vorzeit verband man mit den Bienen und dem von ihnen gelieferten Honig die Idee der unschuldigen und reinen Nahrung, der Göttergabe und Götterspeise, wie denn auch der Nektar nur ein himmlischer Honig genannt wird. So erklärt sich die Verwendung des Honigs zum Totenopfer, und zur Besänftigung des Pluto, der Hekate und der Erinnyen, so die Bedeutung der Biene im Kultus der Ceres und der Proserpina: „Mancher, von solchem Beweise geführt, und solcherlei Beispiel, Lehrte, dass in den Bienen ein Theil des göttlichen Geistes Wohn', und ätherischer Hauch . . . ." singt Virgil in seinem Gedichte über den Landbau (IV, 220); und ebenda (I, 344) heisst er der Ceres opfern: „Waben des Honigs, zerlassen in Milch, und in Süsse des Bacchus." Sein sizilisches Heimatsland, von welchem schon Homer („Odyssee" IX, 109) sagt: „Alles gedeiht da von selbst, nicht der Saat noch dos Pflügens bedürftig" schildert Theokrit (um 265 v. Chr.) in der fünften Idylle v. 46 mit den Worten (Übersetzung von Mörike, Stgt. 1855): „Herrlich singen da rings um die Honigkörbe die Bienen" und bestätigt es so als Mutterland der Bienenzucht; Honig als Der Honig. 11 ' vornehmstes Landesprodukt, wurde besonders den Flurgöttern dargebracht (ebd. v. 58): ,Aber zum Opfer für Pan stell' ich acht Kannen mit Milch hin, . Und acht Schalen, gefüllt mit honigtriefenden Scheiben." Dem Adonis opferte man (Idylle XV, 115): „Auch des Gebackenen viel, das Frau'n in den Formen bereitet, Mischend das weisseste Mehl mit mancherlei Würze der Blumen, Was sie mit lieblichem Ölo getränkt, und der Süsse des Honigs." Auch den Amor, den schon Moschos (um 280 v. Chr.) in seinem Gedichte »Steckbrief auf Eros" beschreibt, als „. . . . gleich Honig die Stimme, Doch voll Galle das Herz, und gefühllos" suchte man durch Darbriugung honigreicher Opfergaben milder zu stimmen, und Dädalus trachtete sich die Gunst der Aphrodite zu sichern, indem er ihrem Heiligtume auf dem Berge Eryx eine kunstvolle goldene Honigwabe spendete (Diodor IV, 78). In wichtiger Beziehung zu den Bienen stand der Göttervater Zeus (Diodor V, 70); in Kreta zeigte man nach Nikander von Kolophon die heilige Grotte des Berges Dikte in der er geboren, und von den dort wohnenden Bienen, die im goldenen Zeitalter unter der Herrschaft des Saturnus entstanden sein sollten, mit Honig genährt wurde; auch wusste man zu erzählen, dass zwei Männer, die einst wagten dort Honig zu rauben, vom zürnenden Gotte in Vögel verwandelt wurden. Die erste Amme des Zeus hiess Melissa, als Zeus Meilichios wurde er noch in späten Zeiten verehrt (Thukydides I, 125) und mit der Nymphe Othreis zeugte er einen Sohn, der ebenfalls von Bienen auferzogen, und daher Meliteus genannt wurde. Die Ernährung durch Bienen musste so für heilig und vielverheissend erachtet werden: dem Pin dar brachten, als man ihn ausser dem Hause seines Vaters aussetzte, Bienen Honig zur Speise, und als die Amme des Plato einst, um ihrer Herrin beim Opfer zu helfen, den Säugling in ein Myrtengebüsch legte, kam ein Bienenschwarm und liess hymet- tischen Honig auf seine Lippen fliessen, ihm damit die Gabe süsser Rede verleihend. Plato selbst vergleicht den Dichter mit einer Biene, dem leichten geflügelten heiligen Wesen, der Gottheit voll; ist doch „honigsüsser Ton" nichts anderes als die wörtliche Übersetzung von „Melodie". Das goldene'Zeitalter, ehe Zeus zur Macht gelangte, wird freilich als noch reicher an Honig geschildert; nach Virgil („Georgika" I, 113) troff er von allen Blättern hernieder, und Ovid singt („Metamorphosen" II, 23): 12 Erster Abschnitt. Zur Vorgeschichte des Zuckers. „Rings nur Bäche von Milch, rings wallten Bäche von Nektar, Rings auch tröpfelte gelb, aus grünender Eiche der Honig." Wie indes in der Bibel das Ideal eines „ Landes voll Milch und Honig* nicht lange bestehen bleibt, sondern schon zur Zeit des grossen Propheten ein „Land voll Honig" als ein unkultiviertes und unbewohntes galt, in dem die wilden Bienen ungestört ihre Schätze anhäufen konnten, so auch hier: nach Piatos „Kri- tias" erschien dem gebildeten Griechen ein Land voll Honig schon als Land der Wüste. -— Dass in einem solchen wüsten, das heisst an wildem Honig reichen Lande, die Bienenzucht einst ihren Anfang genommen, erscheint unzweifelhaft, wenn auch keine Nachricht meldet, auf welche Weise dies vor sich gegangen sei; vermutlich begann man damit, wie Chapman von den Völkern des Ngamigebietes berichtet (Ratzel I, 366), „wilde Stöcke oft, und so regelmässig zu entleeren, ohne sie zu zerstören, dass dadurch eine primitive Zucht entsteht"; weiterhin gelangte man zur Aufstellung hohler, bereits von Bienen besiedelter Baumstämme, also einer Art halbkünstlicher Stöcke; weit über diese hinaus, zu einer wirklich rationellen Bienen Wirtschaft, hat es indes das Altertum nicht gebracht, wie dies am besten aus dem vierten, ausschliesslich der Bienenzucht gewidmeten Buche der „Ueorgika" des Vir- gil (70—19 v. Chr.) zu ersehen ist. Zur Zeit des Plinius (welcher 79 n. Chr. starb) machte man indessen Bienenstöcke aus Baumrinde, Ruten und Reisern, und versah sie zuweilen selbst mit Tafeln aus Marienglas, um die Tiere bei der Arbeit beobachten zu können („Historia naturalis" XXI, 47); solche kostbare Fenster wurden zuerst durch Pompejus aus Cilicien eingeführt (Martial VIU, 14; Strabo XII, 2, 9; Seneca ep. 90) und zum Bedecken von Mistbeeten verwendet. Auch Varro giebt in seiner „Landwirtschaft" (III, 16) ausführliche Anleitung zur Einrichtung eines Bienenstandes, f.ie'hiTzoTQOcpelov, /.isliaatüv oder mellarium genannt, der in keiner vornehmen Villa jener Zeit fehlen durfte (Gellius II, 21). Über die Fortpflanzung der Bienen herrschten wunderliche und abergläubische Anschauungen; wenn jedoch Plinius (XI, 23) berichtet, „man könne durch frische, mit Mist bedeckte Stierwänste, oder durch die toten Köper junger Stiere, Bienen herstellen, indem die Natur Einiges von diesen in jene verwandle", und hierfür als Gewährsmann Virgil anführt, so hat er diesen sichtlich misverstanden, da das vierte Buch der „Georgika" nicht von einer Schöpfung, sondern nur von einer Auferstehung der Bienen berichtet, die sich an den Namen des ersten Bienenzüchters Ari- stäus knüpft. Dieser soll nämlich einst der Eurydike, der Gattin Der Honig. 13 I des Orpheus nachgestellt, und hierdurch ihren Tod verursacht haben, der sie, auf der Flucht vor ihm, durch einen Schlangenbiss ereilte; zur Strafe verlor er seine Bienen durch Hunger und Krankheit. Auf den Rat des Sehers Proteus versöhnte er die Götter und den Orpheus durch ein Opfer von vier Kühen und vier Stieren, aus deren Fleische er dann ein neues Bienengeschlecht erstehen sah.*) Die Verbindung zwischen Bienen und Stieren kehrt übrigens in zahlreichen Mythen wieder, und spielt auch in den Mysterien des Mithras eine bedeutsame Rolle; ihre Quelle ist bisher nicht sicher aufgeklärt, Bessler (S. 10) vermutet ägyptischen Ursprung. Auch über die Herkunft des Honigs waren sich die Alten nicht völlig klar. Aristoteles (384—322 v. Chr.) lässt in seiner „Historia naturalis* (V, 22), die Bienen nur das Wachs selbst bereiten, den Honig aber blos sammeln, und zwar aus dem „Himmels- thau", der sich auf Zweigen, Blättern und Blüten findet. Sein Schüler Theophrast (372 — 285 v. Chr.) unterscheidet diesen Himmelstau, „der aus der Luft herabfällt, wenn die von der Sonne ausgehauchten Dünste, durch die Sonne ausgekocht, wieder auf die Erde oder auf Bäume niedersinken", vom Honig der Bienen. Antiphilos sagt: „Aber es liefert der Nektar den Bienen den köstlichen Honig," Virgil spricht vom „Himmelsgeschenke, dem ätherischen Honig", Cornelius Celsus (25 v. Chr. bis 45 n. Chr.) lässt die Bienen Honig aus Morgentau sammeln, und Seneca (2—65 n. Chr.) versichert, die Bienen verstünden es nicht Honig zu machen, sondern suchten ihn bloss auf den Gewächsen auf, und trügen ihn heim (ep. 85). Nach Plinius (XI, 12) kommt der Honig aus der Luft, und entsteht besonders beim Aufgange der Gestirne, zumal wenn der Sirius leuchtet, gegen Tagesanbruch; daher findet man beim Beginne der Morgenröte die Blätter der Bäume mit Honigthau bedeckt, und wenn auch der Honig durch die Feuchtigkeit, durch Schmutz, und durch den Saft der Blumen vielfach verändert und verdorben wird, so bringt er doch noch einen grossen Teil himmlischer Natur mit sich. Der beste Honig ist jener, der in den Gefässen der besten I Blumen verborgen war, und der von den Blättern der Eichen, Linden und Rohrpflanzen gewonnen wird; in *) Nach des Pometius „Histoire generale des Drogues" (Paris 1735; II, 155) versuchte noch zu seiner Zeit ein französischer Landpfarrer vergeblich, dieses Rezept nachzuahmen, und beklagte seine getäuschten Hoffnungen in einem Buche „Traite des mouches ä miel." 14 Erster Abschnitt. Zur Vorgeschichte des Zuckers. hohem Ansehen steht der aus Thymian bereitete, denn er ist goldgelb, gesteht nicht, und lässt sich in dünne Fäden ausziehen (ebd. 11, 13 und 15). Wir sehen also, dass die Kenntnisse über Bienen und Honig im ganzen recht notdürftig waren, obwohl, nach dem Berichte des Plinius (XI, 9) allein Aristomachos 58 Jahre hindurch das Leben der Bienen studiert haben soll; Dioskorides, der grosse griechische Zeitgenosse des Plinius, weiss über diesen Gegenstand nicht mehr als Aristoteles und Theophrast, und ebenso ärmlich ist das wenige, worüber Columella (IX, 2) und, in viel späterer Zeit, Palladius (I, 36) berichten. Was die Anwendung des Honigs zur Bereitung von Speisen betrifft, so findet sich ein Gebäck aus Mohn, Sesam und Leinkörnern mit Honig schon in einem Fragmente des griechischen Lyrikers Alkman, der im 7. Jahrhundert vor Chr. lebte, erwähnt (Hehn, 144); geröstete Mohnkörner mit Honig führt auch Plinius als ein Lieblingsgericht der Vorzeit an („Hist. nat." XIV, 53) r und Horaz (65—8 v. Chr.) erwähnt es in seinem Briefe an die Pisonen. Zur Zeit des Aristophanes (geb. 444 v. Chr.) war der Gebrauch des Honigs in Athen ein allgemeiner, und das Gewerbe der Honighändler ein verbreitetes; Honigkuchen wird in den „Rittern" v. 276 als Preis für die beim Gelage am längsten Zechenden genannt, Honigfladen und süsses Rahmgebäck im „ Plu- tos" v. 995ff, „Mustorten, Sesamkuchen, süsse Fladen, Honig- brod" in den „Acharnern" v. 1077, „Honigkuchen und geröstetes leckeres Nasch werk" in den „Fröschen" v. 515ff Im „Frieden" v. 243ff. wird ein Ragout aus Lauch, Zwiebeln, Käse und Honig bereitet, in den „Vögeln" v. 538 eine Sauce aus Essig, 01, Käse, Lauch, Fett und Honig. So unentbehrlich war der Honig geworden, dass bei der Belagerung von Sphakteria Taucher der hungernden Besatzung als notwendigste Lebensmittel Mohn- und Leinsaat mit Honig, in Schläuche geborgen, überbringen mussten (Thukydides IV, 26). Als edelste Gattungen des Honigs galten der sizilische von Hybla, den noch Virgil („Eklogen" I, 55), Martial (VII, 88), und Strabo (VI, 2, 2) rühmen, der von Calydna, einer der cykla- dischen Inseln, der von Salamis, das Euripides („Die Troerinnen" v. 800) das „bienennährende Land" nennt, und der attische vom Hymettus (Strabo IX, 1, 23)*), der besonders hoch im Preise stand: *) Beaujour, „Commerce de la Grfece" (Paris 1800, 162) preist ihn noch in neuerer Zeit. s- , » — " I Der Honig. 15 „Du, nimm dir anderen Honig, Freund! Ich rate dir, Der kostet vier Obole, spare den attischen!" heisst es im „Frieden" des Aristophanes, v. 252. Den Honig Sardiniens schildert Dioskorides („De materia medica" II, 102) als bitter, weil dort viel Absynth wachse; auch gedenkt er, ebenso wie Plinius (XXI, 44 und 45) und Strabo (XII, 3, 18) des giftigen Honigs aus dem Pontus, den schon Xeno- phons „ Anabasis" (IV, 8) erwähnt, und erklärt diese Eigenschaft aus dem Vorhandensein giftiger Gewächse; in der That wird diese, auch neuerdings in derselben Gegend (sowie im Kaukasus und in 1 'ennsylvanien) beobachtete Erscheinung, dem reichlichen Auftreten des Stechapfels (Datura stramonium) zur Last gelegt, dessen stark duftende Blüten die Bienen fleissig zu besuchen pflegen (Flückiger, „Pharmaceutische Chemie" Berlin 1888; II, 272). Bei den Römern war ursprünglich der Honig sehr kostbar, ! und auch sein Ersatzmittel, der eingekochte Most, anfangs so selten, dass noch von Romulus berichtet wird, er habe aus Mangel an Wein mit Milch opfern müssen (Plinius XIV, 14); dem Moste wurde heilende Kraft beigelegt, und man feierte schon in der ältesten Zeit das Most- oder Heilfest, „Meditrinalia" genannt (Mommsen I, 165); auch diente er bei religiösen Ceremonien, z. B. zur Herstellung des Hochzeitskuchens, der nach Cato („Landbau", 21), dem altväterlichen Ritual gemäss, aus Weizenmehl» Anis, Kümmel, Schmalz, Käse, Lorbeerblättern und Mostsyrup bereitet werden musste. Die ersten Bäcker- und Kuchenläden in Rom entstanden 171 v. Chr. (Mommsen I, 885) unter griechischem Einflüsse, wie dies die aus dem Griechischen entlehnten Namen für Teig, Leckergerichte und Kuchen beweisen (ebd. I, 200); Cato (um 60 v. Chr.) erwähnt schon zahlreiche Arten derselben, Spritz-, Streusel- und Toplkuchen, sowie verschiedene Brezeln. Zu Cäsars Zeit war die Sucht nach Tafelgenüssen bereits eine allgemeine geworden; Vejanus, ein kleiner Bienenzüchter, verkaufte nach Varro von seinem, nicht mehr als 1 Morgen grossen Thymiangärtchen bei Falerii, jährlich Honig für 10000 Sesterzen (mindestens = 2500 M.); der Naschmarkt (forum cupedinis), wo nach Varro (III, 16) Honig, Blumen und Früchte feilgehalten wurden, spielte eine Hauptrolle im städtischen Leben (Mommsen III, 503); Cicero („de officiis" L 42) erklärt alle Geschäftszweige, die der Schlemmerei in die Hand arbeiten, als unehrenhaft; Macrobius (III, 13) führt den Speisezettel einer Festmahlzeit des Pontifices auf, mit zahlreichem Kuchen und Backwerk, und nach Varro („Landbau" III, 2, 16) trieben solche 16 Erster Abschnitt. Zur Vorgschichte des Zuckers. und ähnliche Schmause die Preise aller feinen Esswaren derartig in die Höhe, dass Cäsar sich bewogen fand, entsprechende gesetzliche Bestimmungen zu erlassen (Mommsen III, 519). Seine weiteste Ausbildung erfuhr indessen der Tafelluxus bekanntlich erst zur Kaiserzeit; Kuchen-, Pasteten- und Honigkuchenbäcker bildeten Zünfte, und waren in allen Strassen anzutreffen, und die Anfertigung schöngeformten Backwerkes wurde eine lohnende und reich bezahlte Kunst (Martial XIII, 68). Mostsyrup und Mehl, einst die Bestandteile des Opferkuchens, genügten nur mehr als Mastfutter für Geflügel (ebd. XIII, 62). Auch zum Einmachen von Früchten diente der Honig, und verdrängte so den ursprünglich hierzu gebrauchten Most (Plinius XIV, 3); besonders beliebt waren Quitten (melimela = Honigäpfel), die nach Varro („Landbau" I, 59, 1), Horaz („Satiren" II, 8, 31) und Plinius (XV, 18) in Honig, oder Most und Honig eingekocht wurden, und zur Kaiserzeit namentlich aus Spanien nach Rom gelangten. Doch verstand man auch andere Früchte aller Art in Honig einzulegen, und Columella (XII, 45), sowie das Kochbuch des Apicius Cölius („Ars coquinaria" I, 20) geben hierzu ausführliche Anleitung. Zu den Mischungen von Most und Honig wurden besonders die edlen, sehr süssen Weinsorten Griechenlands verwandt; auch dort diente übrigens der eingedickte Most ursprünglich als Ersatzmittel des kostbaren Honigs: „Nicht Mostsyrup, nein, träufle gelind ihm gleich Honig hinab in das Herzlein," sagt Aristophanes („Wespen* v. 891). Die Kenntnis der konservierenden Eigenschaften des Honigs ist vermutlich vom Oriente ausgegangen; Herodot (geb. 484 v. Chr.) berichtet, dass die Perser und Babylonier die Leichname Vornehmer mit Honig und Wachs zu überziehen pflegten (I, 140 und 198), und nach Xenophon wurde die Leiche des Königs Agesipolis von Sparta, nach Diodor die des Königs Agesilaus, auf diese orientalische Weise konserviert, in die Heimat zurückgebracht (s. Strabo XVI, 1, 20). Die Ägypter kannten diesen Gebrauch gleichfalls, und der arabische Arzt Abdallatif erzählt sogar, dass noch zur Zeit seiner Anwesenheit in diesem Lande (um 1200), solche, in Honig konservierte und wohlerhaltene altägyptische Leichen gefunden worden seien („Relation de l'Egypte", ed. Sacy, Paris 1810, 199). Herodot meldet (II, 40), dass auch die Körper der geopferten Stiere mit Spezereien und Honig gefüllt wurden, wie denn letzterer überhaupt bei Kulthandlungen und religiösen Ceremonien eine Rolle spielte, z. B. bei den Totenopfern; nach Lieblein („Ägyptische Denkmäler" 1873, 17) bittet eine Der Honig. 17 Grabinschrift den Osiris: „er gewähre den Toten Opfer, bestehend in Tausenden von Stieren, Tausenden von Gänsen*), Tausenden von göttlichen Weihrauchkörnern, Tausenden von Krügen Wein, Tausenden von Krügen Milch, in allen guten und reinen, und in allen süssen Gegenständen." Den heiligen Tieren, z. B. den Krokodilen, wurde, wie Diodor (I, 84) und Strabo (XVII, 1, 38) erzählen, neben Gänsefleisch auch Honigbackwerk, Honigkuchen, und Honigmeth verabreicht, welche Gebräuche auf ein sehr hohes Alter der Kunst Honig zu sammeln und zu bereiten, vielleicht auch der Kunst Bienen zu züchten, schliessen lassen; sicher ist es, dass Darstellungen, die bis ins vierte vorchristliche Jahrtausend zurückreichen, die Abbildungen von Honigbienen deutlich erkennen lassen (Bessler 10 und 13), und einige Forscher haben daraufhin sogar angenommen, dass Ägypten die Heimat der Biene und der Bienenwirtschaft sei, und dass sich diese von hier aus nach Griechenland verbreitet habe; die Bezeichnung der besten Bienen- und Honigsorten mit dem Namen „cecropische" soll diese Vermutung bestätigen, da Cecrops aus Sais als der Ansiedler betrachtet wird, der um 1500 v. Chr. Griechenland mit der Kultur und dem Ackerbaue Ägyptens bekannt machte (Bessler 12). Auch in der ägyptischen Medizin war der Honig von grosser Bedeutung; der Papyrus Ebers „Buch der Bereitung der Arzneien", welcher um 1750 v. Chr. niedergeschrieben, und noch früher abgefasst ist, sowie der durch Chabas undBrugsch bekannt gemachte Papyrus von 1350 v. Chr., enthalten zahlreiche Rezepte, in denen Pflanzensäfte, Milch, Bier, Honig und Palmwein vorherrschen (Haeser, „Lehrbuch der Geschichte der Medizin", Jena 1875; I, 48). Gegen gewisse Leiden wurde Honig allein verordnet, gegen andere, besonders gegen Augenkrankheiten, Honig in Verbindung mit Galle, Seesalz, allerlei Kräutern, sowie Palmwein, Dattelwein und Dattelhonig (Woenig, „Die Pflanzen im alten Ägypten", Leipzig 1886, 311,, 374ff., 393). Von der Bereitung des Bieres und Palmweins in Ägypten erzählt auch Herodot (II, 77); Palmwein galt für so kostbar, dass er nur beim Einbalsamieren der Leichen der Vornehmen Anwendung fand (ebd. II, 86), und dass die Bewohner von Elephantine dem Eroberer Kambyses ein Fass davon als Huldigungsgeschenk darbrachten (ebd. III, 20). Plihius (XIII, 6) und Dioskorides („Mat. Med." I, 149; V, 40) erwähnen ihn noch als Seltenheit. *) Über die Vorliebe der Ägypter für Gänse s. Herodot (II, 38) und Diodor (I, 70). Lippraann, Goachiohte den Zuckers. ™ 18 Erster Abschnitt. Zur Vorgeschichte des Zuckers. Die griechische Heilkunde, die vielfach aus orientalischen und speziell aus ägyptischen Quellen schöpfte (Haeser I, 164), wies gleichfalls dem Honig eine führende Rolle zu; Hippokrates (geb. 460 v. Chr.), der erste und berühmteste Arzt des alten Griechenlands, soll zuerst feste Regeln für dessen Gebrauch aufgestellt, und ihn als wichtigstes Heilmittel betrachtet haben. Seine Schriften „de affectionibus" und „de victu" führen zahlreiche Mittel an, die aus Honig in Verbindung mit Salz, Wein, Essig, Wasser, Most und gekochtem Most bestehen, und deren nicht weniger als 265 seiner Erfindung zugeschrieben werden; zum Danke für diese Wertschätzung des Honigs, sollen sich Bienen in seinem Grabmal angesiedelt, und daselbst Honig von besonderer Heilsamkeit erzeugt haben. Demokritos, der Zeitgenosse des Hippokrates, hatte vom Honig keine geringere Meinung als dieser; auf die Frage, wie man, gleich ihm, über hundert Jahre alt werden, gesund bleiben, und seine Tage verlängern könne, antwortete er: „Innerlich durch Honig, äusserlich durch Ol" (Athenaus II, 47); einige Jahrhunderte später konnte der hundertjährige Pollio Romilius dem Kaiser Augustus auf dieselbe Frage die nämliche Antwort erteilen (Plinius XXII, 114). Für besonders wichtig erklärte Hippokrates das Honigwasser und den Sauerhonig, eine Mischung von Honig, Wasser und Essig (Haeser I, 161); derartige Getränke wurden noch Jahrhunderte hindurch nach seinen Vorschriften bereitet und benutzt, bis sie endlich, nach zahlreichen Verbesserungen und Vervollkommnungen, aus dem Gebiete der Heilkunde in das des täglichen Lebens, zuletzt in das des Luxus übergingen. Die fortdauernde Verwendung des Honigwassers, des einfachsten und ursprünglichsten süssen Getränkes, in der Medizin, und, wie wir früher sahen, bei religiösen Handlungen, liefert übrigens einen neuen Beweis für den Satz, dass an veralteten und in Vergessenheit geratenden Formen, Glauben und Aberglauben am längsten festhalten; dem letzteren verdankt aber die Heilkunde aller Völker nicht den kleinsten Teil ihrer Mittel. Eine lange Reihe von Honiggetränken verzeichnet Dioskori- des; er kennt Hydromel, aus Honig und Wasser oder Meerwasser („Materia medica" V, 17 und 20); Mulsum, aus altem Wein und viel Honig ohne, oder nur unter schwacher Gährung bereitet (ebd. V, 16); Meth, durch starke Vergährung von Honig, Most und Salz gewonnen (ebd. V, 15); Oxymel, durch Aufkochen von Honig, Wasser, Essig und Salz hergestellt (ebd. V, 22); endlich Der Honig. 19 ' Honigwein, mit Quitten und Trauben oder mit den Aromen des Orients gewürzt (ebd. V, 29ff. und 64ff). Dieselben Mittel führt auch Plinius an („Hist. Nat." XIV, 11—21), und preist insbesondere die Kraft des Metbs und des Sauerhonigs, der das Fieber vertreibt (ebd. XXII, 51 und XXIII, 29); Makrobius (um 400 n. Chr.) erklärt die Heilsamkeit des Honigweins daraus, dass die feuchte Natur des alten Weines erwärmend, und gleichzeitig die trockene des Honigs abkühlend auf die dessen bedürftigen Körperteile einwirke (VII, 12); Plinius leitet sie aus der Eigenschaft des Honigs ab, die Zersetzung und das Faulen der Körper zu verhüten („Hist. Nat." XXII, 50). Die Sucht nach Tafelgenüssen führte auch zur fortschreitenden Verfeinerung dieser süssen Tränke, die dann nicht mehr der Heil-, sondern der Kochkunst dienstbar wurden; zu Festen und Gelagen bereitete man Würzweine, indem der Wein mit Honig, duftenden Kräutern, Veilchen, Rosen, und edlen Spezereien angesetzt, und dann, mittelst Filtration durch feine Tücher, von diesen wieder getrennt und geklärt wurde; auch pflegte man die Spezereien, in Säckchen gefüllt, in den Honigwein einzuhängen (Dioskorides V, 64; Plinius XIV, 19). Aus diesen Gebräuchen erklärt sich der Name „Vinum saccatum", den schon Horaz („Satiren" II, 4) und Martial (geb. 40 v. Chr.) kennt, und der in späteren Jahren die Sammelbezeichnung für eine Unzahl luxuriöser Getränke wurde, deren Benennungen zum Teil bei Isi- dorus Hispalensis (gest. 636 n. Chr.) erhalten sind: Oenomel, Apomel, Rhodomel, Melomel, Medum, Melikraton, u. s. f. („Ori- gines" 20, 3; ed. Lindemann, Lpzg. 1833, 621). Ebenso wie im eigentlichen Kreise antiker Kultur, waren auch ausserhalb desselben der Honig und seine Produkte wohl bekannt. Pytheas von Massilia, der im 4. Jahrhundert v. Chr. eine kühne Entdeckungsfahrt nach den nördlichsten Gestaden Europas unternahm, erzählt, dass jene Bewohner des Nordmeeres, die bereits Getreide und Honig besitzen, sich daraus auch Getränke, Bier und Meth, zu bereiten wissen (Strabo IV, 5, 5). Von den Galliern berichtet zur Zeit Cäsars Diodor (V, 26, 31), dass sie Gerstensaft mit Honigscheiben anmachen; die Iberer besassen Honig in solcher Fülle, dass er ein Hauptgegenstand der spanischen Ausfuhr war, und verstanden es, vorzüglichen Honigwein zu bereiten (ebd. V, 34; Strabo III, 2, 6); auch von den alten Etruskern wird gemeldet, dass sie grosse Freunde des Honigs gewesen seien (Klemm VHI, 321). Dem Herodot erzählten die Thraker, dass die Gegenden jenseits der Donau wegen der Menge der Bienen 2* Jt 20 Erster Abschnitt. Zur Vorgeschichte des Zuckers. nicht zugänglich seien (V, 10), und den Bewohnern jener weiten Landstriche, die unter dem Sammelnamen Skythen zusammen- gefasst wurden, schreiben alle Berichterstatter die Kunst der Meth- bereitung aus Honig, als eine besondere, sozusagen nationale, zu (Hehn 136). In der That bildeten die Abhänge der Gebirge im europäischen Südosten noch in historischer Zeit eine einzige ununterbrochene Lindenwaldung, an deren grossem Honigertrag die erobernden Slawen sich erfreuten; auch bei den Hunnen rühmt Priskus, der 448 mit einer griechischen Gesandtschaft auf dem Wege zu Attila Pannonien durchzog, den Reichtum an Meth (Hehn 129). Die Zeit der Entfaltung des Christentums war dem Aufschwünge der Bienenzucht in hohem Masse förderlich; Honig und Wachs, als Erzeugnisse des reinen aus dem Paradiese gekommenen Geschöpfes, das auch hinieden ein lauteres unschuldiges Leben führt, wurden zu geheiligten, für den Gottesdienst geeigneten Gegenständen (Bessler 7 ff.). In altchristlichen Legenden wird die Biene, vermutlich auf Grund ihres Heimatsinnes, zum Symbol der unsterblichen, zum Himmel rückkehrenden Seele, — deutsche Sagen berichten noch, dass diese zuweilen in Bienengestalt dem Körper von Schlafenden entschwebt —, und mit Honigwaben und Fischen sollen deshalb die Apostel den Heiland nach der Auferstehung bewirtet haben; ein altchristlicher Brauch war es, zu Ostern Milch und Honig in den heiligen Kelch zu giessen, um damit die Wiedergeburt des Getauften zu bezeichnen; die Eingeweihten benetzten ihre Hände mit Honig, um damit ihre Reinheit von allem Bösen anzudeuten; ein gemeinsamer Honigtrunk galt als Zeichen der Verbrüderung, — ein Brauch, der sich besonders in der slawischen Vorstellung erhalten hat, dass Menschen, die zu einer bestimmten Festzeit zusammen ein gewisses Honiggericht gemessen, dadurch Verwandte und Angehörige derselben Hausgenossenschaft werden (Lippert II, 141). Auch erzählt die Legende, dass Gott I den Bienen beim Auszuge aus dem Paradiese seinen Segen geschenkt habe, und dass deshalb ohne Wachs keine Messe zu singen sei; so gelangten die Wachskerzen zu hohem Werte für den christlichen Kultus, und gerieten in den Ruf, besondere Kraft wider die bösen und höllischen Geister zu besitzen; das Wachs galt hierbei, seines jungfräulichen Ursprungs wegen, als Symbol des Leibes Christi, der Docht als das seines körperlichen sterblichen Teiles, das Licht als das der Person des göttlichen Erlösers selbst (Bessler 93). Bienen zu töten, oder sie durch völligen Raub ihrer Vorräte dem Untergange preiszugeben, wurde für Der Honig. 21 sündhaft angesehen; schon Porphyrius (geb. 232 n. Chr.) sagt in seiner Schrift „Über die Enthaltsamkeit", wo er über die erlaubte Gewalt spricht: „Oder glaubt ihr etwa, die Bienen sammeln ihren Honig für Euch, und Wolle wachse auf den Schafen, damit sie Euch zu Schmuck und Schutz sei?" Die Stämme Germaniens, dessen Reichtum an Honig und mächtigen Waben schon Plinius preist, wandten zur Zeit der Ausbreitung des Christentums, der Bienenzucht erhöhte Aufmerksamkeit zu; dies spiegelt sich in den, seit etwa 450 entstehenden germanischen Volksrechten wieder, deren Gesetzbücher, z. B. das salische und westgotische, je ein ganzes Kapitel über das Recht an Bienen und Bienenstöcken enthalten (Le Grand d'Aussy II, 338; Bessler 91 und 112). Die Begriffe hierüber bildeten sich indes jedenfalls nur langsam aus, so dass beispielsweise der Finder eines von Bienen besetzten Baumes, sich anfangs, durch An- zeichnung desselben, sein Einzelbesitzrecht nur auf bestimmte Zeit wahren konnte. In den, gegen 812 erlassenen Kapitularien Karl des Grossen (Pertz, „Monumenta Germaniae" III, 181), welche äusserst eingehende Verordnungen über Bewirtschaftung and Verwaltung der kaiserlichen Güter enthalten, wird auch der Bienen gedacht; wir erfahren, dass auf dem Hofe Stefanswerth 17, in Geisenweiler 50 Bienenstöcke vorhanden waren, dass Ingelheim und Lorsch*) Hauptplätze der Bienenzucht bildeten, dass Honig und Wachs reichlich bereitet, und nebst Meth und Honigwein regelmässig an den Hof abgeliefert werden mussten (Bessler 173; Volz, „Beiträge zur Kulturgeschichte", Lpzg. 1852,176). Der Abt Theodemar meldet dem Kaiser, dass er den Mönchen während der Heuernte Honigwein reichen lasse, wie denn überhaupt die königlichen Güter an viele Klöster Honig und Wachs verabfolgten; Ludwig der Deutsche befiehlt 853, dem Bischof Gosbert auf seinen Kirchenvisitationsreisen 20 Eimer Meth und 20 Eimer Honigwein zur Verfügung zu stellen; Karl der Kahle sichert den Klöstern noch 862 die Fortdauer aller derartigen Lieferungen zu, und das Dekret bemerkt, dass der Honig zur Anfertigung von Kuchen und Backwerk bestimmt sei (Le Grand d'Aussy II, 205 und 271). Die Bedeutung der Bienenzucht auch in Süddeutschland, beweisen die vielen Zinse von Honig und Wachs, und die Zehnten von Bienen- *) Der sogenannte Lorschor „Bienensegen", ein abergläubischer Heilspruch aus dem 9. Jahrhundert, ist eines der kulturgeschichtlich und sprachlich merkwürdigsten Dokumente dieser Zeit. 22 Erster Abschnitt. Zur Vorgeschichte des Zuckers. St I stocken in natura, welche in Urkunden aus den Jahren 782, 806, 834 und 843, schwäbischen und fränkischen Klöstern gewährt werden (Bessler 95; Volz 194); in Nordfrankreich und den Niederlanden war dieselbe um die nämliche Zeit von solcher Wichtigkeit, dass Honig einen der vornehmsten Artikel der Märkte von St. Denis, damals der bedeutendsten Westeuropas, bildete (Hüllmann, „Das Städtewesen im Mittelalter", Bonn 1826; I, 275). In den folgenden Jahrhunderten erscheinen Honig und Meth häufig als grundherrliche Abgaben; Kaiser Otto I. schenkte z. B. 937 den Benediktinern in Magdeburg, und 932 dem Stifte in Merseburg, den Honigzehnten der benachbarten Provinzen, ebenso erwähnen die Fuldaer Annalen von 1050 und die Stiftungsurkunde des Wyschehrader Domkapitels in Prag (1070) die Honigsteuer (Bessler 95 und 198); auch in einer Urkunde Konrad III. vom Jahre 1147 kommt eine Steuerleistung von 30 Sitla (Seidel) Meth, 20 Sitla gehonigtem, und 60 Sitla ungehonigtem Bier vor (Volz 151).*) In Sachsen war der Meth so reichlich vorhanden, dass man 1015 zu Meissen ein Feuer damit löschen konnte (Hüllmann I, 275); der Mittelpunkt der deutschen Bienenzucht war indes Nürnberg. Die im Staatsbesitze befindlichen Wälder rings um die Stadt hiessen der „Reichsbiengarten", wurden durch besondere, schon in Urkunden Otto III. und Heinrich II. vor dem Jahre 1000 nachweisbare Beamte überwacht, besassen ein eigenes Zeidelgericht im Dorfe Feucht (das erst 1779 seine letzte Sitzung abhielt), und lieferten hohe Erträgnisse an Honiggeldern, Zeidel- gebühren und Gerichtskosten, die anfangs den Kaisern, später den Burggrafen zuflössen, und 1427 von diesen an die Stadt verkauft wurden (Roth, „Handelsgeschichte Nürnbergs", Lpzg. 1801; 11,333; Lotter, »Das alte Zeidelwesen der Nürnberger Reichswaldungen", Nürnbg. 1870; Bessler 105).**) ' Für den einfachen Grundbesitzer blieben indessen Bienenstöcke auch in späterer Zeit eine wertvolle Kostbarkeit, und bildeten einen vielbegehrten Bestandteil ländlichen Eigentums; bei der süddeutschen Bauernhochzeit des 13. oder 14. Jahrhunderts, deren Schilderung uns in der Erzählung „von Metzis Hochzeit" (Lassberg, „Lieder- *) Die Geistlichkeit liebte das gehonigto Bier nicht, und die Concilien von Aachen (817), Worms (868), und Tribur (895) sprachen sich gegen dasselbe aus (Bessler 92). **) Ähnliche Zeidelwesen kleineren Umfangea bestanden in Muskau in der Oberlausitz, in der Kurmark, in der Görlitzer Haido, und in Pommern (Bessler 99). Der Honig. 23 saal" III, 399) erhalten ist, kommen z. B. Bienenkörbe als Mitgift vor. Die eigentlichen Grosslieferanten Westeuropas für die Erzeugnisse der Waldbienenzucht, blieben aber im Mittelalter die Länder des europäischen Ostens, namentlich Russland, Polen und Litauen. „Bei den Esthen", berichtet Wulfstan („Antiquites russes" II, 469) „giebt es so viel Honig, dass der König und die Reichen den Meth den Armen und den Knechten überlassen, selbst aber Stutenmilch trinken", und auch Peter von Dusburg (III, 5) erzählt: „sie trinken einen Honigtrank oder Meth, und Stutenmilch, diese jedoch nur, wenn sie von den Priestern geweiht ist" (Hehn, 47). Doch opferten die Slawen ihren Göttern Honig und Meth, und das zu Arcona in Rügen errichtete hölzerne Standbild ihres höchsten Gottes, des vierköpfigen Swantewit, hatte ein stets mit Meth gefülltes Trinkhorn in Händen (Weber, „Weltgeschichte" Lpzg. 1888; I, 543). Für die Häfen der Ostsee, namentlich für Danzig, Stettin und Lübeck, zählten noch im 12. und 13. Jahrhunderte Honig und Wachs zu den wichtigsten Stapelartikeln, und bildeten einen Gegenstand regelmässiger Ausfuhr nach Mitteldeutschland, den Niederlanden und England (Falke, „Geschichte des deutschen Handels" Lpzg. 1859; I, 94 und 177ff.). Hierin trat erst eine Veränderung ein, als, infolge der Ausbreitung der Reformation, die Verarbeitung des Wachses zu Kirchenkerzen eine rasche und wesentliche Einschränkung erlitt, und hierdurch der Handelswert desselben erheblich beeinträchtigt wurde (ebd. II, 50 und 366). In Polen und Russland selbst blieb aber Meth das Nationalgetränk, und wurde erst im 18. Jahrhunderte durch den Thee aus dieser Stellung verdrängt (Klemm, X, 35); dasselbe gilt für die skandinavischen Reiche, Schottland, Irland und Island. Die in Island zu Anfang des elften Jahrhundertes von Sämund gesammelten Sagen der „Edda" haben uns auch zahlreiche Anschauungen der altnordischen und deutschen Mythologie über Bienen und Honig erhalten. Im Abschnitte „Gylfaginning" erzählt die Edda (Übersetzung von Simrock, Sttgt. 1871, 289), dass der Tau, der von der Weltesche Yggdrasil auf die Erde fällt, Honigfall oder Honigtau heisse, und die Nahrung der Bienen bilde; in Walhall trinken Götter und Helden den süssen Meth der Ziege Heidrun, „von deren Euter soviel des Methes fliesst, dass er täglich ein Ge- fäss füllt, so gross, dass alle Himmlischen vollauf daran genug haben" (ebd. 304). Im „Bragarödur" (ebd. 331) heisst es: „Die Zwerge Fialar und Galar töteten den vielwissenden Kwasir und mischten Honig in sein Blut, woraus ein so kräftiger Meth ent- 24 Erster Abschnitt. Zur Vorgeschichte des Zuckers. stand, dass ein jeder, der davon trinkt, ein Weiser oder ein Dichter wird"; daher gilt Blutraeth als die Quelle der Skaldenkunst. Aus dem „Alwismal" (ebd. 103) erfahren wir, dass Meth das Getränk der Heia, der Herrin der Unterwelt war; giftgemischten Meth erwähnt das „Hyndlulied" (ebd. 137), und in „Thrymskwidha" (ebd. 95) wird von Thor, der als Freya verkleidet, seinen geraubten Hammer heimholen geht, berichtet: „Er ass einen Ochsen, Acht Lachse dazu, Alles süsse Geschleck, den Frauen bestimmt; Drei Kufen Methes trank Sifs Gemahl." — Auch in der nordischen Sage von Beowulf bezeichnet dieser Name des Helden, durch seine Bedeutung „Bienenwolf" den Bären als Honigräuber (Sim- rock, „Mythologie" 521 und 522). Die Vorstellung, den obersten Göttervätern auch die Kräfte gewaltiger Zecher zuzuschreiben, als welche der nordische Wotan und der griechische Kronos in gleicher Weise gerühmt werden, scheint eine alte indogermanische zu sein; sie ist besonders bei den Indiern und Eräniern verbreitet, welche, wie der gemeinsame Name ärya (Arier), den sich beide Völkerschaften selbst beilegen, zeigt, in besonders nahem Verwandtschaftsverhältnisse stehen, und sich nach vollzogener Trennung von den übrigen Stämmen gleicher Herkunft, noch eine Zeitlang gemeinsam entwickelten, namentlich in religiöser Hinsicht (Spiegel, „Eranische Altertumskunde" Lpzg. 1873; I, 429 und 443). Unter den göttlichen Wesen nun, deren Bildung in die Zeit des arischen Zusammenlebens zurückgeht, verdient die erste Stelle Haöma oder Söma, mit welchem Namen des Gottes aber auch der ihm dargebrachte Opfertrank, sowie die Pflanze aus der man diesen bereitete, bezeichnet wurde (ebd. I, 432; II, 114). Nach Kuhn („Die Herabkunft des Feuers und des Göttertrankes", Gütersloh 1886) war Söma ursprünglich der Saft eines Baumes, vielleicht einer Eschenart, da die Eschen einerseits wirklich eine süsse Flüssigkeit ausschwitzen (Eschen-Manna), die noch jetzt, z. B. in Schottland, bei gewissen althergebrachten Zeremonien die Stelle des Honigs vertritt, andererseits der griechische Name der Esche fielia, den Hesy chius ausdrücklich von {ith (Honig) ableitet, in der That eines Stammes mit flih und fielia (= süss, lieblich, bezaubernd) ist (S. 171, 121, 123). Die Weltesche Yggdrasil gewinnt hierdurch erhöhte Bedeutung, und stellt sich mit dem söma-träufelnden Feigenbaume „Ilpa" der Inder in Parallele; wie aus diesem der Söma, als dessen Ersatz noch in später Zeit Feigensaft dienen durfte, so stammt aus jener der Meth, denn der herabträufelnde Honigfall ist das Wasser aus dem Brunnen Mimir's, mit welchem die Nomen die Weltesche begiessen, und Der Honig. 25 dieses Wasser wird ausdrücklich als Meth bezeichnet, und verlieh Weisheit und Kraft, weshalb Wotan für einen Trunk von demselben sein eines Auge verpfändete (ebd. 114 ff., 117, 173). An Stelle des Baumsaftes trat allmählich der Saft eines sich um die Bäume rankenden Schlinggewächses, welches bei den Eraniern und Indern nicht mehr identisch war (ebd. 227, 106), und schliesslich der Saft von Asclepias acida und Sarcostema viminalis; seit jeher wurde indes der Sömasaft durch Zusätze von anderen Stoffen, namentlich von Honig, versüsst und in Gährung gebracht (ebd. 106, 142, 227; Humboldt, „Kritische Untersuchungen über die historische Entwicklung der geographischen Kenntnisse von der neuen Welt«, Berlin 1852; I, 506). Dass Honig und Meth den Indogermanen zur Zeit des allmählichen Überganges zum Ackerbau bekannt waren, ist schon oben erwähnt worden; die Tradition nennt noch die Heroen, welche den Ackerbau erfanden (Lassen, „Indische Altertumskunde"*) I 967), für dessen hohes Alter vor allem das Wort krishti = Mensch, abgeleitet von krish = pflügen, spricht; doch haben wir uns in jener Zeit die Indogermanen nicht als völlig sesshafte Ackerbauer vorzustellen, sondern wesentlich als Viehzüchter, die mit ihren Heerden wanderten, und das Land, da wo sie verweilten, bebauten (ebd. I, 966). Dem Meere waren sie fremd, und blieben dies bis tief in die geschichtliche Zeit hinein (Zimmer, „ Altindisches Leben", Berl. 1879, 21 und 256); ihrer Sprache sind die bei den Indern und Eraniern gemeinsamen Worte für Kochen und Backen entlehnt (Spiegel I, 426), und sie waren wohlbekannt mit dem Gebrauche des Feuers; über den himmlischen Ursprung desselben besassen sie eine Sage, die sich noch in der griechischen Mythe wiederspiegelt (Prometheus, gebildet aus pramätha = rauben, an sich reissen), und in innigem Zusammenhange mit der Herabkunft des Göttertrankes steht (Lassen I, 940; Kuhn 18). Von den Göttern soll man zuerst Agni, dem Herrn des Feuers, einer der drei indischen Hauptgottheiten, Opfer dargebracht haben, und zwar ausgelassene Butter (Ghrita), was auf die ursprüngliche Hirtenvolk-Natur hinweist**) (Lassen I, 898); das wichtigste und bedeutsamste Opfer der arischen Indier und östlichen Eränier war aber das, besonders dem höchsten Gotte Indra geweihte Söma- *) Band I und II, 2. Auflage Lpzg. 1867 und 1874; Band III und IV., 1. Auflage, Lpzg. 1858 und 1861; der Anhang, Lpzg. 1862, ist als Band V zitiert. **) Das Sanskritwort für Tochter, Duhitri, bedeutet bekanntlich „die Melkende". ^H - -'srft&'tf. ? -V / 26 Erster Abschnitt. Zur Vorgeschichte des Zuckers. ■f i Opfer. Mit Molken, Gerstenmehl, wildem Korn und Honig vermischt und gährend gemacht, verleiht der Sömasaft Nahrung, Gesundheit, Kraft, Schutz und Unsterblichkeit (ebd. I, 931 ff.), welche Eigenschaften er seinem überirdischen Ursprünge verdankt; er ist. nämlich die irdische Erscheinungsform des himmlischen Amrita (Ambrosia), das, nach indogermanischem Mythus, von dem wunderbaren Feigenbaume niederträufelt, der im dritten Himmel sprosst, und als Göttersitz gedacht wurde (Grohmann, in Weber's „Indischen Studien" IX, 423). Eine spätere Sage (Lassen IV, 580; Kuhn 219) knüpft dessen Entstehung an die dritte Verkörperung des Gottes Vishnu, der in Gestalt einer Schildkröte die Erde trägt; bei dieser wurde, mittelst eines Berges als Stock und einer Riesenschlange als Strick, das Milchmeer, einer der sieben grossen, die Welt umgebenden Ozeane gequirlt, wobei, nebst vielen Anderem, der Göttertrank Amrita und der Rauschtrank Süra oder Väruni (= Tochter Varunas) zu Tage trat. Durch den Sömatrank begeistert, verrichtete Indra seine besten Thaten; im „Atharva-Veda" wird er angerufen („Ind. Stud." XIII, 143). „Trinke vom Söma dir einen Rausch, „Am Meth dich letzend, zum Rausch willkommen. „Indra! den Leib dir, wie einen Schiffsbauch, „Mit Meth anfülle____" und weiterhin heisst es: „Zur Kräftigung er sich erkor den Soma „Und trank von dem Saft drei braune Krüge, „Fasste dann mächtig den scharfen Blitzkeil „Und schlug den Erstgebornon der Schlangen." Söma oder Haöma bezeichnet aber auch den Gott des Trankes, dessen Kultus uralt ist, und noch weit über die mythische Zeit des Zoroaster oder Zarathustra hinaufreicht, welcher nach des Berosos babylonischer Geschichte, und nach gewissen von Kallis- thenes überlieferten Sternbeobachtungen um 2234 v. Chr. gesetzt. wird (Lassen I, 888), in Wirklichkeit aber wohl nur das Aufhören des vorgeschichtlichen Zeitalters personifizieren soll (Spiegel I, 675 und 686). Er war königlichen Geschlechtes und sein Vater Pöurushafpa erhielt ihn zum Sohne, weil er dem Gotte Haöma reichliche Opfer des gleichnamigen süssen Pflanzensaftes darbrachte (ebd. I, 686); so berichtet das „Zendavesta", die heilige Schrift der Eränier, die zwar vermutlich schon zur Zeit des alten persischen Reiches abgefasst, jedoch erst nach dessen Zerstörung niedergeschrieben, und später leider so vielfach umgearbeitet wurde, dass sich das Verhältnis des jetzigen Wortlautes zur ursprünglichen Der Honig. 27 Fassung, und das Alter der einzelnen Bestandteile nicht mehr beurteilen lässt (ebd. III, 782 und 790). Für die Art der Darbringung solcher Sömaopfer enthält das Avesta genaue Vorschriften; man gebraucht einen Mörser mit Stössel zum Zerstossen des Haöma, welche Pflanze auf den Höhen der Berge wächst (ebd. III, 572) r eine mit neun Löchern versehene Schale zum Auspressen des Breies, Schalen zum Eingiessen des ausgepressten Saftes, und endlich eine Flasche mit Milch, Öl und Honig, deren Mischung während der Saftgewinnung auf die Erde gesprengt wird (ebd. III, 560, 571 und 591; Strabo XV, 3, 14). Eine ebenso wichtige Rolle wie im Avesta der Eränier spielt der süsse Trank des Söma in den „Veden" der Inder; zur Zeit der Abfassung des „Rigveda", des ältesten Teiles dieser heiligen Schriften, haben wir uns die Inder im Pendschab und an den Ufern des Indus, jedoch noch fern vom Meere, sesshaft zu denken, in viele kleine Stämme geteilt, ein patriarchalisches Ackerbau- und Nomaden- Leben führend („Ind. Stud." X, 241; Lassen I, 883; Weber, „Indische Literaturgeschichte", Berl. 1876, 40). Leider ist von diesen ältesten Teilen, als deren Entstehungszeit Max Müller 1300 bis 1500 v. Chr. annimmt, nur Weniges in ursprünglicher Gestalt erhalten, teils infolge des Wechsels der religiösen Ansichten, teils infolge der mangelhaften Überlieferung; diese konnte anfangs nur mündlich sein, weil die Schrift noch nicht oder nur selten angewandt wurde, sowie weil es im Norden an geeignetem Schreibmaterial fehlte*); später aber wurde sie von den Priestern, die den Verlust ihres Einflusses befürchteten, in jeder Hinsicht erschwert: Abschreiber, Verkäufer und Verächter der Veden wurden gleicherweise als Söhne der Hölle erklärt (Weber 13; Lassen I, 1010). Das Andenken an den Gott Söma war um diese Zeit noch sehr lebendig; im „Rigveda" I, 93, 1 wird er als die Gottheit angerufen, „unter deren Führung unsere mutigen Väter Schätze erlangten"; viele Hymnen sind an ihn allein gerichtet, oder geben anthologieartig die Verse anderer, auf ihn und das Sömaopfer bezüglicher Gesänge wieder (Weber 34 und 68); weitere Hymnen führen die Sprüche und Lieder auf, welche die Darbringung dieser Opfer zu begleiten haben (ebd. 9). Diese konnten 1—12 Tage, aber auch 100 Tage, und selbst mehrere Jahre andauern, und der reichliche Genuas des süssen Göttertrankes brachte dabei oft üble *) Nearchos, der Feldherr Alexander dos Grossen, spricht von Briefen, die auf dichtgeschlagenes Baumwollenzeug geschrieben wurden (Strabo XV, 1, 67), während der erheblich spätere Megasthenes behauptet, die Inder gebrauchten die Buchstabenschrift nicht (ebd. XV, 1, 53). 28 Erster Abschnitt. Zur Vorgeschichte des Zuckers. Folgen mit sich, deren Sühnung durch besondere Bussübungen zu erfolgen hatte (ebd. 72 und 118). Das Opferzeremoniell war ein sehr verwickeltes, und von der Einfachheit der ursprünglichen Honigspende, die noch das uralte indische Gesetzbuch des Manu mit dem Sömaopfer zusammen nennt („Ind. Stud." XV, 66), führte jedenfalls nur ein langer Entwickelungsweg zur Mannigfaltigkeit der vedischen Vorschriften. Bei der Darbringung der grossen Opfer verlangte das Ritual („Ind. Stud." XIII, 223) einen besonderen Altarbau in Vogelgestalt, die Anfertigung einer flachen thönernen Feuerschüssel, und einer Schildkröte als Symbol der Tragkraft; die Söma-Ranken wurden entweder in einem viereckigen Holzmörser mit runder Keule zerstampft, oder zwischen mit Leder überzogenen Pressbrettern, unter wiederholtem Befeuchten mit Wasser, durch Auflegen grosser Steine mehrmals ausgepresst („Ind. Stud." X, 371). Die Reinigung des Saftes erfolgte, wie bei der Spende des Surä (eines gegohrenen Getränkes aus Reis und anderen Körnerfrüchten, mit Gewürzen, Kräutern und Honig) erst mittelst eines groben, aus Rohr geflochtenen Klärsiebes, dann, in einem hölzernen Gefässe, durch Ausschöpfen mittelst eines feinen Haarsiebes (ebd. X, 349). Das Ausgiessen des Söma auf den Altar geschah aus einem hundertfach durchlöcherten Kruge; die oben erwähnte Schildkröte wurde dabei mit Milch, Butter und Honig gesalbt, und zugleich das Erdreich mit einem aus Milch, Honig, Kucagras, und fünf Stückchen Gold bestehenden Tranke benetzt (ebd. XIII, 251 und 277). In Indien selbst kam das eigentliche Sömaopfer schon frühzeitig ab, vielleicht weil die echte Somapflanze nur im Hochgebirge wächst*); die indischen Epen erwähnen nichts mehr von seiner Feier, und das Gesetzbuch des Manu hält sogar die Verkäufer des Sömatrankes (dessen Genuss, unter veränderter Zusammensetzung, nie ganz ausser Gebrauch kam) für verächtlich; den Brahmanen war derselbe verboten (ebd. X, 62), und beim Opfer wurde er durch Milch, später durch Wohlgerüche und Blumen ersetzt (Lassen II, 439). Auch der reine Begriff des Söma verlor sich. Die Somapflanze Asclepias acida wurde zum Sinnbild des Mondes, Asclepias gigantea zu dem der Sonne, weshalb sie auch den Namen arka = Sonne führte (Bohlen „Das alte Indien" Königsberg 1830; I, 185); da der Mond als Speise der Götter galt, bezeichnete Söma auch diese, und wurde schliesslich zur allgemeinen Naturessenz umgestempelt, die, als Mark und Wesen aller Dinge, auch in den Ewigen selbst wirkt („Ind. Stud." V, 178). *) Strabo (XV, 1, 58) meldet noch, in Indien werde Dionysios (Söma) nur auf den Bergen verehrt. Der Honig. 29 Eine ebenso wichtige Rolle wie bei den Opfergebräuchen spielt der Honig, als dessen Spender an die Bienen der „Rigveda" (I, 112) die Aswinas (die Dioskuren der Inder) preist, auch im sonstigen Zeremoniell. Honig dient zu den heiligen Waschungen- („Ind. Stud." XV, 174), „meine Zunge rede Honig" ist eine stehende Gebetsformel (ebd. X, 133), und „wer Tag um Tag in den Gesetzen studiert, sättigt dadurch die Götter mit Milchspenden und Honig, und sie sättigen ihn wieder mit allen Glücksgütern" (ebd. X. 114). Beim Brauttrunk und Brautschmaus, deren Feier schon, in die indogermanische Zeit zurückgeht, bereitet der Vater der Braut den Gästen einen festlichen Empfang, wobei Madhuparka, d. i. ein Gemisch von Milcb, Butter und Honig, herumgereicht wird (ebd. V, 267 und 411). Mit Milch, Honig und Wasser werden die Leichen der obersten drei Kasten begossen (ebd. X, 25); dem Frommen, besonders dem Brahmanen, ist während der Fastenzeit, oder wenn er als Lehrer wirkt, der Honiggenuss verboten (ebd. X, 62 und 123); die erste Speise eines Kindes soll Honig*) mit saurer Milch und Butter sein (ebd. XV, 45), und das Neugeborene be- grüsst der Vater mit den Worten: „Honigseim reiche ich dir zum Fest, „Von Savitar, dem Gabonreichon, gespendete Gabe; „Mit Alter gesegnet, von der Gottheit beschützt, „Lebe hundert Herbste in dieser "Welt", und flösst ihm dabei dreimal eine Mischung von Milch, Wasser, Butter und Honig aus einem goldenen oder silbernen Löffel ein (ebd. XV, 41). Den Edelmetallen wird hierbei der Besitz wunderbarer, kräftigender und stärkender Eigenschaften zugeschrieben, sowie die Fähigkeit, die Wirkung des Trankes zu erhöhen; Milch und Honig aber gelten als göttliche Spende, und werden in den Veden oft als solche erwähnt. So heisst es „Rigveda" III, 62, 16: „Mitra und Varuna, begiesset mit Sahne unser Feld und mit Honig die Lüfte"; I, 157, 2: „betaut mit Milch und Honig die Flur"; I, 87, 2: „giesset euren Verehrern honigströmende Sahne herab"; honigfarbig, honigfliessend, honigträufelnd u. dergl., sind überhaupt ständige Bezeichnungen der höchsten himmlischen Gaben. In den indischen Epen wird auch der süsse Honig der Axika (Morinda tinctoria) genannt, welcher Jugend, Gesundheit und Unsterblichkeit verlieh, und von Giftschlangen in der Waldwildnis gehütet wurde (Lassen I, 1025); auch unter den Geschenken, *) Dieser Brauch ist auch ein altgormanischer (Kuhn 122); abor die Slawen kennen diese und ähnliche Sitten ebenfalls, und namentlich die Südslaven üben sie noch gegenwartig (Bessler 214). -ÄL ■MMR « 30 Erster Abschnitt. Zur Vorgeschichte des Zuckers. welche die Bewohner des Nordens den Königen Indiens zu senden pflegten, wird ebenda, neben Fellen, Eisen, Seide, Gold und berauschenden Fruchtsäften, „vieler süsser Honig aus den Blumen des Himavat stammend" aufgezählt (Lassen I, 1020; II, 552 und 572). Mit diesen Worten ist gemeint, dass jene Einwohner den Honig der Bienen sammelten; Bienenstöcke gänzlich auszurauben, und dadurch zu vernichten, galt jedoch als frevelhaft, und eine der 88 000 Höllen der Unterwelt war eigens dazu bestimmt, die Sünder dieser Art aufzunehmen (Albiruni „India",engl. Übers, von Sachau, London 1888; I, 61). Auf den Stamm des Sanskritwortes „madhu", ursprünglich „gequirltes", später „süss", „Süsstrank" und „Meth" bedeutend, ist das Griechische fii&v, das persische mai, das slawische med, das litauische medus zurückzuführen; aber auch im Altcambrischen und Altirischen finden sich die Ausdrücke med und mid (Hehn 136 und 137). In der gotischen Bibelübersetzung des Wulfila (318 —381 n. Chr.) wird Honig durch Milith wiedergegeben, was wohl dem griechischen [telir nachgebildet ist (Geiger I, 284); für das deutsche Wort Honig, dessen Wurzel sich in allen späteren Dialekten der germanischen Sprachen wiederfindet, ist nach Grimm („Wörterbuch der deutschen Sprache" IV, 1786) kein urverwandtes Stammwort bekannt; die Ableitung Kluge's („Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache", Strassburg 1884, 140) vom griechischen xdwg (== Staub, Korn), wonach also Honig (etwa hartgewordener?) „der Körnige" bedeuten würde, scheint mindestens fraglich. Das Wort Honig war übrigens im Deutschen ursprünglich ein Neutrum, und wird noch von Luther so gebraucht (Grimm); die Bezeichnung des „Honigtaues" mit „Mehltau" ist nach Benfey auf eine Missdeutung des griechischen fillrog, welches rote Farbe, Rotbrand bedeutet, zurückzuführen (Geiger I, 279). ZWEITER ABSCHNITT. Die Heimat des Zuckerrohres und der Rohzucker-Bereitung. Baptista Porta, der grosse neapolitanische Gelehrte (1539 ■—-1615), dem die Optik, die Physik, sowie die allgemeine Naturforschung gleich wichtige Arheiten verdankt, dürfte zuerst in seinem Werke „Phytognomika" die bestimmte Behauptung ausgesprochen haben, dass jede Pflanze einen gewissen Verbreitungskreis besitze, dessen Mittelpunkt als ihre Heimat anzusehen sei (Meyer, „Geschichte der Botanik", Königsberg 1854; IV, 441). Diese Anschauung teilt im Ganzen die heutige Wissenschaft, wenn sie auch Porta's Erklärung, die Pflanze sei an jenem Mittelpunkte durch Urzeugung entstanden, oder entstehe sogar noch auf diese Weise dahingestellt sein lässt. Nach Grisebach („Die Vegetation der Erde", Lpzg. 1872; II, 515) kann man den Entstehungsort einer Pflanzenart als den vollkommensten Ausdruck der Übereinstimmung zwischen den physischen Lebensbedingungen und ihrer Organisation betrachten; denn mit dieser Anpassung an gegebene Einflüsse der anorganischen Natur ist das höchste Mass ihrer Erhaltungsfähigkeit, welche doch das Leben anstrebt, gegeben. Auf diese Vorstellung stützt sich die Folgerung, dass, je näher die Zentren verschiedener Pflanzen geographisch gelegen sind, und je weniger daher ihre klimatischen Bedingungen abweichen, desto ähnlicher auch ihre Organisation werden musste, oder, was dasselbe ist, desto mehr Arten innerhalb derselben Gattung entstehen konnten. Nun ist es nach Decandolle („Origine des plantes cultivees", / Paris 1883, 122) .und Miquel („Flora Indiae batavae" 1855; III, ' 511) unzweifelhaft, dass sämtliche wilden Arten der Gattung Sacha- rum, — vielleicht mit Ausnahme einer einzigen —, Indien angehören; ebendahin weisen aber auch sämtliche Varietäten des eigentlichen Zuckerrohres (Sacharum officinarum) zurück, und zwar selbst 32 Zweiter Abschnitt. solche, die jetzt von manchen Botanikern schon als selbständige Arten betrachtet werden, z. B. das chinesische Zuckerrohr (Sacha- rum sinense). Botanischen Gründen zufolge wird man also die Heimat des Zuckerrohrs in Indien suchen müssen, und zwar deutet das Vorkommen fast sämtlicher wilder Sacharum-Arten in Bengalen, von vornherein auf diese Provinz, deren uralter einheimischer Name, Gaura oder Gäudä, von guda (= Rohzucker) abgeleitet ist, deren Bewohner sich Pundra (= die vom roten Zuckerrohr) nennen, und welcher, wegen der unerschöpflichen Fruchtbarkeit ihres tropischen Klimas, seit jeher der Name „Garten Indiens" beigelegt wurde (Lassen I, 173 und 267). In der That darf man die Nordküste des indischen Meerbusens, von der Mündung des Ganges und Brahmaputra bis an die Abhänge der Gebirge Assams hin, sowie das Gebiet des Himalaya in weitestem Sinne, als eines jener mächtigsten Schöpfungszentren betrachten, an denen die Natur, den günstigsten und zugleich mit der Höhenlage wechselnden Bedingungen des Pflanzenlebens entsprechend, die höchste Mannigfaltigkeit der Formen geschaffen hat (Grisebach, „Abhandlungen zur Pflanzengeographie"; Lpzg. 1880, 291); zählt doch die Flora Indiens nicht weniger als 20 000 ausschliesslich dort heimische Arten (Grisebach, „Veget." II, 64). Die Wasserdämpfe, die, ohne einen Tropfen über den heissen Ebenen zu verlieren, aus dem indischen Meere und dem offen gegenüber liegenden bengalischen Meerbusen herbeigeführt werden, entladen sich an den Grenzen der östlich vorgelagerten Berglandschaft, um die üppige Kraft der Vegetation in diesen entlegenen Regionen zu stützen, und kehren dann, in reissende Waldbäche verwandelt, zum Delta der grossen Ströme zurück, um, aufs neue verdunstet, durch die Lüfte getragen, zu Wolken gesammelt, in Güssen niedergestürzt, diesen ewigen Wechsel zu wiederholen. Der Austausch kalter und warmer Luftschichten, die aus der Höhe des schneebedeckten Himalaya herabsinken und aus der Tiefe emporsteigen, und der nie versiegende Vorrat an Wasserdampf, der aus der unerschöpflichen Quelle des Meeres stammt, ist eine zu jeder Jahreszeit fortdauernde Ursache zur Wolkenbildung; in ewig feuchter Wärme, nicht umgeben von heiteren Frühlingslüften, sondern unter trüben Nebeln geborgen, wächst eine prächtige Vegetation empor, mannigfaltig in ihren Formen, reich in ihren Farbentönen, die Erzeugnisse gemässigter und tropischer Klimate vereinend, und erfüllt von den seltensten und zartesten Bildungen (Hooker und Thomson, „Flora indica" I, 180; Grisebach, „Veget." II, 40ff.). Als Erzeugnis solchen reichen Pflanzenlebens haben wir uns. Die Heimat des Zuckerrohres und der Rohzucker-Bereitung. fJ3 auch da« Zuckerrohr vorzustellen, dessen Stammform in oder au den Gewässern der Ströme Bengalens und Assanis aufgesprosst sein mag; denn wie die Gramineen überhaupt besser gedeihen und rascher wachsen, wenn lebhafter Wasserzufluss stattfindet, und dadurch die Kieselernährung ihrer Blattscheiden gefördert wird, so ist bei dem, mit so mächtigen Vegetations-Organen ausgestatteten Zuckerrohre, das Feuchtigkeitsbedürfnis ganz besonders entwickelt Grisebach, „Veget." II, 250). An Zuckergehalt stand es ursprünglich wohl weit hinter dem heutigen Rohre zurück, und näherte sich dann den wilden Saccharum-Arten, die noch jetzt bloss 2 bis wfej tf r entllulteu ; J enes feuchte, das üppigste Wachstum der Walder fördernde Tropenklima, ist der Erzeugung und Vermehrung der Zuckers nicht günstig, und eine solche konnte erst eintreten, als das Rohr an offen gelegene Standorte verpflanzt öder durch Fällen der Waldungen und Verminderung der Umwölkungen und Niederschläge, der Einwirkung des freien Sonnenlichtes anheim gegeben wurde (ebd. II, 50). Die Stammform des Zuckerrohres ist gegenwärtig nicht mehr bekannt, und kann auch, aus botanisch-systematischen und morphologischen Gründen, mit keiner der übrigen, jetzt vorkommenden baccharum-Arten identisch gewesen sein. Ebensowenig kennt man Zuckerrohr m wildem Zustande, - ein Umstand, der insoferne bemerkenswert ist, als von 67, seit etwa 2000 Jahren kultivierten Pflanzenarten, noch 56, und von 49, seit ungefähr 4000 Jahren kultmerten, noch 81 Arten, auch wild vorkommen (Decandolle rJJJj p d f Beobachtungen von Rheede („Hortus Indiens« io/öj, Kumpli („Herbarium amboinense", verfasst 1690, gedruckt Amsterdam 1747; V, 186), Roxburgh („Flora indica', Calcutta 1832), Orawfurd (Jndian Archipelago* I, 475), und Aitchison („Catalogue of Punjab and Sindh plants" 1869, 173), sowie aus den Angaben von Wallich, Royle, Ainslie, Thwaites, Miquel, Hasskarl und ßlanco (Decandolle 122Ü".), geht mit Sicherheit hervor, dass in Vorder- und Hinterindien, Ceylon, den ostiudischen und ozeanischen Inseln, sowie in Neuseeland, niemals wildes Zuckerrohr gesehen worden ist. Hiermit stimmen auch die Reiseberichte von Cook (London 1773) und Forster (London 1777, I 342 und 429; „Plantae esculentae«, Berl. 1786) überein, die auf den Gesellschafts-, Freundschafts-, Sandwich- und Tonga-Inseln, auf der Oster-Insel, und auf Tahiti, stets nur kultiviertes Rohr antrafen; dasselbe meldet Pigafetta betreif Borneos, und Magelhaens (1521) bezüglich der Ladronen (Peschel, „Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen", Sttgt. 1858. 635). Über Cöchiiichina I* i 1» p KU ; Gteiohichte de* Zuokerv, 34 Zweiter Abschnitt.. sagt zwar Loureiro („Flora cochinchinensis", Lissabon, 1790; I, 66), „canna habitat et colitur", d. h. „das Rohr wächst dort und wird dort angepflanzt", doch hat diese Nachricht keine Bestätigung gefunden, und entgegen ihrem ohnehin zweifelhaften Ausdrucke, versichert Bentham („Flora of Hongkong" 420), dass es für China und seine Nebenländer keinerlei sicheren Nachweis wilden Zuckerrohres gebe. Die Behauptung Humboldt's, dass Zuckerrohr am Indus, am Euphrat, und am persischen Golfe wild wachse („De distributione geographica plantarum", Paris 1817, 214), ist bestimmt unrichtig; dasselbe gilt betreff Wallis's, der 1767 wildes Zuckerrohr in Tahiti gesehen haben will (Volz 370), und Andree's, der dies von den Fidschi-Inseln meldet („Geographie des Welthandels", Sttgt. 1877; II, 491). Einige auf Afrika bezügliche Angaben, wonach Zuckerrohr in Tetuan (Host, „Nachrichten von Marokko und Fez", Kopenh. 1781), in der Sierra Leone (Matthewes, „Reisen in Afrika", London 1788, 39), und im Westsudan (Barth, hei Ratzel III, 269) wild wachsen soll, sind zwar nicht positiv widerlegt, aber auch nicht entscheidend bestätigt worden; sie dürfen aber für desto unwahrscheinlicher gelten, als nachgewiesenermassen in Afrika Verwechslungen des Zuckerrohres mit den dort heimischen, sehr ähnlichen Sorghum-Arten, häufig vorgekommen sind. Dass das Zuckerrohr in Amerika gleichfalls endemisch sei, ist in früheren Zeiten häufig behauptet worden. Ximenes sah die, 1515 von Diaz de Solis entdeckten, 1535 von Mendoza eroberten Gegenden am Ausflusse des La-Plata „mit baumhohem Zuckerrohre bewachsen"; Jean de Lery berichtet 1556 dasselbe vom Rio de Janeiro; Thomas Gage fand wildes Zuckerrohr 1625 in Guadeloupe, Jean de Laet 1633 in St. Vincent vor, und Hennepin erblickte 1680 gar die Mündungendes Mississippi „dicht mit Zuckerrohr erfüllt, das in der Sonne Zucker ausschwitzte, der wie Gummi davon herabtropfte" (Reed, „The history of sugar and sugar yielding plants", London 1866, 4; Moseley, „Abhandlung über den Zucker", deutsch von Nöldechen, Berl. 1800). Dass alle diese, zum Teil so phantastischen Schilderungen auf Flüchtigkeit der Beobachtung oder Irrtum zurückzuführen sind, erleidet gar keinen Zweifel; nach Macfadyen (in Hooker's „Botanical Miscellany", Lond. 1830; I, 98) liegen hauptsächlich Verwechslungen mit Arundo sagittata vor, das dem Zuckerrohre ganz ausserordentlich gleicht; auch betrachteten jene Geschichtsschreiber das Zuckerrohr ohne weiteres überall da als einheimische Art, wo ihres Wissens noch keine Europäer gewesen waren, und Die Heimat dos Zuckerrohres und der Rohzucker-Bereitung. 85 ' gingen mit ihren Annahmen hierüber häufig irre, was, angesichts der verwickelten Besiedelungs-Verhältnisse der neuen Welt, nicht Wunder nehmen kann; infolgedessen vermutet Decandolle, dass es sich zuweilen um verwildertes Zuckerrohr gehandelt habe. Die Frage, ob Zuckerrohr thatsächlich verwildere, scheint indessen noch ununtersucht zu sein; Humboldt („Essai politique sur l'ile de Cuba", Paris 1826; I, 190ff.) teilt nur mit, dass das erste Zuckerrohr auf neuem Boden 20—23, zuweilen 45 Jahre andauere, und nach Rumph („Herb." V, 186) giebt es in Westindien selbst 50- jähriges Zuckerrohr; doch ist hierbei wohl das regelmässige Abernten der reifen Triebe vorausgesetzt. Auch die Gründe allgemeinerer Natur, die man für das Indi- genat des Zuckerrohres in Amerika geltend gemacht hat, sind nicht stichhaltig; so z. B. ist es zwar richtig, dass Fauna und Flora des westlichen Nordamerikas und des östlichen Asiens, speziell Chinas, in mancher Hinsicht verwandt sind, die Ursache hiervon ist jedoch in dem, von der Geologie wahrscheinlich gemachten Zusammenhange dieser Ländermassen gegen Ende der Tertiärzeit zu suchen (Neumayer, „Erdgeschichte", Lpzg. 1887; II, 535), und nicht etwa in der Überführung von Pflanzen und Tieren durch wandernde Völkerstämme, wie sie noch Humboldt für wahrscheinlich hielt („Essai politique sur le royaume de la Nouvelle-Espagne", Paris 1811; II, 503). Als Zeichen einer solchen Verbindung beider Weltteile ist namentlich das gemeinsame Vorkommen der Orange, des Bambus und des Mais hingestellt worden; die Orange hat Humboldt („Cuba" I, 68) als heimisches Gewächs Westindiens angeführt, an anderer Stelle („Nouv. Esp." III, 148) jedoch selbst ausgesprochen, sie sei aus Asien dorthin gelangt; da es in ganz Amerika keine einzige einheimische Aurantiacee giebt (Grise- bach, „Abh." 229), so ist Humboldt vermutlich durch verwilderte Orangenbäume getäuscht worden (Decandolle 370). Den Bambus betreffend hat Schröter nachgewiesen, dass unter den 56 in Indien und den 72 in Amerika heimischen Arten nur eine einzige, der gewöhnliche Bambus (B. vulgaris), beiden Ländern gemeinsam ist; angesichts der mannigfaltigen Verwendbarkeit gerade dieser Art, scheint nicht einmal die, allerdings wenig wahrscheinliche Übertragung in historischer Zeit, vollkommen ausgeschlossen. Was endlich den Mais anbelangt, so haben sich die angeblichen chinesischen Nachrichten über dessen uralte Kultur bisher nicht wissenschaftlich erweisen lassen, und die Gründe, die Becker („Die Natur" 1888, 223) zu gunsten der südasiatischen Heimat des Maises (sowie des Tabaks) anführt, werden durch die alte Litteratur 3* 36 Zweiter Abschnitt. ■ Indien« und Chinas in keiner Weise bestätigt; auch scheinbar ganz bestimmte geschichtliche Nachrichten, z. B. dass Bonifacius von Montferrat den Mais im Jahre 1204 aus Syrien nach Europa gebracht habe (Michaud, „Histoire des croisades", III, 333), beruhen auf Irrtum, indem das Wort „Meligo" nicht Mais, sondern den grosskörnigen Sorghum bedeutet. Auf Amerika als die Heimat des Maises, weist indes nicht nur seine allgemeine Verbreitung im Norden und Süden, seine Benennung mit einheimischen Namen in allen dortigen Sprachen, und seine Verwendung zu religiösen Zeremonien hin (Decandolle 315), sondern auch das Fehlen der Stammform und des wilden Maises, sowie die grosse Mannigfaltigkeit der Spielarten. Besonders im Osten Nordamerikas zeigt der Mais merkwürdige Wandlungen und ein hohes Akklimatisations- Vermögen, indem sich z. B. in Canada, der gegebenen Vegetationszeit entsprechend, seine sonst so lange Entwicklungsperiode auf weniger als drei Monate verkürzt; in Europa schlagen diese Formen von mittlerer Lebensdauer stets wieder zurück, ähnlich wie der chinesische Bergreis, der in kaum drei Monaten reift, und die Beisund Maisarten der 3400 Meter hohen Alpenthäler Kabuls und Afghanistans, deren Anbau in Europa nicht gelingt (Grisebach; „Veget." I, 249, 336, 429; „ Abb.." 300, 306). — Die angeführten That- sachen, sowie Decandolle's Versicherung, dass die gesamte Pflanzengeographie kein Anzeichen für die vorgeschichtliche Verbindung der alten und neuen Welt innerhalb der jetzigen Erdperiode liefere, erbringen in unzweifelhafter Art den Beweis, dass das Indigenat des Zuckerrohres in Amerika unbedingt zu verwerfen ist; sein jetziges, allgemeines Vorkommen daselbst ist jedoch eines der glänzendsten Beispiele dafür, dass eine Pflanzenart ein sehr eng begrenztes Vaterland haben, trotz lein aber später einen ungeheuren Verbreitungsbezirk erlangen kann (Decandolle 372). Das Zuckerrohr trägt zwar reichliche und völlig entwickelte Blüten*), bis in die neueste Zeit wurde aber angenommen, dass es apogam sei, d. h, die Fähigkeit, reifen Samen zu produzieren, verloren habe; dass hieran der fortgesetzte Anbau und die Vermehrung durch Stecklinge, welche die Samenerzeugung für die Pflanze nutzlos mache, schuld sei, wie Decandolle, Macfadyen und Cohn („Beiträge zur Biologie der Pflanzen 1 ' IV, 365) anführen, braucht man indessen nicht anzunehmen, da es unter den *) Getreue und vorzüglich kolorierte Abbildungen des Zuckerrohrs und seiner Blüten finden sicli bei Hooker, „Botanical Miscellany", Lond. 1830, Tafel 26; Hayne „Officinelle Pflanzen" IX, 30 und 81; Nees von Esen- beck 33—35; Bentley and Trimen 298. Die Heimat des Zuckerrohres und der Rohzucker-Bereitung. 37 Uramineen eine grosse Anzahl wildwachsender Pflanzen giebt, die nie oder nur höchst spärlich Samen tragen, und zu diesen gerade die Nächstverwandten des Zuckerrohres in der indischen Flora gehören (Krüger, „Deutsche Zuckerindustrie" 1889, 1107). Nach Boxburgh und Macfadyen sind in Indien, nach Schacht auf den westafrikanischen Inseln, reife Zuckerrohrsamen unbekannt (Decandolle 124): für Westindien berichten dasselbe Tussac („Flore des Antilles", Paris 1808; I, 153) und Wray „The practica] sugar planter", Lond. 1848, 29ff.) ; welcher letztere aus eigener langjähriger Erfahrung bestätigt, dass es weder in Ostasien, noch in Westindien, Oceanien, oder Ägypten reifen Samen gebe, weshalb die Erzählung Bruce's, er habe in Abessinien Zuckerrohr aus Samen ziehen gesehen (Edwards, „History of the British West- mdies" 1807; II, 240), unrichtig, und, wie so manche dieser Art auf! Missverständnis der Dolmetscher zurückzuführen sei. Rumph („Herb.« V, 86) hat, wie es scheint nach dem Hörensagen, angegeben, dass sich in Indien Blüten und Früchte bei mehrjähriger Kultur des Zuckerrohres auf steinigem Boden bilden sollen; eine .solche Wirkung unfruchtbaren oder erschöpften Bodens ist indes unwahrscheinlich, und Macfadyen fand sie nicht bestätigt. In Amerika sah auch Humboldt niemals Früchte des Zuckerrohres; er scheint indes diesen Umstand nicht weiter beachtet zu habend vielleicht weil er bemerkte, dass auch das Bambusrohr, welches in Indien häufig (jedoch angeblich erst im fünfzehnten Jahre) blühen soll, in Amerika trotz des üppigsten Wachstums nur äusserst selten Früchte trägt („Distrib". 205ff; Buchanan, „Journey fco Mysore« I, 189; II, 341), so dass viele sonst vortreffliche Beobachter diese Möglichkeit ganz in Abrede stellten, und auch Humboldt und Bonpland selbst, hei jahrelangem Aufenthalte nur zweimal Blüten sahen, die sie mit der von Loureiro („Flora coch." 73) gegebenen Beschreibung übereinstimmend fanden. Nach Basset („Traite theorique et pratique de la culture de la canne ä sucre", Paris 1889; 204, 231, 258) ist die Sterilität des Zuckerrohres keine absolute, da Bomare unter gewissen, allerdings nicht näher bezeichneten Umständen, Samen erhalten, und ihn kleinen länglich-zugespitzten Haferkömchen ähnlich befunden haben will; auch Harrison glaubt, dass in Barbados, unter besonders günstigen Umständen einzelne Zuckerrohre Samen tragen, aus welchem man neue Pflanzen ziehen kann („Sugar-Cane" XXI, 15; „Sucrerie Indigene" XXXIII, 554). Diese Berichte sind indessen sämtlich unsicher, teils weil häufig Verwechslungen mit Sorghum vorgekommen sind („Sugar-Cane" XXI, 14), teils weil für 38 Zweiter Abschnitt. m die Isolierung des Samens keine genügende Vorsorge getroffen wurde; nach Krüger (a. a. 0.) gebührt daher Soltwedel, zu Sa- marang auf Java, das unbestreitbare Verdienst, in wissenschaftlich strenger Weise nicht nur kürzlich den Samen des Zuckerrohres nachgewiesen, sondern auch Nachkommen aus demselben erzielt zu haben. Das Rohr regelmässig zu reichlicher Samenbildung zu veranlassen, erklärt jedoch Krüger für unmöglich, auch sind die l'flänzchen aus Samen weit zarter und weniger widerstandsfähig als die aus Stecklingen; wenn demnach Basset für das Zuckerrohr eine nicht sterile Stammform annimmt, und das Vaterland derselben ausserhalb Indiens verlegt, weil hier nur sterile Arten vorkommen, so scheinen Voraussetzung und Schlussfolgerung gleich hinfällig, und in keiner Weise geeignet, den Glauben an die indische Heimat des Zuckerrohres zu erschüttern. Ebenso verhält es sich mit der Angabe Basset's, dass allein durch das Variieren der Pflanzen aus den Samen einer nicht sterilen Urform, das Vorhandensein der zahlreichen Abarten des Zuckerrohres erklärlich sei; denn nicht nur bei anderen Kulturgewächsen, die niemals durch Samen fortgepflanzt werden (z. B. Weinstock, Kartoffel), sondern auch beim Zuckerrohre selbst, ist die Bildung neuer Abarten bei blosser Vermehrung durch Stecklinge, auf das sicherste nachgewiesen. Überhaupt giebt es wenige Kulturpflanzen, die mit dem Zuckerrohre an Variations- und infolgedessen an Akklimatisationsfähigkeit wetteifern; während es z. B. am besten im subtropischen Klima, am Meeresufer, bei einer mittleren Jahrestemperatur von 23 — 28° gedeiht, kommt es in der gemässigten Zone bis zu 36,5° Breite, bei bloss 19,5—20° mittlerer Jahreswärme noch fort (Humboldt, „Distrib." 157; „Nouv. Esp." III, 17 und 173), wächst noch im feuchten Klima Kentuckys sowie Mäzen - derans an der Südküste des Kaspisees (Grisebach, „Veget." II, 250 und 412), und steigt in den geschützten heissen Hochthälern Neugranadas und Mexikos bis 2200 Meter empor (Humboldt, „Nouv. Esp." III, 175), im südlichen Dekhan bis 2500 (Ritter, „Erdkunde", Berl. 1840; IX, 253) in Kabul bis 3100 (ebd. IX, 254), und am Ostabhange der Kordilleren Bolivias selbst bis 3150 Meter (Grisebach, „Veget." II, 436). Infolge dieses ausserordentlichen Anpassung«- und Veränderungsvermögens ist auch die Menge der Spielarten des Zuckerrohres so gross, dass ihre Zahl nicht genau angegeben werden kann, und eine strenge Klassifikation derselben unmöglich ist; Basset führt drei Gruppen mit zusammen 13 Abteilungen und etwa 50 Varietäten auf („Traite", 270), die zum grössten Teile der Die Hoimiit des Zuckerrohres und der Rohzucker-Bereitung. 39 alten Welt angehören; VVray beschreibt 15 Arten und sagt, in Indien kämen unzählige Gattungen vor („The pract." 3 und 10); nach Grierson endlich („Bihär Peasant Life", Calcutta 1885, ?'32ff.) giebt es allein in der Provinz Bihär am Ganges, mehr als zwanzig mit eigenen Namen benannte Arten, mit zahllosen, nach Farbe, Saftgehalt, Reifezeit, Höhe und Dicke verschiedenen Unterarten, so dass sich auch hierin wieder Bengalen als das echte Vaterland des Zuckerrohres erweist. Hierfür spricht es auch, dass nach Wray („The pract." 145) die in Nordbengalen wachsende, und dort als älteste und ursprünglichste betrachtete Art des Zuckerrohres, das sog. Country-Cane, die geringste und unergiebigste aller Varietäten, zuckerarm, saftarm, und ohne Widerstandskraft gegen die Angriffe der Insekten ist, sowie dass die in Nordindien einheimischen Arten, der feuchten Natur ihrer Ursprungsstätte getreu, nicht ohne stete Bewässerung gebaut werden können (ebd. 240); zum mindesten sind die hierfür bekannten Methoden daselbst weder überall anwendbar noch stets erfolgreich (Grierson), während sie für die Rohrarten anderer Länder, z. B. Westindiens, möglich, obwohl nicht immer vorteilhaft sind; durch Einführung der Bewässerung wird nämlich das bis dahin stets kümmerliche, und mit zahlreichen sehr nahe stehenden Zwischenknoten versehene Bohr kräftiger, die lnternodien rücken von 3—4 auf 12—18 cm auseinander, und der Saft wird reiner, konzentrierter und zuckerreicher (Wray 114; Basset 235), vorausgesetzt, dass nicht zu viel Feuchtigkeit zugeführt, und dass die Zuckerbildung, sowie die Abkürzung der Reifezeit, durch freie sonnige Lage begünstigt wird (Macfadyen 103 und 111). Das Zuckerrohr kann übrigens ebensogut mit süssem wie mit Meerwasser begossen werden, eine Eigenschaft, die es nur mit wenigen Kulturpflanzen teilt (Humboldt, „Reise in die Aquinoctial-Gegenden", Sttgt. 1859; I, 400). Ebenso wie durch die angeführten botanischen Gründe wird Nordostindien, spezial Bengalen, auch durch Überlegungen, die der Sprachwissenschaft und der Völkerkunde entlehnt sind, als Vaterland des Zuckerrohres bestätigt. Bereits oben wurde erwähnt, dass der Reichtum Bengalens an süssen Rohren, ihm schon in frühester Zeit den Namen Gaura (Gäudä, Goor, Gur), seiner Hauptstadt die Benennung Gur — Zuckerstadt eingetragen hat (Ritter*) 319), woraus gleichzeitig zu entnehmen ist, dass auch die Spuren der ersten Bereitung des Rohzuckers nach Bengalen zurückweisen. Nach Lassen (1, 317) setzen die zahlreichen Namen, die für die Arten *) Ritter, „Über die geographische Verbreitung des Zuckerrohres*, Rendite der Berliner Akademie 1839; auch „Erdkunde", Ber). 1840, IX, 230tf. Jf 40 Zwoitor Abschnitt.. w. V des Zuckerrohres und für die verschiedenen Stufen des zubereiteten Zuckers vorkommen, eine so vertraute Bekanntschaft mit dem Gewächse und seinen Eigenschaften voraus, dass dessen Anbau in Indien unbedingt ein sehr alter und völlig einheimische]- gewesen sein hmss, und zwar gehen auch die Zeugnisse für die Gewinnung des Verdichteten Saftes, und die Zubereitung eines berauschenden Getränkes aus Rohrsaft, in sehr frühe Zeiten zurück. Bei dem Versuche, diese näher festzustellen, stösst man leider auf eine grosse und bisher unüberwindliche Schwierigkeit, den ,unseligen Zustand, in dem sich die Chronologie der indischen Litteratur befindet" („Ind. Stud." XIII, 319), infolgedessen „ein Suchen nach chronologischen Daten im allgemeinen ganz fruchtlos ist" (Weber 7); es mangelt den Indiern völlig an zuverlässigen selbstgeschriebenen Geschichtswerken, vor allem für die Zeit vor dem Auftreten Buddha's (Lassen I, 419; II, 15), ja es scheint ihnen überhaupt jeder Sinn für den zeitlichen Verlauf der Ereignisse zu fehlen. Schon Albiruni (geb. 973), ein höchst umfassender, in allen Gebieten menschlichen Wissens bewanderter Geist, — gleich vertraut mit der Naturwissenschaft, wie mit der antiken Litteratur und Philosophie —, der den Sultan Mahmud von Ghazna auf seinen indischen Feldzügen begleitete, jahrelang in Indien verweilte, und Sprache und Sitten des Landes aufs Genaueste kennen lernte, sagt in seinem 1031 verfassten Werke „India" (engl. Übers, von Sachau, London 1888: I, 89; II, 11): „Die Inder sind nur selten imstande Ordnung zu halten, und ihre Aufzählungen sind meist willkürlich; auch erfinden sie Namen nach Belieben, und wer sollte sie auch hierin überwachen, oder an solchem Thun hindern? Sie vernachlässigen selbst die Chronologie ihrer Könige, und sprechen darüber, wenn man sie scharf befragt, aufs Geratewohl" (s. Reinaud, „Memoire sur Finde", Paris 1849; 28, 30 und 31). Unter diesen Umständen wird man auch der Untersuchung der Fragen, die sich an die Geschichte des Zuckerrohres und des Zuckers knüpfen, nur mit bescheidenen Erwartungen näher treten dürfen. Da das Zuckerrohr ein Erzeugnis Bengalens ist, der Ganges aber auch in den jüngeren Bestandteilen des „Rigveda" niemals erwähnt wird, so können es die Inder zur Zeit der Abfassung jener vedischen Gesänge noch nicht gekannt haben; Max Müller setzt diese Zeit in das 15. bis 12. Jahrhundert vor Chr., Lassen (1, 869 und 873), glaubt, dass dieselben während eines sehr langen, und, da die astronomischen Angaben des Vedakalenders auf das Jahr 1181 v. Chr. zutreffen, weit hinter dem Jahre 1200 v. Chr. ' Die Heimat des Zuckerrohres und der Rohzucker-Bereitung. 41 zurückliegenden Zeitraumes verfasst, jedoch nicht vor dem 7. oder 6. Jahrhundert v. Chr. gesammelt worden seien. Ihre jetzige Gestalt haben sie jedenfalls erst nach dem Auftreten des grossen religiösen Reformators Buddha (= der Erwachte, Erleuchtete; ursprünglich Ehrenname aller Weisen) erhalten, der, soweit dies überhaupt bestimmbar ist, 623—543 v. Chr. gelebt haben dürfte (Weber 29, 306, 317; Lassen I, 418); niedergeschrieben hat sie nach Albiruni (I, 120) zuerst der Brahmane Vasukra aus Kaschmir, »nicht lange vor unserer Zeit", d. h. gegen das Jahr 1000 n. Chr. Es leuchtet ein, dass angesichts solcher Wandlungen während einer, mindestens zwei Jahrtausende umfassenden Periode, alle aus dem Inhalte der Veden zu ziehenden Schlüsse die grösste Vorsicht erheischen; dasselbe gilt in noch höherem Grade für die später verfassten, und im ganzen als Commentare aufzufassenden religiösen Schriften, die „Sutras', welche vermutlich im 6. — 2. vorchristlichen Jahrhunderte entstanden (Lassen I, 868), die „ Puranas, welche ins 8.—13. Jahrhundert n. Chr. zu setzen sind (ebd. IV, 509), und die „Tantras", deren wenigstens einige an Alter zwischen den Sutras und Puranas stehen (ebd. IV, 633 und 635). Die vedischen Schriften erwähnen das Zuckerrohr überhaupt nur an zwei Stellen, die beide jüngeren Ursprungs sind, und nicht erkennen lassen, ob dasselbe schon angebaut wurde (Zimmer 72), wobei indes zu bemerken ist, dass die altindische Litteratur auch kein Zeugnis für das Vorhandensein wild wachsenden Rohres liefert. Die eine der Stellen kommt .Väjasaneyi-Samhitä" 25, 1 vor, die andere, bei weitem wichtigere und ausführlichere, im „Atharva- Veda"; es ist dieses einer der vier Veden, welcher, trotz der zum Teil sehr späten und bis in die Purana-Periode reichenden Abfassungszeit gewisser seiner Bestandteile, vieles höchst Wertvolle und Altertümliche enthält (Weber 8, 30, 161, 171; „Ind. Stud." V, 178), das Volk schon völlig in die Fesseln der Hierarchie und des Aberglaubens gebannt zeigt, und dessen Zeremoniell reich au Verwünschungen, Zaubermitteln und magischen Künsten ist, die ihrem noch wenig erforschten Ursprünge nach, zum Teile jedenfalls mit alten, bis in die indogermanische Vorzeit zurückreichenden mythologischen Vorstellungen zusammenhängen (Weber 85; „Ind. Stud." XV, 349). Ein Spruch des „Atharvaveda" nun (I, 34, 5) ist in seinen ersten Versen an ein Zuckerrohr gerichtet, um das beim Ausgraben Honig gegossen wurde, und das als Liebeszauber für ein Mädchen wirken soll, während die letzten Zeilen das Mädchen selbst anreden; er lautet (»Ind. Stud." IV, 429): w ►-"N 42 Zweiter Abschnitt. m \ -Dies Kraut hier ist honiggezeugt; mit Honig graben wir nach dir. Vom Honig her bist du gezeugt: mache du uns nun honigsüss. Honig auf meiner Zungenspitz', an der Zung'wurzel Honigseim: Damit du mir zu Willen sei'st, meinem Geiste du an dich schmiegst. Honigsüss sei mein Eintritt dir, honigsüss dir mein Hinschreiten; Honigsüss red ich mit der Stimm': möge ich Honig ähnlich sein. Noch süsser bin ich als Honig, noch honigreicher als die Bien'*), -Mich allein drum du lieben magst, wie einen bonigsüssen Zweig. Mit an sich schmiegendem Zuckerrohr ich dich umgab zu Liebeszwang, Damit du mich nur liebend seist, damit du nimmer von mir gehst." In welche Zeit die Abfassung dieses Zauberspruches zu setzen sei, lässt sich gegenwärtig nicht einmal annähernd entscheiden• jedenfalls bildet er aber einen Beleg dafür, dass die Wurzeln des Vorstellungskreises, welcher später Kama, dem indischen Amor, einen Bogen aus Zuckerrohr mit einer aus Bienen zusammengesetzten Sehne verlieh (Bohlen 1, 246), in eine sehr frühe und altertümliche Periode zurückreichen. Zur Zeit des Buddha, dessen Tod Stau. Julien 552, Bour- nouf, Lassen und Vivien de St.-Martin 543, Max Müller 477 v. Chr. setzt (was indes Lassen I, 604 für unbedingt unrichtig hält), scheint das Zuckerrohr jedenfalls noch wenig bekannt gewesen zu sein, da eine grosse Anzahl auf ihn bezüglicher Legenden stets nur von Honig spricht; so z. B. erwähnen die chinesischen Pilger Fabian („The pilgrimage of Fabian", Calcntta 1848, 281) und Hiuen-Thsang („Memoires sur les contrees oe- cidentales", ed. Stan. Julien, Paris 1857; I, 481), welche, um den Buddhismus an der Quelle kennen zu lernen, der Ersterc um 400 n. Chr., der Zweite in den Jahren 629—645 n. Chr. Indien bereisten, die Geschichte von der Belohnung zweier Kaufleute, die dem wandernden Buddha ihre Vorräte, geröstetes Mehl und Honig, überliessen. Hiuen-Thsang (I, 210) berichtet auch, dass ein Affe dem Buddha Honig anbot; als dieser ihn annahm, mit Wasser mischen, und an die Menge der Gläubigen verteilen Hess, zitterte der Affe vor Freude, fiel in einen Graben, und starb; aber die Kraft seiner guten Handlung erwarb ihm die Gnade, das nächste Mal als Mensch wiedergeboren zu werden. — Die Durchforschung solcher und ähnlicher Erzählungen wäre, falls sie nichts betreffs der näheren Kenntnis des Zuckerrohres zu Tage forderte, desto interessanter, weil Buddha ein Sohn Nordindiens war und den grössten Teil seiner Lebenszeit im Gangesthaie verbrachte, sodann auch, weil wir der Tradition über die erste Einführung *) Nach „Ind. Stud." V, 244 und 386 soll das botrettende Wort nicht die Biene, sondern eine honigreiche Pflanze bedeuten. Die Heimat, dos Zuckerrohres und der Rohzucker-Bereitung. 43 des Zuckerrohres gerade im Gewände einer buddhistischen Mythe begegnen. Subandy nämlich, ein ßadja von Benares am Ganges, hatte keine Kinder, und weihte sich zur Sühne seiner Schuld, — denn als Strafe einer solchen f'assten die Inder die Kinderlosigkeit auf, — dem Dienste Iswaras oder Adi-ßuddha's; durch dessen Gnade schoss aus seinem Samen ein Zuckerrohr auf, von dem ihm ein Sohn geboren ward, dessen Geschlecht, das noch heute fortdauern soll, sich Ixväkxx oder Ixavaaku, d. h. „die vom Zuckerrohr-Stamme" nannte (Hodgson, „Sketch on Buddhism" 1836; V, 77; Ritter ;512). Dem Geschlechte Ixväku begegnen wir aber schon in den Veden („Ind. Stud." I, 458), und es dürfte deshalb, wie in so vielen ähnlichen Fällen, obige Legende vielleicht nur die buddhistische Umformung einer ursprünglich brahma- nischen Sage sein, und dafür Zeugnis ablegen, dass eine Erinnerung an die Auffindung des Zuckerrohrs beim Vordringen der Inder in das Gangesthal, auch in späterer Zeit noch fortbestand. Als ursprüngliche Verwendung des Zuckerrohres haben wir uns wohl die nämliche vorzustellen, der die Entdecker der ostindischen und ozeanischen Inseln bei deren Eingeborenen begegneten, und die vielfach noch bis in die Gegenwart fortdauert, nämlich Kauen und Aussaugen des Rohres, und Trinken des ausgepressten Saftes, für sich, oder in Mischung mit Wasser; angesichts der Leichtigkeit, mit der im warmen Klima Zuckerlösungen, besonders verdünnte, in Gührung übergehen, reicht vermutlich auch der Genuss vergohrenen Saftes in sehr alte Zeit zurück. Feldmässiger Anbau des Rohres fand zu Anfang jedenfalls nicht statt, sondern, — wie wir dies noch heute bei den Malayen Borneos (Ratzel II, 418), und selbst bei den europäischen Ansiedlern Südbrasiliens (Breitenbach, „Das Ausland" 1888, 75) antreffen, — jeder Einzelne pflanzte neben anderen Gartengewächsen auch Zuckerrohr für seinen eigenen Gebrauch. Zum Genüsse wurde dasselbe abgeschnitten und mit der Hand ausgepresst, oder mittelst eines Messers zurechtgemacht, namentlich der oft harten (kieselsäurereicheu) Rinde beraubt, und dann gekaut oder ausgesaugt. So z. B. wird berichtet, dass der indische Prinz Barkamärys seinen Bruder Rawal, den Usurpator des Thrones, mit einem solchen Messer tötete, als er ihn, mit seiner Gemahlin, an einem heissen Tage Zuckerrohr kauend antraf; Barkamärys wird als ein Urenkel des Königs Kefend bezeichnet, welcher letztere zur Zeit des indischen Feldzuges Alexander des Grossen (327 v. Chr.) gelebt, und diesem, als Zeichen seiner friedlichen Gesinnung, seine Tochter, einen Arzt, 44 Zweiter Abschnitt. ■ § i I einen Philosophen, und einen unerschöpflichen Becher gesandt haben soll (Reinaud, „Fragments arabes et persans relatifs a Finde", Paris 1845; 45 und 52): das Ereignis wäre also etwa in das Jahr 200 v. Chr. zu setzen. Der unmittelbare Genuss des Rohres dürfte jedenfalls Jahrhunderte hindurch angedauert haben, bevor durch Eindicken des ausgepressten Saftes, oder durch Auskochen des Rohres und Konzentrieren der Lösung, der erste Schritt zur Darstellung von Zucker- syrup geschah, und hierdurch wieder die Gewinnung von Robzucker in fester Gestalt angebahnt wurde. Die Anwendung des Feuers zu solchen Zwecken findet sich bei den verschiedensten hochstehenden und rohen Völkern wieder: die alten Ägypter verstanden es. die Trauben, deren Kultur bei ihnen bis hoch in das vierte vorchristliche Jahrtausend hinaufreicht, in Säcken, mittelst Querstangen, die nach entgegengesetzten Seiten gedreht wurden, auszupressen, und den gekelterten und durch Tücher filtrierten Saft in Metallkesseln einzukochen (Woenig 268, mit Abbildung; Lippert I, 631); die Einwohner Sokotoras bereiteten schon zur Zeit Alexander des Grossen eingedickten Aloesaft in steinernen oder kupfernen Gefässen (Massudi VIII, 54; Edrisi I, 48); die Bongo-Neger Zentralaf'rikas zerstampfen Zuckerhirse in Holzmörsern, und kochen aus dem Safte Syrup (Ratze! II, 487); die alten Mexikaner pflegten ebenso mit dem Safte des Süssmaises zu verfahren (Humboldt, „Nouv. Esp." III, 63), und in Indien selbst wurde Meerwasser versotten, um Salz daraus zu gewinnen (Hiuen- Thsang II, 154). Das Eindicken zuckerhaltiger Säfte ist jedoch zweifellos eine indische Erfindung, und die meisten fremden Namen des hierbei erzielten Produktes, des Zuckers, leiten sich von dessen indischer Benennung her, die im Sanskrit earkani, im Prakrit Sak- kara lautet, welches Wort aus den Wurzeln cri = „zerrissen" und kara= „bildend" entstanden ist und daher zunächst „zerstückeltes", „zerrissene Stückchen bildend* bedeutet, weiterhin auch Kies, Steinchen, Steinkügelchen, u. dergl., und in diesem Sinne auf den Rohzucker übertragen wurde, dessen anfängliche Beschaffenheit zugleich hieraus erhellt. Die Hauptf'undgruben für unser Wissen 'über die Kultur Alt- indiens, das Gesetzbuch des Manu, sowie die grossen indischen Epen „Mahäbhärata" und „Rämäjana", liefern auch über die Verwendung des Zuckerrohrs und des Zuckers wichtige Auskünfte, ohne indes zeitliche Bestimmungen zu gestatten: einmal nämlich steht ihre Abfassungszeit im ganzen nicht fest, sodann sind sie, — infolge der nationalen Gewohnheit der Inder, ihre Werke niemals üie Heimat, des Zuckerrohres und der Rohzucker-Bereitung. 45 • umzuarbeiten oder gänzlich zu erneuern, sondern sie durch Ein- schiebung jüngerer Bestandteile stets weiter zu vermehren und ins Ungemessene auszudehnen —, aus Bruchstücken zusammengesetzt, die den verschiedensten Zeitaltern angehören, und deren Sonderung bisher nicht ermöglicht werden kann. Im „Mahäbhärata* (= der grosse Krieg) sind mindestens drei Viertel des Ganzen interpoliert, aber auch am Ursprünglichen müssen Generationen gearbeitet haben (Weber 204); es fanden mindestens drei Umgestaltungen statt, deren zweite in das Jahr 400 oder 460 v. Chr. fallen dürfte (Lassen I, ö89; II, 499), während über die Zeit der jetzt vorliegenden Schlussredaktion nicht einmal eine annähernde Vermutung möglich ist (Weber 205). Nur soviel ist sicher, dass sie erst mehrere Jahrhunderte nach Beginn unserer Zeitrechnung stattfand, nach M. Müller („India" 1884, 319) sogar erst im 6. oder 7. Jahrhundert n. Chr. Das erste Zeugnis vom Bestehen des Gedichtes giebt der ßhetor Dio Chrysostomos in der zweiten Hälfte des ersten nachchristlichen Jahrhunderts, und zwar anscheinend auf Grund ganz neuer Schifferberichte (Weber 203); dass schon Megasthenes, der gegen 300 v. Chr. mehrmals als Gesandter des Seleukos Nikator an Könisj Kandra- gupta von Palibrotha nach Indien kam (Arrian, „Anabasis" V, (i; Strabo XV, 1, 36), Kenntnis von den Epen hatte (wie Lassen III, 346 annahm), ist nach Weber irrtümlich. Nach einheimischen Quellen lässt sich vermuten, dass in der Zeit zwischen 140 v. Chr. und CO n. Chr., bereits eine geordnete poetische Bearbeitung des „Mahäbhärata" vorlag (Weber, „Ind. Stud." XIII, 479); die weiteren Schicksale derselben lassen sich nicht verfolgen, Albiruni („India* I, 132) kannte jedoch das Werk schon in dem ungeheuren Umfange von 100 000 Sloken oder Doppelversen. Die allegorische Einkleidung des „Ramayana", die auf einen Verfasser hinweisende einheitliche Anlage des grossen Epos (24 000 Sloken), sowie die Thatsache, dass es erst die Eroberung Südindiens darstellt, lassen vermuten, dass dieses Werk später als der ..Mahäbhärata" abgefasst worden sei (Weber 210); Überarbeitungen scheinen seltener vorgekommen zu sein, so dass sich die jetzige Fassung der des Urbildes noch nähern dürfte (Lassen I, 591; II, 505). In der Zeit zwischen 160 v. Chr. und 60 n. Chr. scheint eine poetische Bearbeitung dieser Sage noch nicht vorhanden gewesen zu sein; Albiruni kennt das Werk schon in seiner jetzigen Gestalt, die es, wie Weber aus gewissen Abänderungen der ursprünglichen Legende sehliesst, in den Anfangszeiten der christlichen Aera empfangen haben dürfte („Ind. Stud." II, 165 u. 408). 46 Zweiter Abschnitt. Das Gesetzbuch des Manu endlich wurde in seiner jetzigen Redaktion später als die spätesten Teile des „Mahäbhärata" niedergeschrieben, sein Inhalt ist indes ein so altertümlicher, dass es mit Recht an die Spitze der indischen Litteratur gestellt wird (Weber 297); seine erste Fassung, die es von Manu's Schülern empfing, glaubt Lassen (I, 883) um 450 v. Cln\ setzen zu sollen, seine jetzige hatte es nach M. Müller („India" 1884, 308) im dritten nachchristlichen Jahrhundert erhalten, so dass dieser Forscher, im Gegensatz zu AVeber, die Schlussredaktion der Epen in die jüngere Zeit versetzt. Im „Rämäyana" (I, 1, 10) tritt uns zunächst der Held des Epos, Rama, als Sprössling des Geschlechtes Ixvaku entgegen und bestätigt so die Ansicht von dem Alter und dem ursprünglich brahmanischen Charakter, der sich an diesen Namen knüpfenden Legende; es heisst von ihm (Schlegel, „Sprache und Weisheit der Inder«, 238): „Ixväkus Stamm hat ihn gezeugt. Itäma heisst er im Menschenmund, In sich selbst herrschend, grosskräftig, strahlenreich, weitberühmt und stark." Das Zuckerrohr wird Ixu (Ixuva, Ixava) genannt, und führt auch den Beinamen rasäla = safthaltend; als pundra und känta- raka werden die rötlichen Abarten desselben erwähnt, und ixu- kandarasa bedeutet den „ Saft des Zuckerrohrstengels", von dem erzählt wird (II, 91, 15), dass man ihn den Elefanten darreiche. Über die Bewirtung des Heeres des Wiswamitra durch die Gemahlin des Radjah Vasista wird berichtet (nach Schlegel): „Zucker, Honig und Reis gab sie, nebst Maireya*) und Wein zugleich, Und Getränke, die sehr schmackhaft, und Speisen mannigfachster Art: Was gesaugt, was gekaut wird auch, gab sie, Bergen gleich aufgehäuft, Süsse Früchte, sowie Kuchen, Töpfe dann, angefüllt mit Milch, Schmackhaftes verschiedener Weis' von den sechs Arten dos Geschmacks, Schüsseln, wohl angefüllt ferner mit Zuckersaft, zu Tausenden." In der, vermutlich genaueren Prosaübersetzuug, lautet die Stelle (Heeren, „Historische Werke", Göttingen 1824; XII, 329): „Jeder bekam, was er begehrte, Zuckerrohr, Honig, Iteisspeise, Cider, Wein und köstliche Getränke; vielerlei Speisen in Haufen gleich Bergen, zum Saugen, zum Kauen, zum Lecken, zum Trinken; gekochten Reis, Zuckervverk, und Gebackenes, nebst grossen Ge- fässen voll geronnener Milch und Molken. Alles nach den sechs Arten des Geschmackes, und ausgeteilt hier und dort. Gelasse zu Tausenden, angefüllt mit dem verdickten Safte des Zuckerrohres." *) D. i. Obstwein. Die Heimat des Zuckerrohres und die Rohzucker-Bereitung. 47 Es wäre demnach nicht, neben festem Zucker, von Zuckersaft, sondern neben dem Genüsse des Rohres von dem des Syrups die Hede, und dies klingt wahrscheinlicher. Vom Reise, der Nationalspeise der Inder, kennen die epischen Gedichte schon viele Zubereitungsarten: gekochten Reis, Reisbrei und dicken Reisbrei mit Milch, Zucker und Kardamomen gewürzt („Ramäyana" II, 59, 33 Krishara genannt); ferner erwähnen sie übst mit Zucker eingemacht, Backwerk und Kuchen, Zuckerwaren und süsse Fruchtsuppen (Bohlen II, 160ff.). Bei Manu findet sich gleichfalls Zuckerrohr genannt (VIII, 341), ferner guda oder gula = Zucker (XI, 94), und gäudi, ein zuckerhaltiges berauschendes Getränk, dessen Genuss den Brahmanen, als verunreinigend, verboten wird; solche Getränke kennt Mann in verschiedener Art: neben gäudi kommt auch paishti aus gegohreuem Reise, und mädhvi aus dem süssen Blütensafte der Madhukapflanze (Bassia latifolia) vor (Lassen I, 290; Ritter 319; Bohlen II, 164). Obwohl alles Gegohrene von Manu strengstens untersagt, das Trinken solcher Flüssigkeiten als schwere Sünde verpönt, und nur frisches Reiswasser zur Stillung des Durstes gestattet wurde (Bohlen II, 6 und 164), so stand dennoch Zubereitung und Genuss der geistigen Getränke stets in Flor. In den Epen wird, neben den obigen Arten, häufig' Maireya (= Obstwein) genannt, ferner Cider mit Zucker und Blumensäften verdickt, Palm wein (täri, daher Toddy), Palmwein mit Reis destilliert (rak, daher Arrak), und Rum, welcher, weil Zuckerrohrsaft sein Hauptbestandteil war, im „Mahäbhärata" den Namen Dhänägaudäsava führt, d. h. Reis-Zucker-Trank; ein Getränk aus Rum, Wasser, Thee, Zucker und Zitronen heisst nach diesen fünf Zuthaten, Pancha (== 5), woher unser Wort Punsch kommt (Lassen I, 312; Bohlen II, 164ff.). Im „Ramäyana" trinken die Helden häufig bis zum vollen Rausche; von den Bähikäs, einem Volke im Pendsckab, heisst es im „Mahäbhärata", dass sie sich täglich in einem aus gegohrenem Reiswasser und Zuckersaft bereiteten Tranke betrinken, und dass sogar ihre Marktplätze stets voll von Trinkgefässen stehen; vor der Schlacht werden selbst die Elefanten berauscht gemacht, Destillierer von Likören folgen dem Heere, und einmal wird die ganze Armee so trunken, dass sie Elefanten und Lasttiere nicht mehr von einander unterscheiden kann („Ramäyana" I, 9, 42; II, 64, 11; II, 67, 46; Bohlen II, 164 und 373). Im'„Amarakösha", dem besten und vollständigsten indischen Wörterbuche, werden, ausser den erwähnten Getränken, noch einige andere aufgeführt: aixava aus ixu (Zucker), madhu (Meth?, von madja = berauschend), äsava (= destilliertes), d. i. IH 1 48 Zweiter Abschnitt. 9 1 I I Itum aus Zucker dargestellt, und cidhu, Itum aus Syrup gewonnen; wie weit indessen das Alter dieser Benennungen zurückreicht, lässt sich nicht angeben, denn über das Zeitalter des Amarasiuha, des Verfassers obigen Wörterbuches, gehen die Ansichten weit auseinander; die einen setzen ihn gegen 500 n. Chr., und berufen sich auf die Existenz einer im 6. Jahrhunderte verfassten chinesischen Übersetzung (Lassen I, 348 und 982; IV, 633), die anderen bezweifeln das Vorhandensein der letzteren, und lassen Amarasinha erst im 11. Jahrhunderte leben (Weber 246). Falls die Erwähnung der „Destillierer" und der „destillierten" Getränke auf einer wörtlich zu nehmenden Übertragung beruht, so würde dieselbe auf eine relativ späte Abfassungszeit der betreffenden Stellen schliessen lassen, denn das Alter der wirklichen Destillierkunst reicht nicht sehr weit zurück. Zwar sagt schon Hippo- krates im „Traktat von den Winden": „Trifft der Dampf, der beim Kochen des Wassers aufsteigt, einen anderen Körper, so hängt er sich daran, verdichtet sich, und fällt in Tropfen zurück" (Le Grand d'Aussy III, 75), und Aristoteles führt in „Metereolo- gika" II, 3 an, dass man durch Verdunsten des Meerwassers und Verdichten des Dampfes süsses Wasser erhalte, sowie dass beim Eintrocknen des Feuchten Wasser entweiche, das man wieder niederschlagen könne; auch haben Plinius (XXXIU, 41 und V, 110) sowie Dioskorides („De f'acile parabilibus medieainentis" I, 242) gewisse Vorstellungen über die Gewinnung von Quecksilber aus Zinnober, und Terpentinöl aus Fichtenharz, durch Erhitzen des Rohstoffes und Verdichten der Dämpfe; endlich bespricht Alexander von Aphrodisias, der im dritten Jahrhunderte n. Chr. einen Kommentar zur „Meteorologie" des Aristoteles verfasste, ausführlich die Überführung von Meerwasser in Trinkwasser durch Destillation (Humboldt, „Kosmos", Sttgt. 1845; II, 450). Genaue Kenntnis dieses Verfahrens, und brauchbare Apparate zu seiner Ausführung besassen indessen erst die alexandrinischen Gelehrten Synesios (um 400 n. Chr.), Olympiodorus (um 425), und frühestens Zosimos (im 4., oder zu Ende des 3. Jahrhunderts), deren Gerätschaften jedoch noch keineswegs zu feineren Arbeiten, etwa zur Darstellung des Alkohols (von dem auch sonst keine Kunde aus dieser Zeit vorliegt) geeignet erscheinen (Hoefer, „Histoire de la chimie", Paris 1866, 1, 261; Kopp, „Beiträge zur Geschichte der Chemie", Braunschweig 1869; I, 217 ff.). Da nun au eine selbständige Erfindung der Destillierkunst in Indien nicht zu denken ist, so wird man, wo derselben oder ihrer Produkte Erwähnung geschieht, stets auf ein weit späteres Zeitalter als das 5. oder 6. Jahrhundert Die Heimat des Zuckerrohres und der Rohzucker-Bereitung. 49 schliessen dürfen, in der Regel wohl auf ein nach Beginn der grossen mohammedanischen Invasion (um 1000) liegendes. In den späteren religiösen Schriften der Inder wird des Zuckers gleichfalls öfter gedacht; die sieben grossen Weltmeere bestehen nach den „Puranas" aus Salzwasser, Zuckerwasser (Ixu), Rum, geschmolzener Butter, Molken, Milch und "Wasser (Lassen V, 60) und die dritte der sieben Welten führt den Namen Sarkara oder Sakkaru (Albiruni, „India" I, 230); das „Upa-Purana Krijajo- gasara" sagt: , .... Der Edle „Übt selbst gegen seine Feinde Tugend, „Wie das Zuckerrohr mit süssem Safte „Dem selbst, der es ausreisst, Nahrung bietet." (Schack, „Stimmen vom Ganges', Sttgt. 1877, 161 und 215); bei der Erklärung derVishtis heisst es von Vad avämukka: „Das Haar auf seinem Haupte gleicht sprossendem Zuckerrohr" (Albiruni II, 201); in den „Tantras" wird die Darbringung des Opfers sätvika beschrieben, welches aus Korn, Milch und Zucker besteht (Lassen IV, 633 und 635). Leider lassen indes auch diese Quellen keinerlei Zeitbestimmung zu, und dasselbe gilt für des Patanjali „Mahä- Bhäshya", in welchem Reismus mit dicker Milch und Zucker, Satzkorn mit Zucker, Trauben süss wie Zucker, und die gegohrenen Getränke surä und prasannä, „zähfiiessend wie Ol, gewürzt mit süssem Zucker (madhüro gudah) und scharfem Ingwer", angeführt werden („Ind. Stud." XIII, 466); dieses Werk, eine Art Kommentar zur Grammatik des Panini, ist nämlich nach Inhalt und sprachlicher Eigenart zwar von einheitlichem Charakter, und kann mit grosser Wahrscheinlichkeit in die Zeit zwischen 140 v. Chr. und 60 n. Chr. gesetzt werden, es enthält aber einzelne Teile, die um 8—9 Jahrhunderte jünger sind (ebd. 320), gestattet also nirgends bestimmte Schlüsse. Zur Feststellung der Zeit, in welcher zuerst fester Zucker bereitet wurde, scheinen vorerst nur zwei brauchbare Daten vorhanden zu sein: einmal berichtet das im 4. Jahrhundert n. Chr. verfasste chinesische Buch „Nan-fang-tsao-mu-chuang", dass das Königreich Punan, südlich vom Ganges, im Jahre 286 n. Chr. Zuckerrohr*) als Tribut sandte (Bretschneider, „On the study and value of Chinese botanical works", Foochow 1870, 46ff.), — und man wird wohl annehmen dürfen, dass nicht dieses wenig haltbare, und für einen weiten Transport ungeeignete Material benützt worden wäre, *) Decandollo citiert irrtümlich „Zucker'' statt „Zuckerrohr". Ijippnxann, Geschichte des ZuckorB. 4 y 50 Zweiter Abschnitt. ■ hätte man damals schon den festen Zucker gekannt; sodann sagt Hiuen-Thsang, welcher Indien in den Jahren 624—645 bereiste, ausdrücklich, „eine Hauptnahrung der Inder besteht in Kuchen aus geröstetem Mehl, mit Milch, Sahne, Butter, Senf, Syrup, oder festem Zucker gewürzt" (I, 92), und bemerkt ferner (I, 105), dass man in Gändhära, am Oberlaufe des Indus, viel Zuckerrohr produziere, und daraus festen Zucker bereite, den er mit dem chinesischen Worte Chimi (= Steinhonig, verhärteter Honig) benennt. Da trotz des, seit mehreren Jahrhunderten andauernden Verkehres chinesischer Buddhistenpilger mit Bengalen,' der feste Zucker um diese Zeit den Chinesen nachweislich noch neu war, so dürfte seine Erfindung zwischen die Jahre 300 und 600 n. Chr. fallen, und zwar wahrscheinlich näher gegen den letzteren Zeitpunkt zu; vielleicht ist vom eingehenden Studium der chinesischen Pilgerberichte, die gegenwärtig noch wenig erforscht sind, wie für manche andere Fragen der indischen Chronologie, so auch für die vorliegende, genauere Aufklärung zu erwarten. Vom zubereiteten Zucker lassen sich nach Lassen (I, 317ff.) wesentlich drei Formen nachweisen: 1) roter, roher Zucker, aus eingekochtem geronnenen Safte, durch nachheriges Zerkleinern und Sieben der Masse bereitet, guda oder gula genannt, was anfänglich nur den gekochten Saft bezeichnete; der rohe ungereinigte Saft hiess phänita oder phäni, der nach dem Filtrieren eingekochte Rohsaft, und später auch der beim Einkochen desselben entstehende Rohzucker, matsjandi. Die Lexikographen Amarasinha und Hemakandra (lebte um 1174 n. Chr.) erklären phänita und matsjandi als Arten des Khanda; Khanda selbst bedeutet ursprünglich etwas Hartes, Festes, war auch der Name einer Gattung Zuckerrohr, und bezeichnete besonders dessen Stengel, daher der oben aus dem „Rämäyana* angeführte Ausdruck „ixukandarasa", wörtlich „Zuckerrohr-Stengel-Saft" zu übersetzen ist; in Beziehung auf die Zuckerbereitung umschreiben die Lexikographen kanda mit „mad- hudhuli" = „noch nicht ganz reiner Zuckersyrup", woraus sich als eigentliche Bedeutung „körniger Honig, Honigstaub" ergiebt, indem der, längere Zeit gestandene und auskrystallisierte Roh- syrup, dem festgewordenen Honig verglichen wird. 2) Zucker in einzelnen kleinen Krystallen, Mehlzucker, carkarä (= Steinchen bildend) genannt; zur Zeit des Amarasinha ?und Hemakandra wurde dieses Wort, das anfänglich auch nur den verdichteten Saft bezeichnete, durch „sitö-palä" (= weisse Steinchen) erklärt, woraus zu entnehmen ist, dass man damals schon gebleichten Zucker in losem Zustande kannte; die Bereitung des Zuckers in letzterer Die Heimat dea Zuckerrohres und der Rohzucker-Bereitung. 51 Form, die auch heute noch nur in Nordindien üblich ist, scheint keine einheimische, indische Erfindung zu sein. 3) Hart krystal- lisierter Zucker, in einzelnen grossen Krystallen oder zusammenhängenden Stücken, Khanda geheissen; dieses Wort, das ursprünglich Syrup bedeutete, ging allmählich auf teilweise krystallisierten und getrockneten Syrup, später auf Zuckermehl, zuletzt auf festen Stückzucker über, welcher indes, wie das um 1400 n. Chr. abge- fasste Lexikon „Medini« beweist, vor 1300 n. Chr. in Indien nicht, oder kaum bekannt war. Wenn man daher, aus Schriften älteren Datums, khand zuweilen mit Kandis übersetzt findet, so beruht dies auf Missverständnis, und es ist in der Regel Syrup oder Melasse gemeint. Über das eigentliche fabrikatorische Verfahren bei der Zuckerdarstellung scheinen Berichte aus altindischen Quellen nicht vorzuliegen; angesichts des unendlich konservativen Charakters der Inder, und besonders der indischen Landbevölkerung, kann man sich jedoch mit einiger Wahrscheinlichkeit an das noch heute Übliche halten, um daraus auf die Vorzeit rückzuschliessen. Nach Reed („The History etc.«, 111 ff.) geschieht das Einkochen des gesammelten Saftes über freiem Feuer, in dünnen, flachen oder halbkugeligen Thonpfannen, und die erstarrte syrupreiche Masse heisst Goor. Gewisse Leute kaufen diesen zusammen und reinigen ihn weiter: Durch Füllen des Goor in Matten oder Säcke, und Auspressen durch Gewichte, Steine, oder Schlingen mit drehbaren Querhölzern, kann man etwa 30—40°/ 0 Syrup entfernen, und erhält einen reineren Zucker, Khaur; bespritzt man diesen ein- oder zweimal mit Wasser, und presst ihn wieder ab, so verbleiben etwa 50°/ 0 desselben als feiner Khaur oder Nimphool, welcher, da er nicht gänzlich getrocknet werden kann, immer noch feucht und zerfliesslich ist. Ausführlichere Angaben enthält Grierson's „Bihär Peasant Life", welches auf den gründlichsten, jahrelangen Studien des Verfassers, während seines Aufenthaltes in Bihär am Ganges, beruht. Nach Grierson bestehen für die zahlreichen Rohrarten, ihre Teile und verschiedenen Entwicklungsstadien, für die Geräte zum Anbau und zu jeder der drei üblichen Bewässerungen der Äcker, für Rohrbündel verschiedener Grösse, endlich für das abgeerntete, vorgeackerte, gepflügte, bepflanzte und brachliegende Zuckerrohrfeld besondere Eigennamen (S. 167); das Pflanzen des Rohres geschieht unter genau vorgeschriebenen Zeremonien (ebd. 398), und endet mit dem Einstecken von fünf langen Rohren inmitten des Feldes. Der Schnitt beginnt Anfang November, und der dazu be- 52 Zweiter Abschnitt. 1 I stimmte Tag ist ein Feiertag, weil an ihm der Gott Vishnu von seinem viermonatliclien Schlafe erwacht sein soll; beim Heranbringen des ersten Rohres flicht man daraus einen Kranz, stellt fünf Rohre vor einem eigens hierzu dienenden Götterbilde auf, bespritzt dieses mit Wasser, zerschneidet die Rohre, und presst sie als die ersten aus; den Saft giesst man zur Hälfte über das Idol, bringt den Rest in die Kochpfanne, und lässt ihn dort mit geweihtem Reise sieden (ebd. 55). Die, jetzt im Aussterben begriffene alte heimische Rohrmühle (Abbildung ebd. 47), besteht aus einem ausgehöhlten Baumstamme mit keulenförmigem Holzstempel, welcher mit der Hand, oder durch einen, mit verbundenen Augen arbeitenden Büffel umgetrieben wird*) (ebd. 50); sie heisst kol oder kolhu, und ist meist Eigentum mehrerer, die sie abwechselnd wochenweise benutzen. Das zerschnittene Rohr wird mit der Hand eingesteckt, und nach dem Pressen durch den Büffeltreiber wieder herausgezogen; der Saft, ras, kachras, oder kancho-ras genannt, fliesst aus einem Einschnitte, der, wie jeder Teil der Mühle, seinen Eigennamen hat, zunächst in einen Korb oder ein Thongefäss mit siebartig durchlochtem Boden ab, und gelangt von da aus in ein grösseres irdenes Gefäss. Hierauf wird er im Siedehause (golaur, guraur) in einem irdenen oder metallenen Kessel auf freiem Feuer eingekocht, unter Umrühren mit einem Löffel abgeschäumt, mittelst eines irdenen Gefässes in einen Topf ausgeschöpft, und aus diesem in flache Löcher des Lehmbodens am Flur, oder in niedrige Thon- schüsseln gegossen. Die eingekochte Masse heisst räb oder räwa, und nach dem Erstarren gür; man kann sie zu flachen Kuchen, chäki, oder zu kleinen Kugeln, bheli, formen. Die weitere Reinigung, bei der jeder Arbeiter, jedes Gerät, und jeder Vorgang, seine besondere Bezeichnung trägt, geschieht durch Füllen der Rohmasse in Säcke oder Matten, und Belasten mit grossen Steinen; der abfressende Syrup heisst sirä oder chhoa, der zurückbleibende Zucker sakkar oder sankar, und nach dem Trocknen khaür oder bhüra (= brauner Zucker). Zuweilen wird dieser noch weiter gereinigt, indem man ihn auflöst, die Lösung (ras) durch geflochtene Körbchen, die in gelochten Töpfen stecken, filtriert, den filtrierten Saft (räs-ke-räs) einkocht, den Schaum (mail) abnimmt, die eingedickte Masse in flache hölzerne oder irdene Schüsseln füllt und sie erstarren lässt, oder sie auf Matten oder Tücher giesst, und in die Sonne zum Trocknen stellt. Die Melasse und die Syrupe füllt man in Häute oder Lederschläuche, woher das Sprichwort rührt „nur *) Ein schönes Modell einer solchen Pressmühle befindet sich in der indischen Abteilung des Museums für Völkerkunde zu Berlin. Die Heimat des Zuckerrohres und der Rohzucker-Bereitung. 53 der Sack kennt die Schwere des Syrups", d. h. »nur der Leidende kennt seinen Schmerz" (ebd. 141). Zucker in den verschiedenen Stadien seiner Zubereitung, spielt auch in den Sitten und Gebräuchen Indiens eine grosse Rolle (ebd. 135, 342 ff., 362ff.). Bei Geburten, Hochzeiten und Begräbnissen wird Zuckerrohrsaft bald allein, bald mit Wasser und mit Milch, oder Zuckerwasser genossen; Reis mit Zucker und geklärter Butter, Milchreis mit Zucker, und Speisen aus Mehl, Gewürzen und Zucker, werden in Form von Kugeln oder flachen Kuchen zubereitet, und in Thonschüsseln von gewisser althergebrachter Form aufgetragen. Besonders bei Hochzeiten werden die Gäste mit Zuckerwasser, Syrup, süssen Speisen und Kugeln von Zuckerwerk und gezuckertem Reis bewirtet; der Bräutigam bereitet sich Zuckerwasser aus einem Brocken Zucker, den die Braut so lange in der Hand hält, bis er feucht ist, oder den sie mit den Zähnen zerbeisst, auch werden auf Kopf, Schultern, Hände, Knie und Füsse der Braut Zuckerbrocken gelegt, die der Bräutigam, ohne die Hände zu gebrauchen, allein mit dem Munde abessen muss. Zucker und Zuckerspeisen werden ferner als Hochzeitsopfer dargebracht, und die rituelle Vorschrift, dass bei Opfern nur brauner Zucker angewandt werden darf, beweist gleichfalls, dass allein dieser das ursprünglich heimische indische Produkt ist, während der gebleichte Zucker nicht als solches angesehen wurde. Wie die Methoden zur Darstellung des Zuckers, so reichen auch diese Arten seiner Anwendung jedenfalls in weit entlegene Zeiten zurück, da sich z. B. Heiratsgebräuche der beschriebenen Art schon in den „Sutras" vorfinden, und alles in diesen Vorgetragene seine Ausbildung bereits in der vorhergehenden Periode der Brah- mana erreichte („Ind. Stud." V, 267ff., 281 und 298ff.); zu den, vor der eigentlichen Hochzeit stattfindenden Feierlichkeiten gehört auch hier die Bewirtung der Gäste, zu welcher der Vater der Braut süsse Speisen, der des Bräutigams Zuckerwerk in Figuren von viereckiger Gestalt beiträgt; es werden süsse Getränke kredenzt und der Bruder der Braut geniesst, in Gemeinschaft mit dem Gesinde, Ghee (zerlassene Butter) und Guda (Zucker, Zuckerwerk); die nämlichen Gegenstände werden auch den Göttern als Opfer dargebracht. Das Zuckerrohr selbst blieb stets in hoher Wertschätzung, die sich zum Teil noch bis auf den heutigen Tag erhalten hat (Ainslie, „Materia medica" I, 408); bei Festlichkeiten wurde es an den Altären der Götter niedergelegt, der Geringe überreichte es dem Oberen als Zeichen seiner Verehrung, und die Weisen machten es zum Gegenstand sinniger Sprüche, z. B: 54 Zweiter Abschnitt. „Wohin nian's bringt, die Süssigkeit wird doch vom Zuckerrohr bewahrt: „Nicht weicht der Edle, auch in Not, von seiner guten Sinnesart." „Die Süssigkeit ist sehr verschieden heim Rohr, bei Milch, und andren Dingen; „Doch kann selbst nicht die Redegöttin durch Worte dieszum Ausdruck bringen." t I H „Es schmeckt der Halm vom Zuckerrohr, zerschnitten auch, süss wie zuvor: „Der Edlen angeborne Art bleibt wandellos im Tode auch bewahrt." Das Alter dieser Sprüche, die Fritze's Auswahl aus der grossen Sammlung Böthlingk's entlehnt sind (Lpzg. 1880; 8, 53, 59), lässt sich nicht feststellen, auch wird in dergleichen Versen der Honig mindestens ehenso oft wie der Zucker erwähnt; in „Sakuntala" und „Urvasi", den beiden Dramen Kalidasa's (deutsch von Meier, Hildb. 1870, und Lobedanz, Lpzg. 1873), wird sogar des Zuckerrohres oder des Zuckers niemals gedacht, während von Honig, süssem Kuchen, Backwerk und süssem Getränke oft die Rede ist. Man kann jedoch hieraus keinen weiteren Schluss ziehen, weil das Zeitalter des Kalidasa noch völlig ungewiss ist; innere sprachliche und kulturhistorische Gründe lassen auf das 2. bis 4. Jahrhundert n. Chr. schliessen (Weber 221; Lassen II, 1172), nach einigen Berichten war er ein Zeitgenosse des Königs Kumära- däsa, der von 501—510 n. Chr. regierte (Lassen IV, 302), und nach anderen zählte er zu den, als den „neun Edelsteinen" berühmten Weisen und Dichtern am Hofe des Königs Bhoja von Mälava, als dessen Lebenszeit eine Inschrift die Jahre 1040—1090 n. Chr. angiebt (Weber 218). Der hohen Verehrung und Schätzung, in der, wie angeführt, das Zuckerrohr stand, und seiner Verwendung bei religiösen und abergläubischen Zeremonien, dürfte auch sein Übergang in die Heilkunde, und die grosse und übertriebene Anpreisung seiner medizinischen Eigenschaften zuzuschreiben sein. Über Ursprung und Geschichte der indischen Medizin sind wir leider noch wenig unterrichtet; in der vedischen Zeit hatte sie sich zwar emsiger Pflege zu erfreuen, und Krankheiten, sowie heilige Kräuter werden in mehreren Liedern erwähnt, es lässt sich indessen nicht viel Bestimmtes daraus entnehmen, und eine überlieferte Litteratur hat sich damals nicht gebildet (Weber 32). Die Werke, aus denen wir gegenwärtig unsere Kenntnisse über die indische Heilkunde schöpfen können, gehören erst einem relativ sehr späten Zeiträume an; dem uralten Ruhme derselben entsprechend, — sollen doch nach Arrian („Indica" 15) indische Ärzte schon dem Heere Alexander des Grossen angehört Die Heimat des Zuckerrohres und der Rohzucker-Bereitung. 55 haben —, erschliessen sie jedoch eine staunenerregende Masse auf die Heilkunde im weitesten Sinne bezüglicher Kenntnisse, die ohne Zweifel nur im Laufe langer Jahrhunderte gesammelt werden konnten, und beweisen vor allem die völlige Selbständigkeit der indischen Arzneimittellehre (Haeser I, 37). Die indische Tradition berichtet nach Bhävanisra, dem Verlasser einer noch ungedruckten, die Arzneikunde behandelnden Schrift (Dietz, „Analecta medica"; Meyer, „Bot." III, 3), dass die Heilkunde von Brahma selbst stamme, welcher eigenhändig das erste medizinische Werk, den „Ayur-Veda" (= .Wissenschaft des Lebens") in 100 000 Sloken schrieb; von ihm ging sie durch verschiedene Zwischenstufen, in denen wiederholte schriftliche Abfassung der Lehre erfolgte, an Atreya und dessen Schüler über, sodann auf Caraka. Als dann lndra, nachdem er die Erde durch eine Pest verwüstet hatte, Dhanvantari, den Gott der Heilkunde*) zum Könige von Käci in Bengalen machte, schrieb dieser unter dem Namen Divodäsa, die Lehre in veränderter Gestalt nieder, und von ihm empfing sie Susruta, der Sohn des Königs Visvamitra, und machte sie zum Gegenstande eines neuen Werkes. Diese Tradition gehört erst der Zeit der „Puränas" an (Lassen II, 159), und lässt Divodäsa als eine Verkörperung des Dhanvantari, und Susruta als blossen Uberlieferer der ererbten Weisheit erscheinen; nun wird aber unter den „neun Perlen' am Hofe des Königs Bhoja von Mälava, neben Kalidasa und Amarasinha, gleichfalls ein Arzt Dhanvantari genannt, und es ist daher wahrscheinlich, dass Susruta nicht ein Schüler des in den Epen und bei Manu öfter erwähnten mythischen Götterarztes gewesen sei, sondern seine Kenntnisse jenem menschlichen Dhanvantari verdankte, dessen Namen in späterer Zeit mit dem des Gottes verwechselt wurde (Weber 285, 287). Von den menschlichen Überlieferern des Ayur-Veda gehören Atreya, Agniveca und Caraka (Charaka), dem Zeitalter der „Sutra" an (Weber 284); die Unzahl der dieser Zeit zugeschriebenen medizinischen Schriften ist noch kaum durchforscht, viel weniger kritisch gesichtet, doch scheint es, dass vom Werke des Atreya, sowie von der Bearbeitung des Agniveca durch Caraka, nur Bruchstücke im Original erhalten, oder wenigstens bisher bekannt geworden sind (Haeser I, 7 und 15). Dagegen ist unter dem *) Bei der oben erwähnten Quirlung des Milchmeeres soll auch Dhanvantari zuerst zu Tage gefördert worden sein; diese Legende deutet darauf hin, dass er als Verkörperung der Heilkräfte des Amrlta (Ambrosia) betrachtet wurde (Kuhn 222). y &6 Zweiter Abschnitt. Namen Susruta's ein vollständiges und umfangreiches Werk vorhanden, welches, nach Roth, dem des Caraka in Inhalt und Abfassungsweise sehr ähnlich ist; es sind in dem Texte, der, wie Namen von Orten, Gewichten und Maassen schliessen lassen, im nordöstlichen Indien niedergeschrieben wurde, und vielfach an grosser Unsicherheit leidet (Weber 287, 288), zwei Teile zu unterscheiden: eine ältere, häufig metrisch abgefasste Grundlage, deren Sprache einfach und klar, der der epischen Geschichte ähnlich, jedoch frei von älteren grammatischen Formen ist, und die spätere erläuternde Einkleidung derselben (Lassen II, 519; V, 73fF.). Wissenschaftlich und systematisch ist das Werk nicht, es bietet vielmehr eine unzusammenhängende und bunte Vermischung wahrer, durch lange Beobachtung erworbener Kenntnisse, mit den abenteuerlichsten Einbildungen dar; da ausserdem die Deutung der meisten Pflanzen- und Arznei-Namen in den mehr als 700 aufgezählten Mitteln, fast nur auf der unsicheren Autorität von Kommentatoren und Lexikographen beruht, so ist es augenscheinlich, dass ein richtiges Verständnis des Werkes höchst schwierig, eine Sonderung der einzelnen Bestandteile nach ihrem Alter aber ganz unmöglich ist (Meyer, „Bot." III, 15ff.) Was das Zeitalter des Susruta betrifft, so ist dasselbe Gegenstand vielfacher Vermutungen gewesen, deren Wechsel für den unzureichenden Zustand der indischen Chronologie schlagende Beweise liefert; Hessler hat es ins 10., Wise ins 9.—3. vorchristliche Jahrhundert verlegt, Lassen in das 1.—4. nachchristliche, Wilson, Royle und Weber in das 10. (Haeser I, 17ff., Meyer, „Bot." III, 6ff.). Haas hält Susruta für eine im 15. Jahrhunderte verfertigte Compilation („Zeitschrift der deutschen morgenländischen Gesellschaft" 30, 617; 31, 647); Stenzler setzt seine Lebenszeit in das 8. Jahrhundert nach Chr., weil zu Ende desselben Jasid ben Chaled bereits arabische Übersetzungen des Caraka und Susruta angefertigt habe (Weber 284); nach A. Müller endlich (»Zeitschr. morgenl. Gesellsch." 34, 465) waren die, dem Susruta zugeschriebenen Werke, gegen 900 n. Chr. bestimmt schon vorhanden, jedoch in viel kürzerer Fassung, und frei von den zahlreichen Einschiebseln, deren Vorkommen leicht erkennbar, deren Aussonderung aus dem jetzt vorliegenden Texte jedoch nicht mit Sicherheit möglich ist. Die Beeinflussung desselben durch die Lehren der griechischen Medizin, die von einigen Seiten angenommen wird, lässt sich im allgemeinen nicht abstreiten, aber auch nicht im einzelnen mit Bestimmtheit erweisen; sicher ist, dass sich ein solcher Einfluss einst geltend machte, denn nach Ibn-Abi- Die Heimat des Zuckerrohres und der Rohzucker-Bereitung. 57 Usaibiah, einem gelehrten arabischen Schriftsteller (1203—1269), der eine höchst wertvolle und an wichtigen Nachrichten überaus reichhaltige „Geschichte der Ärzte" verfasste, schrieb schon der berühmte indische Arzt Sandjahal ein Werk »über die Verschiedenheiten der indischen und griechischen Medizin", und auch Albi- runi sagt (I, 23), die Inder hätten früher, als sie noch weniger vom Grössenwahn erfüllt gewesen seien, die höhere Bedeutung der griechischen Wissenschaft anerkannt. Was nun das Werk des Susruta betrifft, so liegt dasselbe in einer lateinischen Übersetzung von Hessler (3 Bde. Erlangen 1844 — 52) vor, die anerkanntermassen höchst ungenau und mangelhaft ist, da es dem Verfasser an der nötigen gründlichen Kenntnis des Sanskrit gebrach; man wird daher die Angaben derselben mit doppelter Vorsicht aufzunehmen haben. Vom Zuckerrohr führt Susruta zehn Arten auf (I, 126ff'.), denen er verschiedene pharmazeutische Eigenschaften zuschreibt; •er lässt es kauen oder aussaugen (II, 108), zu Pillen gestalten (I, 110), in Wasser ausdrücken oder mit Wasser auskochen (I, 41), und zu Saft (I, 125; II, 150) oder eingedicktem Syrup verarbeiten {I, 114; II, 73). Aus braunem Zucker (I, 126) wird Zuckerwasser (I, 25; II, 53), Zuckersyrup (I, 155; II, 73) und eine Pillenart angefertigt (I, 109); gereinigter Zucker, Saccharum purificatum, wird als reiner, süsser, und wenig alkalisch, d. i. aschenärmer, als der vorige bezeichnet (I, 127; II, 105); weisser Zucker, Saccharum album, wurde, wie es scheint, als Pulver verwandt (I, 47; III, 136); von krystallisiertem Zucker, Saccharum candidum (1,110; II, 147), werden Lösungen in Zuckerrohrsaft (III, 127), Lösungen in Zuckerwasser aus Rohrzucker (III, 113), und Pulver empfohlen (I, 110). Auch erscheint Zucker als Bestandteil zahlreicher äusserlich anzuwendender Mittel und wird besonders zur Reinhaltung und Heilung von Wunden angeraten (I, 69). Unter den Speisen für Kranke nennt Susruta, Fleisch, Fisch, Reis, Gemüse und Mehl mit Zucker (I, 50; II, 150; II [, 136), sowie zahlreiche süsse Gerichte; man soll diese stets in steinernen oder thönernen Gefässen aufbewahren (I, 161), und das Mahl mit ihnen beginnen, wobei man sie zur Linken des Speisenden setzen uiuss (II, 147). An Getränken werden Milch mit Zucker, oder Zucker und Gewürzen empfohlen (I, 47), ferner gegohrenes Zuckerwasser und gegohrener Zuckersyrup (I, 47), sowie Lösungen von Mucker in solchen Flüssigkeiten (I, 47, 128, 129; II, 98). Reis mit Milch und Zucker soll das Gedächtnis, das Leben und die Gesundheit stärken, weshalb man Säuglinge mit einer w 58 Zweiter Abschnitt. Paste aus Milch, Zucker, Butter und Honig aufzieht, und neugeborenen Kindern ein wenig dieses, womöglich mit etwas Goldstaub versetzten Gemisches, aus einem goldenen Löffel einfiösst; das Gold spielt hierbei wieder die Rolle eines Wundermittels von geheimer Kraft, wie auch aus dem Rate hervorgeht, das erste Bad des Kindes aus Wasser zu bereiten, in dem Gold oder Silber gelegen hat. Die meisten pflanzlichen Arzneien verabreicht Susruta ebenfalls mit Zusätzen von Zucker oder Syrup (Haeser I, 26), häufig unter gleichzeitiger Beifügung von Honig, dessen Arten er, einschliesslich einer giftigen, auf acht angiebt (Susruta 1, 125 ff.); statt des Honigs verwendet er auch den Saft der Asclepias (I, 50), der Bassia (aus welcher ein Zuckerteig und ein gegohrenes Getränk gefertigt wurde, I, 94, 127, 128), des Süssholzes (I, 40) und des Kapitha-Baumes (I, 144); dieser Baum, Feronia elephantum, ist nach Amarasinha eine Orangenart, deren Frucht ein berauschendes Getränk gab (Lassen I, 312), und deren zuckerreicher Saft zum Anmachen eines höchst dauerhaften Mörtels diente, der z. B. schon beim Bau des Tempels in Anurädhäpura Verwendung fand (ebd. II, 524). Endlich gedenkt Susruta auch des Palmsyrups und Palmzuckers, welche durch Einkochen des Saftes der Fächer-, Stachel- und Kokos-Palme bereitet wurden; der Namen des Palmzuckers, Gagori oder Gaggeri (daher das engliche Jaggery), ist entstellt aus carkarä, welches, wie oben angeführt, ursprünglich „verdichteten Saft" bedeutete (Lassen I, 312 ff.). Die Stellen, an denen Susruta weissen oder fest krystalli- sierten Zucker erwähnt, sind im ganzen selten, und stammen jedenfalls aus sehr später Zeit; dasselbe gilt betreffs des Alkohols, sofern dessen Nennung nicht überhaupt auf blossen Übersetzungsfehlern Hesslers beruht. Andernfalls dürfte es vielleicht für die Textkritik Susrutas nicht ohne Nutzen sein, das Vorkommen dieser Worte zu beachten, da aus ihrem Auftreten wohl mit Sicherheit auf das jüngere Alter, oder die .nachträgliche Einschiebung der betreffenden Stellen, geschlossen werden kann. DRITTER ABSCHNITT. Zuckerrohr und Zucker im europäischen Altertum und frühen Mittelalter. In der ältesten zuverlässigen Beschreibung Indiens, die uns aus dem klassischen Altertume erhalten ist, der des Herodot (489—425 v. Chr.), wird die wunderbare Herrlichkeit dieses und des arabischen Landes mit Begeisterung geschildert (III, 106 — 115), und des Reichtums jener Gegenden an seltenen und kostbaren Erzeugnissen gedacht; als solche werden Gold, Weihrauch, Myrrhen, Cassia, Zimmt, Ledanum, Räucherwerk, Ebenholz, Reis u. dergl., sowie an einer anderen Stelle (VII, 65) baumwollene Kleider und Bambus aufgezählt, — zum Teil natürlich bloss nach dem Hörensagen. Die genannten Produkte deuten darauf hin, dass Herodot nur Nachricht über die westlichen Teile Indiens empfangen hat (Lassen II, 636), und da in diesen das Zuckerrohr zu so frühen Zeiten noch unbekannt war, so lässt sich sein Stillschweigen darüber leicht erklären. Der Grieche Ktesias, welcher lange Jahre hindurch die Stelle eines Leibarztes des Perserkönigs Artaxerxes Mnemon bekleidete, erwähnt in den uns erhaltenen Fragmenten seines um 416 v. Chr. verfassten Berichtes, welcher durchaus nicht so lügnerisch ist, als man früher annahm, gleichfalls einige indische Produkte, darunter sehr süssen Wein (vermutlich Palmwein), und verschiedene Arten Rohr, besitzt aber keine Kenntnis vom Zuckerrohre (Lassen II, 566, 641, 646, 647). Der frühesten Kunde desselben begegnen wir erst in den, leider nur zum kleinsten Teile auf uns gekommenen Schriften der Begleiter Alexander des Grossen auf seinem indischen Feldzuge (327 v. Chr.), über dessen Bedeutung Humboldt (»Kosmos" II, 186) aussagt, dass in keiner anderen Zeitepoche, die Erschliessung des tropischen Amerikas ausgenommen, auf einmal einem Teile des Menschengeschlechtes eine reichere Fülle neuer Naturansichten, 60 Dritter Abschnitt. und ein grösseres Material zur Begründung der physischen Erdbeschreibung dargeboten worden sei. Nearchos nun und One- sikritos, die Feldherren Alexanders, sprechen zuerst davon, „dass in Indien ein Schilf Honig hervorbringen soll, ohne Beihilfe von Bienen", und dass ein Getränk daraus, obwohl das Gewächs nicht fruchtbringend sei (d. h. obwohl der Saft nicht, wie sonst üblich, aus den Früchten gewonnen würde), doch berauschend wirke („Fragmente" VIII, 61; in Strabo's „Erdbeschreibung" XV, 1, 20). Megasthenes, der, wie bereits erwähnt, gegen 300 v. Chr. mehrmals als Gesandter nach Indien kam, und als unbedingt genau und glaubwürdig zu betrachten ist, berichtet in den uns erhaltenen Bruchstücken seiner „Vier Bücher über Indien" fast mit denselben Worten über „die süssen Rohre, die nicht von Bienen erzeugten Honig enthalten" („Fragmente" IX, 410; Lassen II, 681). Aristoteles (384—322 v. Chr.) erwähnt in seiner Naturgeschichte, deren auf die Botanik bezüglicher Teil übrigens fast ganz verloren ist*), das Zuckerrohr nicht, und auch sein Schüler Theophrast (371—286 v. Chr.), der Schöpfer der wissenschaftlichen Pflanzenkunde auf aristotelischer Grundlage, führt in seiner „Historia plantarum" (ed. üidot, Paris 1866; IV, 11 und 13) nur das „indische Rohr" (Bambus) an, das am Flusse Akesines (jetzt Chanab), einem Nebenflüsse des Indus im Pendschab, wachse, und Stenge] von mächtiger Grösse treibe, deren weibliche hohl, deren männliche fest seien, und zur Anfertigung von Speeren dienten. In einem Fragmente dagegen (ebd. S. 492) sagt Theophrast, dass der Ursprung des Honigs ein dreifacher sei: entweder aus Blumen und allem anderen Süssen, oder aus dem Tau der Luft, der an heissen Tagen durch die Sonne verdickt, herabfallt, oder aus gewissen Rohren; unter der zweiten dieser Gattungen haben wir zweifellos den Honigtau der Eichen und Linden zu verstehen, — den jedoch derselbe Forscher an anderer Stelle („De causis plantarum" IV, 15) als Folge einer, durch überschüssige Feuchtigkeit veranlassten Pflanzenkrankheit auffassfc, — unter der dritten Gattung, flihi y.akdf^uvov, den Saft des Zuckerrohres. Allerdings ist hiergegen noch der Einwand erhoben worden, dass Theophrast in „De causis plantarum" VI, 16, angiebt, in den Ebenen Ägyptens *) Di« bis zur Zeit des grossen Kritikers J. C. Scaliger (1484—1558) dem Aristoteles zugeschriebenen Bücher „über die Pflanzen'' sind unecht, und von Nicolaus Damascenus zur Zeit des Kaisers Augustus verfasst (Meyer, „Bot." I, 329; Zeller, „Orundriss der Geschichte der griechischen Philosophie". Lpzg. 1886, 150. Zuckerrohr u. Zucker im europäischen Altertum u. frühen Mittelalter. 61 wachse einRohrvon einer gewissen Süssigkeit*), dessen frische Wurzeln gleichfalls süss, nach dem Austrocknen aber ohne Geschmack und Nährkraft seien, und dass auf dieses Rohr, welches unmöglich Zuckerrohr gewesen sein kann, auch die Stelle jenes Fragmentes anspiele; mit Rücksicht auf den Wortlaut der älteren Berichte des Nearehos und Megasthenes, und auf den von Theophrast gebrauchten Ausdruck „Rohrhonig", wird man jedoch mit grosser Wahrscheinlichkeit annehmen können, dass er wirklich Zuckerrohr im Sinne gehabt habe. Athenäus aus Naukratis, der nach Lecky („History of european morals", London 1869; II, 307) um 228 n. Chr. starb, hat in seinen „Deipnosophisten" ein, von einem römischen Schlemmer und Schöngeist, den Dichtern, Künstlern und Gelehrten aller Fächer gegebenes luxuriöses Gastmahl, und dessen, an Speisen und Getränke anknüpfende Gespräche geschildert; in diesem Werke, dessen Hauptwert in den Citaten aus fast achthundert, seither meist verlorenen Schriftstellern besteht, hat er uns auch (V, 6—8) die Beschreibung eines unter Ptolemäus Philadelphus (283—247 v. Chr.) in Alexandria veranstalteten Aufzuges zur Feier der Diony- sien erhalten, dessen Kosten etwa neun Millionen Mark betrugen. Eine besonders glänzende Gruppe desselben stellte des Bacchus Rückkehr aus Indien dar, und war mit den seltensten fremden Tieren und allen Schätzen dieses Landes „zu hunderten von Pfunden" ausgestattet; als solche werden Weihrauch, Kokosnüsse, Cassia, Zimmt, Ebenholz, Elfenbein, Gold- und Silberstaub aufgezählt; Zucker oder Zuckerrohr wird jedoch nicht genannt (Meyer, „Bot." I, 207; II, 199; Sprengel, „Geschichte der Botanik", Lpzg. 1817; I, 97). Bei Eratosthenes, dem grossen alexandrinischen Geographen, finden wir, nach einer, bei Strabo (XV, 1, 20) erhaltenen Stelle, die vermutlich dem Onesikritos folgt, die Mitteilung: „JJas von der Sonne erwärmte irdische und himmlische Wasser lasst in Indien viele Baumfrüchte spriessen, und auch Wurzeln von Gewächsen, besonders von grossen Rohren, die süss sind tpvmt xcä m™> d. h. sowohl an sich, als auch eingekocht". Man kann vermuten, dass unter den „Wurzeln" die Schafte der Rohre, oder gebeugte und niederliegende Rohre zu verstehen seien, könnte aber auch annehmen, dass das Citat für die Anwendung des Feuers «B Konzentrieren des Saftes beweisend sei; die angeführte übliche UDer- *) Auch Galenos (131-200 n. Chr.) gedenkt desselben noch („De simpl. media facult." 4, 14). ...rVFSt. ■'. i - 62 Dritter Abschnitt. Setzung der Worte „cpvoei xal tifjrjoei" ist jedoch nicht die einzig mögliche, vielmehr kann der Sinn auch sein, „dass die Rohre süss sind infolge ihrer Natur und Kochung", und diese Deutung ist sogar die wahrscheinliche, da Aristoteles und Theophrast, sowie deren Schüler, alle Erscheinungen in der Pflanzenwelt, besonders aber die Mannigfaltigkeit der Gerüche und Geschmäcke, aus der Verschiedenheit der , Kochungen * der Pflanzensäfte ableiten; nach einer etwas unklaren Definition des Aristoteles ist hierbei unter „Kochung" der „mehr oder minder vollendete Grad der, im Feuchten, durch feuchte Wärme erzeugten Garheit" zu verstehen, d. h. die „Kochungen" sind der Ausdruck der durch Wärme- und Feuchtig- keits-Einfluss geschaffenen, welchselnden Eigenschaften der Pflanzen- säfte (Meyer, „Bot." I, 176). In der folgenden Zeit sehen wir die Kenntnisse über das Zuckerrohr in keiner Hinsicht zunehmen. Agatharchides, von dessen um 150 v. Chr. verfasster Beschreibung des roten Meeres und seiner Handelswaren, viele Bruchstücke erhalten sind, erwähnt es nicht, ebensowenig wird es von Virgil (70—19 v. Chr.) bei der Aufzählung der Produkte Indiens und Arabiens („Georgika" II, 115) genannt; aus einem Werke des Varro Narbonensis (82 — 37 v. Chr.) findet sich bei Isidorus Hispalensis („Origines" VII, 7; ed. Lindemann, Lpzg. 1833, 540) ein Citat, welches lautet: „Indiens Rohr, es gleicht an Grösse massigen Bäumchen; „Presst man die zarteren Wurzeln, so fliegst aus diesen ein Saft aus, „Welcher an Süsse ist dem herrlichsten Honig vergleichbar." Juba IL, König von Mauretanien (50 v. Chr. — 24 n. Chr.) spricht von Arabiens süssen Palmen, vom Weihrauch- und Myrrhen- Baum, und von der Baumwolle; auf Ombrios, einer der „glückseligen Inseln", sagt er, wüchsen Pflanzen, der Ferula ähnlich, aus deren hellerer Abart man Saft auspresse, der ein angenehmes Getränk darbiete. Man hat dies vielfach auf Zuckerrohr deuten wollen, ohne zu bedenken, dass dessen Vorkommen auf den Cana- rien (denn dies sind die glücklichen Inseln) zu jener Zeit gänzlich ausgeschlossen ist; in Wahrheit sind unter den Ferulae, nach Humboldt, die Stengel gewisser Euphorbien zu verstehen, aus denen sich, so lange sie jung sind, ein süsser, milchartiger Saft auspressen lässt. Plinius zitiert auch wirklich eine Schrift des Juba über die Euphorbien und deren Saft, dessen Dioskorides („Mat. med." III, 86) ebenfalls Erwähnung thut; in späterer Zeit führen noch Petrus Martyr (1493) und Glass („History of the Canary Islands" 1764, 275) das Vorkommen dieser Gewächse auf Zuckerrohr u. Zucker im europäischen Altertum u. frühen Mittelalter. 63 den Ganarien an und knüpfen daran die abenteuerlichsten Sagen (Meyer, „Bot." I, 321; Moseley a. a. 0.). Nikolaos Damaskenos, der Zeitgenosse des Kaisers Augus- tus, erwähnt das Zuckerrohr in seinem, grösstenteils aus Aristoteles und Theophrast kompilierten, botanischen Werke nicht; Diodor (zur Zeit Cäsars) sagt nur, dass in gewissen sumpfigen Gegenden Indiens Rohre von ganz besonderer Süssigkeit wüchsen, mdem die Hitze den Saft der Wurzeln, besonders derer der grossen Rohrpflanzen, auskoche (II, 35 und 36); Strabo (66 v. Chr. — 24 n. Chr.) giebt nur die Erzählungen des Nearchos, Onesikri- tos, Megasthenes und Eratosthenes wieder, ohne ihnen Eigenes beizufügen; auch in der Arzneimittellehre des Scribonius Largus (um 40 n. Chr.), welcher Aloe und andere indische Mittel kennt, kommt Zucker oder Zuckerrohr nicht vor, ebensowenig wie in dem von Andromachos, dem ersten Archiater (Oberarzt) zur Zeit Neros, in Distichen verfassten Rezept zur Bereitung des Theriaks, eines angeblich vom König Mithridates erfundenen, widersinnigen Gemisches unzähliger kostbarer und ekelhafter Bestandteile (darunter so ziemlich aller damals bekannten vegetabilischen), welches von MB i i n 64 Drittel' Abschnitt. 17): „Sakcharon kommt aus Arabien, das indische hat jedoch den Vorzug; es ist aus (oder an) Rohr gesammelter Honig, weiss wie Gummi, zwischen den Zähnen zerbrechlich, höchstens von der Grösse einer Haselnuss, und findet blos Anwendung in der Medizin.'' (Übersetzung von Wittstein, Lpzg. 1881; III, 11.) Näheres über diese Anwendung erfahren wir jedoch nicht; bei der Bereitung der Balsame (XIII, 2), sowie der unzähligen Arzneimittel die das XX., XXII., XXIX. und XXX. Buch der Naturgeschichte ausfüllen, wird stets nur Honig vorgeschrieben, ebenso bei der Bereitung der Heiltränke und Gewürz weine (XIV, 19). Kurz vor Plinius (77 oder 78 n. Chr.) und ganz unabhängig von diesem, schrieb auch Dioskorides aus Anazarba seine „Arzneimittellehre", das berühmteste aller alten, auf die medizinische Bedeutung der Pflanzen bezüglichen Schriftwerke, welches durch mehr als anderthalb Jahrtausende die entscheidende, unfehlbare, nicht der Ergänzung, sondern nur der Erklärung bedürftige Grundlage aller Pflanzenkenntnis blieb, als absolut vollständiges Verzeichnis sämtlicher überhaupt existierenden Pflanzen galt, lind seinem Verfasser den andauernden Ruhm unergründlicher Weisheit eintrug*) (Sprengel, „Bot." I, 134; Meyer, „Bot." II, 99 und 117). Plinius und Dioskorides kennen sich gegenseitig nicht und zitieren sich nie, sie schöpften jedoch häufig aus gemeinsamer Quelle, und hieraus erklärt sich ihre vielfach nachweisbare Übereinstimmung; so fehlt auch bei Dioskorides („Mat. med." I, 130), wo er von den Rohren spricht, jeder Hinweis auf das Zuckerrohr, während er betreffs des Honigs (ebd. I, 104) bemerkt: „Eine Art davon heisst auch Sakcharon; es ist eine Art geronnenen Honigs aus Indien und dem glücklichen Arabien, wird an (oder in) Schilfrohren gefunden, ähnelt dem festen Salz, und bröckelt wie dieses unter den Zähnen; in Wasser aufgelöst und getrunken, wirkt es gut für den Magen und erleichternd für die Gedärme; auch ist es gut bei Nierenleiden, und als Pulver beseitigt es auch die Trübungen des Auges." In der Schrift „De facile parabilibus medi- camentis" I, 102 (Sprengel's Ausgabe, Lpzg. 1829, II, 304) erwähnt Dioskorides nochmals die Heilkraft des in Wasser gelösten Sakcharon gegen Nierenleiden; bei der Unzahl der übrigen Heil- und Nahrungsmittel kommt der Name desselben nicht wieder vor. *) Selbst Dante sagt in der „Hölle" IV, 188: „Und Dioskorides, der Qualitäten verdienten Sammler, sah ich" Übers, v. Gildemeister, ßerl. 1888, 47). ...,,.~ i ■........-,...,'„->.«...,.■—— ^m Zuckerrohr u. Zucker im europäischen Altertum u. frühen Mittelalter. 65 Aus dem nämlichen Zeitalter ist uns der, früher fälschlich dem Geschichtsschreiber Arrian zugeschriebene „Periplus" erhalten, ein Bericht über die Beschaffenheit der Gestade des roten Meeres, der Ostküste Afrikas bis Quiloa (10° südlicher Breite) und der Westküste Vorderindiens, in nautischer und merkantiler Beziehung, zumeist auf eigener Erfahrung des Schreibers beruhend, zum Teil aber (z. B. Ceylon und das Gangesdelta betreffend) nur aus eingezogenen Nachrichten geschöpft. Der Verfasser ist ein ägyptischer Kaufmann („Periplus", ed. Fabricius, Lpzg. 1883, 23), der ausschliesslich von Dingen spricht, die für Schiffer und Kaufleute von Interesse sind (ebd. 28), und die Namen zahlreicher Handelsartikel nennt, deren Bedeutung er indes als bekannt voraussetzt; die Zeit der Abfassung fällt nach Dillmann („Berichte der Berliner Akademie" 1880, 413) kurz vor 77 n. Chr. Im 14. Absätze des „Periplus" heisst es nun: „Ausgeführt werden gewöhnlich auch aus den inneren Gegenden Ariakes und aus Barygaza, .... die in jenen Gegenden erzeugten Waren, als Korn, Reis, das Getreide Bosmoros, Sesamöl, baumwollene Gewebe, .... Gürtel, und Rohrhonig, das sogenannte Sakchari ([i£h zb xakdfuvov, zb "ley6/.tevor —438) zur Ausschmückung seiner Gärten wählte, waren Dattelpalmen, Ölbäume und Cypressen (Tabari 112). Auch gelegentlich der älteren Verbindungen mit Indien wird das Zuckerrohr nie genannt, obwohl diese zum Teile schon in sehr frühe Zeit zurückreichen: bereits auf den Denkmälern der alten Dynastie der Achämeniden bilden Sonnenschirm und Fliegenwedel, Gegenstände echt indischen Ursprunges, die auch später noch indische Namen führen, das Attribut der Könige (Spiegel III, 816), und den Verkehr derselben mit dem Nachbarlande beweist schon die Angabe des Herodot (III, 89), dass Indien*) unter Darius I. einen Tribut von 360 Talenten Goldstaub bezahlte. Von Ardaschir L, dem Vater Sapür I., wird erzählt, dass er Boten an indische Astrologen sandte, und Vararan V. soll sogar selbst in Indien gewesen sein und Musiker (Zigeuner?) von dort verschrieben haben (Spiegel III, 249 und 354). Häufig ist auch von Tributen und Geschenken aus Indien die Rede; Zucker finden wir aber unter den letzteren erst um die Zeit des Chosroes II. (590—627) aufgeführt, und begegnen, wie bereits im vorigen Abschnitte erwähnt, der ersten sicheren Nennung desselben bei der Plünderung seines Lustschlosses Dastagerd. Um diese Zeit, d. h. nicht sehr lange nach ihrer Entdeckung, scheint auch die Kunst, durch Einkochen des Rohrsaftes festen Zucker darzustellen, den Persern, bei denen inzwischen das Zuckerrohr selbst schon eine gewisse Verbreitung erlangt hatte, bekannt geworden zu sein; in welcher Weise und auf welchem Wege dies geschah, darüber liegen bisher gleichzeitige Zeugnisse nicht vor, und wir sind deshalb auf Vermutungen angewiesen, die sich auf Berichte aus späteren, und zwar oft erheblich späteren Perioden gründen. Nun melden die Geographen Ibn-Haukal (902—968), sowie, nach älteren Quellen, Abulfeda (1273—1331), Jakut (1178—1229), und Edrisi (um 1150), übereinstimmend, dass zu Mansura am Indusdelta, Zuckerrohr seit jeher in grösster Menge gewachsen sei (Gildemeister 166; Abulfeda, „Geographie", Bd. I, II, franz. von Reinaud, Paris 1848, Bd. III von Guyard, ebd. 1883; 111,113: Jakut, „Dictionnaire de la Perse", ed. Barbier *) d. h. wohl irgend eine westliche oder nordwestliche, am Indus gelegene Provinz desselben (Droyson, „Geschichte Alexander des Grossen», e- reitot (Flückiger, „Archiv der Phai-macie" 1889, 1060ff.). 102 Vierter Abschnitt. zucker bedeutet, so inuss der original-persische Ursprung dieser Erfindung dahingestellt bleiben. Der „Fänid chasäi" oder „ssendscheri" ist unserer heutigen Bonbonmasse oder dem sog. Gerstenzucker (so geheissen, weil der Zucker früher mit Gerstenwasser dick gekocht wurde) analog; der Sinn der obigen Beiworte ist nicht bekannt, weder spätere Schriftsteller, die sie gebrauchen, noch die persischen Wörterbücher geben Näheres darüber an, nur Castellus spricht im „Lexikon hepta- glotton* die Vermutung aus, dass el-chassYfni oder el-hasä'ini, mit dem unter dem Namen Alhassen, Albossar u. s. f. bekannten Zucker (im dritten Abschnitte bei den Mannaarten erwähnt) zusammenhänge. „Tabarsad" endlich wurde aus einem jedenfalls schon sehr reinen Rohstoffe bereitet, indem man diesen nochmals auflöste, den Syrup mit Milch klärte und abschäumte, und dann soweit einkochte, dass er beim Erkalten zu einer harten kompakten Masse erstarrte. Der Name tabarsad, abgeleitet von tabar (= die Hacke)*), bedeutet wörtlich „axtgehauen", und bezeichnete ursprünglich das kristallisierte Steinsalz; seine Anwendung auf eine Zuckersorte beweist, dass diese von ähnlicher Beschaffenheit, also fest und hart genug war, um durch Zerschlagen mit dem Beile zerkleinert werden zu können, ja ein solches gewaltsames Zerstückeln sogar zu erfordern. Dagegen haben wir sie nicht, als unserer heutigen Raffinade ähnlich, d. h. als ein Aggregat zahlreicher kleiner, innerhalb der noch flüssigen Lösung ausgeschiedener, und beim Abkühlen dicht verwachsener Kryställchen zu denken, sondern als homogene, starre und mehr glasige Masse, wie man sie erhalten kann, wenn man reine konzentrierte Zuckerlösung rasch stark einkocht, und dann schnell, jedoch nicht allzuplötzlich, abkühlen lässt. Wie aus diesen Beschreibungen hervorgeht, beschränkte sich die Raffinationskunst der Perser wesentlich auf die Darstellung reiner Zucker durch fortgesetztes Umschmelzen und Umarbeiten der unreineren; von reinigenden Zusätzen wird nur der Milch Erwähnung gethan, deren Benutzung zum Klären von Flüssigkeiten, z. B. von Wein, schon den Alten bekannt war (Beckmann, „Beiträge zur Geschichte der Erfindungen", 1792; 111, 440), auch *) Eine perfrische Provinz, in welcher die Hacke Natioiialwafte war, hiess Tabaristan (Abulfeda 111, 175; .lakut 380; Nassir 141), ebenso war Tabardär — Hackenträger, der Name der Leibgardisten des Herrschen (Makrizi I, 100). Die Ausbreitung d. Zuckerrohres nach Westen. u. d. Erfindung d. Raffinat] on. 108 findet kein nachträgliches Bleichen des Zuckers, unter Austreibung des noch in demselben enthaltenen Syrups statt, sondern die helleren Sorten werden unter Anwendung helleren Rohmaterials erzeugt, und sammt dem eingeschlossenen Syrup erstarren gelassen. Bei dieser Arbeitsmethode konnte fester weisser Stückzucker offenbar nur aus einem, selbst schon wiederholt und sorgfältig gereinigten Feinzucker erhalten werden, wie dies ja auch in obiger Anführung vorgeschrieben wird; von tadelloser Farbe und gleich- massiger reiner Weisse dürfte er trotzdem nicht, oder nur ausnahmsweise gewesen sein, und stellte in jedem Falle anfänglich eine so seltene und auserlesene Kostbarkeit dar, dass der ursprünglich ausschliesslich medizinische Gebrauch eines solchen mühsam bereiteten Kunstproduktes, leicht begreiflich erscheint. Was die äussere Form des Zuckers anbelangt, so hat sich deren älteste Gestalt noch im heutigen Sprach gebrauche bewahrt, der uns von „Broden' Zucker reden lässt; denn sie war anfangs wirklich die des flachen orientalischen Brotes oder Kuchens, wie sie durch Ausgiessen der heissen Zuckermasse in flache hölzerne oder irdene Gefässe und Schüsseln erhalten werden musste, und nach Reed's und Grierson's Mitteilungen noch heute erhalten wird. Der letztere beschreibt deren Urgestalt, die, in Form runder, einige Zoll tiefer Löcher im Lehmbelage des Fussbodens, noch gegenwärtig in Nordindien im Gebrauche steht („Bilutr" 50 ff.); aber auch die Ansiedler Brasiliens, die sich Zuckerrohr für ihren eigenen Bedarf bauen, fertigen sich in niedrigen Holznäpfen solche „Zuckerbrode" an, die sie Rapadura nennen (Breitenbach, „Das Ausland", 1888, 75), und in gleicher Weise wurde bei der primitiven Darstellung des Zuckers aus Ahornsaft verfahren (Beckmann, „ Phys.-ökonom. Bibl. a , XX, 25). Überhaupt brachte man gar vielerlei Naturprodukte und Waren in diese so einfache und handliche Form: Garcia da Orta spricht von Broden Kampher und Indigo (bei Clnsius 162 u.239), Sestini von Broden Storax, Schwefel, und Süssholz („Viaggio aBassora" 1786), Salomon von Broden Zinn („Art du potier d'etain", 1788), und im Zolltarife des Pegolotti (26, 242, 373, 130) ist von Broden W'achs, Zinnober, Salmiak und Kupfer die Rede, und von letzteren heisst es ausdrücklich: „piccioli pani, a maniera di pani da mangiare", d. h. „kleine Brode von der Form derer die .man isst". Der berühmte venetianische Reisende Marco Polo beschreibt, wie zu Caindu in Tibet das Salz versotten, und zu flachen Broden geformt wird, die als Kleingeld dienen (Yule, „The book of Ser Marco Polo the Venetian", London 1875; II, 42 ff, mit Abbildung), und Kosmas lndiko- 104 Vierter Abschnitt.. I pleustes im 6., Ibn-Batuta im 14., und (Jadamosto sowie Alvarez im 15. Jahrhundert, erzählen dasselbe von Ostafrika Und dem Sudan; hier, wo das Salz so kostbar ist, dass, „er hat an Salz sich satt zu essen", gleichbedeutend ist mit „er ist reich", dauert dieser Gebrauch auch heute noch fort (Ratzel III, 264). Metallen, in flache Scheiben gegossen, begegnen wir schon auf ägyptischen Denkmälern (Lepsius, „Ber. Berl. Akad." 1871, 40), und Darius I. Hess, nach Herodot (III, 96) Gold und Silber in irdene Gefässe giessen, die man nachher zerschlug, und dadurch Kuchen von Edelmetall gewann; solche enthielt auch der trojanische Schatz (Schliemann, „Ilios" 525 ff.; „Troja" 120, 346), wie denn auch das biblische „Kikkär" (Talent) eigentlich „Scheibe" bedeutet, und die ipO-olöeg xqivov der Griechen wörtlich „Goldscheiben", die aiXttvoq genannten Münzen der Spartaner „Kuchen" heissen (Schrader I, 123 ff.).*) Eine zweite Form des Zuckers, die Kegelform, stebt gleich- falls bei so vielen Völkern der verschiedensten Kulturstufen zu so mannigfaltigen Zwecken im Gebrauche, dass sich ihre Anwendung in zahlreichen Fällen gleichsam von selbst aufzudrängen scheint. In kegelförmig gerollten Düten aus Palmblättern bereiten die Indianer Guyanas und die Völker der Orinoko-Niederung ihr Pfeilgift (Humboldt, „Reise" IV, 82; Ratzel II, 581), und ebenso geformte Bastgeflechte benutzen die Neger Zentralafrikas, die Malayen, und die Bewohner Ozeaniens, als Filter (Ratzel III, 141; II, 420; Klemm IV, 385), und die Neger Kordofans als Behältnisse beim Salzhandel (Ratzel III, 143); die alten Ägypter bereiteten ihr Brot unter anderem auch in Kegelform (Woenig 177, mit Abbildung); die Römer besassen konische, bis einen Meter hohe Weinkrüge mit spitzigem Fusse (Klemm VIII, 321), die, ähnlich wie die im Orient gebräuchlichen Thonbütten (Low, 186) und wie die uralten cyprischen Weinkrüge (Mariti, „Del vino di Cipro", Flor. 1772), allein nicht aufrecht stehen konnten, sondern in die Erde eingesetzt werden mussten; von der Manna berichtet Athenäus („Ueipn." XI), dass man die anfangs flüssige Masse in hölzernen Gelassen erstarren lasse, welche, umgekehrt aufgestellt, die Gestalt eines „Klibanos" haben (Salmasius II, 715 ff), worunter eine, zum Brotbacken bestimmte konische Thonform zu verstehen ist, deren Gebrauch sich im Oriente bis *) Auch an die mit geschmolzenem (iolde gefüllton Opf'erstiibe bei Livius (I, 56), und in der „Sage vom Amleth" bei Saxo (iniramaticus CSimrock, .Die Quollen dos Shakespeare", Bonn 1872; 1, 114), soi erinnert. Die Ausbreitung d.Zuckerrphres nach Westen, u.d.Erfindung d. Raffination. 105 auf den heutigen Tag erhalten hat (Niebulir, „Arab." I, 71; Munck, „Palästina" I, 372; Ibn-Beithar J, 350 ff.; Gor- räus 231). Das Verdienst, diese Form zur Gestaltung des Ziickers angewandt zu haben, gebührt indes den Persern. Aus einem, in der Leydener Bibliothek vorhandenen handschriftlichen Kommentar unbestimmten Alters zum „Kitäb Mansüri" des Razi (gest. 923), citiert Dozy („Supplement mix dictionnaires arabes" I, 168b) den Satz: „Tabarsad bezeichnet die Kerne (den Inhalt) der Becherformen"; als y Wort für ..Becher" steht aber das gewöhnliche persische „Gäin", und durch den Gebrauch dieses Fremdwortes inmitten des arabischen Textes erweist jene bedeutsame Stelle die Kegelform des Zuckers ebenso als den Persern entlehnt, und persischen Ursprunges, wie dies die Namen Kand und Tabarsad für den raffinierten Zucker selbst ergeben. FÜNFTER ABSCHNITT. ■ Der Zucker am Hofe der Clialifen. Den Arabern, die als neues, in seiner Bedeutung nicht leicht zu überschätzendes Element, seit dem Auftreten Mohammed's (570—632) den Gang der weltgeschichtlichen Ereignisse zu beeinflussen beginnen, einem Volke, das sich, bis kurz vor Beginn seiner Blütezeit, altererbten, patriarchalischen Sitten gemäss, und inmitten eines von der Natur mit spärlichen Reizen ausgeschmückten Landes nomadisierend, entwickelt hatte, war, wie der orientalische Luxus überhaupt, so auch das Zuckerrohr und der Zucker ursprünglich unbekannt. In der ältesten Sammlung arabischer Volkslieder der frühesten Periode, der „Hamäsa" des Abu-Temmäm, — welcher nach den, um 943 verfassten „Goldwiesen" des Massudi (franz. "Ubers. von Barbier de Meynard, Paris 1861—1877; VII, 151 und 166), in den Jahren 805—846 lebte, sein Werk jedoch nicht mehr selbst veröffentlichte, — wird nur des Bambus- nicht des Zuckerrohres gedacht; so z. B. rufen zwei, dem nämlichen Stamme entsprossene Geschlechter, im Andenken an den gemeinsamen Altervater sicli zu („Hamäsa", deutsch von llückert, Stuttg. 1846; 1, 270): „Wir beide rufen ja „Nisar", — ihm boidoi'soit'ge Kinder; „Und zwischen uns soll sein im Schwang das Lanzenrohr der Inder?" Als Versüssungsmittel wird allein der Honig genannt; so heisst es (ebd. I, 300; II, 9; II, 41): „Du freilich wünschest Ehre wohlfeilen Kauft für dich. .Doch Honig ist zu kaufen nicht ohne Hienonstich. „Wie mancher, heimlich voll Erbitterungen, „Hat Gift im Herzen, Honig auf den Zungen." „Zwei Goschmäcke liatt' er, Honigwab' und Gall" „Und zu schmecken gab er die zwei überall." Der Zucker am Hofe der Chalifen. 107 Ebensowenig begegnen wir dem Zucker in den Gedichten des Amrilkais (deutsch von Rückert, Stuttg. 1843), welcher zur Zeit Justinians am luxuriösen Hofe der syrischen und persischen Vasallenfürsten verkehrte (Kremer II, 353), und manche anderen Spezereien und Arome indischen Ursprunges kannte; des Handels von Mekka nach Jemen und Syrien in dieser Zeit, gedenkt schon die „Hamäsa" (II, 17«), und auch die 106. Sure des Korans setzt ihn als bekannt voraus. Mohammed ' selbst war ein grosser Freund von Süssig- keiten. Abdallatif erzählt in seiner, gegen 1200 verfassten Beschreibung Ägyptens (franz. Übers, von de Sacy, Paris 1810; 107), dass er, als ihm Othman-ben-Affan zum ersten Male die von ihm erfundene Speise „Chabis", d. i. Datteln mit Sahne und Honig gemischt, vorsetzte, in höchstes Entzücken geriet, und begeistert ausrief: „Gott, Othman sucht deine Gnade, gewähre sie ihm!" Nach Kazwini (gest. 1283) war der Prophet sehr erfreut, als man ihm am Nauröz, „dem gewaltigen Festtage der Perser", einen silbernen Becher mit den „Süssigkeiten des Neujahrsfestes* brachte; er deutete den Tag nach seiner Weise aus, ass die Süssigkeiten, und verteilte sie auch an seine Genossen (Kazwini, deutsch von Ethe, Lpzg. 1868; I, 164). Ebenso nahm er mit grossem Wohlgefallen eine Gabe des berühmten Honigs von Bahna entgegen, die ihm der byzantinische Statthalter Ägyptens, im Jahre 7 der Hedschra, gesandt haben soll (Quatremere, „Memoire geographique et historique sur l'Egypte", Paris 1811; 1, 107). Die Tradition schreibt auch Mohammed an dreihundert Vorschriften medizinischen Inhaltes zu, in welchen Honig als Hauptmittel zur Erhaltung der Gesundheit genaunt, und mit Öl, Milch und allerlei Fruchtsäften zu heilsamen Getränken gemischt wird (Leclerc, „Histoire de la medecine arabe", Paris 1876; I, 30); sie berichtet ferner, dass Mohammed diese Kenntnisse dem Unigange mit Haret-ben- Kaladah verdankte, einem geborenen Araber, der seine ärztliche Bildung in Gondisapür empfangen hatte, und sogar in Indien gewesen sein soll (ebd. 1, 28; Rehiaud, „Mem." 310). Jedenfalls gilt es als sicher, dass die Araber in dieser, und der dem Auftreten des Propheten unmittelbar vorangehenden Zeit, medizinische Lehren aus Indien empfangen haben (Wüstenfeld, „Geschichte der arabischen Ärzte und Naturforscher", Göttingen 1840, 3). Im Koran, dessen jetzt vorliegende Fassung in allem Wesentlichen den Charakter ursprünglicher Echtheit bewahrt hat, wird gleichfalls das Zuckerrohr nicht erwähnt, und auch im Paradiese wird den Frommen nur ein schatten- und wasserreiches Getilde. 108 Fünfter Abschnitt. ■ I voll von Palmen, Reben und Fruchtbiiumen, verlieissen, sowie ein mit Kafur (Kampher) oder Sengebil (Ingwer) gewürzter Trank; die 76. Sure sagt darüber (Übersetzung von Rückert, Frankf. 1888): .Doch die Gerechten trinken aus ilon Schalen. „Gewürzt mit Kafur, ..Den Quell, aus welchem trinken Gottes Knechte, .Und lassen sprudeln seinen Sprudel; 1 ' .... ..Man reicht zum Trinken ihnen dort die Schale .Gewürzt mit, Sengebil, .Ans einem Quell dort, der genannt ist Selsebil." Die Tradition, welche über die dreissig Pflanzen berichtet, die Adam aus dem Paradiese mitnahm, nennt unter diesen das Zuckerrohr ebenfalls nicht (Massudi I, 61); hingegen war der Honig den Arabern wohl bekannt, und stand bei ihnen in hoher Verehrung, da Allah selbst, am 1. Schawwäl, dem Tage des Beirani- t'estes, den Bienen geoffenbart haben soll, wie sie Honig und Wachs zu bereiten hätten, und an demselben Tage auch den Erdenbewohnern diese Glückseligkeiten zuerteilte (Kazwini 148 und 164). In der 16. Sure des Korans, „Die Bienen", heisst es: .Und offenbaret hat der Herr der Biene: ..Nimm in Bergklüften deine Wohnung, ..In Bäumen, und in dem was Menschen anfbau'n; .Dann iss von allen Früchten „Und geh' die Wege deines Herrn in Demut. — „Aus Bienenloiborn kommt ein Saft .Von mannigfacher Farbe, .In ihm ist Heilung für die Menschen." Die erste Kenntnis des Zuckerrohres empfingen die Araber \ erst, als sich die Lehre des Propheten mit Waffengewalt auszu- I breiten begann, als Hira am unteren Euphrat 683 besetzt wurde (Tabari 502; Spiegel III, 534), die gewaltige Schlacht bei Ka- desia (636) den Sassaniden den Thron, dem persischen Reiche die Selbständigkeit raubte (ebd. III, 539), die Gründung Bassorahs, im Tigrisdelta, die Blüte Obollahs vernichtete, und der Handel in die Hände der Eroberer überging, die nunmehr Susiana und die fruchtbarsten Gefilde Mesopotamiens ihr Eigen nannten. Die Niederwerfung Chuzistans erfolgte in den Jahren 638—640, und wurde durch die Einnahme von Ahwäz gekrönt; so gross war in- dess der Eindruck, den die überlegene Kultur dieser Landstriche auf die Sieger machte, und so richtig und rasch der Einblick in die Vorteile, die man aus deren Ausnützung ziehen könne, dass der Chalif Omar, selbst nach glücklicher Unterdrückung eines Dov Zucker am Hofp der Chalifon. bald wach dem Einzüge seines Feldherrn erfolgten Aufstaudes, diesem die Gefangenen zu schonen und freizulassen befahl, „weil die Araber den Anbau der in diesen Provinzen üblichen Gewächse noch nicht genügend verständen" (Jakut 58ff und 60). Als Chosroes I. (531—578), nach Beendigung der von ihm befohlenen neuen Landesvermessung*), den bis dahin üblichen Zehnten aufhob, und feste Steuersätze einführte, betrugen diese: für je 6 Ölbäume oder 4—6 Dattelpalmen 1 Dirhem, für 1 Garib (= 3600 Quadratellen) Gerste oder Weizen 1 Dirhem, für 1 Garib Reis 5—6 Dirhem, für 1 Garib Luzerne 7 Dirhem, und für 1 Garib Weinstöcke 8 Dirhem**); alle übrigen Bodenerzeugnisse blieben steuerfrei „auf dass die Leute sich gut ernähren könnten", oder weil (wie auch zum Teil noch in späterer Zeit), „ihre Kultur zu eingeschränkt, auf den Betrieb im kleinen angewiesen, und nicht genügend im Verhältnisse zu den Schwierigkeiten und Kosten einer steuerlichen Überwachung sei" (Tabari 241ff, 245; Massudi II, 204). Nach vollzogener Eroberung Mesopotamiens, Hess Omar gleichfalls eine Landesvermessung ausführen, und setzte als Steuereinheiten für das Garib fest: 2 Dirhem für Gerste, 3 für Gemüse, 4 für Weizen, 5 für Baumwolle, und 6 für Zuckerrohr (Kremer I, 63 nach Belädhori und Abu-Jusuf); aus der Thatsache, dass bei Chosroes I. das Zuckerrohr noch gar nicht genannt wird, während wir es bei Omar als höchstbesteuerte Pflanzengattung vorfinden, kann man schliesseu, dass die Kultur desselben innerhalb etwa sechszig Jahren wesentlich fortgeschritten sein, sich zu einer viel allgemeineren, und in grösserem Massstabe betriebenen, entwickelt haben muss, und dass die Araber deren hohen Wert sogleich zu schätzen wussten. Nicht nur waren dieselben grosse Freunde von Süssigkeiten, wie schon daraus erhellt, dass neben den obengenannten Gewächsen auch Reis, Zuckerhirse, Reben, Palmen u. dergl. besteuert, Honig aber abgabenfrei war, und dass Omar als Naturalverpflegung für seine Truppen, neben Weizen, Öl, und Schmalz, auch Honig verlangte (Kremer I, 55 und 61); sondern sie zeichneten sich auch bei allen ihren Eroberungen, die sie nicht weniger der eigenen Tapferkeit und Begeisterung, als der Uneinigkeit, dem Ungeschick, und der Miss Wirtschaft der Feinde *) Nach Horodot (III, 89; VI, 42) fand eine solche, zu steuerlichen Zwecken, schon unter Darius I. statt. **) Der persische Dirhem enthielt ungefähr für 70 Pfennige Silber, der Bltere arabische für 40 (Nöldeke. „Tabari" 105, 245, 355); der Geldwert war natürlich, dem damaligen höheren Werte der Edelmetalle entsprechend, / 2 H 8 fi Diese Arznei hat, nach El-Kindi, bezüglich Wärme und Kälte eine völlig gleichmässige Mischung, da sich aber Trockenheit und Feuchtigkeit wie 2:1 verhalten, so ist sie im ersten Grade trocken, und wäre demnach da anzuwenden, wo „Säfte", welche überschüssige Feuchtigkeit im ersten Grade enthalten, eine Krankheit verursacht haben. — Die Qualitäten können aber auch beim nämlichen Stoffe wechseln, wenn man ihn in verschiedenen Zuständen anwendet, so z. B. ist Fanid trockener und hitziger als suleimanischer Zucker, und dieser wieder trockener und heisser als Tabarzed. El-Kindi berechnete nach diesen Grundsätzen, die zum Teil bis in das 17. Jahrhundert massgebend blieben, die Formeln einer grossen Anzahl von Arzneien; ganz besonderen Rufes erfreuten sich die seinen Namen tragenden Magenpillen, deren Hauptbestandteil brauner Zucker war. El-Basri und El-Scherif, die, nach Leclerc (1, 272) nur aus den Schriften des Räzi, als dessen Vorgänger bekannt sind, unterscheiden gleichfalls suleimanischen Zucker, Fanid und Tabarzed; letzteren müssen sie in sehr reinem Zustande in Händen gehabt haben, da sie dessen völlige Verbrennbar keit kennen (Ibn- Beithar II, 35 ff.). El-Scherif empfiehlt auch Zucker mit Rosen-, Veilchen- und Lavendelsyrup (ebd. I, 34), sowie Zucker mit Tabaschir als Mittel gegen Trunkenheit (ebd. I, 382); letztere Mischung rühmt auch Ibn-Jmrsui (gest. gegen 900) und stellt ihr Zucker mit Tamarixfrüchten an die Seite (ebd. I, 14). Sein Zeitgenosse Abu-Hanifa, der Verfasser eines in späterer Zeit sehr geschätzten „Buches der Pflanzen", schreibt die beste Heilwirkung dem Zucker aus Zingis zu, der gelb wie Citronen sei; vom Zuckerrohre nennt er drei Arten, die schwarze, die weisse Der Zucker am Hofe der Clmlifen. 123 und die gelbe, deren Saft ausgepresst und als Heilmittel getrunken werde, beim Krystallisieren aber festen Zucker gebe, den er mit dem persischen Namen el-kand bezeichnet (ebd. II, 304). Dem Rosen- und Veilchenzucker kommen auch nach ihm vorzügliche Wirkungen zu; die Wertschätzung dieser Blumen bei den Arabern ist wohl den Anpreisungen der griechischen Autoren zuzuschreiben: Theophrast („Eist, plant." VI, 6) lobt schon die Heilkraft der Rosen, Dioskorides die des Rosenhonigs, der Rosenpastillen und des Rosenöles*) („Mat. med.« 1, 55, 123, 124, 177), — dessen Darstellung durch Ausziehen mit Öl, und Abpressen desselben, auch Plinius kennt („Eist. Nat.« XV, 8)—, sowie die der Veilchen („Mat. med." I, 607). Die Araber selbst begannen erst im Laufe des 9. Jahrhunderts sich dem Studium der Medizin zuzuwenden (Kremer II, 183). Ihr erster bedeutender medizinischer Schriftsteller ist Razi (850—928' oder 932), der aus Ghorasan gebürtig war. und als Leibarzt des Chalifen Muktadir (908 — 932) in Bagdad lebte. Von seinen Werken sind die wichtigsten „el-Häwi", cl. h. „Behältnis der Medizin«, dessen 30 Bücher nur in sehr veränderter und entstellter Gestalt auf uns gekommen sind, und „Kitab Mansüri«, d. i. „Arzneibuch des Mansur«, in 10 Büchern; seine schriftstellerische*Thätig- keit muss eine sehr ausgebreitete gewesen sein, da die Titel von fast 200 Schriften bekannt sind, die ihm als Verfasser zugeschrieben werden (Wüstenfeld, 49). Mit der indischen Medizin war Rä/i sehr vertraut; nach Steinschneider („Virchow's Archiv» 1871- 487 ff.) zitiert er häufig den Charaka, dessen Werke Albiruni ( lndia« I, 159) die besten der indischen Litteratur nennt, den osa'I* T , am1ere u »g ena ™te Inder, nach Leclero (1, 284, fabn? k aUC ^ den T ? U8rUta ' d6n Se »dahchar, "** clen Can- K,l i b " 1 " ÜSaibiah nennt letztere " neb ™ Charaka, Katka Güdar und Manka (Gildemeister 94), erklärt jedoch Vangaha] als Namen, nicht einer Person, sondern eines Komplexes zahlreicher Sehnten indischen Ursprunges, unter denen sich auch ein „kitab al sokkar«, d. i. ein „Buch über den Zucker« befinde fiin „Über de sacharo« wird unter den von Räzi aus dem Indischen übersetzten Schriften angeführt (Wüstenfeld 5), und ist daher wahrscheinlich das dem Qangahal Zugehörige gewesen;' sichert, dass Razi v ie lfach aus indischen Quellen schöpfte, und dass H«Vf } ^f» i ll 5,' S^b, m > S,llbt Aphrodite den Leichnam de« Sektor mit Rosenöl; Gcllius (XIV, 6, 3) behauptet jedoch. Homer hab* «ne Kosen noch n,cht gekannt, ond obige Stella wäre daher anders m d««ten ^m 124 Fünfter Abschnitt. bei ihm, wie bei den Arabern überhaupt, die abergläubischen Elemente der Arzneimittellehre vornehmlich auf indische Einflüsse zurückzuführen sind (Steinschneider a. a. 0. 344). Die Kenntnis der arabisch-medizinischen Werke im Original, ist im ganzen leider noch gering (Haeser I, 560), so dass man zumeist auf die in barbarischem Latein abgefassten Übersetzungen aus dem frühen Mittelalter angewiesen ist; für Räzi liegt z. B. eine solche von Gerhard von Cremona (1114—1187) vor, die in Venedig, 1500, gedruckt ist. Zur Darstellung von Arzneien verwendet Räzi häufig noch Honig, weil dieser in vielen Fällen dem Zucker überlegen sei (S. 13), doch gebraucht er den letzteren schon so oft, und in so mannigfacher Weise, dass seine Vorschriften sichtlich nur die, während einer längeren Vorzeit von Anderen bewährt gefundenen zusammenfassen. Zuckerrohr ist nach Räzi milde und kühlend, heilsam für die Kehle, den Magen und die Nieren (14), und giebt einen Saft, der, zum Syrup eingedickt, den Durst löscht, und, mit Schnee gekühlt, die Hitze des Körpers, sowie das Fieber vertreibt (12; 92); Zucker selbst ist ein höchst heilsamer, niemals Schaden bringender Stoff, den jeder Arzt stets ohne alles Bedenken anwenden kann (94), der sich bei grosser Schwäche als gute und leichtverdauliche Nahrung bewährt (45), und daher, in Milch aufgelöst, ein vorzügliches Kraftmittel für Schwindsüchtige abgiebt. Räzi berichtet auch über erfolgreiche Kuren in verzweifelten Fällen von Magen- und Verdauungsleiden, die er mit Veilchen- und Rosenzucker ausführte (93), denen man, behufs Erhöhung der Wirkung, noch Korallen und Perlen zuzusetzen pflegte (104); als Sorten des Zuckers erwähnt er roten und braunen (68), gereinigten (66), weissen (42; 86), rein weissen (48), harten durchscheinenden Tabarzed (öl, 54, 61 ff., 82), Fanid (82, 92, 96, 104), den er als hitzig wie Honig, jedoch als nicht gallenbildend bezeichnet, und Diapenidion, einen durch Auflösen von Fanid bereiteten, zähflüssigen, schleimlösenden Brusttrank (104). Ausserordentlich mannigfach sind die, Zucker enthaltenden, zusammengesetzten Heilmittel; Räzi verwendet süssen Syrup von Veilchen, Rosen, Granaten, Johannisbeeren, Citrouen, Pflaumen (12), Maulbeeren, Nüssen, Suruach (20), Haselnüssen und Mohn (26); Zucker von Veilchen, Rosen, Myrobalanen (15), Äpfeln, Trauben (29), Feigen (38), Mandeln (26), Endivien, Sellerie und Portulak (98); Zucker mit Kuh-, Ziegen-, Esels- und Kamelmilch (26, 45), mit Milch, Butter, Mandelöl und Eiswasser (35, 81, 39), mit Milch und Reis, Milch, Butter und Brotkrume (58); Zucker mit Ingwer (18, 47), Koriander (36), Mohnsamen (55), IP^ Der Zucker am Hofe der Chalifen. 12. r , Kampher (80), Tamarinde (54), Mastix (62), Mastix und Aloe (76), Mastix, Ingwer und Pfeffer (96), und Moschus (92); Zucker mit Melonenkernen (21), Gurkenkernen (26), Flohsamen und Koriander (60), xmd Flohsamenschleim (53); Zucker mit Öl (51), Ol und gebranntem Salz (96), Mandelöl (61), Mandelöl und Wein (65), oder Mandelöl und Stärkemehl (66); Zucker mit Gersten- oder Weizenwasser (45, 64), nebst Öl und Eiswasser (65, 77); Zucker als sauren Syrup (45 ff., 51, 53), mit Kampher (53), Äpfel-, Quitten-, und Granatsaft (54, 64), oder Pflaumensaft mit Kampher (46); Zucker mit Tabaschir, als Mittel gegen Durst und Fieber (Ibn-Beithar II, 149), und dasselbe, mit Rosen, Koriander, Bernstein, Moschus und Zitronen, in Apfelsaft gekocht, als Spezifikum gegen Herzleiden (ebd. I, 392). Riizi kennt auch die Bereitung von Alkohol durch Gährung von Zucker-, Honig- oder Reiswasser, und die Verstärkung desselben durch Destillation über Ätzkalk oder gebrannte Holzasche (ebd. II, 250; Hoefer I, 342), und soll sogar zuerst dessen innerliche Anwendung gewagt haben (Sprengel, „Gesch. d. Arzneik." II, 407). Ibn-Serafiün, auch Serapion genannt, ein Zeitgenosse des Räzi (Wiistenfeld 49), dessen Werke , Praktika" und „De substantiis medicinarum", Simon Januensis, unter Interpretation des Juden Abraham von Tortosa um 1300 ins Lateinische übersetzte, sagt in der „Praktika" (Lyon, 1525, 130): „Zucker wirkt trocknend und kühlend, aber auch lösend und erleichternd, schadet dem Magen nicht, und verursacht keinen Durst, wie dies Honig thut; er ist eine Honigart, findet sich eingetrocknet auf gewissen Rohren Indiens und Arabiens, ist salzähnlich, und kracht beim Zer- beissen wie Salz; in Wasser gelöst und getrunken, ist er gut gegen Magen- und Nierenleiden, auch beseitigt er die Trübungen des Auges." Diese Stelle ist sehr bezeichnend für die Bemühungen der arabischen Ärzte, die ihnen wohlbekannten Eigenschaften des wirklichen Zuckers, mit den, von den griechischen Autoritäten für „Sakcharon" angegebenen zu vereinigen, sowie für ihre Gewohnheit, dieselben, wo diese Vereinigung nicht angeht, unbekümmert um Widersprüche, einfach nebeneinander zu stellen. Ibn-Serafiün empfiehlt gleichfalls 'Zuckerrohrsaft (19), Rohzucker (18), Fanid mit Veilchen- und Granatensyrup (29), und Tabarzed mit Veilchenoder Citronensaft (26, 89, 90); als äusserst heilsam erklärt er ferner Zucker mit Lotos- oder Korinthensyrap (Ibn-Beithar 11, H und 382). Ali-ben-Abbas aus Ahwäz (gest. 994), einer der bedeutendsten arabischen Ärzte, legt in seinem Hauptwerke „Maleki" ,-^XJF 126 Fünfter Abschnitt. (= königliches Buch), einein umfangreichen Kompendium der ge- sammten Medizin auf praktischer Grundlage, dem Zucker ebenfalls grosse Wichtigkeit bei, namentlich als Nahrungsmittel für neugeborene Kinder, und für Schwindsüchtige, denen er grosse Mengen gezuckerter Milch zu trinken anrät (Sprengel, „Gesch. d. Arzneik." II, 416; Leclerc I, 381). Ähnlich äussert sich auch sein Zeitgenosse El-Temimi (gest. um 1000), der im 11. und 12. Kapitel seines „Murschid" die Heilkräfte des Zuckers, der Manna, und des Tabaschirs behandelt (Leclerc J, 388). Alle seine Vorgänger verdunkelte indessen der grosse Ibn- Sina (Avicenna, 980—1037), Hauptrepräsentant der Medizin der Araber, und Verfasser von 105 Schriften (Wüstenfeld 72), unter denen sein „Kanon der Medizin" als die wichtigste aus dem Gesamtgebiete der arabischen Heilkunde hervorragt. Dieses Riesenwerk, welches durch über 600 Jahre lang die ganze medizinische Wissenschaft beherrschte, Gegenstand unzähliger Kommentare war, und im Orient noch jetzt in solchem Ansehen steht, dass 1871 eine neue indische Übersetzung desselben erschien (Leclerc II, 260), umfasst alle die verschiedenen Zweige der Heilkunde auf Grund der Schriften sämtlicher bedeutender griechischer, indischer, persischer, und arabischer Ärzte. Sein Hauptwert besteht in der breiten und vollständigen Behandlung der Gegenstände, und in deren logischer und systematischer Anordnung, — ein Vorzug, welcher den „Kanon" befähigte, Jahrhunderte zu überdauern, und keine andere Autorität neben sich aufkommen zu lassen, obwohl der vollendet methodischen Form kein ebensolcher Inhalt gegenüber steht. Avicenna ist nämlich ausschliesslich Theoretiker und Kompilator; er zerstückelt häufig die Angaben seiner Quellen, um sie nur bequem unter seine Paragraphen aufteilen zu können, ohne jede Rücksicht auf Sinn und Zusammenhang, und stellt die entgegengesetzten Ansichten der Autoren, ohne ein vermittelndes oder erklärendes Wort nebeneinander. Der „Kanon" enthält daher alles, und giebt Antworten auf jede Frage; diese zu sichten, und auf ihre Wahrheit zu prüfen, bleibt aber dem Fragenden überlassen. Vom Zucker kennt Avicenna verschiedene Arten: roten, suleimanischen, Fanid (Penid), Tabarzed, Milch (arabisches Wort = Salz, Farin), und Rohrhonig, d. i. Zuckerrohrsaft. Weisser Zucker soll reiner und kühlender als roter oder brauner, erweichend und erleichternd sein, die Krankheiten der Brust und des Halses heilen, das Phlegma des Marens zerstören, das Fieber vertreiben, und das Blut auffrischen; Fanid jedoch wird als sehr hitzig, gröber und zerfliesslicher als Zucker, und „ziemlich weiss" bezeichnet, auch Der Zuckes am Hole der Chaliien. 127 soll er wirksamer als der ebenfalls hitzige Bienenhonig sein. Die Beschreibung des Zuckers wird jedoch dadurch völlig verwirrt, dass auch Avicenna ihn mit dem „Sakcharon" der Alten, dem „indischen Salz" des Archigenes und Paulus Aegineta u. s. f. zu identifizieren sucht, und infolgedessen neben die richtigen Angaben über seinen Ursprung und seine Herstellung, auch völlig verkehrte und widersprechende setzt (Moseley a. a. 0.). Sehr ausführlich wird der Zucker im fünften Buche des »Kanon* behandelt, welches, dem Vorgange des Galenos entsprechend, die Arzneien in alphabetischer Ordnung, und zwar, bemerkenswerter Weise, der Reihenfolge des griechischen Alphabetes nach, aufzählt (Meyer, „Bot." 111, 196), und nicht weniger als 650 Mittel enthält (Sontheimer, „Die zusammengesetzten Heilmittel der Araber, nach dem fünften Buche des „Kanon" von lbn-Sina", Freiburg 1844). Von diesen werden über hundert mit Hilfe des Zuckers bereitet, und es ist charakteristisch, dass von 11, speziell als indischen Ursprunges bezeichneten, 7 nur braunen Zucker enthalten, 2 weissen, und 2 Zucker ohne nähere Bezeichnung, während in 92 anderen weisser Zucker 44mal, brauner 22mal, weisser und brauner zusammen 3mal, und Zucker ohne weite Angabe 25 mal vorkommt. Die Anwendung des Zuckers ist eine ganz allgemeine, selbst galenische Präparate, wie Sauerhonig, werden mittelst Zucker dargestellt (S. 109, 111); Syrupe, Konserven, und Pastillen mit Zucker, werden unzählige genannt, ■/.'. B. solche aus Quitten (117), Minzen (119), Birnen (121), Sumach (121), Äpfeln (120), Granaten (121, 134), Pflaumen (125), Rosen und Veilchen (139), Citronen (141), Garotten (143), Myrobalanen (144), Kastanien, u. dergl. Sehr oft wird Zucker mit Honig verordnet, ferner Zucker mit Manna (149, 150), mit Rosenwasser (113, 114, 139), mit Eisensalzen (60, 61, 89, 107), mit Kaffee, welcher als sehr schädlich und nervenreizend bezeichnet wird (130), und mit Tabaschir, teils für sich (22, 100, 102, 106, 149), teils in Verbindung mit Rosen, Kampher, Manna, Rumex, Berberis, Cus- cuta, u. dergl. (148—163); Zuckerrohrsaft (122), Zuckersyrup (81, 82, 89, 144), Syrupwasser (7), und Zuckerwasser (122) werden seltener genannt. Zucker findet sich auch als Beimischung zu einem Zahnpulver (238), als Bestandteil der berühmten Magenpillen des El-Kindi (170), sowie, in Form von Tabarzed, als Zusatz zu einem Pulver von universalem Heilvermögen, welches Aristoteles für Alexander den Grossen bereitet haben soll (101). Das Klären von Zuckerlösung mit Milch, das Abschäumen und das Filtrieren durch feines Leinen, das Stossen des Zuckers 128 Fünfter Abschnitt. im Mörser und das Sieben durch Seidengaze, findet sich ausführlich beschrieben (1.11, 28, 24, 105), ebenso die Anwendung der verschiedenen zuckerhaltigen Präparate, und deren pharmazeutische Wirkung. Zur Kräftigung dieser letzteren empfiehlt Avicenna Gold und Silber (51, 53), die er ausdrücklich als indische Mittel bezeichnet, und entweder in Form goldener und silberner Gefässe und Becher anzuwenden, oder den Arzneien in Substanz zuzusetzen rät; eine Spur dieses Aberglaubens, der, auf die Autorität des Avicenna hin, Jahrhunderte hindurch herrschend blieb, zeigt sich noch heute in der Sitte der Apotheken, Pillen zu vergolden oder zu versilbern (Haeser I, 584; Kremer II, 454ff.). Bei den Nachfolgern des Avicenna, unter denen besonders Ibn-Eltilmid (1073 — 1164) „der grösste Arzt seiner Zeit" hervorragt (Leclerc II, 25), findet sich wenig Selbständiges, insbesondere lehnt 3ich deren Arzneimittel-Lehre durchaus an die des Räzi und Avicenna an, so dass von ihnen der Satz Haller's gilt: „Omnes Arabes fratres sunt fraterrimi, ut qui unum eorum de planus legerit, legerit fere omnes", d. h. „die Araber sind sämmt- lich auf das Brüderlichste verbrüdert, und wenn du gelesen hast, was einer von ihnen über die Pflanzen sagt, so hast du sie so ziemlich alle gelesen" (Meyer, „Bot." III, 178). Einen bemerkenswerten Zug bildet nur die wachsende Vorliebe für komplizierte, aus recht zahlreichen, teils seltenen und kostbaren, teils widerwärtigen und ekelhaften Bestandteilen zusammengesetzte Mischungen, deren Darstellung und Anwendung die Arzneikunde immer mehr zu einem Schwindel ausarten liess, wie ihn schon die „Hamäsa" (II, 360) in den Worten einer unübertrefflichen Satire geisselt: „Arzneikunst ist vom Wissen das Nutzbarste; du streich' „Damit umher bei Menschen, im Fluge Staaren gleich. „Dazu stülp' oine Mütze dem Kopf auf, hoch und rund. „Gleich einer Geierkoppe, die wiege tausend Pfund. „Dann sammle aller Orten dir mancherlei Schartek', „Und grosse Bündel Kräuter für deine Apothek"; „Dann knete Pflastermassen, aus dickem Saft gemengt, „Und reibe Pulver und Salben, die man ins Auge sprengt: „Und gieb' nach Lust ihm Namen, arabisch von Geschmack, „Nenn Axnpher es und Kampher, und nenn' os Hack und Mack. „Und sag': dies kommt von Indien, von Aden dies herbei, „Und dieses aus dem Reiche der grossen Tataroi, „Und dieses hat im Meere von China seinen Sitz, „Und dies im Land der Borbern, drum heisst es Berberitz. „Siehst du nun Einen kranken an Wassersucht, so sprich-. „Die Haut ist ihm geschwollen von einem Wosponstich. „Won kaltes Fieber schüttelt, sag': er hat eben Frost; „Und wen das hitz'go, sag': er hat sich verbrannt am Rost. Der Zucker am Hofe dor Chalifen. 129 „Welch Kranker dir mag kommen, sei bang nicht, und verschreib' „Ihm etwas, was dir einfällt, und sehick's ihm in den Leib. „Wenn or genest: mein Mittel hat das Loben ihm vorlängt; „Und wenn er stirbt: vom Himmol war ihm dor Tod verhängt." Andererseits begünstigte indessen diese Vorliebe für vielfach gemischte und künstlich zubereitete Arzneien, die Entstehung besonderer Orte für ihre Darstellung, der Apotheken (Haeser I, 560). Die erste Erwähnung einer solchen finden wir 754 in Gon- disapür, wo sie in Verbindung mit dem dortigen Krankenhause stand (ebd. 1, 448ff.); um 810 waren Apotheker, die gleichzeitig den Gewürzhandel betrieben, bei den Arabern schon ziemlich gewöhnlich, und begleiteten auch die Armeen auf ihren Feldzügen (Kremer II, 184 und 453); die weitere Entwicklung der Pharmazie im Sinne der Neuzeit, haben wir ebenfalls den Arabern zu verdanken (Haeser I, 847), und die Anwendung und Verbreitung des Zuckers schritt Hand in Hand mit ihr fort. Zur Zeit des Aviceuna war der Zucker bereits so allgemein bekannt, dass auch die Dichter ihn oft erwähnen, und zu Vergleichen und Bildern benutzen, die hau Hg wieder einen llückschluss auf die Art seiner Verwendung zulassen. Pirdusi (940—1020), der grosse Zeitgenosse Avicenna's, der am Hofe des kriegerischen Sultans Mahmud von Ghazua lebte, und als Dichter des persischen Nationalepos „Schah-Nameh'' den Beinamen „der paradiesische" (= firdusi) empfing, lüsst z. B. den Gersives zu Afrasiab sagen (Übersetzung von Schack, Stuttg. 1877; II, 211): „Nimm einen jungen Löwen weg den Alton, „Hüll' ihn mit Sorgfalt oin in soid'no Falten, „Zieh ihn mit Honig, Milch und Zucker gross, „Und trag ihn Tag und Nacht auf deinem Schoss: „Kr wird, sobald erwachsen, doch ein Leu, „Und hat vor keinem Elefanten Scheu." Beim Einzüge des Kai Chosru am Hofe des Schah heisst es (II, 331): „Moschus und Rosenöl ward rings gesprengt. „In Scharon waren Sänger rings gedrängt, „Gold warf man, Kügelchon voll Zuckersüsse, „Den duftgetränkten Rossen vor die Küsse." Unter den Geschenken, die Kai Chosru verteilt (II, 359), werden diese „Duftkügelchen", wahrscheinlich aus parfümiertem Zucker bestehend, ebenfalls erwähnt, und dieselben scheinen daher ebensowohl zu Ehren-, wie zu Gnaden-Bezeigungen gedient zuhaben.*) *) Vermutlich ist die italienische Sitte, bei Feston „Confetti" zu werfen (s. G o eth o'sBeschreibung des römischen Karnevals), orientalischen Ursprunges. l*i |>pm sinn . OeaohiohtO ilcs Zuckers. *' 130 Fünfter Abschnitt. In seinem Gedichte „Jussuf und Suleicha* (deutsch von Schlechta, Wien 1889; 142) sagt Firdusi, indem er die Schönheit der Heldin in beredten Worten schildert: „Zwei Lippen auch, — man schwankte, ob Rubinen, „Ob Kandiszucker sie verwandter schienen." Hariri aus Bassorah (1054—1122) beklagt in der 1. Makame die Trennung von seiner Geliebten mit den Worten (ßückert, »Werke" XI, 234): „Der Abschied kam; sie stand im Schleier schwarzen Flor's, „Mit Perlonspitzen nagend Spitzen Zuckerrohrs" d. h. mit den Zähnen an den Fingerspitzen nagend; in der 1(>. Makame (ebd. XI, 346) befiehlt er als Beschluss eines feinen Gastmahles: „Sodann erscheine das Backwerk, „Das befriedigende Geschmackwork, „Und zum Sehluss, was man mit Honig anmacht „Und mit Zucker einmacht, „Was das Thor zumacht „Und den Markt reinmacht." Aber auch in übertragener Bedeutung anderer Art, als der in solchen Dichterwerken üblichen, kommt der Zucker vor: ein, im .lahre 995 verstorbener Poet, dessen Verse von Wohllaut überflössen, wurde Ibn-Sukkara (Sohn des Zuckers) genannt, und dieselbe Ehre erkannte man 1120 einem vorzüglichen Koran-Leser und -Kritiker zu (Ibn-Challikan III, 115; IV, 405)*); das Andenken eines anderen Mannes, dessen Lebenslauf ein Muster an Tugend und Beredsamkeit war (ebd. II, 387), lebt sogar unter dem Namen „Ibn-Tabarzed" durch die Jahrhunderte fort. *) In ähnlicher Weise fahrte Bernhard von Clairvaux (um 1200) den Titel: Doctor mellifluus. SECHSTER ABSCHNITT. Zuckerrohr und Zucker in den westlichen Provinzen des Chalifats. Von allen Ländern, denen die Wohlstand und Kultur spendende Hand der arabischen Eroberer, nebst anderen Pflanzen auch das Zuckerrohr zu teil werden Hess, hat keines für die Geschichte des Zuckers eine grössere Bedeutung erlangt, als Ägypten, die alte Heimat und Pflegestätte der Chemie und Alchemie. Es ist zwar behauptet worden, dass schon das ägyptische und semitische Altertum das Zuckerrohr gekannt hätte, und Gelehrte wie Sa Vary, Goguet, und de Pau, haben hierüber sogar ausführliche Angaben gemacht (Ritter IX, 275); doch unterliegt es keinem Zweifel, dass alle solchen auf Irrtum oder Missverständnis beruhen, und dass weder der Orienthandel Ägyptens, noch der Phöniciens, diesen Ländern das Zuckerrohr zuführten. Nach Brugsch fand die erste sogenannte Puntfahrt der Ägypter um 2500 v. Chr., von Kosseir aus statt, und erstreckte sich nach Südwestarabien und den gegenüberliegenden Küsten Ostafrikas, welche unter dem Namen Puntland zusammengefasst wurden; unter den zahlreichen Produkten dieser Landstriche wird Zuckerrohr niemals genannt (Götz 47 und 49), obwohl dieselben auch Waaren indischen Ursprunges mit umfassen, und schon der, aus dem Sanskrit abgeleitete Namen der Insel Sokotora (dvipa-sukha- tara es glückliche Inseln), für uralte Handelsbeziehungen mit Indien spricht (Lassen I, 884; II, 584). Gemälde und Inschriften uns der Zeit um 1700 v. Chr. (Dümichen, „Beschreibung des Tempels von Der-el-Baheri", Lp/.g. 1868) zählen als Kostbarkeiten arabischer Herkunft Weihrauch, Sandelholz, Zimmt, Elfenbein, Gummi, Silber, Gold, Affen, und lebende Weihrauchbäume in Kübeln auf, fchan aber des Zuckerrohrs keine Erwähnung; auch Woenig nennt dasselbe nicht unter den Pflanzen des alten Ägyptens (die Honigpflanze Cheb, S. 394, ist damit unmöglich zu verwechseln). 9* 132 Sechster Abschnitt. Auch die Phönicier kannten, trotz ihres lebhaften Karawanen- verkehrs mit Arabien, das Zuckerrohr nicht (Movers, „Das phöni- cische Altertum" 1856; III, 99 und 299), und unter den Luxuswaren, die sie von ihren Fahrten nach dem Lande Ophir, welches Lieblein für identisch mit dem Puntlande erklärt, zur Zeit Salomos (um 1000 v. Chr.) heimbrachten, wird es nicht aufgeführt (Götz, 99 und 123); dasselbe gilt für den Pentateuch, dessen erste vier Bücher, nach Nöldeke, aus dem 9. oder 10. vorchristlichen Jahrhunderte stammen, zum Teil aber erst im 6. ihre jetzige Gestalt empfangen haben, und für die Bücher Samuelis, von denen nur Bruchstücke im 9. und 8. Jahrhundert verfasst sein dürften (Rosenmüller, „Handbuch der biblischen Altertumskunde", Lpzg. 1830; Hamilton, „La botanique de la bible", Nizza 1871). Das Rohr, welches im Exodus (30, 28), bei Jeremias (6, 20), bei Jesaias (43, 24), und in der glänzenden Schilderung des syrischen Grossverkehres im 6. Jahrhundert, bei Ezechiel (27, 17 und 19) genannt wird, ist entweder Zimmtrinde (Plückiger und Han- bury, „Histoire des drogues d'origine Yegetale", Paris 1878; II, 559), oder, nach Gesenius (s. Lassen II, 558), der wohlriechende Kalmus, Acorus Calamus. Jedenfalls ist aber die, besonders in England übliche Übersetzung mit „Sweet-Cane", unrichtig, obwohl der Name „Canna", unter dem im Mittelalter häufig auch das Zuckerrohr verstanden wird, allerdings aus semitischer Quelle stammen soll (Hehn, 211); dass die, im Hinblick auf diese, von Mei- bomius („De cerevisiis" II, 52) gegebene Ableitung des Wortes „Saccharum" vom hebräischen „schachar" (= trunken machen, in Beziehung auf den gegohrnen Rohrsaft) unsinnig ist, hat schon Hoff mann erkannt (Hoffmann-Maederjan, „Dissertatio de sa- charo", Halle 1701). Von besonderer Wichtigkeit für die vorliegende Frage ist es, dass, wie die Bibel, so auch die „Mischnah" und der „Talmud", welcher in seiner jetzigen Fassung während des 6. nachchristlichen Jahrhunderts abgeschlossen wurde (Sprengel, „Bot." I, 176), das Zuckerrohr nicht kennt; die gegenteiligen Angaben SprengeFs (a. a. 0.) und Mahn's („Etymologische Forschungen" 154) sind nach Low (S. 345) unrichtig, und rühren von einer unzulässigen Identifizierung zweier ähnlich geschriebener Worte her. Die erste Erwähnung des Zuckerrohres findet sich vielmehr erst in den vom Rabbi Simon von Kahira (gegen 900) verfassten „Halachoth gedoloth"; von da ab sprechen die halachi- schen Schriften öfter darüber, weil der Saft, den man aus dem Rohre sog, nach den Regeln der Speisegesetze nicht leicht zu klassifizieren war, und ebenso gedenken sie auch des festen Zuckerrohr und Zucker in den westlichen Provinzen des Ohalifats. 133 Zuckers, sowie mit Zucker eingemachter Früchte, B, B. des Ingwers (Low 139). Nach allem diesem kann es als gesichert gelten, dass das Zuckerrohr in Ägypten, solange dieses selbständiger Staat, römische, und byzantinische Provinz war, nicht nachweisbar ist. Ritter vertritt die Meinung, es sei dahin nilahwärts, von Nubien oder üongola aus, und in diese Länder direkt aus Indien oder Persien gekommen (S. 380); es wäre dies dieselbe Verbreitungslinie wie die der Baumwolle (Sehrader I, 204), und entspräche einer der ältesten und befahrensten Handelsstrassen der Welt. Während aber betreff der Baumwolle Plinius erwähnt, dass sie wirklich zuerst in den, Arabien zugewandten Teilen Oberägyptens gebaut wurde, fehlt bisher ein gleicher Nachweis für das Zuckerrohr, und es wäre auch auffällig, dass dasselbe, wenn überhaupt, erst in so später Zeit, diesen W T eg eingeschlagen haben sollte. Es muss vielmehr als wahrscheinlicher gelten, dass die Araber das Zuckerrohr am Landwege, und zuerst nach Unterägypten einführten, als sie nach der völligen Eroberung Ägyptens durch Amru (640 —643), welche, wie die „Papyrus Rainer" beweisen, mit grösster Umsicht und Schonung der Bevölkerung geschah, sogleich begannen, durch bessere Verwaltung, und Schaffung neuer Einnahms- quellen, den Wohlstand der Provinz und deren Steuererträgnis, zu vermehren, und zu steigern.*) Hierzu scheint die Kultur des Zuckerrohres eines der wirksamsten Mittel gewesen zu sein, um so mehr als die Fabrikation, und besonders die Raffination des Zuckers, sich bald zu einer Vollkommenheit aufschwang, die in keinem anderen Teile des Chalifenreiches ihresgleichen fand, und Ägypten, auch für die .asiatischen Provinzen desselben, zum alleinigen Lieferanten der feinsten Zuckersorten erhob. Über die Technik der ägyptischen Zuckerfabrikation scheint aus arabischen Quellen nichts überliefert zu sein, vermutlich weil in Ägypten, wie schon in früherer, so auch in späterer Zeit, die Darstellung der kostbareren technisch-chemischen Produkte ein Hoheitsrecht, oder die Geheimkunst besonderer Zünfte war (Kopp, „Beitr." I, 90); die bedeutendsten Fortschritte sind jedoch zweifellos durch Anwendung der Kenntnisse aus dem Gebiete der Chemie und Al- chemie gemacht worden, welche sich seit vielen Jahrhunderten in Ägypten der eifrigsten Pilege erfreuten, und die Aufmerksamkeit *) Nach Volz (168 und 172) fallt auch dio Einführung der zur Sodafabrikation dienenden Salzpflanzen, sowie die dos Reises nach Ägypten, in die nämliche Zeit; Straho sah übrigens schon Reis in Bakterien, Babylonien. Snsiana und Syrien (XV, 1, 18). 134 Sechster Abschnitt. der arabischen Eroberer von Anfang an auf sich lenkten. Schon der omajjadische Prinz Chalid Ibn-Jezid (635—704), betrieb alchemistische, medizinische und astrologische Studien, und Hess zu diesem Zwecke durch Stephanus den Alteren von Alexandria, Werke dieser Richtung ins Arabische übertragen, welche Arbeiten als die ersten überhaupt existierenden arabischen Übersetzungen aus fremden Sprachen, bezeichnet werden (Kremer II, 409; Kopp, „Beitr." III, 11; Meyer, „Bot." III, 98). Auch spätere alidische Prinzen legten der Alchemie grossen Wert bei, betrieben sie selbst, und Hessen sie von Anderen ausüben; besondere Gelehrsamkeit soll besonders der Prinz üschafar Essadik entfaltet haben, als dessen Schüler der berühmte Geber genannt wird. Dieser Chemiker, den Steinschneider („Virchow's Archiv" 1871, 364) eine „fast mythische Person" nennt, und über dessen, in die Mitte des achten Jahrhundertes verlegten Lebenslauf, so gut wie nichts bekannt ist (Kopp, „Beitr." III, 14), beschreibt zuerst geeignete und wirklich zweckmässige Vorrichtungen zum Filtrieren, Destillieren, Subli- mieren und Krystallisieren, kennt Wasser- und Aschenbäder, giebt Vorschriften zur Darstellung von Ätzalkalien durch Auswaschen eines Gemisches von Asche und gebranntem Kalk auf Filtern, und benützt die so kaustifizierte Lauge zu verschiedenen Zwecken, z. B. zur Darstellung von Schwefelmilch (Kopp, „Beitr." 111,39; Hoefer I, 337). Die Anwendung dieser Lauge, der Alkalien und alkalischen Erden, sowie überhaupt der Chemikalien, zur Reinigung des Zuckerrohrsaftes, ist aber der wichtigste Fortschritt, den die Kunst der Zuckererzeugung auf ägyptischem Boden gemacht hat. Den ersten Anstoss zu demselben mögen die Angaben der klassischen Autoren gegeben haben, deren Werke den ägyptischen Forschern wohl bekannt, und, während der Blütezeit der Alchemie, Gegenstand eifrigen Studiums und unzähliger Kommentare waren. Schon Plinius empfiehlt die Anwendung von Asche, Kalk und Gyps zur Verbesserung saurer Weine und zur Konservierung des Mostes („Hist. Nat." XIV, 20 und 25; XXXVI, 48), und Colu- mella (XII, 20) stimmt ihm darin bei. Dioskorides beschreibt ausführlich die Darstellung des Ätzkalkes („Mat. med." V, 132), unterscheidet das zerfliessliche Alkali aus der Asche des Holzes, der Hefe, und des Weinsteines, also das kohlensaure Kalium, vom „Nitron" aus dem Wasser der Bitterseen (ebd. V, 134; „Liber de venenis" 9), dem kohlensauren Natrium, und kennt auch die Einwirkung des Kalkes auf das letztere („de fac. par." II, 200). Wie Plinius („Hist. Nat." XIV, 11), so bereitet auch er Arzneien aus Honig und Ätzkalk, Honig und Ätzkali, oder Honig mit Asche Zuckerrohr und Zucker in den westlichen Provinzen des Chalifats. 135 und Ätzkalk, wobei also das Ätzalkali erst innerhalb der Mischung erzeugt wird („de fac. par." I, 148, 149, 154; 11, 62); dieselben Heilmittel wendet auch Galenus an, und unterscheidet gleichfalls die Asche der Kleearten und des Holzes, vom „Nitrum" der bitteren Quellen; ebenso ist bei Demokritos (Kopp, „Beitr." 1, 138 und 143) und bei der Alchcmistin Maria (Hoefer I, 284) von Gemischen aus Honig und Aschenwasser, oder Honig, Aschenlauge und Ätzkalk, die Rede. Ibn-Beithar giebt ausdrücklich an, die Anwendung des Ätzkalkes zur Bereitung von Laugen aus dem „Nitrum" der Seeen oder der Wüste, sowie aus der Asche der Salzpflanzen, welche für das Vieh der Hirten und Nomaden von so grossem Werte seien (s. Abulfeda II, 200), werde in Ägypten seit jeher als wichtige Erfindung angesehen und ausgeübt (s. Strabo XVH, 1, 23), und das Nämliche berichtet noch nach Jahrhunderten Bellonius (bei Clusius 137), der die Wüste bei Kairo mit solchen Mengen glänzender Sodakrystalle bedeckt sah, dass die Kamele darin, wie im Schnee, Hufspuren hinterliessen. Auch den Alaun verwendet Dioskorides zum Klären und Reinigen kalter und warmer Honiglösungen („Mat. med." 11, 101; V, 122; „de fac. par." 1, 171; 11, 72), und die arabischen Ärzte folgten ihm darin nach (Räzi 29, und bei Ibn-Beithar II, 84; Avicenna 126); lläzi benutzt jedoch zum Klären von Wein, Obstsäften und Honig, auch Thonerde (Ibn-Beithar II, 473ff.), und Avicenna (54, 126) Myrobalanenwasser oder Galläpfelabsud (also Gerbsäure), für sich, oder in Verbindung mit Alaun. Das Eiweiss beschreibt Dioskorides („Mat. med.* II, 55) ohne seiner Gerinnbarkeit besondere Erwähnung zu thun, und verwendet es als Heilmittel zusammen mit Honig, Gummi, Manna und Stärkemehl („de fac. par." I, 124 und 178; II, 27); Razi und Avicenna kennen es jedoch sicher als koagulierbar, und klären Honig und allerlei Pflanzensäfte durch Zusatz von Eiweiss, und Aufkochen der Lösung (Ibn-Beithar II, 473ff.)*) Wie nun der Zucker überhaupt ein ursprünglich rein medizinisches Mittel war, und dann allmählich auch andere Anwendungen fand, so dürften auch die angeführten, in der Pharmacie seit langem bekannten Reinigungs-Methoden, nach und nach zu anderen technischen Zwecken benutzt, und vom Honig auf den verwandten Zucker übertragen worden sein; solche Arbeiten auszuführen, und in grossem Massstabe ins Werk zu setzen, war aber keine Hand geeigneter, als die der ägyptischen *) Das Klaren dos durch Leinwand filtrierton Weines mit Taubeneiern erwähnt jedoch schon Horaz (.Satiren" II, 4). 136 Sechster Abschnitt. Chemiker, welche sich schon seit Jahrhunderten mit der Reindar- stellung und Untersuchung vieler für die Technik (Färberei, Glasfabrikation etc.) wichtiger Präparate beschäftigt hatten, z. B. der Soda, des Salpeters, des Alauns, des Kupfervitriols, und anderer mehr. Marcus Graecus z. B., der zu Anfang des 8. .lahrhundertes ein „Liber ignium" verfasste, in welchem er unter anderem auch die Bereitung des Schiesspulvers beschrieb, erwähnt die Reinigung des Salpeters und anderer Salze durch Lösen in siedendem Wasser, Filtrieren und Abkühlen, und Abziehen der Mutterlauge, als eine längst bekannte Sache (Hoefer I, 308), und in der That sagt .schon Plinius (VI, 94) betreff des Vitriols: „Die eingedickte Lösung giesst man in hölzerne Kübel, über welchen Querstangen befestigt sind, von denen mit Steinchen angespannte Stricke in den Kübel hinabhängen, woran sich der aufgelöste Stoff wie in gläsernen Beeren, gleichsam traubig anhängt." Indem die Ägypter diese Verfahren auf die, mit Hülfe von Alkalien, Kalk und anderen Chemikalien geklärten Zuckerlösungen anwandten, gelangten sie einerseits zur Kandisfabrikation, andererseits lernten sie, die Zuckermassen, statt durch fortgesetztes Umkochen, durch Ablaufenlassen der zwischen den Krystallen verbleibenden Mutterlauge, und durch künstliches Verdrängen derselben (sog. Decken), zu reinigen, und zu verfeinern. In beiden Künsten brachten sie es frühzeitig zur grössten Meisterschaft, und lieferten Produkte von einzig dastehender Vollkommenheit. Dass in der That der Zusatz von Chemikalien, speziell von Alkalien, das Geheimnis des ägyptischen Raffinations-Verfahrens ausmachte, geht in deutlicher Weise aus einer Stelle bei Marco Polo (Ausgabe von Yule; II, 208) hervor; der grosse venetianische Reisende spricht daselbst von der Eroberung der Stadt Unguen in China, durch die Mongolen unter Kublai-Chan, und sagt: „Bevor die Stadt unter seiner Herrschaft stand, wussten die Leute dort nichts vom Raffinieren, sondern der Saft wurde nur gekocht und abgeschäumt, und gab beim Erkalten eine schwarze Paste; zur Zeit aber als Kublai-Chan die Stadt einnahm, waren einige Leute aus Babylon (uomini di Bambillonia) an seinem Hofe, und diese kamen in die Stadt hin, und lehrten die Einwohner das Raffinieren des Zuckers mittelst gewisser Pflanzenaschen." Babylon bedeutet jedoch nicht, wie Ritter annahm, das ehemals assyrische Babylon oder gar Bagdad, sondern Kairo, dessen Altstadt noch jetzt Babul heisst (Yule I, 24; II, 212), und das im ganzen Mittelalter „Bambillonia d'Egitto", d. i. das äpytische Babylon, genannt wurde, und zwar nach dem befestigten Schlosse „Babylon", welches ■PBi "■ zitS L iM'MilH Üi töZ i Zuckerrohr und Zucker in den westlichen Provinzen des Chalii'ats. 137 nach Diodor (I, 56), Strabo (XVII, 1,30), und Abulfeda (II, 163), schon zur Zeit der Pharaonen, von babylonischen Gefangenen, die nach Ägypten verpflanzt worden waren, erbaut wurde, und daher seinen Namen empfing. Wie nach China, so kam das ägyptische Raffinationsverfahren auch nach Persien, und von da aus nach Nordindien zurück, ohne jedoch in letzteren Ländern jemals denselben Grad der Vollendung zu erreichen, wie in Ägypten, ja ohne daselbst völlig heimisch zu werden. Von der rohesten Gestalt desselben können uns die, noch jetzt in Nordindien gebräuchlichen Verfeinerungs - Methoden eine Vorstellung geben. Nach Reed („The history" etc. 112 ff.) füllt man hierbei Goor (Rohzucker) in geflochtene Körbe oder durchlochte Töpfe, legt mehrere Finger hoch Gras darauf, begiesst dieses mit soviel Wasser, dass es langsam durchsickert, lässt den hierdurch entstehenden Syrup abtropfen, kratzt die oberste gebleichte Schicht ab, legt frisches nasses Gras auf, und setzt dies so fort; man erhält 30—40°/ 0 des Goor in Form eines mehr oder weniger weissen Zuckers, Dulloah oder Doolo (dieser Namen hängt jedenfalls mit dem oben angeführten Sanskritwort „madkudhuli fc zusammen), der in der Sonne zu einer körnigen, beim Aufbewahren jedoch zerfliesslichen Masse, eintrocknet. Um ein besseres Produkt zu gewinnen, löst man Khaur (durcli Besprengen mit Wasser, und Abpressen gereinigten Goor) in Wasser, kocht auf, versetzt den Syrup mit Pflanzenasche, schäumt ab, filtriert durch ein Tuch, kocht die Masse soweit ein, dass sie beim Erkalten fest wird, und deckt sie dann mittelst Gras aus; sie heisst Gurpatta, und ist trocken genug, um auch während der Regenzeit haltbar zu sein. Indem man auf dieselbe Weise, statt des Khaur den reineren Dulloah behandelt, erhält man noch besseren und weisseren Zucker, der aber gleichfalls nur ein loses Haufwerk, und niemals feste, zusammenhängende Krystalhuassen bildet. Die eigentliche Raffinade, also Stückzucker, sowie der Kandis, sind in Indien niemals erzeugt worden, sondern stets ein Fremdprodukt geblieben, dessen Ursprungsland der, noch heutzutage für diese beiden Formen übliche Namen „Misri" (= ägyptischer oder Kairo-Zucker, da Kairo „Misr" heisst) verrät (Grierson 232 ff.; Philipp, bei Yule II, 212; „Ena Brit." a. a. 0., 625). Die Kultur des Zuckerrohres scheint in Ägypten von Anfang an rasche Fortschritte gemacht zu haben, da es um die Mitte des 8. Jahrhunderts nicht nur im Delta und Unterägypten, sondern nachweislich auch schon in Assuan angebaut wurde (Reed 2). Massudi, der seine „Goldwiesen" 943 verfasste, berichtet schon, 138 Sechster Abschnitt. dass es nirgends in der Welt mehr und besseren Zucker gebe, als in Ägypten (IX, 313), und unter der Dynastie der Fatimiden, welche 970 zur Regierung kam, wurde, wie Makrizi (13G4—1441) angiebt, ein so unerhörter Luxus mit Zucker und Zuckerwaren getrieben, dass nicht nur die Menge und Mannigfaltigkeit derselben, sondern auch ihre Vollendung, die auf eine langandauernde Übungszeit zurückschliessen lässt, Erstaunen erregt. Nassiri Chosrau, welcher gegen 1040 Ägypten bereiste, berichtet („Sefer Namen" 158): „Zur Ausschmückung der Festtafel des Sultans bei der Feier des Ramazan, waren 50 000 Men (= 76 300 Kilogramm) Zucker verwendet worden; auf der Tafel stand ein Orangenbaum, dessen Zweige, Blätter, und Früchte ganz aus Zucker waren, ferner standen daselbst 1000 Statuetten und Figuren aus Zucker." Makrizi liefert eine ganz übereinstimmende Schilderung für das Ramazanfest des Jahres 990, und bemerkt, dass die zuckernen Schlösser, Bäume, Statuen und Figuren, vom Polizei- und Gerichts-Präsidenten beigesteuert werden mussten; dem obersten Kadi und der höheren Geistlichkeit durften jedoch Speisen in Form menschlicher oder tierischer Figuren nicht vorgesetzt werden, um durch den Anblick solcher, den Gesetzen des Korans widersprechender Nachbildungen, der Orthodoxie derselben keinen Anstoss zu geben (Schack, „Poesie und Kunst der Araber in Spanien und Sizilien«, Berl. 1865; 11, 167), Ebenso herrschte, nach Al- Hamadäni, bei der Hochzeit des Kalifen Al-Muktadi-Billah mit der Tochter des Malek-Schäh (1087), eine derartige Verschwendung, dass bei einem einzigen Bankette, welches der Herrscher dem Geleite der Braut gab, 40 000 Men (= 61040 Kilogramm) Zucker aufgingen (Ibn-Challikan 111, 444). Das Vorhandensein von Zuckermengen, welche die Abhaltung von Festen der geschilderten Art gestatten, setzt die Existenz einer bedeutenden und wohlentwickelten Industrie voraus; Nassiri Chosrau berichtet denn auch (118: 150), dass ganz Ägypten von Kanälen mit unzähligen Wasseradern durchzogen sei, und auf sorgfältig gepflegten Feldern eine ganz ungeheuere Menge Zucker produziere, — worin auch El-Bekri (um 1050) und Ali-el- Herewi (gegen 1100) ihm beistimmen. Nach Makrizi war zu dieser Zeit Koft (Coptos) ein Hauptsitz der Industrie, von deren Umfange es eine Vorstellung giebt, dass dieser Ort, der sich bald darauf zu Gunsten von Kus entvölkerte, um das Jahr 1300, als die Gegend schon sehr verödet war, „nur mehr 6 Zuckerfabriken und einige 40 Raffinerien" besass (Quatremere, „Mein." I, 149). Vom Kalifen Al-Hakim Bi-Amr-Ulah (996 — 1021), einem Zuckerrohr und Zucker in den westlichen Provinzen des Chalifate. J39 höchst willkürlichen, despotischen, und in seiner späteren Lebenszeit vielleicht nicht ganz geistesklaren Herrscher (Müller, „Der Islam im Morgenland und Abendland", Berl. 1885; 1, 629), wird schon gemeldet, er habe ein Zacker-Monopol einzuführen versucht; er Hess 5000 Fass Honig in den Nil werfen (Ibn Challikan 111, 449), „sodann," sagt Makrizi, „sperrte man alle Zuckerfabriken, verbot allen Leuten, sich fernerhin mit der Herstellung und dem Kochen des Zuckers zu beschäftigen, und hinderte die Verkäufer von Zucker werk (HaiWO.) und Zucker, andern Zucker als den des Sultans zu kaufen, denn niemand mehr sollte Zucker erzeugen, und verkaufen dürfen als er, und niemand anderwärts Zucker einkaufen als bei ihm. Diese Massregel stürzte viele Leute ins "Verderben und Elend. Man richtete eine eigene Verkaufsstelle ein, deren Beamte den Vertrieb des Zuckers überwachten, und aller fremde Zucker wurde mit Beschlag belegt. Auch forderte der Sultan das Monopol auf die Anwendung der Maschinen zum Begiessen des Zuckerrohres, zum Auspressen desselben, und zur Verwandlung des eingedickten Saftes inZucker" (Abulmahäsin „Geschichte Ägyptens", zitiert in Makrizi's „Histoire des Sultans mamlouks de l'Egypte", ed. Quatremere, Paris 1837; H, 3). Diese Maschinen waren teils Rührwerke, welche die in den Kesseln kochende Zuckermasse in Bewegung hielten, und die Krystallisation, welche man durch Beimischen fertigen Zuckers anzuregen wusste, begünstigen sollten (s. auch Ibn-Batuta I, 187, der dasselbe von der Darstellung des Traubenzuckers berichtet), — denn Makrizi, sagt ausdrücklich, dass sie in den Gebäuden aufgestellt waren, die zum Kochen des Zuckers dienten; teils waren es Schöpfwerke aller Art, entweder Schrauberipumpen, die schon im alten Babylonien und Ägypten bekannt waren (Diodor I, 34; 11, 10; V, 37. Strabo XVI 1, ö; XVII, 1, 30. Vitruv X, 11), und später nach Archimedes, der sie vermutlich letzterem Lande entlehnte, benannt wurden, oder Wasserräder verschiedener Grösse und Konstruktion. Solche Räder unterlagen einer entsprechenden Steuer*), die als sehr drückend empfunden, und deshalb wiederholt, z. B. 1279 durch Mansur- Kelaiin aufgehoben, später aber wieder eingeführt wurde (Makrizi a. a. ().); ein grosses Rad z. B., das die Palmen-, Reben- und Zuckerrohrfelder bei Asna bewässerte, hatte eine jährliche Abgabe von 10 Dinar zu entrichten (Makrizi, bei Quatremere, *) Nach Rätsel (111, 139) wird in Dongola noch jetzt der Anbau der Felder nach der Zahl der Wasserräder eingeschätzt, und der Gebrauch von Schöpfwerken mit Ochsonbotrieb ist hoch besteuert. 140 Sechster Abschnitt. „Mein." I, 274), was, da 1 Dinar für etwa 12 Mark Gold enthielt (Kremer I, 15), einem Goldwerte von etwa 120 Mark entspricht, dessen Geldwert indes heute natürlich ein vielfach (mindestens zehn- bis zwölffach) höherer wäre. Die Angabe Roziere („Observations sur la physique", Paris 1788), dass man es in damaliger Zeit bereits verstand, den Wert und die Gtite des Zuckersaftes durch eigene Instrumente zu prüfen, kann keinem Zweifel mehr unterliegen, seit man weiss, wie weit die Geschichte des Aräometers zurückreicht. Rhamnius Fannius Palaemon erwähnt es schon um 50 n. Chr. in seinem, zur Zeit des Kaisers Claudius verfassten Lehrgedichte „Über Maasse und Cewichte" (Peters, „Aus pharmazeutischer Vorzeit", Berl. 1889; II, 265), und Synesius (gest. 415), der zur höchsten Blütezeit der Alchemie in Alexandria lebte, beschreibt dasselbe in seinem 15. Briefe an Hypatia mit den Worten: „Es ist eine cylindrische Röhre mit wagrechten Teilstrichen versehen, welche angeben, wie tief die Spindel in eine Flüssigkeit einsinkt; damit sie aufrecht schwimme, ist am unteren Ende ein kleines Gewicht, Baryllion, befestigt." Im 6. Jahrhundert waren Aräometer schon im allgemeinen Gebrauche, denn der Grammatiker Priscianus (gest. 528) giebt in seinem, in lateinischen Versen abgefassten Werke „De ponderibus et mensuris" (= „über Gewichte und Maasse") deren Herstellung aus Silber- oder Kupferblech, und die Art ihrer Anwendung genau an; auch muss die Empfindlichkeit dieser Spindeln eine bedeutende gewesen sein, da Priscianus die verschiedenen Dichten des Fluss-, Teich- und Meerwassers anführt, und auch das Verhältnis der Speeifischen Gewichte von Wasser, Öl und Honig fast ganz richtig wiedergiebt (Hoeferl, 281; Kopp, „Beitr." I, 145; Beckmann, „Beitr." IV, 249).*) Zur Zeit Edrisis (gegen 1150) war die Gegend um Kairo, wo schon ein Jahrhundert vorher El-Bekri bei Terenut, am linken Nilufer, Zucker-Mühlen sah („Journal asiatique" V, Bd. 12, 415), weit und breit ein einziges wohlbewässertes Zuckerrohrfeld, und die Stadt selbst voll von Zucker, und übereich an Süssigkeiten aller Art (Edrisi I, 302 und 804); Cais und Miniet am Nil (1, 124), sowie Chamein (I, 314) waren rings von Zuckerrohr umgeben, und in Terfet und Sennista bei Fayum, machte man Massen von Rohzucker und Zucker in Hüten, der zumeist nach Kairo ge- *) Dio Kenntnis des Aräometer» scheint später verloren gegangen zu sein; nach Beckmann (a. a. O. 268) beschreibt ihn der Salzsieder Johann Thöldon, in seiner „Haligraphia", Lpzg. 1003, zuerst wieder, jedoch sichtlich nicht als ganz neu. Zuckerrohr und Zucker in den westlichen Provinzen des Chalif'ats. 141 bracht wurde (I, 129); ebenso war auch die Oasis zwischen Ägypten und dem Sudan reich an Zuckerrohr, das bei guter Bewässerung vortrefflich gedieh (ebd. I, 123). Nach Abulfeda hatte, nächst Kairo, Kus, eine der wichtigsten Städte Ägyptens, der Sammelplatz der Kaufleute aus Aden, und der Umschlagsort für den drei Tagereisen entfernten Hafen Kosseir am roten Meere, die ausgedehntesten Zuckerrohr-Pflanzungen, die sich am rechten Nilufer bis Camula erstreckten („Geogr." II, 140 und 150); an jedem dazu geeigneten Punkte des Nilthaies wurde Zuckerrohr angebaut, und noch bei Djimi, am hohen Oberlaufe des Nils, fand man solches vor (ebd. II, 224). Abdallatif, der gegen 1200 in Ägypten lebte, und seine merkwürdigen Tiere und Pflanzen beschrieb, erwähnt das Zuckerrohr, als etwas zu gewöhnliches, gar nicht mehr besonders, wohl aber schildert er den, am Hofe und bei den Vornehmen üblichen Zucker-Luxus, setzt indes hinzu, dass derselbe dem eigentlichen Volke so gut wie unbekannt sei. „Von Zuckerwerk," sagt er (ed. de Sacy, 811, 317 ff.; 35), „giebt es in Ägypten so unendliche Arten, dass man ein eigenes Buch verfassen müsste, um sie alle genau zu schildern; einige dienen als Heilmittel, und man giebt sie Leuten, die diät leben sollen, unwohl sind, oder keinen rechten Hunger haben, sobald dieselben Lust nach etwas Süssem ankommt; hierher gehören z. B. Chabis aus Kürbissen, Karotten, Rosen und Ingwer, sowie die Pastillen aus Aloe, Citronen, Moschus u. dergl." Melonen und Zucker, Hühner in Zuckersyrup mit Haselnüssen, Pistazien, Mohn, Portulak, Hosen und Gewürzen gekocht, sowie süsse Speisen aus Zucker, Mandeln, Sesamöl, Stärke und Gewürzen, wegen ihrer Ähnlichkeit mit Stücken gelber, roter oder grüner Seife, „Sabunijjeh* genannt, wurden nach Abdallatif bei allen Mahlzeiten der Grossen aufgetischt. Alls Merkwürdigkeit beschreibt derselbe auch eine, für ein Festessen gebackene Pastete: Der Teig bestand aus Mehl und Sesamöl; die Füllung aus Lammfleisch, kleinen Vögeln, farcirten Hühnern, Käse und Eiern, gewürzt und übergössen mit einer Sauce aus Pistazien, Pfeffer, Ingwer, Zimmt, Mastix, Koriander, Kümmel, Kardamomen, Nüssen, Moschus, Citronen, Aloe und Rosensyrup; das Ganze war mit sehr viel Zucker und allerlei Zuckerwerk auf das schönste garnirt. Als Getränke waren, nach lbn-Dschamia, der um 1150 lebte (Wüstenfeld 101), besonders Fruchtweine beliebt, die aus feinstem, mit Eiweiss und Milch geklärtem, und sorgfältig abgeschäumtem Zuckersyrup, unter Zusatz von Citronen, Quitten, Minzen, und allerlei Aromen, bereitet, und vor dem Genüsse stark 142 Sechster Abschnitt. abgekühlt wurden (Ibn-Beithar II, 455ff). Zur Zeit Nassiri Chosraus empfing allein die Küche des Sultans täglich 14 Kamelladungen Schnee, von denen sie jedoch, ebenso wie von Syrupen und Getränken, an Kranke abzugeben pflegte („Sefer Nameh" 158); der Schneetransport von Syrien nach Ägypten war Gegenstand eines besonderen Eildienstes, und hatte in Gaza seine wichtigste Kelais-Station (Makrizi II, 231); diese Stadt diente auch als Hauptvermittlerin für die syrisch-ägyptische Brieftaubenpost, und es spricht ebenso für deren Umfang und hohe Ausbildung, als für die Grösse der Opfer, welche zur Befriedigung der kulinarischen Launen des Hofes von Kairo gebracht wurden, wenn Makrizi erzählt (IV, 118), dass der Vezier -lakub-ben-Killis dem Chalifen Aziz, als denselben plötzlich Lust nach frischen Kirschen anwandelte, solche binnen drei Tagen aus Balbek verschallte, indem er 600 Tauben, jede mit zwei, je eine Kirsche enthaltenden Seiden- säckchen beladen, fliegen Hess. Der berühmte Arzt Ibn-Bothlan (gest. 1072), der in Kairo sein Hauptwerk „ Takwim essihha", über die Ernährung, schriebt widmet den Speisen aus Zucker und Syrup, sowie dem Dessert, drei ganze Kapitel; ebenso ausführlich behandelt dieselben der Arzt Mesue der Jüngere (gest. 1015), bei dem wir auch wieder dem gepriesenen, von Aristoteles für Alexander dem Grossen bereiteten Pulver begegnen, und hören, dass es aus Myrobalanen, Gewürznelken, Kampher und Tabarzed (!) bestanden habe (Leclerc I, 489 und 507). Auch Cohen-el-A ttar bespricht in seinem, 1259 zu Kairo verfassten pharmazeutischen Handbuche, die Syrupe, die Zuckerwaren und die verzuckerten Früchte in mehreren sehr ausführlichen Kapiteln (Leclerc II, 215). Die feinsten Zucker und Zuckerwaaren Ägyptens bildeten einen der wichtigsten Ausfuhr-Gegenstände dieses Landes nach den asiatischen Provinzen des Ohalifates, denn man war daselbst, obwohl, wie es scheint, ägyptische Lehrmeister zuweilen nach Damaskus und Bagdad berufen wurden, nicht im stände, Produkte von gleich guter Beschaffenheit herzustellen. Da auch die besten Zucker gegen die Einflüsse einer längeren Seefahrt nicht unempfindlich waren, so wurden sie ausschliesslich auf dem Landwege befördert; während der Kreuzzüge fielen mehrmals derartige Sendungen in die Hände der Christen, und als die Mongolen unter Hulagu- Chan Mesopotamien verwüsteten (1252), fingen sie einmal eine nach Bagdad bestimmte Karawane auf, und raubten, neben vielen anderen Schätzen, auch 600 Kamel-Lasten ägyptischen Zuckere (Makrizi I, 37). Seiner Kostbarkeit wegen, wurde dieser auch Zuckerrohr und Zucker in den westlichen Provinzen des Chalifats. I43 zu Geschenken und Ehrenbezeugungen aller Art benutzt; als sich z. B. die Mongolen, nachdem sie 1258 Bagdad erobert, die Ab- bassiden gestürzt, das Reich vernichtet, und so grauenhaft verwüstet hatten, dass diese Länder bis zum heutigen Tage verarmt und verödet blieben, im Jahre 1262 auch gegen Ägypten wenden wollten, hieran aber durch innere Zwistigkeiten verhindert wurden, schickte der Sultan seinem syrischen Statthalter, zum Lohn für diesen, vermeintlich von ihm geleisteten Dienst, „Ehrenkleider, Zucker und andere solche Reichtümer" (Makrizi 1, 181). Ebenso sandte der Sultan an Abulfeda, um ihn zur Reise nach Ägypten zu bewegen, neben anderen Geschenken auch feinen Zucker (Abulfeda I, 20); den ägyptischen Mekka-Pilgern Zucker und Zuckerwaaren auf die Reise mitzugeben, galt als ein gottgefälliges Werk, und der Emir Bektemur z. B. liess sich seine Pilgerfahrt (1302) mehr als 80000 Dinare kosten, indem er, zur höheren Ehre des Propheten, sieben Schiffe mit Mehl, Ol, Honig, Zucker und Zuckerwerk, zur Verteilung an arme Pilger ausrüstete, „welche doch notwendig Mundvorrat und Zucker werk brauchten" (Makrizi IV, 184). So sprichwörtlich war der Reichtum Ägyptens an Zucker, dass schon der grosse Dichter Saadi (1184—1286) in seinem „Fruchtgarten", in der „Vorrede an den Leser" sagt: „Da dacht ich mir: Wer aus Ägypten kehrt, „Bringt Zucker mit, den er dem Freund verehrt. „Mir mangelt zwar solch' süsses Angebind'. „Doch haV ich Lieder, die noch süsser sind: „Auch sie sind Zucker, zwar nicht Körperspeise, „Doch geist'go, auf Papier bewahrt durch Woise.' ; Dem siegreichen Vordringen der Araber durch Nordafrika, dessen westlichsten Teil, Marokko, Musa bereits in den Jahren 706—709 eroberte, scheint die Ausbreitung des Zuckerrohres auf dem Eusse gefolgt zu sein, da, nach Dozy, Marokko es schon von den einrückenden Arabern empfing („Ena Brit." a. a. 0.). Der fruchtbare Boden dieser Länder erwies sich für den Anbau desselben sehr geeignet, und es gedieh daselbst so trefflich, dass, wie schon oben angeführt, Abu-Hanifa (gest. 895) den Zucker von Zingis (Tingis, jetzt Tanger) für den Besten aller ihm bekannten erklärt (Ibn- Beithar II, 304); auch Ibn-Fatima behauptet, dass das Zuckerrohr nirgends besser wachse als in Nordwestafrika (Abulfeda II, 216). Nach Ibn-Haukal („Journ. asiat." III, Bd. 13, 164, 238, 243) und El-Bekri (ebd. V, Bd. 12, 456, 490, 532; Bd. 18, 480ff.) war schon im 10., und noch mehr im 11. Jahrhundert, die ganze Nordküste Afrikas, sowie sämtliche angrenzende Provinzen, im Be- 144 .Sechster Abschnitt. I sitze des schönsten Zuckerrohres. Im Maghreb (Fez und Marokko) wuchs es nach Edrisi (I, 211) in solchen Massen, dass Zucker dort keinen Gegenstand des inländischen Handels bildete, und war vom Süden des Landes an bis nach Ceuta (ebd. II, 4), allenthalben im Überflusse vorhanden. Von der Landschaft Sus-el-Aksa, deren Hauptstadt Tarudant noch heute „in einem Hain von Palmen und Ölbäumen, inmitten einer blühenden, gartenähnlichen Gegend" liegt (Rohlfs, in Andree's „Geogr. d. Welthandels", Sttgt. 1877; II, 27), sagt Edrisi („Geogr." I, 208): „Hier wächst Zuckerrohr, wie es nirgendwo ein auch nur annähernd ähnliches giebt, weder was die Höhe und Dicke des Rohres, noch was die Menge und Süsse des Saftes betrifft. Der Zucker von Sus ist aber auch allerwärts bekannt, denn er ist ebenso gut wie der suleimanische, oder der Tabarzed, und übertrifft die aller anderen Orte an Süsse und Reinheit." Ibn-el-Wardi, der nach Einigen 1232, nach Anderen erst 1348 starb, bestätigt diese Angaben („Notices et Extraits" II, 23), während im übrigen über den so gerühmten Zucker von Sus nur spärliche Berichte vorkommen; nach Heyd's Aufsatz „ Die mittelalterlichen Handelskolonieen der Italiener in Nordafrika, von Tripolis bis Marokko" („Tübinger Zeitschrift für Staatswissenschaft", 1863, Bd. 20), wird sogar Zucker daselbst gar nicht als Handelsgegenstand erwähnt. Marokko bringt übrigens auch jetzt noch vorzügliches, Algier gutes Zuckerrohr hervor (Andree a. a. 0. II, 18 und 24). Von Nordafrika aus hatten die Araber schon 703, unter Führung Musa's, einen grossen Raubzug nach Sicilien unternommen, dem sich ähnliche Unternehmungen in der Folgezeit häufig anschlössen, ohne mehr als Zerstörungen und Plünderungen mit sich zu bringen (Müller, „Der Islam" I, 447 und 563; Schack, „Die Normannen" I, 132); erst 827 gelang es der, in Kairowän herrschenden Aghlabiden-Dynastie, die herrliche Insel dauernd zu besetzen, und, nach langjährigen harten Kämpfen, 831 Palermo, 878 Syrakus zu erobern; 948 wurden die Aghlabiden von den ägyptischen Fatimiden verdrängt, deren Statthalter Hassan-ben- Ali, vom Geschlechte der Kelbiten, Sizilien später als unabhängiges Emirat in seiner Familie vererbte (Schack a. a. 0. I, 135). Sogleich nach der ersten Eroberung verpflanzten die Araber auch das Zuckerrohr dahin (Gibbon „History of the decline and fall of the roman ernpire", London 1821; VII, 13), und die Kultur desselben machte rasch die grössten Fortschritte, so dass schon um das Jahr 900 sizilianischer Zucker auch in Afrika konsumiert wurde; aus etwas späterer Zeit (etwa 950) wird erzählt, dass der Zuckerrohr und Zucker in den westlichen Provinzen des Chalifats. 145 berühmte Rechtsgelehrte Abul-Fadl in Kairowän, als starrer Anhänger der orthodoxen Glaubenslehre, und Feind der, von der schiitischen Fatimiden - Dynastie vertretenen Neuerungen, sich weigerte, von einem Freunde ein Stück Torte anzunehmen, weil er vermutete, sie sei mit sizilischem Zucker versüsst, dessen Ursprung er als illegal betrachtete (Amari, „Storia dei musulmani in Sicilia", Florenz 1868; II, 445; III, 785). lbn-Haukal schreibt um diese Zeit; „Die Gestade der Bäche rings um Palermo sind, von ihrer Quelle an, bis zur Einmündung in das Meer, von sumpfigem Boden umgeben, auf welchem persisches Rohr wächst" (Schack a. a. 0. I, 292); der Saft desselben wurde durch Auspressen in Mühlen gewonnen, deren Name „Massara" (ma c sara — Ort, wo gepresst wird) sich auch in späterer Zeit erhielt, und in Spanien als „Almazara" noch jetzt für Ölmühlen gebräuchlich ist; wie es scheint, waren sie einer Steuer unterworfen, denn wir hören, dass nach der Eroberung Siziliens durch die Normannen (1071) „auf die alte Zucker-Abgabe unter den Arabern" eine neue gegründet wird (Ritter 402). Zucker-Raffinerieen bestanden in Sizilien nicht, doch war der Verbrauch an Zuckerwerk und Zucker, und der hiermit getriebene Luxus, ebenso gross, wie der von Makrizi für Ägypten geschilderte, und die arabischen Namen gewisser Süssigkeiten haben sich bis auf den heutigen Tag erhalten, /.. B. „eassata" von „ka'sat*, „ cubbeita" von „kobbeit", und „nucatula" von „nukl" (Amari III, 892). "Wie nach Sizilien, so brachten die Araber das Zuckerrohr auch nach Spanien. Die Einen geben an, es sei dies 714, also drei Jahre nach der Eroberung des Landes geschehen (Reed 3), die Anderen nehmen hierfür erst die Regierungszeit Abderrach- man's I. (755—788) an; Makkari (gest. 1646) meldet in der That in seinem grossen, nach den besten Quellen abgefassten Geschichtswerke („The history of the Mohammedan Dynasties in Spain", engl. Ubers. von de Gayangos, London 1840; II, 86), dass dieser König ein besonderer Freund der Gartenkunst und Landwirtschaft gewesen sei, und aus dem Osten Blumen und Nutzpflanzen aller Art habe kommen lassen, die er für das Klima Südspaniens für geeignet hielt- Reichtum und Wohlstand des Landes nahmen unter arabischer Herrschaft in grösstem Maasse, und mit unerhörter Schnelligkeit zu: „wo die Araber ihren Fuss auf spanischen Boden setzten, sprudelte Leben und Wasserfülle empor, verschlangen sich •Vkomore, Granate, Bananen und Zuckerrohr zum glänzenden Labyrinth, blühte selbst der Stein in bunten Farben auf" (Schack, - l>() csie und Kunst" etc. I, 88), und noch Calderon preist den '"lipin„,,ii, Qeiohiohte dea Zuokor*. 10 146 Sechster Abschnitt. Fleiss und die Betriebsamkeit der Mauren mit den Worten („Über's Grab hinaus noch lieben", deutsch von Pasch, Wien 1888): „In der Landbebauung haben, „Solch Geschick sie, solche Kenntnis, „Dasa vom schwachen Stich des Spatens „Selbst die Felsen fruchtbar werden." Die Blütezeit der arabischen Herrschaft fällt in die Regierung Abderrachman's III. (912 — 961) und Hakam's II; Steuern und Zölle trugen jährlich 6 245 000 Dinare ein, und der Trieb nach Wissen und Bildung war so gross geworden, dass die Bibliothek Hakam's IL an 400 000 Rollen zählte, und in Andalusien fast jedermann lesen und schreiben konnte (Müller, „Der Islam" II, 506, 535). Die ganze Südküste dieser Provinz war mit herrlichem Zuckerrohre bewachsen, welches eine der wichtigsten Einnahmsquellen derselben bildete, und vielfältige Verwendung, zur Bereitung von Zucker, Syrupen und eingemachten Früchten fand, worüber der sog. „Kalender von Cordova" („Le calendrier de Cordoue de l'annee 961", ed. Dozy, Leyden 1873), eine kurzgefasste Anleitung über Garten- und Feld-Kultur, nähere Auskunft giebt: im Januar wird das Zuckerrohr geerntet und zu den Mühlen geschafft (S. 25), auch fertigt man Syrup und Eingemachtes von (Zitronen an; im März pflanzt man das Zuckerrohr (ebd. 41); im April macht man Syrup von Rosen und Veilchen (ebd. 49); im Mai Syrup und Eingemachtes von Nüssen, Mohn, Fenchel, Anis, Kresse und dergl. (ebd. 58); im Juni Syrup von Maulbeeren, Pflaumen und Absinth (ebd. 07); im Juli Syrup und Eingemachtes aus Birnen, Äpfeln und Gurken (ebd. 75); im August aus Granaten, Spätbirnen und weissem Mohn (ebd. 83); im September beginnt das Zuckerrohr zu reifen (ebd. 91), und im November kocht man noch Birnen, Apfel und Kastanien in Zucker ein (ebd. 109). Zucker-Raffmerieen bestanden um diese Zeit in Spanien noch nicht, zum mindesten werden, als Bestandteil eines unerhört kostbaren Geschenkes, das Abderrachman III. von seinem Grossvezier erhielt, neben Aloe, Ambra, Moschus, Kampher, Gold, Seide und dergl., auch „zehn Kintar (Zentner) Brodzucker von leuchtender Weisse, und ohne jeden Fleck" erwähnt (Makkari II, 153). Weisser Zucker galt als Seltenheit, und besondere Zier festlicher Tafeln; daher sagt noch Al-Motadid-Billah, seit 1042 König von Sevilla, in einem Gedichte (Schack, „Kunst und Poesie" etc. 1,272): „Doch wie oin Andrer, zu dorn Bebcnmost „Konfekt und Zucker nippt als Zwischenkost, „So diente, teurer Freund, mir der Gedanke „An dich, als süsse Zukost, zu dem Tranke." t Zuckerrohr und Zucker in den westlichen Provinzen des Chalifats. 147 Ausführliche Nachrichten über Anbau und Pflege des Zuckerrohres in Spanien, enthält des Ibn-al-Awäm, um 1150 in Sevilla verfasstes „Kitab-el-Fellaha" (= Buch der Landwirtschaft), eine vollkommene Encyklopädie des Landbaues und seiner Geschichte. In beziig auf die älteren Nutzpflanzen stützt sich Ibn-al-Awäm zumeist auf den sog. „Nabathäischen Traktat", oder das „Buch des Landbaues" von Junius; nach Low (S. 19) ist hierunter das schon oben erwähnte, um 350 verfasste Werk des Vindonionios Anatolios Berytios zu verstehen, welches aus dem Griechischen ins Syrische, und aus dem Syrischen ins Arabische übersetzt wurde; aus Vindonionios ist der vermeintliche Junius entstanden, und ersteres ist aus dem ursprünglichen Namen nach syrischer Weise umgebildet, ähnlich, wie, nach Nöldeke (Tabari 60), aus Jovi- anus Jovinianos geworden ist. Als Übersetzer ins Arabische wird lbn-Wahschiah, nach Wüstenfeld (S. 38) um 903, genannt; doch ist dieser, wie Steinschneider ausführt („Virchow's Archiv" 1871, 374), als Betrüger anzusehen, dessen Angaben und Zusätze überall verdächtig erscheinen müssen. Betreff dos Zuckerrohres folgt Ibn-al-Awäm fast durchaus den Mitteilungen älterer Schriftsteller, namentlich des Abul- Chair, des Ibn-Hedjadj (um 1073) und des Hadji von Granada (gest. 1158). Da die französische Übersetzung von Clement- Mullet (Paris 1864; I, 365 ff.) abgekürzt und nicht ganz genau ist, so folgt die nachstehende der Textausgabe des Banqueri (Madrid 1800) und der Handschrift No. 346 derLeydener Bibliothek; die nur in letzterer Quelle vorhandenen Stellen sind in eckige Klammern gesetzt. „Was das Pflanzen des Zuckerrohres, welches auch süsses Rohr heisst, betrifft, so steht im Buche des Ibn-Hedjadj: seine Wurzeln pflanzt man am 20. Adar (d. i. im März)*), nach Ansicht einer Anzahl andalusischer Landbauer aber auch in einem anderen Teil des Monats. Es passt hierfür niedriger, sonniger, [fester] Boden, nahe am Wasser; man verwendet dazu seine Wurzeln und seine Stengel. Vor dem Pflanzen lässt man eine gründliche Beackerung bei genügender Feuchtigkeit vorangehen, [und kann umgraben, zu drei verschiedenen Malen]; Andere sagen: man besorge dies mittelst zehn Umpflügungen. Dann wird gedüngt, mit reichlichem, gutem, wohl zerkleinertem, in starker Zersetzung befindlichem Mist; Andere sagen: nein, mit Kuh-Exkrementen. Dann werden *) Uomoint ist nämlich der syrische Adar; über die Verschiedenheit der Monats-Kinteilungen. siehe Albiruni, „Chronologie" (52 und 70); und Kazwini I. 138ff. 10* 148 Sechster Abschnitt. Gruben gegraben, jede von 12 Ellen Länge und in der Breite von 5 Ellen. — [Verfahren beim Pflanzen der Wurzeln]: Es sagen Hadji von Granada [und Andere]: Wenn man Wurzeln verwendet, so zieht man diese aus, gräbt ihrer Grösse entsprechende Löcher in jenen Gruben, setzt sie hinein, indem man zwischen ihnen je l 1 /. Ellen Raum lässt, und thut nochmals Erde und Mist darauf, in der Dicke von drei Fingern. Dann tränkt man sie jeden vierten Tag mit Wasser, und wenn die Sprösslinge eine Spanne hoch sind, behackt man sorgfältig, düngt mit reichlichem Miste, und zwar mit solchem von Kleinvieh, und setzt dann, alle acht Tage einmal, die Bewässerung fort, bis zum ersten Tage des Oktobers; in diesem Monate, und nach Ablauf desselben, werden sie aber nicht mehr bewässert, weil das ihre Süssigkeit vermindert. — [Verfahren beim Pflanzen der Stengel |: Wenn man Stengel verwendet, so wählt man solche aus, deren Knoten nahe aneinander sitzen, und die von möglichster Dicke sind; denn wenn die Knoten zahlreich sind, so entstehen auch viele Sprossen, und wenn die Stengel recht dick sind, so bekommen sie auch viel Inhalt (d. h. sie werden saftreich). Diese Stengel also gräbt man, sobald sie geschnitten sind, oder gleich nachher, in die [feuchte] Erde, so dass nichts von ihnen sichtbar bleibt, und lässt sie bis zum 1. März darin, worauf man sie dann herausnimmt, und in Stücke von je zwei Spannen Länge zerschneidet; Andere sagen: man schneide die Stücke so, dass an jedem drei Knoten sind; noch Andere verlangen sechs Knoten. Man entfernt die Rinde mit der Hand, denn mit Eisen darf man die Knoten nicht berühren (d. h. nicht verletzen), bringt die Stücke an die erwähnten Gruben, und pflanzt sie so hinein, dass vier Knoten unter der Erde vergraben sind; dann breitet man Kuhmist darüber, und lässt von Stück zu Stück einen Raum von einer Elle. Dies macht man im September und Oktober, wie Andere sagen auch im Januar; dann bewässert man von Zeit zu Zeit, damit das Wachsen beginnt. — [Über eine andere Art des Pflanzens] sagen Hadji von Granada und Andere: Man macht in jenen Gruben viereckige Löcher, legt in jedes solche Loch vier Stücke auseinandergebreitet hin, thut wieder vier Finger dick Erde darüber, und macht dies so, dass das Gepflanzte unsichtbar wird [an diesem Orte]; und zwar muss dies nach der Sonnenseite, und an sonnigen Orten geschehen, im März, nach Anderen im Februar. Man tränkt mit süssem Wasser, alle acht Tage einmal; gehackt wird nicht, bevor der [Monat] April nicht zu Ende ist, im Mai aber behackt man mit grösster Sorgfalt, und wiederholt das Hacken nach acht Tagen; sobald sich zeigt, dass die grüne Farbe ins Fahle über- * t * Zuckerrohr und Zucker in den westlichen Provinzen des Chalifats. 149 t . gellt, erfolgt Bewässerung. Im August werden die Rohre gelichtet, indem man die schwächeren auszieht, damit für die kräftigeren Platz geschafft wird. — Eine andere Art der Pflanzung: Wer es vorzieht, jene Stücke stehend einzupflanzen, kann es thun, und sie werden ebenso gut geraten, wenn Allah will. — Und das süsse Rohr wird geschnitten im Januar jeden Jahres, [und wenn anders, so ist es eine Ausnahme; von den Wurzeln der saftigen und kräftigen Pflanzen lässt man etwa eine Spanne zurück, und pflanzt diese in jedem Jahre von neuem]. — Es sagt Ahul Chair: seine Lebenszeit währt etwa drei Jahre; Hadji von Granada sagt noch [in betreff des Verfahrens beim Beackern]: Das dafür (d. h. zum Auspflanzen) bestimmte Land wird nach dem Abschneiden des Rohres sorgfältig beackert, und mit Mist von Kleinvieh gedüngt; das Vieh soll auch nachts daselbst bleiben, damit aller Mist auf den Boden des Rohrlandes kommt. Sodann wird umgegraben, und mit der allergrössten Sorgfalt geackert; gewässert wird im Monate Januar, und man lässt das Wasser darauf stehen. Man darf nicht lässig sein, das Land auf solche Weise in jedem .lahre zu behandeln; dadurch wird sein Ertrag reichlich, so Allah will. — Es sagt Abul Chair: Man schneidet das erwähnte Rohr ab, wenn es reif und gut ist, um die erwähnte Zeit, im Januar; dann schneidet man es in kleine Stücke, zerstampft es kräftig in Mörsern oder dergleichen, presst es mit der Mühle aus, und setzt den Saft davon über das Feuer, in einem sauberen Kessel. So wird es gekocht, dann vom Feuer herabgenommen und durchgeseiht, und dann nochmals gekocht, bis ein Viertel davon übrig bleibt. Dann werden hiermit Becherformen gefüllt, die nach solcher Gestalt (eines Bechers) aus Töpferthon verfertigt werden; dann wird es in den Schatten gestellt, bis es fest ist, und zuletzt aus den Formen herausgeschlagen, im Schatten getrocknet und aufbewahrt. — Den vom Rohre übrig bleibenden Rückstand nach dem Pressen, fressen die Pferde; sie mögen ihn gerne, und werden dabei fett." Nach einer Angabe Monnot's („Journal des fabricants de sucre* 1879, No. 40) waren 1150, also zur Zeit Ibn-al-Awäm's, 29000 Hektaren Land mit Zuckerrohr bebaut, und die Hektare lieferte im Durchschnitt 66 700 Kilogramm Rohr; allein zu Motril, in Granada, waren 14 Zuckerfabriken, deren Mühlen durch Maultiere, oder durch Wasserkraft in Bewegung gesetzt wurden. In späterer Zeit gewann die Fabrikation immer mehr an Ausdehnung, und nach Belaguer-y-Primo soll die Rohzucker-Produktion zu Anfang des 15. Jahrhunderts, im Durchschnitte jährlich 2 067 610 Meterzentner betragen haben. - 1 1 1 h ■ L 1 150 Sechster Abschnitt. I; ! Vielfache Anwendung fand der Zucker auch seitens der spanisch-arabischen Ärzte, deren hervorragendste, die gleichzeitig grosse Forscher und Philosophen waren, von höchster Wichtigkeit für die Pflege der arabischen Wissenschaft, und für die spätere Übermittelung derselben, und des in ihr und durch sie erhaltenen Bildungsschatzes der alten Welt an den Kulturkreis Südeuropas, und von unermesslicher Bedeutung für den Geistesgang der ge- sammten Menschheit wurden. Unter der Regierung Abderrachman's III. (912—961) stand die Medizin in Spanien schon in höchster Blüte, und erregte das Interesse des Herrschers selbst in so hohem Grade, dass der byzantinische Kaiser Konstantin VII. ihm kein geeigneteres Geschenk zu senden wusste, als ein griechisches Exemplar des Dioskorides, worauf sich dann der König, da damals noch niemand in Spanien griechisch verstand, einen dieser Sprache kundigen Mönch nachschicken, und eine arabische Übersetzung des Autors anfertigen Hess (Müller, „Der Islam" II, 534; Leclerc I, 431). Um diese Zeit verfasste auch Abulkasim (936 —1016) seinen „Al-Tesrif, eines der vollständigsten und wichtigsten Werke der arabischen Medizin; betreff der Arzneilehre folgt er fast genau dem Räzi, und sagt über Zucker und Tabaschir so ziemlich dasselbe wie dieser. Das Pariser Manuskript dieses Buches enthält zahlreiche Zeichnungen, welche die Anfertigung und Filtration der Kr.äutersäfte und Syrupe erläutern (Haeser I, 578; Leclerc I, 446). Ibn-Badja, auch Avempace genannt (gest. 1138), schrieb ein ausführliches Werk über die Arzneimittel, eine Hauptcpuelle Ibn-Beithar's (Leclerc II, 75); weit bedeutender ist jedoch Ibn-Zohr oder Avenzoar (1113—1163), dessen „Teisir", ausser den Schriften des Räzi, nicht seinesgleichen an persönlicher Erfahrung, Reichhaltigkeit, und Freiheit von jedem Autoritätsglauben hat (Wüstenfeld 90; Leclerc II, 87 ff.). Zucker, eingemachte und verzuckerte Früchte, sowie Konfitüren aus Honig und Zucker behandelt er ausführlich, und preist ihre Heilkräfte; so z. B. giebt er an, Schwindsucht ganz allein mittelst Rosenzucker geheilt zu haben (Sprengel, „Gesch. d. Arzn." II, 458). Sein Zeitgenosse Maimonides (1139—1208) macht von Zucker und Syrupen gleichfalls ausgedehnte Anwendung, und erwähnt Zucker und Zuckerwasser namentlich in seiner Schrift „Die Gifte und ihre Heilung" häufig (Steinschneider, „Virchow's Archiv" 1878; 80 und 92). Ibn-Roschd oder Averroes (1149—1198), dessen grossartige philosophische Bedeutung Renan in seinem Werke „Averroes et l'AverroTsme" gewürdigt hat (s. auch Müller, „Der * t I Zuckerrohr und Zucker in den westlichen Provinzen des Cbalifats. 151 ( Islam" II, 651), verfasste ein umfassendes medizinisches Werk, „Kullijjat", fälschlich auch „Colliget" genannt, das betreff der Arzneikunde wenig eigene Anschauung verrät, und meist dem Avicenna folgt (Haeser I, 594; Wüstenfeld 104; Ledere II, 105); Zucker, Rosen- und Veilchen-Zucker, Zuckerzwieback, Syrupe, stark gesüsste Speisen, und gezuckerte Arzneien, wendet er häufig und in grossen Dosen an, auch schreibt er ihnen überraschende und wunderbare Wirkungen zu (Phillippe, „Geschichte der Apotheker", Jena 1855, 388). Ibn-Beithar (1197—1248), der Verfasser des grössten, reichhaltigsten und wichtigsten Werkes der Araber über Heil- und Nahrungsmittel, einer methodischen und kritischen Kompilation, die in 2330 Paragraphen über 1400 Arzneistoffe behandelt, und alle Pflanzen aufzählt, „mit Ausnahme der ganz unbekannten, und der alltäglichen", stellt das Zuckerrohr zu den letzteren, und giebt gar keine Beschreibung desselben, während er die Anwendung des Zuckers selbst, den er zu den etwa 60 von den Arabern neu eingeführten Heilmitteln zählt, an zahlreichen Beispielen erörtert (Haeser I, 597; Meyer, „Bot." III, 232 Leclerc II, 229). Was die westlichen asiatischen Provinzen des Chalifates anbelangt, so machte auch in diesen die Verbreitung des Zuckerrohres, das wir zu Beginn des Islams nur bis an die Tigrismündung vorgedrungen fanden, nach allen Seiten hin Fortschritte. Zur Zeit Istachris (um 950) gab es in Tabaristan, am Südufer des Kaspisees, sowie in Balch, am Nordabhange des Hindukusch, schon Zuckerrohr in Menge („Buch der Länder" 100 und 120), und für letzteren Ort bestätigt dies auch Abulfeda („Geogr." III, 199); ebenso war das Innere Persiens reich daran, z. B. Sabur unweit Schiras («) akut 294), Scheristan bei Sabur (ebd. 358), und Darab- gerd bei Schiras (Abulfeda I, 395). Die Provinz Oman in Südostarabien besass in Sohar und Maskat einen solchen Überfluss an Getreide, Früchten, Reis, Palmen, und Zuckerrohr, dass ein Sprichwort sagte: „Wer nicht weiss, was er essen soll, braucht nur nach Oman zu gehen" (ebd. II, 137); das Zuckerrohr kam vermutlich von der gegenüberliegenden Küste des persischen Meerbusens dahin, wo das nahe Ormuz es massenhaft und in vorzüglicher Beschaffenheit hervorbrachte (Istachri 80; Edrisi I, 424). Syrien war zur Zeit der arabischen Eroberung eine der blühendsten Provinzen des byzantinischen Reiches, und unter den Chalifen, die es als eine ihrer wertvollsten Besitzungen schätzten, und den Perlen ihres weiten Reiches zuzählten, hob sich die Landeskultur von neuem; Manufakturen und Fabrikwesen erblühten, der Handel 152 Sechster Abschnitt. nahm einen bedeutenden Aufschwung, und so waren die ersten Jahrhunderte der arabischen Herrschaft eine für Syrien besonders glückliche Zeit (Prutz, „Kulturgeschichte der Kreuzzüge", Berl. 1883, 314). Aus Damaskus und Bagdad, den Zentren des inner- und ostasiatischen Handels, führten die Hauptverkehrsstrassen einerseits nach Beirut und Sidon, Tyrus und Accon, Tiberias und Haifa am Berge Karmel, andererseits, längs des Euphrat, über Aleppo nach Antiochia und Laodicea, nach Tortosa und Tripolis, sowie nach Gibail, an die Küste (ebd. 359). Auf diesen Wegen dürfte auch wohl das Zuckerrohr nach Westen gewandert sein, und Damaskus, von 679 bis 762 Reichshauptstadt, und Sitz der üppigen Hofhaltung der Chalifen, empfing es vermutlich schon in sehr früher Zeit; Menge und Güte des Zuckers, der Zuckerwaren, und der verzuckerten Früchte von Damaskus, waren im 10. Jahrhunderte schon berühmt, und nach Edrisi (I, 353) „über alle Beschreibung erhaben". Abdallatif (S. 441) erzählt sogar, dass ein Perser, bei einem Besuche des Hospitals zu Damaskus,, vom Anblicke der Massen von Zuckerwerk, Sorbeten und eingemachten Früchten, so hingerissen wurde, dass er sich drei Tage krank stellte, um auch auf solche Weise verpflegt zu werden. Mukaddassi, der seine Geographie 985 verfasste, lobt schon das Zuckerrohr von Tyrus (Sur), welche Stadt Nassiri-Ohosrau (S. 47), „die reichste und üppigste Syriens" nennt. Tripolis schildert Istachri, um 950, als „eine Stadt am Mittelmeer, in einer fruchtbaren Ebene, voll von Palmen und Zuckerrohr" (S. 37); Nassiri-Chosrau sah daselbst „ungeheure Zuckerrohr-Pflanzungen, deren Saft soeben, am 6. Februar, geerntet wurde", und eine Fülle von Orangen, Citronen, Datteln und Bananen (S. 40). Nach Edrisi sind Tripolis und Area rings von Zuckerrohrfeldern umgeben, und sorgfältig angelegte Kanäle bewässern diese, und treiben die Mühlen (1, 356ff); dasselbe berichtet auchAbulfeda von Tripolis und dem benachbarten Markab („Geogr." III, 30 und 32). Aber auch das Innere der Provinz, namentlich das Tiefland des Jordans, brachte vorzügliches Zuckerrohr hervor, und erzeugte grosse Mengen von Zucker (Kremer II, 323). Von den Dichtern dieser Zeit wird der Zucker zu mancherlei ltedensarten und Bildern häufig gebraucht: „Zucker und Wein" bedeutet eine Mischung herrlicher Dinge; „jemandem Zucker in die Milch thun", heisst, „ihn mit schönen Redensarten abspeisen"; ein zärtlicher Vater hat eine „Zuckertochter"; der Vergleich der Geliebten endlich, ihrer Lippen, und ihres Kusses, mit Zucker, ist bereits so abgebraucht, dass schon der grosse Enweri « Zuckerrohr und Zucker in den westlichen Provinzen des (Jhalifats. 153 (gest. 1152) im „Abschied von der Poesie" entrüstet ausruft (Hart, „Persischer Divan", Halle 1887; 65): „Pfui Liebesdichter, die die Nacht in heisser Angst verbringen, „Wie sie am besten Zuckermund und Lockenpracht besingen!" Dagegen weiss Sahir Farjabi (gest. 1201), in der „Kasside auf Abubekr", diesem keinen besseren Nachruf zu widmen, als die Worte (ebd. 71): „Seit deiner Lippen Preis auf meine Zunge gekommen, „Ist in meinem Mund süsser als Zucker das Wort." Im „Heft-peikar" des Nizämi (gest. 1198) heisst es, bei der Rätsellösung des freienden Prinzen, nachdem ihm die Prinzessin zwei Perlen geschickt hat (ebd. 77): „Ein Rätsel sann sie drauf, so fein wie Staub am Grund: „Sie bröckelt Zucker mit den Fingern, und „Der Diener Einem überreicht sie ihn, „Dass er zum Fremden schnell zurücke kehret. „Der, gleich entdeckend den verborg'non Sinn, „Vom Diener einen Becher Milch begehret, „Und streut den Zucker drein, und spricht: Nimm hin!" Die Deutung dieses Rätsels wird auf folgende Weise gegeben: „Ich zoigt' ihm durch zwei reine Perlon an, „Dass mir das Leben wert zwei Tage nur. „Doch als den Zucker ich hinzugebracht, „Zusammen mit den Perlen ihn gerieben, „So hiess dies: Leben ist mit süssen Trieben „Gemischt, wie mit dem Zucker Perlenpracht .... „Es sagt, wer Milch geschüttet zu den beiden, „Dass diese blieb, der andere zerfloss, „Dass Zucker, wenn auf Perlen auch gestreut, „Von einem Tropfen Milch zu schmolzen dräut." Nach vollbrachter Lösung wird das Verlobungsfest gefeiert: „ . . . . Der Schah, wie es geboten „In den Gesetzen, ordnet zu dem Feste, „Zum bräutlichen, nun alles auf das beste, „Und Zuckerkrümchen streut er auf die Matten." Bei Sadi (1184—1286) finden wir im „Rosengarten" und „Fruchtgarten" die weisen Sprüche: „Trotzdem dir der Genuss der Speise die Seel' erfreut, „Ist Speise doch, die übor's G'nüge du nimmst, gefährlich; „Wenn zuviel Rosenzucker du geniessest, er schadet, „Das trockne Brot gleicht Rosenzucker, isst du es spärlich." 154 Sechster Abschnitt. „Kluge Rede, zweimal gesprochen, ist nicht klug, „Zucker, einmal genossen, ist genug." „Wenn Andre nicht den Fehler bei dir schelten, „So wird der Fehler dir als Tugend gelten. „Sprich nicht: „nimm honigsüssen Zucker ein," — „Kann Einem nur Scammonium heilsam sein." „Ward auch nur Essig mir zum Tranke, „Glaubt nicht, dass ich für Zucker danke: „Denn dem, der sich begnügt mit Wenig, „Gilt gleich der Bettler wie der König." „Wer giebt, mit Essig im Gesicht, „Den fleh'n um Zucker Edle nicht." „Nicht Zucker bietet mir Genüsse, „Folgt Zahlens Herbe seiner Süsse." Der tiefsinnige Dscheläleddin Rümi (1207—1273) erläutert den Satz, dass Gut und Böse bloss zwei Seiten des nämlichen Ur- seins, und nur für den Menschen verschieden seien, mit den Worten: „In der Grub' ist's Wasser bitter; doch sowie's „In die Traub' verwächst, wird's zuckersüss. „Trinkt der Weise Gift, das Gift ihm Zucker wird; „Schüler macht der Trank betäubt und kopfverwirrfc." Im „Mesnewi" sagt der Dichter (Hart 124): „Ein Sumpf erzeugt zwei Rohre; dieser Schaft „Ist hohl, und jener strotzt von Zuckersaft, „Zahlloses so! Vom Einen zu dem Andorn, — „Den Weg gilt's Ewigkeiten zu durchwandern." Seine Ansicht über die Lösung des Rätsels der Welt spricht er in den Versen aus (Hammer-Purgstall, „Duftkörner aus persischen Dichtern«, Sttgt. 1860, 166): „Die Liebe ist das Licht der Welt, „Durch sie nur wird das Loben heller; „Die Liebe ist das Zuckerwerk, „Und alles andre nur der Toller." Die orientalische Poesie mag durch Übertreibung und Ziererei oft gegen die Gesetze der reinen Schönheit Verstössen haben; in Gedanken wie den vorstehenden, hat sie aber Form und Inhalt, beide ihrer Eigenart entsprechend, zu bewunderungswürdigem Einklänge ineinandergegossen. SIEBENTER ABSCHNITT. Die Verbreitung des Zuckerrohres nach China und den Küsten des indischen Ozeans. Dass die Chinesen, wie so viele andere Erfindungen, auch die der Zuckerbereitung, Jahrtausende lang vor den Europäern gemacht, und praktisch ausgenützt hätten, ist eine Anschauung, die vornehmlich durch Humboldt in Aufnahme gebracht, und dadurch begründet wurde, dass er in Lima uralte chinesische Vasen sah, welche mit Abbildungen über Künste und Gewerbe geziert waren, darunter mit Zeichnungen von Presswalzen, Göpeln, Kochkesseln und Reinigungshäusern für Zuckerrohr und Zucker, „wie sie noch jetzt auf den Antillen üblich sind" („Nouv. Esp." III, 170ff.). Obwohl diese Angabe Humboldt's noch in neuerer und neuester Zeit Aufnahme in kulturgeschichtliche Werke gefunden hat (z. B. Volz 82; Scherzer, „Das wirtschaftliche Leben der Völker", Lpzg. 1885, 111), so ist sie doch unbedingt als irrtümlich zu bezeichnen, und aus den gegenwärtig erschlossenen Quellen leicht als solche zu erweisen. Das 6. Buch des vermutlich von Confucius, im 6. oder 7. vorchristlichen Jahrhundert verfassten „Schuking", welches „Yü- kung' (= Tributrolle des Yü) heisst, und die Zeit von 2357 bis 720 v. Chr. umfasst, enthält im ersten Teile, in 83 Absätzen, eine Beschreibung der neun Provinzen, in die das Reich zur Zeit des Kaisers Yau (2357—2256, nach der, jenseits 1100 v. Chr. gewöhnlich nicht ganz zuverlässigen chinesischen Chronologie) geteilt war, und giebt genaue politische und statistische Daten in bezug auf öffentliche Arbeiten, Verwaltung, Produktion, und Steuerleistung. Nach den Angaben dieses, aus geographischen, stilistischen, und inhaltlichen Gründen durchaus glaubwürdigen Buches, lag das Reich damals fast gänzlich im Norden des 30. Breitegrades, und ermangelte noch der Südprovinzeri; wenn demnach ^^^^^■i^^n 156 Siebenter Abschnitt. zwar Reis, Bambusrohr und Orangen, nicht aber Zuckerrohr, an vielen Stellen als Naturalabgaben erwähnt werden, so erscheint dies ganz natürlich, da der Yantsekiang noch heute die ungefähre Grenze des Zuckerrohres bildet, und der gesamte Zuckerbedarf Chinas fast nur von der, unter dem Wendekreise gelegenen Küstenprovinz Kwangtung, geliefert wird (Richthofen, „China", Berl. 1877; I, 276, 300, 339, 355, 358; 11, 37, 691; Ritter IX, 264; Grisebach I, 601). Aus der Zeit vom Kaiser Yü bis zur Han- Dynastie, 2200—205 v. Chr., liegt das Buch „Thsou-li" vor, eine gedrängte Zusammenstellung der, um 1100 v. Chr., allen Behörden und Ämtern obliegenden Pflichten, und der Erzeugnisse und Steuerleistungen der einzelnen Provinzen; Reis, Seide, Bambus und Baumwolle werden auch hier oft angeführt, Zuckerrohr hingegen nicht. Als die „schon in uralter Zeit bekannten sechs Feldfrüchte" nennt dieses Buch: Gerste, Bohne, Sojabohne, zwei Hirsenarten und Reis, und schreibt deren Einführung dem Kaiser Shin-Nung (2838 — 2699 v. Chr.) zu (Richthofen I, 373ff., 420, 425); bei den, angeblich von diesem Kaiser eingeführten Zeremonieen, spielt der Reis die Hauptrolle, und wird auch allein vom Kaiser selbst gesäet (Decandolle 309ff.). Eine Tradition erwähnt, dass der Reis vom Süden aus ins Land kam, vermutlich aus Cochinchina, in dessen Sümpfen er nach Loureiro („Flor. Coch." I, 267) wild wächst; später betrachteten ihn die Chinesen als einheimische Art, und die vielen ursprünglichen Namen desselben weisen zum mindesten auf eine sehr frühe und allgemeine Verbreitung hin. Das Liederbuch „Schi-king", das aus dem 6. vorchristlichen Jahrhundert, und zum Teil aus noch früherer Zeit stammt (Richthofen I, 377 und 409), kennt das Zuckerrohr ebenfalls nicht; gegenteilige Angaben beruhen jedenfalls auf Verwechslungen des letzteren mit dem essbaren Bambusrohre, dessen junge Schossen noch jetzt in China eine beliebte Nahrung bilden (Klemm VI, 58), und von dem das „Schi-king" in folgenden, für den chinesischen Geist überaus bezeichnenden Worten spricht (Rückert, „Werke" VI, 348): „Wie herrlich, aus dem hohen Thore „Des Schlosses tretend, er erscheint, „Der Mann, der gleich dem Bambusrohre „Verschiedno Kraft in sich vereint: „Kein Frevler, ohne dass er bebe, „Erblickt das Rohr, als ob sich's hebe „Nur zu des Frevels strenger Zucht; „Doch seiner Spitzen zartes Markgewebe, „Ist Armen eine süsse Nahrungsfrucht." t t 1). Verbreitung d. Zuckerrohres n. China u. d. Kästen d. indischen Ozeans. 157 Das „Schi-king" erwähnt gleichfalls noch fast ausschliesslich die Verhältnisse der nördlichen Länder; den Geschichtschreibern nach, war zur Zeit seiner Abfassung die Ausdehnung des Reiches nach dem Süden noch gering, und erst im 5. und 4. vorchristlichen Jahrhunderte erweiterte sich dieselbe rasch; im 3. und 2. Jahrhunderte eroberte der Kaiser Wuti ganz Südchina, und es begann sodann auch ein Landverkehr von China nach dem nördlichen Hinterindien, dessen Stämme zum Teil tributpflichtig wurden, und (beschenke und Abgaben nach China sandten, z. B. noch im Jahre 6 n. Chr. das erste Nashorn (Götz 122 und 499). Aus Assam, dem nordwestlichen Teile Hinterindiens und der Grenzproviuz Bengalens, dem alten Sitze der Seidenzucht, und der Heimat des Thees, dürfte in dieser Periode auch das Zuckerrohr nach China gekommen sein (Lassen I, 87 und 310; Grisebach I, 503, und „Abhandl." 425). Decandolle hält es zwar auch für möglich, dass Cochinchina wildes Zuckerrohr besessen habe, und dass aus diesem die besondere Art „Saccharum sinense" hervorgegangen sei; aber abgesehen davon, dass, wie schon oben angeführt, das Indigenat des Zuckerrohres in Cochinchina nicht nachweisbar ist, wäre einerseits, wenn man diese Annahme zulässt, nicht einzusehen, warum wohl vom Reis \ind vom Thee, die beide wirklich in Cochinchina wild wachsen (Loureiro 414), nicht aber auch vom Zuckerrohre, schon in den allerältesten Zeiten Kunde nach China gedrungen sei (Decandolle 94); und andererseits bleibt zu erinnern, dass ,Saccharum sinense" nicht von allen Botanikern als besondere Art anerkannt wird, und dass selbst die heutige Existenz einer solchen Art keineswegs die einer eigenen ursprünglichen Stammform voraussetzt, da das so variationsfähige Zuckerrohr auch in historischer Zeit schon zahlreiche, von einigen Forschern jetzt als „Arten"- bezeichnete neue Formen hervorgebracht hat. Auch in der chinesischen Medizin, welche bereits der Kaiser Huang-Ti, um 2G37 v. Chr. in ein System gebracht haben soll, beginnen, soweit dies 'die noch sehr unvollständige Durchforschung der zahlreichen, und höchst ausgedehnten Sammelwerke zu überblicken gestattet, zuerst in der angedeuteten Periode, d. h. in den letzten vorchristlichen Jahrhunderten, Arzneipflanzen indischer Herkunft zu erscheinen, welche sich seither in China einbürgerten (Haeser I, 40tf.); durch den kontinuierlichen Zusammenhang dieses. Reiches mit der hinterhidischen und malayischen Halbinsel, wurde eben, sobald eine Verbindung überhaupt erst erschlossen war, die- Einwanderung tropischer Pflanzen ganz besonders befördert, da das Klima der warmen Zone nirgends so gleichmässig und all- ' 158 Siebenter Abschnitt. mählich in das der gemässigten übergeht, als in diesen Landstrichen (Grisebach I, 494). Nach Bretschneider (,0n the study and value of Chinese hotanical works", Foochow 1870, 46ff.) findet sich die erste Erwähnung des Zuckerrohres um 200 v. Chr. bei dem Dichter Ssu- ma-siang-ju, welcher angiebt, dass dessen Saft die üblen Folgen des Rausches vertreibe; die erste Beschreibung enthält aber das, im 4. Jahrhunderte nach Chr. verfasste Buch „Nan-fang-tsao-mu- chuang" : „Cheche oder Kanche (= süsser Bambus) wächst in Kiaochi, hat einige Zoll im Umfange, oft zehn Fuss Höhe, und ähnelt dem Bambus; der Stengel, in Stücke geteilt, ist essbar und sehr süss; der daraus gepresste Saft wird in der Sonne getrocknet, und giebt dabei nach einigen Tagen Zucker, der im Munde zerschmilzt, und Shi-mi (Stein-Honig) genannt wird. Im Jahre 286 sandte das Königreich Funan, (in Indien, jenseits des Ganges), Zuckerrohr als Tribut". Im Jahre 400 war das Zuckerrohr in China bereits so verbreitet, dass der Pilger Fahian, wie oben angeführt, es als allgemein bekannte Pflanze betrachtet; das, zur Zeit der Dynastie Liang (502—5T>6) geschriebene Buch „Tao-hung-king* giebt eine genaue Schilderung desselben, und fügt hinzu: „Aus seinem Safte macht man Shi-mi, der den Menschen sehr nützlich ist", — was auf eine medizinische Anwendung zu deuten scheint (Ritter 348). Wenn indes überhaupt als Produkt einer Fabrikation, so haben wir uns den Shi-mi jedenfalls als solches einer äusserst primitiven und im kleinsten Massstabe betriebenen zu denken, denn die Berichte der Chinesen, eines sonst so eitlen, jede Kunst seiner eigenen Erfindung zuschreibenden Volkes, stimmen mit seltener Einmütigkeit darin überein, dass die Bereitung des Rohzuckers dem Reiche der Mitte erst in späterer Zeit, und zwar von Indien aus, zugekommen sei. Im „Kuang-kün-fang-pu" wird erzählt (Bretschneider a. a. O.), dass der Kaiser Taitsung (627—650) Leute nach Mokoto (Magadha, jetzt Binär) in Indien sandte, um die Kunst des Zucker- machens zu erlernen, und die chinesischen Annalen berichten, dass dieser Herrscher, dessen Regierungszeit einer der glanzvollsten Zeiträume der chinesischen Geschichte, und von siegreichen Kriegen gegen Indien, Persien und Korea erfüllt war, alle Massregeln zu ergreifen pflegte, von denen er eine Förderung der Landwirtschaft und ihrer Gewerbe, sowie eine Vermehrung des Wohlstandes und der Steuerkraft erwartete (Pauthier, „La Chine" 297; Klemm VI, 504ff.). Li-schi-tschin, auch der „chinesische Plinius" genannt, sagt in seinem grossen Sammelwerke „Pen-tsao-kang-mu", welches nach Decandolle (S. 321) im Jahre 1552 verfasst sein * < ■ D. Verbreitung d. Zuckerrohres n. China u. d. Küsten d. indischen Ozeans. 159 dürfte*): „Scha-tang (= gekörnter Zucker, Sandzucker) schlechtbin, ist brauner Scha-tang, und die Kunst ihn zu bereiten, stammt aus dem Lande Si-yu (dem Abendlande); der Kaiser Taitsung schickte nämlich Boten dahin, um diese Kunst zu erlernen, und sie in seinem Reiche einzuführen"; das encyklopädische Werk „Ku-kindse- wen-lu", enthält dieselbe Erzählung, und bezeichnet als das betreffende Land Bengalen (Ritter 358ff.). Dass dort, sowie überhaupt in Nordindien, die Rohzucker-Darstellung um die genannte Zeit schon ziemlich verbreitet war, bestätigt der Pilger Hiuen-Thsang, der Indien in den Jahren 629—645 bereiste; in Gändkära, Punatcha und Udjäna am oberen Indus, sowie in Käucilmbt am Ganges, sah er vieles Zuckerrohr (I, 105, 187, 130, 283), dessen Saft die Brah- manen tranken (I, 93); festen Zucker nennt er schon einen Hauptbestandteil gewisser in Indien üblicher Speisen (I, 92), und sagt, dass er aus dem Safte des Zuckerrohres bereitet werde, und Shi- mi oder Steinhonig heisse (I, 105); Stan. Julien führt als Erklärung dieses AVortes einen Satz aus dem „Pei-wen-yun-fu" an: „Wenn der Saft des Zuckerrohres lange gekocht, und dann getrocknet wird, so wird er fest, ähnlich wie Eis, und heisst dann Shi-mi, d. i. Steinhonig." Mungsin und Su-kung, zwei Schriftsteller des 7. Jahrhunderts, bezeichnen mit Scha-tang den ausgepressten, eingedickten, und dabei gebräunten Zucker röhr saft (Ritter 358); Li-schi- tschin citiert aus Wan-sho's „Tangchuang-pu" die Stelle: „Unsere Vorfahren tranken den rohen Zuckerrohrsaft; in der Folge sott man ihn, und ' machte daraus Chetang (= Zuckerrohr-Zucker), und noch später liess man ihn hart und trocken werden, und machte Shi-mi**), d. i. nämlich weisser Scha-tang. Die Kunst Tang- chuang (= Zucker-Reif, nach Li-schi-tschin ein loses, sehr leichtes, helles Pulver) zu bereiten, wurde aber erst in den Jahren Ta-li der Dynastie Tang (766—779) bekannt, und zwar durch einen Bonzen Tseu, der sich damals in Sse-tschuan niederliess." Über diesen Tseu, einen buddhistischen Wanderpriester aus Indien, berichtet das Buch „Ku-kindse-wen-lu" weiter: „Man wusste nicht, aus welchem Orte dieser Bonze gekommen war; sein Esel, auf dem er zu reiten pflegte, kam einmal ohne seinen Herrn vom Berge herunter, drang in die Zuckerrohr-Pflanzung eines gewissen Hoang-schi, und zerstörte dort die jungen Triebe; zur Entschädigung *) Über Inhalt und Anordnung desselben. 8. Klemm VI, 471 ff. **) Die Bezeichnung Shi-mi, welche ursprünglich Rohzucker bedeutete, •scheint hiernach später auf gereinigten Zucker übergegangen zu sein. ^^^^HU 160 Siebenter Abschnitt. dafür lehrte Tseu diesem die Kunst, Tang-chuang zu machen" (Ritter 365). Unter dieser Zuckerart hat man sich jedoch nicht wirklich weissen Zucker, sondern nur einen gereinigten Rohzucker, etwa in der Art des indischen Dulloah, vorzustellen; demgemäss sagt auch Utuan, in dem, um 1330 verfassten „Shi-yung-pen- tsao": „Tang-chuang, d. i. Reif-Zucker, ist gelblichweiss und durchscheinend" (Ritter 368). Li-schi-tschin teilt mit, dass man anfangs zuweilen das Zuckerrohr in Stücke geschnitten, und diese mit Wasser ausgekocht habe; es erinnert das an eine Stelle des Liederbuches „Schiking", die sich jedenfalls auf einen uralten religiösen Gebrauch der Chinesen bezieht; im Gedichte „Pflanzenopfer" heisst es daselbst (Meier, „Morgenländische Anthologie", Hildb. 1869, 33): „Im Süden, in den Thälern, da ist's wo Fing man liest „Und Tsao, an den Gräben, in denen Wasser fliesst. „Man legt das Kraut in Körbe, man legt's in Kisten fest, „Bis man's zuletzt in Töpfen am Feuer kochen liisst." „Später," sagt Li-schi-tschin, „wurde der Saft des Zuckerrohres in einer Presse aus Kampherholz ausgequetscht, und dann gesotten; der reine Zuckersaft heisst Che-tang, der verdickte sand- (d. h. Krystall-) haltige Scha-tang, der in grossen, mit Firnis be= strichenen Formen bereitete, Tang-chuang (Reifzucker), Shi-mi (Steinhonig), und Ping-tang (Eiszucker); Tang-chuang ist leicht und hell, Shi-mi bildet Stücke wie ein Stein, und Ping-tang ist hart und weiss wie Eis." Li-schi-tschin erwähnt auch eine Zuckerrohrmühle mit Büffelbetrieb, nach indischem System, und kennt die Läuterung des Rohzuckers mittelst Kuhmilch; neben weissem Zucker nennt er auch gelben, roten und braunen: „Die jetzigen Kaufleute vermengen den echten Zucker oft mit Mi-tang (= Reiszucker, vermutlich Reismehl), was man wohl beachten muss. Den braunen Zucker giesst man auch in allerlei Figuren von Vögeln, Tieren und Früchten, die man bei Gastmählern aufträgt; den weissen Zucker formt man zu Menschen, Löwen und Elefanten, und nennt ihn dann Hiang-tang (= Festmahlzucker) oder Ni-tang (Löwenzucker), der in den Geschichten der Heu-han vorkommt" (Ritter 348, 355, 368). Wirklichen weissen Zucker, „Po-sha-tang, hart wie Stein und weiss wie Schnee", erhielten die Chinesen, nach Bretschneider (a a. 0.), zuerst aus Persien, durch die Araber. Mit welcher überraschenden Schnelligkeit sich diese zur seefahrenden Nation entwickelten, ist bereits oben erwähnt worden; gegen Ende des 7. Jahrhunderts waren die arabischen Schiffer an den Mündungen des D. Verbreitung d. Zuckerrohres n. China u. d. Küsten d. indischen Ozeans. 161 Indus schon wohlbekannt, und Sokotora wird als „Nest indischer Piraten auf arabischen Schiffen" bezeichnet (Massudi III, 37). In China, und zwar in dem, 700 für Fremde geöffneten Hafen von Kanton, erschienen die Araber zuerst im Jahre 714, und besassen dort bald darauf eine grosse Handelskolonie (Richthofen I, 569; Götz 644 und 647); besonders lebhaft wurden diese Verbindungen zur Zeit Harun-al-Raschid's (785—809), unter dessen Regierung Sindbad der Seefahrer, von Bassorah aus, jene Fahrten unternahm, die, phantastisch ins Ungeheuerliche ausgeschmückt, einen Hauptbestandteil der Märchen „Tausend und eine Nacht" bilden; Kalah auf Malakka war damals ein wichtiger Vermittlungspunkt des arabisch-chinesischen Handels, und wurde seit dem chinesischen Aufstand von 875 sogar der Hauptsitz desselben (Abulfeda II, 131). Manchmal, z. B. 798, gingen in einem Jahre drei arabische Expeditionen nach China ab (Kremer II, 274ff.), und zu Anfang des 9. Jahrhunderts pflegten Kaufleute regelmässig nach Indien und China zu reisen, wie z. B. der Kaufherr Soleiman, dessen 851 verfasster Bericht, nebst der um 920 geschriebenen Kompilation des Abu-Seid-Hassan von Siräf, eines Liebhabers der Geographie, den Inhalt von Reinaud's „Relation des voyages faits par les Arahes et les Persans dans l'Inde et ä la Chine" (Paris 1845) bildet. Im Jahre 860 beschreibt der Generalpostmeister Ibn-Chordadbeh den regelmässigen Seekurs von Obollah nach China (Kremer I, 269), und rühmt den Reichtum von Chänfu (jetzt Ningpo) an Zuckerrohr (Abulfeda III, 123), den auch Soleiman (Reinaud, „Rel." I, 22) bestätigt; als gewöhnliche Haltepunkte auf diesen, von Bassorah und Siräf ausgehenden Fahrten, werden Maskat, Koilum (jetzt Quilon, an der Südwestküste Indiens), und zuweilen auch Barygaza, sowie die Küstenstädte von Malabar genannt (Reinaud, „Rel." I, 14; Edrisi I, 175). Die chinesischen Quellen geben ihrerseits an, dass der Seeverkehr nach Ceylon unter der Dynastie der östlichen Tsin (317 — 419) begonnen, und sich sehr rasch entwickelt habe (Richt- hofen I, 50; Peschel, „Völkerkunde", Lpzg. 1885, 388). Zur Zeit der Tang-Dynastie (619—907) erstreckten sich die Fahrten der Dschunken bereits nach Malabar und bis Siräf (Richthofen I, 568), und in den Annalen dieser Dynastie werden auch zuerst die Araber erwähnt (Bretschneider, „On the knowledge possessed hy the ancient Chinese of the Arabs and arabian colonies", London 1871, 6). Seinen Höhepunkt erreichte jedoch der Handelsverkehr unter den Herrschern aus dem Hause Sung (960—1280); Mokaddassi nennt in seiner 985 verfassten Geographie, den per- Lippinann, Geschichte des Zuckers. 11 162 Siebenter Abschnitt. sischen Golf, wegen der Menge der dort nach dem Osten verkehrenden Schiffe, „das chinesische Meer", und die chinesischen Annalisten geben an, dass um diese Zeit alljährlich zahlreiche arabische Schiffe in Kanton und Fukien gelandet seien, und Baumwollengewebe, Glaswaaren, Datteln, Kampher (der ein kaiserliches Monopol war, siehe Reinaud, „Rel." I, 35), Eisenwaaren, Rosenwasser, und „Po- sha-tang", d. i. weissen Sandzucker, dahin gebracht hätten (liret- schneider, a. a. 0., 11). Man hat vielfach angenommen, dass die Chinesen zu solchen weiten Seereisen durch ihre frühzeitige Kenntnis der Magnetnadel befähigt worden wären, und dass bei dieser Gegenheit die Araber den Gebrauch derselben kennen gelernt, und nach dem Westen verbreitet hätten. Nun stammt aber die erste chinesische Beschreibung der Magnetnadel und ihrer Deklination erst aus dem 12. Jahrhunderte (Abulfeda I, 203, 206ff.), und die älteste arabische Erwähnung rührt von Bailak her, der eine solche Nadel 1242 auf der Fahrt von Tripolis (in Syrien) nach Alexandria verwenden sah; dass die Chinesen schon 1100 v. Chr. die Südweisung des Magnetes gekannt, und daraufhin Magnet-Wagen erbaut, und sie bei Landreisen, später auch bei Seefahrten benutzt hätten (Reinaud, „Rel." I, Vorr. 65), muss auf Grund neuester Forschungen als Fabel betrachtet werden (Götz 131); auch war den Arabern nicht nur im 9. Jahrhunderte (Abulfeda I, 205), sondern auch noch zur Zeit Marco Polo's, ja noch beim Erscheinen der Portugiesen im indischen Ozean, der Gebrauch der Magnetnadel unbekannt, so dass dieselben unmöglich als Verbreiter derselben gelten können (Peschel, „Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen", Stuttg. 1858, 29; „Abhandlungen zur Erd- und Völkerkunde", Lpzg. 1877, 169). Im Abendlande dagegen spricht bereits Alexander Neckam (1157—1217), der Milchbruder des Königs Richard Löwenherz, in der Schrift „De naturis rerum" von der Magnetnadel (Peschel, „Geschichte der Erdkunde", München 1865, 187), und Jacobus de Vitriaco sah sie 1218 in der Levante im Gebrauch (Hüllmann I, 126ff.); Guyot de Provins erwähnt in seinen 1203 — 1208 verfassten satirischen Gedichten, der Papst habe sich ihrer Einführung widersetzt, und fordert ihn auf, lieber selbst dem Polarsterne zu gleichen, nach dem alle Nadeln zeigen (Schultz, „Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger", Lpzg. 1879; II, 296). Auch dem Dichter Guinizelli (um 1220), Albert dem Grossen (gest. 1280), Thomas von Cantiprato (gest. um 1280), und Brunetus Latinus von Florenz, dem Lehrer Dante's (gest. 1295), war die Magnetnadel bekannt (Hüllmann I, 126ff.), und D. Verbreitung d. Zuckerrohres n. China u. d. Küsten d. indischen Ozeans. 103 der Dichter des „jüngeren Titnrel" v. 2646, sowie Reinfried von Braunschweig v. 27222, beide im 13. Jahrhunderte, sprechen von ihr (Schultz II, 296); bei den Venetianern endlich stand die Nadel, in der von Flavio Gioja aus Amalfi verbesserten Form, schon vor 1300 in Anwendung (Hüllmann a. a. 0.). Man kann hiernach nur annehmen, dass die Magnetnadel im Abendlande selbständig entdeckt worden ist (Peschel, „Abh." 171), und dass die Chinesen ihre Fahrten nach Indien und Persien, ohne dieselbe, ebensogut zu machen verstanden, als die Araber, welche die Kenntnis der Nadel erst später erworben haben sollen, die ihrigen nach Ceylon und China. In einem Funkte befanden sich indes die Chinesen im Vorteile, sie waren nämlich den Arabern in der Kunst des Schiffbaues weitaus überlegen; ihre Schiffe waren sämtlich gross, tiefgehend, und kräftig gebaut (Edrisi I, 95), auch besassen sie wasserdichte Abteilungen (Polo II, 232) ; und hielten dem Wogenschlage des hohen Meeres Stand. Zur Zeit Marco Polo's, dessen Reisen in die Jahre 1270—■ 1295 fallen, war die chinesische Zuckerindustrie schon von besonderer Bedeutung. Von Kinsay, jetzt Hangchau, der Hauptstadt (chinesisch = Kingsze) der Sung-Dynastie seit 1127, berichtet der grosse Venetianer (II, 199): „In dieser Stadt und ihrer Umgebung macht man, ebenso wie in den anderen acht Bezirken der Provinz, grosse Mengen Zucker, und ich glaube, dass die ganze übrige Welt zusammen keine solche gewaltige Masse erzeugt, —■ mindestens wenn die mir von vielen Leuten gemachten Angaben richtig sind; der Zucker allein bringt dem Gross-Chan eine ungeheure Einnahme zu, . . . denn alle Spezereien zahlen 33 l / 3 °/ 0 ihres Wertes an Steuer." Von Unguen, jetzt Mint-sing-hien bei Fuchau, sagt Polo (II, 208): „In Unguen wird eine Riesenmenge Zucker gemacht, und von hier aus bezieht der Gross-Chan allen für seinen Hofhält nötigen Zucker, der ein gewaltiges Stück Geld kostet. Bevor die Stadt unter seiner Herrschaft stand, wussten die Leute daselbst nichts vom Raffinieren, sondern der Saft wurde nur gekocht und abgeschäumt, und gab beim Erkalten eine schwarze Paste; zur Zeit aber als Kublai- Chan die Stadt eroberte, waren einige Leute aus Babylon an seinem Hofe, und diese kamen in die Stadt hin, und lehrten die Bewohner das Raffinieren des Zuckers mittelst gewisser Pflanzenaschen." Diese, zum Teil schon oben einmal citierte Stelle, deren Angaben nach Phillipp (Polo, ed. Yule II, 212) durch die chinesischen Annalisten völlig bestätigt werden, beweist, dass die Chinesen mit der Darstellung wirklieber Raffinade erst in dieser späten Zeit bekannt wurden, und dass dieselbe keine, bei ihnen einheimische Erfindung ist, 11* I 164 Siebenter Abschnitt. sondern erst durch die mongolischen Eroberer ins Land kam; die mongolische Dynastie, durch Kublai-Chan, den Bruder Hulagu- Chan's, des Zerstörers Bagdads, begründet, war überhaupt auf Hebung des Wohlstandes und der Steuerkraft ihrer Staaten durchaus bedacht, übte gegen Fremde und Andersgläubige die grösste Toleranz, und suchte den Handel durch Ausgabe von Pässen und Einrichtung mittelst Wachposten geschützter Reiserouten, und den Gewerbefleiss durch Heranziehung und gute Bezahlung geschickter Künstler aus dem Auslande, möglichst zu heben (lütter 368ff.; d'Ohsson, „Histoire des Mongols" 111, 77ff.; Sedillot, bei Ledere II, 138ff.). Dies gelang auch betreff der Zuckerraffination auf das vollkommenste, denn die Chinesen wurden seither, besonders in gewissen Zweigen derselben, z. B. in der Erzeugung des Kandiszuckers, die grössten Meister, und führten solchen Zucker später selbst nach Indien aus, wo er jedoch den Namen „Misri" behielt, dessen ursprüngliche Bedeutung (Zucker aus Ägypten) wohl schon in Vergessenheit geraten war (Phillipp, a. a. 0.). Auch in den anderen südlichen Provinzen Chinas wurde, nach Marco Polo, Zucker in grossen Massen erzeugt, und wiederholt werden die nach Millionen zählenden Steuerbeträge genannt, welche dem Gross-Chan hierdurch zufiiessen; mit Erstaunen berichtet Polo, dass alle diese Steuern, sowie überhaupt alle Zahlungen, mit Papiergeld*) beglichen wurden (II, 409ff.). Dasselbe bestand aus Maulbeerbast, für grosse Beträge auch aus Seide, war in roter und schwarzer Farbe bedruckt, mit dem Stempel des Gross-Chans versehen, besass Zwangskurs, und musste von jedermann bei Todesstrafe angenommen werden. Solches gedrucktes Papiergeld war schon seit 975 bekannt, und seit 1155 in regelmässigem Gebrauche, den auch bereits der Brabanter Mönch Wilhelm Ruisbroeck, genannt Rubruquis, erwähnt, welcher achtzehn Jahre vor Polo in Ostasien reiste; aber erst Kublai-Chan gab dasselbe in grossen Massen aus, — wie Pauthier aus chinesischen Quellen mitteilt, *) Ein an sieb wertloses Zeichongeld besassen schon die Karthager (Mommsen 1, 506) und auch die Römer gaben im Jahre 91 silberplattiertes Kupfergold mit Zwangskurs aus (ebd. II, 405). Während des ersten Kreuz- zugos Hess der venetianischo Doge Geld aus Leder schneiden (Romanin II, 46), und bei der Belagerung von Faenza (1241) zahlte Friedrich 11. seinen Truppen den Sold in gestempelten Ledorstückon (Amari 111,816); auch die Araber leisteten 1147 in Syrien ihre Zahlungen in gedrucktem Papiergelde (Papyrus Rainer). In Porsien wurde im 13., in Nordindien und Japan im 14. Jahrhunderte der fruchtlose Versuch gemacht, vergoldetes Kupfer mit Zwangskurs auszumünzen (Yule, „Polo" 1, 415). D. Verbreitung d. Zuckerrohres n. Chi d. Küsten d. indischen Ozeans. 165 setzte er binnen 34 Jahren Wertzeichen im Nominalbetrage von ca. 2500 Millionen Mark in Umlauf —, und der hiermit getriebene Missbrauch führte eine grosse Handelskrisis, und durch diese den Sturz der mongolischen Dynastie herbei (s. auch Ibn-Batuta IV, 260). Odorico von Pordenone, der als Missionär 1324—1327 in China verweilte (Ramusio, „Navigationi e Viaggi", Vdg. 1550; II, 254), berichtet gleichfalls über den unglaublichen Reichtum Kinsay's und Zaytun's an Zucker, und sagt, in letzterer Stadt (dem jetzigen Tswanchau-fu oder Chincheuw, in Fokien), gebe es einen solchen Überfluss davon, dass man drei Pfund und acht Unzen für weniger als einen halben Soldo (etwa 20 Pfennige Silberwert = ca. 2 Mark jetzigen Geldwertes) kaufen könne. Nach Ibn- Batuta, dessen Reisen in die Jahre 1325—1354 fallen, giebt es in China riesige Mengen Zucker, und vieler ist ebenso gut, ja vielleicht noch besser als der ägyptische („Reisen" IV, 255); auch er rühmt vor allem die Grösse und den Reichtum von Zaytun, von welchem Hafen aus er seine Rückreise antrat (IV, 269 und 304); im 13. und 14. Jahrhundert war diese Stadt überhaupt der wichtigste Ausgangspunkt des Verkehres nach Koilum, Hili, Malabar, und Calicut (Polo II, 381), und ihr Handel nach diesen Orten so lebhaft, dass z. B. Ibn-Batuta, als er sich in Calicut nach China einschiffte, dort dreizehn chinesische Dschunken vorfand (IV, 89). Nach Tonkin und Annam bestand jedoch kein Seeverkehr von China aus, da das Meer daselbst als unwegsam und gefährlich galt (Polo II, 248)*); zu Lande gab es indessen zahlreiche Verbindungen, und die chinesischen Berichte preisen den Wohlstand dieser Gegenden, und die Masse ihres Zuckers und Zuckerrohrs. Zieht man alles hier Angeführte in Betracht, bedenkt man ferner den wichtigen Umstand, dass die chinesische Schrift kein eigenes Zeichen für das Wort „Zucker" besitzt, sondern dasselbe entweder, z. B. in Sha-tang, durch die Silbe „tang" ausdrückt und für diese das Wurzelbild „Reis" anwendet (Ritter 358), oder die Umschreibung Shi-mi (Steinhonig) gebraucht, welche eine wörtliche Übersetzung des indischen „Gulabatu" ist, — so kann kein Zweifel darüber walten, dass die Kunst der Zuckerbereitung in allen ihren Gestalten, den Chinesen ursprünglich fremd, und von n *) Noch Camoens, der 1559 in Macao die „Lusiaden" schrieb, sagt im 10. Gesango, Strophe 129: Sieh', Cochinchina ist unwirtlich Land, Und von Annam die Bucht, ist unbekannt. 166 Siebenter Abschnitt. g ■ : aussen nach China eingeführt ist, so dass sich Humholdt's Hypothese nicht aufrecht erhalten lässt; auch soweit sich dieselbe auf das Alter der Porzellanfabrikation in China gründet, sind ihre Stützen hinfällig, denn es ist, im Gegensatze zu früheren Anschauungen, sicher bewiesen, dass diese Kunst im Reiche der Mitte keineswegs uralt ist, sondern erst um 185 n. Chr. ihre Entwicke- lung begann, und in ihre Blütezeit erst im 5. und 6. Jahrhundert eintrat (Stan. Julien et Champion, „Industries anciennes et modernes de l'empire chinois"; Paris 1870). Was die Verbreitung des Zuckerrohres nach den indischen Inseln und dem Archipelagus betrifft, so lässt sich hierfür bisher keinerlei genauere Zeitangabe aufstellen, da es nicht möglich ist, die Verbindungen mit Indien ins einzelne zu verfolgen. Sicher ist, dass die Indier schon sehr frühe, und zwar ausschliesslich des dabei zu erzielenden Gewinnes wegen, weite Seefahrten unternahmen (Lassen I, 1026), und namentlich Java besuchten (ebd. I, 98), wo um 50 n. Chr. schon feste indische Ansiedlungen nachweisbar sind (ebd. III, 269), und sich noch eine Sage über die Einführung des Reises erhalten hat (ebd. IV, 476). Die Andamanen waren ihnen gleichfalls nicht fremd (ebd. IV, 915), und diese Inseln dürften, ebenso wie die Nikobaren, auf welchen Soleiman (Reinaud, „Rel." I, 16) einen stummen Tauschhandel mit Zuckerrohr, Kokosnüssen, Bananen und Palmwein vorfand, gelegentlich jener zu Handelszwecken unternommenen Seereisen, schon frühzeitig das Zuckerrohr empfangen haben; in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten war die Verbindung zwischen Indien und China über die Inseln bereits bekannt, und in den späteren so allgemein benutzt, dass selbst die chinesischen Pilger diesen Weg mit Vorliebe zur Rückreise wählten, wie z. B. Fahian, der hierbei 424 die Insel Java passierte (Lassen IV, 711). Im Sunda-Archipelagus, sowie bei den Malayen heisst das Zuckerrohr allgemein tabu oder tubo (= Rohr), während für Zucker ausschliesslich das indische Fremdwort guda oder gula im Gebrauche steht (Lassen I, 317), oder wenigstens Zucker im Allgemeinen bezeichnet, während die Arten desselben noch besonders benannt werden (Flückiger undlianbury a. a. 0.); es weist dieser Umstand darauf hin, dass die Kunst der Rohzuckerbereitung jenen Inseln aus Bengalen zukam, und zwar zu einer Zeit, in welcher ihnen das Zuckerrohr selbst schon seit langem bekannt war. In derThat berichtet Rumph („Herb, amb." V, 186 ff.) im 17. Jahrhunderte, dass, den ihm gewordenen Nachrichten zufolge, die Kunst, Zucker aus dem Safte der Palmen und des Zuckerrohres zu kochen, D. Verbreitung d. Zuckerrohres n, China u. d. Küsten d. indischen Ozeans. 167 auf den Inseln keineswegs so alt sei, als man glaube; in Amboina esse man nocb immer alles Zuckerrohr in rohem Zustande; auf Celebes und den Molukken koche man es mit Wasser aus, und verwende den Syrup, welcher Gula heisse, zum Versüssen der Speisen, sowie zur Anfertigung des „Kilang", eines mit Gewürzen versetzten Rauschtrankes; auf Java mache man zwar Zucker, Gulabatu, habe aber die richtige Ausübung dieses Gewerbes erst von chinesischen Einwanderern und Pächtern gelernt. Ganz Ähnliches meldet bezüglich Sumatras, und anderer benachbarten Inseln, Crawfurd („Ind. Arch." III, 275). Es stimmt hiermit überein, dass Edrisi, welcher wiederholt den Reichtum Javas, Balis, Tamumahs, Sumatras, Binäns, Djanäns und zahlreicher anderer Inseln an Zuckerrohr hervorhebt (I, 77 ff.), nur von diesem, und nicht von Zucker spricht; auch Polo, der in Bengalen und in Koilum die Menge des Rohr- und Palmzuckers rühmt (II, 97 und 364), erwähnt in Sumatra (II, 274) nur den vorzüglichen, stark berauschenden Palmwein, „eine weisse Flüssigkeit, frisch aus- iliessend süss wie Honig, nach einer Stunde schon ein Wein, und nach einigen Tagen Essig." Von Siam berichtet die chinesische Erdbeschreibung „Hoan- yu-ki" (verfasst um 980), dass man dort aus dem Safte des Zuckerrohres Wein bereite, und in Cambodja machte man bereits im 8. Jahrhundert aus „Zuckerteig" ein berauschendes Getränk (Ritter 344); chinesische Beamte, die dieses Land 1295 besuchten, erzählen, dass dessen Einwohner völlig dem Trünke ergeben seien, und viererlei Weine, aus Honig, Reis, Fruchtsäften, und krystalli- siertem Zucker bereiteten, welche sie bei ihren, aus Reis oder Hirse mit Milch und Zucker bestehenden Mahlzeiten, in unglaublichen Massen verschlängen (Abel-Remusat, „Nouvelles Melanges Asiatiques" I, 77 ff.; Lassen IV, 398 und 410). Nach Ceylon wurde das Zuckerrohr erst zu Ende des 6., oder zu Beginn des 7. Jahrhunderts, durch buddhistische Flüchtlinge aus Bengalen gebracht (Ritter 338); Edrisi erwähnt sein Vorkommen daselbst (I, 72), Soleiman sah es jedoch schon um 850 auf der Insel Malhan, zwischen Ceylon und Kalahbar (Reinaud, „Rel." I, 20). Um dieselbe Zeit wie nach Ceylon, dürfte das Zuckerrohr auch an die Südwestküste Vorderindiens gelangt sein. Die Verbreitung desselben nach den Westküsten des Indischen Ozeans war fast ausschliesslich das Werk der Araber; Soleiman fand es schon in Madagaskar vor (Reinaud, „Rel." I, 137; II, 58), Edrisi in Socotora (I, 59 und 66), wohin es die Araber vermut- 168 Siebenter Abschnitt. lieh schon gegen 700 brachten, als sie sich auf dieser Insel festsetzten (Massudi III, 37). Auf den Malediven, und auf der Insel Zaledj bei Sansibar, war das Zuckerrohr zur Zeit Edrisi's ebenfalls schon allgemein bekannt (I, 68 und 59); auch Polo rühmt in Sansibar den Wein aus Datteln, Reis, Gewürzen und Zucker (II, 416), und versichert, ihn nur noch in Esher (jetzt Shehr, östlich von Aden) in gleicher Güte angetroffen zu haben (II, 439). ■■■■ ACHTER ABSCHNITT. Der Zucker zur Zeit der Kreuzzüffe. Der weite Umfang des arabischen Reiches, und der, aus diesem hervorgegangenen Staaten, und die Mannigfaltigkeit ihrer kriegerischen und Handelsbeziehungen zu den Völkern Europas, brachte es mit sich, dass auch der Zucker gleichzeitig von verschiedenen Seiten aus, bei diesen Eingang fand; die Nähe des arabischen Spaniens, Siziliens und Nordafrikas, war in dieser Hinsicht für den Westen, die der asiatischen Provinzen des Chalifates und Ägyptens, für den Osten des Weltteiles von hervorragender Bedeutung; jedoch kreuzen sich diese Einflüsse häufig, und in so verwickelter Weise, dass es für den einzelnen Fall oft unmöglich zu entscheiden ist, was der direkten Berührung mit dem Orient, was der Übermittlung zugeschrieben werden muss. In Konstantinopel, welches als Hauptstadt des oströmischen Reiches den gesamten morgenländischen Handel an sich gezogen, und ihn auch während der Wirren der Völkerwanderung nach Möglichkeit bewahrt hatte, dürfte der Zucker wohl zuerst auf europäischem, der mohammedanischen Herrschaft nichtunterworfenem Boden, bekannt geworden sein; einerseits standen die byzantinischen Kaiser in vielfacher Verbindung mit dem omajjadischen und abbassidischen Chalifen (Massudi VIII, 87), und tauschten mit ihnen Geschenke, aus den kostbarsten Luxuswaaren bestehend, aus, —• wie sich denn z. B. destilliertes Rosenwasser schon 917 und 946 im Zeremonienbuche Konstantin'« VII. vorfindet (Sprengel II, 315); andererseits fand der Zucker, infolge des wachsenden Einflusses der arabischen Medizin, auch Eingang in die griechische Heilkunde. Die Schriften der byzantinischen Arzte sind leider noch zu wenig erforscht, um bestimmte Zeitangaben in letzterer Hinsicht zu ermöglichen. Die um 1050 verfasste „Diätetik" des Michael Psellos (Meyer, „Bot." III, 369; Kopp, „Beitr." II, 478) soll noch keinerlei orientalische Früchte und Spezereien ent- ^zE^si 170 Achter Abschnitt. halten, sondern hauptsächlich flüssige Arzneien aus Honig, Wein und Gewürzen vorschreiben, z. B. Hydromel, Oinomel (Honigwein), Honigmost, Hydrorosatum (Honig-Rosenwasser), Omphakomel (Honig-Traubensaft), und dergl. mehr (Haeser I, 497). Als erster griechischer Arzt arabischer Färbung gilt Simeon Seth (um 1075), dessen Werk „Die Kräfte der Nahrungsmittel 1 ' eine Anzahl der bei den Arabern gebräuchlichen Arome, Öle, und Syrupe aufzählt (Haeser I, 478); um diese Zeit wurde, nach dem Berichte des Eustathius (ed. Tafel 263 und 309), am Hofe der, seit 1057 regierenden Dynastie der Komnenen, schon viel Zuckerwasser getrunken, und Synesius, der Leibarzt des Manuel Komnenos, empfiehlt bereits Rosenzucker zur Vertreibung des Fiebers (Sprengel II, 328). Auch Stephanos Magnetes, der Verfasser des „Alphabetum empiricum" (um 1100), und Tzetzes (um 1150) kennen den Zucker, und letzterer erwähnt rö yXv/.vy.dlctfiov <> ttOtel %i]v Käyuqiv, „das süsse Schilf, welches den Zucker hervorbringt" (Stephanus, „Thes." VII, 30 ff.). Ob unter Actuarius, der gegen 1250 lebte, jener Arzt dieses Namens zu verstehen ist, dem man früher vielfach die erste Einführung des Zuckers in den Arzneischatz zuzuschreiben pflegte (Ritter 377), ist ungewiss, da seit 802 die Leibärzte aller byzantinischen Kaiser diesen Titel führten (Haeser I, 480 ff.); in seinen Schriften wird jedoch der Zucker oft genannt, auch unterscheidet er Penidium (Fanid) und Zucker, und beschreibt die Darstellung des Rosenwassers durch Gährung von Rosenblättern mit Zuckerlösung (Moseley a. a. O.; Pancirollus, „De rebus perditis et in- ventis", Frankf. 1602; II, 369). Sein Zeitgenosse Nikolaos Myrepsus, dessen Werk als eine „wüste Masse von Rezepten" bezeichnet wird (Meyer, „Bot." III, 382; Sprengel II, 334), spricht ausser vom Penidium noch von Tabarzed und Kandiszucker (xcivriov), und wendet dieselben in vielfacher Weise an (Salma- sius II, 715 ff.; III, 108 ff.). Auch Charito verschreibt gezuckerten Wein und „Süssigkeiten aus Zucker bereitet", doch sind er, sowie Achmes, über die Natur des Zuckers völlig im Unklaren, indem sie das y'kv/.vvxc'kaiiov für Lotus erklären (ebd. II, 916 ff.). Welche Art Lotus hier gemeint ist, lässt sich nicht entnehmen, da man mit diesem Namen seit Alters her mehrere verschiedene Pflanzen benannte (Woenig 334 ff.); der Lotus der „Odyssee" (IX, 84) „süsser wie Honig" ist wohl Rhamnus Lotus, ein Baum mit mehligen Beeren von köstlichem, der Dattel ähnlichem Geschmacke (Woenig 28), den auch Dioskorides („Mat. med." I, 153) und Abu-Hanifa (Ibn-Beithar II, 5) beschreiben; Dioskorides Der Zucker zur Zoit der Kreuzzütre. 171 nennt aber auch noch drei andere Arten („Mat. med." I, 600 ff.), deren Wurzeln man zu Brot verarbeitete (Herodot IV, 177; Theophrast IV, 8), und aus deren Saft ein Wein bereitet wurde (Plinius III, 73; Diodor 1, 10 und 34). Von weit grösserem Einflüsse auf die Allgemeinheit, als von Konstantinopel aus. wurde die Berührung mit dem Oriente seitens der Städte Unteritaliens, von denen besonders Neapel, Gaeta, Salerno, Bari, Tarent, Trani, Brindisi, und Amalfi zu nennen sind (Heyd, „Geschichte des Levantehandels im Mittelalter", französ. Ausg., Leipzig 1885; Prutz, „Kulturgeschichte der Kreuzzüge", 45); namentlich Amalfi stand schon um 870 in regem Handelsverkehr mit den Arabern in Sicilien, Syrien und Ägypten, sowie mit Byzanz. Im 10. Jahrhunderte nahm diese Stadt einen neuerlichen grossen Aufschwung, dem aber infolge ihrer Eroberung durch die Normannen (1031) ein noch rascherer Verfall folgte, wie am besten aus dem Umstände zu ersehen ist, dass sich keine dort gezeichnete Seekarte, ja nicht einmal der Name eines dortigen Kartographen erhalten hat (Fischer, „Sammlung mittelalterlicher Welt- und Seekarten italienischen Ursprunges", Venedig 1886). Weniger als Handelsstadt, denn als Sitz einer wichtigen medizinischen Schule, hat sich Salerno hohen Ruhm erworben. Ob diese Schule aus der, des 529 gestifteten Benediktiner-Klosters Monte Cassino hervorging, oder selbständig auf heimatlichem Boden erwuchs, ist noch immer ungewiss (Steinschneider, „Virchow's Archiv", Bd. 38, 81), und ebensowenig steht der genaue Zeitpunkt ihrer Gründung fest; gegen 850 bestand sie wahrscheinlich schon, da 848 ein dortiger Arzt erwähnt wird (Ha es er I, 648), und zwar, nach Meyer's Vermutung („Bot." III, 451), als weltliches, jedoch Geistlichen zugängliches, nicht öffentliches Institut, als eine Gilde von Ärzten, die ihre Lehren und Mittel geheim hielten, und keinerlei Schriften herausgaben. Da die Kultur Unteritaliens in dieser Periode noch eine vornehmlich griechische war, so schloss sich auch die Schule von Salerno direkt an die älteren griechischen Ärzte an, und der vorwiegende Einfluss -des Hippokrates und Galenos, und das Fehlen der arabischen Terminologie, sowie der dialektisch-scholastischen Form der Araber, ist für ihre anfängliche Thätigkeit charakteristisch (Steinschneider a. a. O., Bd. 42; 56 und 54). In diese ersten dunklen Anfänge Salernos fällt die Thätigkeit des frühestens 965 gestorbenen Arztes Sabbatai-ben- Abraham, genannt Donnolo, dessen Schriften wahrscheinlich älter als die ältesten, sicher zu datierenden, der salemitanischen Schule sind (ebd. Bd. 38, 65; Bd. 42, 51 und 55); erhalten ist 172 Achter Abschnitt. das Fragment seines „Antidotariums", des ältesten, am Berührungspunkte arabischer und griechisch-lateinischer Kultur entstandenen medizinischen Werkes, in hebräischer Sprache. In dieser Anweisung zur praktischen Bereitung von Heil- und Gewürzmitteln, kommt unter 120 Namen nur ein, sicher arabischer vor (ebd. Bd. 42, 60), auch wird der Zucker nicht erwähnt, sondern der Honig dient noch, als alleiniges heilendes und konservierendes Mittel, zur Darstellung fast aller, zum Teile sehr verwickelt zusammengesetzter Gemische. Wann die Schule von Salerno zu einer öffentlichen Lehranstalt wurde, ist ebenfalls noch ungewiss; nach Meyer („Bot." III, 475 ff.) soll dies Constantinus Afrikanus veranlasst haben, welcher, nachdem er 39 Jahre im Oriente zugebracht hatte, nach Salerno kam, daselbst mündlichen öffentlichen Unterricht erteilte, mehrere Schriften bekannt machte, und dann, im Jahre 1073, nach Monte Cassino übersiedelte, Mönch wurde, und dort seine wichtigsten Werke verfasste. Steinschneider erklärt jedoch nur soviel für sicher, dass Constantinus Afrikanus der erste, dem Namen nach bekannte, (übrigens in jeder Hinsicht äusserst willkürliche, und in seinen Quellen-Angaben durchaus unzuverlässige) Übersetzer aus dem Arabischen gewesen sei, dass er zuerst die medizinische Litteratur der Araber, und eine grosse Anzahl ihrer Heilmittel, ins Abendland verpflanzte, sowie dass er, zu einer Zeit, in welcher die Schule Salernos bereits einen weitverbreiteten Ruf genoss, mehrere Jahre in dieser Stadt thätig war (a. a. 0. Bd. 37, 351; Bd. 39, 334; Bd. 42, 91). Ob er jedoch überhaupt in Beziehung zur dortigen Schule trat, und welcher Art diese gewesen sein mögen, ist noch durchaus zweifelhaft, um so mehr als das gegen 1100 verfasste „Regimen sanitatis Salernitanum", das ver- breitetste und berühmteste, später vielfach erweiterte und umgestaltete Erzeugnis der salernitanischen Schule, die Spuren seiner Einwirkung nicht verrät; unter den zahlreichen Arzneien, die dasselbe vom 150. Verse an aufzählt, fehlen solche von speziell arabischer Färbung noch vollständig, unter diesen auch der Zucker (Haeser I, 671). Übrigens ist das genannte medizinische Lehrgedicht, nicht weniger als durch seinen Inhalt, auch durch seine Form bemerkenswert, welche in sog. leoninischen Versen, d. h. Distichen mit (meist sehr unvollkommenen) Reimen am Ende und in der Mitte der Zeilen, besteht.*) Der Reim nämlich, welcher schon im *) Kine sehr gute deutsche Übersetzung des „Regimen" lieferte Düntzer (Köln 1841); für die Beliebtheit und den Einfluss des Gedichtes, das ur- Der Zucker zur Zeit- der Kreuzzüge. 173 9. Jahrhunderte sporadisch bei d9fc christlich-lateinischen Poeten vorkommt, wurde allgemein erst im 11. und 12. Jahrhundert gebräuchlich, und zwar infolge jener Nachahmung spanisch- und sizilisch-arabischer, gereimter Muster, welcher, nach Petrarca's und Dante's Zeugnisse, die gereimte romanische Dichtkunst der Provence und Italiens ihren Ursprung verdankt (Scherr, „Allgemeine Geschichte der Litteratur", Sttg. 1887; I, 184; Schack, „Die Normannen" II, 59; Scherer, „Geschichte der deutschen Litteratur", Berl. 1887, 38); von jenen altarabischen Vorbildern, welche hinter den späteren romanischen Nachbildungen in keiner Weise zurückbleiben sollen, ist leider nur Weniges erhalten, und auch dieses Wenige noch fast unbekannt (Schack, „Kunst und Poesie", I, 299; II, 11). Die erste genaue Kenntnis der arabischen Heilmittel und Syrupe findet sich bei einem, als Magister Salernus bekannten Mitgliede der Schule, gegen 1130 (Haeser I, 668), sowie im ,An- tidotarium" des Nikolaos Präpositus (um 1140), des Verfassers mehrerer, früher fälschlich dem Constantinus Afrikanus zugeschriebenen Werke, welcher Rosen- und Veilchen-Syrup, liosen- zucker und Oxyzuccara (Sauerzucker) erwähnt (Steinschneider, „Virchow's Archiv«, Bd. 40, 101). Von weit grösserer Wichtigkeit und Genauigkeit ist jedoch des Matthäus Platearius, gegen 1150 verfasste Schrift „De simplici medicina", nach ihren Anfangsworten auch „Circa instans" genannt, die reichste und umfassendste, an botanischen Kenntnissen alle Werke seit Plinius und Dioskorides übertreffende Heilmittel-Lehre des Abendlandes (Haeser I, 668; Meyer, „Bot." III, 513). Über die Versüssungsmittel äussert sich Platearius wie folgt (Ausgabe von Lyon 1525, 242ff.): „Honig wird von den Bienen aus den reinsten Teilen des aufgesogenen Pflanzensaftes höchst künstlich bereitet; es giebt zahmen Honig und Waldhonig. Ersteren erhält man von den Bauern, welche hohle Baumstämme herrichten, in denen die Bienen den Honig aufsammeln, und er gehört, wenn er weiss ist, zu den kühlenden, wenn er rot ist, zu den erhitzenden Arzneien; der Letztere ist von geringerer Art und bitterlich, namentlich wenn er aus Kastanienblüten stammt. Honig wirkt krafterhaltend und stärkend, auch konserviert er andere Säfte und Arzneien, sprünglich nur aus 364, zuletzt aus über 2000 Versen bestand, spricht der Umstand, dass 1852 Renzi schon 146 gedruckte Ausgaben desselben nachzuweisen vermochte (Peters II, 272 und 273). 174 Achter Abschnitt. schützt sie vor dem Verderben, und deckt durch seine Süsse- deren bitteren Geschmack; soll seine Wirkung auch dem tiefer gelegenen Körperteilen zu gute kommen, so mischt man ihn mit heilsamen Pulvern z. B. mit Nitrum (Soda), einer Efflorescenz des Erdbodens." „Penidium macht man so (S. 246): Zucker und AVasser kocht man so stark ein, dass ein Tropfen, auf einen Stein gebracht, erhärtet, und die Masse zwischen den Fingern zerbrochen werden kann. Man giesst das Ganze auf eine polierte Steinplatte, lässt etwas abkühlen, rollt es zusammen, hängt es an einen gut befestigten Haken, und dreht und flicht es fortwährend, bis es ganz weiss ist; sobald es den Händen nicht mehr anhaftet, zerschneidet man es mit einer Schere in Stücke. Pulver zumischen kann man nicht, weil es diese nicht festhält, doch kann man solche auf das Fertige streuen, z. B. Stärkemehl, damit es schön weiss aussieht. Penid ist ein vorzügliches Mittel gegen Fieber, trockenen Husten, und Brustkrankheiten, auch heilt es, in Traganthwasser aufgeweicht, aufgesprungene Lippen; bei starken Fiebern und bei Lungenkrankheiten giebt man auch Diapenidion." Zu gleichem Zwecke wird auch Zucker mit Perlenpulver, Rosen- und Veilchen-Zucker, Syrup von Rosen, Veilchen, Granaten u. dergl. empfohlen, und genaue Anleitung zur Darstellung dieser Präparate gegeben (ebd. 242 r 247, 252). „Zucker (ebd. 252) ist massig feucht im ersten Grade, hat eine erweichende und lösende Kraft, und, in Form eines kühlen Syrups, eine kühlende; auf zwei Pfund Zucker nimmt man (zur Bereitung des Syrups) ein Pfund Wasser, doch ist mehr Wasser nicht von Übel, ausser dass dann das Einkochen länger dauert. Den Zucker gewinnt man auf folgende Weise: wenn die Rohre, in denen er sich bildet, reif sind, schneidet man die Spitzen zwei Hand breit ab, und pflanzt sie, als wären es Grashalme, sogleich wieder in die Erde; das übrige zerschneidet man, presst die Stücke in einer Mühle aus, und leitet den Saft durch Holzrohre in kleine Gefässe. Sodann wird alles zusammen in einem Kessel eingekocht, wobei eine Unmasse Schaum entsteht, und dann in runde Schüsseln ausgeschöpft; diese stellt man in eigene Häuser beiseite, bedeckt sie sogleich mit Spreu, und bespritzt diese sodann mit kaltem Wasser. Befeuchtet man nur mit wenig Wasser, so bleibt der Zucker gelb, und heisst Honigzucker (zuccara mellita), welcher, weil er von wärmerer Natur ist, bei heftigem Fieber nicht gegeben werden darf; in den nämlichen (mit mehr Wasser besprengten) Gefässen aber, in denen der Zucker am Boden diese Beschaffen- Der Zucker zur Zeit der Kreuzzüge. 175. heit hat, ist er weiter oben schon weiss und gut, und giebt, mit Essig zur Trockene gekocht, und zu Zeltchen geformt, ein unübertreffliches Mittel gegen Fieber und Magenkrankheiten. Man kann auch (diesen Zucker wieder auflösen und) nochmals besser aufkochen; je öfter man kocht und reinigt, desto schöner und weisser wird er, aber desto weniger bleibt auch davon übrig." Angesichts des völligen Mangels arabischer Original-Angaben über die Methoden der Zuckerbereitung, bieten diese Mitteilungen doppeltes Interesse dar; leider ist aus denselben nicht zu ersehen» ob sie sich auf Überlieferung, oder auf eigene Anschauung gründen, und ob die ausschliessliche Erwähnung der pharmazeutischen Eigenschaften des Zuckers, bloss dem Charakter des Werkes, oder auch dem Umstände zuzuschreiben ist, dass Zucker damals noch keine andere, als die rein medizinische Anwendung fand. Wahrscheinlich ist es, dass, wie noch im späteren Mittelalter, so auch in damaliger Zeit, in Unteritalien selbst, Zuckerrohr gebaut wurde, und dass der Zucker dort als Gegenstand des Luxus, wenn auch als kostspieliger und seltener, schon früh bekannt war; als Stütze für diese Ansicht kann man anführen, „dass, als die Salernitaner im Jahre 1000 (oder 1016) eine Gesandtschaft nach Nordfrankreich schickten, um normannische Krieger zur Übersiedelung nach Süditalien, und zur Teilnahme am Kampfe wider die Sarazenen einzuladen, die Gesandten verlockende, im Norden unbekannte Gegenstände als Geschenke mitbrachten, darunter, um den Reichtum ihres Bodens zu zeigen, Früchte ihres Landes, überzuckerte Nüsse, Mandeln und Orangen, wodurch denn solche Aufforderung nicht ohne Erfolg blieb, und Apulien, als lockendes Ziel, allen von Thatenlust Getriebenen vor Augen trat" (Schack, „Die Normannen" I, 94). Unbedingt beweisend sind diese Worte allerdings nicht, denn wenn, man sie nicht buchstäblich auffassen will, bleibt die Annahme nicht ausgeschlossen, dass es sich um Erzeugnisse Siziliens gehandelt habe, dass namentlich der Zucker dessen Boden entsprossen sei. Die Eroberung Siziliens durch die Normannen, welche 1072 mit der Übergabe von Mazzara bei Palermo vollendet wurde (Amari III, 133), beeinträchtigte die Kultur des Zuckerrohres daselbst keineswegs, denn nach Beendigung der seit fast fünfzig Jahren andauernden Bürgerkriege, trat unter Roger I. eine neue Blütezeit des Ackerbaues, Handels und Gewerbfleisses ein (Schack a. a. O. I, 219); auf Grund der unter den Arabern erhobenen Zuckerabgabe wurde eine neue eingeführt (Ritter 402), und Zucker- Erzeugung und -Handel dauerten ungestört fort (Amari III, 809). 176 Achtel' Abschnitt. Auch Roger IL, der 1112 zur Regierung kam, und Palermo zur Hauptstadt erhob, war ebenso eifrig in der PHege des Ackerbaues, wie in der Beförderung der Wissenschaften (Schack a. a. 0. I, 226); an seinem Hofe lebte Edrisi und schrieb daselbst, als Erklärung zu einem Planisphär, das der König, aus 450 Pfund Silber, und in einem Durchmesser von sechs Fuss, hatte giessen, und auf das künstlichste gravieren lassen, sein geographisches Werk (Amari III, 456; „Geogr." I, Vorr. 21). Zu dieser Zeit war Sizilien überreich an Zuckerrohr (Muratori, „Antiq." IV, 208; Hüllmann I, 76), Anbau und Verarbeitung desselben beschäftigten zahlreiche Menschenkräfte, und die Steinbrüche von Calatubo lieferten die zum Mahlen des Rohres besonders gesuchten „persischen Mühlsteine" (Edrisi, bei Schack a. a. 0. I, 315). Hauptsitz der Industrie war die Gegend um Palermo, und Hugo Falcandus be- schliesst in seiner gegen 1150 verfassten „Historia de calamitate Siciliae" (Carusio, „Bibliotheca Sicula", Palermo 1723, 408) eine begeisterte Lobrede auf diese Stadt, mit den Worten: „Wendest du aber den Blick nach jener Seite, so siehst du die Felder bedeckt von jener wunderbaren Graspflanze, welche die Einwohner Canna mellis (Honiggras) nennen, wegen der Süssigkeit des in ihr enthaltenen Saftes; wird dieser langsam und sorgfältig eingekocht, so giebt er eine Art Honig, wird er aber stark und heftig eingedickt, so verdichtet er sich zu festem Zucker." Auch der König Wilhelm IL (1172 —1182) war ein eifriger Förderer der Landwirtschaft und ihrer Gewerbe; aus dem Jahre 1176 ist eine Urkunde desselben erhalten, in welchem er dem Kloster von Mon- reale, „molendinum unum, molendas ad cannas mellis, quod sara- cenice dicitur masara", d. h. „eine Zuckerrohr-Mühle, auf arabisch masara genannt", zum Geschenke macht (Pirrus, „Sicilia sacra", Palermo 1733, 454). In der Folgezeit scheint indes die Zuckererzeugung Siziliens in Verfall geraten zu sein, oder wenigstens keine entsprechenden Fortschritte gemacht zu haben, und das Erträgnis der Zuckersteuer, deren Vorhandensein aus der Abgabenliste von 1230 hervorgeht {Ritter 403) Hess zu wünschen übrig; Kaiser Friedrich IL, der in Palermo aufgewachsen war, und für das Gedeihen von Sizilien stets besondere Liebe trug, beauftragte daher 1239 den Riccardo Filangieri, Statthalter des Königreiches Jerusalem, „dass er zwei Meister, die ordentlich Zucker zu bereiten verstehen, ausfindig mache und nach Palermo schicke, damit diese dort Zucker machen, und dies auch andere lehren, auf dass eine solche Kunst zu Palermo niemals mehr in Vergessenheit geraten könne" (Huillard-Bre- Der Zucker zur Zeit der Kreuzzüge. 177 holles, „Historia diplomatica Friderici secundi", Paris 1857; V, 1, 574; Carcani, „ Constitutiones regum regni utriusque Siciliae", Neapel 1786, 291; Amari III, 785). In Neapel ist um diese Zeit (1242) gleichfalls ein Zuckermeister „Magister Sakcherarius" nachweisbar (Farges, in Olivier de Serres „Theätre d'Agriculture", Paris 1804; I, Vorr. 92ff.), was für die oben geäusserte Vermutung spricht, dass auch am italienischen Festlande Zuckerrohr gebaut, und Zucker erzeugt worden sei. Chiariti führt ein Reskript Friedrich II. an (ebd. I, Vorr. 92ff.), worin er den Juden in Palermo gewisse Gärten überlässt, um daselbst Palmen und Zuckerrohr anzubauen, und Sprengel („Bot." I, 229) erwähnt die, auf Befehl des Kaisers erfolgte Errichtung eines „officium zuccari" (Zuckerfabrik) in der Nähe dieser Stadt. Im Jahre 1239 beauftragte Friedrich II. den Magister Theodorus, ihm Veilchenzucker und Veilchensyrup für seinen Bedarf zu machen, und wies ihm alles hierzu Nötige an, worauf dann der Genannte dem Kanzler Pietro a Vinea eine Kruke voll Veilchenzucker, sowie einen Topf Rosensyrup übersandte (Huillard-Breholles V, 2, 750; Carcani a. a. 0. 347); auch wird berichtet, dass der Kaiser noch am Abend vor seinem Tode, in Zucker eingemachte Birnen ass. Durch die Wirren, welche gegen Ende des 13. Jahrhunderts über Sizilien bereinbrachen, und dessen Wohlstand auf das Schwerste schädigten, wurden leider auch die guten Absichten Friedrich II. zu nichte gemacht, und die von ihm so sehr beschützte Zuckerindustrie auf längere Zeit in den Hintergrund gedrängt.*) Zu derselben Zeit, wie die Handelsstädte Süditaliens, begannen auch jene im Norden der Halbinsel, in die allgemeinen Bahnen des Verkehrs auf bedeutungsvolle Weise einzugreifen, wobei vor allem Genua, Pisa, und Venedig zu nennen sind. Die Gründung letzterer Stadt durch reiche, vor den Stürmen des 5. und 6. Jahrhunderts aus den Nachbarstädten fliehende Familien, — erst als Gruppe von Inseln mit getrennten Verwaltungen, dann als einheitliches Gemeinwesen —, wird von Sansovino in das Jahr 407, von Anderen in die Jahre 421 oder 466 verlegt (Marin, „Storia del commercio de' Veneziani", Vened. 1800, I, 49; Romanin, „Storia documentata di Venezia", Vened. 1853, I, 46 und 75; Beer I, 177); seit der Errichtung des ostgotischen Reiches in Italien (493), stand sie unter gotischer Herrschaft, und nahm in- *) Wie eingehend sich der Kaiser selbst um Nebonumstände bekümmerte, zeigt ein Dekret desselben von 1239 (Huillard-Breholles V, 1, 573), worin er die Zuckcrrohrfeldor mit Dornenhecken zu umgeben gebietet, um sie vor der Beschädigung durch Hunde zu bewahren. Lippmunn, Geschichte de» Zuckers. 12 178 Achter Abschnitt. folge der Nähe Ravennas, des Hauptstapelplatzes für den byzantinischen Verkehr, so rasch an Bedeutung zu, dass Cassiodorus (484—575) in einem, auf Befehl des Gotenkönigs Vitiges geschriebenen Briefe, ihren Magistrat schon mit „Tribuni maritimi" anredet und darin sagt: „Ihr, die ihr so zahlreiche Schiffe besitzet, und mit diesen oft weit ausgedehnte Räume durchmesset" . . . (Marin I, 89; Romanin I, 60 und 68). Dem oströmischen Reiche gehörte Venedig nur kurze Zeit an; 697 wählte es den ersten Dogen (dux), und erfreute sich seit dieser Zeit der faktischen Unabhängigkeit, die aber erst von Karl dem Grossen auch formell anerkannt wurde (Romanin I, 92; Beer 1, 177 ff.). Im 8. und 9. Jahrhunderte vermittelte Venedig schon allein den Verkehr, sowie den Briefdienst Raveimas nach Konstantinopel, und Egin- hard berichtet bereits iii den Annalen Karl des Grossen, „dass die Venetianer jüngst (774) nach Pavia dem Heere alle Reichtümer des Orientes zugebracht hätten, die sie aus überseeischen Ländern holten" (Marin I, 203). Indem die Venetianer die Bedeutung des Orientverkehres, der infolge der arabischen Eroberungen in Syrien und Ägypten, über Trapezunt nach Konstantinopel ging, dort monopolisiert, und durch hohe Ausfuhrzölle (nach Ibn- Chordadbeh, 860, von 10 Prozent) erschwert wurde, rechtzeitig erkannten, begannen sie in der That bereits nach 800, die Küsten Syriens und Ägyptens direkt aufzusuchen. Zu Beginn des 10. Jahrhunderts stand Venedig schon unbestritten in erster Linie, wenn es sich um grosse Unternehmungen, und weite Meeresfahrten nach den ferneren Küsten des Mittelmeeres handelte (Romanin I, 214), und 971 begegnen wir den ersten Klagen der Kirche über den Verkehr mit den Ungläubigen, worauf dann die Stadt das Versprechen abgab, denselben weder Waffen noch sonstiges Kriegsmaterial zu verkaufen (ebd. I, 248 und 373). Die Beziehungen blieben aber nichtsdestoweniger so lebhafte, dass der Doge Orseolo IL im Jahre 991 die ersten Handelsverträge mit den Arabern in Spanien, Sizilien, Ägypten und Syrien abschloss (ebd. I, 269), und hiermit, angesichts des raschen Sinkens der byzantinischen Seemacht, die Handels-Suprematie seiner Vaterstadt fest begründete; unter seiner Regierung wurde auch 996, der erste Zucker aus Syrien und Ägypten nach Venedig gebracht (Beer I, 192; Volz 214; Ritter 401), und damit der weiteren Verbreitung desselben nach Mitteleuropa der wichtigste Weg erschlossen. In ungefähr dieselbe Zeit fällt auch die, vermutlich älteste Erwähnung des Zuckers, in der christlichen poetischen Litteratur Europas; der Kardinal Pietro Damiani (988 —1072), der als I ■■H Der Zucket zur Zeit der Kreuzzüge. 179 päpstlicher Legat am Hofe Kaiser Heinrich IV. wirkte, und sich durch seine Thätigkeit solchen Ruhm erwarb, dass selbst Dante ihn im 21. Gesänge des „Paradieses" erwähnt, sagt nämlich in einer Schilderung der Fluren des himmlischen Jerusalems, „dass dort, aus allen Gräsern Zucker schwitze," und in einem Wiegen- b'ede lässt er die h. Maria Christus mit den Worten ansingen (Sinirock, „Lauda Sion, Altchristliche Kirchenhyinnen", Köln 1850, 76): ,,Dormi, nato me melitte, dormi, plene sacharo" („Schlaf, du selbst wie Honig oben, süss wie Zucker mir fürwahr.'') Ebenso bedeutend wie Venedigs Handel nach dem Osten, war auch der mit Unteritalien und Sizilien, woselbst im 9. Jahrhundert hauptsächlich Ol, Wein, Manna und Mastix geholt wurde (Marin II, 114 und 162); durch den Vertrag Orseolo's II. wurde derselbe mächtig gefördert, und auch mit den Normannen wusste sich die Republik vorzüglich zu stellen, so dass ihr Verkehr in Sizilien, Kalabrien, und Neapel, unter dem Schutze besonderer Privilegien einen immer grösseren Umfang annahm, während andererseits Konstantinopel, welches die venetianische Seemacht behufs Bekämpfung der Araber und Normannen nicht entbehren konnte, die Beihilfe derselben gleichfalls durch Einräumung ungewöhnlicher Begünstigungen zu erlangen trachtete (Romanin I, 302; Marin III, 193 und 199). Zu Beginn des 11. Jahrhunderts begann auch der sizilianische Zucker („il precioso prodotto dello zucchero") auf dem Markte Venedigs zu erscheinen, und im 12. Jahrhundert, gegen dessen Ende Venedigs Handel in ganz Sizilien der herrschende war, stellte er sich häufig billiger als der ägyptische (Schack, „Die Normannen" II, 195; Marin IV, 228; Mac-Culloch, „Handelslexikon", Sttgt. 1834, II, 1049). Einen neuen grossen Aufschwung brachte der Seemacht Venedigs, sowie der Genuas und Pisas, der Beginn der Kreuzzüge, da die Schiffe dieser Städte zum Transport der Mannschaften, Waffen und Lebensmittel, zur Unterhaltung der Verbindungen, und zur Ausführung und Abwehr von Seeangriffen unentbehrlich waren (Rom an in II, 9); so z. B. ermöglichte es im Jahre 1100 allein das Erscheinen einer venetianischen Flotte von 200 Schiffen vor der Rhede von Jaffa, dem schwer bedrängten Gottfried von Bouillon, den Angriffen der Sarazenen weiteren Widerstand zu leisten (Prutz 380). Die anstrengenden und beschwerlichen Märsche während des ersten Kreuzzuges (1096 —1099) waren es auch, auf denen die 12* 180 Achter Abschnitt. erschöpften, und von quälendem Durste gepeinigten Kreuzfahrer zuerst der „neuen Erscheinung und unerwarteten köstlichen Gabe des Himmels zum Heile des Menschengeschlechtes", dem Zuckerrohre, begegneten („Gesta Dei per Francos", ed. Bongars, Hanau 1611; I, 595). Albert von Aachen berichtet darüber (ebd. I, 270): „In den Feldern der Ebene bei Tripolis fand man auch reichlich ein Honigschilf', welches sie dort Zucra nennen; die Leute saugten die Rohre mit Wonne aus, freuten sich über den wohl- thuenden Saft, und konnten sich, wegen seiner Süssigkeit, an diesem Genüsse gar nicht ersättigen. Dieses Gewächs wird aber dort von den Einwohnern alljährlich mit grosser Mühe angebaut; zur Erntezeit wird das reife Rohr in Mörsern zerstossen, und der filtrierte Saft in thönerne Gefässe gefüllt, und stehen gelassen, bis er erstarrt und hart wird, weissem Salze oder Schnee ähnlich." Das Produkt, dessen Darstellung hier in ziemlich unvollkommener Weise geschildert wird, lernten die Kreuzfahrer indes bald im Zustande grösster Reinheit kennen, indem Balduin, der Bruder Gottfried's von Bouillon, eine von Kairo nach Damaskus bestimmte Karawane überfiel, und dabei, neben anderen Kostbarkeiten, sieben Kamellasten Honig und elf Ladungen Zucker erbeutete (ebd. I, 3 b8). Fulcherius Carnotensis (ebd. I, 401) erzählt: „Auf den Feldern von Laodicea fand man gewisse rohrähnliche Pflanzen, Canamella genannt, von canna (Rohr) und mel (Honig), weil man aus ihnen, wie ich glaube, auf mühevolle Weise „mel silvestre" (Feldhonig, Zucker) gewinnt; wegen ihres Saftes von süssem Ge- schmacke, zerkauten wir sie gegen den Durst mit den Zähnen." Ebenso heisst es bei Jacobus de Vitriaco (ebd. I, 1075 und 1099): „In Syrien sahen wir eine Fülle von Honig aus Zuckerrohr; Calamelli sind Rohre voll Honig, d. h. sie enthalten einen sehr süssen Saft, den man auspresst, und am Feuer gelinde zu Honig, oder stärker zu Zucker eindickt; sie heissen auch cannamellae, von mel (Honig) und canna (Rohr), weil sie den gemeinen Sumpfrobren sehr ähnlich sehen." Von der Niederung des Jordans sagt Jacobus de Vitriaco (eb. II, 1057): „Dort giebt es Rohre, aus denen ein höchst süsser Saft fliesst, Zuckerrohre oder canamelli Zachariae geheissen; deren Honig essen sie dort mit Brot, oder lösen ihn in W T asser, und halten ihn für besser und gesünder als Bienenhonig. Einige sagen, dies sei die Honigart, welche Jonathan, der Sohn des Saul, auf der Erde fand, und unfolgsamerweise kostete. Mit dem Safte dieses Zuckerrohres stillten unsere Leute auch, bei der Belagerung von Albaria, Marra, und Archa, Der Zucker zur Zeit der Krouzzüge. 181 ihren oft schrecklichen Hunger." Während der grossen Hungersnot vor Jerusalem, 1100, half man sich gleichfalls durch.Kauen von Zuckerrohr, „obwohl es mehr Saft als Kraft hatte". Auch in Valenia und Markab oder Margat, nächst Antiochia, sowie in Tyrus, trafen die Kreuzfahrer vieles Zuckerrohr; bei der Belagerung letztgenannter Stadt waren die Venetianer über die Menge ihres Zuckers erstaunt (Romanin II, 44), und Wilhelm von Tyrus, der die Zuckerrohrfelder und deren Bewässerungsanlagen beschreibt, sagt (Bongars I, 835): „Aus dem Zuckerrohre wird dort der so höchst wertvolle, und für das Wohl der Menschen so sehr nötige Zucker (zachara) gemacht, und bis in die entlegensten Gegenden der Welt ausgeführt." Die Franken beeilten sieb, nach der ersten Besetzung des heiligen Landes, diese Kunst der Zuckerbereitung gleichfalls zu erlernen, teils von den Surianern, einem Mischvolke aus armenischen, arabischen und griechischen Bestandteilen, welche in dieser Fabrikation, sowie überhaupt in Gewerben und Handwerken für besonders erfahren galten (Prutz 147, 148), teils von sarazenischen Gefangenen; in Acre (Akkon) z. B. mussten dieselben Zuckerrohr bauen und Zucker bereiten (Michaud-Reinaud, „Bibl. des croisades" IV, 126), und thaten dies mit solchem Erfolge, dass Sultan Saladdin, als er 1187 diese Stadt eroberte, unter vielen anderen Kostbarkeiten auch eine grosse Menge Zucker erbeutete (Ibn-Alathir, bei Heyd a. a. 0.); nach einem Berichte aus dem Jahre 1190 sah man dort „Gold, Silber, Purpur, kostbare Stoffe, Zucker, sowie andere Wertgegenstände" (Reinaud, „Chroniques arabes" 201). Auch weisser Zucker ägyptischen Ursprunges fiel um diese Zeit den Kreuzfahrern wiederholt in die Hände, z. B. bei der Plünderung einer Karawane durch Richard Löwenherz (Gale, „Hist. Anglic. Scriptores quinque" II, 407; Raumer, „Geschichte der Hohenstaufen" V, 368). Hauptsitz der fränkischen Zuckerfabrikation war jedoch Tyrus, in dessen Umgebung, allein die Venetianer schon im 12. Jahrhunderte etwa 80 „Casalien" (Meierhöfe), mit wohlbewässerten Zuckerrohrfeldern und Mühlen (Massara) ausgestattet, besassen (Prutz 390); Benjamin von Tudela (ed. Baratier I, 72), rühmt 1173 die Menge und Güte des dortigen Zuckers, der auch bald im Abendlande solches hohen Rufes genoss, dass aus Tyrus die Meister herbeigeholt wurden, durch die Friedrich II. die gesunkene Zuckerrohrkultur Siziliens wieder zu heben wünschte (Prutz 407). Die königlichen Domänen bauten ebenfalls Zuckerrohr, so z. B. ist uns ein, von Baldnin III., 1160, mit Rainald Falconieri geschlossener Vertrag erhalten, wonach dieser, gegen 182 Achter Abschnitt. Erstattung eines Fünftels vom Reingewinn, den König bevollmächtigt, vom Flusse Beins bei Akkon beliebig viele Kanäle abzuleiten, und mit diesen seine Pflanzungen zu bewässern (Herquet, .,Cyprische Königsgestalten des Hauses Lusignan", Halle 1881, 165 ff.). Zuckerrohr-Plantagen besass ferner der deutsche Ritterorden (Prutz 263), sowie der Orden der Johanniter; die Statuten Hogier de Moulin's, von 1181, ordnen an, dass der Prior von Monte-Pellegrino bei Tripolis dem Hospital in Jerusalem jährlich zwei Zentner Zucker abzugeben, und dass der Prior von Tiberias, sowie die Erbpächter gewisser Ordensgüter, gleichfalls den Krankenhäusern des Ordens, den, zur Bereitung der Syrupe und Latwergen nötigen Zuckerbedarf, zu liefern hätten (Haeser I, 856; Herquet 165 ff.; Prutz 238 und 251); die Johanniterburg Margat bei Antiochia erzeugte auch vorzügliche in Zucker eingemachte Früchte, besonders Feigen (Prutz 319). Der Umfang des Zuckerhandels im heiligen Lande erhellt auch aus den sog. „Assisen von Jerusalem' - , einer Gesetzsammlung aus dem 13. Jahrhunderte, über deren genaues Zeitalter und Abfassungsweise nichts Näheres bekannt ist (Prutz 214); die Zucker-Steuern und -Zölle werden daselbst ausführlich abgehandelt (II, 174ff.), und neben Rohzucker wird auch weisser Zucker und „sucre nebath", genannt; „nebath" ist das arabische und persische Wort für Kandiszucker (Vullers). Das Wachstum und die Bedeutung der Zuckerindustrie in der folgenden Zeit bestätigen auch die Berichte verschiedener Pilger, welche im 13. Jahrhunderte ihre Fahrten vollbrachten, und Erzählungen über dieselben hinterlassen haben. Wilbrandus von Oldenburg, der um 1211 reiste (,,Pere- griationes medii aevi quatuor", ed. Laurent, Lpzg. 1864, 163) erwähnt die Zuckerrohrfelder von Beyrut, „wo wir zuerst das Rohr kosteten, aus dem der Zucker ausgekocht wird" (ebd. 167), von Krak (ebd. 169), und von Castell-Oanamella bei Mamistra (ebd. 179). Burchardus de Monte-Sion, der wichtigste und ausführlichste aller mittelalterlichen Pilger, vermutlich geborener Graf von Barby bei Magdeburg, und Professor der Philosophie, dessen Reisen in die Jahre 1275 — 1285 fallen (ebd. 4), sah Zuckerrohr und grosse Mühlen (magna molendina) bei Sidon, Tripolis, Galgala nächst Jericho, Jericho, und Krak (ebd. 26, 28, 58, 59); ein Ort dieses Namens (vom aramäischen Kerek — Thurm?) lag in einer fruchtbaren wasserreichen Ebene Syriens (ebd. 29), ein anderer jenseits des toten Meeres (ebd. 58), wo ihn 1115 König Balduin I. behufs Sperrung der Strasse von Kairo nach Damaskus befestigte; inmitten einer wohlbebauten Gegend gelegen, wurde er bald ein wichtiger Der Zucker zur Zeit der Kreuzzüge. 1S3 Handelsplatz und Bischofssitz (Makrizi 111, 288ff„), und erzeugte namentlich viel Zuckerrohr und Zucker. Über die Fabrikation des letzteren sagt Burchardus („Peregr." 87): „Im heiligen Lande wächst auch Zuckerrohr, das dem gewöhnlichen Rohre ähnlich, jedoch grösser ist; innen ist es hohl, und voll von einer schwammigen Masse, deren Natur sich der des Hollundermarkes nähert. Diese Rohre werden geerntet, in Stücke von halber Spannenlänge geschnitten, und in einem Mörser ausgequetscht; der ausgepresste Saft wird in metallenen Kesseln eingekocht, und die dicke Masse in Körbe gefüllt, die aus feinen Ruten geflochten sind. Einige Zeit nachher wird sie trocken und hart, und so wird der Zucker (zucara) gewonnen; vor dem Erhärten läuft eine dicke Flüssigkeit ab, die Zuckerhonig (mel zncarae) heisst, ausgezeichnet schmeckt, und sich gar sehr zum Bereiten von Speisen eignet. Vom Zuckerrohre selbst schneidet man oben fingerlange Stücke derart ab, dass sich in deren Mitte ein Knoten, von denen jedes Rohr mehrere hat, befindet; zur Frühjahrszeit steckt man diese Stücke an feuchten Orten in die Erde, und es wachsen daraus neue Rohre, meist aus jedem zwei, nämlich eines von jeder Seite des Knotens; und so wird Zuckerrohr gepflanzt." Ricoldus de Monte-Crucis, der Syrien gegen 1300, kurz bevor die letzten, von den Christen noch besetzt gehaltenen Orte, endgiltig an die Sarazenen verloren gingen, bereiste, lobt gleichfalls die Zuckerrohrfelder von Ilkracco am toten Meere, Jericho, und Beyrut (ebd. 103, 109); diese Stadt muss ganz besonders reich an Zuckerrohr gewesen sein, da schon 1232, bei der Belagerung derselben durch cyprische Truppen, diese ihre Pferde durch Fütterung mit Zuckerrohr-Blättern zu erhalten vermochten (Mas-Latrie, „Histoire de File de Chypre", Paris 1855; 1, 273). Die, durch die wirtschaftlichen und sozialen Anregungen der Kreuzzüge bewirkte, lebhafte Entwicklung der materiellen Seite des abendländischen Volkslebens, kann nicht leicht überschätzt werden; viele Waaren, die bis dahin bloss Gegenstand des grössten Luxus gewesen waren, verbreiteten sich in weiteren Kreisen, das westliche und mittlere Europa wurden mit den Genüssen des Orientes bekannt, neue Bedürfnisse zeigten sich wachgerufen, und das Streben nach ihrer Erfüllung förderte Produktion und Konsumtion; der sich steigernde Marktverkehr und der zunehmende Seehandel belebten auch die Handwerke und Luxusgewerbe, vor allem die der italienischen Hafenstädte, deren Verkehr mit dem Oriente und mit Konstantinopel auf die Verhältnisse ganz Mitteleuropas von umgestaltendem Einflüsse wurde (Beer I, 124, 131 ff.; Götz 534). 184 Achter Abschnitt. m Vergeblich suchte die Kirche, die übrigens zur Ausstattung ihrer Gebäude, zum Schmucke ihrer Diener, und zur Verherrlichung ihrer Kultushandlungeu, zahlreiche orientalische Artikel, als Gewänder, Teppiche, Behänge, Weihrauch u. dergl., selbst nicht entbehren mochte, den Aufschwung dieses Handels durch Verbote zu beeinträchtigen (Prutz 45). Ein solches wurde 1179, am lateranischen Konzil, in schärfster Form erlassen, und während der Dauer der Kreuzzüge wiederholt erneuert (Mas-Latrie II, 125); nach dem Fall von Akkon verboten Benedikt XI. (1304) und Johann XXII. (1307), sowie das Konzil von Vienne (1311), abermals jeden Handel mit den Ungläubigen (Mas-Latrie II, 125; Hüllmann I, 100), ohne indes, selbst durch Androhung der schwersten Kirchenstrafen, demselben Einhalt thun zu können. Johann XXII. verkaufte jedoch 1326 schon den Genuesen einen Freibrief auf zwei Jahre, und wies die Priester an, allen nach dem Oriente Handeltreibenden, nur gegen Ausfolgung eines Gewinnanteils Absolution zu geben; um sich diese Gelder selbst zu sichern, gab der Papst 1345, erst einzelnen Häusern Venedigs, dann der ganzen Stadt, einen, alle fünf Jahre zu erneuernden Dispens (Scherer, „Allgemeine Geschichte des Welthandels", Lpzg. 1850, 183), und 1348 erklärte Clemens VI. den ganzen Verkehr für frei, falls der Gewinn der Kirche, zur Bekämpfung der Ungläubigen, übergeben werde. Im Jahre 1359 erneuerte Innocenz VI. das Handelsverbot, vermutlich, um der wachsenden päpstlichen Geldnot durch Verkauf von Licenzen abzuhelfen, deren Verlängerung er sich noch 1361 mit 9000 Dukaten bezahlen liess, und erst Urban VI. hob 1369 alle solche Verbote als nutzlos auf (Mas-Latrie III, 720; Hüllmann I, 103). Dass es nach dem Falle Akkons, sowie im Laufe des 14. Jahrhunderts, nicht mehr gelang, eine neue Bewegung zur Befreiung des heiligen Landes in Gang zu bringen, ist wesentlich dem fortdauernd lebhaften Handelsverkehre der Seestädte zuzuschreiben, der diese rasch zu hoher Blüte erhob, und sie jeder Fortsetzung der Kreuzzüge abhold machte. Den grössten Vorteil aus dem Gange dieser Kriege zog Venedig, welches seit dem ersten Kreuzzuge immer mehr Fuss auf byzantinischem Reichsgebiete fasste, und sich hierdurch zum Mittelpunkte des europäischen Levantehandels aufschwang (Romanin I, 335; II, 49). Die auf solche Weise erregte Eifersucht Konstantinopels, als deren Ausfluss die Einkerkerung aller Venetianer und die Konfiskation ihrer Güter durch Kaiser Manuel (1171,) erscheint, hatte die Einnahme und Zerstörung Konstantinopels im vierten Kreuzzuge (1204) zur Folge. Während der 57 Jahre, die Der Zucker zur Zeit der Kreuzzüge. bis zur Wiedererrichtung des griechischen Kaisertums verstrichen, wuchs die Handelsübermacht Venedigs zu einer unbesieglichen; es spielte in dem neu errichteten lateinischen Kaisertum die führende Rolle, beherrschte alle hervorragenden Seeplätze von der Adria bis Konstantinopel, erhielt dort ein Stadtviertel, Pera, eingeräumt, und besetzte Morea, Malta, Kreta, und viele andere Inseln. Morea besass schon 1166 viele Zuckerrohrmühlen (Ritter 401), und lieferte um 1206, neben Honig, auch Zucker, jedoch nicht viel, und von geringer Qualität; Kreta, welches das Zuckerrohr vermutlichwährend der Zeit der arabischen Besetzung (818—961, nach Makkari I, 174) empfangen hatte, produzierte, als es die Vene- tianer 1207 eroberten, ebenfalls schon Zucker (Heyd a. a. 0.). Während dieser Epoche wurden auch wichtige Handelsverträge mit den Sultanen von Aleppo, und Ikonium, sowie mit Ägypten, abgeschlossen, welche die dauernde Ablenkung des indischen Verkehres von Konstantinopel nach Venedig anbahnten, und dessen Grösse im 14. Jahrhunderte wesentlich begründeten. Neben Venedig waren hauptsächlich Pisa und Genua von Bedeutung. Ersteres dehnte seinen Handelsverkehr, der seit dem 9. Jahrhunderte die Küsten von Sizilien, Spanien und Nordafrika umfasst hatte, seit dem ersten Kreuzzuge auch nach der Levante aus, besass daselbst schon 1105 und 1108 Verträge mit Jaffa, Cäsarea, Akkon, und Antiochia (Mas-Latrie II, 28; Peschel, „Entd." 15), und erlangte bald so grossen Einfluss, dass Edrisi es „eine der mächtigsten und wichtigsten Städte der Christenheit" nennt („Geogr." 1J, 250); fortgesetzte Streitigkeiten mit Genua, und namentlich der grosse Seesieg der Genuesen bei Meloria (1284) brachen seine Macht (Beer I, 204). Genua, dessen Handelsprivilegien im Orient bis 1095 zurückreichen (Mas-Latrie I], 28), stand seit Beginn der Kreuzzüge in stetem Wettbewerbe mit Venedig, und war mit diesem, sowie mit Pisa, in langwierige und erbitterte Kämpfe auf byzantinischem Boden verwickelt (Heyd 1, 427ff.); seitder Zeit der Paläologen behielt es im schwarzen Meere, sowie in Konstantinopel selbst, das Übergewicht. Wie im Oriente, so unterhielt Genua auch im Westen belangreiche Handelsbeziehungen, namentlich zu Malaga, Almeria, und Sevilla (Makkari I, 360; Abulfedä II, 59), sowie zu Valencia und Barcelona (Beer I, 195). Letztere Stadt, die seit 1150 mit allen grösseren Mittelmeerhäfen direkt verkehlte (ebd. I, 214), war infolge ihrer Verbindungen mit Katalonien und Aragonien, das 1282 in Besitz Siziliens gelangte, im 13. Jahrhunderte zu grossem Ansehen, und zu solchem Reichtume aufgestiegen, dass ihr Clemens V. einmal 186 Achter Abschnitt. selbst die päpstliche Tiara für 500 000 Dukaten verpfändete; obwohl ihre Schiffe die Küsten Nordaf'rikas und Syriens, Griechenlands, und Siziliens berühren, so lag ihre eigentümliche Bedeutung doch wesentlich in der Vermittlung des Waarenaustausches zwischen dem arabischen Spanien, und Genua, Pisa, und Südfrankreich. Die Handelsstädte des Letzteren waren seit den Zeiten des Altertums her, in einem, kaum jemals unterbrochenen Verkehre, mit den Haupthäfen Kleinasiens und Ägyptens gestanden (Momrasen V, 100). Gregor von Tours erwähnt 585 einen Weinimport von Gaza nach Marseille, und gedenkt der Anwesenheit syrischer Kaufleute in Südfrankreich; von Marseille aus schiffte sich 768 die Gesandtschaft Pipin's an den Chalifen Mansur ein, hier betraten die Gesandten Harun-al-Raschid's an Karl den Grossen europäischen Boden, und die Botschafter der fränkischen Kaiser brachen von hier aus 814, 815 und 833, nach Konstantinopel auf (Falke, „Geschichte des deutschen Handels", Lpzg. 1859; I, 29, 31, 37; Peschel, „Entd." 8; Beer 1, 219). Für das Jahr 813 ist bereits ein jährlich zweimaliger, regelmässiger Handelsverkehr nach Alexandria nachweisbar, und seit dieser Zeit sollen die Kaufleute verschiedener südfranzösischer Städte häufig zum gemeinsamen Einkaufe von Waaren dahin gereist sein (Peschel a. a. O.; Hüllmann I, 90). Am ersten Kreuzzuge nahmen die Provencalen hervorragenden Anteil, wofür ihnen schon König Balduin L, im Jahre 1117, ein besonderes Stadtviertel in Jerusalem überliess; seither entwickelte sich ein lebhafter Verkehr mit dem Orient, 1190 erhielten Narbonne und Montpellier, 1198 Marseille Handelsprivilegien, um 1200 gab es bereits in Akkon eine „Rue des Provencaux" und 1225 und 1236 wurden den genannten Städten, sowie den ,anderen Provencalen" neue, ausgedehnte Begünstigungen eingeräumt (Mas-Latrie I, 15, 29, 315; II, 24, 28, 29). Aber nicht nur von Osten, sondern auch von Sizilien, Unteritalien und Spanien her, machte sich der Einfluss der arabischen Kultur in Südfrankreich geltend, namentlich seit Alfons VI. von Castilien, 1085, unter dem Beistande provencalischer Ritter, den Mauren Toledo entrissen hatte, und hierdurch zahlreiche, an die ehemalige arabische Herrschaft in der Provence erinnernde Beziehungen, neu angeknüpft worden waren. Diese allseitigen Berührungen mit den Sitten und Gebräuchen des Orients, in Verbindung mit dem Reichtum des so glücklich gelegenen Landes, brachten es mit sich, dass die Provence die erste Stätte eines, im christlichen Europa bis dahin unbekannten Luxus wurde. Die Zünfte der Gold-, Seiden- und Teppich-Wirker, Der Zucker zur Zeit der Kreuzzügo. 187 der Juweliere, Köche und Würzkrämer, entwickelten sich dort zuerst, und übergross war die Menge der Spezereien, Arome und Gewürze, die in ihren Küstenstädten verbraucht, oder nach dem Inneren des Landes weiter gehandelt wurden (Beer I, 131 ff.; 220); im 12. Jahrhunderte galt Südfrankreich, im 13. schon ganz Frankreich, als der Sitz der Genusssucht und des Wohllebens, der sorglosen Verschwendung und der aufdringlichen Prasserei (Hüllmann IV, 137). Auch der Zuckerkonsum, der seit dem ersten Kreuzzuge, infolge der blühenden Zuckerrohrkultur Syriens, im ganzen Abendlande beträchtlich gestiegen war, nahm nirgends rascher und allgemeiner zu, als in der Provence, wo Zucker schon in der Mitte des 12. Jahrhunderts eine gangbare Handelswaare bildete, und zum Versüssen von Speisen, sowie zum Einmachen von Früchten vielfach angewandt wurde (Prutz 407; liüllmann I, 75). Selbst den Anbau des Zuckerrohres, welcher vermutlich schon zur Zeit der arabischen Herrschaft versucht worden war, trachtete man neu zu beleben, jedoch ohne dauernden Erfolg (Beer I, 220). Im 13. Jahrhunderte besass die Provence bereits einen regulären Zuckerhandel, und versorgte durch denselben das übrige Frankreich (Bourquelot, „Memoires de i'Academie des Inscriptions", Paris 1865; V, 293), und um 1250 erhoben die Grafen von Provence einen Zoll auf Zucker „in panibus et in pulvere" (Brod- und Kry- stall-Zucker), dessen beste Qualitäten meist aus Alexandria kamen („Collection des Cartulaires de France", Paris 1857; VI], 7G und 78; VIII, 73 und 91). Zucker und orientalische Gewürze dienten, als Gegenstände des höchsten Luxus, zu Gnadenerweisungen und Geschenken, wie sie z. B. 1163 Bertrand de Saint-Gilles, zur Beförderung eines Bittgesuches, sogar dem König Ludwig VII. überreichte (Le Grand d'Aussy II, 175); Guillaume Breton spricht in einem Gedichte an König Philipp August (1180—1223), von schäumendem Cider, den man durch Einwerfen von Zucker in die Flaschen, im Momente des Verschliessens, herzustellen pflegte (ebd. II, 363), und unter König Ludwig dem Heiligen (1226 —1270) gab es bereits eine Innung der Kuchenbäcker, sowie eine Zunft der Oblatenmacher, welche ihre AVaaren in vielerlei Sorten anfertigten, und in den Strassen von Paris ausriefen (ebd. II, 271 und 297). Das, um 1150 verfasste, sog. „Fragment von Orleans", welches in französischer Sprache allerlei Gewürznamen aufzählt, soll auch den Zucker unter diesen nennen, und in dem 1175 gedichteten „Chevalier au lyon" des Chrestien de Troyes (Textausgabe von Förster, Halle 1887, v. 1403) heisst es: 188 Achter Abschnitt. „Wer sich unwürd'gor Lieb' orgiobt, „Der gleicht dem Mann, der sinnzerrüttet „Die Ehre hasst, die Schande liebt, „Der edlen Balsams Kostbarkeit „In Asche oder Staub verschüttet, „Der Theer mit Honig auf dir tischt, „Und Zucker dir mit Gallo mischt."*) Seit der Eroberung von Toledo, und der erneuten Berührung mit der spanisch-arabischen Poesie, war die Provence auch der vornehmste Sitz der ritterlichen Dichtkunst geworden, „und die feinere Bildung, das feurig-elastische Temperament, sowie der Wohlstand und die Gastfreiheit der Bewohner, besonders der Höfe der Grossen, kamen jenem poetischen Anstosse mit Enthusiasmus entgegen" (Sehen - , „Litg." I, 199), so dass sich rasch eine ebenso eigenartig-gehaltvolle, als umfangreiche provencalische Litteratur entwickelte. Aus dem 12. Jahrhunderte scheint für Zucker kein Beleg aus derselben vorzuliegen; dagegen stammt aus der Anfangszeit des 13. Jahrhundertes eine „Diätetik" (Suchier, „Denkmäler der provencalischen Litteratur und Sprache", Halle 1883; I, 203), in welcher gesagt wird: „Im Sommer, oder gegen die Osterzeit, wenn das Wetter sich zur Milde wendet, nimm Rosenzucker und Rosenwasser mit Rhabarber ein." Raynouard („Lexique roman" V", 284) citiert noch, nach Aldrete's „Über Ursprung und Quelle der kastilischen Sprache" (Rom 1606, 163), die Stellen: „es ist wie Zucker von Alexaudria", aus der provencalischen Übersetzung der, 1279 von Frere Lorens verfassten „Somme des vices et der vertus"; „sucre rosat, d. i. Rosenzucker", aus einem Urkundenbuche des 13. Jahrhunderts von Montpellier; „Zucker macht man aus gewissen Rohren", aus einem, im Auftrage Gaston IL, Grafen von Foix, gegen 1300 geschriebenen Werke über die Eigenschaften der Dinge. In den Überresten der Dichtungen der alten Troubadoure kommt der Zucker nicht vor, obwohl er zu deren Zeiten im Süden Frankreichs schon wohlbekannt war (Francisque- Michel, in Anelier de Toulouse's „Histoire de la guerre de Na- varre en 1276 und 1277", Paris 1856; 426ff.); erst bei Guyot de Provins um 1200, wird „sucre violat", Veilchenzucker, erwähnt. In seiner provencalischen gereimten Kriegschronik, lässt Anelier de Toulouse den König sagen (S. 94): „Eustachius, weil mein Freund du bist, „Und weil dein Herz ohne Fehler ist, *) Der nämliche Vergleich, jedoch ohne Nennung des Zuckers, rindet sich fast wortgetreu in Hartmann von Aue's „Iwein", v. 1580 (ed. Benecke und Lachmann, Berl. 1868, 50). Der Zucker zur Zeit tier Kreuzzüge. 189 „Sollst Statthalter du von Navarra sein, „Gerecht regieren Gross und Klein. „Mit Eises Kälte und Feuers Hitze „Biete den Feindon dort die Spitze; „Doch sollst du auch Honig in vollen Waben „Und Zucker, den süssen, mit dir haben." Auch unter dem Mundvorrat einer Festung in diesem navarre- sischen Kriege, werden drei und ein halbes Pfund Zucker erwähnt (ebd. 603), der vermutlich für medizinische Zwecke bestimmt war. Die Anwendung des Zuckers in der Heilkunde, erhielt gleichfalls von der Provence aus neue Förderung, woselbst die Schule von Montpellier, angeregt durch den wachsenden Verkehr der Stadt mit dem Oriente und dem arabischen Spanien, seit 1150 rasch Bedeutung zu gewinnen, und mit dem Ruhme Salerno's zu wetteifern begann (Prutz 474; Höfer I, 365). Aegidius Corbo- liensis, der Leibarzt des Königs Philipp August (1180—1223), ein Zögling Salerno's, der eine metrische Bearbeitung des Pla- tearius herausgab, und Auszüge aus den Schriften seines Lehrers Petrus Musandinus „über die Krankenkost" lieferte, in denen Honigwein und in Syrup gekochte Hühner eine grosse Rolle spielen, ist wohl der letzte Vertreter des rein salernitanischen Systemes in Frankreich (Meyer, „Bot." III, 515; Haeser I, 674). Der erste Sprössling von hohem Rufe der aus der Schule von Montpellier hervorging, soll, nach Sprengel, Bartholomäus Anglicus gewesen sein, welcher gegen 1250 sein berühmtes Werk „De proprietatibus rerum" (= Über die Eigenschaften der Dinge) herausgab; ob indes diese Angabe Sprengel's richtig ist, steht dahin, da nach Haeser (I, 695) und Meyer („Bot." IV, 87) über die Lebensumstände jenes Mannes so gut wie nichts bekannt ist, und auch Hoefer (I, 449) obigen Umstandes keine Erwähnung thut. Über den Zucker äussert sich Bartholomäus Anglicus. ziemlich ausführlich. Im Buche 17, Kap. 7 der Strassburger Ausgabe von 1491 heisst es: „In den indischen Sümpfen wachsen Schilfrohre, deren Wurzeln beim Auspressen einen sehr süssen Saft geben, welchen man trinkt, wie dies schon Varro anführt." „Zucker macht man aus gewissen Schilfen und Rohren, die in Sümpfen in der Nähe des Nils wachsen; der Saft dieser Rohre heisst Rohrhonig, und aus ihm bereitet man Zucker durch Einkochen, ähnlich wie Salz aus Soole. Man stampft das Schilf mit Stösseln in Mörsern, kocht es aus, und dickt auf schwachem Feuer ein; dabei steigt ein starker Schaum auf, während das Gute und Schwere (d. h. das Krystall) nach unten sinkt. Was oben bleibt 100 Achter Abschnitt, ist (nach dem Erkalten) locker, schaumig, weniger süss, leicht zer- fliesslich, und kracht nicht zwischen den Zähnen beim Draufbeissen; das Gute aber wird (aus der noch heissen Masse) ausgeschöpft, in runde Gefässe gefüllt, und in die Sonne gestellt, bis es trocken und weiss wird. Es giebt aber auch gelben Zucker, der jedoch erhitzender als der weisse wirkt, und deshalb bei starken Fiebern nicht verordnet werden darf. Zucker ist aber gut und milde von Eigenschaften, er ist lösend und reinigend, stärkt den Magen, mildert Rauhheiten der Brust und Lunge, klärt die Stimme, und vertreibt Husten und Heiserkeit. Daher ist er sehr wichtig für die Medizin, und dient zu Pulvern, Tränken und Syrupen" (lib. 17, cap. 197). „Man erfreut sich mehr an der Süssigkeit als an irgend einem anderen Geschmacke, und nichts anderes ist der menschlichen Natur so angemessen und entsprechend als Süssigkeit. Der rein süsse Geschmack ist der angenehmste von allen, weil die Natur des Süssen der des Blutes verwandt ist, weshalb auch Süssigkeit erheitert und stärkt; von allen Süssigkeiten ist aber Zucker der Natur am angenehmsten, und schadet nur, wenn man mehr davon zu sich nimmt, als man verdauen kann. Er ist dem Körper verwandt, und daher sehr leicht assimilierbar und ein vorzügliches Nahrungsmittel" (lib. 19, cap. 41 und 42). „Aus Zucker bereitet man auch Getränke: Claretum ist ein Trank aus Honig, Wein und Gewürzen, die man feinstens stösst, mit Honig und Zucker in ein Leinensäckchen thut, worauf man mit bestem Weine erschöpft, und die Flüssigkeit dann klärt. Oxymel ist ■ein Trank aus Kräuteressig und abgeschäumtem Honig, den man langsam einkocht und mit Eiweiss klärt, welches die Enreinig- keiten an sich zieht, an die Oberfläche steigt, und abgeschöpft wird; auf diese Weise bereitet man auch aus Zucker und vielen Spezereien Getränke, sowie auch aus Rosen- und Veilchen-Syrup" (lib. 19, cap. 56 und 58). Fast identisch mit Bartholomäus Anglicus ist die Schrift „De naturis rerum" von Thomas de Cantiprato (gest. 1270), welcher aber auch dem Jacobus de Vitriaco vieles entnahm; aus ihm und Platearius ist wieder das Meiste kompiliert, was Vincentius Bellovacensis (gest. 1264), der gelehrte Vorleser Ludwig IX., in seinem „Speculum majus" über naturwissenschaftliche Dinge vorbringt (Meyer, „Bot." IV, 93 und 97); was er über Zucker sagt, ist grösstenteils wörtlich dem Platearius •entlehnt. Sicher ein Zögling der Schule von Montpellier, ist Arnaldus Kostbarkeiten, Gewürzen, und Zucker, bestochen würden* (ebd. II, 82). Betreff des Zuckers sagt er (ebd. II, 24): »In den Ländern des Sultans wächst Zucker in grosser Menge, wovon der Sultan und die Sarazenen grosse Einkünfte und Steuern beziehen*); wollten sich die Christen dessen enthalten, so wäre das für jene ein furchtbarer Schaden, während doch die ganze Christenheit schon allein an dem Zucker genug hätte, der in Cypern wächst. Ausserdem wächst aber noch Zucker in Morea. Rhodus, Malta und Sizilien, und würde auch in anderen christlichen Ländern wachsen, wenn man ihn dort baute; es könnte also die Christenheit betreff des Zuckers gewiss zu keinem Schaden kommen." Der Hauptproduktionsort für Zucker war Unterägypten und das Nildelta, Ibn-Batuta, der Ägypten um 1325 bereiste, schildert den Reichtum an Zucker in Alexaudria und Kairo, wo sogar die Klosterherbergen den Reisenden in der Nacht auf Freitag, Zuckerwerk verabfolgten („Reisen* I, 74); „zu Manlawy am Nil*, sagt er, „giebt es elf Zuckerfabriken, und die Armen, welche niemand einzutreten hindert, bringen jeder ein Stück ganz heisses Brot mit, das sie in die Zucker-Kochkessel werfen, und ganz mit Zucker durchtränkt wieder herausziehen. Das Land an den Nilmündungen aber ist so zuckerreich, dass von der Stadt Damiette ein Sprichwort aussagt, ihre Mauern bestünden aus Zucker" (ebd. 1, 101 und 60). Frescobaldi (1384) rühmt ebenfalls die Menge des Zuckerrohres bei Damiette („Viaggio" 32), sowie den Zucker- reichtum Alexandrias (ebd. 27), „woselbst es mehr Schiffe giebt als in A r enedig und Genua", und Kairo's, „einer Stadt die Über- fluss an jedem Gut hat, aber vor allem an Spezereien und Zucker" (ebd. 34). Gucci („Viaggio" 282) und Sigoli („Viaggio al monte Sinai", ed. Gargiolli, Florenz 1862, 169) sahen viel Zuckerrohr bei Rosette, und von Kairo sagt Sigoli (ebd. 190): „dort giebt es Zucker in Masse und zwar den besten der Welt, weiss wie Schnee, und hart wie Stein." G bis tele lässt auf der, seiner Reisebeschreibung beigegebenen Ansicht von Kairo, die Zuckerrohr- felder dicht vor der Stadt, am Nilufer beginnen (S. 150), bildet daneben ein, von zwei Ochsen getriebenes Bewässerungsrad ab, und schreibt dazu, mitten in das Bild: „Hie congregant arondines*; „Chi nasse el suchero" (hier erntet man das Rohr; hier wächst •der Zucker); in der Ansicht von Rosette (S. 205) breitet sich vor der Stadt ebenfalls ein Zuckerrohrfeld mit der Inschrift: „Sucro *) Im Jahre 1375 betrug der Kataster Ägyptens nicht weniger ;ils 9,5 Millionen Dinare, jeder zu 13'/ s Dirhem gerechnet (Abdullatif 594). 214 Neunter Abschnitt. canemelli" ans, und S. 172 bringt noch eine besondere, jedoch wenig gelungene Abbildung dieses kostbaren Gewächses. Der Ritter Arnold von Harff. welcher um 1496 nach Ägypten kam, schreibt in seinem, in niederdeutscher Mundart ab- gefassten Pilgerberichte („Die Pilgerfahrt des Ritters Arnold von Harff 1496—1499", ed. Groote, Köln 1860, 83ff.): „Item von Rosscheto nach Foya am Nil, wo man gar viel Zuckers macht, 40 Meilen Wir fuhren den Nil aufwärts, wenn wir guten Wind hatten; ... an diesem Wege liegen acht hübsche Städte. Berynwall, Menya, Motobijs, Deyp, Defena, Deruty, Schandion und Maschera, da macht man gar viel Zuckers . .,. Bei diesen Städten wächst gar viel von dem Ried oder Rohr, daraus man den Zucker macht, und in jeder Stadt steht ein grosses Haus, darin wird der Zucker bereitet, in der folgenden Weise: Man schneidet das Rohr, das gar süss ist, unten an der Erde ab, und schneidet es zu kleinen Stücken, fingerlang, oder noch kürzer; die wirft man in ein grosses, breites, steinernes Gelass, in dem ein breiter Mühlstein so angebracht ist, dass ihn Ochsen mitziehen, und auf dem unteren Estrich umtreiben, so dass dieser Stein die Stücke völlig zermahlt. Das gemahlene Rohr nimmt man fort, schüttet es in grosse lange Kessel, die neun oder zehn Eimer Inhalt haben, macht darunter ein starkes Feuer, und siedet es, wie man in diesen Landen Salpeter siedet; das Oberste schäumt man immerfort ab, und giesst es in Tonnen oder Fässer. Es heisst dann Zuckerhonig (tzucker- honich), und man kocht damit dortzulande allerlei Speise, denn Butter hat man allda nicht, weil sie zerschmilzt um der grossen Hitze willen. Was nun zu unterst im Kessel bleibt, schütten sie in spitzige Formen (Duppen), und lassen es darin kalt werden; es gerinnt, und wird zu Zuckerhüten, wie man diese vielfach in alle Lande bringt." Um 1500 sah Leo Africanus („Descriptio Africae", Antwerpen 1556, 265) bei Manlawy elf, bei Kairo siebzehn Zuckermühlen, und auch auf der Insel Bulak bei Kairo befanden sich solche; betreff des Nildeltas sagt er: „Die Einwohner von Derotte sind sehr reich, und besitzen viele Zuckerrohrfelder, die Gemeinde bezahlt dem Sultan 100 000 Serafinen für die Erlaubnis, Zucker zu bereiten; sie haben ein sehr grosses Gebäude, einem Schlosse gleich, in dem die Pressen und Kessel sich befinden, und wo der Zucker bereitet und gesotten wird; die Arbeiter kosten täglich 200 Serafinen an Lohn" (Ritter 387). Trotz solchen Reichtumes an Zucker, wurde dieser indessen in Ägypten selbst, ausser seitens der vornehmen Klassen, nicht konsumiert, vielmehr traten Honig und Syrup, als viel wohlfeilere D. Zuckerkonsum Europas i. 14. u. 15. Jahrhundert, U. s. Grosslieferanten. 215 Ersatzmittel, an dessen Stelle. Honig wurde ans Kleinasien, Kreta, Cypern, Euböa, Morea, und fast allen Mittelmeerhäfen importiert (Sanuto, ed. Bongars II, 24; Abulfeda II, 276; Pasi, „Tariffa dei pesi e misure", verfasst 1503. Ausgabe von Vdg. 1540, 63ff.); die besten Sorten, die aus Bologna, Katalonien, der Provence, und Dalmatien kamen, kosteten in schlechten Zuckerjahren 9—10 Dukaten der Zentner (Pasi 73ff,). Syrup, die beim Zuckerkochen abgeschöpfte, oder beim Umkochen des Zuckers abfiiessende Masse, auch Melazzo, Miel de Canamele, Miel sucre, Mel zucarae, Zuccara melitta, oder Melas genannt, wurde hauptsächlich aus Cypern und Sizilien eingeführt (Pasi 55 und 58), und war zur Bereitung der, beim Volke überaus beliebten süssen Speisen, geradezu unentbehrlich. Einen interessanten Einblick in das ägyptische Privatleben der damaligen Zeit gewähren die Erzählungen ,Tausend und eine Nacht"; nach Lassen (IV, 903) sind dieselben, sowohl was den Inhalt, als was die äussere, sog. Schachtel-Form anbelangt, unbedingt indischen Ursprunges. Die indischen Bestandteile sind jedoch vielfach verändert und umgestaltet worden, indem einer ersten, vermutlich aus dem 10. Jahrhundert stammenden persischen Übersetzung und Bearbeitung, später eine zweite, arabische folgte, und schliesslich in Ägypten, wahrscheinlich gegen 1400, die jetzt vorliegende Fassung entstand, in welcher die Märchen auf das Kairo der späteren Mameluken-Zeit lokalisiert erscheinen (Müller, „Der Islam" I, 469; II, 346; „Deutsche Rundschau" 1887; 77). Die Erzählerin derselben, Schellerazäde. ist durch de Goeje mit grösster Wahrscheinlichkeit als identisch mit der biblischen Esther erwiesen worden. In der „Geschichte der drei Kalender" (Derwische eines gewissen Ordens) erfahren wir, dass, zu einem Schmause, in verschiedenen Läden gekauft wurden: Oliven, Käse, eingemachte Kräuter, Nüsse, Haselnüsse, Zuckerrohr, Zibeben, Pistazien, getrocknete Früchte, Apfel, Quitten, Pfirsiche, Limonen, Gurken und Orangen, bei einem Zuckerbäcker feines Backwerk und verzuckerte Früchte, ferner, als Gewürze, Moschus, Ambra, Weihrauch und Rosenöl, endlich mit Zucker bestreute Melonen. „Süss wie Zucker war das Lächeln", womit eine edle Dame diese Tafelgenüsse in Augenschein nahm („Tausend und eine Nacht", deutsch von Weil, Sttgt. 1871; 1, 57 und 92). Inder „Geschichte Nur edd ins" werden Granatäpfel mit Zucker, Granaten mit Butter, Pfeffer und Zucker sowie ein kühlendes Getränk aus Schnee, Zucker und Rosenwasser erwähnt (ebd. I, 142, 146, 148), in der „Geschichte des Christen" gebackene Fische mit Honigseim, und Hühner mit Zucker 2i<; Neunter Abschnitt. und Pistazien gefüllt (ebd. I, 163), in der „Geschichte des Küchenaufsehers u ein Gericht aus Knoblauch mit Zucker, Pistazien und Syrup (ebd. I, 170), und in der „Geschichte des sechsten Bruders des Barbiers', Datteln und Trauben in Zucker und Moschus eingemacht, sowie Mandelkuchen (ebd. I, 209). In der Erzählung „Der arme Fischer und der Beherrscher der Gläubigen' gilt es als Zeichen der Unbildung, dass Chalid Zucker mit Rosenwasser für einen Honigtrank hält (ebd. II, 58); Süssigkeiten, eingemachte Früchte, Zucker, und Schüsseln mit fertig zubereiteten süssen Speisen waren am Markte käuflich (ebd. II, 70 und 177), und in den Strassen traf man herumziehende Zuckerbäcker und Honigkuchen-Verkäufer, welche Honig verarbeiteten „zwar nicht von Bienen, jedoch vom Zuckerrohre, der besser ist als Bienenhonig" (ebd. IV, 325 und 350). sowie Verkäufer von Zibebensaft mit Zucker (ebd. III, 415). Vornehme Häuser besassen Zuckervorrat auf ein ganzes Jahr (ebd. III, 420), und tischten bei festlichen Gelegenheiten verzuckerte Torten und Marzipankuchen auf. „aber auch arme Leute, die einen Sohn bekommen, oder eine Tochter, laden ihre Verwandten wenigstens zu einer süssen Speise ein" (ebd. II. 310 und 312). In der „Geschichte Ali SehirV ist für die gewöhnlichen Leute Reis mit Honig bestimmt, und vom Reis mit Zucker heisst es, „diese Speise ist nicht für Euresgleichen, die ist ein Gericht für Emire" (ebd. II, 385); auch gezuckerter Wein wird erwähnt (ebd. II, 390), und Zuckerrohr wird häutig roh gekaut oder ausgesogen, und selbst auf Schiffen bundweise mitgeführt (ebd. II, 240). Während in Syrien, Cypern und Ägypten die Zuckerfabrikation in allgemeinem und fortdauerndem Aufschwünge blieb, hatte sie sich in Sizilien keiner gleich stätigen Entwicklung zu erfreuen, da die, der sizilianischen Vesper (1282), der Entthronung Karl von Anjou's, und der Regierungsübernahme Peter's von Arra- gonien folgenden Kriege und inneren Zwistigkeiten, das ganze Land verwüsteten und zerrütteten. Die Zuckerrohrkultur, deren eiu Reskript Karl von Anjou's gedenkt (Le Grand d'Aussy II, 198), geriet in raschen Verfall, und obwohl der Zuckermarkt von Syrakus 1296 und 1309 noch erwähnt wird (Ritter 403), so nahm doch die Industrie derart an Bedeutung ab, dass 1393 der gesammte Steuerertrag auf 100 Unzen (in jetzigem Geldwerte ca. 3750 Mark) gesunken war, und der König Martin Steuernachlässe gewähren musste, um die Pflanzungen vor völligem Untergange zu retten (Gregorio, „Opere scelte' ; , Palermo 1845, 753ö'.). Erst unter dem weisen König Alfonso V. (1410—1458), welchem 1). Zuokerkonsum Europas i. 14. u. 15. Jahrhundert, u. s. Grosslieferanten. 21' ' Sizilien die Wiedererstellung seiner Industrie und Kunst zu verdanken hat, folgte auf diese traurige Periode eine solche des glänzendsten Gedeihens, und zwar, dank der kräftigen Förderung seitens des Königs, mit unerwarteter Schnelligkeit, so dass sich, obwohl seit 1415 für alle ungenügend kultivierten Felder die Steuer herabgesetzt worden war, der Ertrag der letzteren dennoch 1416 bereits wieder auf 1000 Unzen (ca. 37 500 Mark in jetzigem Geldwerte) gehoben hatte. Der französische Pilger Oaumont, welcher 1418 nach Sizilien kam, schreibt („Yoyage d'oultremer en Jherusalem u , ed. La Grange, Paris 1853. 117): „Nun wisset, dass man in dieser Stadt Palermo viel Zucker macht, und dass ich gerne sehen wollte, wie das geschieht. Mein Geleitsmann führte mich also in ein Haus, wo besagter Zucker dargestellt wird; das Zuckerrohr wächst auf den Feldern, und die Stengel sehen aus wie Hanfstengel; sie sind auch diesen ähnlich, jedoch innen voll Mark, und wachsen jährlich zweimal, wie die Leute sagen. Man erntet das Rohr, zerschneidet es in kleine Stücke, und bringt diese in eine steinerne Mühle, an der ein Pferd im Rade ringsum geht, so wie bei unseren Ölpressen*); und wenn es gut zermahlen und zerbrochen ist, wird es mit einer hölzernen Kelter gut abgepresst; aller Saft, der herausläuft, kommt in grosse Kessel, und wird in diesen stark gekocht, auf gewaltigen Ofen, in denen mächtige Holzblöcke brennen. Ist er gut gekocht und durchgesotten, so lässt man ihn durch Leinwandsäcke laufen, und bringt ihn zuletzt in irdene kleine Formen, in denen er kalt wird und gesteht. Sobald er ganz fest ist, so ist er Zucker gewordeil, und so macht man also den Zucker; dazu gehören aber sehr viele Geräte und Vorrichtungen, die sehr viel Geld kosten. t Im Jahre 1419 gab die Universität Palermo eine Anweisung zur Kultur und Bewässerung des Zuckerrohrs heraus, und 1449 erfand, nach Ranzano. Pietro Speciale die, später „Trappeto 1, genannte Maschine zum Auspressen des Zuckerrohres ((iregorio a. a. O.); dieselbe bestand aus drei liegenden oder stehenden Walzen, die, nur mit ganz geringen Zwischenräumen, dicht neben einander liefen, und durch ein gemeinsames Treibwerk in Bewegung gesetzt werden konnten; das Rohr wurde zwischen der ersten und zweiten Walze hin-, und zwischen der zweiten und dritten Walze wieder ■zurückgeschoben, und hierdurch auf einfache, vollständige, und billige Weise ausgepresst. Diese zweckmässige Vorrichtung fand *) Die Abbildung einer solchen Ölpresse, nach der Bildersammlung „Nova reperta« des Stradanus, s. bei l'eters 11, 7. 218 Neunter Abschnitt. rasche Verbreitung; bei einer Landschenkung, die Alfons V. 1457 machte, heisst es schon, „diese Gegend sei meilenweit mit Zuckerrohrfeldern bedeckt, und habe viele Mühlen und Fabriken, Trape- tum oder Trapetazzo genannt" (lütter 404). Um 1448 nahm die Zuckerrohrkultur die besten und ausgedehntesten Küstenstriche Siziliens in Anspruch (Scinä, „Topografia di Palermo", Palermo 1818, 36), und aus dieser Zeit stammen auch die, zum Teil noch jetzt erhaltenen Ortsnamen „Melazzo", „Mazzara", „Trappeti", „Cannetta", „Mellili" u s. w., die sich auch auf der Karte Siziliens von Ghistele (S. 45) zahlreich vorfinden. Zucker-Raffinerien bestanden in Sizilien wahrscheinlich schon seit dem 13. Jahrhundert (Beer I, 192), gelangten aber erst mit Beginn des 15. Jahrhunderts zur vollen Blüte. Ein venetianischer Senatsbeschluss von 1429 sagt: „da sizilische Krystallzucker und Zuckerhüte zollfrei eingehen, und zu jeder Zeit eingeführt werden dürfen, Zucker aus der Levante aber nicht*), da es ferner angezeigt erscheint, alle Zucker in gleicher Weise zu behandeln, so ergeht der Beschluss: dass auch letztere fortan zollfrei sein sollen, und jederzeit, ebenso wie der sizilische Zucker, eingeführt werden können" (Du Cange VIII, 434b). Auch in Kalabrien wurde im 14. und 15. Jahrhundert viel Zuckerrohr gebaut (Troili, „Geschichte Neapels" 1749; Viennot, »Journal des fabricants de Sucre", Paris 1877, Nr. 46—49); als König Alfons 1436 Gaeta belagerte, „diente, ausser dem Getreide, wovon nur wenig .vorhanden war, besonders der Zucker als Nahrungsmittel, dessen sich viel in den Waarenspeichern vorfand, und welchen Spinola, der Anführer der genuesischen Besatzung, in kleinen Mengen verteilen liess" (Fazius, „De rebus gestis ab Alfonso primo", bei v. Platen, „Geschichte des Königreichs Neapel", „Werke" II, 477, Sttgt. 1870). Ausführliche Nachrichten über den Grosshandel mit Zucker, zu Beginn des 14. Jahrhunderts, enthält Francesco Balducci Pegolotti's „La pratica della mercatura" (Bd. III von Pagnini's .,Della Dezima e delle altre gravezze", Lissabon und Lucca, 1766); dieses Werk giebt Auskunft über die wichtigen Waaren sämmt- licher bedeutender Mittelmeerhäfen, und über die Münz-, Maass-, Gewichts-, Preis-, Zoll-, Frachten- und Provisions-Verhältnisse derselben, und Pegolotti schrieb es zumeist auf Grund eigener Anschauung, da er, als Vertreter des grossen florentiner Bankhauses der Bardi und Peruzzi, Cypern, Kleinasien, Ägypten, und andere Staaten wiederholt bereist, und daselbst in deren Namen Geschäfte und Verträge abgeschlossen hatte. Von Umfang und Bedeutung *) Meist bezahlten dieselben einen Zoll von 5°/„ ihres Wertes. D. Zuckerkonsum Europas i. 14. u. 15. Jahrhundert, u. s. Grosslieferanten. 219 derselben mag es eine Vorstellung geben, dass, als die Bardi und Peruzzi sich 1339 bankerott erklären mussten, ihre Verpflichtungen die, für die damalige Zeit geradezu fabelhafte Summe von 1365 000 Dukaten betrugen (Peschel, „Abh." 131); ihre Hauptschuldner, deren Zahlungsunfähigkeit sie ins Verderben stürzte, waren die Könige von England und Sizilien, sowie der Johanniter- orden, bei welchem allein sie, um 1320, nicht weniger als 575 900 Goldthaler ausstehen hatten. Über Zucker äussert sich Pegolotti wie folgt (S. 362ff.; S. Sllff.): „Vom Hutzucker giebt es verschiedene Sorten: Muc- chera, Caffetino, Bambillonia, Musciatto, und Donmaschino. 1. Muc- chera ist die beste aller Zuckersorten; er ist am öftesten umgekocht, von weisserer und festerer Masse als irgend eine andere Zuckerart, und in denselben Formen wie Bambillonia, von beistehender Gestalt /\, angefertigt; selten kommt etwas davon nach dem Oceident, da fast alles für die Tafel und den Hof des Sultans zurückbehalten wird. 2. Caffetino, die nächstbeste Sorte, existiert in zwei Arten; die bessere bildet kleine weisse Brote, und ist wie Mucchera gearbeitet, nur dass die Spitzen oben abgerundet sind, die geringere besteht aus grösseren Broten von länglicherer Form, ist schlechter von Farbe, und zeigt sich beim Durchschlagen nicht ganz weiss, wie die Erstere, sondern an der Spitze dunkelgelb bis rot, ähnlich wie der Farm von Alexandria aussieht. Vor solcher Waare, die auch „(aus Abfällen) zusammengeschmolzene", „pani rifatti" heisst, muss man sich hüten, wenn man die bessere Sorte gebraucht, besonders aber, wenn man den Zucker verschiffen will: denn während die Brote der besseren Sorte hierbei gut und ganz bleiben, zerbrechen die der geringeren Sorte schon beim Einladen, und auf der See, zum grossen Teile, werden ausserdem auch feucht, und sind dann viel weniger wert. 3. Bambillonia reiht sich betreff der Güte dem besseren Caffetino an, ist innen schön weiss, und,, an Form dem Mvicchera gleich. 4. Musciatto, die nächstbeste Gattung, bildet grosse Formen, die wenigstens dreimal soviel wiegen wie die des Bambillonia, und keine Spitzen haben, sondern abgeplattet sind; ihre Masse ist weiss, jedoch weniger fest wie die des Bambillonia, und daher sehr geeignet für die Kaufleute, welche Zucker in Stücken (a ritaglio) verkaufen, denn die Mühe des Zerklein erns ist geringer als die bei den anderen harten Zuckern, und die Stücke sehen (weil die Masse lockerer ist) bei gleichem Gewichte grösser aus. Der Preis stellt sich erheblich niedriger als der des guten Caffetino, und etwas niedriger, als der des Bambillonia. 5. Donmaschino giebt es in 220 Neunter Abschnitt. spitzer Form, wie Bambillonia, und in abgeplatteter wie Musciatto, jedoch stets in kleinen Hüten; die Qualität ist aber stets dieselbe, und die geringste aller Brotzucker. tt „ Alle Arten Hutzucker sollen aber ganze, gesunde, unbeschädigte, und völlig trockene Brote bilden; ein Brot dem die Spitze fehlt, gilt als zerbrochen, ist aber die Spitze vorhanden, und schön, so darf an anderer Stelle 1 / l oder selbst ein 1 /., fehlen, ohne dass das Brot als beschädigt betrachtet wird. Fehlerhafte Brote werden, wenn sie einige Zeit an feuchten Orten stehen, durch das viele Wasser, das sie aufnehmen, zerfliesslich, und die Masse, die innen und aussen trocken und hart sein soll, wird feucht und mehlig, lockert sich, und fühlt sich wie dumpf gewordenes Mehl an. Wirklich gute Brote müssen fest und trocken sein, gesunde harte Spitzen haben, sich nicht rauh, sondern fein und glatt anfühlen, und je feiner, glatter und kleiner sie sind, für desto schöner und besser gelten sie. In Kellern, au feuchten Orten, und an offener Luft, darf man sie indes nicht aufbewahren, sondern man stellt sie in trockene Räume mit gut schliessenden Fenstern, und verpackt sie von allen Seiten bestens mit dicken, trockenen Strohmatten; so halten sie sich sehr gut, besonders in warmen und trockenen Ländern, während man in kalten und feuchten, die Räume etwas heizen muss." „Kandiszucker ist desto besser und wertvoller, je grösser, weisser, und durchsichtiger die Krystalle sind, und je weniger Grus diesen beigemischt ist." „Krystallzucker (polvere di zucchero) giebt es vielerlei, z. B. den von Cypern, Rhodus, Syrien, Cranco di Moiireale (d. i. Kerak am toten Meere), und Alexandria. Gekocht werden sie alle zunächst in Hutformen; weil sie aber nicht so oft umgekocht sind wie die Brotzucker, welche (weil sie reiner und fester sind) ihre Form beibehalten, und den Transport aus der einen Gegend in die andere vertragen, zerfallen die Hüte wieder, und lösen sich in Krystallmehl auf, das man Krystallzucker oder Zuckerpulver nennt. Der beste Krystallzucker ist der gute von Cypern; von den (zu seiner Herstellung dienenden) Broten, seien sie oben spitzig oder abgerundet, wird der Kopf, Zamburro genannt, abgehackt, und die nunmehr platten und abgestumpften Brote packt mau zu je sechzehn in Kisten, indem man eine obere und eine untere Lage, jede in zwei Reihen zu vier Broten macht. Zwischen die einzelnen Brote stopft man Bruchstücke, z. B. das Abschabsei von den Broten („bruggia"), — denn selbst wenn man die Formen noch so sorgfältig anfertigt, so zerbrechen sie hin und Mieder, oder haften an D. Zuckerkonsum Europas i. 14. u. 15. Jahrhundert, u. s. Grosslieferanten. 221 den Broten, deren Masse man dann abschaben muss, — oder die Spitzen (zambirrri), die man von den Broten abhackt, wenn man sie zurecht schneidet und zum Einpacken vorrichtet. Manche Händler packen aber auch die guten abgeplatteten Brote nur mit guten Bruchstücken und weissem Farin zusammen, ohne Abschabsei, fleckige Spitzen, und dunklen Farin, die sie vielmehr für sich allein verpacken und verkaufen; will man aber, z. B. in Cypern, auf diese Weise einkaufen, sei es. Zucker aus einer bestimmten Fabrik (casale), sei es von einem Händler, so muss dies besonders ausbedungen werden, widrigenfalls der Händler alle jene Beimischungen zu machen berechtigt ist. Der Einkäufer muss ferner im Auge behalten, dass die Brote stets mit den Spitzen nach unten verpackt werden, und mit dem Fusse nach oben, weshalb der Verkäufer, wenn man die Kisten besichtigen will; sie stets auf der oberen Seite öffnet, damit man das beigemischte Mehl und die Brotspitzen, welche stets dunkler und schlechter sind als die Füsse, nicht sehen, und davon keinen schlechten Eindruck empfangen soll; die obere Seite erkennt er aber daran, dass an ihr immer die Naht der Leinwand liegt, in welche die Kiste eingenäht ist, und wenn er diese auftrennt, und die Kiste öffnet, so liegen die Brote mit dem Fusse nach oben, die Waare zeigt sich von der besten Seite, und der Zucker, sowie die Krystalle sehen schön aus. Wer aber die Wahrheit erfahren, und vergleichen will, der muss die Brote der oberen Schicht herausnehmen und dann mit der Hand den Zucker vom Boden der Kiste heraufholen, und nachsehen, ob er so ist, wie der obere; denn meistens wird unten das geringste und schlechteste hingelegt. Der Krystalb/ucker ist desto besser, je weisser und trockner er ist, je besser die Brote sich ganz halten, und je grösser deren Stücke und Bruchstücke sind; vor allem aber muss er weiss, sandig, und ganz trocken sein, was man dadurch prüft, dass man eine Hand voll davon nimmt, die Masse knetet, und dann die Hand öffnet; bleibt jene zusammengeballt, und sieht sie teigartig aus, so ist der Farin feucht, fällt alles wieder auseinander, so ist er trocken. Bei längerem Aufbewahren wird jedoch aller Krystallzucker unansehnlich, missfarbig, zerfliesslicb, und verliert fortwährend an Gewicht. — Nach. dem Farin von Cypern kommt der von Rhodus, welcher weiss und grobkrystallinisch ist, sodann der von Syrien, welcher weiss, jedoch feinkörniger ist, sodann der von Cranco, welcher ein gutes scharfes Korn hat, und viele grössere Bruchstücke enthält, und 7,uletzt der von Alexandria; dieser ist der allerschlechteste, und nicht viel besser, als das Brot- abschabsel von Cypern." 222 Neunter Abschnitt. Was die Grösse der Brote anbelangt, so wog, nach Pegolotti ein grosses Brot Caffetin 1 Rotl 3 Unzen, ein grosses Brot Bam- billonia 2 Rotl 1 Unze, ein kleines Brot Bambillonia 1 Rotl 6 Unzen, ein Brot Musciatto 7 Rotl 3 Unzen bis 7 Rotl 7 Unzen, und ein Brot Donmaschino 1 Rotl 6 Unzen. Der, hier jedenfalls gemeinte ägyptische Rotl, war im Mittel, laut Wägung eines 100-Drachmen-Stückes in der Münze von Kairo, gleich einem Pfunde, und die Unze war sein zwölfter Teil (Abdallatifl, 91; Edrisil, 109 und 368; Makkari I, 357); der cyprische Rotl hingegen wog etwa fünfPfund (Mas-Latrielll, 90; Pasi 6 und 134). Die Brote wurden in Hüllen aus Palmblättern verpackt, und erhielten am Fusse einen Deckel aus Palmblättern; sodann wurden sie in Leinwand eingenäht. Von Caffetin, Bambillonia und Donmaschino nahm man jedesmal zwei Brote, steckte sie in die Palmhüllen, schob sie, mit einem Palmdeckel als Zwischenstück, aneinander «CI^IC---- 3 ' i n ähte sie zusammen, wickelte sie in Leinwand, zeichnete diese mit der Marke des Kaufmannes, und nannte das ganze „ una coppia di zucchero" (ein Zuckerhutpaar); Musciatto dagegen wurde, wegen seiner grösseren Form, stets nur in einzelnen Broten verpackt. Die Brote wurden entweder lose per Schiff versandt, oder, bloss mit Hülle und Deckel von Palmblättern, aber ohne Leinwandüberzug, in Fässer verpackt, welche 24 kleine oder 22 grosse Brote Caffetin, und 22 Brote Bambillonia oder Donmaschino fassten; zwischen die Brote stopfte man trockene Zuckerrohrblätter, um deren Aneinanderstossen zu vermeiden. Musciatto- brote packte man zu je vier in Kisten, stopfte diese mit Zuckerrohrblättern voll, umhüllte sie mit Baumwolle, nähte sie in Leinwand, und verschnürte sie mit Stricken; ebenso verpackte man Krystallzucker in Kisten oder Fässer. Für das Verpacken und Verschnüren gab es bestimmte Tarife, und die Kisten, Fässer oder Säcke wurden als Tara in Abzug gebracht, und verblieben dem Käufer umsonst (Pegolotti 74, 17, 181); lose verpackte Brote waren, z. B. in Cypern, um ein Drittel teurer als in Kisten oder Fässer verpackte, und zahlten auch höhere Fracht (ebd. 72, 155). Syrup und Melasse, „Mele di Canna-melei", „Mele di Canna- meli", oder „Miel di calamale" genannt*), ein Hauptprodukt Cyperns, wurde in Krügen oder Fässern (barili) verkauft, welche ohne Entschädigung mitgeliefert werden mussten; die Auf bewahrung erfolgte in irdenen Töpfen oder Krügen, zuweilen auch in Holztonnen (ebd. 64, 72, 16, 378). *) Letzterer Ausdruck findet sich auch bei Mas-Latrie IL 499. D. Zuckerkonsum Europas i. 14. u. 15. Jahrhundert, u. s. Grosslieferanten. 223 . Was die von Pegolotti genannten Zuckersorten betrifft, so ist die Bezeichnung Mucchera, die auch als Mucara, Muscera und Muscarrat vorkommt (s. Pasi 52, 55, 78; Mas-Latrie III, 89), jedenfalls arabischen Ursprungs; in Diez's „Wörterbuch der romanischen Sprachen", und in Lasinio's „Delle voci italiane di origine Orientale" (Flor. 1887) findet sich dieses Wort nicht vor, nach Lane's. des grossen arabischen Lexikographen Erklärung, bedeutet es jedoch, in bezug auf Zucker, so viel wie „• biscoctus" also ,um- gekocht", „durch Umkochen verbessert". Pasi, der den Mucara Alexandrias, „den man aus Kairo dahin bringt", und den Mucara von Damiette unterscheidet, erwähnt auch in der That „Mucara di una cotta" (einmal umgekochter Mucara), welcher Umstand (S. 52, 55, 78), ebenso wie Pegolotti's Angaben, obige Erklärung völlig bestätigt. Caffetino, dessen schon Arnaldus de Villanova („Opera" 307) gedenkt, leitet Peschel („Abh." 132) von Jaffa in Syrien, Sprengel von Caffa am schwarzen Meere ab; Jaffa wird aber nirgends als Erzeugungs- oder Bestimmungsort dieses Zuckers genannt, und Caffa war zwar einer der grössten Häfen des Mittelmeeres, und wetteiferte, zu Zeiten, an Pracht- und Luxus-Entfaltung selbst mit Konstantinopel (Ibn-Batuta II, 358; Manzi, „Viaggio di Frescobaldi", Rom 1818, und 26 und 33), als grosser Zuckerkonsument wird es jedoch nirgends erwähnt, um so mehr als die benachbarten Völker niemals Zucker verzehrten (Ibn-Batuta II, 365 und 387), so dass derselbe auch nicht Gegenstand eines grösseren Handels gewesen sein kann. Wahrscheinlicher ist es. Caffetino von „caffa" abzuleiten, welches Wort Geflechte aus Palmblättern (Abdallatif 151), später auch Korb, Sack und Kiste bedeutete (Ricoldus de Monte Crucis, ed. Laurent 121; Pe- golotti 311 ff.); jener Name wäre dann in ähnlicher Weise von dem der Verpackung entlehnt, wie unser heutiger Ausdruck „ein Hut Zucker" aus dem Namen der Palmblattumhüllung „cappello di palma" (== „Hut aus Palmblättern") entsprungen ist.*) Bam- billonia hat man als Bezeichnung des Erzeugungsortes aufzufassen, es heisst also „Zucker aus Kairo", ebenso wie Donmaschino „Zucker aus Damaskus". Was Musciatto anbetrifft, so ist dieses Wort vermutlich mit dem, in der Folgezeit unter den Formen Musquado. Mosquato, Moscado, Moscobado, Moschiado, und dergl. vorkommenden verwandt, welches als „Moscovade" (ital. moscovata, franz. moscouade) noch jetzt'den rohesten Zucker bezeichnet; das spa- *) Eine Sorte Stiirkozucker heisst noch jetzt im Handel kurzweg „Kisten- zucker-'; dieses ist auch die Bedeutung des in späterer Zeit üblichen Wortes „Cassonade". 224 Neunter Abschnitt. nische „Assucar mascabado" weist unmittelbar auf das Stammwort „menoscabar" oder „mascabar" (= verschlecbtern, verringern), und dessen Suhstantivform „menoscabo" (franz. mechef, provenc. mescap, engl, mischief) hin; es würde mit dieser Deutung übereinstimmen, dass der Mnsciatto als der geringste der ägyptischen Zucker bezeichnet wird. Das Wort „Raffinade" oder „raffinieren" gebraucht Pegolotti noch nicht, er spricht jedoch vom Reinigen des Goldes und des Wachses durch Umschmelzen unter dem Namen „affinare" (S. 197 und 295); das „Re-affinieren", („refiner" bei Mas-Latrie III, 218) deutet also auf Reinigung durch wiederholtes Umschmelzen, und dies war auch wirklich der Weg, der zur Darstellung des Feinzuckers eingeschlagen wurde. Je nachdem der Rohzucker ein, zwei, oder drei Mal umgekocht war, erhielt man Raffinaden von geringerer oder grösserer Reinheit und Güte („zucchero di una cotta, di due, tre cotte"); die feinste Waare wurde in der Regel durch dreimaliges Umkochen gewonnen, zuweilen scheint man aber auch vier Umkochungen angewandt zu haben (Mas-Latrie III, 221). In Cypern wurden, neben den runden, vermutlich auch viereckige Brote angefertigt (ebd. III, 89; Herquet 166), und die Bezeichnung „zucchero incotonato" (Mas-Latrie III, 775 und 777) weist darauf hin, dass man daselbst, vermutlich aus Mangel an Palmblättern, die Zuckerhüte in Baumwollabfülle zu verpacken pflegte. Der berühmteste Kandiszucker war der aus Bambillonia (Pegolotti 300; Pasi 41 und 136), welcher, seiner Schönheit wegen, häufig als Geschenk benutzt wurde; doch enthielt auch dieser viel Grus, für den man nur ein Drittel des Wertes guter Krystalle bezahlte. Eine schön kristallisierte Sorte Alaun führte den Namen „Alumen zuccarinum"; man bereitete sie durch Klären der heissen Salzlösung mit Rosenwasser und Eiweiss, und Kry- stallisation in besonders eingerichteten Gefässen (Pegolotti 295; 368). Sie findet sich unter demselben Namen noch bei Po- metius (II, 350) erwähnt. Im Verzeichnisse der Spezereien führt Pegolotti (S. 295 ff.) noch an: Penitti, d. i. Penidium (Fanid), Zucchero rosato und violato (Rosen- und Veilchenzucker), und Confetti, d. h. verzuckerte, oder in Zucker eingemachte Früchte, nach Pasi (S. 55) ein wichtiger Ausfuhrartikel Alexandrias. Marzipan (Pegolotti 320) scheint man besonders in Cypern angefertigt zu haben, da die Gewichte und Preise der Holzschachteln und Deckel daselbst, ausführlich angegeben werden. D. Zuckerkonsum Europas i. 14. u. 15. Jahrhundert, u. s. Großlieferanten. 225 Antonio da Uzzano's „La pratica della mercatura" (Pag- nini, Bd. IV), bestätigt fast durchaus Pegolotti's Werk, obwohl sie sich auf die Zeit um 1400 bezieht, und über ein Jahrhundert später als jenes abgefasst ist. Von ägyptischen Broten erwähnt Uzzano Muzari (Mucchera) und Bambillonia, sowie „zucchero sodo" d. i. dichten harten Zucker (191 und 85); von Produkten Cyperns: Krystallzucker, den Farin „da sciloppi", welcher aus Syrup (vermutlich aus dem von den Broten ablaufenden) gekocht war (59 und 82), und meist zum Einmachen von Früchten diente, sowie Donmaschino, worunter jedenfalls Brote zu verstehen sind, die in Form und Beschaffenheit den Damascenern glichen; Damaskus lieferte Kandis, Brote und „Donmaschino afatato", d. h. gestampfte Brote, die durch Einstampfen feuchten Zuckers in Brotformen dargestellt wurden, und den aus Füllmasse erzeugten äusserlich ähnlich sahen, an Güte und Haltbarkeit ihnen aber weit nachstanden (114 und 191). Ausserdem erwähnt Uzzano noch die Krystallzucker von Granada und Malicha (Malaga) in Spanien (59 und 191), sowie die von Majolika (Majorka), wo auch schon zur Zeit Pegolotti's (S. 113), Brote, Farine, und Kandiszucker aller Art fabriziert wurden. Wie aus den Angaben Pegolotti's und Uzzano's ersichtlich ist, spielte der Zucker unter den Handelswaaren der italienischen Seestädte, schon gegen 1300 eine sehr bedeutende Rolle. Reichlicherer Zuckergebrauch soll sich erst gegen Ende des 13. Jahrhunderts in Ralien eingebürgert haben, und zwar infolge der französischen Invasionen; „die Erfinder aller eitlen und verderblichen Moden, voll von Üppigkeit, Übermut und Verschwendung", nennt Boccaccio die Franzosen in seinem Kommentar zu der Stelle in Dante's „Hölle" (Ges. 29, 123), worin derselbe den Leichtsinn dieses Volkes schilt (Übers, v. Gildemeister, Berl. 1888, 166 und 170). Von florentinischen Händlern wurde nachHeyd um 1301 bereits regelmässig Zucker aus Famagusta auf Cypern und aus Lajazzo geholt, auch enthält der Zolltarif Modenas von 1306 Zucker (Humboldt, „Krit. ünt." I, 440), und der Pisas von 1305, zählt, nach Bonaini's „Statuti inediti della cittä di Pisa", Krystallzucker, Caffetino und Bambillonia auf (Bourquelot, „Mem. Acad. Inscr.", Paris 1865; V, 293). Die Zolltarife Florenz's von 1402, Pisas von 1408, Sienas und Genuas von 1400, führen sämtlich zahlreiche Zuckersorten, an (Uzzano 26, 59, 78, 191), darunter auch Rosen- und Veilchenzucker, ferner in Zucker und Honig eingemachte Früchte, von denen die ersteren erheblich teurer waren. Im Laufe des 14. Jahrhunderts nahm der Geschmack an Zucker- Iiippmann, Geschichte des Zuckers. 15 226 Neunter Abschnitt. werk und Konfekt immer mehr überhand, und Zucker wurde allerorten die gesuchteste Leckerei, und Gegenstand der luxuriösesten Verwendung (Volz 216; Hüllmann IV, 151 ff.), so dass Florenz, Bologna, und andere Städte, Luxusgesetze erliessen, in denen Zahl und Beschaffenheit selbst des Backwerkes, genauen Vorschriften unterworfen war. Johannes de Mussis meldet z. B. in seiner „Chronik von Piacenza", dass es bei einem 1350 abgehaltenen Gastmahle „Kapphähne gab, mit Zucker, Mandeln und Gewürzen gefüllt, Eier- und Milchspeisen mit vielem Zucker, Reis, Nüsse, Früchte, und Mandelmilch mit Zucker und Gewürzen, süsse Kuchen und vielerlei Zuckergebäck, und unzähliges Zuckerwerk in vielerlei Form und Zubereitung." Ein Festmahl in Modena, 1347, fand, nach der Chronik des Bazano, seinen Abschluss „mit einem Feldlager, ganz aus Zucker bereitet, über das sich beim Nachessen die Gäste hermachten", und nach Neri di Donato brachten die Sanesen, als Karl IV. 1368 ihre Stadt besuchte, dem Kaiser ein Ehrengeschenk, bestehend in vergoldetem Zuckergebäck und Marzipan (Panis Marci = Markusbrot, eine venetianische, oder eine in Venedig zuerst nachgeahmte orientalische Erfindung). Welcher Wohlstand damals in Norditalien herrschte, geht z. B. aus der Angabe hervor, dass Mailand zu Anfang des 14. Jahrhunderts etwa 200 000 Einwohner, und dabei 1000 Weinhäuser, 150 grosse Gasthöfe, 400 Bäcker, und ebensoviele Schlächter besass (Hüllmann IV, 43). Die wichtigste Stätte des Zuckerhandels war Venedig, dessen Flotten im 14. und 15. Jahrhunderte die Meere beherrschten, und dessen gewaltiges Arsenal bereits Dante's „Hölle" (Ges. 21, 8) rühmt. Aus einem Dekrete von 1334 (Marin. IV, 259) geht hervor, dass Venedig Zucker aus Ägypten, Cypern, Syrien, Sizilien, Morea, Rhodus, und Kreta empfing: „Zucker, gewachsen und gemacht auf unsrer Insel Kreta, darf von den Kauffahrern direkt nach Venedig gebracht werden"; daneben war aber auch viel Honig im Gebrauch, besonders zur Bereitung von Konfitüren: „Honig ist gänzlich steuerfrei, muss aber stets direkt nach Venedig selbst gebracht werden", heisst es in einem Dekrete von 1333 (ebd. IV, 288). Über den Zuckerhandel in Ägypten bestimmt ein Vertrag von 1355 im 7. Artikel: „Zucker soll nicht im Inlande Ägyptens direkt an die Venetianer verkauft, sondern, wie es bisher stets geschah, zunächst nach Alexandria gebracht und dort eingelagert werden" (ebd. VI, 137). Eine Rede des Dogen Mocenigo, welche derselbe 1421, betreff eines, mit Florenz gegen Mailand abzu- schliessenden Bündnisses hielt, spricht sich über die Bedeutung des Handels mit diesen Städten und ihren oberitalienischen Bundes- > D. Zuckorkonsum Europas i. 14. u. 15. Jahrhundert, u. s. Grosslieferanten. 227 } genossen, wie folgt aus (Marin VII, 153; Romanin IV, 486): ,Wir liefern ihnen jährlich 50 000 Ztr. Baumwolle, 20 000 Ztr. Garn, 80 000 Ztr. katalonische und französische Wolle, Gold- und Seiden-Stoffe für 250 000 Dukaten, 3000 Lasten Pfeffer, 400 Bund Zimmt, 2000 Ztr. Ingwer, für 95 000 Dukaten Zucker, für 30 000 Dukaten Niihwaaren, 40 000 Ztr. Farbhölzer, für 50 000 Dukaten Farbwaaren, für 100 000 Dukaten Hanf und Flachs, für 250 000 Dukaten Seife, für 30 000 Dukaten Salz, und der Ge- sammtumsatz beträgt 29 Millionen Dukaten; auch Verona, Padua und Vicenza beziehen allein 400 Lasten Pfeffer, 120 Bund Zimmt, 1000 Ztr. Ingwer, 1000 Ztr. Zucker und 200 Scheiben Wachs." Vielfach wird angegeben, dass das Raffinieren des Zuckers, sowie die Brotform, erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts in Venedig erfunden worden sei; obwohl schon Le Grand d'Aussy (II, 198ff.) diesen Anspruch der Venetianer ,une anecdote, hono- rable pour leur patrie" nennt, so findet sich obige Behauptung doch bei Moseley wieder, der sogar die richtige Angabe Camp- bell's über den orientalischen Ursprung der Hutform (in „Conside- rations of the sugar trade" 1763; 5) ausdrücklich verwirft, ebenso bei Ritter (355), bei Reed (9), in Beckmann's „Anleitung zur Technologie" (Göttingen 1780, 378ff.), in der Vorrede zu Olivier de Serres (I, Vorr. 92ff.), wo speziell das Jahr 1471 genannt wird, und in vielen anderen Schriften, aus welchen sie in fast sämmt- liche neuere Sammelwerke (s. z. B. „Ena Brit." 1887, a, a. ().) unwidersprochen übergegangen ist. Die Quelle des fraglichen Berichtes ist vermutlich bei Pancirollus zu suchen, welcher 1523—1599 lebte (Amari III, 803), zuletzt Professor zu Padua war, und als Instruktion für einen Prinzen das Buch „De rebus perditis et inventis" schrieb (lat. Übers, von Salmuth, I. Bd., Amberg 1599; II. Bd., Frkft, 1602); in diesem Werke (II, 286) sagt er: „Zucker hat es auch schon früher gegeben, aber er war wenig bekannt und wurde nur in der Medizin benutzt; die Kunst, Zucker zu machen, ist schon vor einigen hundert Jahren erfunden worden, die Kunst, ihn zu reinigen und zu raffinieren, aber erst in unserer Zeit, und zwar durch einen Venetianer, der dabei über 100 000 Goldstücke verdiente, die jedoch sein Sohn, ein Ritter, wieder durchbrachte." Die Behauptung, dass die Erfindung der Raffination erst zu Ende des 15. Jahrhunderts gemacht wurde, bedarf als solche keiner ernstlichen Widerlegung, um so weniger, als Pancirollus in derartigen Angaben überhaupt unzuverlässig ist; so z. B. lässt er die Destillation durch Zufall von einem Arzte entdecken (II, 360), den Magneten in Amalfi erfinden (II, 15* 228 Neunter Abschnitt. 564), den Buchdruck von einem, auf der Fahrt durch die Ostsee nach China verschlagenen Deutschen, dort erlernen (II, 590), und das Porzellan aus einer Mischung von Gyps, Eiern und Hummerschalen bereiten, welche man vorher achtzig Jahre unter der Erde vergraben hält (II, 141). Um die von ihm angegebene Zeit war ferner die Brotform schon so bekannt, dass man sie auch zur Formgebung für andere Materialien benutzte; im Jahre 1510 z. B., beklagten sich burgundische Kauf 1 eilte, dass die „Salzhüte " viel kleiner gemacht würden, als für dasselbe Geld in früheren Zeiten, worauf dann der Gerichtshof von Dijon befahl, die Hüte nicht bloss zu zählen, sondern auch regelmässig zu verwiegen (Le Grand d'Aussy II, 191).*) Ist nun zwar die Erzählung, in der Form, wie sie Fanci- rollus wiedergiebt, entschieden unrichtig, so lässt sich doch auch nicht gut annehmen, dass sie völlig aus der Luft gegriffen sei, um so mehr als sie in Padua, demnach in nächster Nähe Venedigs, vorgebracht wurde. Es drängt sich vielmehr die Vermutung auf, dass ihr irgend ein Kern von Wahrheit zu Grunde liegen müsse. Einen Fingerzeig, in welcher Richtung dieser zu suchen sei, liefert der, oben angeführte Kontrakt des Königs Jakob von Cypern mit den Zuckermeistern Berthelemy Cofity und Francesco Coupion (Mas-Latrie III, 218); es heisst nämlich in diesem: „Ein Quinta] Füllmasse (boutres), der in Venedig 45 Metra dreimal gekochten Zucker liefert, soll hier in Cypern, wo die Massen besser erhalten sind, mehr Zucker geben." Es scheint also, dass man eingekochte Füllmasse nach Venedig brachte, um dieselbe dort zu raffinieren, und dass es sich hierbei nicht um eine neue Erfindung, sondern bestenfalls um eine Nachahmung, wahrscheinlich aber nur um eine glückliche kaufmännische Idee handelte, da geübte Zuckermeister für Venedig wohl ebensogut zu erhalten waren, wie für Cypern. Um 1463, der Jahreszahl jenes eyprischen Anstelluugsvertrages, kann dieser Industriezweig demnach in Venedig nicht mehr neu gewesen sein, und da um diese Zeit wiederholt zehnjährige Privilegien für alle, in der Republik neu eingeführten Industriezweige erteilt wurden (Romanin IV, 485), so wäre eine ungewöhnliche Rentabilität desselben leicht erklärlich. Ein Verzeichnis von 1473, weist 142 Künste und Handwerke # *) Nach Pometius (II, 332ff.) wurde das feuchte Salz in runde und viereckige Formen gestampft, wie auch noch Bockmann („Technologie" 35Sj berichtet; 6. auch Palissy, „Traite des sols" 1580, und die Angaben des Agricola (1529), bei Peters (II, 136; mit Abbildung). r D. Zuckerkonsum Europas i. 14. u. 15. Jahrhundert, u. s. Grossliet'eranten. 229 auf, die in Venedig von 28 427 Personen betrieben wurden, und unter diesen finden sich auch die „raffmatori di zucchero" genannt, sowie die „compositori di confetture e galanterie di questo genere", Verfertiger von Konfekt, Eingemachtem und Luxuswaaren in Zucker (Marin VIII, 275). Mit dem Beginne des 14. Jahrhunderts fiel auch der der venetianischen Seeschiffahrt nach Flandern und England zusammen, während sich dieselbe vor dieser Zeit nicht weiter als bis an die Küsten von Portugal erstreckt hatte (Manzi, „Viaggio di Fres- cobaldi", Rom 1818, 45); Handelsbeziehungen zu Flandern werden zwar schon 1272 erwähnt, und reichen vermutlich noch weiter zurück, sie scheinen aber keine direkten gewesen zu sein (Marin V, 292), und der Abschluss von Handelsverträgen mit Sevilla, Cadix und Lissabon erst im Jahre 1322, spricht dafür, dass sich auch der Verkehr nach Spaniens Süd- und West-Küste bis dahin keiner besonderen Lebhaftigkeit erfreute (Romanin III, 101). Sanuto besuchte Flandern 1306 (Bongars II, 72), Pegolotti 1315 (S. 256), und schon 1316 wurden die Verträge Genuas. 1320 die Venedigs, mit Brabant und Brügge abgeschlossen (Ro- manin III, 101). Sleus oder Sluis, der Hafen Brügges, war schon im 9. Jahrhundert bekannt (Hüllmann I, 160), Edrisi erwähnt Brügge als Handelsstadt mittlerer Grösse („Geogr." II, 366), und die mächtigen Schutzdeiche zwischen Brügge und Wissant werden oft gerühmt, u. a. in Dante's „Hölle" (Ges. 15, 3). Durch die Herrschaft Balduins von Flandern in Konstantinopel (1204), in hohem Grade begünstigt, schwang sich Brügge im Laufe des 13. Jahrhunderts zu einem der grössten und wichtigsten Stapelplätze Europas auf (Falke I, 162; Beer IT, 171; Sartorius, „Geschichte des Hansabundes", Gott. 1802: I, 251), trat im 14. und 15. Jahrhundert in direkten Verkehr mit Venedig, Genua, Pisa, Marseille, Sevilla, und Lissabon, und war zwischen 1350 und 1450 der „eigentliche Freimarkt des Mittelalters", einer der mächtigsten Geldverkehrs- und Wechselplätze, und die waaren- und schätzereichste Handelsstadt des Nordens. Erst gegen Ende des Mittelalters verlor es diese führende Rolle, einmal, weil das Strafgericht, nach den, beim Tode Karl des Kühnen, und dem Aussterben des burgundischen Mannesstammes ausgebrochenen Unruhen, die mit der Gefangennahme des Kronprinzen Maximilian I. endigten (1488), die Stadt .politisch auf das schwerste schädigte, sodann, weil die reich gewordene Bürgerschaft ihr Stapelrecht in so drückender, und die fremden Kaufleute benachteiligender AVeise ausübte, dass der grösste Teil derselben den Stapel nach Antwerpen ver- 230 Neunter Abschnitt. legte (Falke I, 266; Beer II, 176). Auch die Märkte dieser Stadt, waren jedoch schon gegen 1300 von grosser Bedeutung, und Venedig beschickte 1318, zum ersten Male, die Messe von Antwerpen sogleich mit achtzehn Schiffen (Guicciardini, „Des- crizione di tutti i paesi bassi", Antw. 1567, 119; Beer I, 186; Hüllmann I. 370). Im 13. Jahrhundert gab es in Flandern Zucker aus Ägypten und Syrien, sowie aus Bugia und Marokko (Francisque Michel, a, a. 0.), — eine der seltenen Erwähnungen letzteren Produktionsortes; ein venetianisches Dekret von 1333 giebt Vorschriften über den Seetransport von Brot- und Krystallzucker aus Venedig nach Flandern (Marin V, 201; Romanin III, 379). Jedoch war der Zucker um diese Zeit, und auch noch um 1400, eine kostbare Seltenheit; die Zollrolle Brabants von 1315, und die von Holland und Seeland von 1363, führt ihn nicht an, sondern spricht nur von eingemachten Früchten, Gewürzen, und von Honig, einem Haupteinfuhrartikel der Hansa (Sartorius I, 409 und 413; II, 543). In späterer Zeit wird der Zucker in den Waarenlisten, als aus Italien kommend verzeichnet, und es werden auch ganze Schiffsladungen „Zucker, Reis, und Baumwolle" erwähnt. Für den Handel nach England war im 12. Jahrhundert Mainz der Mittelpunkt, und deutsche Kaufleute, die schon zur Zeit Ethelreds (978—-1016) ständig dort verkehrten, waren dessen Hauptträger; Mainzer Kaufleute sind, im Gefolge eines kaiserlichen Gesandten, schon 949 in Konstantinopel nachweisbar (Heyd; Falke I, 68 und 82), und Mainz gehört, neben Basel, Ehingen, Ulm, Augsburg „an der Donau", Worms, Köln, Utrecht, Frankfurt, und Wien, zu den grossen deutschen Städten, welche Edrisi anführt („Geogr." II, 246; II, 367ff.), woraus dessen Bedeutung in genügender Weise erhellt. Zur Zeit der Kreuzzüge nahm der Handel nach England erheblich zu, und wie überall, so begann man auch dort, Geschmack "an den Erzeugnissen des Orients zu finden, wozu die häufigen Berührungen mit Sizilien, dessen König Wilhelm II. eine Schwester des Richard Löwenherz zur Gemahlin hatte, nicht wenig beigetragen haben mögen (Schack „Normannen" II, 313). Nach Rogers („A history of agriculture and prices in England", Oxford 1866—1887) findet sich Zucker zuerst 1264 in einer Rechnung des königlichen Haushaltes erwähnt, und zwar vermutlich Brotzucker, nebst alexandrinischem Krystallzucker (I, 633); 1285 kaufte der Earl Cläre zwei Töpfe mit Rosen- und Veilchenzucker (ebd.), und 1264 wird auch Ingwerbrot, d. i. ver- t • D. Zuckorkonsum Europas i. 14. u. 15. Jahrhundert, u. s. Großlieferanten. 231 zuckerter Ingwer, als Geschenk für eine hohe Persönlichkeit genannt (I, 630). Obwohl der Zucker in dieser Zeit ausserordentlich teuer, und ein überaus kostbarer Luxusartikel war, der zuerst, nebst anderen Spezereien, von italienischen Kaufleuten am Landwege (d. h. über den Rhein und die Niederlande) importiert wurde (Rogers I, 66 und 625; Pegolotti 259), so scheint doch sein Konsum ziemlich rasch zugenommen zu haben; hierauf deutet wenigstens eine Stelle der venetianischen Register von 1319 (Marin V, 306): „Tommaso Loredano verfrachtete durch Ni- coletto Basadonna 100 000 Pfund Zucker und 10 000 Pfund Kandiszucker im Gesammtwerte von 3180 Lira de grossi; diSser Zucker wurde in London verkauft, für das Geld Wolle eingehandelt, und diese auf zwei Schiffen nach Flandern verladen; Schiffe sammt Wolle wurden aber von englischen Piraten gekapert, und dabei Basadonna getötet." Am schottischen Hofe ist 1319 ein Zuckereinkauf nachweisbar (Reed 143ff.), und 1334 wird in London Brotzucker, Caffetin und cyprischer Krystallzucker verkauft (Rogers I, 633), sowie kandierter und eingemachter Ingwer, der während des ganzen Mittelalters eine sehr gesuchte Waare blieb (ebd. IV, 665). Als Erzeugungsort für die guten Zuckersorten werden im 13. und 14. Jahrhundert Alexandria und Valencia, für die geringeren Cypern und Marokko angegeben (ebd. II, 542ff.); als Sorten findet man angeführt: Zucker in Broten, in Kuchen (cake), in Platten (plate), in Stücken (in rock, bei Pegolotti 295 ff. pezzi di zucchei - o), Caffetino, weissen Krystallzucker, und weisses Zuckermehl, ferner Penid und Diapenidion (I, 649). Zuckerhüte kommen erst gegen Ende des Mittelalters häufiger zum Verkaufe, und zwar, nach Reed (S. 9) unter dem Namen „pains de Venise"; das Gewicht derselben betrug anfangs 5—6, später 12—-13, zuweilen aber auch 15—16 Pfund; im 15. Jahrhundert werden, ausser den oben genannten Sorten, noch besonders oft erwähnt: Perled- und Almond Sugar (klein- und grosskörniger Zucker), Penedys oder Penettes (Zuckerwaaren aus Penidium), Dragge (Dragees), Comfits (Eingemachtes und Verzuckertes), Cassons, Marmeladen, Zuckerbisquits, Makronen, Amolassaruni (Syrup, Melasse), und Marzipan, von letzterem /,. B. sieben Pfund als Geschenk für einen Richter (IV, 656, 674ff, 678). Die Preise, auf welche später besonders zurückzukommen sein wird, waren im ganzen sehr hoch, und wurden durch die Transportkosten und die vielen Zölle wesentlich verteuert; so z. B. betrug in Ägypten, allein der Ausfuhrzoll für Zucker, BS 1 ^ 0 ^ seines Wertes (ebd. I, 148). Die Einfuhr des Zuckers erfolgte fast ausschliesslich durch italienische oder ' ■ 232 Neunter Abschnitt. portugiesische Kaufleute*), besonders seit Letztere, 1303, von Eduard L, Erstere (1325) von Eduard IL, Schutzbriefe und Privilegien erhalten hatten; den Zwischenhandel der Niederlande mit England, welchem, seitdem Brügge und Antwerpen in direkter Verbindung mit den italienischen Häfen standen, erhöhte Bedeutung zukam, vermittelte jedoch zu einem grossen Teile auch die deutsche Hansa, deren Mitglieder sowohl in den Niederlanden, als auch, durch einen Freibrief Eduard L, in England, besondere Begünstigungen genossen. In der englischen Litteratur dürfte eine der ersten Erwähnungen des? Zuckers die bei Chaucer (1340 —1400) sein, welcher, neben seiner Thätigkeit als Dichter, auch die eines Kaufmannes entfaltete, und z. B. 1372 die Verhandlungen behufs Errichtung einer genuesischen Faktorei in England leitete. In den „Canterbury-Tale*" (deutsch von Hertzberg, Hildb. 1866, 171 und 467) heisst es in der „Erzählung des Müllers": „Mein Honigseim, mein süsses Zuckorplätzchon, „Wach auf, und sprich zu mir, mein holdes Schätzchen" und im „Reimgedicht von Herrn Thopas": „Erst brachten sie ihm süssen Wein, „Und Moth in einem Bechorlein, „Schön mit Gewürz durchrühret, „Dann Pfeffernüsse, die sehr fein, „Süssholz und Kümmel obendrein, „Mit Zucker wohl kandiret." Was die italienische Litteratur der nämlichen Periode anbelangt, so findet sich in der „Göttlichen Komödie", in der „Vita nuova" und in den lyrischen Gedichten Dante's (1265 —1321). sowie in den Dichtungen des Petrarca (1304—1374), der Zucker nicht genannt, wohl aber kommt er häufig bei den Novellisten jener Zeit vor. Bei Boccaccio (1313—1375) bezeichnet im „De- camerone" (deutsch von Witte, Lpzg. 1859; I, 312) Ferondo sein Weib als „das honigsüsseste, viel verzuckerter als Marzipan" und später (ebd. I, 314) als „honigsüss, kandiert und mit Käse bestreut"; zur Erquickung wird Wein und Zuckerwerk gebracht (ebd. II, 250), es ist von „zuckersüssen Worten" die Rede (ebd. III, 101), und auch verzuckerte Aloepillen werden einmal erwähnt (ebd. III, 39). Fiorentino (um 1378), dessen Novellen verschie- *) Ein Gedicht von 1436 „The libell ef english policyo" klagt über die Einfuhr von Luxuswaaren aus Venedig und Genua, für welche man Geld, Wolle, Tuch und Getreide ins Ausland gehen lasson müsse (Heyd). f D. Zuckerkonsum Europas i. 14. u. 15. Jahrhundert, u. s. Grosslieferanten. 233 « denen Stücken Shakespeares zu Grunde liegen („Kaufmann von Venedig", „Lustige Weiber", etc.), spricht ebenfalls häufig von Zucker werk, Konfekt, Eingemachtem, köstlichen Zuckersachen, süssem Backwerk, süssen Weinen, u. dergl., als von etwas Allbekanntem, und bei jeder feineren Gesellschaft ganz Unentbehrlichem (Sim- rock, „Die Quellen des Shakespeare", Bonn 1872; I, 195, 307, 335). In Frankreich nahm der Gebrauch von Gewürzen und Zucker zu Ende des 13. und Anfang des 14. Jahrhunderts immer mehr zu, obwohl die italienischen Händler, welche die Einfuhr meist besorgten, die ohnehin hohen Preise dieser Waaren noch mehr verteuerten (Le Grand d'Aussy II, 174). Den ersten Rang unter den Gewürzen nahm der Pfeffer*) ein, der zu dieser Zeit im Grosshandel dieselbe Bolle spielte, wie heute Kaffee, Thee, Baumwolle, u. dergl, so dass „Epicier" und „Poivrier" gleichbedeutend und „eher comme poivre" sprichwörtlich war (ebd. II, 181). Pfeffer, Ingwer, Nelken und andere scharfe Gewürze, dienten hauptsächlich zur Anregung der Verdauung beim Genüsse der schweren Speisen, die in vornehmen Kreisen üblich waren, z. B. der gebratenen Igel, Seehunde, Schwäne und Pfauen (ebd. II, 308; Schultz 1, 284 und 333). Pfauenbraten stand in so hohem Ansehen, dass eine geläufige Schwurformel lautete: „Ich schwöre bei Gott, bei der h. Jungfrau, bei allen Frauen, und beim Pfau"; ebenso schwur noch 1453 der Herzog von Burgund auf einen Fasanenbraten, einen Kreuzzug zur Befreiung Konstantinopels zu unternehmen**) (Le Grand d'Aussy I, 368; II, 25). Die Gewürze wurden entweder in Form von Saucen genossen, oder man kandierte sie mit Zucker, und ass sie zum Nachtische; der, aus dem 14. Jahrhundert stammende lloman „Triumphes de la noble dame" sagt: „nach dem Braten essen die Reichen zur Verdauung verzuckerten Anis, Fenchel und Koriander", und anstatt „apres la table" pflegte man nach höfischer Sitte „apres les vius et les epices" zu sagen (ebd. II, 308 und 309). Die Könige hatten einen eigenen Hofbeamten, „Epicier", zur Bereitung solchen Zuckerwerkes (ebd. II, 315); bei der Tafel wurde dasselbe nur dem Könige und den Vornehmsten, in einer, *) Schon in den, vermutlich aus dem Beginn des 13. Jahrhunderts stammenden „Carmina burana", wird os als Vorzug der Reichen angeführt, dass sie Fische mit Pfeffersauce essen können (ed. Seh melier, Breslau 1883, 44). **) „Der Pfau gebraten vor ihm stand" heisst es in Wolfram von Eschenbach's „Wilhelm von Orange" (S. 117), und noch Olivier de Serres (1600) versichert, l'fau sei der feinste aller Braten. 234 Neunter Abschnitt. in Fächer geteilten flachen Schüssel, „drageoir" genannt, serviert. Kleinere, sehr kostbare Drageoirs pflegte man, mit verzuckerten Gewürzen gefüllt, in der Tasche zu tragen, und trieb mit denselben den unglaublichsten Luxus; ein Verzeichnis König Karl V. (1364 —1380) enthält z. B. 53 grosse und unzählige kleine, aus Gold und Silber gearbeitete, mit Edelsteinen und Email verzierte Drageoirs, und der Charlotte von Savoyen, Gemahlin Ludwig XI , wurden, bei ihrem Einzug in Amiens (1464) und Paris (1467), Drageoirs überreicht, von denen mehrere zwanzig Mark Silber (ca. 1000 Mark in jetzigem Geldwerte) gekostet hatten. Die Verwendung von Konfekt zu Festgaben war übrigens eine allgemeine; nach Gewinnung eines Prozesses beschenkte man damit die Richter (ebd. II, 313), und nicht selten suchte man auch schon vorher ihr Urteil auf solche AVeise zu beeinflussen: als z. B. Jean de Beau- dricourt, zur Prüfung einer Klage gegen den Statthalter der Provence, von Lu dwig XL 1483 nach Marseille gesandt wurde, beeilte sich der Magistrat, ihm zwölf Büchsen Konfekt und zwölf kleine Zuckerhüte zu überreichen (Viennot, a. a. 0.). Die Könige versuchten umsonst diesen Übelstand abzuschaffen; im 14. Jahrhundert verlangten Richter und Advokaten solche Geschenke*), oder deren Geldwert, sogar schon im vorhinein, und wurden hierzu 1402 gesetzlich berechtigt, so dass man um diese Zeit unter „epices" allgemein ein Geldgeschenk zu verstehen pflegte (Mas-Latrie I, 509); selbst im Parlamente hiess es „non deliberetur donec sol- vantur species", d. h. „erst wird gezahlt, dann wird beraten" (Le Grand d'Aussy II, 313). Die Spuren dieses Gebrauches erhielten sich noch Jahrhunderte lang: in Moliere's „Les fourberies de Scapin" („Oeuvres", Paris 1869; II, 563) spricht Scapin von den „epices de conclusion", und in Racine's „Les plaideurs" heisst es in der 7. Scene des 2. Aktes: ,11 me redomandait sans cesse ses epices, „Et j'ai tout bonnement couru dans les offices „Chercher la boite au poivre ...." Die Frage ob der Genuss solcher Gewürze einen Bruch der Fastenzeiten vorstelle, beschäftigte viele ängstliche Gemüter; Thomas von Aquino, der mit Unrecht berühmtere Schüler des berühmten Albertus Magnus(1193—1280), entschied dieselbe endlich wie folgt: „Obwohl an sich nährend, werden die verzuckerten Gewürze doch nicht mit der Absicht, sich zu ernähren, sondern nur behufs besserer *) Bereits bei Juvenal („Satiren" VI, 119ff.) sind derartige Naturalabgaben erwähnt, und die Anwalte beklagen sich über deren Dürftigkeit. D Zuckerkonsum Kuropas i. 14. u. 15. Jahrhundert, u. s. Grosslieferanten. 235 Verdauung genossen; sie brechen deshalb die Fasten ebensowenig, wie der Genuss irgend einer Arznei." Zucker, der zu Anfang des 14. Jahrhunderts grösstenteils durch italienische, meist genuesische oder florentiner Händler, nach Südfrankreich gebracht wurde, gehörte, infolge seines hohen Preises, zu den grössten Luxusgegenständen (Le Grand d'Aussy II, 198ff.; Leber, „Essai sur l'appreciation de la fortune privee au moyen äge", Paris 1847, 53); ebenso wie den Alkohol, von dem Arnaldus de Villanova sagt, „dass man seine Tugenden und Kräfte jetzt zu erkennen anfange", führten auch den Zucker nur die Apotheker regelmässig, und verwandten ihn so vielfach, dass „Apotheker ohne Zucker" sprichwörtlich für Einen war, dem es am Nötigsten fehlte. Ein Hut feiner Zucker „ssucre fin d'Alexan- drie", galt für ein wahrhaft fürstliches Geschenk, so dass z. B. ein reicher Sünder, St. Dambray, um am Totenbette sein Gewissen zu erleichtern, dem Krankenhaus Hötel-Üieu drei Hüte Zucker sandte (Le Grand d'Aussy a. a. 0.). Auch in den Heiligen- Geschichten dieser Zeit, spielt der Zucker, als eine ebenso reine wie köstliche Speise, seine Rolle; im „Leben der heiligen Lidwina" heisst es: „in der ersten Zeit ihrer Krankheit trank sie, neunzehn Jahre lang, nur ein wenig Zuckerwasser", und „hin und wieder nahm sie ein wenig Zucker oder Kümmel zu sich"; der h. Peter von Luxemburg erquickte sich ebenfalls an Zuckerwasser, und im „Leben des h. Eleazar" wird erzählt: „Von dorther brachte er seiner h. Gefährtin etwas mit, was ihr, als sie das h. Abendmahl nahm, an Geschmack dem besten Zucker gleichzukommen schien 1 " (Du Gange VII, 644b; VIII, 434a, 434b). Die älteste französische Quelle, die den Zucker im 14. Jahrhundert erwähnt, dürfte ein Brief Philipp des Schönen (1285 —1314) aus dem Jahre 1304 sein (Du Cange VIII, 434a); 1312 befiehlt der König, Zucker zur Anfertigung von Konfitüren einzukaufen („Ordonnarices des rois de France" I, 513; Francisque- Michel a. a. 0.), 1313 Hess er bei einem Feste Springbrunnen mit gezuckertem Weine, Rosenwasser, und Hippokras laufen (Le Grand d'Aussy III, 195ff.), und aus dem nämlichen Jahre erwähnen die „Ordonnarices" auch eine Paste aus verzuckerten Pinien und Ingwer (ebd. II, 326). König Karl IV. (1322—1328) kaufte 1322, zur Bereitung von Syrupen, Arzneien, und Zuckerwerk „succre de trois cuictes" („Ordonnances" I, 761), auch liegen aus den Jahren 1322 und 1333 Nachrichten über den Ankauf von Dragees vor (Leber 74). In den Rechnungen für Humbert. Dauphin von Vienne, stehen, 1333, zwölf Pfund weisser Zucker Neunter Abschnitt. ;m angemerkt, ferner ein Ragout aus Fisch, Kapaun, Butter, Eiern und Zucker, und feines Zuckerwerk (Le Grand d'Aussy II, 198ff.; II, 277; III, 267. Lacroix, „Moeurs, usages et costumes du moyen äge", Paris 1877, 178). Im „Menagier de Paris", einem um diese Zeit verfassten Kochbuche, ist von „suecre en pierre", Krystall- zucker, und Kandis, die Rede (Lacroix a. a. 0.; Littre II, 2, 1067), auch werden Rezepte zur Darstellung des Veilchen- und Rosenzuckers, sucre rosat, rosat vermeil, gegeben; der Roman „Baudouin de Sebourc" spricht von ,,Ingwer, Ziuimt und Zacker", und von einem Zucker-führenden Flusse des Paradieses, auf welchen auch Joinville anspielt, der an anderer Stelle noch bemerkt: ..Das ist das Rohr, von dem der Zucker kommt" (Littre a. a. 0.; Francisque-Michel a. a. 0.). Dass der Zucker in Norden Frankreichs gleichfalls verbreitet war, beweist der Zolltarif der Stadt Mezieres von 1350, in welchem es heisst: „le cent de sucre doit 4 deniers" (Laurent, „Statuts et coutumes de Mezieres" 1809, 124), und auch in anderen Zolllisten derselben Zeit wird Zucker in Broten, Zucker in Stücken, und cyprischer Krystallzucker aufgeführt (Bourquelot, ,.Mem. Acad. Inscr.", Paris 1865, V, 293). Ein Reskript des Königs Johann (1350—1364) von 1353, befiehlt den Apothekern, — und als solche werden auch diejenigen bezeichnet, die eingekochte und in Zucker eingemachte Früchte anfertigen —, zu beschwören, „sie würden stets guten Honig und Zucker vorrätig halten, und nicht mit Honig versüssen, wenn Zucker vorgeschrieben ist", und verbietet ihnen besonders, „guten weissen Caffetinzucker durch Honig zu ersetzen" („Ordonnances" II, 535; Phillippe 20 und 111). Der Verfasser von „Modus et ratio" (1342) schilt auf den Zuckerluxus seiner Zeit, und beschreibt, zum Beweise desselben, ein Festessen bei einem Erzbischofe, wobei sechs verschiedenfarbige Suppen aufgetragen wurden, alle mit Granatkörnern und Zucker bestreut (Le Grand dAussy II, 237); auch Taillevant, der Koch Karl VII. (1422 — 1461), giebt in seinem Kochbuche von 1456 das Rezept zu einer solchen Suppe aus Fleischbrühe, Eiern, Senf, Safran, Rosenwasser, gestossenem Ingwer und Zucker (ebd. II, 232), und Platinus (um 1490) rühmt seine „Goldsuppe" aus gerösteten Brotschnitten mit Eigelb, Weisswein, Rosenwasser, Safran und Zucker, welcher solche Kraft innewohnte, dass Duguesclin, „bevor er zum Kampfe gegen die Feinde zog, drei Portionen derselben zu Ehren der h. Dreifaltigkeit aufass" (ebd. IL 230). Platinus bereitete auch verzuckerte Torten aus Rüben, Kürbissen, Hollunder, Maiblumen, Rosen, Kastanien, Kirschen und Datteln (ebd. II, 277), und Taillevant Reiscreme mit Mandelmilch, i D. Zuckerkonsum Europas i. 14. u. 15. Jahrhundert, u. s. Grosslieferanten. 237 * Safran und Zucker, Torten aus Äpfeln und Birnen, und Figuren aller Art, z. B. ganze Hirsche und Schwäne, ans Zucker (ebd. II, 232, 277, 319). Jeanne d'Evreux, die dritte Gemahlin König Karl V. (1364 —1380), hinterliess hei ihrem Tode (1372), nebst allerlei Gewürzen und Spezereien, auch vier kleine Zuckerhüte, jeden von fünf Pfund Gewicht (Leber 94); als Leo von Armenien 1383 Karl VI. besuchte, schenkte ihm dieser unter anderem dreizehn Pfund Zucker (Francisque-Michel a.a.O.); 1389 wurde Isabella von Bayern mit Gaben aus Zuckerwerk aller Art, und einem Hippokras- Springbrunnen, in Paris empfangen (Le Grand d'Aussy III, 195ff.); 1393 weisen die königlichen Rechnungen auf einmal 132 Pfund „Zucurium 1 - auf (Du Cange VIII, 434b), und 1394 sowie 1406 verleiht der König den Verkäufern von Zuckerwaffeln, und den Saucen-Machern, Innungsrechte (Le Grand d'Aussy II, 296, 240, 244): „sucre n'a jamais gate sauce" war damals sprichwörtlich, und in der That war der Zucker der niemals fehlende Bestandteil der unzähligen, meist aus Pfeffer, Zimmt, Nelken, Paradieskörnern, Muskat, Ingwer und Rosenwasser zusammengesetzten Brühen, die man zu Speisen der verschiedensten Art zu gemessen pflegte. Der Dichter Eustache Deschamps (gest. 1420) erwähnt weissen Zucker als die grösste Ausgabe eines vornehmen Haushaltes, und preist in dem Gedichte „Sur les beautes de Paris" besonders „les epices et ssucres qui s'i fönt"; auch Chastel spielt mit den Worten ,tu ma's cy donne de mos emmielles. de paroles farcies de sucre" auf diese an, und im „Testament des Pathelin" rät der Apotheker dem Kranken zu feinem Zucker und wohl verzuckertem Gewürz (Le Grand d'Aussy 11, 198ff.; Littre II, 2, 1067). Im Jahre 1447 schloss Jacques Coeur, durch seinen Neffen Jean de Vi 1 läge einen Handelsvertrag mit dem Sultan von Ägypten ab, durch welchen Frankreich dieselben Begünstigungen wie Venedig eingeräumt wurden; als Geschenke des Sultans an Karl VII. (1422—1461), brachte er, nach Matthieu de Coucy, ein Gläschen Balsam, einige Porzellangefässe, eine Schale Ingwer, eine Schale grünen Pfeffer, und einen Zentner feinsten Zuckers mit (Otto, „Buch berühmter Kaufleute", Lpzg. 1869; II, 62. Viennot a. a. O.). Über ein Fest, das dieser prachtliebende König gab, berichten Taille van t und Favin, dass dabei ein halbes vergoldetes Kalb mit Znckerwerk und Granatkernen, Igelbraten mit Safran und Zucker bestreut, ein künstliches Wildschwein aus Creme und Zucker, Pflaumenkuchen in liosenwasser, Orangen- und Zitronen- Torte, Löwen und Schwäne aus Zucker, sowie Ciaret und Hippokras 238 Neunter Abschnitt. im Überflusse aufgetragen worden seien (Le Grand d'Aussy III, 274ff.). Als der Herzog Philipp von Burgund 1453 zu Lille verweilte, schmückten die herrlichsten Arbeiten aus Zucker die Festtafel; man sah da eine Kirche, ein ausgerüstetes Schiff, die Burg der schönen Melusine, aus deren Brunnen Orangenwasser in den Schlossgraben floss, einen Wald mit wilden Tieren, einen schneebedeckten Berg, eine Rosenlaube, in der ein Ritter mit seiner Dame koste, und dergleichen mehr; den Schenktisch bildete eine weibliche Statue, aus deren Brüsten Hippokras quoll, und in ihrer Nähe war an eine Säule ein Löwe gefesselt, mit der Inschrift „ne touchez ä ma dame." Als Heinrich VI. von England 1431 Paris besetzte, sprang an der Brücke von St.-Denis gleichfalls ein Brunnen mit Hippokras (Monstrelet, „Chroniques" II, 77), und dasselbe geschah, als König Ludwig XL im Jahre 1481 in der Hauptstadt einzog, wobei die Brunnen mit lebendigen Sirenen in der von Makart's „Einzug Karl V. in Antwerpen" her bekannten Weise, bevölkert waren (Le Grand dAussy III, 199). Bei der Ankunft der Königin Charlotte in Paris (1467), überreichten ihr die Bürger kostbares Zuckerwerk, und einen, mit ihrem Wappen geschmückten, ganz aus Zucker bestehenden. Hirsch (Le Grand dAussy II, 319). Als die Königin, in deren Rechnungsbüchern noch 1482 „ein Pfund Zucker zum Streuen auf die Torten" vorkommt, 1483 starb, betrug die Apotheker-Rechnung für die binnen zwei Monaten gelieferten Drogen, Gewürze und Konfekte, nach jetzigem Geldwerte etwa 3150 fr. (Leber 99); nicht mit Unrecht konnte daher Karl VIII., 1484, eine genaue Revision der Gewichte und Waagen aller derer, die Zucker und Gewürze verkaufen, anordnen, und vorschreiben, „dass wegen der Wichtigkeit der Arbeiten mit Zucker und Konfekten, auf die Einhaltung einer vierjährigen Lehrzeit, und die Anfertigung eines gelungenen Meisterstückes, strenge zu sehen sei" (Phillippe 101 und 115). Was Deutschland anbetrifft, so nahm dessen Handel mit Italien, namentlich mit Venedig, seit Beginn des 14. Jahrhunderts in erstaunlicher Weise zu (Hüllmann I, 383 und 384; Falke I, 123). Einwohner von Strassburg, des Ausgangspunktes für den Rhem- handel, erscheinen 1335 als Prozesszeugen in Venedig genannt (Simonsfeld II, 67); die Messen von Köln 1335 und Frankfurt 1367, erwähnen „Venediger Gäste", wie auch andererseits wieder Kölner Kaufleute 1336 in Venedig nachweisbar sind (ebd. II, 69); ein in Venedig 1376 auf Lübeck ausgestellter Wechsel ist erhalten (ebd II, 71), und auch Prag und Breslau, sowie schon vorher mMi • hw mm i 1 D. Zuckerkonsum Europas i. 14. u. 15. Jahrhundert, u. s. Grosslieferanten. 239 Wien und Wiener-Neustadt, standen in lebhaftem Verkehre mit Venedig, und bezogen von dort den grössten Teil ihrer orientalischen Waaren (ebd. II, 71, 72, 80, 49). Während des ganzen 14. und 15. Jahrhunderts galt Venedig als Haupthandelsplatz der Welt, und war „die hohe Schule der süddeutschen Kaufleute", die sich schon 1308 dort „zur Erlernung der Handlung" aufhielten (ebd. II, 39). Die Blüte der oberdeutschen Städte beruhte allein auf diesem Verkehre, welcher, nach Hellwald („Die Kulturgeschichte in ihrer natürlichen Entwicklung", Augsbg. 1877; II, 315) „zur Kulturentwicklung der deutschen Nation ungleich mehr beigetragen hat, als die Handelsthätigkeit und die merkantilen Beziehungen der Hansa"; in der That lässt es sich bezüglich der Hansa (nach Grimm = Schar, Gesellschaft) nicht verkennen, dass nur der Mangel an zentraler Reichsgewalt, die Städte zur Selbsthilfe greifen, und sie iu ihrer Verbindung mächtig und kräftig werden liess, dass aber, infolge desselben Mangels, auch die grossartigen Erfolge dieses Bundes allmählich verfallen, und die Beeinflussungen der nördlichen Gebiete durch deutsche Kultur und Sitte, schwinden mussten (Beer I, 242ff.; I, 277). Auch Venedig erkannte den Wert und die hohe Bedeutung des deutschen Verkehres wohl, und nannte den Fondaco dei tedeschi „das beste Glied der Stadt"; an genauen statistischen Daten über dessen Umsatz fehlt es leider, doch schätzte Morosini (1472) diesen auf mindestens eine Million Dukaten im Jahre, der Pilgerfahrer Fabri aus Ulm bezifferte die im Fondaco erlegten Ausfuhrzölle allein auf jährlich 20000 Dukaten, und Harff (1497) giebt an, dass schon die Gebühren desselben der Stadt täglich an 100 Dukaten eintrügen (Simonsfeld II, 37 und 38). Zu den Hauptgegenständen des Handels zählten Gewürze, namentlich Pfeffer und Zucker; Zucker, verzuckerte und eingemachte Früchte aller Art, grosse Schachteln mit Konfekt, Zitronat, u. dgl., werden häufig als Ausfuhrartikel genannt (ebd. II, 103, 104, 106, 198). Unter den Akten von 1327 findet sich einer über die Rückgabe beschlagnahmter Spezereien, darunter „cucarum", an deutsche Kaufleute (ebd. I, 25); 1392 wird dem Wilhelm Mendel aus Nürnberg zollfreier Umtausch vielen, in die Piave gefallenen und beschädigten Zuckers („multi cuchari guasti") bewilligt (ebd. I, 131), und 1421 wird festgesetzt, dass die Ballenbinder im Fondaco, für die Verpackung jedes Fasses Krystallzucker (polvere di zucharo) den festen Satz von zwei Soldi erhalten sollen (ebd. I, 176). Aus dem Jahre 1378 liegen auch «ie Akten eines Betrugsprozesses, über die Deklaration mehrerer Fässer Salpeter als Zuckerpulver vor ■ 240 Neunter Abschnitt. (ebd. I, 110); da Salpeter ein sehr kostbarer, mit einem hohen Ausfuhrzolle belegter Artikel war, zu dessen Ankauf die Städte, z. B. Nürnberg 1421, eigne Gesandte schicken, und dessen guter Ruf für Venedig so wichtig war, dass die Stadt, bei einlaufenden Klagen über die Beschaffenheit der Waare, zollfreien, Rücktransport und Umtausch derselben bewilligte (ebd. I, 170 und 135), so ist hierbei entweder an eine Verfälschung, oder an den Versuch einer Zolldefraudation zu denken. In Süd- und Mitteldeutschland war der Zucker, während des 14. und 15. Jahrhunderts, in vornehmeren Haushaltungen schon ziemlich verbreitet; ein Beweis hierfür ist das „Buch von guter Speise", ein zu Anfang des 14. Jahrhunderts verfasstes Kochbuch (Neue Ausgabe, Sttgt. 1844), welches 96 Rezepte enthält, deren Namen, z. B. „griechischer Reis", „heidnischer Kuchen", „heidnisches Haupt", „Mus von Jerusalem", „griechische Hühner", vielfach auf orientalischen Ursprung schliessen lassen. Es heisst darin z. B.: No. 4. „Griechische Hühner". „Dies sind griechische Hühner: man soll Hühner braten; und ein Fleisch eines Schweines, weich gesotten und gekocht, untereinander; und nimm ein Vierling Rosen dazu; und nimm Ingwer und Pfeffer, und Wein und Essig, und Zucker oder Honig; und siede das zusammen; und versalz' es nit, und gieb's hin." — No. 62. „Ein Mus": „So du willst machen ein gut Fastenmus: so nimm Pfirsiche und dicke Mandelmilch darüber; und siede es wohl in Mandelmilch; und thue dann Zucker darauf. Das Mus soll heissen: von Jerusalem, und das isset man kalt oder warm" — No. 76. „Einen Blamensir": „Wer will machen einen Blamensir (d. i. Blancmanger), der nehme dicke Mandelmilch; und Hühner wohl gerupft; und thue das in die Mandelmilch; und rühre das mit Reismehl und Schmalz genug; und Zucker thue genug dazu. Das ist ein Blamensir." — Ebenso beschreibt No. 3 einen Blamensir aus Mandeln, Ziegenmilch, Reis, Hühnerbrust (oder in den Fasten Hecht), Veilchen, Schmalz und Zucker; No. 77 einen Blamensir aus Mandelmilch, Eidotter, Reis, Veilchen, Hühnerbrust und Zucker; No. 5 „griechischen Reis" aus Reis, Schmalz und Zucker; No. 1 eine „Fülle" aus Mandeln, Kirschen, Reis, Milch, Schmalz und weissem Zucker; die Nummern 24, 71, 72, 74 endlich, verschiedene Mandelkuchen, aus Mandeln, Semmel, Milch, Eidotter. Brot, Schmalz, Reis, Gewürz und Zucker. Schon bei der Einweihung der Frauenkirche in Weissenfeis (1303) wird beim Festschmause, neben Eiersuppe mit Safran, Pfeffer und Honig, und Eierkuchen mit Honig und Weinbeeren, auch ein ■» D. Zuckerkonsum Europas i. 14. u. 15. Jahrhundert, u. s. Grosslieferanten. 241 solcher Mandelkuchen erwähnt (Klemm IX, 87); 1335 bekamen im Kloster Königsfelden die Kranken „Speise mit Zucker" (Volz 216), 1368 sind Zuckerbäcker in Augsburg nachweisbar (Klemm IX, 156), und 1385 werden beim Amtswahls-Schmause auf der Martinspfarre in Köln, „Kuchen mit Zucker, und in Zucker eingemachte Birnen aus Frankreich" aufgetischt (Hüllmann IV, 155). Am Konstanzer Konzil waren 1414—1418 nicht weniger als 77 „Apotheker" anwesend, um das nötige Konfekt und Zuckerwerk zu liefern (Volz 217); 1445 wird Zucker als Handelsartikel in Wien genannt (Weiss, „Geschichte der Stadt Wien", Wien 1872; I, 228), und bei der Hochzeit Georg's von Bayern mit einer polnischen Königstochter zu Landshut (1475), kosteten die Festessen 55 766 Gulden, und erforderten 207 Pfund Safran, 386 Pfund Pfeffer, 286 Pfund Ingwer, 205 Pfund Zimmt, 105 Pfund Nelken, 85 Pfund Muskat, und 500 Pfund Zucker (Henne am Rhyn, „Kulturgeschichte des deutschen Volkes", Berl. 1886; I, 359; ebd. I, 367, die Abbildung eines solchen fürstlichen Mahles von Michael Wohlgemuth). In ähnlicher Weise ging es bei der Hochzeit des Königs Mathias von Ungarn mit Beatrice von Neapel zu Ofen 1476, her: Die Tafel schmückte ein Baum mit Engeln und Eichhörnchen aus vergoldetem Zucker, und ein ganz aus Zucker bestehender Garten, mit Hecken, Gesträuchen und zahlreichen singenden Vögeln. Aber auch in weniger hohen Kreisen war, gegen Ende des Mittelalters, bei Hochzeiten „eine Collatz von allerhand Schleckwerk, wobei Gebäck und Zuckerwerk allerlei Heiratsfiguren zeigten", allgemein gebräuchlich (Rohrbach, „Zeitschrift für Kulturgeschichte" 1856, 64). In Freiburg i. Br. wird Zucker 1480, als von Nürnberger Händlern aus Jenw (Genua) und Parsalonye (Barcelona) eingeführt, erwähnt (Flückiger, „Dokumente zur Geschichte der Phar- macie", Halle 1876); in Augsburg wurden 1485 bei einem Stadtmahle vier Pfund verbraucht (Volz 217), ebenso in Schweinfurt 1488, und bei der Fastnachts-Mahlzeit in Ulm 1495. In Stuttgart gab 1457 Graf Ulrich dem Meister Johann Kettner Privilegium und Erlaubnis zur Errichtung einer Apotheke, wofern er sich verpflichte, dem Hofe alles nötige Zuckerwerk und Konfekt, das Pfund zu 12 Schillingen zu liefern (Beckmann, „Beitr." II, 505); 1468 wurde eine neue Apotheke konzessioniert, mit dem Auftrage „stets genügend Zucker-Konfekt mit Bisam, Zuckerpenid, und die nötigen Syrupe zu führen" (ebd. II, 506), und auch die Apothekertaxe von i486 erwähnt Zucker, kandierte Gewürze und Konfekt (Volz 217). Zu Nürnberg, dessen italienischer Handel sich besonders seit den Xjlppmftnxt, Geschichte des Zuckers. 16 242 Neunter Abschnitt. Tagen der glänzenden Hofhaltung Kaiser Albrecht I. (1300) ausserordentlich entwickelt hatte (Roth, .Geschichte des Nürnberger Handels«, Lpzg. 1800; I, 21), war der Luxus den man mit Zucker und Zuckerwerk trieb, ein so grosser geworden, dass der Magistrat wiederholt, doch allerdings vergeblich, ihn durch gesetzliche Verordnungen einzuschränken suchte, wie solche z. B. das Nürnberger Hochzeitbuch« von 1485 enthält (Hüllmann IV 158) Philipp Ulstedt aus Nürnberg gab um diese Zeit auch in seinem „Coclum Philosophorum« Anweisung zur Bereitung der, im Mittelalter so beliebten süssen Würztränke; er beschreibt die Darstellung von Ciaret „durch Macerieren und Filtrieren von vier Pfund Weisswein, 4 Unzen hartem weissem Zucker, 1 Dnze /mnmt, 3 Gros Koriander, 2 Gros Gewürznelken, l'/ 2 Gros Ingwer, 1 /, bros Paradieskörner, */« Gros Zedoar (Zitwer), und 2 Scrupel spanischen Pfeffer«, sowie die des kostbaren „Aquavifs Friedrich III. , wozu man 4 Pfund Alkohol, 4 Pfund Malvasier, 16 Pfund weissen Zucker, nebst Zimmt, Ingwer, Muskat, Macis, Zedoar, Zitronen, Galanga, Kubeben, Salbei, Lavendel, Melisse, Iris, Balsaminen, Rosen; Kampher, Rosinen, Feigen, Cichorien, Flieder und Rosenöl gebrauchte (Hoefer I, 474). _ [■ Aber auch im Norden Deutschlands war der Zucker nicht unbekannt; in Marienburg, wohin 1309 der Sitz des deutschen Ritterordens, aus Venedig verlegt worden war, versüssten sich schon um diese Zeit die Ordensbrüder den sauren Landwein, der damals in den Weichsel-Niederungen wuchs, mit Zucker (Volz 472) und die Schlossküche war mit kandierten Aromen und Gewürzen, Konfekten und Südfrüchten, wohl versehen (Klemm IX, 88) In Bremen sah man 1376, bei einem Feste des Erzbischofs Albrecht, vergoldetes Zuckerwerk in Gestalt von Häusern mit Türmen, Bergen, Vögeln, Schwänen, und lebensgrossen geharnischten Rittern (Volz a. a. O.); in Danzig war nm 1400 Zucker im Grosshandel zu haben (Flückiger, „Dokumente«), und wurde von dort aus auch nach Skandinavien gebracht, wo schon 1328 bei dei Begräbnisfeier des Reichsrates P ett er so n 4 Pfund verbraucht wurden, und im Jahre 1400 ein Feinschmecker empfahl, Kn-scn- trunk mit Zucker zu versüssen (Volz a. a. O.). In Lübeck ist 1445 „Sucker candigen«, gegen 1500 „Suckercandit", bucker- candy«, „Rosenzucker« und „Suckerbannit« (Zuckerpenid nachweisbar (Schiller und Lübben, „Mittelniederdeutsches Wörterbuch« IV 459); gegen Ende des Mittelalters exportierte auch Lübeck Zucker nach Schweden, und der König Gustav I wirft z B in einem Briefe seiner Tochter vor, sie habe ihre Krank- D. Zuckerkonsum Europas i. 14. u. 15. Jahrhundert, u. s. Grosslieferanten. 243 heit durch zu vieles Essen von Zucker selbst verschuldet (Volz a. a. 0.). Bei den deutschen Dichtern und Schriftstellern des 14. und 15. Jahrhunderts findet sich der Zucker oft erwähnt (s. Lexer, und Benecke-Müller-Zarncke a. a. 0.), so heisst es: „Christ, des Name ist zuckermässig", „Maria, Zuckerstaude, in der der Saft ist aller Süssigkeit", in „Goldschmiede"; „Maria, süsse Zuckerscheibe, Zuckerstücke, von Zuckergeschmack", im „Mariengruss"; „Maria, du Zuckergarten, du blühende ßos' in Zuckers Tau", bei Suchenwirt; „wer nach Gott gedenkt und trachtet, der ist zucker- süss". Demantin von Berthold enthält die Stellen: „Die Magd, der zuckermässig ist ihr Leib", und „die den Zucker von der Minne trägt"; das Altprager Stadtrecht: „Zuckermehl gehört ins Herrenhaus"; die Erzählung „Amicus und Albanus": „Jed' siebent Wort war schön und gut, — Und süsser als ein Zuckerhut"; die Kol- marer Handschrift der Meisterlieder: „ihr zuckersüsser Mund", und „ein Weib von zuckersüssen Balsams Geschmack". Bei 0 s w a 1 d v o n Wolkenstein findet sich „Zuckerspeise", bei Johann von Würzburg „dein zuckersüsser Kuss", bei Heinrich von Neuenstadt „Ihr zuckersüsses Mündelein, Brach mir in das Herze mein", und „dein zuckersüsser Leib hat verdient, dass die Weiber deinen Namen ehren". Auch „Zucker, da Hung (Honig, Syrup) in ist" wird erwähnt, ebenso einige Male Zuckerviolät, von dem z. B. der Fabeldichter Boner (um 1330) sagt: „Zuckervioläts sollst du dich warnen: das erkühlet dich"; in einem Fastnachtsspiele des 15. Jahrhunderts kommt auch Zucker-Mus vor: „so ess' ich Zuckermus für Haferbrei."*) Die „Gesta llomanorum" (ed. Oesterley, Berl. 1872), eine zu Anfang des 14. Jahrhunderts zusammengestellte Sammlung von Fabeln, Anekdoten und Erzählungen, welche als Vermittlerin gewisser weitverbreiteter Sagenstoffe, von unberechenbarer Bedeutung für die gesamte europäische Litteraturentwicklung geworden ist, nennt den Zucker nicht, und auch den Honig nur einmal, in der Parabel des Johannes Damascenus, welche Rückert's bekanntem Gedichte „Es ging ein Mann im Syrerland" zu Grunde liegt; diese Erzählung, von der (S. 739) 31 Versionen angegeben *) Vermutlich aus dorn 15. Jahrhunderte stammt auch eine Weihnachtshymne, in der es heisst: „Lasst uns ein Four'lein stechen, — Dem Kind ein Müsloin kochen, „Des Zuckers nicht vergessen, — Er wird mit Lüsten essen." (Simrock, „Deutsche Weinachtslieder", Lpzg. 1859, 109). 16* 244 Neunter Abschnitt. werden, ist nach Sachau (Albiruni, „India", Vorr. I, 33), ursprünglich eine buddhistische Legende. Die Dichter zu Ende des 15. Jahrhunderts sprechen öfter von Zucker; so z. B. heisst es in dem, 1494 gedichteten „Narrenschiff'' des Sebastian Brant (übers, von Junghans, Lpzg., 153) im Absätze „von Köchen und Kellnern": „Mit Kochen, Sieden, Braten, Beizen, „Mit Rösten, Backen, Pfofferbrei, „Mit Zucker, Gewürz und Specorei, „Bereiten Trank wir und Gericht." Auch von Süsstränken und Würzwein spricht der Dichter, und beschwert sich im Absätze „von Falschheit und Betrug" (S. 196) barüber, dass „Den Wein lässt man nicht rein mehr bleiben, „Thut viele Fälschung mit ihm treiben: „Salpeter, Schwefel, Todtenbein, „Pottasche, Senf, Milch, Kraut unrein, „Stösst man durch's Spundloch in das Fass." Dass diese und ähnliche Klagen nicht unbegründet waren, bezeugen die Bemühungen der städtischen Behörden aller Länder aus dieser, und auch schon aus viel älterer Zeit, ihnen erfolgreich vorzubeugen. So z. B. besassen Augsburg, Regensburg, Ulm und Mailand schon 1104 eine Lebensmittelpolizei (Haeser I, 810), Augsburg 1155 und Nürnberg 1290 eine Wein-und Bierkontrolle (Peters II, 199), und Nürnberg 1150, Regensburg 1306 eine Gewürzrevision (Falke I, 268ff.; Peters II, 215). In Paris wurde seit 1320 der Handel mit Gewürzen, Getränken, Butter, Fleisch, Mehl und Brot, amtlich überwacht (Hoefer I, 505), ebenso in Barcelona seit 1372 der Verkauf von Gewürz, Pfeffer, Indigo und Safran (Hüllmann IV, 80). In London bestand 1329, in Frankfurt 1360 eine Kommission „zur Verhinderung der Weinfälschung mit Alaun, gebranntem Kalk, und Branntwein" (ebd. IV, 51); mit besonderer Strenge verfuhr die in Nürnberg 1441 eingesetzte Kontrollbehörde: 1444 wurde Jobst Finkener, 1456 Hans Kölbele, Lienhart Frey, und eine mitschuldige Frau, samt ihren gefälschten Gewürzen verbrannt (Roth a. a. O. IV, 223). Auch auf die Apotheken, deren im 14. Jahrhunderte viele errichtet worden waren, z. B. 1318 in Hildesheim, 1324 in Berlin, 1350 in Nürnberg, 1373 in Hamburg (Haeser I, 847; Peters I, 13ff.), wurde die amtliche Überwachung ausgedehnt; Ulm hatte 1436 eine „Apothekenschau * (Klemm IX, 203), Nürnberg 1442 und 1489 (Roth a. a. 0. IV, 111; Peters I, 132), Augsburg D. Zuckerkonxum Europas i. 14. u. 15. Jahrhundort, u. s. Großlieferanten. 245 > 1507 (v. Stetten a. a. 0. 243). Meistens waren indessen diese Apotheken nur Depots von Syrupen, Gewürzen, eingemachten Früchten, gewürzten Alkoholen und dergl., und die Apotheker mehr Zuckerbäcker als Drogisten (Hoefer I, 507), wenn sie es nicht, wie häufig in Deutschland, vorzogen, überhaupt nur den Händler zu spielen, und die Mittel fertig bereitet aus Italien zu beziehen (Sprengel II, 677). Als 1492 in Halle die erste Apotheke eröffnet wurde, setzte der Magistrat in den Kontrakt, „dass zu den zwei Kollazien zu den Fasten, auf unser Rathaus acht Pfund guten konnzierten Zuckers, als zu solchen Kollationen ehrlich und ziemlich, abzuliefern sei" (ebd. II, 677); von der Stuttgarter Apotheke wurde schon oben ähnliches berichtet, und noch 1491 erhielt sie die Erlaubnis, auch Lebküchnerei zu betreiben, weil sie sonst nicht genug Absatz habe, um bestehen zu können (Beckmann, „Phys.-Ökon. Bibl.« XI, 229). Die Apotheken waren strengen Taxen unterworfen, von denen die im „Landbuche" Kaiser Karl IV. (1347—1378) eine der ältest-erhaltenen ist; in derselben werden Zucker „von allen Arten", Diapenidion, Rosenzucker, Rosen- und Veilchensyrup, sowie „alle anderen Syrupe" angeführt (Haeser I, 809); die Heidelberger Apotheker-Ordnung von 1471 enthält gleichfalls Zucker-Syrupe, während in der sogenannten „Frankfurter Liste" von 1450, einem der ältesten und vollständigsten, 327 Drogen aufzählenden Verzeichnisse, der Zucker auffälligerweise gänzlich fehlt (Flückiger, „Die Frankfurter Liste von 1450", Halle 1873; 4 und 49). Was die wissenschaftliche Litteratur des 14. und 15. Jahrhunderts betrifft, so stehen an deren Spitze die grossen Kompendien des Simon Januensis (gest. 1303) und des Matthaeus Sylva- ticus (gest. 1342); der Erstere verfasste ein wichtiges, und noch heute unentbehrliches Wörterbuch zum Vergleiche der arabischen, lateinischen und griechischen Nomenklatur, der Letztere die „Pan- dectae medicinae", eine reichhaltige, alphabetisch angeordnete Sammlung aus Avicenna, Serapion, Ibn-Massawaih, der arabischen Dioskorides-Ubersetzung, und anderen arabischen Schriften ausgezogen (Haeser I, 707 und 708; Meyer IV, 161 und 175). Beide Werke enthalten Vieles über Zucker. Um diese Zeit begann übrigens bereits die Bekämpfung des arabischen wissenschaftlichen Systemes, und seiner scholastischen Methode; schon Roger Baco (1215—1300), als ein, das ganze Wissen seiner Zeit umfassender Geist, „Doctor mirabilis" genannt, ist ein Gegner des arabischen Autoritätsglaubens und lehrt die Erkenntnis der Natur durch das Experiment (Haeser I, 715; Kopp, „Beitr." III, 89); noch feind- 246 Neunter Abschnitt. licher aber ist den Arabern Petrarca gesinnt, der sie mechanische Nachbeter und blinde Verehrer selbstgemachter Götzen schilt, und ihnen die Denkweise des klassischen Altertumes gegenüberstellt, um welches er, sowie Boccaccio, durch Erhaltung der schriftlichen Überreste, und Pflege der griechischen Sprache, sich unsterbliche Verdienste erwarben (Meyer IV, 209 und 213). Aus der Zeit zwischen 1442 und 1458 stammt das ,,Kom- pendium" des Saladin d'Asculo (Hanbury, Science Papers, 1876, 358), welches genaue Vorschriften über die Bereitung und Aufbewahrung der Arzneimittel enthält; Saladin kennt die gäh- rungshemmende Eigenschaft konzentrierter Zuckerlösungen, er konserviert Butter und Fette durch dichtes Bestreuen mit Zuckerpulver, auch berichtet er, dass Manna mit Zucker und Stärke gefälscht werde, wofür ein Apotheker zu Neapel 9000 Dukaten Strafe habe zahlen müssen (Sprengel II, 676; Hoefer I, 491). In Deutschland verfasste Konrad von Megenberg 1349 sein „Buch der Natur", das erste deutsch geschriebene Handbuch über Naturgeschichte und Astronomie (Scherer, „Litg." 237), grösstenteils eine freie Bearbeitung des Cantiprato. Vom Zucker heisst es darin (ed. Pfeiffer): „Der Zucker ist an Kraft warm und feucht, aber der weisse ist besser als der gelbe" (426, 15); „Zuckerrosät macht man also: röste Rosenblätter wohl mit Zucker am Feuer, thue es hernach in ein Glas, setze es an die Sonne dreissig Tage, rühr' es gut durch, alle Tage, mit einem Löffel, mische es gut durcheinander, und vermache das Glas oben, indes es an der Sonne steht* (345, 1); „der Zuckerrosät hat eine Kraft zu kräftigen und zu sänftigen" (345, 7); „aus den edlen Rosen soll man Rosenhonig machen, Zuckerrosät, Rosenöl, Rosensyrup, und Rosenwasser" (346, 22). Auch vom „Mischen der Kastanien mit Zucker" berichtet Megenberg (343, 21), und ebenso, erwähnt er den Zucker in einigen sprichwörtlichen Redensarten. e ZEHNTER ABSCHNITT. Der Zucker im Zeitalter der Entdeckungen. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts traten rasch hinter einander die weltbewegenden Ereignisse ein, die, indem sie durch Umwälzung der wichtigsten politischen und ökonomischen Beziehungen, durch Erschliessung bisher unbekannter Wege und Gebiete, durch Eröffnung ungeahnter Quellen des Wissens und des Wohlstandes, die mittelalterlichen Zustände in die der Neuzeit hinüberleiteten, eine völlige Wandlung der seit Jahrhunderten gefestigten Verhältnisse anbahnten, und der Entwicklung Europas neue und weitere Ziele steckten. Der erste grosse Schlag, der die alte Gestaltung des Handels auf das tiefste erschütterte, war der Fall Konstantinopels (1453), welches der, seit fast zwei Jahrhunderten anwachsenden, und in immer bedrohlicherer Weise eingreifenden osmanischen Macht, nach langem, von keiner Seite rechtzeitig unterstütztem Widerstände, endlich erlag; wurde auch die Stadt nicht zerstört, sondern nur geplündert, und schlössen aucli die Sultane sofort Handelsverträge und Kapitulationen mit Venedig, Genua, Florenz, und anderen Städten, so war doch die Blüte dieses einst weltbeherrschenden Marktes gebrochen, und die, für die damalige Zeit unerhörte Grösse der Verluste, die sich z. B. allein für Venedig auf über 300000 Dukaten beliefen, ragt als letztes trauriges Wahrzeichen derselben empor. Dem Falle Konstantinopels folgte der Trapezunts (1461), und der kleinasiatischen Handelsstädte, zuletzt Candelores (1471), sowie die Eroberung der, meist genuesischen Kolonien im schwarzen Meere, darunter Tana (Asow), so dass binnen etwa zwanzig Jahren die sämtlichen Hauptstrassen nach Innerasien, Indien und China zerstört, und als Bahnen des Handels, dem sie seit mehr als einem halben Jahrtausend gedient hatten, vernichtet waren (Heyd a. a. O.). Während diese Ereignisse speziell den Zuckerhandel nur indirekt, durch Sperrung einer Anzahl der wichtigsten asiatischen Sammelhäfen, und Entgang des reichen Absatzgebietes im griechischen Kaisertume schädigten, begann derselbe zunächst, unter dem Einflüsse der unerwartet raschen Entwicklung einer zuerst 248 Zehnter Abschnitt. unterschätzten Konkurrenz von Westen her, den Anfängen einer völligen Umgestaltung entgegenzugehen. Die kanarischen Inseln waren unter dem Namen „Insulae fortunatae" bereits den Römern bekannt, und Plinius sagt bei seiner Beschreibung derselben („Hist. nat." VI, 37), dass noch weiter im Ozean auch andere Inseln liegen sollen, darunter die von Juba als „ Purpurinseln * bezeichneten, — so benannt, weil die, auf ihnen gedeihende Orseüle-Flechte den schönen roten Farbstoff lieferte, dessen schon Horaz, („Episteln" II, 2, 181) gedenkt. Die älteren arabischen Geographen schrieben über diese Inseln nur auf Grund der antiken Berichte, und erst Edrisi („Geogr." I, 104) scheinen neuere Beobachtungen vorgelegen zu haben; im 13. Jahrhunderte wurden durch den lebhaften Verkehr südeuropäischer Hafenstädte, besonders Barcelonas, mit Tunis, Marokko, und Fez, nähere Kenntnisse über die westafrikanische Küste verbreitet (Beer I, 214), und gaben Anlass, Entdeckungsfahrten in dieser Richtung zu unternehmen. Nach Petrarcas 1346 verfasstem Werke „De vita solitaria" (lib. 2, cap. 3), wurden hierbei um 1300, die kanarischen Inseln durch eine genuesische Flotte neu entdeckt; Alfonso IV. von Portugal sandte 1335 gleichfalls Schiffe nach den „wiedergefundenen Inseln", 1341 folgte eine neue Expedition dahin, von der auch Ibn-Chaldun meldet (Abulfeda II, 265), und seither wurden häufige Fahrten unternommen, um Sklaven, Drachenblut und Orseille zu holen, denen aber erst 1402 eine dauernde Besitzergreifung folgte (Peschel, „Entd." 47ff.; „Erdk." 175). Gegen 1350 fanden auch italienische, vermutlich genuesische Seefahrer, die Azoren und die Gruppe von Madeira (Ilha da Madeira es Isola do legname, Wald- oder Holzinsel) auf, welche die medizeische Karte von 1351 (s. deren Abbildung bei Peschel „Erdk." 177), sowie die katalanische von 1375, bereits enthält. Nach 1400 besiedelten die Portugiesen diese Inseln, brannten die Wälder nieder, und fanden das Klima so geeignet, den Boden so fruchtbar, dass Heinrich der Seefahrer (1394—1460) auf den Gedanken geriet, denselben durch Anbau edlerer Kulturpflanzen, besser als bisher auszunutzen. Er liess deshalb, wie Barros berichtet, „Reben aus Cypern und zugleich Zuckerrohr, und in der Verarbeitung desselben erfahrene Meister, aus Sizilien nach Ilha da Madeira bringen"; dies geschah im Jahre 1420, und das Zuckerrohr gedieh in Madeira so ausgezeichnet, dass das, vom Prinzen Heinrich dem Christus-Orden zugewiesene Fünftel des Ertrages, schon nach wenigen Jahrzehnten mehr als 60 000 Arroben*) be- *) Arroba, vom arabischen Roba', heisst „einViertel", und speziell als Der Zucker im Zeitalter der Entdeckungen. 249 ? e trug (Peschel, „Abb.." 133; Volz 220). Zur Zeit Alfons V. von Portugal (1448—1481) waren die Ernten schon sehr bedeutend, und die Voraussagung des Venetianers Cadomosto, welcher 1455 in Madeira nur 800 Einwohner fand, und 400 Ztr. Zucker darstellen sah, „man werde daselbst bald viel mehr Zucker, ja so viel als man nur haben wolle, gewinnen 1 ' (Ramusio I, 97), traf so rasch zu, dass zu Ende des Mittelalters plötzlich Zucker in nie gesehener Menge auf den europäischen Märkten erschien, portugiesische Barken denselben bis Pera, Venedig und Genua brachten, — wo z. B. 1490, Ludwig Rottengatter aus Ulm von Spinola 450 Madeira-Brote im Gewichte von 3183 Pfunden kaufte, — und der Preis des Zuckers mit unerwarteter Schnelligkeit zu sinken begann (Heyd a. a. O.). Auch auf den kanarischen Inseln wurde, vermutlich schon vor 1490, der Zuckerrohrbau eingeführt, und der englische Faktor Thomas Nicols sah 1526 auf der grossen Canaria 12, auf Teneriffa 11, auf Gomera 1, und auf Madeira 16 Zuckermühlen (Peschel, „Abh." 133). Im Jahre 1444 nahmen die Portugiesen die Azoren, 1456 und 1462 die beiden Gruppen der Capverdischen Inseln, und 1472 die Inseln St. Thomas, Principe und Annobon, im Meerbusen von Guinea in Besitz; auch auf diesen Letzteren gedieh das Zuckerrohr vortrefflich, es wurden Zuckermeister aus Madeira dahin gebracht „um bessern und härtern Zucker zu machen" (Ramusio I, 116), und als der portugiesische König Johann II. 1492 eine grosse Anzahl Juden aus Portugal auswies, Hessen sich diese auf St. Thomas nieder, begannen die Plantagenwirtschaft im Grossen zu betreiben, so dass sie mehr als 3000 Negersklaven beschäftigten, und errichteten zahlreiche Zuckerfabriken (Knapp, „Der Ursprung der-Sklaverei in den Kolonien", Archiv für soziale Gesetzgebung und Statistik, 1889, 129ff.). Um 1550 fuhren schon ganze Zuckerflotten dahin, und sechzig Plantagen, mit Zuckermühlen und Siedepfannen wohl versehen, produzierten, wie der an den König entrichtete Zehnten ausweist, jährlich über 150000 Arroben Zucker, meist in Broten von 15—20 Pfund Gewicht (Ritter 397) Über die Art der Fabrikation, welche natürlich der sizilischen nachgebildet war, berichtet Manardus von Ferrara(1462—1536), auf Grund mündlicher Mitteilungen aus portugiesischer Quelle, Folgendes („Epist. Medicinal.", lib. 2): Das Rohr wird zerkleinert, zerstossen oder ausgekocht, in grösseren Betrieben aber ausgepresst, der Saft geläutert, abgeschäumt und eingedickt, und die rohe Füll- Viertol des Kintars (span. Quintais), ein Gewicht von 25 Pfund (Makkari I, 344 und 500). 250 Zehnter Abschnitt. masse vom Syrupe, den man ablaufen lässt, getrennt; der Zucker wird in der Regel dreimal umgekocht, wobei er jedesmal reiner und besser wird, und nach dem dritten Kochen hart, sehr weiss und glänzend erscheint; um Kandis „hell und durchsichtig wie Alaun" zu machen, kocht man ihn jedoch vier bis fünfmal um. Je nach der Anzahl der Kochungen erhält man Zwischenstufen von verschiedener Qualität; so gut und preiswürdig wie die „schnee- weiss glänzenden, beim Klopfen klingenden, l 1 /,, Pfund schweren Valencia-Brote", ist keine derselben, doch kommen die Madeira- Brote von 6 bis 10 Pfund Gewicht gleich nach diesen; die 10 bis 12 Pfund schweren Canarien-Brote sind weit geringer, nicht ganz weiss, und wenn man schlechtere Sorten kauft, auch innen rötlich, und syrupbaltig. Solche Waare ist zerfiiesslich, zur Anfertigung trockener Konserven unbrauchbar, und lässt oft schon während des Transportes einen dicken Syrup abfliessen, der manchmal, mit Zucker-Klärschaum und dergl. zusammen, nochmals umgekocht wird. Die schlechtesten Brote, „obwohl sie auch mittelst Holzasche raffiniert wurden," waren die von St. Thomas; selten waren sie längere Zeit haltbar, und spätestens im dritten Jahre pflegten sie zu zerfliessen (Ritter 397; Pancirollus II, 187 ff.; Gorräus 408). Der grosse Nutzen, den die ganze Kette der westafrikanischen Inseln den Portugiesen gewährte, und die Häufigkeit der, infolgedessen oft wiederholten Fahrten dahin, trug nicht wenig zur besseren Kenntnis der Westküste Afrikas, und zur Lösung des Problems von der Umschiffung dieses Weltteiles bei. Die grossen Geographen des Altertums hatten nie an dieser Möglichkeit gezweifelt, und ganz abgesehen von der Umschiffung auf Befehl des Königs Necho (610—594- v. Chr.), die Herodot als wirklich ausgeführt berichtet (II, 158; IV, 42), während sie in neuerer Zeit wieder als unsicher betrachtet wird (Götz 236), wurde es stets als bestimmte Thatsache angesehen, dass der indische mit dem atlantischen Ozean zusammenhänge*); selbst ein, rein praktischen Zwecken dienendes Werk, wie der „Periplus", bemerkt im 18. Absätze: „Das Weltmeer erstreckt sich, im Westen und Süden umbiegend, rings um Afrika, und vereinigt sich mit dem abendländischen Ozean." Den Lehren des Aristoteles, Strabo (I, 2, 26; XVII, 3, 1) undEratosthenes entsprechend, halten auch die arabischen Geographen, Massudi, Albettäni, Albiruni, Istachri und *) Schon Alexander der Grosse wollte z. B. aus Indien den Seeweg rings um Afrika zur Heimkehr wählen (Arrian, „Anabasis" V, 26; VII, 1; Strabo XVII, 3, 1). Der Zucker im Zeitalter der Entdeckungen. 251 <■ Ibn-Haukal, Afrika für umschiffbar, jedoch für viel kürzer als es in Wirklichkeit ist. Abulfeda, welcher die, schon nach Strabo (I, 1, 21; II, 5, 10) „jedem Gebildeten geläufige" Kugelgestalt der Erde lehrt, sie in der noch heutigen üblichen Weise begründet, und aus ihr sogar theoretisch den Datum-Gewinn oder -Verlust bei Reisen rings um die Erde ableitet, — eine Erscheinung, die den ersten Weltumseglern (1522) völlig unerklärlich war —, sagt gleichfalls ausdrücklich, der indische Ozean hänge mit dem atlantischen Meere zusammen („Geogr." I, 279 und 290; II, 3 und 15), und schildert die Sternbilder, die man bei der Fahrt nach dem Süden aufgehen sehe. Solche Sternbilder, die allgemein erst im Zeitalter der Entdeckungen bekannt wurden, finden sich in der That auf den, mehrfach erhaltenen arabischen Himmelsgloben, die in grösserer Nähe des Äquators entworfen waren, abgebildet, und es erklärt sich hieraus z. B. deren Erwähnung bei Dante; kann auch die berühmte Stelle betreff des „südlichen Kreuzes" („Fegefeuer" 1, 21) möglicherweise nur symbolisch gemeint sein (s. ebd. 31, 102), so ist doch diese Annahme angesichts der ausserordentlichen kosmographisehen Kenntnisse Dante's, keinesfalls notwendig, wie schon seine Voraussetzung der Kugelgestalt der Erde beweist, aus welcher allein ganze Stellen seines Werkes (z. B. „Hölle", Ges. 34, lOOff.) verständlich sind (Peschel, „Erdk." 181; „Abb.." 57). An Versuchen, die von den alten und arabischen Geographen gebotenen Aussichten zu verwirklichen, hat es seit dem frühen Mittelalter nicht gefehlt; Edrisi berichtet von den, aus Lissabon 1147 ausgefahrenen, und bei der Erforschung des Ozeans verunglückten Almagrurim (= die in ihren Hoffnungen Betrogenen), die Genueser Vivaldi und Theodosio Doria verschollen bei ihren, 1281 und 1292 unternommenen Westschiffahrten*) nach Indien, und ebenso erging es den Gebrüdern Zeni, welche 1380 zu gleichem Zwecke Venedig verlassen haben sollen (Edrisi I, 104, 201; II, 27.' Humboldt, „Krit. Unt." I, 46 und 393); auch von Seefahrern der reichen Handelsstadt Dieppe wird berichtet, sie seien 1364 bis an den Senegal und die Sierra Leone vorgedrungen (Leber 30). Die Karten des Edrisi (1154) und Marino Sanuto (1320) zeigen Afrika mit einer Südspitze ver- *) Aristoteles sagt bereits, dass nur die Grösse und Unwegsamkoit des Ozeans, die Erreichung Indiens durch eine Fahrt von Spanien aus nach Westen, erschwere; die zurückzulegende Entfernung unterschätzt er weitaus, und führt, als Beweis für die Nähe und die Ähnlichkeit der afrikanischen West- und der indischen Ost-Küste, die Thatsache an, dass sowohl in Indien als in Westafrika Elefanten vorkommen (oder damals noch vorkamen). 252 Zehnter Abschnitt. sehen (s. die Abbildung in Peschel's „Erdk." 191), die jedoch, arabischer Vorstellung gemäss, stark nach Osten verzogen ist; die Karte indes, welche Dom Pedro 1438 für Heinrich den Seefahrer aus Venedig mitbrachte, das Planisphär des Fra Mauro, von dem Alfons V. 1459 eine Kopie aus Venedig erhielt, sowie die mediceische Karte von 1351, verzeichnen die Südspitze Afrikas in richtiger, der Wahrheit nahekommender Weise, obwohl die Umrisse Südafrikas zum grössten Teile willkürlich entworfen, d. h. mit mehr oder weniger Glück erraten sind (Peschel, „Entd." 73ff.; „Abh." 198). So blieb es denn den Portugiesen vorbehalten, durch anhaltende Arbeit und unablässige Forschungen als ausführbar nachzuweisen, was Andere nur als möglich vermutet und geahnt hatten; 1486 umschiffte Bartholomäus Diaz das Kap der guten Hoffnung, und am 20. Mai 1498 landete Vasco de Gama auf der Rhede von Calicut. Nirgends in der Welt erregte die Kunde von diesen erstaunlichen Thaten grösseres Aufsehen als in Venedig: angeblich um den Handel ungestört zu erhalten, in Wahrheit aber aus politischer Apathie und aus Abneigung gegen jede energische Kraftanspannung, hatte man dort unthätig dem Falle Konstantinopels zugesehen, und mit kleinlichen Mitteln nur dessen nächste Folgen auszugleichen getrachtet; ebenso maass man den Fortschritten der Portugiesen so wenig Bedeutung bei, dass die Signorie nicht anstand, dem Prinzen Heinrich und König Alfons V. die oben erwähnten Seekarten zu überlassen (Romanin IV, 260 und 451). Desto grösser war daher der Schrecken, der sich der ganzen Stadt bemächtigte, als man die Thatsache der Umschiffuug Afrikas erfuhr; Pietro Pasqualigo wurde nach Lissabon gesandt, um über die Wahrheit derselben sowie über alle näheren Umstände Erkundigungen einzuziehen, und seinen, die schlimmsten Befürchtungen bestätigenden Bericht, nennt Priuli „die entsetzlichste aller für Venedig denkbaren Nachrichten" (ebd. IV, 457 und 461). Die Grundfesten, auf denen Wohl und Gedeihen des ganzen Staates beruhte, waren erschüttert; niemand konnte sich darüber täuschen, dass die venetianische Marine gänzlich unfähig sei, mit den Portugiesen in überseeischen Fahrten zu konkurrieren, und dass der Mitbewerb eines Zwischenhändlers mit dem an Ort und Stelle direkt Einkaufenden, keinerlei Aussicht biete, besonders da ein relativ billiger und steuerfreier Transport der Waaren, den un- mässigen Abgaben und Durchfuhrzöllen des alten, und seit dem Fortschritte der türkischen Eroberungen einzigen Weges, über Ägypten, gegenüberstand. Nach den Berichten Alvaro Velho's, • Der Zucker im Zeitalter der Entdeckungen. 253 eines Teilnehmers an Vasco de Gama's Entdeckungsfahrt, und Odoardo Barbosa's, eines Genossen des ersten Welturnseglers Fernäo de Magalhaes, kamen um diese Zeit die indischen Produkte schon in Alexandria mindestens 5 —6 mal teurer zu stehen als in Calicut (Flückiger, „Dokumente"), in Venedig aber kostete nach Priuli häufig 60 —100 Dukaten, was man in Calicut um einen Dukaten kaufen konnte (Simonsfeld II, 117). Begann der Markt von Alexandria vorübergehend schon 1502 derartig zu veröden, dass die venetianische Flotte, aus Mangel an Waare, nur zur Hälfte beladen werden konnte, so war dies doch nur das Vorspiel zu den Zuständen, die, infolge des zielbewussten Vorgehens der Portugiesen, schon nach wenigen Jahren dauernd Platz greifen sollten. Indem Almeida und Albuquerque 1506 Soko- tara, und, nach anfänglichem Misserfolge der Portugiesen, 1513 Aden und 1515 Ormus eroberten, ausserdem 1510 Goa und 1511 Malakka dauernd in Besitz nahmen, erzwangen sie die völlige Sperrung der letzten freigebliebenen Handelsstrasse nach dem Orient, verschlossen den Arabern, deren Fahrzeuge wegen ihres flachen Baues nur die Küstenlinien einzuhalten vermochten, den Eingang in das persische und das rote Meer, und leiteten den, bisher von deren Häfen ausgehenden Karawanen-Verkehr, auf die portugiesischen Schiffe über (Falke II, 12; Peschel, „Erdk." 310). Dieser raschen Reihenfolge von Thaten gegenüber herrschte in Venedig, das sich schon 1515 entschliessen musste, in Lissabon einzukaufen, um nur den dringendsten Mangel seiner alten Abnehmer zu stillen, völlige Ratlosigkeit und Unentschlossenheit (Romanin IV, 461ff.). Die Einladung der Portugiesen zur Teilnahme an ihren Fahrten, wurde abgelehnt, teils weil sie als Erniedrigung galt, teils weil man fürchtete, sich durch Annahme derselben mit dem Sultan von Ägypten zu verfeinden, auf dessen Eingreifen im indischen Ozean und im roten Meere man alle Hoffnungen setzte. Aber obwohl dieser, durch den Entgang aller Steuern und Zölle, selbst in schwere Mitleidenschaft gezogen war, so vermochte er sich doch zu keiner That mehr aufzuraffen; Misswirtschaft, drückende Geldnot seit vielen Jahrzehnten, und vergebliche Versuche, dieser durch Handelsmonopole abzuhelfen, hatten Kraft und Wohlstand des Reiches völlig erschöpft, und bedingten, als Hauptursachen, dessen raschen wirtschaftlichen Ruin durch die Portugiesen (Müller,'„Der Islam" II, 336). Noch tauchte 1504 in Venedig, als rettender Gedanke, der Plan auf, den Kanal durch die Landenge von Suez wieder schiffbar zu machen, um so auch der eigenen Flotte einen nahen See- 254 Zehnter Abschnitt. weg nach Indien zu erschliessen*); aber Mangel an Thatkraft, und Ängstlichkeit gegenüber dem Sultan, verhinderte abermals die rechtzeitige Rettung der Interessen Venedigs (Heyd a. a. 0.). Man verbrachte die kostbare Zeit mit Verhandlungen und Anerbietungen (Romanin V, 367), und stand wehrlos und unvorbereitet, als jede Aussicht auf Besserung durch einen neuen unerwarteten Schlag vereitelt wurde: 1517 erstürmten die Türken unter Selim I. Kairo, stürzten die Dynastie der Mameluken, und machten Ägypten zur türkischen Provinz. Ihre Eroberung war, wie überall, so auch hier, gleichbedeutend mit der sinnlosen Zerstörung alles Bestehenden, mit der Vernichtung von Handel, Industrie und Kultur, und mit dem Versinken des Landes in Armut und Barbarei. Eine Gesandtschaft der Venetianer an Selim I. brachte keinen *) Einen Kanal vom Nildelta zum roten Meere, mindestens aber bis nahe an die Bittersoen, soll zuerst Amenemhat III., um 2300 v. Chr., hergestellt haben (Götz 48). Im 15. und im 8. vorchristlichen Jahrhunderte nahmen Sethi I. und Ramses IL seine Bemühungen wieder auf (Poschel, „Erdk." 87ff.; „Abh." 84ff.), und Necho (610—594) betrieb den Kanalbau mit grösstem Eifer, vielleicht in Vorbindung mit seiner Umschiffung Afrikas (Mommsen V, 597); er hinterliess jedoch den Kanal unvollendet, so dass Darius, als er 517 v. Chr. nach Ägypten kam, die Arbeit fortzusetzen befahl (Diodor I, 33; Strabo I, 7, 31 und XVII, 1, 25; Aristoteles, „Meteorolog." I, 14). Horodot beschreibt den Kanal als fertig und befahrbar, doch scheint er sich nicht lange gehalten zu haben, denn Ptolomäus Philadelphus (285—247 v. Chr.) erneuerte ihn, führte ihn in die Bitterseen ein, und regulierte ihn durch ein Schleussonsystem (Diodor I, 33; Plinius VI, 33); Trajan verbesserte ihn wieder (Mommsen V, 615), und er blieb dann, wie es scheint, dauernd schiffbar, denn Gregor von Tours sah ihn 590 n. Chr. noch offen. Nach dieser Zeit vorfiel der Kanal, denn es wird gemeldet, dass Omar ihn 639 wieder eröffnen Hess, um, bei einer grossen Hungersnot in Mokka, die Getreidepreise ermässigen zu können (Kremer I, 99); 762 befuhr ihn der Mönch Fidelis (Peschel a. a. O.), 767 sollen ihn jedoch die Araber absichtlich vorschüttet haben. Harun-al- Raschid liess von neuem mit den Erdarbeiten beginnen, gab diese jedoch auf, weil man ihm berichtete, der Spiegel dos Mittelmeeres liege höher als der des Roten, — Eratosthones wusste schon, dass dies nicht der Fall sei (Strabo I, 3, 13) —, sowie weil er befürchtete, feindlichen Flotten einen Weg nach Arabien und dessen heiligen Wallfahrtsorten zu bahnen (Massudi IV, 97ff.). Der Mönch Dicuil schildert aber 823 den Kanal wieder als befahrbar (Peschel a. a. O.), so dass doch vielleicht wenigstens ein Teil desselben vollendet worden ist; Massudi fand ihn 956 völlig mit Sand erfüllt. — Die Seekarte von Weimar aus dem Jahro 1424 enthält den Kanal abgebildet, jedenfalls aus dor Erinnerung an frühere Zeiten (Humboldt, „Krit. Unt." I, 417); auf die Wichtigkeit seiner Wiederherstellung für den Handel Venedigs, wies schon Nicolo da Conti hin, welcher 1444, nach fünfundzwanzigjährigen Reisen in Syrien, Mittelasien, China, Indien, und Ägypten, nach Italien zurückkehrte (ebd. I, 194; Beer V, 229). Der Zucker im Zeitalter der Entdeckungen. 255 < Erfolg, und konnte dies um so weniger, als die, inmitten dieser schweren Handelskrisen doppelt verderbliche Teilnahme Venedigs an den Kriegen der europäischen Mächte, diese veranlasste, nicht nur den Verkehr ihrer Unterthanen mit Venedig einzuschränken oder zu verbieten, sondern auch die Türken gegen die Republik zu Hilfe zu rufen (Romanin V, 6 und 373). Bald wurden die venetianischen Kolonieen durch Raubzüge und Plünderungen verheert, 1522 fiel Rhodus den Türken anheim (ebd. V, 375), und 1571 eroberten sie, nach heroischer Verteidigung seitens der schwachen Besatzung, Famagusta, und den grössten Teil von Cypern (ebd. VI, 309). Verderben und Zerstörung folgte auch hier ihren Spuren, und schon Ullrich Kraft aus Ulm, der um 1575 die Insel besuchte, fand die „Felder verwüstet, die Fabriken verlassen, und die herrliche Frucht der Zitrone unter den Bäumen am Boden faulend" (Otto, a. a. 0. I, 57ff.). Binnen eines halben Jahrhunderts etwa, waren auf diese Weise die drei wichtigsten mittelalterlichen Produktionsstätten des Zuckers, Syrien, Ägypten und Cypern, teils gänzlich vernichtet, teils so schwer geschädigt worden, dass sie aufhörten eine führende Rolle zu spielen, und überhaupt nicht mehr im stände waren, den Wettbewerb mit der, unter den günstigsten Verhältnissen arbeitenden portugiesischen Konkurrenz, ernstlich aufzunehmen. Besser stand es in dieser Periode noch um die Zuckererzeugung Siziliens. Unter Ferdinand dem Katholischen wurden 1515, „da die Fabrikation von Zucker ebenso wichtig wie der Bau von Getreide ist, die Steuern aber zu hoch bemessen sind", die Abgaben für den Anbau, sowie die für die Verarbeitung des Zuckerrohres, auf zehn Jahre um die Hälfte vermindert; hierdurch gewann die Industrie noch erheblich an Ausdehnung, und ausser bei Palermo, wo noch jetzt eine Gegend „i trappet!* heisst, und bei Syrakus, dessen eines Stadtthor den Namen „porta degli zuccheri" führte, begann man noch an vielen anderen Orten Siziliens, Zuckerrohr zu bauen (Gregorio, „Opere scelte" 753ff.). Aretius, der Hof- Historiograph Kaiser Karl V., berichtet in seinem 1537 verfassten Werke „De situ Siciliae" hierüber (s. Carusius, „Bibliotheca Sicula", Palermo 1723, 8): „In der Gegend von Palermo erntet man auch grosse Mengen des süssen Rohres, aus dessen eingekochtem Safte der Zucker gemacht wird. Die Felder, welche, weil ihnen Feuchtigkeit nützlich ist, unweit des Meeres liegen, werden gut gedüngt, und mit flachen Erdkämmen durchzogen; im Monat März setzt man die Sprösslinge, nämlich die entblätterten oberen Teile von Zuckerrohren, aus, und zwar in Gruppen von 3 256 Zehnter Abschnitt. oder 4 zusammen, bis alle Kämme bepflanzt sind. Sodann wird das Land bewässert, und das Unkraut fleissig ausgehackt; zur Zeit der Sonnenwende wird geerntet, und das Rohr, bis auf die Setzreiser, sogleich zerkleinert. Aus den reifen, in Stücke zerschnittenen Rohren wird dann, in ähnlicher Weise wie bei der Olbereitung, Saft ausgepresst, den man, in je einem von drei grossen Metallkesseln, die auf Feuerungen stehen, einkocht, und durch grobe Tücher filtriert; man schöpft ihn dann in einen zweiten und dritten Kessel über, und kocht ihn unter starkem Umrühren weiter, wobei er zuletzt zu ganz dunklem Zucker wird. Indem man diesen auf ähnliche Weise noch zwei bis dreimal umkocht, macht man ihn weiss und schön." Der Schilderung eines Ungenannten um 1550 entnimmt Gregorio (a. a. 0.) folgendes: „Sechs Miglien von Palermo entfernt, dehnt sich eine weite, schöne und herrliche Ebene aus, erfüllt von Weingärten und wohlgepflegten fruchtbaren Feldern, und überreich an dem, von den Einwohnern Cannamele genannten Rohr, aus dem man den Zucker gewinnt. Es erheben sich dort Gebäude, die „trappeti" heissen, und in diesen wird der feste Zucker dargestellt. Tritt man in ein solches ein, so glaubt man in die Schmiede des Vulkan zu kommen, denn ringsum flammen gewaltige grosse Feuer, an denen man den Zucker kocht und reinigt, und die Leute, die sich dabei unaufhörlich zu schaffen machen, sind so rauchgeschwärzt, beschmutzt, und berusst, dass sie eher Dämonen als Menschen gleichen. Eine grosse Anzahl Arbeiter zerschneidet das Rohr, welches etwa drei Fuss lang und einen Zoll dick ist, viele, 2—3 Zoll voneinander entfernte Knoten aufweist, und eine dunkle Rinde, sowie ein schwammiges, von der süssen Flüssigkeit erfülltes Mark besitzt. Die Spitzen der Rohre werden bei Seite gethan, unter Dünger aufbewahrt, wo sie Wurzeln treiben, und im Frühjahre wieder ausgepflanzt; sie wachsen dann, und erzeugen neues Zuckerrohr, jedoch nicht länger als drei Jahre, nach welcher Zeit man sie durch frische ersetzen muss. Das in Stücke zerschnittene Zuckerrohr wird in Säcke gefüllt und mit einer Kelter ausgepresst, wobei ein trüber, dem Weinmoste ähnlicher Saft abläuft; diesen bringt man in die Kochkessel, unter welchen stets ein grosses Feuer brennt, und kocht ihn so lange, bis er fertig gekocht ist; dann giesst man die Masse in Formen und lässt sie erstarren.*) Will man aber den Zucker verfeinern, so *) Eine, dieser Beschreibung völlig entsprechende Abbildung findet sich bei Peters (II, 15); sie ist der um 1570 erschienenen Bildersammlung des Joann. Stradanus entlehnt, eines niederländischen Künstlers, der in I Florenz lebte (s. das Titelbild des vorliegenden Werkes). Der Zucker im Zeitalter der Entdeckungen. 257 kocht man ihn dreimal um, nachdem man erst jedesmal durch ein Loch der Form den schlechten Syrup hat ablaufen lassen. Dies ist aber ein grosses Kunststück und kostet sehr viel Geld; die Leute sagten mir, dass der Besitzer für diese Fabrik jährlich 5000 Dukaten ausgebe." Während des letzten Drittels des 16. Jahrhundertes geriet aber auch die Zuckerindustrie Siziliens, sowie die Kalabriens, wo noch zur Zeit Pius V. (1566 —1572) Zuckerrohr angebaut wurde (Volz 219), in raschen Verfall, nicht infolge von Verwüstungen des Landes durch äussere Feinde, oder durch gewaltsame Handelsstörungen, sondern weil es sich unmöglich erwies, auch nur in Sizilien selbst, gegen die Konkurrenz des überseeischen Zuckers mit Erfolg anzukämpfen; um 1580 stellte die Grossindustrie der Insel ihre Produktion allmählich ein (Gregorio a. a. 0.), denn billiger als der sizilische Zucker an Ort und Stelle, war derjenige, den die kanarischen Inseln und Madeira dahin lieferten, sowie der, den jenes Land sandte, dessen Wettbewerb die ökonomischen Verhältnisse der alten Welt um diese Zeit gänzlich umzugestalten begann: Amerika. Schon auf seiner zweiten Reise (1493) hatte Kolumbus unter anderem auch Zuckerrohr von den kanarischen Inseln nach Hispaniola (Domingo) mitgenommen, und seine 1494 an die spanischen Monarchen gerichtete Denkschrift, meldet das ungewöhnliche Gedeihen desselben, sowie die herrliche Entwicklung aller übrigen neu eingeführten Feldfrüchte (Peschel, „Entd." 245; „Letters of Christ. Columbus", Hakluyt-Society 1870, 81). Infolge der unruhigen Verhältnisse, die anfangs auf der Insel herrschten, sowie wegen Mangels an Arbeitskräften unter den ersten, bloss nach Gold und Schätzen gierigen Bewohnern, kam es jedoch zu keinem regelmässigen Anbau des Rohres, und dasselbe scheint wieder abgestorben zu sein, da in späterer Zeit die Einführung des Zuckerrohres abermals als etwas Neues erwähnt wird. Der Zeitpunkt derselben steht jedoch nicht zweifellos fest. Das Geschiehtswerk des Antonio Herrera (Dek. II, lib. 2) berichtet, ein gewisser Aguilon habe 1506 einige Zuckerrohrpfianzen aus Kanaria nach Domingo gebracht, wo dieselben so gut gediehen seien, dass die Mönche Vorschüsse zur Errichtung von Zuckermühlen gaben; von diesen seien bald an vierzig, teils mit Pferde-, teils mit Wasserräder-Betrieb entstanden, und als Arbeiter habe man (wie das auf den Kanarien und Madeira längst üblich war), Neger aus Guinea geholt, denen das Klima so wohl anschlug, dass das Sprichwort sagte: „auf Hispaniola stirbt kein Neger, wenn er nicht gehängt Iiippmann, Geachichto des Zuckers. 17 258 Zehnter Abschnitt. wird" (Moseley, a. a. 0.; Volz 317). Der viel zuverlässigere Oviedo führt jedoch in seiner „Historia natural de las Indias" (Sevilla 1535; IV , 8) ausdrücklich an, er habe auf Domingo das erste Zuckerrohr pflanzen gesehen, und da er als Inspektor der Goldbergwerke 1513—1515 auf der Insel verweilte, so wäre jenes Ereignis erst in diese Periode zu setzen. Als den Einführer des kanarischen Zuckerrohres nennt er den Pedro d'Atienza, als den der Walzen (d. i. der ursprünglich sizilischen „Trappeti' 1 ) zum Auspressen des Saftes (guarapo), den Gonzalo de Velo so; dieser erbaute die ersten Zuckermühlen, darunter eine durch Wasserräder getriebene am Flusse Nigua, und liess von der kanarischen Insel Palma geübte Arbeiter kommen. Der Zuckermeister Michael Ballestro begann den Betrieb, und der Ansiedler Aguilon sott in der neuen Welt den ersten Zucker, von welchem Landesprodukte Oviedo (lib. 29, cap. 11) 1515*) die ersten Proben nach Spanien überbrachte (Humboldt, „Krit. Unt." II, 228; Reed 6; Peschel, „Entd." 561 ff.). Der neue Erwerbszweig gewann bald weitere Ausdehnung, teils durch Unterstützung seitens des Hieronymiter- Ordens, der namentlich viele Sklaven einführte, teils durch Gewährung von Darlehen aus öffentlichen Mitteln, an Ansiedler, die Mühlen mit mechanischem Betriebe erbauten (Humboldt, „Reise 4 II, 306; Peschel, a. a. 0.). Pietro d'Anghiera, auch Petrus Martyr genannt, sah 1518 schon 28 Presswerke in Betrieb, und schildert „die herrliche Fülle des Zuckerrohres, dessen Schösslinge binnen zwanzig Tagen ellenlange Stengel emportreiben" (Moseley a. a. 0.; Volz 222); 1535 waren mehr als 30 grosse Siedereien im Gang, deren einige 10—12 000 Dukaten gekostet hatten, und über 100 Neger beschäftigten, und durch den grossen Verbrauch an Brennmaterial war schon 1548 die Landschaft um Santo-Domingo so waldentblösst, dass man das Holz zwölf Meilen weit zufahren musste (Oviedo lib. 7, cap. 2; Peschel, „Entd." 559; Humboldt, „Nouv. Esp." III, 171). Der Zucker wurde nach Spanien exportiert, und bildete dort eine so ergiebige Einnahmequelle, dass Kaiser Karl V. den Bau seiner prächtigen Paläste in Madrid und Toledo, allein aus dem Zucker-Eingangszolle bestreiten konnte (Handelmann, „Geschichte der Insel Hayti"; Kiel 1860, 12). Zur Zeit Benzoni's, dessen Werk „II mondo nuovo" auf Grund seiner Reisen in den Jahren 1541—1556 verfasst ist, gab es in *) Die widersprechende Angabe Humboldt's im „Essai politique sur 1'ile de Cuba", sowie „Nouv. Esp." 1U, 171, Atienza habe das Rohr erst 1520 nach Domingo eingeführt, kann daher nicht richtig sein. Der Zucker im Zeitalter der Entdeckungen. 259 Domingo bereits 40 Zuckermühlen grösster Gattung, mit mehr als 30 000 Negern (Peschel, „Entd." 561 ff.); die wachsende Einfuhr der letzteren, ihre unheilvolle Bedrückung, und die Ausartung der Sklaverei in Unmenschlichkeit, hing wesentlich mit der Ausbreitung des Zuckerrohranbaues zusammen, und in diesem Sinne hat auf die Geschichte der Insel, wie überhaupt auf die historische Entwicklung und auf die ethnographische Physiognomie Amerikas, nichts einen schädlicheren und verderblicheren Einfluss ausgeübt, als die Verpflanzung des Zuckerrohres, welche den 'Negerhandel, die Sklavenhaltung, und durch diese die Afrikanisierung Haytis, sowie anderer Teile der neuen Welt mit sich brachte (Knapp, a. a. O.; Peschel, „Entd." 560). Aus Domingo kam das Zuckerrohr nach Cuba, Neuspanien, und Mexiko (Humboldt, „Nouv. Esp." III, 171); obwohl die Eroberung dieses Reiches erst 1521 gänzlich vollendet wurde, sagt schon 1522 Oviedo, „dass man dort Schiffsladungen Zucker mache, und leicht soviel machen könne, dass die ganze Christenheit daran genug habe." Im Jahre 1553 exportierte Mexiko bereits Zucker nach Spanien, wie Lopez de Gomara („La conquista de Mexico" 1553, 139) bezeugt, und auch Cortez ordnete in seinem Testamente (1547) die Errichtung einer Zuckerfabrik auf seinen Gütern, in den Hochthälern Mexikos an, in welchen jetzt, infolge des, durch Ausrottung der schützenden Wälder rauher gewordenen Klimas, das Zuckerrohr nicht mehr gedeiht (Humboldt, „Nouv. Esp." III, 172 und 175; II, 42). Auch in das 1532 unterworfene Peru, führte Mexiko Zucker aus, aber schon 1533 sah daselbst Pedro Cieza wohlbewässerte Zuckerrohrfelder, es wurden Mühlen errichtet, die erste in Huanka (Garcilasso de la Vega, „Commentarios reales" IX, 28), und 1573 betrug die Produktion bereits 30000 Pesos Zucker. Um 1580 schätzte Acosta („Historia natural ymoral des las Indias", Barcelona 1591; IV, 8) den jährlichen Reingewinn Neuspaniens an der Zuckerfabrikation, auf wenigstens 100 000 Piaster (Moseley, a. a. O.), und sagt, man finde Zuckerrohr in allen Provinzen, und sein Anbau sei die lohnendste aller Beschäftigungen. Das Mutterland verstand es leider nicht, den Kolonieen diese reiche Erwerbsquelle dauernd zu erhalten; zahlreiche engherzige •Beschränkungen, Handelsverbote, und Monopole, bewirkten schon gegen 1600 den Rückgapg, und in späterer Zeit, welche die Konkurrenz mit den, an Betriebsamkeit und Intelligenz weit überlegenen Holländern, Engländern, und Franzosen brachte, den völligen Verfall des kolonialen Wohlstandes, mit dem zugleich auch die Bedeutung der Zuckerfabrikation dahinschwand. 17* 260 Zehnter Abschnitt. H Nach Brasilien, welches Cabral 1500 entdeckt hatte, als er, auf der zweiten Fahrt der Portugiesen nach Ostindien, durch Einhaltung eines unrichtigen Kurses in den Bereich der südwestlichen Meeresströmung geraten war, wurde das Zuckerrohr 1532, von Madeira aus, gebracht, und zwar zuerst nach St. Vincent in Südbrasilien (Handelmann, „Geschichte von Brasilien"; Berl. 1860, 58), woselbst der Statthalter Alfonso de Souza seinen Anbau zu versuchen beabsichtigte. Von dort aus führte Pero de Goes das Zuckerrohr in die, 1536 von ihm in der fruchtbaren Niederung des Paraibo-Plusses (Provinz Rio de Janeiro) gegründete Niederlassung »Villa da Reinha" (Dorf der Königin), ein. Da es ihm aber an Kapital gebrach um seine Pflanzungen gehörig nutzbar zu machen, so unternahm er eine Reise nach Lissabon, und es gelang ihm, dort mehrere reiche Kaufleute in sein Interesse zu ziehen; nach seiner Rückkehr wurden neue Plantagen angelegt, zwei Mühlen an der Küste errichtet, eine dritte am Flusse in Angriff genommen, und bald meldete Pero zuversichtlich seinen Kompagnons, „binnen Jahresfrist hoffe er ihnen 2000 Arroben Zucker zu übermachen, doch möchten sie ihm ihrerseits mehr Kolonisten, und vor allem 60 schwarze Guineasklaven schicken." Bevor indessen dieser Zeitpunkt herankam, führten Streitigkeiten mit den, durch Betrug und Gewalttätigkeiten erbitterten Eingeborenen, die völlige Zerstörung der Ansiedlung herbei (Handelmann 55ff.). Es ist bemerkenswert, dass auch in Brasilien den Bedürfnissen der entstehenden Zucker-Grossindustrie die Einführung der gewerblichen Neger-Sklaverei zuzuschreiben ist; anfangs suchte man dieselbe noch einzuschränken, so z. B. gab Karl V. seinem Majordomus Ritter de la Bresa ein Privilegium, 4000 Neger nach Amerika zu schaffen, — welches dieser indessen sogleich für 25 000 Dukaten an einige Genuesen verkaufte; da aber der Kaiser trotz des Privilegiums auch Anderen, gegen Erlag grosser Summen, den Negerhandel gestattete, so war derselbe auf die Dauer nicht mehr zu unterdrücken, und die Portugiesen, welche sich im Besitze der afrikanischen Negerküste befanden, übernahmen den Sklaventransport bald geschäftsmässig, und versteigerten sogar Erlaubnisscheine dazu öffentlich an den Meistbietenden (Knapp, a. a. O.). Gegen 1550 wurde auch in der Provinz Bahia, durch Figuei- redo Correa, von dem erzählt wird, er sei ursprünglich als Schiffbrüchiger an die Küste geworfen worden, und habe die Tochter eines einheimischen Kaziken geheiratet (Volz 318), die Zuckerproduktion, welche schon seit 1538 im Gange war, mit Hilfe bedeutender, von portugiesischen Kapitalisten aufgebrachter Der Zucker im Zeitalter der Entdeckungen. 261 Mittel, in grossem Massstabe eingeführt; aus ähnlichen Gründen wie in Villa da Beinha ging dieselbe aber auch hier wieder ein (Handelmann 65ff.). In Pernambuco beförderte der Erbstatthalter Coelho seit 1538 die Zuckerrohrkultur, und vermochte einige Lissaboner Bankhäuser, grosse Summen zur Herstellung von Pflanzungen und Mühlen vorzuschiessen, so dass dieser Landstrich bald die grösste und regelmässigste Zuckerproduktion aufwies, und sich um 1590 bereits zur reichsten und wichtigsten Provinz aufgeschwungen hatte; zu dieser Zeit gab es in St. Vincent, wo das Bohr weniger gut gedieh, sechs, in Bahia 36, in Pemambuco aber 66 Zuckermühlen (engenhos), jährlich wurden daselbst 40 Schiffe mit Zucker beladen, und der Zucker-Zehnte, der seit 1532 an die Stelle der bis dahin üblichen Verpachtung des gesammten Küstenhandels getreten war, belief sich auf 19000 Cruzados*) (ebd. 125ff., 130, 662). Um 1600 besass Brasilien schon 120 Engenhos, welche zur Ausfuhr jährlich 60 000 Kisten ä 10 Zentner Zucker lieferten (ebd. 131), so dass die portugiesische Regierung, welche um diese Zeit den Zuckerrohrbau Siziliens durch die Konkurrenz des brasilianischen Zuckers erdrückt sah (Gregorio, a. a. O.), auch für die Produktionskraft Madeiras ängstlich zu werden begann, und einen Ausfuhrzoll von 20°/ 0 auf den Zucker Brasiliens legte (Volz 318; Beer II, 98). Überblicken wir die Entwicklung der Zuckerrohrkultur in Amerika, so zeigt sich, dass kein volles Jahrhundert seit der Versetzung derselben in den neuen Erdteil zu vergehen brauchte, um ihr Erzeugnis zu einem Weltprodukt zu machen, — so wie es später in gleicher Weise mit dem Kaffee, der Baumwolle und dem Beis geschah (Hehn 443 und 450); konnte also der, durch die Araber vermittelte Anbau des Zuckerrohres und jener übrigen Kulturpflanzen in Europa, zwar nie einen, im heutigen Sinne nennenswerten Umfang gewinnen, so wurde er doch der Anlass zu der ungeheuren Produktion dieser, dem Oriente entstammenden Gewächse, in der neuen Welt, zu der entsprechenden Konsumtion der neugewonnenen Waaren bei allen Völkern der Erde, und zu dem, diese vermittelnden, Häfen und Ozeane belebenden Welthandel. „Mit dem Beginne der Neuzeit," sagt Gervinus („Einleitung in die Geschichte des 19. Jahrhunderts"), „werden die atlantischen Gestade, an Stelle des Mittelmeeres, der Schauplatz des Weltverkehrs; die durchgreifende Veränderung der geistigen Interessen *) 1 Cruzado hatte 3—4 Mark Goldwort. 262 Zehnter Abschnitt. durch die Reformation, der materiellen Lebensverhältnisse durch die Auffindung der neuen Seewege, gestalten Wesen und Charakter der nächsten Jahrhunderte." Herrscherin der ozeanischen Küsten und Hauptmarkt des Weltverkehrs, wurde durch die Verbindung mit Indien und Ostasien, und durch die Aneignung des gesammten Levantehandels, zunächst Lissabon; dort strömten die Schätze des Orients, die Erzeugnisse der Küsten und Inseln Afrikas, und später auch die Produkte Südamerikas zusammen, um sich über ganz Europa hin wieder auszubreiten, dort fanden Handel und Verkehr ihren Mittelpunkt, und verzweigten sich von da aus durch tausend Kanäle in alle Länder. Von ganz besonderer Bedeutung waren die Beziehungen zu den Städten Deutschlands, da die reichen und rührigen süddeutschen Kaufleute, zuerst von allen, das Herannahen einer neuen Zeit erkannten, direkte Verbindungen anzuknüpfen suchten, und hierbei von der portugiesischen Regierung, welche diese geldkräftigen Unternehmer dauernd zu gewinnen, und von Venedig fernzuhalten trachtete, in jeder Weise begünstigt wurden (Falke II, 19); viel trug hierzu der Umstand bei, dass Nürnberger Familien schon seit 1429 in Lissabon ansässig waren, und dem Staate grosse Dienste geleistet hatten: denn Martin Behaim aus Nürnberg, der 1472 und 1484 als „Kosmograph" die Entdeckungsfahrten an der afrikanischen Westküste mitgemacht, und nach seiner Heimkehr den berühmten Globus verfertigt hatte, war es, der, durch Einführung des von Regiomontanus verbesserten Astrolabiums, die Portugiesen zur Fahrt auf dem freien und offenen Weltmeere befähigte (ebd. I, 16). Schon im Jahre 1503 schloss eine Augsburger Handelsgesellschaft, unter Führung der Wels er einen Vertrag mit König Manuel, über direkten Verkehr und Waarenbezug, und beteiligte sich 1505 mit drei Schiffen, welche 66 000 Dukaten gekostet hatten, an der Indienfahrt des Vizekönigs Almeida; obwohl die Flotte erst nach vier Jahren zurückkehrte, und während dieser Zeit, sowie durch einen Sturm, den sie auf der Heimfahrt zu bestehen hatte, viele Schiffe verlor, betrug der Reingewinn doch noch 175°/ 0 (Simonsfeld II, 118; Falke I, 18; Roth I, 271). Streitigkeiten und Handelserschwerungen verhinderten die Fortsetzung dieser Unternehmungen; doch unterstützten die Portugiesen die Welser, als diese in Gemeinschaft mit den Fuggern, deren Vermögen damals auf 63 Millionen Reichsgulden geschätzt wurde, eine Expedition nach Venezuela unternahmen, welche Provinz Karl V. an Bartholomäus Welser verpfändet oder verkauft hatte, und zwar einschliesslich des Rechtes freier Sklaveneinfuhr (Falke II, 19); sie wurde übrigens 1555 von Der Zucker im Zeitalter der Entdeckungen. 263 Spanien wieder besetzt, und da keine deutsche Kriegsflotte vorhanden war, um die Rechte der Inhaber zu verteidigen, mussten sich diese dem Gewaltakte fügen. Durch die industriereichen Handelsstädte Oberitaliens in steter Verbindung mit den Ländern jenseits der Alpen stehend, und mittelst der Hansa die nördlichen Meere beherrschend, nahm Deutschland auch noch während des 16. Jahrhunderts, in gewerblicher Hinsicht die Stellung einer Vormacht Europas ein, und. spielte im portugiesischen Verkehre eine Hauptrolle; ein grosser Teil desselben ging über Lyon, wo schon 1492 ein Behaim als Faktor nachweisbar ist (Falke II, 39), ein anderer über Barcelona nach Marseille oder Genua, und von da aus über die älteren Alpen- strassen, der Hauptstrom jedoch bewegte sich von Lissabon nach Antwerpen, und von dort aus rheinaufwärts nach Köln und Frankfurt, wodurch der Rhein zur bedeutendsten mitteleuropäischen Verkehrsader, Frankfurt zum Handelszentrum Deutsehlands, Antwerpen aber zum Hauptmarkte und wichtigsten Wechselplatze Nordeuropas emporgehoben wurde (Falke II, 43, 44, 66, 81). Nachdem diese Stadt schon gegen Ende des 15. Jahrhunderts den Hauptverkehr Brügges an sich gezogen hatte, wählten sie die Portugiesen 1503 zum Stapelplatz ihrer überseeischen Waaren, wodurch ein so rascher und grossartiger Aufschwung ihrer Han- delsthätigkeit eintrat, dass der jährliche Geldumsatz bis zu einer Summe von etwa 2250 Millionen Mark anstieg. Hand in Hand hiermit ging die staunenswerte Entfaltung des Gewerbefleisses; bald nach 1500 wurden auch die ersten Zuckerraffinerien angelegt (Beer II, 178; Moseley a. a. 0.), und zunächst mit Rohzucker aus Madeira, St, Thomas, und den Kanarien, später auch mit brasilischem aus Lissabon versehen. Ausserdem wurden, nach Guicciar- dini's Beschreibung, aus Spanien und Portugal Zuckersyrupe und Melassen eingeführt (Tooke und Newmarch, „Geschichte und Bestimmung der Preise", übers, von Asher, Dresden 1858; II, 501), aus Spanien westindische Rohzucker, und aus Marokko, wo die Zuckerfabrikation unter der Dynastie der Scherife seit 1519 grosse Fortschritte gemacht hatte (Ritter 399), weisse Zucker von sehr guter Qualität (Reed 6). Lorenz Meder aus Nürnberg, bemerkt in seinem „Handel-Buch" (Nürnberg 1558), einer kurz gefassten Belehrung über Waaren und Verhältnisse der wichtigsten europäischen Märkte, dass Antwerpen hauptsächlich Madeira-, Kanari-, und Capverde-Zucker in Lissabon einkaufe, woselbst man 10°/ 0 Ausfuhrzoll zu bezahlen habe (S. 30, 34, 27); in Antwerpen gebe man für die Kiste 4 Pfennige Maklergebühr, und ebensoviel 264 Zehnter Abschnitt. „Wasserzoll" für die Kiste oder den Sack; zum Weitertransport, der zunächst meist nach Köln oder Frankfurt gehe, benutze man Fässer von 10 Zentner Inhalt, die mit je zehn Stück grober Leinwand („Canefaz") eingenäht, und mit Stricken von 6—7 Pfund Gewicht zugeschnürt würden (ebd. 35, 36, 40), und so „gehe der fein- gesottene Zucker weithin durch die deutschen Lande, die dafür kein kleines Stück Geld alljährlich nach Antorff (Antwerpen) vergeben'. Diese Blütezeit Antwerpens nahm jedoch ein rasches Ende, als der niederländische Freiheitskrieg, und mit ihm die spanische Gewaltherrschaft begann; schon während der Statthalterschaft des Herzogs Alba, wanderten, um dessen willkürlichen Handelsbeschränkungen und enormen Steuerauflagen (der 10. Pfennig von jeder gekauften Waare, der 100. vom Vermögen) zu entgehen, über 100 000 Kaufleute und Handwerker aus, die sich namentlich nach England wandten. Die Belagerungen und Plünderungen Antwerpens (1576 und 1585) vernichteten den Reichtum und die Ge- werbthätigkeit der ohnehin schon schwer geschädigten Stadt gänzlich, und ihre Bedeutung ging von da ab auf Amsterdam, den neu aufstrebenden Vorort der Staaten der Utrechter Union von 1579, über; unter den Industriezweigen, die ihre Thätigkeit dahin verlegten, werden auch die Zucker-Raffinerien genannt. Als, nach dem Aussterben des portugiesischen Königshauses, Philipp IL 1580 Portugal und dessen Kolonien für sich in Beschlag nahm, wurde den Niederländern sofort jeder Verkehr mit Lissabon untersagt, und als dieses Verbot nicht befolgt wurde, liess der König 1594 mehr als fünfzig holländische Schiffe sammt Ladung mit Beschlag belegen. Statt der geplanten Vernichtung des holländischen Handels erreichte aber Philipp II. hierdurch das Gegenteil, und fügte zugleich seinem eigenen Lande unermess- lichen Schaden zu: mit Umgehung Lissabons nahmen nämlich die Holländer noch im selben Jahre, unter dem kühnen Cornelius Houtman, der bis dahin auf portugiesischen Schiffen gedient hatte, den direkten Verkehr mit Indien auf (Beer II, 180; Falke II, 115ff), und erzielten dort, und in Java, wohin sie 1596 gelangten, so glänzende Erfolge, dass sie 1601 bereits 84 Schiffe auf hoher See besassen, und 1602 zur Stiftung der holländisch-ostindischen Kompagnie schreiten konnten, durch welche die ehemaligen asiatischen Besitzungen Portugals binnen kurzer Zeit fast sämmtlich für Holland erobert wurden. Erst nun trat Amsterdam in Wahrheit als Weltmarkt an die Stelle Antwerpens, besonders als es kurz vor 1600 auch gelungen war, in direkte Verbindung mit Der Zucker im Zeitalter der Entdeckungen. 265 den Molukken zu treten; um diese Zeit wurde auch probeweise ostindischer Rohzucker nach Holland gebracht, — ein Versuch, der nicht wiederholt wurde, sowohl weil dieser Zucker, infolge der schlechten Fabrikations-Methode, allen anderen Sorten weit in der Qualität nachstand, als auch, weil Zucker überhaupt nicht mehr hoch genug im Preise stand, um einen so weiten gefährlichen Seeweg und die hohen Transportkosten bezahlt zu machen, die man lieber an die viel kostbareren Gewürze und Arome des Orients wandte. Im Gegensatze zu einer weitverbreiteten Meinung, steht es daher fest, dass der Zucker Ostindiens weder zu dieser Zeit, noch überhaupt vor Ende des 18. Jahrhunderts, irgendwelche Bedeutung auf den europäischen Märkten besass. Indem, auf die geschilderte Weise, der Handel Nationalsache, und die Ausbildung eines nationalen Handelssystems eine der wichtigsten staatlichen Aufgaben wurde, begannen die geographischen Verhältnisse in'bisher unbekannter Weise auf Völkerleben und Volkswirtschaft einzuwirken. Die mittelalterliche Natural- geht in die moderne Geld-Wirtschaft über, das bewegliche Eigentum mehrt sich, ermöglicht grössere Arbeitsteilung und Kapitalsansammlung, und stärkt hierdurch das Bürgertum und den Kaufmannsstand; die eingeführten Edelmetallmassen werden die hauptsächliche Ursache der grossen Preissteigerung und Geldentwertung, durch welche sich im Laufe des 16. Jahrhunderts die frühere Kaufkraft des Goldes und Silbers um 2 / s — s j v nach manchen Schätzungen sogar um 4 / r> ihres bisherigen Betrages vermindert, das Grundeigentum den grössten Teil seines Wertes verliert, und der kleine Bauer sowie der, die alte Feudalherrschaft fortsetzende Kleinadel, der Verarmung entgegengeführt wird. Zugleich bedingt der ungeheure Umschwung im Verkehre, und die Vermehrung der Handelsartikel, in Verbindung mit obigen Verhältnissen, eine rasche Zunahme des Luxus, eine gesteigerte Nachfrage nach überseeischen Produkten, und das schnelle Anwachsen von Erzeugung und Konsumtion der wichtigsten kulturhistorischen Waaren, unter denen der Zucker von Anfang an eine der vornehmsten Stellen einnimmt (Röscher, „System der Volks Wirtschaft" I, § 117ff.; Falke II, 72, 74ff.. 93). In erster Reihe stand, was Wohlstand und Luxus betrifft, Italien, „damals noch immer für Deutschland das Land des Geschmackes und der Mode, die Quelle aller Bildung", „dessen eigentlicher Geld- und Wechselplatz, Venedig, „der paradisus deliciarum" und „sede principalissima del piacere", in dieser Zeit noch mit grossartiger und glänzender Weltstellung vor Augen trat" (Ranke, „Zur venetianischen Geschichte" 30; Simonsfeld II, 124 und 269). 266 Zehnter Abschnitt. Als die verhängnisvollen Versäumnisse der venetianisclien Politik, durch das Versiegen des Levantehandels, und die portugiesische Konkurrenz, sowie durch das Sinken der Gewürzpreise, die z. B. für Pfeffer, die wichtigste aller Waaren, bis 1501 schon von 130 auf 102 Dukaten gefallen waren, immer fühlbarer wurden, suchte sich die Republik nochmals mit allen Mitteln zu neuer Thätigkeit aufzuraffen, und vor allem die Deutschen, die seit Beginn der Handelskrise in direkten Verkehr mit Lissabon getreten waren, in Venedig festzuhalten (Simonsfeld II, 117); zu den diesbezüglichen Massregeln gehörte die Stärkung der Staatsfinanzen durch Einführung einer Staatslotterie (1522), die Errichtung einer Girobank*) (1524), die Einsetzung einer Senatskommission zur Beförderung des Handels 1516 (Romanin VIII, 374; V, 557), die Herausgabe gedruckter Zeitungen, die zunächst allerdings nur Handelsnachrichten enthielten (Roth I, 108 und 281), sowie vor allem der Neubau des 1505 abgebrannten Pondaco' dei Tedeschi; an der Stelle desselben erhob sich bereits 1508 ein grossartiges, dreistöckiges quadratisches Gebäude von 512 Fuss Seitenlänge, dessen Inneres mit Fresken von Tizian und Giorgione geschmückt war, und der Stadt nicht weniger als 30 000 Dukaten kostete (Simonsfeld II, 107). Infolge der Kriege mit Kaiser Max I. und den Teilnehmern der Liga von Cambray (1508), konnte sich indes der Handel nicht sogleich in der erwarteten Weise entwickeln; andererseits trugen gerade die, für beide Teile höchst empfindlichen Störungen desselben dazu bei, dass der Krieg nur lässig geführt wurde, und so beschreibt der jüngere Sanuto 1511 den Verkehr wieder als in voller Blüte stehend, indem die Deutschen, allein im Januar dieses Jahres, für 140 000 Dukaten Zucker und Speze- reien kauften (ebd. II, 121). Eine neue Stockung trat in den folgenden Jahren ein, da die Venetianer nicht mehr im Stande waren, sich auf den bisher gewohnten Wegen ein genügendes Waarenquantum zu beschaffen, so dass ihre Abnehmer Mangel zu leiden begannen; so z. B. petitionierten 1513 die Wiener Krämer bei Max I. um Aufhebung der Sperre der Donauländer gegen Antwerpen, Augsburg und Nürnberg „wegen der herrschenden grossen Pfeffernot" (Heyd a. a. O.), und der Innsbrucker Landtag der österreichischen Erblande führte 1518 beim Kaiser Beschwer *) Der ersten Bank begegnen wir in Venedig 1156 (Beer I, 191), der ersten städtischen Anleihe 1171 (Hüllmann IV, 107); die Errichtung der Staatsbank und die erste Staatsanleihe fällt in das Jahr 1291 (Romanin H, 85). Später errichteten Staatsbanken: Genua 1346 (ebd.). Amsterdam 1609, Hamburg 1619, Nürnberg 1621, und London 1694 (Beer II, 85 tf.). Der Zucker im Zeitalter der Entdeckungen. 267 über die Verfälschung der so selten gewordenen Gewürze, wie Pfeffer und Ingwer, mit Ziegelmehl, sowie über die, angeblich von den süddeutschen Handelsgesellschaften verschuldete Verteuerung „solcher dem Menschen unentbehrlichen Waaren", und namentlich des Zuckers. Dieser, den der oberdeutsche Zolltarif Max I. von 1515, als aus Italien kommend anführt, war nämlich durch den plötzlichen Ausfall der ägyptischen Produktion seit der Besetzung dieses Landes durch die Türken, und angesichts der Unmöglichkeit, eine entsprechende Menge rasch genug von anderer Seite her zu beschaffen, im Jahre 1518 bereits auf das Doppelte des bisherigen Preises gestiegen (Falke II, 338ff.). Diese Schwierigkeiten wurden erst beseitigt, als sich die Vene- tianer gegen 1520 zu dem schweren Schritte entschlossen, in Lissabon einzukaufen, und hierbei dauernd verblieben, nachdem ein letzter Versuch, Sebastian Cabot, den grossen Seefahrer, für Venedig zu gewinnen, und mit seiner Hilfe Fahrten nach Indien ins Werk zu setzen, gescheitert war (Romanin V, 378). Da nun, um dieselbe Zeit, die von den deutschen Städten mit Lissabon angeknüpften Verbindungen sich wieder lösten, so gelang es unschwer, den Handel mit Deutschland von neuem in besseren Gang zvi bringen; um 1520 wird er schon wieder als der wichtigste Venedigs bezeichnet, und der Verkehr der Deutschen in dieser Stadt hatte derart zugenommen, dass z. B. bereits 1521 gegen die Anhänger Luther's eingeschritten, und die Konfiskation ihrer Bücher verfügt wurde (Romanin V, 329; VI, 434). Auch Paruta sagt in seiner „Geschichte Venedigs": „im Jahre 1546 stand Venedig mit der Provinz (!) Deutschland in grossartiger und ungestörter Verbindung" (Ranke a. a. 0. 28 und 29); die fortgesetzte Lebhaftigkeit derselben beweist der 1555 erneuerte wöchentliche Briefbotenverkehr zwischen Augsburg und Venedig, die Aufzeichnung der venetianischen Zölle und Abgaben in „Tarif-" und „Handels-Büchern", z. B. dem des Meder (Simonsfeld II, 176 und 124), sowie die Herausgabe regelmässig fortlaufender Zeitungen zu Augsburg 1585, an Stelle der seit 1505 daselbst erscheinenden periodischen Plandelsberichte (Scherer, „Litg." 288). Es ist demnach völlig irrig, anzunehmen, die Entdeckung des Seeweges nach Ostindien und Amerika habe sogleich den ganzen Handel Venedigs, insbesondere den mit -den oberdeutschen Städten, aufgehoben und vernichtet; die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts ist im Gegenteil geradezu die Blütezeit desselben, und nach Überstehung der grossen Handelskrise, und Aufsuchung neuer, den geänderten Verhältnissen des Weltverkehres entsprechender Bezugsquellen, nahm Hfl 268 Zehnter Abschnitt. ■ Venedigs Bedeutung nochmals einen andauernden und mächtigen Aufschwung (Simonsfeld II, 123; Falke, „Zeitschrift für Kulturgeschichte" IV, 601). Was den Handel mit der »so kostbaren und göttlichen Sache", wie noch Ramusio (I, 375) den Zucker nennt, anbelangt, so führte Venedig um 1540 noch einen kleinen Teil desselben aus den alten Produktionsliindern ein, und zwar aus Cypern, Tripolis, Beyrut, Damaskus und Sizilien (Pasi 134, 149, 41, 113), die grosse Hauptmenge jedoch aus Lissabon als „zucchero di Medera" (ebd. 180); Damaskus und Sizilien lieferten auch „Confetti" aller Art, und in Syrup eingemachte Früchte, Valeucia herrlichen Brotzucker (ebd. 174), und Majolika prachtvollen Kandis (ebd. 54). Als Sorten, welche die venetianischen Raffinerien erzeugten, werden genannt: ein, zwei, und dreimal umgekochter Zucker, feine Raffinade, mittelfeine Raffinade (zuccheri fini assai), schön gekochte Brote (zuccheri fini di buono maestro), Syrup, der zum Einmachen von Früchten diente, und Kandis (Pasi 7Off.); letzteren pflegte man an Stücken Zuckerrohr krystallisieren zu lassen, und in Baumwolle einzuwickeln, um die Käufer glauben zu machen, er sei aus dem Orient gekommen (Pancirollus II, 291). Als der Zucker gegen Ende des Mittelalters stark im Preise zu sinken begann, nahm sein Konsum auch in Venedig selbst erheblich zu, die Kunst, ihn zu Luxuswaaren zu verarbeiten, wurde aufs höchste vervollkommnet, und solche Erzeugnisse bildeten einen ebenso wichtigen Ausfuhrartikel wie Zucker in Broten (Marin VIII, 272); unter der Bürgerschaft aber nahm die Sucht nach Zucker, prächtigem Zuckerwerk, und Tafelgenüssen aller Art, dermassen überhand, dass der hohe Rat 1514 abermals ein Luxusgesetz erliess, das Vergolden von Zucker und Zuckerwaaren, von feinem Marzipan und feinem Konfekt (confetti senza corpo) untersagte, den Genuss aller dieser Süssigkeiten verbot, und bloss den von gewöhnlichem Zuckerwerk und Marzipan, und auch diesen nur zum Nachtisch, für gestattet erklärte (Romanin V, 496ff.). Wie nicht anders zu erwarten, blieben diese Verordnungen ohne jeden Erfolg: „Heutzutage," sagt Pancirollus (II, 286, 294, 297), „giebt es kein festliches Gastmahl, bei dem nicht eine Fülle von Zucker in vielerlei Art verwendet wird; Figuren und Gruppen, Vögel und Vierfüssler, Blumen, und die wunderschönsten Früchte in den natürlichen Farben werden daraus nachgebildet, Rhabarber, Pignolien, Cinnamomen und andere Gewürze darin eingemacht oder damit kandiert, zum Entzücken der Menschheit; ohne Zucker wird fast nichts mehr verzehrt, Zucker kommt an die Kuchen, Zucker in den Wein, statt Wasser trinkt man Zucker- Der Zucker im Zeitalter der Entdeckungen. 269 wasser, Fleisch, Fische und Eier bereitet man mit Zucker, kurz man gebraucht Salz nicht mehr häufiger als Zucker." Die wichtigsten Ausfuhrplätze für den Zucker und die Zuckerwaaren Venedigs waren um 1540: Avignon (Pasi 178), Lyon (ebd.), Brügge (ebd. 186), Antwerpen (ebd. 187), London (ebd.), Arta (ebd. 126), Dalmatien (ebd. 117), und vor allem die Städte Süddeutschlands (ebd. 190); aber auch ganz Italien, bis nach Neapel hinab, war ein Absatzgebiet für venetianische Raffinade (ebd. 79 ff.; 110), und Genua, welches viel Zucker aus Barcelona, Granada, und Valencia bezog (Meder 24, 52, 53), vermochte daselbst nicht in erfolgreicher Weise mit Venedig zu konkurrieren. Für Zucker and Zuckerwerk herrschte allenthalben eine wahre Leidenschaft; in Rom wurden ganze Schiffsladungen sizilisches und kalabrisches Zuckerrohr verzehrt, verzuckerte Früchte, Figuren und Triumphbogen aus Zucker, schmückten jede Festtafel, und Zucker oder Zuckerwerk verschenkten die Grossen als Gunstbezeugung und Gnadenbeweis. So z. B. dankt Michel Angelo 1554 dem reichen Luigi del Riccio aus dem Hause der Strozzi zu Rom, mit den Worten („Sonette", deutsch von Harrys, Hannover 1868, No. 8): „Mit schmuckem Maultier, mir zum Angebinde, „Mit Zucker, Lichtern, und Malvasier Tranke, „Verband mich Eure Gunst zu solchem Danke, „Dass ich kein Wort, ihn auszusprechen, finde." Angesichts dieser hohen Wertschätzung des Zuckers, ist es auffällig, bei den grossen Dichtern dieser Zeit, Ariost(1474 —1533) und Tasso (1544—1594), keiner Erwähnung des Zuckers oder des Zuckerrohres zu begegnen, obwohl doch in deren Epen der bunte Strom der Abenteuer häufig ganze Gesänge lang durch die Gefilde des Orients dahinzieht; es ist dies allein aus dem völligen Fehlen aller Lokalfarben erklärlich, — ein Mangel, der sich in noch höherem Grade in der „Araukana" des Ercilla (1533—1595), einem der berühmtesten Gedichte der spanischen Litteratur, und in den „Lusiaden" des Camoens (1524 —1579) bemerkbar macht, da doch diese Werke von ihren Verfassern, die selbst schauten was sie beschrieben, inmitten der tropischen Natur erdacht und vollendet wurden. Sogar im Zaubergarten der Armida sieht Tasso nur Myrten, Palmen, Cypressen, Rosen und Lilien, und bemerkt höchstens (18. Gesang, Str. 24, Übers, von Gries, Berl. 1865): „Ein flüss'ger Honig träufelt aus der Rinde, „Mit Manna ist das grüne Laub betaut." Ebenso schildert Camoens, im 7. Gesauge, Indien nur in ganz allgemeinen Ausdrücken, und selbst die Beschreibung der Wunder- I 270 Zehnter Abschnitt. insel der Aphrodite schwingt sich nicht höher als zu Myrten, Granaten, Zitronen und Liraonen auf; , das ganze Gedicht enthält keine Spur von etwas Anschaulichem über die tropische Vegetation und ihrephysiognomischeGestaltung" (Humboldt, „Kosmos" II, 61). In Frankreich nahm im IG. Jahrhunderte der Tafelluxus noch weit über die früheren Grenzen hinaus zu, besonders seit der italienische Einfluss am Hofe herrschend wurde, wo Katharina von Medici, die Gemahlin Heinrichs IL, den prunkliebeuden Haushalt der mediceischen Fürstenfamilie noch zu überbieten trachtete; unter anderem soll durch das italienische Gefolge, das ihren Einzug in Paris begleitete, zuerst der Gebrauch der Liköre dort bekannt geworden sein, namentlich des beliebten „Popolo", der aus Alkohol, Zucker, Muskat, Ambra, Zimmt und Macis bestand (Le Grand d'Aussy III, 89). Die Franzosen verstanden es bald, nicht nur diese Würztränke nachzuahmen, — die berühmteste Erzeugungsstätte wurde Montpellier, und blieb es, bis im 17. Jahrhunderte die Kolonieen Rum zu fabrizieren begannen, — sondern sie auch durch eigene Erfindungen zu vermehren: als auserlesener Genuss galt z. B. Sigogne's „ Huile de Venus", ein Likör aus Alkohol, Zucker und Safran, „dessen schwere aber nicht ölige Kochung, lange Zeit hindurch als wichtiges Geheimnis bewahrt wurde" (ebd. 93, 97, 98). Charles Estienne, der 1535 sein Hauptwerk „L'Agriculture et la maison rustique" schrieb, sagt darin: „Zu Getränken und Speisen ist der Zucker heutzutage unentbehrlich, und die Sucht danach ist eine wütende; .... der beste Zucker kommt aus Spanien, Cypern, Rhodos, Kandia und Malta*), und zwar ist der von Valencia in kleine Brote geformt, der übrige in grosse. Der Zucker von Malta ist sehr hart, glänzend und durchscheinend, aber nicht besonders weiss; der Rohrsaft, den man in Mühlen auspresst, wird dort durch drei- bis viermaliges Umkochen gereinigt, und dann in die Formen gebracht, in denen er erhärtet" (ebd. II, 201). „Mit Zucker bereitet man eingemachte Früchte, Konserven und Pastillen von Rosen, Veilchen, Orangen, Jasmin, Lattich, Fenchel, Glockenblume, Iris, und dergleichen, ferner Zuckerobst, weil das Obst, roh genossen, ungesund und schädlich ist; endlich verzuckert man auch Gewürze, mit denen aber allerorten grosse Fälschung getrieben wird, besonders wenn man sie gepulvert kauft" (ebd. II, 184, 207, 330; III, 333). Franzi. *) Der Johanniterorden, der 1526 seinen Sitz aus Rhodus nach Malta verlegte, scheint der Entfaltung der Zuckerindustrie auch dort grosse Aufmerksamkeit zugewandt zu haben. Der Zucker im Zeitalter der Entdeckungen. 271 suchte diesem Übelstande durch ein strenges Edikt abzuhelfen (1542), welches genaue Vorschriften über Eigenschaften und Prüfung der Gewürze enthält, für Zucker, Spezereien und Konfitüren bestimmte Preise festsetzt, und die Bereitung der „so äusserst wichtigen und notwendigen Konfekte, Syrupe, Konserven, Honige und Zucker" nur Jenen gestattet, „die sich durch Zurücklegung von vier Lehrjahren, und Anfertigung eines Meisterstückes, die Fähigkeit hierzu nachweislich erworben haben" (Leber 94 und 307; Phillippe 168). La-Bruyere Champier, der Leibarzt König Franz I. (1515—1547) erwähnt in seinem Werke „De re cibaria" (Lyon 1560), dass schon seit langer Zeit der meiste Zucker Frankreichs aus Madeira und Kanaria käme, und dass man auch verzuckerte und in Zucker eingemachte Früchte fast ausschliesslich von dorther beziehe, weil Früchte wie Zucker auf diesen Inseln im Überflüsse, und unglaublich billig zu haben seien (Le Grand d'Aussy II, 200). „Unsere Sitten," sagt er, „sind derartige geworden, dass Zucker unentbehrlich ist, weil z. B. Leute von feiner Lebensart nichts verzehren, was nicht mit Zuckerpulver bestreut ist" (ebd. II, 244). Er beschreibt süsse Speisen aller Art, verzuckerte Torten mit farbigen Früchten verziert, die von einem Kardinal erfundenen mit Hippokras begossenen Mispeltorten, verzuckerte Früchte, in Rum, Wein und Rosenwasser eingemacht, Liköre aus Erdbeer-, Kirsch-, Himbeer- und Stachelbeersaft, Erdbeeren mit Rosen und Zucker, süsse Kuchen, darunter den berühmten „Fanaid", sowie Creme, Gelees, Blancmangers, Zuckerpasteten, und den beliebten „neige en romarin"; auch gebackene Rosmarinzweige mit Zucker, sowie kandierter Rosmarin wurden verzehrt, und spielten bei der Meisterauf- nahme gewisser Innungen eine wichtige Rolle, deren Ursprung nicht aufgeklärt ist (ebd. II, 178 und 324; III, 105; I, 289; II, 332 ff., 238). • Das herrliche Gedeihen des Zuckerrohres in Madeira und auf den Kanarien veranlasste auch 1549 den Versuch, von dort geholte Sprösslinge in der Provence anzuhauen. Olivier de Serres berichtet darüber in seinem, 1600 verfassten „Theatre d'agriculture" (Paris 1804; II, 410): „Das Zuckerrohr gedieh dort gut, die reifen Rohre hielten sich einige Tage, und konnten, wohlverpackt, nach Paris gesendet werden;'. . . um den Zucker zu gewinnen, schneidet man sie im September dicht über der Erde ab, hackt sie in 4—6 Finger lange Stücke, kocht sie in grossen Kesseln mit Wasser aus, und verdampft dieses dann durch anhaltendes Kochen, wobei der Zucker schliesslich fest wird." Nach Quiqueran (ebd. I, Vorr. 272 Zehnter Abschnitt. 142; II, 515), und Beaujeu (Volz 218) wurden diese Anbauversuche 1551 und auch noch später, mehrfach wiederholt, ergaben aber niemals dauernd das gewünschte Resultat, da das Rohr nur selten reif wurde, und dann nicht zur Fabrikation, häufig selbst kaum zum Genüsse taugte.*) Auch Jakob Sylvius beschreibt im „Medicamentorum sim- plicium delectus" (1562), das Einsieden, Verzuckern und Glacieren der Früchte, das Verzuckern und Kandieren der Gewürze, und die Kunst, den Zucker einzukochen, die verschiedenen Kochgrade stets richtig zu erreichen, und sie durch Fadenprobe, Pustprobe und Tropfenprobe zu erkennen (Le Grand dAussy II, 316 und 330). Li ebaut (um 1570) giebt Anweisung zur Herstellung von Schaumwein mittelst Zuckerzusatzes, und zur Darstellung moussierender, mit Zucker und verschiedenen Spezereien gewürzter Weine (ebd. III, 364). Vom „Massepain" (Marzipan) sagt er, dass man diese kostbare Speise, deren Bereitung Mandeln, Pistazien, Pignolen, Haselnüsse und Rosenzucker erfordere, nur auf den Tischen der Grossen vorfinde (ebd. II, 292); beim Einzüge Heinrich IV. in Paris (1594) überreichte ihm der Stadtrat Marzipan, Konfekt und Hippokras (ebd. II, 313), bei den Hoffesten dieses prachtliebenden Fürsten herrschte, nach Estoile (1596) ein solcher Überfluss an Marzipan, dass den Damen Lakaien und Pagen zur Verfügung gestellt wurden, um ihnen die Süssigkeiten nach Hause zu tragen, und als Maria von Medici 1599 Avignon passierte, liess ihr der König drei Tische überreichen, welche Fische, Wild und Vögel aller Art aus Zucker, 50 Zucker-Statuen von je zwei Palmen Höhe, und 300 Körbe mit Früchten aus Zucker und Marzipan trugen (eb. II, 318). Bei der Ankunft der Elisabeth von Österreich, Gemahlin Karl IX. (1571), wurden „neben unzähligem Zuckerwerk, Marzipan, Konfekt und Bisquit, auch alle möglichen Braten, Fische und Früchte aufgetischt, die sammt den Schüsseln aufs täuschendste, und ganz in den natürlichen Farben, aus Zucker gemacht waren", und beim Festessen trug man „ grosse pyramidenförmige Aufbauten von Zuckerwerk, Marzipan und Früchten, Gebäude, Gärten und Landschaften aus Zucker, sowie das Leben der Minerva, in sechs grossen komplizierten Gruppen, alles ganz aus Zucker gebildet, auf" (ebd. II, 318; III, 290ff.). Thomas d'Endry geisselte in einer Spottschrift auf den Hof halt Heinrich III. (1574—1589) diesen unsinnigen Luxus, den Wunderglauben an die Kraft gewisser zuckerhaltiger *) Trotzdem empfahl noch 1802 Caasigny von neuem den Zuckerrohrbau in der Provence (Beckmann, „Techn.-Ökonom. Bibl." XXII, 531). Der Zucker im Zeitalter der Entdeckungen. 273 Heilmittel, z. B. der berühmten Rochus-Pillen, die aus verzuckertem Wachholder bestanden, sowie den übermässigen Gebrauch der kandierten Gewürze: man fütterte sogar Geflügel mit überzuckertem Anis und Muskat, und Gontier erzählt in seinen „ Exercitationes Hygiasticae", dass die Königin auf solche Weise 1500 Pfund derselben verbrauchte, um die Lebern von drei Gänsen wohlschmeckend zu machen (ebd. I, 349). Die Anfertigung derartiger Konfekte lag, ebenso wie der ganze Zuckerhandel, ausschliesslich in den Händen der Apotheker, über deren ungemessene Preise oft geklagt wird; Heinrich III. setzte 1585 für Zucker und Zuckerwerk eine neue, niedrigere Taxe fest, doch lesen wir trotzdem, dass Heinrich IV. durch Sully „seinem Apotheker 17138 Livres für die während eines Jahres gelieferten Arzneien, Gewürze und Zucker" bezahlen Hess (Francisque-Michel a. a. 0.). „Heutzutage," sagt Salmasius (II, 717), „gebrauchen die Apotheker den Zucker zu ihren Syrupen und Latwergen nicht mehr seiner eigenen medizinischen Kräfte halber, sondern weil er den bitteren Gescbmack anderer Stoffe verdeckt, das Einnehmen derselben erleichtert, und Dinge haltbar und dauerhaft macht, die sonst leicht verderben; überhaupt dient er aber jetzt weniger medizinischen Zwecken, als den Genüssen eines luxuriösen Lebens." Olivier deSerres schildert, „um den Hausfrauen bei Festen und Banketten das Schicken in die nächste Stadt zu ersparen" (II, 658), ausführlich, wie man Zucker auflöst, abschäumt, mit Eiweiss klärt, und zu allen Kochgraden eindickt, wie man Früchte einsiedet oder kandiert (II, 633 ff., 653 ff.), wie man Konfitüren anfertigt, „was eine schwere und lang geheim gehaltene Kunst ist, die aus Spanien und Portugal zu uns kam" (II, 627 ff.), wie man Hippokras mit Zucker, Ingwer, Nelken, Iris, Paradieskörnern, Mandeln, Ambra und Muskat ansetzt (II, 613 ff.), und wie man Pignolat und Marzipane aus Eiweiss, Honig, Zucker, Pignolen und Mandeln, „in Figuren aller Art, zu Wappen und Geschenken" bereitet (II, 658). Er bespricht auch die Einrichtung von Trockenstuben für das Trocknen der zu verzuckernden feinen Früchte, z. B. Zitronen und Orangen, und das Einkochen von Marmeladen und Pasten aus Aprikosen, Pfirsichen, Pflaumen, Nüssen und Quitten, wie solche besonders Heinrich III. liebte (II, 627; Le Grand d'Aussy II, 327). Zu allen diesen Arbeiten soll man stets nur den feinsten weissen Zucker nehmen, „denn Kassonade ist nicht so oft gekocht wie dieser, und nur deshalb billiger, weil beim wiederholten Einkochen zwar die Güte des feinen Zuckers zunimmt, aber sehr auf Kosten der Menge" (II, 635); neben feinem Ijippmann, Geschichte des Zuckers. 18 m m ■ Zehnter Abschnitt. Zucker soll man aber stets auch Kandis und Diapenidion im Hause haben, „denn diese sind die kräftigsten Mittel bei vielen bösen Krankheiten" (II, 689). Unter den Schriftstellern dieser Periode erwähnt den Zucker besonders häufig Eabelais (1483-1553). In „Gargantua" (deutsch von Gelbke, Lpzg. 1880) heisst es im cap. 18 vom Meister Janotus: „er hatte sich den Magen vorsichtigerweise mit Zuckerbrot und gut abgelagertem Weihwasser geschützt"; cap. 30 wird ,Wein mit gebranntem Zucker" als Stärkungsmittel erwähnt, und cap. 59 bringt einen mächtigen Speisezettel, der unter Anderem Zuckerplätzchen, sauren Rahm mit Zucker, Rosencreme, Marzipan, Dragees von hunderterlei Farbe, 78 trockene und feuchte Konfitüren, in Zucker eingemachte Früchte, Marmeladen, zwanzig verschiedene Torten, und dergl. mehr enthält (I, 75 und 291; II, 181). —Aus anderen Schriftstellern dieses Zeitalters führt Littre (a. a. 0.) noch die Stellen an: „Le mal passe, en comparaison du present, n'estoit encore que sucre" (H. Est.); „Politien heust sceu gouter un vocable, s'il neust este en sucre confit" (Bonivard); „une once de sucre rouge et lenitif, des tablettes de sucre rosat, sucre candi, sucre de reglisse, sucre blanc." England empfing während des 16. Jahrhunderts den weitaus grössten Teil seines Zuckers aus Venedig und Lissabon, teils direkt, teils durch Vermittlung Antwerpens, des grossen Sammelplatzes aller für das nördliche Europa bestimmten Güter (Tooke und New- inarch II, 501; Rogers IV, 144); die Zuckerpreise, welche gegen Ende des 15. Jahrhunderts erheblich gefallen waren, stiegen infolge der Zerstörung des ägyptischen Handels und des Aufhörens der dortigen Produktion, von 1515 bis 1540 fast auf das Doppelte, und da die Zufuhren aus Madeira, Mexiko, Domingo und Brasilien erst nach einer längeren Zeit den Ausfall der ägyptischen Erzeugung ausgleichen konnten, so war Zucker fortgesetzt teuer, und sein, immerhin schon beträchtlicher Konsum, machte nur geringe Fortschritte (Rogers IV, 656 und 674ff.). Er blieb indessen bedeutend genug, um zur Errichtung von Raffinerieen in England Anstoss zu geben; nach Stow's, „Survey of London" wurden die beiden ersten im Jahre 1544 durch Cornelius Bussm, Ferd Points, Joh. Gardiner, Will. Chester, und Joh. Mounsie in London erbaut, machten aber, „da sie gegen die Konkurrenz der vielen, besser und billiger arbeitenden Antwerpener Siedereien nicht aufkommen konnten", schlechte Geschäfte. Erst nach dem Falle Antwerpens, und der Zerstörung der Handelsblüte dieser Stadt, nahmen sie raschen Aufschwung, und verdienten in den Der Zucker im Zeitalter der Entdeckungen 275 nächsten zwanzig Jahren so viel Geld, dass gegen 1590 mehrere neue Raffinerieen gegründet wurden; 1596 erbat Sir Thomas Mildway ein Zuckermonopol „um den vielen vorkommenden Fälschungen und Betrügereien vorzubeugen", wurde aber von der Königin Elisabeth abschlägig beschieden (Reed 9 und 10). Verarbeitet wurde hauptsächlich portugiesischer Rohzucker, 1563 aber kam auch schon amerikanischer nach London, dessen Zuckermarkt jedoch zu dieser Zeit noch keine grössere Bedeutung hatte (Reed 8); diese gewann er erst infolge der ausserordentlichen Entwicklung des englischen Handels gegen Ende des 16. Jahrhunderts. Während noch gegen 1500 die Londoner Kaufmannschaft bloss vier Schiffe von mehr als 120 Tonnen Tragkraft besass (Götz 541), und sich so ausschliesslich auf den kleinen Zwischenhandel beschränkte, dass z. B. die Navigationsakte Heinrich VIII. (1509—1547) noch keine Andeutung über irgend ein Produkt der neuen Welt enthalten (Rogers IV, 145), waren 1582 schon 153, 1600 über 400 Kauffahrer vorhanden, und mit der ersten Fahrt Stephens von England nach Ostindien (1583), begann der überseeische Handel des Königreiches greifbare Gestalt anzunehmen (Mac-Culloch a. a. O. II, 391; Rogers IV, 153). Der Zuckerverbrauch Englands im 16. Jahrhunderte wird schon als ein relativ beträchtlicher bezeichnet, obwohl irgend verlässliche Zahlen zur Beurteilung desselben natürlich nicht vorliegen (Moseley a. a. O.). Zucker werk, Gelees, Marmeladen, kandierte Zitronen, Orangen und Ingwer, sowie Schlösser, Schiffe und Figuren ans Zucker, galten bei jeder feineren Mahlzeit als unentbehrlich (Volz 473 ff.), ebenso gezuckerte Würzweine, und Bier mit Zucker, Spezereien und Zimmt versetzt (Le Grand d'Aussy II, 357). Ein Kirchenfest in London, 1516, erforderte 1 Pfund, der Leichenschmaus beim Begräbnisse des Lord-Mayor (1531) zwei Pfund Zucker, und die Bücher der „Stationers-Company" sowie das „Chronikon pretiosum", weisen zu ähnlichen Zwecken 1554, 1558, und 1588, je 18, 16 und 10 Pfund Zucker aus (Reed 143f£). Gegen Ende des Jahrhundertes mehren sich die Klagen über den unmässigen Bedarf an fremden Weinen, kostbaren Gewürzen, .Spezereien und Zucker, so dass Macpherson eine aufklärende Schrift verfasste, in welcher er den steigenden Konsum dieser Waaren als natürliche Folge des durch den blühenden auswärtigen Handel wachsenden Wohlstandes hinzustellen suchte (Tooke und Newmarch II, 502). Camden tadelt in seiner „Geschichte der Königin Elisabeth" den übergrossen Luxus des königlichen Haushaltes, und die Verschwendung bei Festen und Gastmählern 18* 276 Zehnter Abschnitt. ■ (ebd. II, 502). Insbesondere war die Königin selbst eine grosse Freundin von Konfekt und Süssigkeiten; „ihre Vorliebe für die klassische Bildung zeigte sie selbst darin, dass sie die Kuchen- und Pastetenbäcker die Gestalten Ovids und Virgils darstellen hiess: auf der Tafel paradierten plastische Zuckerarbeiten mit Reliefs aus Ovid's Metamorphosen, und den beliebten Plumcake schmückte eine in Zucker gegossene Darstellung der Zerstörung Trojas" (Ulrici, „Shakespeares Werke", Berl. 1876; I. Vorr. 26). Paul Henfzner, der 1598 einer Audienz bei der Königin in Green- wich beiwohnte, schreibt: „ihre Zähne sind schwarz, ein Fehler, an dem viele Engländer zu leiden scheinen, weil sie zu viel Zucker essen" (Wolff, „Shakespeare", Lpzg. 1849, Vorr. 8). Für die schon allgemeine Anwendung des Zuckers, liefert auch dessen häufige Erwähnung bei Shakespeare Beweis, um so mehr als derselbe vielfach, und zwar auch in historischen Stücken, unbedenklich die Sitten seiner eigenen Zeit schildert. Wenn also z. B. im „Wintermärchen" (IV, 2) der junge Schäfer „7 Pfund Korinthen, 3 Pfund Zucker, Reis, Safran zum Färben der Apfeltorten, Muskat blute, Datteln, Muskatnüsse, 7 Stangen Ingwer, 4 Pfund Pflaumen, und 4 Pfund Traubenrosinen" zum Schafschur- feste holen soll, so werden wir annehmen dürfen, dass solche Genüsse auch bei den ländlichen Festen dieser Zeit keine Seltenheit mehr waren. Der „Sugarsop" in der „Zähmung der Widerspenstigen" (IV, 1), — nach Ulrici VII, 127 der Name einer Fastenspeise, — „der Wein und Zucker von den besten allerschönsten Sorten" in den „Lustigen Weibern von Windsor" (II, 2), das „Pfennigs- dütchen voll Zucker" und der „Zuckerkandi für einen armseligen Pfennig, dir die Kehle geschmeidig zu machen" in „Heinrich IV." (1. Teil II, 4; III, 3), sind sicherlich ebenso aus dem Leben gegriffen, wie Falstaffs berühmter Ausspruch: „Wenn Sekt und Zucker ein Fehler ist, so helfe Gott den Lasterhaften" (ebd. II, 4). Aber auch in übertragener Bedeutung begegnen wir dem Zucker bei Shakespeare sehr häufig: der junge Heinrich wird „mein bester Zuckerprinz", Falstaff „Sir John Zuckersekt" und „zuckergebackenes Weihnachtsschweinchen" angeredet („Heinrich IV., 1. Teil I, 2; 2. Teil II, 4), von Paris heisst es „ein wahrer Zuckermann!" („Romeo und Julie" I, 3), von Claudio „ein schöner Graf, ein Zuckergraf" („Viel Lärm um Nichts" IV, 2). In „Heinrich VI." (2. Teil III, 2) sagt der König: „Birg nicht dein Gift in solchen Zuckerworten"; in „Heinrich IV." (1. Teil I, 3) Percy: „Ei, welch ein Haufen Zuckerartigkeit!"; in „Richardll." (II, 4) North- umberland: „Doch Euer schön Gespräch, es macht' wie Zucker, . Der Zucker im Zeitalter der Entdeckungen. 277 Den schweren Weg süss und vergnüglich mir", und in „Richard III." (I, 3) Margaretha: „Gemalte Königin, Scheinbild meines Glückes, Was streust du Zucker auf die bauch'ge Spinne, Die dich mit tödt- lichem Geweb' umstrickt?" In „Othello" (I, 3) heisst es: „Derlei Sentenzen, Zucker oder Galle, Zu beidem tauglich, sind zweideutig alle", in „Wie es Euch gefällt" (III, 3): „Ehrbarkeit mit Schönheit gepaart, ist wie eine Honigbrühe über Zucker", und in „Liebes Leid und Lust" (V, 1) antwortet die Prinzessin auf Byrons Anrede „Weisshändig Kind, ein süsses Wort mit dir!": „Milch, Honig, Zucker, — eins dazu macht vier". Auch in den Sonetten Shake- speare's, — Meres preist sie (1598) als die „zuckersüssen" —, sagt der Dichter: „Ich seh' Verdienst zum Bettelstab geboren, Und lumpig Nichts gepappt mit Zuckerbrot" (Übers, von Gelbcke, Hildb. 1867, No. 86). Ähnliche Stellen finden wir auch bei Shakespeare's Zeitgenossen und nächsten Nachfolgern: in Webster's „Vittoria Corombona" ruft Brachiano aus: „0 eure Worte! Von aussen Zuckerwerk und Arzenei, Doch innen Pest und Gift" („Altenglisches Theater", deutsch von Prölss I, 328); in Massinger's „Grossherzog von Florenz" (ebd. II, 167) schilt Calandrino: „Dass hier bei Hofe selbst der Ehrlichste, Der Monde einen oder zweie nur Mit Zuckerwerk und höfsehen Leckereien Gefüttert, unverzüglich wird zum Schelmen", und in John Pord's „Perkin Warbek" (ebd. II, 93) schildert Skelton England als das Land, „wo man sich in einer einzigen Woche ganz voll essen kann an heissen Broten mit Butter, nebst einem frischen Trank Muskateller, und Zucker zum Frühstück, — selbst wenn man den ganzen Monat nichts weiter zu schmausen bekäme". Wie in England, so wurden auch in Deutschland im 16. Jahrhunderte Zucker-Raffinerieen errichtet, eine der Ersten, wenn nicht die Erste, in Augsburg: „Mit einer Zuckersiederei ist im Jahre 1573 ein Versuch gemacht worden; Leonhard Roth, ein reicher Geschlechter, Hess den rohen Mascovadezucker über Lissabon hierher kommen, und läuterte ihn in seinem Garten an der Stadtmauer, bei der sog. Sackpfeife; anfangs soll es mit Nutzen geschehen sein, jedoch ging die Fabrik bald wieder ein, vermutlich wegen der hier so grossen Kostspieligkeit des Holzes, davon ein grosser Vorrat zu einem solchen Wesen unentbehrlich ist" (v. Stetten 248). Falke führt an (Otto a. a. 0. I, 119ff.), dass Konrad Roth, derselbe, der vom König Sebastian von Portugal die ganze indische Pfefferernte um jährlich 1300000 Scudi kaufte, um ein Monopol darin zu haben, 1580 vor dem Frauenthor in II 278 Zehnter Abschnitt. Augsburg eine Zuckerfabrik anlegte, „um hier das aus Indien herbeigeholte Zuckerrohr zu verarbeiten"; ob es sich hierbei (abgesehen von dem sichtlich auf einem Missverständnisse beruhenden Schlusssatze), um eine andere Version des von Stetten erzählten Vorfalles, oder wirklich um ein anderes Unternehmen handelt, lässt sich, da Falke seine Quelle nicht angiebt, nicht beurteilen. Im Jahre 1597 wurde auch in Dresden eine Raffinerie errichtet (Poppe, „Geschichte der Technologie", Göttingen 1811, 148ff.), und aus einer Stelle in Conrad Khunrath's „Medulla destillatoria et medica" (Hamburg 1605; 287) geht hervor, dass gegen Ende des 16. Jahrhunderts auch in Hamburg, Nürnberg, und mehreren anderen Städten Deutschlands Zuckersiedereien bestanden, welche vermutlich nach dem Falle Antwerpens, von vertriebenen oder ausgewanderten .Niederländern eingerichtet wurden. In Nürnberg, dessen Reichtum und Wohlstand so gross war, dass z. B. 1592, zum Schiessfeste, 5500 gewaffnete Handwerker in zehn Fähnlein ausrücken konnten (Roth III, 163), trieb man mit Zucker und Honig ganz besonderen Luxus; bei den Vornehmen gehörte es z. B. zur guten Sitte, Dosen mit Zuckerwerk und kandierten Gewürzen bei sich zu führen, und sich dieses gegenseitig anzubieten, und die Polizei Verordnungen von 1531 und 1548 regeln den Verkauf solcher Waaren auf das genaueste, und verbieten es strenge, Zucker und Gewürze „mit frembder Materie gemischt", d. h. verfälscht, an die Käufer auszubieten (Volz 311). Die Leb- küchner waren zu Nürnberg eine der ältesten Zünfte, und ihre Lebzelten und Pfefferkuchen schon frühzeitig so berühmt, dass sie selbst zur Leistung städtischer Abgaben dienten, wie denn z. B. noch 1790 unter den althergebrachten Geschenken, welche die Nürnberger jährlich in Brüssel für Gewährung der Zollfreiheit überreichen rnussten, auch die üblichen Lebkuchen genannt werden (Roth II, 333; IV, 13); um den Ruf derselben dauernd zu erhalten, war eine städtische „Honig- und Syrup-Schau" eingerichtet, welche gegen eine Vergütung von 4—10 Kreuzern pro Fass, den Honig- und Zucker-Syrup auf seine Frische und Unverfälschtheit prüfte, und ihn den Lebküchnern zumass (ebd. IV, 216).*) Auch Zuckerwaaren aller Art wurden in Nürnberg erzeugt, und weithin verschickt; schon im 14. Jahrhunderte sind „Zuckerbäcker" nach- *) Schon nach Euprecht von Freysing's „Stadt- und Landrechta- buch" büssto der Honigfälscher mit 65 Pfund Pfennigen, oder verlor eine Hand (Bessler 98). — Die Verfälschung des „Konfektzuckers" mit Reis-, Weizen-Mehl, u. dgl., wurde in späterer Zeit mit einor Strafe von 20 Gulden belegt (Peters TI, 118). '■ Der Zucker im Zeitalter der Entdeckungen. 279 weisbar, welche jedoch nur Zuckerwerk zum Genüsse, nicht zu Arzneizwecken bereiten durften. Dass sie dies trotzdem thaten, und „allerlei Konfekta, Säfte, Eingemachtes und Latwergen" verkauften, war ein Gegenstand häufiger Beschwerden seitens der Apotheker, und der Rat sah sich wiederholt veranlasst, den „ Zuckermachern und alten Weibern", „den Materialisten, Krämern, Zuckerbäckern, Witfrauen, Säft'-Siederinnen und Wasser-Brennerinnen" diesen Erwerbszweig zu verbieten „als nur denen Apothekern zukommend" (Peters I, 36; II, 13, 226, 233). „Honig und Zucker", sagt Ryff in seinem „Konfektbuch und Hausapothek" (Strassburg 1548), „ist der Apotheker fürnehmste Waar', dann er zu allen Latwergen, Konfekten, Konserven, Einbeitzung, Einmachung, Syrop, Julep, und anderen köstlichen Getränken, und was sonst solcher köstlicher apothekischer Bereitung, fürnehmlich gebraucht wird. Zucker ist in solchen Ruf und gemeinen Gebrauch kommen, dass er nicht allein in der Apotheken zu der Arznei geblieben, sondern auch den Köchen in die Küchen geraten ist, und gar nahe zu aller Kost und fremden Getränk, weil dem Geschmack zu hofieren schleckerhaftig bereit, vermischt und gebraucht wird, also dass auch ein besonder Sprichwort daraus erwachsen: Zucker verderbt keine Speis" (Peters I, 30; II, 12). Der Verkauf von Zucker und Zucker-Präparaten, sowie überhaupt von Kolonialwaaren, war daher in der That für die Apotheker eine grosse Einnahmequelle, besonders seit im 15. und 16. Jahrhundert der Preis aller dieser Waaren billiger geworden, und der Handel Nürnbergs zu so hoher Blüte gediehen war (ebd. I, 36; II, 13). Dass es sich um 1558 auch schon lohnend erwies, weissen Zucker, der aus Madeira über Lissabon nach Antwerpen gekommen war, von dort über Nürnberg nach Venedig zu transportieren, zeigen die Angaben im „Handelsbuche" des Meder (S. 10), und diese merkwürdige Thatsache ist um so interessanter, als zu dieser Zeit auch der Zuckerversandt von Venedig nach Deutschland noch ein sehr lebhafter war (Pasi 190). Zucker war zu Anfang des 16. Jahrhunderts immer noch ein sehr teurer Artikel. Bei der Hochzeit Ulrichs von Württemberg 1511, entschieden sich z. B. die Stände, nach längerer Beratung, statt Zucker 35 Pfund Süssholz anzuschaffen; 1540 waren aber Konfekte, Latwergen und süsse gewürzte Weine in Württemberg schon allgemein üblich, im Kloster Blaubeuren werden gezuckerte Speisen und Zuckerfladen erwähnt, und bei der Vermählung des Herzogs Ludwig (1575) wurden Zuckerwerk, Marzipan, gebrannter Zucker und verzuckerte Früchte aufgetischt (Volz 475, 315), worüber Nicolaus Frischlin berichtet: i! ..In silbernen, vergüldt'en Schalen, „Darin brachte man dazumalen „Die edle Zimmtrinden wert, „Enis und Fenchel überzuckert, ,,Cardamom und Zuckerraandel „Benedikt von Zuckerkandel." Der Leiclienschmaus beim Tode Herzog Albrecht IV. von Bayern (1509) bestand immer abwechselnd aus zwei Gerichten für den Gaumen, und einem „religiösen Schaugerichte", wobei den Letzteren, „um sie für die Gäste anziehender zu machen, Gebäcke von Zucker und Mandeln beigegeben wurden." Bei einem Gastmahle des Kurfürsten Johann von Sachsen am Reichstage in Speier (1526), verzehrte man „eingemachte Birnen in Zucker, ein Martzepan von Zucker, Mandeln und Rosenwasser, und ein Zaun von Zucker rings darumb gemacht, mit des gnädigsten Herrn Wappen aus Martzepan und fürguldet" (Volz 311). In Lübeck verrechnet die aus Lüneburg zum Hansatage gesandte Deputation 1540 auch zwei Pfund Zucker (Sartorius III, 573); in Mergentheim verbrauchte man 1546, als Kaiser Ferdinand dort übernachtete, 27 Pfund Zucker (Volz 217); von der Prinzessin Anna von Sachsen, die sich 1561 mit Wilhelm von Oranien vermählte, wird berichtet, „dass zwei Mass Wein sammbt einem Pfund Zugkers bei sich zu nehmen, ihr niemals nit zu viel war" (Scherr, „Geschichte der deutschen Frauenwelt", Lpzg. 1879; II, 50), und bei dem grossen Ritterfeste in Stuttgart 1600, war nach Oetinger's Beschreibung zu sehen (Volz 315): „Überzogen Fenchel und Mandel, „Anis, Cardamom und Zuckerkandel, „Rosinlein, Feigen und Zibeben, „Koriander auch daneben, „Gut eingemachte Zitronen, „Pomeranzen und Limonen; „Desgleichen war zu finden „Wohlriechende Zimmtrinden „Und sonst manche kräftige Pracht, „Aus Spezorei und Zucker gemacht." Bei der Hochzeit des Herzogs Johann Wilhelm III. von Jülich mit Jakobäa von Baden, 1585, gab es in Düsseldorf ein grosses Festessen*), dessen Schluss „eine Kollation von Zucker werk bildete, *) Von diesem Festessen, welches der berühmte Zuckerbäcker Hans Schneider aus Nürnberg zubereitet haben soll, ist ein schöner Kupferstich erhalten, welcher die Festgäste in stark verkleinertem Maasstabo darstellt, vermutlich um die Kostbarkeiten der Tafel zu desto besserer Geltung zu bringen. / Der Zucker im Zeitalter der Entdeckungen. 281 in Gestalt eines Gartens mit Felsen, Bäumen, Flüssen, Wasserfällen, Burgen, und allerlei Tieren, als wovon zu gutem Ende jeglicher Gast ein Stück durfte abbrechen" (Schreckenstein, „Zeitschrift für Kulturgeschichte" 1859, 314). Ausführliche Anleitung zur Anfertigung solcher Schaustücke und „aller Künste mit grossem Aufwand von Zucker, Konfekt und Gewürz vor Hoffestlichkeiten" giebt das Kochbuch des kurfürstlich mainzischen Mundkoches Marx Rumpolt (Frankfurt 1581); süsse Speisen zählt er 46 auf, darunter Kuchen und Hohlhippen für die bürgerliche Küche, und Marzipan, Mandelkäse, Spieskuchen, Apfeltorte und dergl. mehr, für die Tafel der Vornehmen (Klemm IX, 88). Auch das 1570 verfasste Kochbuch der Philippine Welser enthält zahlreiche Süssigkeiten, und ein um 1580 in Nürnberg erschienenes Kochbuch umfasst sogar über hundert Rezepte „von guten Marzipanen, Zuckerhobliglein, Zuckerzelten und Zuckerbrot zur Herzkräftigung, allerlei süssen Zuckertorten, überzuckerten Gewürzen, und gutem Backwerk". Hans von Schweinichen's „Eigene Lebensbeschreibung 1 ' (ed. Wolzogen, Lpzg. 1885), eines der für die deutsche Kulturgeschichte des 16. Jahrhunderts wichtigsten und merkwürdigsten Werke, spricht sehr oft von Zucker. In Liegnitz 1574, heisst es: „Die Jungfrau war mir auch nicht gram, und ass gerne Zucker, weshalb ich ihr zu unterschiedlichen malen dessen zu ein oder zwei Thaler kaufte" (S. 41); Konfekt und süsser Wein wird häufig aufgetragen (ebd. 133), und um Gespenster zu verjagen, „setzt man ihnen Milch oder Bier, mit Honig und Zucker auf, — das trinken sie, und gehen" (ebd. 138). In Wolgast traf Schwei- nichen 1578 ein Schiff aus Lissabon, das für 80000 Thaler Weine, Gewürze, Zucker und Kostbarkeiten an Bord hatte (ebd. 182), in Augsburg schildert er die verschwenderische Pracht der Fugger (ebd. 73), und zu Krumau in Böhmen macht er 1579 bei den Rosenbergen, einem der vornehmsten Adelsgeschlechter, eine Hochzeit mit, die 100 000 Thaler kostete, darunter allein 12 745 Thaler für Gewürz, Marzipan und Konfekt (ebd. 157). Bei solchen Hochzeiten spielte der sogenannte „Brautzucker" eine grosse Rolle; er wurde den Besuchern und Gästen vorgesetzt, und bildete bei der Feier selbst den Beschluss: „darauf ist bald die Überantwortung der Braut geschehen, und hernach der Zucker vorgetragen gefolget" berichtet Schweinichen. Bei armen Leuten vertrat die Stelle des Brautzuckers eine Honigsuppe (Sanders, „Deutsches Wörterbuch" III, 1786; Grimm, „Wörterbuch" IV, 1792). Die Apotheker führten im 16. Jahrhunderte eine ganze Reihe 282 Zehnter Abschnitt. von Zuckersorten, denen die verschiedensten medizinischen Wirkungen zugeschrieben wurden. Die Braunschweiger Ratsapotheke hatte z. B., schon bald nach 1500, Hut-, Mehl-, Kandis-, und Penid - Zucker , ferner „ Sal indum" (einen grobkrystallinischen Zucker)*), und zahlreiche Syrupe vorrätig (Flückiger, „Pharmazeutische Chemie" 1888; II, 258). In Meissen gab 1518 Herzog Georg von Sachsen der Apotheke ein Privilegium, „für alles was man in Apotheken führt und macht, als Zuckerkand, Hutzucker, Gewürzzucker und Syrupe", weshalb man 1569, als zehn Gewürzkrämer konzessioniert wurden, diesen ausdrücklich verbot: „Konfekte, überzogene Mandeln, zuckerkandierte Sachen, Marzipan, Morsellen, oder weisse und rote Küchlein zu machen, als was alleinig denen Apothekern zusteht" („Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Meissen" 1888, 189). Die, von Adolf Occo 1564 verfasste, erste Augsburger Pharmakopoe, enthält ebenfalls zahlreiche Konserven und Syrupe mit Zucker, verzuckerte Früchte, und an kandierten Samen: Mohn, Kümmel, Anis, Koriander, Fenchel, Eruca, Majoran und Wurmsamen (Phillippe 430); des Valerius Cordus Nürnberger Pharmakopoe von 1546 behandelt in fünf Kapiteln Konfekte, Konserven, Syrupe, Lecksäfte und Küchelchen (Peters I, 139); auch der „Catalogus oder Register aller apothekischer Simplicien und Kompositen" von Frankfurt, 1582, führt eine grosse Reihe gebräuchlicher Zuckersorten an, z. B. Saccharum Canariense, Madeirense, Melitense, Thomasinum, Saccharum candis album, Saccharum candum sive crystallinum, Tabarzeth, Penidium, Saccharum farinaceum, und Saccharum mis- cellaneum, d. i. Mehl- und Abfall-Zucker (Flückiger, „Dokumente"). Dem Penidzucker, der häufig auch „gedrehter Zucker* oder „Saccharum turbinatum" genannt wird, pflegte man Stärkemehl und Mandelöl, wohl auch, um ihn dauernd amorph zu bewahren, etwas Weinstein zuzusetzen; er diente als Spezifikum gegen Halskrankheiten, und wurde bis ins 18. Jahrhundert hinein, von allen Apothekern bereitet und geführt. Auf ihn bezieht sich auch jedenfalls eine Stelle im 40. Briefe der „Epistolae virorum obscurorum", — jenes 1515 unter Ulrich v. Hutten's, und namentlich unter des Crotus Rubianus Mitwirkung verfassten satirischen Werkes, welches durch die Verspottung der scholastisch-theologischen Sippschaft, mit ihrer Unwissenheit, ihrem gelehrten Unsinn, und ihrer Sittenlosigkeit, „europäischen Erfolg und welthistorische Bedeutung *) Dieser Name findet sich auch 1536 in Brunfels, „Reformatio der Apotheken", und noch 1700 in der Wolfenbüttler Arzneitaxe (Flückiger, „Dokumente"). Der Zucker im Zeitalter der Entdeckungen. 283 erlangte" (Scherer, „Litg." 273) —: »Gegen Husten esset Zucker und zerstossene Erbsen, mit zerriebenem Quendel und Knoblauch gemischt." Die Schriftsteller dieses Zeitalters führen den Zucker sehr häufig an: bei Luther (1483—1546) heisst es: »also wird der Tag nicht schrecklich, sondern eitel Zucker werden" (Sanders „Wörterbuch" III, 1786). Murner (1475—1536) sagt im »Grossen lutherischen Narren" (ed. Scheible, Stuttg. 1847; II, 133und 136): „Kein Honig ist so süss auf Erden, „Er mag kein Zuckor nimmer werden.'' „Er macht den Bundschuh so voll Schmeer „Ms ob er lauter Zucker war'." Bei Hans Sachs (1495—1576) finden wir in der Beschreibung des Lustgartens im „Lobspruch der Stadt Nürnberg" von 1530 („Ausgewählte poetische Werke", ed. Pannier; Lpzg. 1879, 95) die Stelle: „Granat, Muskat und Pomeranzen „Und was Menschenhand mag pflanzen, „Zuckerrohr und Cyperreben „Waren im Ring im Garten daneben." und in der „ Eigentlichen Beschreibung aller Stand' auf Erden" (1568, mit Holzschnitten von Jost Amman) heisst es vom Apotheker: „loh hab in meiner Apotecken „Viel Matory, die lieblich schmecken; „Zucker mit Würzen ich konfizior', „Mach auch Purgatzon und Iüystier, „Und zu stärken den Kranken und Schwachen „Kann ich mancherlei Labung machen."*) 1589), der kühne und originelle Sprachbildner, »Geschichtklitterung • und „Aller Praktik Grossmutter" (ed. Scheible, Stuttg. 1847): „Ein Arzt muss mit Salben und Kräutern, Tränken und Gewürz wohl ausgerüstet sein" (I, 13); „Ihr feine verzuckerte Gallen und Pillulen, Ihr Zucker-Papa- goj" (I, 17); „das ist überzuckerter spanischer Pfeffer anstatt Zuckererbsen" (I, 22); „alle Zucker-Erbsenhagel!" (I, 168); „mein verzuckerter Wurmsamen, mein Zucker feiglein!" (I, 237 und 239); „Jungfrau'n von falschen Sinnen, Gleichen Zuckerlad' voll Spinnen" (I, 161); „stosset doch aus Steinen Zucker!" (I, 234); „Ihr Pulve- *) Eine Kopie der Am man'sehen Zeichnung eines Apothekerladens, mit vielen Standgelassen und verschiedenen Hüten Zuckor, s. bei Peters (I, 30). Fischart (gest. sagt in seiner risten, ihr Zuckeristen, ihr verzuckerten Honigmäuler!" (I, 350); „Ihr Syrupmännlein! mit Arzeney, Zuckerey und Zauberey, Tötet ihr die Leut' ohne Scheu" (I, 659); „Dies ist die Königin Zenobia mit weiss orientalisch Perlenzähnlein, — denn viel Zucker hat sie nicht gessen" (I, 130); „Der hat ein englisch Zuckermaul!" (I, 421); .,Für Englisch-Mann gehört sich kein Rebensaft, dieweil die Schleckmäuler ihn mit Zuckersalz verkünsteln" (I, 651); „Zucker wie in Palermo, wie auf der Zuckerinsul Kanarien" (I, 400 und 653); „Zuckerkandel durch einen Trichter eingeben" (I, 638); „Gummi unter Zuckerkandel thun" (= fälschen); „Einen mit Steckenzucker (= Schlägen) traktieren" (I, 638). Im „Podagrammatisch Trostbüchlein" findet sich noch: „Arabia, da vollauf Zucker ist" (ebd. II, 665), und „Zuckermüslein, köstlich Geschleck, und fremd Konfekt" (II, 720); in „Flöhhatz, Weibertratz": „Dein Speis' mit Zucker ist besprengt, Doch mit Gefahr auch sehr vermengt" (II, 830); im „Lob der Landlust": „Man mischt kein Zucker in sein' Käs', Macht sich sein Brot mit Salz g'nug ras" (II, 1042). In wissenschaftlicher Hinsicht ist die Abkehr von der Alleinherrschaft der arabischen und arabistischen Lehren, und die Bekämpfung der scholastischen Methode der Araber die Signatur des 16. Jahrhunderts, und Streiter aus aller Herren Länder, und von verschiedenster Geistesrichtung, nehmen an diesen Kampfe teil. Unter denjenigen Forschern, welche zunächst bemüht waren, die Irrtümer aufzudecken, in welche die Araber betreff der Schriften zahlreicher antiker Autoren verfallen waren, und die sich, auf blinden Autoritätsglauben gestützt, von Jahrhundert zu Jahrhundert fortgepflanzt hatten, sind vor allem zu nennen: Hermolaos Bar- baros (1454—1493), der Übersetzer des Dioskorides (Meyer, „Bot." IV, 221), Manardus von Ferrara (1462—1536), der Kommentator des Dioskorides und grosse Feind der arabischen Ärzte, welche er, „sammt Avicenna, dem argen Zusammenstoppler, der die Wissenschaft um nichts bereichert hat", „medici ex commen- tario", d. h. „aus Büchern, aber nicht durch die Praxis belehrte Ärzte" schilt (ebd. IV, 236; Sprengel III, 41), und Johannes Ruellius aus Soissons (1474—1537), Übersetzer und Erklärer des Dioskorides, und Verfasser des Werkes „De natura stirpium", der ersten vollständigen Naturgeschichte der Pflanzen seit der Zeit des Theophrast (Meyer, „Bot." IV, 250). Als erbitterte Bekämpf'er der arabistischen Medizin, ihrer Mittel, besonders der Syrupe, und ihrer Grundtheorie, der Lehre von den „Kochungen", treten auf: Pierre Brissot aus Paris (1478—1522), Miguel Serveto aus Aragon (1509—1553), der ein ausführliches Werk gegen Der Zucker im Zeitalter der Entdeckungen. 285 die Syrupe schrieb, sich als Freidenker die Feindschaft der Kirche zuzog, und zuletzt als Ketzer verbrannt wurde (Haeser II, 63 und 66; Sprengel III, 167), Amatus Lusitanus von Ferrara, welcher die unbedingte Rückkehr zu den antiken Originalwerken empfahl, Johannes Argentier aus Neapel, der scharfe Kritiker des galenistischen Systems, und Lorenz Joubert von Montpellier, welcher den Gebrauch der Syrupe zwar ebenfalls verwirft, Zucker und Süssigkeiten jedoch für unschädlich erklärt. Von grösstem Einflüsse war die Thätigkeit des Theophrastus Paracelsus aus Einsiedeln (1493 —1540), der in Basel zuerst medizinische Vorlesungen in deutscher Sprache hielt und sie mit der Verbrennung von Avicenna's Werken eröffnete, den Arzneischatz durch zahlreiche wichtige Präparate bereicherte, und dadurch Ärzte und Apotheker zwang, sich die zu deren Bereitung nötigen chemischen Kenntnisse zu erwerben, der es zuerst versuchte, die eigentlich wirksamen Bestandteile der Pflanzen (deren „Quintessenz") auszuziehen, und der durch seine völlige Verwerfung der arabischen Grundlehren, auch in theoretischer Beziehung nachhaltige Reformen anbahnte (Meyer, „Bot." IV, 426; Haeser II, 72); nach seiner eigenen Lehre enthalten alle Körper drei Grundstoffe: Sulphur (Schwefel), den brennbaren, durch das Feuer veränderlichen Bestandteil, Mercurius (Quecksilber), das Prinzip des Flüchtigseins ohne Veränderung beim Erhitzen, und Sal (Salz), das Prinzip des Stetig- und Feuerbeständigseins (Kopp, „Alchemie" I; 35); unter Hinzunahme der beiden Stoffe Wasser und Erde, die sich zuerst bei Willis (1621—1675) vorfinden, hat sich dieses System des Paracelsus bis ins 18. Jahrhundert in fast allgemeiner Anerkennung erhalten (Kopp, „Beitr." III, 182ff.). Leonhard Fuchs aus Zweibrücken (1501—1556), der Verfasser eines m;t über 500 guten Holzschnitten verzierten „New Kräuterbuch", bekämpfte gleichfalls die arabischen Irrtümer betreff des Dioskorides, verlangt die Rückkehr zu den griechischen Ärzten, die Avicenna ohne Verständnis ausgeschrieben habe, und nennt die Araber unzurechnungsfähige Nachbeter, ihre Lehre von den „Kochungen" Thorheit und Unsinn, und ihre Syrupe und Konfekte unnütz und verwerflich (Meyer, „Bot." IV, 309; Sprengel III, 45 und 151). Hieronymus Cardanus aus Pavia (1501— 1576), dessen Werk „De plantis", trotz seines gesunden Grundsatzes: „man soll die Pflanzen in der Natur beobachten und nicht im Dioskorides", ein buntes Gemisch von richtig erkannten Wahrheiten und wunderbaren abergläubischen Vorstellungen ist, verwarf zwar auch das arabische System, empfahl aber den Ge- Zehnter Abschnitt. ■ f.- ■ brauch der Syrupe und des Rosenzuckers, die er an sich selbst bewährt gefunden hatte (Meyer IV, 414; Sprengel III, 374), und geriet dadurch in hartnäckige Streitigkeiten mit seinem gelehrten Gegner J. C. Seal ig er in Paris („Exercitationes adversus Cardanum" 1657). Der aufgeklärte Baptista Porta in Neapel (1540—1615), der grosse Physiker und Begründer der neueren Optik, der abgesagte Feind der alchemistischen Goldmacher, „die insgesammt Betrüger sind", nahm sich indessen des Zuckers gleichfalls an, und erklärte ihn für unschädlich, ja für heilsam; in „Phytognomica" (lib. 5 cap. 1) sagt er: „Zucker, aus Zuckerrohr dargestellt, ist nicht nur selbst unveränderlich, sondern erhält auch andere Dinge so; er bewahrt Wunden vor Fäulnis, so dass selbst die schlimmsten durch ihn allein geheilt werden können, und schützt Speisen und Getränke vor der Gährung im Magen, wodurch er wohlthätig wirkt und das Leben verlängert" (Moseley, a. a. 0.). Van Helmont (1578—1644), der grosse Iatrochemiker, der erste Untersucher der verschiedenen Luftarten, und Erfinder des Namens „Gase" für dieselben, ein sonst besonnener und ruhiger Forscher, ist, als Feind der arabischen Heilmittel und Syrupe, auch ein solcher des Zuckers (Haeser II, 356 und 361); im „Pharma- copolium ac dispensatorium modernum" erklärt er ihn für verwerflich und schädlich, da er ein alkalisches Salz enthalte, welches die saure Reaktion des Magens zerstöre, grosse Gährungen veranlasse, dabei leicht in Galle übergehe, und das Blut verderbe (Hoffmann-Maederjan, „Dissertatio de saccharo", Halle 1701). Libavius aus Halle (1560—1616) beschreibt in seiner „Al- chemie" den Zucker ausführlich, empfiehlt zu seiner Reindarstellung Madeirazucker mit Eiweiss zn klären, und giebt eine Anweisung zur Erzeugung von Kandiszucker: „Löse zwanzig Pfund Zucker in heissem Wasser, koche ein, giesse in ein viereckiges, in Abteilungen geteiltes Gefäss, und stecke, je drei Finger voneinander, Stäbchen aus Fichten- oder Tannenholz hinein, dann schiesst der Zucker an diese an, nach Art der Krystalle" (Hoefer II, 29). Genaue Versuche über die Krystallisation des Zuckers stellte Bernard Pa- lissy an (1499—1589), der grosse Chemiker und Technologe, Mitschöpfer und Verteidiger der experimentellen Methode (ebd. II, 67 und 80); veranlasst wurde er zu denselben durch seine Theorie, dass die Salze (zu denen er auch den Zucker zählt), Hauptbestandteile der Pflanzen seien, ihnen deshalb im Dünger wiedergegeben, und behufs besserer Erkenntnis dieser Verhältnisse, einzeln näher erforscht werden müssten (ebd. II, 85). Auch Perez de Varga, ein spanischer Technologe, beschäftigte sich mit den Eigenschaften Der Zucker im Zeitalter der Entdeckungen. 287 des Zuckers, und empfiehlt ihn in „De re metallica'' (Madrid 1569) als Bestandteil eines Rezeptes zur Metallvergoldung (ebd. II, 57). Eine Zusammenfassung alles dessen, was sein Zeitalter über Zucker wusste und dachte, findet sich in dem, 1588 verfassten, über 5800 Pflanzenarten an der Hand von etwa 2500 Figuren beschreibenden ,Kräuterbuch" des Tabernämontanus aus Bergzabern, der, getreu dem „New Kreuterbuch" seines Lehrers Hieronymus Bock (1498—1554) die Pflanzen nach ihrer Verwandtschaft zu ordnen versucht, und dem genannten Werke seines Vorgängers auch einen grossen Teil der, sein Buch zierenden Holzschnitte entnahm. Über Zucker und Zuckerrohr spricht sich Tabernämontanus wie folgt aus („Kräuterbuch", Ausgabe von Basel 1731; I, 577 ff.): „Diese Art von Rohr habe ich vor achtzehn Jahren erstmals wachsen gesehen bei dem Herren Adamen Kecken, Apothekern zu Frankfurt am Mayn, in seinem schönen Lustgarten; ein Jahr lang hat er etliche wachsend gehabt, sind ihm aber durch die Winterkälte erfroren und verdorben. Aus Wurzeln und Mark dieses Rohres pflegt man den Zucker danach zu sieden, in lange Hüte zu giessen, und solche danach in grosser Menge mit Schiffen in alle Gewerbstädt' zu führen, wie geschieht in India, Arabia, Ägypten, den Canarien-Insulen, in der Insul Madera, Malta, Cypern, Sizilien und St. Thomae. Jetzunder ist ein gemeiner Gebrauch in allen Ländern Europa, die Speisen damit lieblich zu machen, wie auch die Syrupe, Saft' und Arzeneyen damit zu bereiten." »Des Zuckers hat man sieben Sorten: 1. Saccharum Maderiense, Madeirazucker, der beste aller Zucker, besonders zum Arzneygebrauch, von Natur temperiert, wann und feucht, nicht aber scharf und hitzig. 2. Saccharum Canariense, Canarizucker, das ist der nächstbeste. 3. Saccharum finum oder refinatum, d. i. Feinzucker, auch Saccharum Valentinum, d. i. Valentz- Zucker (weil zu Valentina in Hispanien refiniert und gemacht), wird durch die Kunst so zugerichtet, heisst bei den Apothekern auch Saccharum Tabarzeth; er wird aus Madeira- und Canari-Zucker durch die Kunst gemacht, dass er eine schöne weisse Gestalt eines Marmel oder Alabastersteines bekommt, und an Schöne und Weisse übertrifft er obgemeldete zwei beste Zuckersorten, aber die- weil er, durch die Kunst, mit Kalklaugen also umgericht und versotten wird, überkommt er eine Schärfe, verliert etlicher Maassen an Süssigkeit, wird feurig, hitzig und scharf, macht Durst und trocknet aus, soll deshalb billig zu Arzneygebrauch verworfen werden, und die Apotheker sich hüten, dass sie solchen Zucker zu Täflein gebrauchen und in Arzneyen mischen. Man macht aus 288 Zehnter Abschnitt. diesem Zucker kleine Hüte in blau Papier, und weil die gemeine Kundschaft diesen für den besten hält, giebt es grossen Betrug; man refiniert den schlechten Thomaszucker mit viel Lauge, mischt den weissen Zucker, damit er recht weiss sei, mit viel Stärkemehl, und giesst oder auch stampft in kleine Formen; es wird aber nie recht trocken und gehörig von Härte. 4. Saccharum Maltanum, Melisium oder Melitense, d. i. Malta- oder Melis-Zucker*), ist dem Canarizucker ähnlich, aber grauer, fest und hart, und dient als gemeiner Speiszucker. 5. Saccharum Thomäum oder Thomasinum, bei den Apothekern auch Saccharum rubrum sive Solimennum, ist ein liederlicher Zucker, weich, braun, aber sehr süss. 6. Saccharum miscellaneum, d. i. Farinzucker, Cassaunzucker, das sind Brocken aller Zuckersorten, in Kisten oder Fässer gepackt, dient als Speiszucker und für Syrupe. 7. Mel saccharinum, Zuckerhonig, Syrup, oder Melass, wird bereitet aus dem beim Zuckersieden gesammelten Schaum, ist weich und dünn, wird in Tonnen gebracht und wohlfeil verkauft, wohlfeiler als Honig." „Es ist aber heutigen Tages kein Ding gemeiner und bräuchlicher in grossen Herrenküchen, denn der Zucker, und das nicht allein bei uns Deutschen, sondern auch in allen anderen Nationen; fast alle Speisen und Trachten müssen damit abbereitet werden, denn er macht die scharfen Speisen milder, die sauren lieblich, die versalzenen anmutig, die rauhen groben und herben, gut fein und wohlschmeckend, und ist in Summa ein Dämmer und Meister aller Geschmäcke. In den Apotheken kann man den Zucker noch viel weniger entbehren denn in der Küchen, denn man macht daraus Latwergen, Syrup, Julep, süss Getränk, Ciaret, Hippokras, Konservenzucker, Kanditen, eingemachte Frucht' und Wurzeln, Saft', Konfekt, Täflein, Marzipan, Zeltlein, Biscoct, Zuckerbrodt und dergl. Ja, und was für ein grosser Zucker gehet auf, daraus allerhand Bilder der Tiere, Vögel, Frucht', Fisch' gemacht werden, ja auch Hammels-Büg' und -Schlägel, Tauben, Gans', Antvögel, Hühner, allerlei Fleischwerk, Kalbsfüss' und Kalbsköpf formieret sind, die *) Dies ist die Quelle der noch heute üblichen Bezeichnung „Melis" für weissen Zucker geringerer Qualität; die vielfach vorkommende Behauptung, dieser Name rühre von der ostindischen Insel Meli her (z. B. Rohr-Pre, „Dissertatio de arundine saccharina", Erfurt 1719), ist unbedingt falsch. Eine solche Insel findet sich übrigens in vielen vorzüglichen Kartenwerken gar nicht vor, und steht auch nicht im Namenregister des Andree'schen Atlanten. — Zu erwähnen ist, dass eine sehr geschätzte, auf Malta vorkommende Erde gleichfalls Terra melitensia hiess (Peters II, 140). Auch heisst der „Fungus melitensis" der alten Pharmacie noch jetzt in Süditalien allgemein „Pungo di Malta" (Flückigor). Der Zucker im Zeitalter der Entdeckungen. 289 man künstlich mit ihren Farben zieret und malet, als wenn es dieselbigen natürlich wären. Ja, wie vielerlei Samen und Frucht' werden mit Zucker überzogen, für Bankette, Schlaftrunk' und Gastereien, so dass der abscheuliche Überfluss zu Krankheit, Verderben und Verkürzung unsres Lebens gereicht, und, wohl zu glauben und gewisslich wahr, seit die AVeit gestanden, kein grösserer Überfluss und Luxus gewesen, als eben jetzund." a Schöner weisser Madera- und Canari-Zucker, massig gebraucht, reinigt das Geblüt, stärkt Geist und Leib, besonders Brust, Lunge und Kehle, ist aber schädlich für hitzige und gallsüchtige Leute, denn er verwandelt sich leicht in Galle, auch macht er die Zähne schwarz und fäulig. Als Pulver ist er gut für die Augen, sein Rauch vertreibt den Schnupfen, als Mehl aufgestreut heilt er die Wunden. Mit Milch und Alaun dient er zum Weinklären. Zuckerwasser allein, und nebst Zimmt, Granaten- oder Quittensaft, ist gut für Husten und Fieber. Zuckerwein mit Zimmt stärkt alte Leute, und besonders ein Zuckersyrup mit Rosenwasser, den Arnaldus Villanovanus empfiehlt. Alle diese Kräfte hat in erhöhtem Grade der Zuckerkandit. Davon hat man zwei Sorten, eine schön hell und klar wie Krystall, aus Madera- und Canari-Zucker, und eine dunkel und braunfarb aus Thomasinzucker. Will man Zuckerkandit machen, so zerschlägt man den Zucker in kleine Stücke, löst in einem kleinen Kessel oder Gefäss über schwachem Kohlen- feuer in recht wenig Wasser, lässt nur kurz aufsieden, und füllt den dicken Syrup in einen langen viereckigen Kasten von gebrannter, innen glasierter Hafnererde; solcher wird von unten nach oben, in Absätzen von zwei Finger breit, immer weiter, und ist auf den Absätzen, in je drei Finger Abstand, mit dünnen viereckigen Hölzchen belegt. Man füllt diesen Kasten voll, deckt ihn gut zu, und lässt .ihn an einem Ofen warm stehen, 16—20 Tage; nach dieser Zeit deckt man ab, nimmt die Hölzer mit dem Zucker heraus, und den Syrup kann man abermals einkochen und zu Zuckerkandit machen. Statt Wasser nimmt man auch Zimmt- wasser, und kann blau färben mit V eilchensaft und etlichen Tropfen Zitronensaft, oder rot färben mit Rosensyrup. Die Venetianer machen auch Kandiszucker, aber aus Zucker, der mit Kalklaugen refiniert ist, und solcher ist zwar weiss, leuchtend*), und schön, aber ungesund und weniger süss als der aus Madera- oder Canari-Zucker." *) Daher heisst Kandiszucker bei Hieron. Montuus auch „Saccharum lucidum"; Hermolaos Barbaros nennt ihn Candum, Cantium, Candium, Conditum und Crystallinum; der Name Candium hat die falsche Vermutung veranlasst, dieser Zucker sei nach der Insel Candia (Kreta) benannt worden. Li pp mau u, Geschichte des Zuckers. 19 290 Zelmter Abschnitt. „Zuckerpenid ist ein gemachter Zucker, aus Hutzucker, Tho- masinzucker oder Cassaunzucker. Man löst solchen, klärt mit Eiweiss, schäumt ab, bis kein Schaum mehr steigt, seiht durch ein Wollentuch, und kocht am Feuer, bis grosse Blasen aufsteigen. Mit einem Holzstückchen zieht man Proben, und wie solche in kaltem Wasser erhärten, giesst man den gekochten Zucker auf einen Marmelstein, der ist wohl mit Mandelöl bestrichen, und knetet um und durch, bis es nicht mehr fiiesst; so hängt man die Masse auf einen grossen krummen Haken, zieht um und schlägt um, am besten zu zwei Mann, und je mehr gearbeitet und gezogen wird, desto schöner und weisser wird der Zucker; wie er hart wird und erkaltet, zieht man ihn in fingerlange Stücke, dreht solche, lässt sie gut auskühlen, und erhält so einen Zucker, steinhart und springend wie Glas, der aber mit der Zeit mürbe wird und zer- reiblich, und heisst Saccharum Penidium oder turbinatum. Solchen kannten die Alten nicht, Andreas Bellunensis und Matthäus Sylvaticus beschreiben ihn zuerst, aus den arabischen Quellen; er ist massig erwärmend, mildernd und erweichend, unübertrefflich gegen Krankheit von Brust und Hals, und als Diapenidion, d. i. Penidzuckertäflein, ist er für sich, und in Wasser gelöst, ein in allen Apotheken bereitetes Konfekt von stark lösender und mildernder Kraft." Tabernämontanus erwähnt auch Zucker als Zusatz bei der Bierbereitung (I, 637), ferner die Gewinnung von Weingeist und Essig aus Zucker (IL 1284), die Darstellung von Zuckermeth und Zuckeressig (II, 1526), und die Anfertigung von Marzipan „aus Zucker, Mandeln, Zimmt, Rosenwasser, nebst gestossenen Perlen und Edelgestein, zur Herzstärkung"*) (II, 1412). Als abgesagter Feind der Apotheker, bekämpft er an vielen Stellen seines Werkes deren zahlreiche Mischungen und abergläubische Mittel, „als welche das gemeine Volk alitag, und der Reiche, wo Not an Mann, und ihm kein Arzt kann helfen, sich lässt aufbetrügen, und giebt dafür vielen Geld's genug." Als wirklich heilsam und unentbehrlich bezeichnet Tabernämontanus jedoch folgende Pflanzen, von denen Syrupe und Konfekte, Konservenzucker und Kanditen, Tränke und Methe, jeder Apotheker bereiten und führen solle; Aekeley, Alant, Angelika, Anis, Beifuss, Betonien, Borretsch**), Coriander, Dill, Erdbeeren, Erdrauch, Fenchel, Garbenkraut, *) Dieser Ausdruck ist wörtlich zu nehmen. **) „Saft von Borrago mit Gold, oder Hirschhornpulver, und Zucker vermischt, ist gut für die so fast ohnmächtig sind" sagt auch Lonicerus im , Kräuterbuch" (Frankfurt 1582). Der Zucker im Zeitalter der Entdeckungen. 291 Gänserich, Geisblatt, Gerste, Hollunder, Ingwer, Kalmus, Kamillen, Kubeben, Küchenschelle, Kümmel, Lavendel, Levkoyen, Löwenzahn, Maiblumen, Majoran, Mandeln, Meisterwurz, Melissen, Minzen, Myrte, Nelke, Osterluzei, Päonie, Petersilie, Pfirsichblüte, Pimpinell, Pomeranze, Primel, Quitte, Rapunzel, Rainfarrn, Raute, Rettig, Rittersporn, Rosen, Rosmarin, Salbey, Sauerampfer, Scabiose, Seerose, Taubenkropf, Tausendgüldenkraut, Thymian, Traubenkraut, Tormentill, Veilchen, Wegerich, Wermut, Ysop, Zichorie und Zimmt. Neben dem „ Kräuterbuch * des Tabernämontanus nimmt die, gegen Ende des 16. Jahrhunderts verfasste „Medulla destilla- toria et medica" des KonradKhunrath, eine der hervorragendsten Stellen unter den technisch-wissenschaftlichen Werken dieses Zeitalters ein. Über Zucker heisst es darin (Ausgabe von Hamburg 1605, 287 ff.): „Der Zucker ist ein fremdes Gewächse, ein gar lieblicher, grosse Süssigkeit habender, anmutiger Saft, eine reichliche Gabe Gottes, die er uns als ein hochnützbares Ding mildiglich mitgeteilt hat, dass wir ihn sollen zur Arznei und anderen Notdürftigkeit gebrauchen, und auch seiner göttlichen Allmacht für solchen Segen billigst aufs höchste zu danken haben. In Deutschland sind genugsam Leute, die der Orter, da der Zucker wächst, gewesen Bein, die, wie er aus dem Rohre gepresst, in hölzerne Kisten eingemacht, und zu uns gebracht wird, genugsam wissen; die ihn also, roh und unbereitet, stracks nur von dem Gewächse kommend, zu uns bringen. So siehet man auch in Hamburg, Nürnberg, und anderen vielen Örtern deutscher Nation mehr, wie solcher Zucker finieret und zurecht gesotten, auch in Hüte formieret, dessgleichen in Zuckerkandi, braun und weiss, gemacht werde. Der schöne, rein weisse Zucker, ist warmer und feuchter Natur, temperiert und mittelmässigen Wesens, je älter er aber wird, desto mehr hitzt und trucknet er. Er heilt Wunden und schützt sie vor dem Brand, auch giebt er köstliche Arzeney in vielerlei Gestalt; wie man den Zucker, gemeiner Weise nach, zu deren Bereitung, und für Syrupe und Konfekte gebrauchen soll, ist den Apothekern und Zuckermachern genugsam wissend. Die Quintessenz des Zuckers heilet aber und stärket mit besonderer wundersamer Kraft, auch erhöhet man solche durch Beigabe von Goldblättchen, und macht damit Wein, Rosen, Veilchen, Borrätsch, Endivien und Skabiosen, sowie auch Hühner- und Fleischbrühe für Kranke und Schwache zurecht, die davon eine grosse Kräftigung haben. Solche Quintessenz verbleibt, so man Zucker mit Weingeist kocht und abbrennen lässt, oder destilliert; da krystallisieren rote durchscheinende Stücke, die gleichen einem Rubin oder sonst 19* L, Zehnter Abschnitt. einem philosophischen Stein, ohne eine jede Unreinigkeit darinnen. Daselbst sind aber die vier Elemente ganz lauter und sauber beieinander, nicht mehr, gleichwie in anderen Dingen, voneinander zu scheiden, sondern ganz fix und beständig beisammen. Dero- wegen ist dies eine höchst herrliche Medizin, denn in ihr ist die sanguinische Röte hervorgebracht und das rechte „Sacchari cöleste urcanum" vorhanden.*) Weil vor dem Fall Ada und Evä alle Dinge rein und unbefleckt gewesen sein, nach dem Fall aber zu solcher Unreinigkeit und Korruption verkommen gemusst, als worin sie leider jetzt seind: darum müssen sie jetzt, der Menschheit zu lieb, mit solcher vieler Mühe und Arbeit, subtilen Künsten und Schliffen, wieder in ihre erste Purität gebracht werden. Solches gelingt aber nicht jedermännig, sondern erfordert zur Vollendung einen wohl erfahrenen Chymikus; also muss, wer es erreichen will, sich vordem befleissen und die rechte Kenntnis erwerben, ansonst, wo das Fundamentum fehlt, er nichts vor sich bringen, und mit Schande bestehen wird." *) Daher suchten auch manche Alchemisten im Zucker, dem Honig, oder der Manna, den Stein der Weisen (Peters I, 213). ELFTER ABSCHNITT. Die Zuckerfabrikation Amerikas im 17. und 18. Jahrhunderte. Die Massregeln Philipp II. gegen den Handel der Holländer mit Lissabon, hatten nicht nur, wie bereits oben erwähnt, den gänzlichen Verlust des holländischen Absatzgebietes, die Entwicklung des direkten Handels zwischen Holland und Indien, und die Eroberung fast sämmtlicher ostindischer Besitzungen durch Holland zur Folge, sondern verwickelten auch die aufblühenden brasilischen Kolonien, welche der König nach der Annection Portugals (1581) gleichfalls für Spanien in Beschlag genommen hatte, in langwierige, deren Gedeihen in hohem Grade schädigende Kämpfe mit jenen Feinden. Obwohl diese Kriege schon 1587 begannen, so trat doch ernstliche Gefahr erst 1621 ein, als die neugestiftete holländischwestindische Kompagnie von Staatswegen zur Bekämpfung des mit Spanien vereinigten Portugals in ganz Amerika und Afrika ermächtigt wurde (Handelmann 150), und als 1635 der Generalstatthalter Graf Moritz von Nassau, den systematischen Eroberungskrieg einleitete. Die Thaten dieses ebenso kühnen Kriegers, wie weisen Verwalters, gehören jedenfalls zu den denkwürdigsten der neueren Geschichte, und erregten mit Recht die allgemeine Bewunderung der Zeitgenossen; das historische Prachtwerk des Caspar Barläus (1647), die naturwissenschaftlichen Beschreibungen des Piso und Markgraf (1648), sowie das Heldengedicht „Mauritias" von Franziskus Plante (Leyden 1647), legen hierfür allseitig Zeugnis ab. Der Krieg begann mit der Verwüstung der wichtigsten portugiesischen Provinzen'(Handelmann 185), und mit der Schwächung ihres Haupterwerbszweiges, der Zuckerproduktion. Guilelmus Piso, der als Begleiter des Moritz von Nassau in Brasilien war, sagt über diese, in seinem „Tractatus de aeribus, aquis, et locis Brasiliae" (Cleve 1660, 639ff.): „Das wichtigste Erzeugnis 294 Elfter Abschnitt. Brasiliens ist das Zuckerrohr, welches die Portugiesen, bald nach der Entdeckung des Landes, aus Kanaria dorthin brachten, da sie das Klima für sehr geeignet hielten; ihre Mühlen, durch Wasserkraft oder durch Ochsen umgetrieben, erzeugten bald eine Menge des besten Zuckers, der mit sicherem und grossem Gewinne nach Europa gebracht, und dort verkauft wurde. In Ägypten soll man den Zucker aus einer kleinen niedrigen Pflanze, nur durch die Sonnenwärme, in Krystallen gewinnen, in Indien fliesst aus einem mächtigen baumhohen, einer Pappel ähnlichen Schilfe ein weisser schleimiger milchiger Saft aus, welcher zu Bambusstein oder Taba- schir gesteht, und in der Provinz Rio de la Plata soll ebenfalls ein baumhohes Rohr wachsen, und Zucker in Krystallen ausschwitzen; mit solchen Rohren stimmt das brasilianische Zuckerrohr nicht überein, denn es ist nicht grösser als ein Obstbaum, sieht dem gemeinen Schilfrohr ähnlich, und ist bloss von einem süssen Safte erfüllt. Es verlangt guten fruchtbaren Boden, viel Wärme und Feuchtigkeit, wird im August und Januar gepflanzt, und nach 10 —12 Monaten geerntet; anfangs, bevor es recht aufgeschossen ist, muss man es vor Unkräutern und vor gewissen sehr schädlichen Insekten hüten. Sobald es reif ist, wird es abgeschnitten, entlaubt, in Stücke zerteilt, und bündelweise zur Mühle gefahren. Diese besteht aus drei neben einander stehenden Walzen, welche man entweder mit Wasser antreibt, das man in langen Kanälen herbeiführt und auf die Räder stürzen lässt, oder mit 6—8 starken Ochsen*): Letztere arbeiten langsamer, aber gründlicher und besser. Eine Tareffa Land, zwanzig Schritt im Quadrat, giebt genug Zuckerrohr für ein Tagewerk; das zweimal ge- presste Rohr, welches Bagasse heisst, dient als Heizmittel, aber nebenher braucht man noch, je nach der Stärke des Saftes, täglich 15—40 Wagenladungen Holz, und rottet so ganze Wälder aus. Gearbeitet wird Tag und Nacht, doch muss man alle zwölf Stunden sorgfältig reinigen; der Saft fliesst durch Holzrinnen in einen Metallkessel, wird aufgekocht, und vom Schaum (cagassa), der ein gutes Viehfutter giebt, durch Abschöpfen befreit. Sodann füllt man den Saft in einen zweiten Kessel über, schäumt mit einem grossen, vielfach gelochten Schöpflöffel ab, versetzt zuweilen mit Lauge (Kalk- oder Ätz-Lauge, s. S. 649), filtriert durch Tücher, und kocht unter stetem heftigen Umrühren und Umschöpfen, in kleinen Kesseln, erst zu Syrup, und dann auf starkem Feuer möglichst > *) Piso's, „De Indiae utriusque re naturali et mediea" (Amst. 1658) enthält S. 108 die Abbildung einer solchen Ochsenmühle. Dio Zuckerfabrikation Amerikas im 17. und 18. Jahrhunderte. 295 I rasch zu Zucker ein. Den Schaum schlügt mau mit Ol nieder, muss sich aher hüten, Lauge oder gar Säure zuzusetzen, denn es genügt z. B. schon eine Spur Zitronensaft, um den Zucker schlecht und unkrystallisierbar zu machen.*) Den fertigen Zucker schöpft man in Thonformen, und setzt diese im „Reinigungshause" (casa do purgar) auf Töpfe; den Syrup treibt man durch Decken mit Tbonbrei aus, trennt, nach dem Ausschlagen des Zuckers aus der Form, das obere Weisse vom unteren Braunen, trocknet letzteres, das Mascovädo heisst, in der Sonne, und packt es in Kisten. Aus solchem Zucker, aus eingedicktem und auch aus rohem Safte, macht man „Garäpa" oder „Guaräpo", ein sehr beliebtes kühlendes Getränk" (s. hierüber auch Markgraf, „De Brasiliae regione et indigenis"; Amsterd. 1658, 18). Das hier zum erstenmale erwähnte Decken des Zuckers mittelst Thon oder feiner Erde, soll, nach Sloane durch Zufall in Brasilien entdeckt worden, und bei den Spaniern und Portugiesen zuerst in Gebrauch gestanden sein (Reed 11 und 91); als Zeitpunktwird 1550 angegeben (Poppe, „Geschichte der Technologie? 1-18 ff.). Die Richtigkeit dieser Erzählung ist indes fraglich, denn nicht nur kennen bereits Dioskorides, Galenus und die Araber das Klären von Wein, Obstsaft, Rosenwasser und anderen Flüseigr keiten mit Thonerde (Ibn-al-Awäm II, 391; Ibn-Beithai-.II, 473), sowie „den reinigenden und verteilenden Einfluss, welchen zahlreiche Erdarten ausüben, wenn man sie, mit Ölen oder anderein Flüssigkeiten getränkt, auflegt" (Ibn-Beithar II, 169ff.), sondern die sogenannte Walkererde, welche mit allen Eigenschaften der „Zuckererde" beschrieben wird, war auch schon seit Jahrhunderten zum Reinigen von Fett, Leim, Wachs u. dergl., im Gebrauche (Beckmann, „Technologie" 60), die ..Zuckererde-' wurde nicht nur in europäischen Ländern, sondern auch in den amerikanischen Kolonien Frankreichs, bis ins 18. Jahrhundert hinein aus Frankreich geholt (ebd. 388; Poppe a. a. 0.), und Willoughby, welcher 1664 die Zuckerbereitung bei Valencia beschreibt, erwähnt das Decken mit der Thonerde aus dem nahen Orte Olives, als etwas dort längst Übliches (Moseley, a. a. 0.). Es ist daher sehr wohl möglich, dass dieser Kunstgriff zwar zuerst den Spaniern und Portugiesen bekannt wurde, dass er aber aus den spanischen Raffinerien stammt, "und zwar vielleicht gerade aus Valencia, wo die Anwendung eines solchen, jedenfalls sorgfältig geheim ge- i *) Böswillige Arbeiter pflegten nicht selten durch Zusatz von Zitronensaft den Zucker absichtlich zu verderben (Reed 54). i i 296 Elfter Abschnitt. haltenen, und den alten Deckmethoden weit überlegenen Mittels, den aus arabischer Schule hervorgegangenen Zuckermeistern die Herstellung der dortigen, von allen Seiten als unübertrefflich anerkannten Brotwaare, ermöglicht haben mag. Mangels genügender Quellen liisst sich indessen die Wahrscheinlichkeit dieser Vermutung vorerst nicht weiter prüfen; sicher ist, dass in Ostindien das Decken mit Thon erst im 17. und 18. Jahrhundert bekannt wurde, und zwar durch europäische Vermittlung (Reed 95). Eine Ergänzung zu den Angaben des Piso bilden die des Barläus in seiner Schrift „Rerum per octennium in Brasilia et alibi gestarum historia" (Cleve 1660). Es heisst darin: „Brasilien ist das Haupterzeugungsland für Zucker, den die Natur in gewissen Rohren hervorbringt, welche, wie so viele andere Gewächse, der Fleiss der Portugiesen in dieses Land verpflanzt hat; ans diesen Rohren presst man einen Saft aus, der an Süsse und Wohlgeschmack den attischen Honig weit übertrifft, kocht ihn in Metallkesseln ein, und gewinnt ihn entweder durch Abpressen des fetten Syrups, als zerreibliche Masse, oder durch Eingiessen in Formen, in Gestalt von Kegeln oder Pyramiden.*) Man führt diese Kunst in Anstalten aus, welche die Portugiesen „Ingenia" nannten, weil dieselben durch ihre Bauten und Maschinen einen Beweis für das Ingenium ihres Erfinders liefern, und überhaupt zu den besten der neueren Erfindungen aus den letzten Jahrhunderten gehören. Aus der Arbeit der dort beschäftigten Indianer und Schwarzen ziehen die industriellen Kaufleute den allergrössten Nutzen, indem sie den jährlich erzeugten Zucker schiffsladungsweise nach ganz Europa für teures Geld verkaufen. An nichts kann man nämlich besser und leichter Geld verdienen als an Zucker; deshalb war die Handelskrise, die zur Zeit unserer (holländischen) Eroberungen ausbrach, in keiner Hinsicht so gefährlich, wie gerade für den Zuckerhandel, denn infolge der Störungen im Handel und der Unsicherheit des Geschäftes, sank der Zuckerpreis immer tiefer, und gereichte allen Mühlenbesitzern zum Verderben: sie mussten ihre Maschinen verkaufen um mit dem Kaufgelde ihre Schulden zu bezahlen, und gerieten dadurch in grosses Unglück, denn die Maschinen, die im Betriebe 100000 Gulden wert waren, erbrachten beim Verkaufe keine 40000" (S. 34, 539, 541, 545). „Bei der Fabrikation des Zuckers wirken Natur, Kunst, und Arbeit, in seltener Weise zusammen: die Natur bereitet den Boden, sowie durch das Klima *) Die pyramidalen Formen wurden aus passend zureclitgeschnittenen Brettern zusammengesetzt. Die Zuckerfabrikation Amerikas im 17. und 18. Jahrhunderte. 297 den im Rohre befindlichen Saft, und durch Kunst und Arbeit wird derselbe mit vieler Mühe gewonnen. Die Rohre, welche feuchten Boden, viel Sonnenwärme und sorgfältige Pflege betreff der Beseitigung alles Unkrautes erfordern (da sie sonst weniger und unreineren Zucker ergeben), werden, sobald sie reif und von saftigem schwammigem Marke erfüllt sind, geerntet, entlaubt, zerschnitten, und in Mühlen*) ausgepresst; der Saft wird eingedickt, abgeschäumt, in Formen von kegel- oder pyramidenförmiger Gestalt gefüllt, und erkalten gelassen, wobei er wie Salz krystalli- siert. Nach einigen Tagen öffnet man die Spitzen der Brote, lässt die schmierige und schleimige Materie unten abfliessen, bringt dann auf die Oberfläche der Form Thon, und befeuchtet diesen wiederholt, wobei das Wasser durchsickert, und den Zucker vom Schleim befreit und bleicht. Dies ist aber nur der erste Teil der Arbeit; besseren und reineren Zucker erhält man nur mit Aufwand vieler neuer Mühe, indem man den rohen Zucker wieder auflöst, mit Kalkmilch und Eiweiss klärt, abschäumt, unter Zusatz von etwas Butter (die das Überkochen verhindert) eindickt, durch Tücher filtriert, fertig kocht, in Formen giesst, und wieder mit feiner Thonerde deckt, wobei mau. je nach dem Verfahren, schliesslich festen, harten, oder nur losen weichen Zucker erhält* (ebd. 216, 120ff.). Innerhalb der von den Holländern eroberten Provinzen waren vor deren Einrücken 166 Mühlen in Gang, welche grosse, jedoch nach Boden und Klima sehr verschiedene Erträge an Zucker lieferten. Die ganze Zuckerernte betrug etwa 1 Million Arroben (ca. 250000 Zentner) jährlich, wozu noch etwa 300 000 Arroben des geringsten, sog. Pamelzucker kamen. Der Zuckerzehnte, welcher distriktweise verpachtet war, brachte, abgesehen vom Pamelzucker, der steuerfrei blieb. 309400 Gulden ein; nur portugiesische Schiffe durften Zucker nach Europa verladen, und als Tauschgegenstände für den Zucker, an welchem jährlich ein Gewinn von mehreren Millionen erzielt wurde, brachten im Frühjahr und Herbst an 300 Galeonen und Caravellen, Wein, Mehl, Öl, Salzfische, Leinwand, und Metallwaaren, aus dem Mutterlande (ebd. 207, 170, 534). Durch sinnloses Zerstören seitens der Holländer, und infolge der Wirrnisse des Krieges, war die Zahl der Zuckermühlen in den Jahren 1620—1635 von 166 auf 120 gesunken, darunter allein *) 8. 120 enthalt die sehr instruktive Abbildung einer Dreiwalzen- Mühle mit ihren Nebengebäuden; der Antrieb erfolgt durch ein oberschläch- tiges Wasserrad mit Zahnradübersetz.ung. *r' ■ in Pernambuco von 121 auf 87; hierdurch gingen aber auch die Staatseinnahmen derartig zurück, dass die Verwaltungs- und Kriegskosten nur durch Gewaltmittel gedeckt werden konnten: die Besitztümer der Feinde wurden konfisziert, und die, den flüchtigen Portugiesen gehörigen Zuckermühlen sammt den Ländereien versteigert (ebd. 81 und 557). Obwohl hierbei 20—100 000 Gulden für die Mühle nebst Land, und im ganzen 1963 250 Gulden erlöst wurden, so war doch auf solche Weise die dauernde Ordnung des Staatshaushaltes unmöglich, und nur durch die Ankunft des Grafen Moritz von Nassau wurden Provinz und Industrie vor völligem Verderben gerettet. In richtiger Erkenntnis der Sachlage war der Erbstatthalter vor allem auf Erhaltung der Zuckermühlen, als der einzigen und ergiebigsten Quelle des Wohlstandes bedacht; die Zwangsverkäufe wurden eingestellt, die Konfiskationen rückgängig gemacht, den Vertriebenen oder Flüchtigen straffreie Heimkehr gestattet, alte Schulden wurden gestundet, zum Neubau und zur Reparatur der Mühlen zinsenfreie Staatsvorschüsse gewährt, und die hohen Ausfuhrzölle ermässigt, „welche der Zucker bei seinem, jetzt so sehr gedrückten Marktwerte, nicht mehr ertragen kann" (ebd. 519, 547). Durch diese zweckmässig erdachten und energisch durchgeführten Massregeln, gelang es in der That mit überraschender Schnelligkeit, die Industrie neu zu beleben; in Pernambuco, dem wichtigsten Distrikte, waren binnen kurzem fast sämmtliche Mühlen wieder in Betrieb und erzeugten so vielen und schönen Zucker, dass der Statthalter, als Anerkennung hierfür, der Provinz gestattete, sechs Zuckerhüte im Wappen zu führen (ebd. 168 und 120; mit Abbildung); im ganzen betrug der Export während der Jahre 1636—1643, laut Zollliste, 159148 Kisten weissen Zucker, 49 903 Kisten Moscovade, und 9169 Kisten Pamelzucker, zusammen 218 220 Kisten, von je ca. 10 Zentner Gewicht, so dass im Durchschnitte etwa 300 000 Zentner auf das Jahr kamen (ebd. 558). Um dem in Brasilien herrschenden Sklavenmangel abzuhelfen, sowie gleichzeitig um die Portugiesen auch in ihren afrikanischen Besitzungen zu schädigen, unternahm Moritz von Nassau eine Expedition gegen St. Thomas (ebd. 350 und 355); 61 Zucker- mühlen wurden verbrannt, mehrere tausend Kisten Zucker bei der Zerstörung des Hauptortes erbeutet, und 10 000 Arroben als Lösegeld von solchen Besitzern, welche Schonung ihrer Mühlen erkaufen wollten, eingetrieben. Die Insel wurde übrigens nur vorübergehend zu Schaden gebracht; schon nach wenigen Jahren besass sie wieder 70 Mühlen mit je 2—300 Sklaven, und lieferte jährlich 40 Schiffe voll Zucker. Ihre Industrie ging, ebenso wie Die Zuckerfabrikation Amerikas im 17. und 18. Jahrhunderte. 299 die Madeiras, welches zu dieser Zeit jährlich 96000 Zentner erzeugte, erst in den folgenden Jahrhunderten allmählich ein, teils infolge der wachsenden allgemeinen Konkurrenz und der sinkenden politischen und maritimen Macht des Mutterlandes, teils durch engherzige und zwecklose Handels- und Fabrikations-Beschränkungen, welche das Letztere im vermeintlichen Interesse anderer Kolonien erliess (Reed 7; Ritter 409). Die weise Verwaltung Moritz's von Nassau war leider nicht von Dauer; Intriguen, die von einflussreicher Seite in Holland gegen ihn gesponnen wurden, brachten ihn in den Verdacht, die Kolonie vom Mutterlande lostrennen, und sich in ihr ein selbständiges Reich gründen zu wollen, und bewirkten 1644 seine Abberufung (Handelmann 190ff.). Dieser folgte sogleich die Rückkehr zum früheren Systeme der Miss Wirtschaft, die Bedrückung der portugiesischen Besitzer, welche der Statthalter zum Bleiben bewogen und durch Kredite unterstützt hatte, die Kündigung aller Vorschüsse, und die Herbeiführung einer Geldkrise durch Unterstützung des Verlangens der holländisch-westindischen Kompagnie nach Barzahlung aller Schulden; die allgemeine Unzufriedenheit, geschürt durch Portugal, das sich seit 1640 von Spanien losgerissen, und unter Johann von Braganza wieder selbständig gemacht hatte, veranlasste den Ausbruch des brasilianischen Freiheitskrieges, und den Sturz der holländischen Herrschaft. Nach längeren fruchtlosen Versuchen, von neuem festen Fuss zu fassen, räumten die Holländer 1654 Brasilien; im Vertrage von Haag (1661) erkannten sie dasselbe feierlich als portugiesische Besitzung an, und Hessen sich mit einer Entschädigung von 4 Millionen Cruzados (= 2 Mill. holl. Gulden), binnen 16 Jahren in Salz, Zucker, Tabak, oder Bargeld zahlbar, endgültig abfinden (ebd. 237). Bald darauf (1674) wurde die holländisch-westindische Kompagnie aufgelöst. Die vollständige Wiedereroberung Brasiliens war indes nicht im stände, den durch die Kriege bei der Losreissung des Landes von Spanien völlig zerrütteten Wohlstand Portugals wieder zu heben; die von Johann von Braganza 1648 begründete portugiesisch-brasilianische Kompagnie vermochte sich nicht zu erhalten, die Bedeutung der portugiesischen Schiffahrt ging rasch zurück, England bemächtigte sich des Hauptverkehres zwischen dem Mutterlande und seinen Kolonieeii, und nahm schon im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts die dominierende Stellung ein, die 1703, durch den berüchtigten Methuen-Vertrag, in eine dauernde verwandelt wurde (Beer 11, 119). Portugal zog daher auch nur I 300 Elfter Abschnitt, geringen Nutzen daraus, dass Brasilien während der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts noch den weitaus grössten Anteil an der Versorgung der europäischen Märkte mit Zucker besass; bestimmte Angaben über die Grösse desselben liegen nicht vor (ebd. II, 100), doch wird allein die, gegen 1700, jährlich durch die Schiffe der englischen Zwischenhändler nach Lissabon gebrachte Menge Zucker, auf wenigstens 300000 Zentner geschätzt. Durch dieses Vorwiegen des Zuckerrohrbaues wurde die ganze Volksgliederung Brasiliens, die ganze Gestaltung aller seiner Verhältnisse, auf Jahrhunderte hinaus unauslöschlich bestimmt: wenigen reichen Grossgrundbesitzern stand die ganze Masse der freien Bevölkerung, und die der Sklaven, als rechtlose, vollständig abhängige Menge gegenüber. „Das Zuckerrohr," sagt ein um 1700 lebender Schriftsteller, „ist eine aristokratische Pflanze, denn es macbt den Besitz eines grossen Anlagekapitals, eines weiten Landgebietes, und vieler Arbeitskraft erforderlich. Der Besitz einer Zuckerplantage mit Mühle (engenho) und Siederei, giebt eine Art Adel unter den Pflanzern, man spricht nur mit Achtung von einem „Senhor d'engenho", und dies zu werden ist das Ziel des Ehrgeizes Aller. Wenn der, welcher einen solchen Rang einnimmt, das ist, was er sein soll, — ein reicher Mann, der sich zu betragen weiss, — so kann man in Brasilien jenen Titel ebenso hoch anschlagen, als den unter den Vornehmen des Königreiches (Portugal) gebräuchlichen Adelstitel." Männer solcher Art waren indessen seltene Ausnahmen, und das selbstsüchtige, vor den ärgsten Gewaltthaten nicht zurückscheuende Vorgehen der meisten Plantagenbesitzer, wurde nur noch durch die unglaubliche Misswirtschaft der portugiesischen Beamten übertroffen, so dass in Lissabon das Witzwort sprichwörtlich war, die brasilische Flotte bringe alljährlich „mais de queixas que de caixas" d. i. „mehr Klagen als Kisten" (Handelmann 513, 340ff., 419). Trotzdem beherrschte Brasilien noch zu Anfang des 18. Jahrhunderts die Zuckermärkte Europas, und wurde in dieser Stellung erst erschüttert, als, neben verschiedenen äusseren Ursachen, auch eine innere Veranlassung die Bevölkerung dem Zuckerrohrbau abwendig machte: die um 1725 erfolgte Auffindung der Goldgruben (Handelmann 553). Ein wahres Fieber befiel das ganze Land, Arm und Reich wandte sich den Minen zu, Freie und Sklaven waren weder durch Drohungen noch durch Strafen zurückzuhalten, und binnen kurzem standen zahlreiche Plantagen verlassen, und gerieten aus Mangel an Arbeitskraft in Verfall. Die gesetzlichen Massregeln der portugiesischen Regierung blieben wirkungslos, und die Zuckerproduktion, obwohl Die Zuckerfabrikation Amerikas im 17. und 18. Jahrhundorte. immer noch bedeutend, vermochte keine Fortsehritte mehr zu machen, und musste die Befriedigung des wachsenden europäischen Konsums der Konkurrenz überlassen, welche sie bald in jeder Hinsicht überflügelte. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts trat hierin wieder eine Wandlung ein, teils im Zusammenhange mit der 1789 erfolgten Einführung des zuckerreichen Rohres von Otabeiti (Beer II, 100), teils aus politischen Gründen; für das Jahr 1796 wird der Export nach Portugal auf 346 920 Meterzentner (53 372 Kisten zu 650 Kilogramm) angegeben (Humboldt, „Cuba"), während er noch 1780 nur 95 000 Meterzentner betragen haben soll (Scherer, „Allgem. Gesch. d. Welthandels"). Nach der Räumung Brasiliens durch die Holländer (1654) blieben etwa 20000 derselben im Lande zurück, meist Plantagenbesitzer, mit ihrem Arbeiterpersonal und ihren Sklaven; angeblich um den Staat gegen äussere Feinde zu schützen und diesen den nächstliegenden Anknüpfungspunkt zu nehmen, in Wahrheit aber aus nationalen und finanziellen Gründen, Hess sich die portugiesische Regierung dazu hinreissen, 1655 sämtliche Holländer auszuweisen, und ihre Güter mit Beschlag zu belegen. Dieser Schritt bewirkte jedoch das Gegenteil dessen, was beabsichtigt war, denn nicht nur beraubte er den Staat einer grossen Anzahl seiner intelligentesten und durch ihren Grundbesitz an die Interessen desselben gefesselten Bürger, sondern er schuf auch dem wichtigsten Industriezweige Brasiliens die gefährlichste, und schliesslich siegreiche Konkurrenz, indem die Ausgewiesenen sich nach den westindischen Inseln begaben, und dort die Zuckerfabrikation neu zu betreiben, oder die vorhandene zu verbessern begannen. Von diesen Inseln war zuerst (1625) St. Christoph, und zwar zugleich von den Franzosen und Engländern besetzt worden, welche hiermit ihre koloniale Thätigkeit in Amerika eröffneten; beide Nationen bestrebten sich alsbald, den herrlichen Boden des Eilandes durch Anbau von Zuckerrohr besser auszunutzen, und die erstere fabrizierte bereits 1643, die letztere 1644 Zucker (Moseley a. a. 0.; Le Grand d'Aussy II, 203). Von St. Christoph aus nahmen die Franzosen 1635 Guadeloupe und Martinique, die Engländer 1627 Barbados in Besitz; 1641 wurde auf letzterer Insel der Zuckerrohrbau eingeführt, und 1646 begann der Zuckerexport, konnte sich aber nicht behaupten, da die Zucker wegen ihrer schlechten Qualität die Transportkosten nach England nicht deckten (Ligon, „History of Barbados", 1657). Erst die aus Brasilien vertriebenen Holländer führten daselbst eine regelmässige Fabrikation ein, und lehrten die Einwohner trockenen und haltbaren Rohzucker • zu bereiten, dessen Ausfuhr alsbald in raschem Masse zunahm (Reed 7); 1661 konnte schon Karl IL dreizehn Besitzer, die aus Barbados eine Einnahme von 10000 Pfund Sterling bezogen, zu Baronen ernennen (Moseley a. a. 0.), und um 1676 war die Insel bereits im stände, jährlich 400 Schiffe mit je 150 Tons Rohzucker zu beladen (Mac-Culloch a. a. O. II, 1049). Von Barbados aus führte 1664 Thomas Modyford die Zuckerfabrikation nach Jamaika ein, das die Engländer 1656 den Spaniern endgültig entrissen hatten, und wurde für die Verdienste, die er sich hierdurch um das Wohl des Landes erwarb, von Karl IL zum Generalgouverneur desselben ernannt (Moseley a. a. 0.); während es 1656 nur drei kleine Siedereien gab, und auch der Zuckerrohrbau, zu dessen Förderung Crom well schon 1649 viele irische Gefangene als Arbeiter nach der Insel geschickt hatte (Weber, „Weltgescb." II, 230) völlig im argen lag, waren 1670 schon 75 Mühlen im Betriebe, deren manche 2000 Zentner Zucker erzeugten, und um 1700 war Zucker bereits der Hauptartikel Jamaikas, und die Quelle seines Wohlstandes. Wie in St. Christoph und Jamaika, so waren die Holländer auch in Guadeloupe und Martinique*) die Lehrmeister, durch deren Eingreifen eine zweckentsprechende Zuckerrohrkultur, und die Fabrikation exportfähigen Rohzuckers, erst möglich wurde; Erzeugung und Ausfuhr von Zucker nahmen seit 1660 stetig und rasch zu, und gegen Ende des 17. Jahrhunderts war Zucker das wichtigste und einträglichste Produkt der französischen Kolonieen Westindiens (Le Grand d'Aussy II, 204), so dass ein Beschluss des Pariser Handelsrates von 1701 sagt: „Frankreichs Schiffahrt verdankt ihren Glanz dem Handel seiner Zuckerinseln, und kann nur durch diese erhalten und erweitert werden." Diese Blüte der französischen Inseln erregte bald auch die Aufmerksamkeit der englischen Regierung, da die Zucker-Produktion der britischen Kolonieen seit 1700 in merklichem Rückgänge begriffen war, und die Preise des aus Guadeloupe und Martinique angebotenen Zuckers, 1737 sich so billig stellten, dass die erzielte grosse Ernte von 679 000 Zentnern hierfür keine genügende Erklärung zu bieten schien. Da „Zucker das bedeutendste Objekt der überseeischen Schiffahrt ist," befahl das Parlament eine genaue Untersuchung der Sachlage, und setzte hierzu eine eigene Kommission ein; als *) In Martinique wurde die erste grosse Plantage und Siederei 1655 von Benjamin Dacosta, einem ans Brasilien vertriebenen holländischen Juden angelegt, der sich daselbst mit 900 Glaubensgenossen und 1100 Sklaven niederliess. Die Zuekerfabrikation Amerikas im 17. und 18. Jahrhunderte. 303 Ursachen der Konkurrenz-Unfähigkeit der englischen Inseln erklärte diese die unrationelle Kultur und Fabrikation, die Aussaugung des Bodens, die Höhe der Abgaben und Zölle, vor allem aber das Stattfinden eines, den Gesetzen widersprechenden direkten Verkehres der nordamerikanischen Kolonieen mit den französischen: diese, denen seit 1669 das Raffinieren, sowie die Ausfuhr von Rum nach Frankreich, zu Gunsten der betreffenden Industrieen des Mutterlandes untersagt worden sei, verkauften Zucker, Melasse und Branntwein nach Nordamerika, entzögen hierdurch den englischen Zuckerinseln heimlich die Kundschuft, und schädigten zugleich die Kaufkraft der nordamerikanischen Kolonieen, die jene Produkte mit vielem Bargelde bezahlen mtissten. Diese letzteren wandten hiergegen ein, sie bedürften zu Zwecken ihrer Fischerei und ihres Indianerhandels jährlich l x / 4 Millionen Gallonen Rum, und seien gezwungen, diesen von den Franzosen zu kaufen, weil die englischen Inseln gar nicht so viel produzierten, einen grossen Teil ihrer Melassen und des Rums nach England selbst zu verkaufen pflegten, und im ganzen so schlecht und so teuer arbeiteten, dass ihr nunmehriges Verlangen, den Handel mit den französischen Inseln verboten zu sehen, nur der Ausfluss des Wunsches sei, auf fremde Kosten in der bisherigen Trägheit und Lässigkeit verharren zu können. Das Parlament erkannte indessen die vorgebrachten Gründe nicht als stichhaltig an, und legte 1739 einen hohen Zoll auf die Einfuhr von Zucker, Melasse und Rum in britische Kolonieen; zur Entschädigung sollte es jedoch gestattet sein, auf englischem Boden erzeugten Zucker, in englischen Schiffen, direkt nach allen, südlich vom Kap Finisterre gelegenen Häfen Europas auszuführen. Da diese Erlaubnis indes, zahlreicher entgegenstehender Schwierigkeiten halber, ohne jede praktische Bedeutung blieb, so konnte auch die ganze .Massregel nicht den gewünschten Erfolg haben (Mac-Culloch a. a. 0. I, 364); sie schädigte einerseits den Staatsschatz, indem sie eine grossartige Entfaltung des Schleichhandels hervorrief, und andererseits das Gedeihen der Kolonieen selbst, da sich diese, mit ihrem veralteten und kostspieligen Arbeitssystem, gegen die Konkurrenz der französischen Zuckerinseln nicht dauernd erhalten konnten, besonders seit unter letzteren Domingo eine hervorragende Rolle zu spielen anfing. Die Franzosen hatten diese Insel zum Teil schon 1635 und 1660 besetzt (Beer II, 237), erhielten sie aber erst im Frieden von Ryswick 1697, endgültig zugesprochen. Die Zuckerindustrie, deren Export schon 1587 begonnen, und damals 878 Meterzentner betragen hatte (Handelmann, „Geschichte der Insel Hayti", 12), 304 Elfter Abschnitt. I war mit der Zeit gänzlich in Verfall geraten, und erst den französischen Ansiedlern, im Vereine mit holländischen Flüchtlingen aus Brasilien war es vorbehalten, dieselbe zu neuer Blüte zu bringen. Schon 1724 waren über 200 Mühlen im Gange und erzeugten 10000 Meterzentner Zucker*) (Beer II, 237), 1726 stieg die Ausfuhr auf 198000 Meterzentner, 1742 auf 423996 Meterzentner, und 1770 auf 800 000 Meterzentner (Moseley a. a. 0.). Nicolson giebt an, dass 1772 für 92 Millionen Francs Rohzucker, für 65 Millionen Francs gedeckter (weisser) Zucker, und für 18 Millionen Francs Syrup exportiert worden sei („Histoire naturelle de St. Domingue", Paris, 1776), während gleichzeitige andere Quellen nur 23, 30, und 2 Millionen Francs als die zutreffenden Zahlen nennen (Beckmann, „Phys.-ökon. Bibl." IX, 62); 1773 arbeiteten 723 Fabriken, und lieferten 1200000 Meterzentner Rohzucker, 30000 Fass Syrup, und 15 000 Fass Rum, wozu noch mindestens l / 9 dieser Mengen, als durch den Schleichhandel weggebracht, zuzurechnen sein dürften (Veuves, „Reflexions historiques", Paris 1780). Diesen unwahrscheinlich hohen Ziffern gegenüber, wird für 1774 nur eine Erzeugung von 650000 Meterzentner in 590 Fabriken, und für 1780 eine solche von 750 000 Meterzentner angegeben, welcher Ziffer sich dann Humboldt's Berechnung der Produktion von 1788 auf 803 600 — 820000 Meterzentner, in passender Weise anschliesst („Cuba"; „Nouv. Esp" III, 184). Im Jahre 1791 gab es nach Handelmann (a. a. O. 28) im französischen (westlichen) Hayti 792 Plantagen, von denen im Mittel 341 auf 180000 Francs, 451 auf 230000 Francs geschätzt wurden, und die mindestens 750 000 Meterzentner Zucker, im Werte von über 100 Millionen Francs alljährlich exportierten: die ganze Insel war in den Händen einer geringen Anzahl von Plantagenbesitzern, „les gros habitans" genannt, welche eine fest zusammenhaltende Aristo- und Plutokratie bildeten, die Verwaltung in der willkürlichsten Weise zu ihren Zwecken ausnutzten, und die Sklaven mit unerhörter Grausamkeit und Härte behandelten. Durch den berühmten Aufstand der Neger, welcher am 23. August 1791 auf der Zuckerraffinerie Noah begann, und zu den blutigsten und an Gräueln reichsten aller Zeiten gehörte, wurden daher diese „gros habitans" vorzugs- *) Alle Zahlenangaben aas dieser Zeit sind unzuverlässig, und differieren bei verschiedenen Schriftstellern häufig ganz ausserordentlich; wirklich genaue Ziffern scheinen bisher nicht bekannt zu sein, auch wird behauptet, dass zahlreiche Steuer- und Zollregister während der französischen Revolution überhaupt verloren gegangen seien. Die Zuckerfabrikaticm Amerikas im 17. und 18. Jahrhunderte. 306 weise getroffen; binnen sechszig Tagen waren über 2000 Weisse ermordet, 1130 Zucker- rmd andere Plantagen zerstört und verbrannt, das ganze Land verwüstet, und der Wohlstand der Kolonie derartig vernichtet, dass sich dieselbe nie mehr auch nur zum Schatten ihrer ehemaligen Grösse wieder erheben konnte (Handelmann a. a. O. 46). Die durch den plötzlichen Ausfall der wichtigsten und grössten Zuckerproduktion des Weltmarktes entstandene Lücke wurde durch die, nunmehr von der Konkurrenz des gefährlichsten Wettbewerbers befreite Industrie anderer Staaten ausgefüllt, unter denen wesentlich Brasilien, Jamaika, und Cuba zu nennen sind. Jamaika hatte 1722 77 056 Meterzentner, 1744 246 000 Meterzentner, 1768 390327 Meterzentner und 1788 420000 Meterzentner Zucker produziert, und zwar, da den englischen Kolonieen das Raffinieren verboten war, ausschliesslich Rohzucker, den man durch sorgfältige Darstellung und anhaltendes Trocknen an der Sonne, in grossen Stücken (Klumps, — daher Lumpen, Lompen, Lomps- zucker) von vorzüglicher Beschaffenheit und Haltbarkeit zu gewinnen verstand (Humboldt, „Cuba"; „Nouv. Esp." III, 184; „Reisen" II, 306). Nach der Verwüstung Domingos beeilte man sich, eine Menge neuer Mühlen in Betrieb zu setzen, so dass 1793 schon über 700 derselben arbeiteten, und die Erzeugung der Insel sich binnen anderthalb Jahrzehnten auf fast das Doppelte der früheren hob (Beer II, 365 ff.; Moseley a. a. O.). Als mittlere Gesammt- erzeugung der englischen Kolonieen in Westindien wird angegeben (Humboldt, „Cuba" II, 40 ff): für die Jahre 1698 — 1712: 200000 Meterzentner, für 1727 — 1733: 500000 Meterzentner, für 1761—1765: 742687 Meterzentner, für 1771 — 1775: 916667 Meterzentner,fürl781 —1785: 789 769Meterzentner,für 1791—1795: 1010662 Meterzentner, für 1801 — 1806: 1694867 Meterzentner; an dieser riesigen Zunahme der Produktion hatte Jamaika den Hauptanteil, und lieferte während der angegebenen Perioden nicht selten allein fast die Hälfte des sämmtlichen in England eingeführten Rohzuckers. Die Insel Cuba hatte unter dem Monopol- und Aussaugungs- System der spanischen Verwaltung, welche vielfach sogar den Anbau des Zuckerrohres , gesetzlich untersagte (Weber, „Weltgeschichte" II, 568), keinerlei Fortschritte gemacht, ihre Industrie war allmählich zu Grunde gegangen, und noch 1750 lieferte sie keine anderen Rohprodukte als Häute, Leder, und Wachs (Humboldt, „Cuba" I, 189). Erst als um diese Zeit der Handel der Kolonieen untereinander und mit dem Mutterlande, durch mehrere Lippmann, Geschichte des Zuckers. 20 ■ 306 Elfter Abschnitt, ■ I "\ Verordnungen erleichtert, und 1772 ganz freigegeben wurde (Beer II, 166), gewann auch die Zuckerfabrikation wieder einige Bedeutung, und es wurden 1760 43920 Meterzentner, 1780 120000 Meterzentner, und 1790 141629 Meterzentner exportiert (Humboldt, „Cuba" I, 190ff.). Wirklichen Aufschwung nahm dieselbe aber erst nach der Verwüstung Domingos: binnen zehn Jahren stieg die Anzahl der Mühlen von 473 auf 780, und die Zuckererzeugung 1792 auf 146000, 1796 auf 240000, und 1802 auf 408 000 Meterzentner (Humboldt, „Nouv. Esp." III, 184; IV, 458 und 461). Die Fabrikation war noch gegen Ende des 18. Jahrhunderts eine höchst primitive; 1796 wurden erst Mühlen mit Wasserbetrieb, 1799 eingemauerte Kochkessel eingeführt, und man war sehr zufrieden, zur Erzeugung von 5 Arroben Zucker, statt 278 nur mehr 158 Kubikfuss Holz, meist Orangen- und Zitronen-Holz, zu verbrauchen (Humboldt, „Cuba 1 ' I, 190ff.). Bohzucker wurde als solcher nicht ausgeführt, sondern aller Zucker durch Ausdecken mit Thon gebleicht, wobei bestenfalls B / 9 weisser Zucker (blanco), 8 / fl blonder (quebrado), und */ fl brauner (cucurucho) erhalten wurden, und zwar aus 3 Arroben Rohzucker im ganzen 1 Arrobe, während die übrigen 2 Arroben in die Melasse übergingen; nur eine einzige Fabrik lieferte zur Zeit Humboldt's jährlich 5000 Meterzentner Zucker, die meisten der grösseren erzeugten nur 4000 Meterzentner, die mittleren 2000—2500 Meterzentner, und im Durchschnitte produzierte jede der 350 Siedereien bloss 925 Meterzentner (ebd. I, 130; „Nouv. Esp." III, 176); zumeist fehlte es an Arbeitskräften, da die Beschaffung der grossen Sklavenzahl, welche die Ausbreitung der Zuckerindustrie nach 1791 erforderlich machte, nicht rasch genug gelang (Humboldt, „Cuba" II, 168 ff.). Eine grössere Pflanzung gebrauchte 650 Hektaren Land, 300 Neger im Werte von je 4 — 500 Piastern (1 Piaster = ca. 5,50 Francs), und ein gesammtes Anlagekapital von 2 000000 Francs; sie produzierte jährlich 40000 Arroben Zucker im Werte von 550000 Francs, und lieferte dabei 300 — 350000 Francs, d. i. 15—17°/ 0 Reingewinn, da der aus der Melasse dargestellte Alkohol zur Deckung der täglichen Unkosten zu genügen pflegte (Humboldt, „Cuba" a. a. O.; „Nouv. Esp." III, 179; „Reisen" II, 345). Hüne („Der Negerhandel", Göttingen 1820) giebt folgenden Überschlag einer albanischen Zuckerplantage aus dem Jahre 17«0 : Kosten der Plantage, mit Gebäuden und 220 Sklaven, Mark 700 000; Einnahme für 500 Fass Zucker Mark 200000, für Rum und Melasse Mark 16000, zusammen Mark 216000; davon ab 8°/ 0 Kapitals-Verzinsung mit Mark 56 000, Unkosten mit Mark 24 000, Die Zuckerfabrikation Amerikas im 17. und 18. Jahrhunderte. 307 > und Anschaffung von 12 Ersatz-Negern mit Mark 12 000, zusammen Mark 92000; es verbleibt ein Reingewinn von Mark 124 000 oder ca. 18°/ 0 , so dass jeder Sklave einen Nutzen von 5—600 Mark eingebracht hätte. Von einer Hektare Land erhielt man meist 12 000 Liter Saft, und aus diesem 1500, oft nur 1400 Kilogramm Rohzucker (Humboldt, „Cuba" I, 190 ff.; „Nouv. Esp.« III, 180 und 183); die Gewinnung weit grösserer Mengen, nämlich 2100—2800 Kilogramm, wurde erst durch die Einführung besserer Zuckerrohrsorten möglich. Zur Zeit Humboldt's wurden in Westindien drei Arten Zuckerrohr kultiviert: das ursprünglich ostindische, über Sizilien und die Kanarien eingeführte, mit dunklem Blatt, dünnem Stengel, und vielen, nahe aneinanderstehenden Knoten; das javanische Rohr, Cafia de Batavia oder de Guinea genannt, mit sehr breiten purpurfarbigen Blättern und unreinerem, hauptsächlich zum Rumbrennen geeigneten Safte; das Otaheiti-Rohr, mit hellgrünen Blättern, hohem, dickem und saftreichem Stengel, und von kräftigem üppigem Wachstume. „James Cook(1728—1779) und Georg Forster (1729 —1798) haben diese Art Zuckerrohr zuerst beschrieben, aber, wie man aus des letzteren trefflicher Abhandlung über die essbaren Pflanzen der Südseeinseln ersieht, ihren Wert nicht genügend erkannt. Bougainville (1766 —1769) brachte es nach Isle de France, von wo aus es durch Martin nach Cayenne, und seit 1792 durch Cassigny nach Martinique, Domingo und den kleinen Antillen kam. Der kühne aber unglückliche Kapitän Bligh verpflanzte es, zugleich mit dem Brotfruchtbaum nach Jamaika; von Trinidad ging es an die nahegelegene Küste von Karakas über. Es stellt eine der wichtigsten Bereicherungen dar, welche die Landwirtschaft der Kolonieen seit einem Jahrhunderte reisenden Naturforschern verdankt, und ist für diese Gegenden weit wichtiger als der Brotfruchtbaum geworden. Es ist viel saftreicher als das gewöhnliche Rohr, dessen Stengel dünner und enger gegliedert sind, und giebt auf gleichem Flächenraum um ein Drittel mehr Zucker als dieses; da überdies die westindischen Inseln grossen Mangel an Brennholz zu leiden anfangen, und oft ihre Zuckerpfannen mit Orangenholz heizen, so ist das neue Zuckerrohr um so wichtiger,-als es auch ein dickeres holzreicheres Rohr, das sog. Bagaso, als Rückstand liefert. Ob dieses Zuckerrohr, seinem vaterländischen Boden entrissen, ausarten und in gemeines Rohr übergehen werde, ist eine wichtige Frage, doch haben die bishei-igen Erfahrungen gegen die Ausartung entschieden, und wenn es eine Spielart ist, so ist es jedenfalls eine sehr konstante" 20* I .< I 308 Elfter Abschnitt. (Humboldt, „Ansichten der Natur", Sttgt. 1877, 21; „Reisen" II, 244.*) Was die ältere, in Westindien übliche Arbeitsweise der Zuckerfabriken betrifft, so giebt über diese Ligon's „History of Barbados" (1657) an der Hand zahlreicher, sehr interessanter Kupferstiche Aufschluss, und auch Southey's „A chronological history of the West Indies" (1827) enthält vieles einschlägige Material; das wichtigste und ausführlichste Werk ist aber das des Prediger- Mönches Joh. ßapt. Labat (1667—1738), welcher in Westindien. viele Jahre lang reiste, wichtige leitende Stellungen als Verwalter der Ordens-Domänen einnahm, und die hierbei gesammelten umfangreichen Erfahrungen in seinem Buche „Nouveau voyage aux isles de l'Anierique" (Paris 1722, 8 Bde.) niederlegte; die Zuckererzeugung bildet den Gegenstand eines ganzen Bandes desselben, welcher auch unter dem Titel „Abhandlung vom Zucker, dessen Bau, Zubereitung, und mancherlei Gattung", von Schad ins Deutsche übersetzt wurde (Nürnberg 1785). Da dieses Werk eine Zusammenfassung des ganzen Fabrikationssystems ist, wie es sich gegen 1700 auf den westindischen Inseln ausgebildet hatte, und die klarste und vollständigste Beschreibung enthält, die diesem überhaupt zu teil geworden ist, so lohnt sein Inhalt einer genaueren und ausführlichen Betrachtung. In Kapitel 1. erörtert der Verfasser die Heimat des Zuckerrohres; gegenüber den bestimmten Angaben von Gage und de Laet über das Vorkommen wilden Zuckerrohres auf den Antillen (1625 und 1633), und von Delery, Hennepin, und Ximenes betreff dessen Auftreten in Südamerika, wagt er es nicht, die Behauptung, das Zuckerrohr sei aus der alten Welt gebracht worden, unbedingt zu bejahen, sondern begnügt sich damit, festzustellen, dass dies wenigstens bezüglich der Kunst des Zuckermachens sicher der Fall sei. Die Kapitel 2 — 8 beschreiben die Gestalt und die Eigenschaften des Zuckerrohres, die Vorbereitung und Düngung der Felder, Pflege und Bewässerung des jungen Rohres, die Kennzeichen der Reife, und die Methode der Ernte; letztere soll man nie beginnen, ohne sich durch Auskochen grösserer, verschiedenen Parzellen der Pflanzung entnommener Proben, von der Reife und dem ungefähren Zuckergehalt des Rohres eine bestimmte Vorstellung gebildet zu haben, auch soll man höchstens soviel Rohr *) Nach Macfadyen (S. 100 und 101) fordert dieses Rohr sehr guten Boden, degeneriert aber auch bei aller Vorsicht stets nach einiger Zeit, und muss deshalb öfters aufgefrischt werden. : Die Zuckerfabrikation Amerikas im 17. und 18. Jahrhunderte. 309 Schneiden lassen, als man binnen 24 Stunden verarbeiten kann, da der Saft sonst zäh und schleimig wird. Kapitel 9—13. Die Zuckermühlen werden durch Tiere, durch Wasser, oder durch den Wind getrieben, und bestehen stets aus drei Cylindem, zwischen denen das Zuckerrohr zweimal ausgepresst wird (sizilisches Trappeto). Die Windmühlen portugiesischen Systemes haben horizontale, die sonst Üblichen vertikal gelagerte Flügel (Abbildung S. 64, (58, 112). Die drei Walzen sind aus Gusseisen, und enthalten einen möglichst dicht eingepassten hölzernen Kern; die Zwischenräume werden mit Pech ausgegossen. Jede Walze trägt oben einen Zahnkranz, dessen Zähne aus hartem Holze geschnitten und einzeln in Zapfenlöcher eingesetzt sind, und greift mittelst desselben in das Hauptgetriebe, oder in den Zahnkranz der Nachbarwalze ein. Das, in 3 — 4 Fuss lange Stücke zerschnittene Rohr schiebt man zwischen der ersten und zweiten Walze durch, und dann in entgegengesetzter Richtung zwischen der zweiten and dritten wieder zurück; zum Schutze der Arbeiter, die unrettbar verloren sind, wenn sie zwischen die Walzen geraten *), sind breite Werkbretter angebracht, ausserdem hängen an jeder Walze einige bestens geschärfte Sicheln, da manchmal durch rasches Abhacken eines Armes oder Fusses noch Hilfe möglich ist. Der Saft fliesst an den Walzen herab, gelangt durch runde Ausschnitte im Fussboden unter diesen, sammelt sich in einer Rinne, und fliesst seitwärts ab; alle 12 Stunden muss man anhalten und die ganze Mühle sorgfältig reinigen, da sonst Säuerung eintritt. Zur Bedienung der Mühle gehören fünf Leute, von denen einer zuträgt, einer einschiebt, einer zurückschiebt und zwei ab- und aufladen; sie haben wochenweise abwechselnd 18 und 6 Stunden Dienst, welcher anstrengender, als der in Eisen- oder Glashütten ist, so dass man .sich genötigt sieht, die Leute während der ganzen Nacht rauchen und laut singen zu lassen; Pferde können in der Mühle höchstens zwei Stunden lang arbeiten, Ochsen nicht einmal so lange. In der Regel stehen die drei Walzen vertikal nebeneinander; es giebt aber auch Mühlen mit horizontalen Walzen und Antrieb durch ein Wasserrad (Abbildung S. 120), stehende Wassermühlen, die, ebenso wie die vorigen, stets durch von oben auffallendes Wasser, nje durch Schaufelräder unter Benutzung des natürlichen Gefälles, getrieben werden (Abbildung S. 126), endlich auch Kollermtihlen des alten portugiesischen Systems, bei denen *) Auf den englischen Inseln pflegte man zum Tode verurteilte Neger oder Indianer zwischen die Rohrwalzen zu werfen (S. 100). 310 Elfter Abschnitt. I M das Rohr am Fussboden liegend ausgepresst wird (Abbildung S. 118). Kapitel 14. Aus der Sammelrinne fliesst der Rohrsaft in einen viereckigen, meist hölzernen Bottich, und wird aus diesem in die Kochpfanne gebracht. In der Regel hat man sechs Kessel, deren Grösse vom ersten bis zum letzten allmählich abnimmt, und welche „Grosser Kessel", „Reinigungskessel", »Laugenkessel", „Läuterungskessel", „Syrupkessel", und „Batterie" heissen; doch ist es zweckmässig, noch einen siebenten, den sog. „Schaumkessel" zu besitzen. Die Kessel haben flache Böden, nehmen jeder etwa sieben Fuss an Platz ein, und sind nebeneinander an einer Wand eingemauert, und zwar in Rundgewölben, welche sich direkt über den Feuerrosten befinden, die Kessel aber nicht ringsum dicht abschliessen, sondern dem massenhaft entweichenden Rauche Abzugsöffnungen bieten; etwa ein Drittel der Kesselhöhe reicht in die Wölbung hinein, und ist durch Mauerwerk gegen die Stichflamme geschützt. Der „grosse Kessel" steht zu unterst, und jeder folgende etwas höher, so dass die „Batterie" etwa einen Fuss höher zu stehen kommt, als der grosse Kessel (Abbildung S. 134); es wird hierdurch erreicht, dass beim Überkochen und dergl. nie schlechterer Saft in den besseren fliessen kann. Die Rostfläche ist eben, und liegt 18 Zoll tiefer als der „grosse Kessel", folglich 30 Zoll tiefer als die Batterie; die Feuerzüge verengen sich aber entsprechend immer mehr, und münden hinter der Batterie in den Kamin. Unter dem grossen Kessel brennt man Stroh und Bagasse, unter den übrigen Kleinholz; wo dieses schon selten sein sollte, kann man geschlossene Ofen aufstellen, die wie Sparherde eingerichtet sind, und keinen Rauch durchlassen; bei diesen genügt eine einzige starke Feuerung für alle Kessel zusammen, auch kann man zwei Systeme derselben von beiden Seiten in einen gemeinsamen Kamin münden lassen. In der Regel hat der erste Kessel vier Fuss Durchmesser und drei Fuss Tiefe, der letzte drei Fuss Durchmesser und zwei Fuss Tiefe; die „Batterie" giesst man in einem Stück aus Kupfer, die anderen Kessel fügt man aus gehämmerten Kupferplatten mit Plattnieten zusammen, und macht sie am Rande einen, am Boden zwei Thaler dick; da ein Pfund Kupfer 4 l / 2 Francs kostet, so zieht man es bisweilen vor, eiserne Kessel anzuwenden, hat aber in Wahrheit keine Ersparnis dabei, weil solche rasch reissen, sich rasch abnutzen, und alt ganz wertlos sind. Ausserdem lassen sie sich schwer reinhalten, was doch durchaus nötig ist; aus diesem Grunde überzieht man auch die schräge Abdachung zwischen dem ersten und sechsten Kessel ganz mit Bleiplatten, und spült diese täglich mehrere Male ab. Die Zuckerfabrikation Amerikas im 17. und 18. Jahrhunderte. 311 Im 15. und IG. Kapitel werden die zur Zuckerfabrikation nötigen Geräte geschildert. Man braucht sechs tragbare Kühlkessel aus Kupfer, von 3 — 4 Fuss Durchmesser und 1—1% Fuss Tiefe, einige kupferne Ausfüllbecken (wegen ihrer Form auch Rabenschnäbel genannt), mehrere gelochte und nicht gelochte Schaumlöffel, eine mit Filtertuch überzogene, einem Backtroge ähnliche Kiste, und sechs Filtertücher von \ l j a Ellen Länge, an den Rändern und in der Richtung der Diagonalen mit aufgenähten Streifen verstärkt, welche, wenn man sie aus gutem Stoff (die Elle zu 7 Francs) macht, und jedesmal nach Gebrauch reinigt, 3—4 Monate lang brauchbar bleiben. Als Laugenfass benutzt man eine, sich nach unten stark verengende Bütte von 2 Fuss Höhe und 8 Fuss Durchmesser: zuunterst legt man etwa 6 Zoll hoch eine Schicht gewisser, sehr salzreicher Kräuter, darauf eine Schicht bester Holzasche von Kastanien-, Orangen-, oder Eichenholz, sodann eine Schicht Ätzkalk, und schliesslich wieder eine Lage Kräuter; nun giesst man siedendes Wasser auf, und giebt das unten durchtropfende immer wieder oben auf, so lange bis die Lauge unerträglich scharf schmeckt, und die Haut der Finger beizt; muss man unreifes Zuckerrohr verarbeiten, so setzt man noch etwas Spiess- glaspulver bei, welches stark reinigend wirkt, aber die Lauge und auch den Zucker schwärzt. Von den thönernen Zuckerformen, welche 30—35 Pfund Füllmasse, entsprechend 20—21 Pfund Rohzucker fassen sollen, bezieht man die besten aus Bordeaux; sie sind 18—20 Zoll hoch, glatt, poliert, von weisser Farbe, und heissen ,ächte". Die „unächten" oder „bätardes" (daher der Ausdruck Bastern) fassen 60—70 Pfund Füllmasse, sind 3 Fuss hoch, haben 14—15 Zoll Durchmesser, und werden mit Holzbelag und Reifen verstärkt; zu jeder Form gehört noch ein Syruptopf, der am besten 16 Zoll Breite und Höhe besitzt, und ohne B'üsse platt am Boden aufsteht. Hat man neue Formen gekauft, so verstärkt man diese durch drei Reifen aus grünen Lianen, legt sie 2—3 Tage in dünnes Zuckerspülwasser, dann 12 —15 Tage in klares Wasser, und reinigt sie vor Gebrauch bestens. Die einheimischen, sogenannten Inselformen, sind rot, 26 Zoll hoch, haben 1 Fuss Durchmesser, und kosten sammt Syruptopf, das Stück 3 Francs. Endlich gebraucht man noch einige hölzerne Tröge (Kanots), in denen die Zuckermasse auskühlen kann, Rührhölzer aus gutem, hartem Holz, und Palmbesen von verschiedener Grösse. Kap. 17 beschreibt die Kocharbeit. Man schöpft den R.oh- saft aus dem Sammelgefäss in den „grossen Kessel", setzt, je nach dessen Qualität, ein Gemisch von 1 Teil Holzasche mit */ 8 , l / 8 oder 312 Elfter Abschnitt. 1 Teil Ätzkalk-Pulver, in Rohsaft gelöscht, und, wenn nötig, auch etwas Spiessglas zu, beginnt, sobald die ganze Oberfläche schaumbedeckt ist, mit dem Abschäumen, kocht eine Stunde lang, und schöpft hierauf den Saft mit dem Löffel rasch in den „ Reinigungskessel *; in diesem kocht man auf, giebt etwas Lauge zu, schäumt ab, und schöpft in den „Laugenkessel" über, in welchem man dem Safte esslöffelweise klare Lauge zusetzt, umrührt, aufkocht, abschäumt, und dies so lange wiederholt, bis kein neuer Schaum mehr aufsteigt. Nun bringt man den Saft in den „Läuterungskessel", verfährt, sobald der Saft zu Syrup zu werden, und wieder Schaum zu entstehen beginnt, so wie vorher, dickt dann den Saft im „Syrupkessel" stark ein, und bringt ihn zuletzt in die „Batterie". Hier giebt man starkes Feuer, so dass grosse Blasen aufsteigen, die man durch etwas Butter niederhält, setzt etwas klares Kalkwasser mit Alaun, oder auch etwas Alaunpulver zu, kocht rasch bis zur Fadenprobe ein, und schöpft, sobald diese erreicht ist, die Masse in den Kühlkessel. Sollte der Saft zäh und langsam kochen, so kann man ihn in der Batterie nochmals mit etwas Wasser verdünnen, und wird sich hierdurch meistens helfen können; dagegen ist es ganz verwerflich, statt Alaun Gyps (bis zu einem Pfunde!) zuzusetzen, denn dieser reisst zwar den Schleim mit nieder, bleibt aber später im Zucker zurück, und bewirkt, dass dieser den Syrup nicht loslässt. In den Kühlkesseln wird langsam umgerührt, wobei sich, je nach der Güte der Masse, binnen 7—15 Minuten eine Rinde bildet; nach abermaligem Umrühren bringt man die Füllmasse in die Kanots, lässt sie abkühlen bis sie eben noch fiiesst, und giesst sie dann in Fässer, welche, nach gesetzlicher Verordnung, wenigstens drei Löcher im Boden haben müssen, und reihenweise auf Lattenböden über einer Zisterne aufgestellt werden. In jedes Loch steckt man ein Stück Zuckerrohr, und lässt durch dieses den Syrup abfliessen; je nach der Güte des verarbeiteten Rohres, und der Sorgfalt der Fabrikation, erhält man hierbei aus 12—-1400 Pfund Füllmasse, dem Inhalte eines Fasses, 400—700 Pfund Rohzucker, doch wird hierbei viel Betrug getrieben, indem man die Masse so kalt ausfüllt, dass sie sammt allem, oder dem meisten Syrup, ganz erstarrt, oder indem man beim Ausfüllen den Ablaufsyrup aus der Zisterne wieder beimischt, oder endlich indem man die Fässer, statt sie nur mit Thonerde zu dichten, mit einer dicken Lage derselben ausschmiert. Kap. 18 und 19. Gedeckter Zucker (sucre terre). Besondere Umstände, die in der Zollpolitik des Mutterlandes ihre Begründung hatten, — auf welche weiter unten zurückzukommen sein wird, — Die Zuckerfabrikation Amerikas im 17. und 18. Jahrhunderte. 313 Hessen gegen Ende des 17. Jahrhunderts weder die Fabrikation gewöhnlichen Rohzuckers, noch die Raffination desselben an Ort und Stelle, lohnend erscheinen. Da nun die fünf Raffinerieen, die bis dahin in Martinique bestanden, obwohl sie, statt 2 1 / 2 —3 Pfund besten Rohzuckers, 7 Pfund desselben zur Herstellung eines Pfundes Raffinade verbrauchten, dennoch mit Gewinn gearbeitet, und sogar allein durch den Syrup alle laufenden Kosten bestritten hatten, so hoffte man durch Herstellung eines helleren Rohzuckers als Zwischenprodukt, das Richtigste zu treffen, und liess deshalb holländische, portugiesische und europäische Meister kommen, die das Decken mit Thon ordentlich verstanden; die erste Fabrik, welche 1695 diese Arbeitsweise einführte, war die eines gewissen Martin. — Wenn man gedeckten Rohzucker herstellen will, so verarbeitet man womöglich nur das beste Rohr, reinigt den Saft ohne oder mit wenig Kalk (weil dieser den Saft häufig dunkel macht), klärt bloss mit klarer Lauge, ohne Zusatz von Spiessglas, und filtriert den Saft beim Überschöpfen jedesmal durch Tücher, erst durch grobe, später durch feinere. Die Füllmasse bringt man in die Hutformen, deren Löcher mit Stöpseln verschlossen sind, und die man in der Breite von drei Reihen längs einer Wand aufstellt, und durch Vorsetzen umgekehrt aufgestellter, zerbrochener oder alter Formen, vor dem Umfallen schützt. Die „Batterie" liefert jedesmal den Inhalt für vier Formen, und zwar füllt man mittelst des Rabenschnabels immer nur ein Viertel der Formen an, so dass diese erst nach dem vierten Umgange ganz voll werden, und sämmtlich ein gleichmässiges Gemenge von grobem Korn, feinem Korn und Syrup enthalten. Nach 15 Minuten zeigt sich eine Rinde, worauf man binnen einer Stunde 3—4 mal mit einem flachen Holze gut umrührt, und dann 12—15 Stunden ruhig stehen und erkalten lässt. Ist dies geschehen, so entfernt man die Stöpsel, bohrt einen Pfriemen 7—8 Zoll tief durch das Loch in die Füllmasse ein, zieht ihn heraus, und setzt die Formen auf die Töpfe oder Pötten, wo man sie, fern vom Rauche der Kochkessel, eine Woche stehen lässt. Hat man 5—600 Formen beisammen, so sieht man nach, ob der Syrup gut abgezogen ist, indem man jedes Brot vorsichtig aufstösst, und aus der Form gleiten lässt; zeigt sich bei diesem „Lossen", dass die Brote schlecht, d. h. noch syruphaltig sind, so schickt man sie am besten sofort wieder zum Auflösen und Ura- kochen zurück. Die guten Brote steckt man wieder in die Hüte, und setzt diese auf frische Pötten, die man in der Breite von sechs Reihen, in Form von beiden Seiten zugänglicher Beete, aufstellt (Abbildung S. 234). Nun nimmt man die oberste graue 314 Elfter Abschnitt. und höckerige Rinde ab. und beseitigt auch eine zweite, kegelförmig gestaltete braune Rinde, die sich häufig unterhalb eines Hohlraumes zeigt, wenn man die erste abgenommen hat. Während dies geschieht, und die Rinden zur Klärpfanne zurückgebracht werden, schabt man je 7 — 10 von 100 Broten fein, und macht mit dem so gewonnenen Zucker, den man mittelst einer Holzplatte und eines kleinen Hammers festklopft, den Broten neue, genau horizontale Böden, die man 3—4 Tage antrocknen lässt; sie sind dann zum Decken mit Thon fertig. Die Thonerde bezieht man aus Rouen, und bezahlt für ein Pass von der besten, die weiss, fein und lind ist, Wasser langsam und ohne Färbung durchsickern lässt, und sich so fett anfühlt, dass man aus ihr Kugeln wie zum Ballspiele formen kann, bis 90 Fr.; die Erde, die man in Guadeloupe findet, ist billiger, aber von minderer Qualität. Man weicht die Erde acht bis zehn Tage ein, was, um Gährung zu verhüten, im Schatten geschehen muss, rührt sie täglich um, siebt alle gröberen Teile sorgfältig ab, und bringt den weichen Brei in das sogenannte Reinigungshaus, welches 1—2 Stockwerke mit gut verschliessbaren Fenstern, und im Erdgeschosse einige Kochkessel für die Feinsyrupe enthält. Man füllt nun die Formen bis an den Rand mit Thonbrei, schliesst alle Fenster, um dessen Austrocknen zu verhüten, überzeugt sich nach einigen Stunden, ob alles Wasser gleichmässig einzieht, und wartet dann 9—10 Tage; sodann wird der Thon abgenommen, in der Sonne völlig getrocknet, und erst dann wieder eingeweicht (anderenfalls tritt Gährung ein), das Brot aber abgebürstet und besichtigt. Weisser als der Zucker nun ist, wird er auch durch mehr Decken nicht, doch giebt man noch eine zweite Decke, um das Wasser tiefer eindringen zu machen, und mehr hellen Zucker zu erhalten; eine dritte ist unnütz, und vermindert nur das Gewicht des Zuckers. Nach 9—10 Tagen, wenn die Erde wieder trocken ist, öffnet man die Fenster, nimmt die Erde ab, und lässt die Brote 8—10 Tage stehen und trocknen. Zwei Monate nach Inbetriebsetzung der Mühle hat man meist 5—600 Brote soweit fertig, dass man sie in die vorher wohl ausgeheizte Trockenhütte bringen kann; diese hat ä 1 ^ Fuss dicke Mauern, doppelte Thüren und Fenster, einen eisernen eingemauerten Ofen mit Kamin, und drei, je 3 Fuss hohe Stockwerke mit Fallthüren, durch welche auch von oben aus die kalte Luft eindringt. Man losst die Brote, hackt ihnen die Köpfe ab, schneidet die fleckigen Stellen aus, setzt sie reihenweise ein, und giebt zwei Tage ein schwaches, sodann acht Tage lang ein starkes Feuer. Die getrockneten Hüte wirft man in starkwandige, in der Erde ein- Die Zuckerfabrikation Amerikas im 17. und 18. Jahrhunderte. gesenkte Holztröge, zerkleinert sie mittelst schwerer Holzkeulen, siebt den Zucker, und stampft ihn in grosse Fässer von 6—700 Pfund Inhalt; die Krusten und Brocken zerkleinert man nochmals für sich, oder mahlt sie zwischen Steinen auf kleinen Handmühlen, wobei indessen leicht Staub zwischen den Zucker gerät. Sollten die Hüte grau aussehen, so kann man sie auch fein reiben oder schaben, wozu auf 600 Formen 16 Leute mit viertägiger Arbeitszeit erforderlich sind, und erhält so feineren, besser und weisser aussehenden Zucker. — Einen Zucker, der ebensogut, und nur etwas dunkler als der gebleichte ist, kann man nach dem System der englischen Kolonieen Jamaika und Barbados machen, denen das Bleichen nicht erlaubt ist, und hat dabei noch den Vorteil, dass der Zucker dann als Rohzucker gilt, und in die niedrigste Steuerklasse fällt: man reinigt hierbei die Säfte durch sorgfältiges Filtrieren, und zwar durch wollene Tücher, füllt in hölzerne vierseitige Formen von Pyramidengestalt aus, lässt den Syrup lange und gut abziehen, schneidet dann den Zucker in grosse Stücke, und trocknet diese an der Sonne. Kap. 20. Der Schaum der vier ersten Kochkessel geht meist direkt zur Destillation, der des 5. und 6. Kessels wird alle zwei Tage für sich abgekocht, mit Kalk, Alaun und Lauge geklärt, mit Thonerde gedeckt, und so in einen lockeren aber hellen Zucker verwandelt. Der vom Rohzucker in die Zisterne ablaufende sog. Grünsyrup wurde früher nur auf Alkohol verarbeitet, in neuerer Zeit aber lehrten holländische und deutsche Zuckermeister, ihn mit viel Kalk zu klären, die eingekochte Füllmasse in Fässern 15—20 Tage abziehen zu lassen, sie dann mit dicken Lagen Thonerde zu bedecken (die den Syrup an sich zieht)*), und so einen trockenen, jedoch stets etwas brandig riechenden Rohzucker zu erhalten, welchen leider viele gewissenlose Meister sogleich dem guten beimischen. Den feineren Grünsyrup, der vor dem Decken der Brote mit Thon abfliesst, klärt man mit Kalk und Lauge, und erhält meist eine zum Ausdecken geeignete Füllmasse, mindestens aber guten Rohzucker, den man wieder mit umkocht: 100 Brote geben 10 Syrupbrote, so dass man meist mit einem Sude in der Woche ausreicht; bei richtigem Betriebe genügt dieser Zucker, um alle Generalspesen und Unkosten der ganzen Siederei zu decken. Den beim Decken mit Thon abfliessenden Feinsyrup i I *) Diese Anwendung der Thonerde war vielleicht die ursprüngliche; die hier angeführten Thatsachen und Umstände sprechen jedenfalls nicht zu gunsten der Annahme, das Decken mit Thon sei zufällig in Amerika erfunden worden. Elfter Abschnitt. kocht man sorgfältig ein, füllt ihn in Kühlkessel aus, deren Boden einen Zoll hoch mit feinem weissen Zucker bedeckt ist, verrührt ihn innig mit diesem, wodurch rasch vieles und grobes Korn entsteht, dessen Bildung man, wenn nötig, durch Einrühren weiteren Staubzuckers fördert, bringt die Masse in Formen, deckt sie aus, und erhält so einen schönen, wenngleich etwas matten Zucker; der Syrup desselben giebt nochmals Zucker, da dieser aber stets brandig riecht, macht man lieber Alkohol daraus. Aller Zucker, der nicht in Hutform gewonnen wird, heisst Kassonade, vom spanischen Cassa = Kiste, weil solche Waare früher stets (und meist auch noch jetzt) in grosse hölzerne Kisten verpackt wurde. Kap. 21—24. Zur Raffination des Zuckers braucht man zwei Kessel von 4 Fuss Durchmesser und S 1 ^ Fuss Tiefe, die mit flachen Böden und einem abnehmbaren Rand von 7—8 Zoll Höhe versehen sind. In die erste Pfanne bringt mau auf jeden Zentner Zucker einen Zentner reines klares Kalkwasser, löst den Zucker auf, schäumt ab, rührt allmählich 1—2 Dutzend Eier ein, die man mit klarem Kalkwasser zu Schaum geschlagen hat, verrührt, schäumt ab, filtriert nochmals sorgfältig durch ein feines dichtes Tuch, und kocht im zweiten Kessel fertig. Die Füllmasse bringt man in mit Zucker ausgestreute Kühlkessel, und behandelt sie ganz wie die aus Feinsyrup gewonnene; die Brote lässt man 8-—10 Tage abziehen, macht ihnen dann Böden, und giebt zwei Thondecken. Gute Waare erhält man nur bei aufmerksamer Arbeit, und deshalb sind die Deutschen und Holländer die besten Zuckermeister, denn sie bewähren sich als fleissig, reinlich und pflichtgetreu, während die Franzosen unbeständig und unzuverlässig sind. — Um sehr feine Raffinade, sog. Königszucker (sucre royal) zu erhalten, läutert man den oben beschriebenen raffinierten Zucker dreimal auf's neue mit schwachem Kalk- oder Alaunwasser, filtriert dabei jedesmal, und deckt die Füllmasse statt mit Thon, mit l 1 /, Zoll hohen Schichten runder, in Wasser eingeweichter Leinwandläppchen aus, die man 8 Tage lang täglich 1—2mal erneuert; solcher Zucker ist hart, fest, schneeweiss, marmorschwer, und so durchsichtig, dass Hüte von 3—5 Pfund Gewicht am Boden einen Finger, an der Spitze Bücherdruck durchscheinen lassen. Man kann aber ohne Schwierigkeit auch Hüte von 46—47 Pfund Gewicht herstellen, doch sind diese nicht beliebt; aus 100 Pfund guter Raffinade erhält man 45 1 /« Pfund Königszucker. Häufig verlangt man, dass derselbe gewisse Wohlgerüche besitzen soll; um ihm diese zu erteilen, legt man die entsprechenden Blumen beim Decken zwischen die Leinwandläppchen. Da viele Leute Die Zuckerfabrikation Amerikas im 17. und 18. Jahrhunderte. 317 zwar Königszucker zu besitzen wünschen, seinen hohen Preis aber nicht bezahlen wollen, so ist derselbe Gegenstand einer betrügerischen Fälschung geworden: man verreibt nämlich feuchten gebleichten Zucker möglichst fein, stampft ihn in kleine leicht benetzte, Formen, und trocknet ihn. Solcher Zucker bildet weisse, glatte, glänzende Hüte von 3-—7 Pfund Gewicht, hat aber keine Festigkeit, ist zerbrechlich und zerfliesslich, und eigentlich höchstens Vs)—Vi sov iel wert, als wirklicher Königszucker; man kann ihn übrigens daran erkennen, dass die Brote oben an der Spitze kein Loch haben. — Um Kandis zu machen, füllt man feine, gut eingekochte Raffinadenmasse in alte oder schlechte Hutformen, schiebt in diese Stäbchen, Herzen, Kronen, Sterne u. dergl., hängt die Formen in einer heissen Trockenhütte auf, stellt unter jede einen Pott, und lüftet den Stöpsel der Form so weit, dass der Syrup in der Wärme ganz allmählich abtropfen kann; zuletzt zerschlägt man die Formen, und nimmt den Zucker, den man auch färben oder aromatisieren kann, heraus. Kap. 25. Die Melassen, Syrupe, und den Klärschaum, vermischt man mit Wasser, und lässt die Lösung in Kanots stehen, bis sie in Gährung übergeht, was 2—3 Tage dauert; hierauf schäumt man ab, füllt die Maische von oben in eine halbkugelförmige Destillierblase aus Kupfer, setzt den Helm auf, treibt den Alkohol mit direktem Feuer über, und kondensiert ihn in einer langen Zinnschlange, die in einem Wassergefässe liegt; er besitzt stets einen starken, sehr aromatischen Geruch, ist höchst berauschend, und wird Taffia oder Guildive (= Kildevil, Mordteufel) genannt. Die Kap. 26—30 besprechen Leistungsfähigkeit und Erträgnis der Zuckerfabriken. Eine mittelgrosse Anlage liefert binnen dreissig Wochen, vom Dezember bis Juli, 6000 — 6500 Formen Füllmasse (also wöchentlich etwa 200, und täglich 33—35), und erzeugt etwa 1500 Zentner Rohzucker, 84 Zentner feinen Syrupzucker, 800 Zentner groben Syrup- und Schaumzucker, den man unter den guten Rohzucker mengt, und 4800 Kannen Branntwein. Eine solche Plantage, z. B. die des Herrn de Varenne in Guadeloupe, war 350—400 000 Fr. wert, und gab mindestens 15°/ 0 , einmal aber auch drei Jahre hintereinander 25°/ 0 Reingewinn; um 6000— 6500 Formen Füllmasse zu erhalten, baute man daselbst 40— 45 Feldstücke, jedes von 100 Fuss im Quadrat, an. Zum Betriebe brauchte man 120 Sklaven und zwar 25 zum Rohr-, 6 zum Brennholz-Schneiden, 8 Karrenführer, 5 an der Mühle, 3 an den Öfen, 6 an den Kesseln, 3 im Reinigungshaus, 1 zur Tücherwäsche, 1 in der Destillerie, 2 Fassbinder, 3 Ziramerleute, 2 Schmiede, 318 Elfter Abschnitt. , I ■ 2 Maurer, 1 Schreiner, 1 Wagner, 1 Viehhüter, 1 Krankenwärter, 6 Hausarbeiter, 1 Aufseher, und 25 Kinder; dabei rechnete man auf 7 Kranke und 10 Alte, nicht mehr Arbeitsfähige. Die Unkosten für diese Plantage betrugen: Gehalt und Kost für die weissen Oberaufseher 2210 Fr., Leinen und Kleider 800 Fr., Arzt 500 Fr., Handwerkzeug 300 Fr., Salzfleisch 2600 Fr., Tücher, Alaun und Spiessglas 200 Fr., zusammen 6610 Fr.; die Einnahme für Zucker und Rum belief sich meist auf ca. 60000 Fr., so dass etwa 53 000 Fr. Reingewinn blieben, von denen jedoch noch die Haushaltungskosten des Besitzers zu bestreiten waren. Mit den Angaben Labat's stimmen fast völlig die, aus den Werken des Franciscus, Hugesius, Markgraf, Nardius, Piso und Rajus geschöpften überein, die sich in Hoffmann-Maeder- jan's „Dissertatio de Saccharo" (Halle 1701), Rohr-Pre's „Disser- tatio de arundine saccharina" (Erfurt 1719), Hoermann-Plaz's „De saccharo" (Lpzg. 1763), und Zahlheimb's „Dissertatio de Saccharo" (Wien 1772) vorfinden. Erwähnenswert wäre nur, dass man die Formen statt auf Pötten auch auf hölzerne Stellagen setzte (Hoffmann), dass man zum Decken, statt Thon auch Gyps, Kreide, ja selbst Asche anwandte (Rohr), und dass man beim Raffinieren das Klären mit Kalk möglichst vermied, weil die Ärzte, allen Aufklärungen zum Trotze, den mittelst Kalk zubereiteten Zucker als „hitzig" und gesundheitsschädlich hinstellten (Hoffmann). Nach Hoffmann und Zahlheimb wurden auf den Zuckerinseln Pferde und Schweine mit Zuckerrohrabfällen gemästet, „wobei Letztere staunenswert fett wurden, und ein Fleisch, zart und wohlschmeckend wie Hühnerfleisch erhielten." Für Tauben, Enten, Eidechsen, Frösche, und Bienen sollte hingegen der Zucker ein Gift sein; die Kanarienvögel aber, die ihn vertragen können, hätten aus diesem Grunde den Namen „Zuckervögel" erhalten (s. Beckmann, „Beitr." I, 563; „Phys.-ökon. Bibl." XV, 244 und XVI, 336). Nach der Nordküste Südamerikas (Terra firma) gelangte das Zuckerrohr erst gegen 1600, und zwar von den Antillen aus (Humboldt, „Reisen" II, 306); der Anbau desselben wurde zwar allmählich ein ziemlich bedeutender, die Fabrikation war aber noch gegen Ende des 18. Jahrhunderts eine höchst mangelhafte. „Die Zuckererzeugung in Terrafirma", sagt Humboldt („Reisen" II, 305 und 306), „steht auf sehr tiefer Stufe, weil man nur für den Verbrauch im Lande fabriziert und sich für den Absatz im Grossen lieber an den sog. Papelon hält, als an Rohzucker oder Raffinade. Papelon ist ein unreiner braungelber Zucker in ganz kleinen Hüten, mit Melasse und schleimigen Stoffen verunreinigt; man hält ihn s Die Zuckerfabrikation Amerikas im 17. und 18. Jahrhunderte. 319 < allgemein für nahrhaft, der ärmste Mann isst Papelon, wie man in Europa Käse isst, auch bereitet man aus ihm den Guarapo, das Lieblingsgetränk des Volkes. Bei der Darstellung des Papelon gebraucht man keinen Kalk, sondern bedient sich der Asche des Bucare, d. i. Erythrina collarodendron. Trotz der schlechten Fabrikationsmethode der meisten Pflanzungen, denen noch jetzt zumeist Kanarier vorstehen, wird doch mit Nutzen gearbeitet, und zwar rechnet man auf eine Tablone, d. i. l a /„ Morgen, jährlich 200— 240 Piaster (ä Fr. 4,50) Reingewinn." „Guarapo bereitet man, indem Papelon in Wasser aufgelöst, und unter starkem Abschäumen etwas eingekocht, sodann abgekühlt, durchgeseiht, und in leicht bedeckten Gefässen, meist hohen irdenen oder hölzernen Krügen, einige Tage stehen gelassen wird; bis zum dritten Tage bleibt der Geschmack angenehm süss und weinsauer, sodann aber wird er herbe. Vielfach aber macht man auch Guarapo aus reinem Zuckerrohrsaft, wie dies z. B. in Venezuela Sitte ist" (Humboldt, ebd. II, 239). In Guyana, welches 1626, und in Cayenne, welches 1634 in französischen Besitz kam, bildete die Zuckerrohrkultur von 1700 an einen wichtigen Erwerbszweig (Beer II, 237); in Surinam wurde sie erst gegen 1750 von grösserer Bedeutung, verfiel aber gegen Ende des Jahrhunderts wieder. Ludwig („Reisen in Surinam", Jena 1789, 81) und Blom („Der Landbau in Surinam", Amst. 1787) trafen daselbst viele Wassermühlen an, die jedoch nur bei Neuoder Vollmond, d. h. bei Hochflut, arbeiten konnten, so dass das Zuckerrohr oft verdarb; der Saft wurde mit Alaun geklärt, und der Zucker war von schlechter Beschaffenheit, so dass selbst grosse und gut bewirtschaftete Plantagen nur 5—6 °/ 0 Reingewinn lieferten. Die Zuckerproduktion Demeraras war schon 1770 eine ziemlich vorgeschrittene; ■ aber erst als die Engländer 1795 das Land eroberten und daselbst das zuckerreiche Otaheitirohr einführten, wurde sie für Europa von Wichtigkeit (Beer II, 198). In Mexiko, dessen elende Verwaltung durch die spanischen Behörden, jede gedeihliche Entwicklung des Landes verhinderte, hörte die Zuckerindustrie schon gegen Ende des 16. Jahrhunderts auf, eine Exportindustrie von Belang zu sein, und ist dies auch bis zum heutigen Tage nicht wieder geworden. Obwohl das Zuckerrohr daselbst ebensogut gedieh wie in Cuba, und grössere Fabriken von 5—7500 Meterzentner Produktion, nicht selten waren, so fand Humboldt doch die Arbeitsmethoden auf der tiefsten Stufe stehend: der meiste Rohzucker, etwa 160 000 Meterzentner, wurde im Inland konsumiert, und zwar in der Form von Papelon, 320 Elfter Abschnitt. I,** -i „der ein wichtiges und ganz allgemeines Nahrungsmittel selbst der ärmsten Klassen bildet, und von diesen bei der Arbeit der Fleischnahrung vorgezogen wird" („Nouv. Esp." II, 339 und 341; III, 176, 32, 183). Die Bereitung von besserem Rohzucker zur Ausfuhr war vergleichsweise unbedeutend, und wurde gegen 1800 fast ganz aufgegeben (Humboldt, „Cuba" I, 189); an ihre Stelle trat die Darstellung des sog. „Chancaca", eines etwas reineren Rohzuckers in Kuchenform, welcher ausschliesslich für den heimischen Verbrauch bestimmt ist (Andree, „Geogr. d. Welth." II, 797). Nach Louisiana brachte schon Maquette, der dieses Land 1673 für Frankreich eroberte, Zuckerrohr, welches aber, da das Klima zu feucht und der Standort zu schattig war, nicht gedieh; erst 1726 wurden, nach Ausrottung der Wälder, neue Anbauversuche gemacht, 1751 durch die Jesuiten bessere Rohrgattungen aus Domingo eingeführt, 1758 die ersten Mühlen in Betrieb gesetzt, und 1765 Zucker nach Frankreich exportiert (Andree ebd. II, 797). Nach der Verwüstung Domingos entwickelte sich, namentlich durch die Bemühungen Etienne Borre's die Zuckerfabrikation zu einem wichtigen Erwerbszweige, und die Ausfuhr betrug bald nach 1800 schon 73 500 Meterzentner (Humboldt, „Cuba"), darunter 1000 Meterzentner Brote aus einer Raffinerie zu New-Or- leans; derselbe Umstand begünstigte auch die Ausdehnung des Anbaues in Pennsylvanien, wohin das Zuckerrohr 1785, nach Anderen 1789, verpflanzt worden war (Poppe, „Gesch. d. Techn." 148ff.). Nach Paraguay kam das Zuckerrohr 1580, nach Argentinien 1620, durch die Jesuiten (Volz 369); die Zuckererzeugung dieser Länder, sowie die Chilis, Venezuelas und Trinidads, besass jedoch gegen Ende des 18. Jahrhundertes noch keine andere als eine lokale Bedeutung (Humboldt, „Caba" II, 35 und 228). ZWÖLFTER ABSCHNITT. 1 Der Zuckerverbrauch Europas im 17. und 18. Jahrhunderte. Der Anfang des 17. Jahrkundertes brachte für Europa eine tiefgehende und völlige Umgestaltung aller Handelsverhiiltnisse mit sich, die wesentlich durch die veränderte Stellung Deutschlands, des bis dahin wohlhabendsten und aufnahmefähigsten Marktes Mitteleuropas bedingt wurde. Schon während der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts war der deutsche Welthandel bedeutungslos geworden und in immer tieferen Verfall geraten, nicht durch die Entdeckung der neuen Seewege und die Entwicklung neuer Handelsstrassen, sondern durch die innere Kraftlosigkeit des Reiches, das völlige Fehlen einer deutschen Handelspolitik, den Mangel jedes Verständnisses für die drohende Gefahr bei Kaiser und Volk, und die aufreibenden inneren Kämpfe zwischen den Fürsten und der kaiserlichen Macht, den Bürgern und Handelsstädten, und den Einzelstaaten untereinander. So geschwächt, wurde Deutschland der Schauplatz des dreissigjährigen Krieges, der seine Macht und seinen Wohlstand völlig zerstörte; es verblieb ein verwüstetes, entvölkertes, zerrissenes und erschöpftes Reich, ohne Mittelpunkt und herrschende Gewalt, an allen Grenzen den übermächtigen Nachbarreichen offenliegend, und eine verarmte, jedes Aufschwunges unfähige, jedes Selbstbewusstseins bare Bevölkerung. Die Einwohnerzahl fiel von 15—16 auf 4—5 Millionen, die blühendsten Städte waren zerstört, Augsburg z. B. von 90000 auf 6000 Einwohner herabgebracht, drei Viertel des Viehstandes vernichtet, und weite Landstriche (mindestens ein Drittel der gesammten angebauten Fläche) verödet und menschenleer; mit der Kaufkraft der Bevölkerung schwand auch die Bedeutung des Binnenverkehres, während zugleich die den Aussenhaudel vertretenden Hansestädte, vereinsamt und unbeschützt, dem aufstrebenden Gewerbefleisse Hollands und Englands weichen mussten, und allen Gewaltakten wehrlos Lippmann, Goschiohto des Zuckers. 21 322 Zwölfter Abschnitt. IM ! ■ ■ gegenüberstanden, so z. B. der Ausweisung der Hansa und der Schliessung ihres Stapelhofes in London 1666, einer Massregel, die schon durch die willkürlichen Beschränkungen der Hansa unter Eduard VI. (1552) und Elisabeth (1597), vorbereitet Worden war (Falke II, 106, 110, 137ff., 154, 184; Sartorius III, 368; Weber, „Weltgeschichte" II, 211). Durch den Verfall Deutschlands wurde auch jener Venedigs bedingt, das nunmehr auch sein letztes und wichtigstes Absatzgebiet verlor; Klagen einiger Augsburger Kaufleute über die unberechtigte Zurückhaltung zur Frankfurter Messe bestimmter Waaren (1616), und das Angebot einiger Deutschen, den Fondaco für jährlich 20 000 Dukaten zu pachten (1637), sind die letzten Äusserungen eines einst so blühenden und weltbedeutenden Verkehres, der rasch und bis auf die letzte Spur erlöschen sollte,, (Simonsfeld I, 437). Die Schädigung des Orienthandels durch die holländische und englische Schiffahrt nach Ostindien, die Bedrängnis durch die Türken, welche 1646, nach heroischer, von ganz Europa bewunderter Verteidigung*), Greta, und 1714 Morea eroberten, und der innere Parteihader, trugen dazu bei, die Bedeutung der Republik herabzumindern (Romanin VII, 527, 355, 466; VIII, 40). Nach 1650 nahmen Handel und Import immer mehr ab, und die 1676 beschlossenen Massregeln des Staates, Aufhebung von Zöllen, Begünstigung der Schiffahrt, Unterstützung von Fabriken, u. s. f., blieben ohne jeden Erfolg (ebd. VII, 536). Nur die Zuckerindustrie vermochte sich auf ihrer alten Höhe zu behaupten, indem sie, statt der früheren europäischen Märkte, die türkischen und vorderasiatischen aufsuchte; noch 1796 führte die Stadt Hut- und Kandiszucker nach Kleinasien aus, und erst um 1800 scheint auch die Zuckerraffination Venedigs ihr Ende gefunden zu haben (ebd. IX, 117; Marin VIII, 347). Gleichzeitig mit dem Niedergange Venedigs erfolgte auch der seiner ehemaligen gefährlichsten Konkurrenten, Portugals und Spaniens. Gestützt auf ein Privilegium Kaiser Karl V., welches der Stadt Genua für die, während der italienischen Kriege geleisteten Dienste erteilt worden war, beherrschte dieselbe schon zur Zeit Philipp IL vorwiegend, und seit 1609 ausschliesslich, die spanischen Märkte; 1609 hob nämlich Philipp III. das Toleranzedikt Karl V auf, und befahl die Austreibung aller Andersgläubigen, vor allem die der Mauren: von 10 Millionen Einwohnern *) S. z. B. Han, „Venediger Löwenmut und Türkiseher Übermut", Nürnbg. 1669. Der Zuckerverbrauch Europas im 17. und 18. Jahrhunderte. 323 verliessen 4 Millionen das Land, in welchem eine Bevölkerung zurückblieb, von der schon Guicciardini sagt: »Vor nichts hat das geringe Volk Spaniens einen gewaltigeren Abscheu, als vor den Geräten und Werkzeugen menschlichen Fleisses." Indem man so die Intelligenten und Betriebsamen zwang ihr Heimatland zu verlassen, wurde aber dessen Handel und Gewerbefleiss der Vernichtung, und die Grundlage alles Wohlstandes, der Ackerbau, dem Untergange preisgegeben; vergeblich suchte die Regierung der einbrechenden Verarmung durch Einschränkung des Zwischenhandels, hohe Zölle, Verbot der Edelmetall-Ausfuhr, Gründung von Handelsgesellschaften (1728 für Karakas, 1735 für Cuba, 1756 für Domingo und Portorieo), und schliesslich durch Freigebung des Handels zwischen Spanien und seinen Kolonieen, sowie zwischen diesen untereinander (1765, 1774), vorzubeugen; einige dieser Massregeln waren unnütz oder sogar schädlich, andere konnten infolge der fortdauernden kostspieligen Kriege keinen Erfolg bringen, noch andere kamen zu spät, um den, durch ein drückendes monopolistisches System ausgesogenen Kolonieen wieder aufzuhelfen, und alle zusammengenommen bewirkten nur, dass die finanzielle und damit auch die politische Macht des Reiches immer mehr zurückging, und sein Handel in völlige Abhängigkeit von dem Hollands, und später Englands geriet. Holland, dessen Hauptstadt Amsterdam nach dem Falle Antwerpens (1587) der Sitz der Industrie und des Handels wurde, und durch ihre 1609 gegründete Bank, den Geld- und Waaren- verkehr ganz Europas beherrschte (Rogers V, 132), hatte die portugiesische Herrschaft in Indien rasch gebrochen, 1638 die Molukken, 1658 Ceylon, 1660 Celebes besetzt, den Handel mit Siam, China und Japan eröffnet, und sich seit etwa 1650 eine Art Alleinherrschaft auf diesem Gebiete gesichert. Die ostindisch- holländische Kompagnie betrieb die rücksichtsloseste Monopolwirtschaft, und heimste hierdurch viele Jahre lang ungeheure Gewinne ein, z. B. 1606 75°/ 0 , 1616 62°/ 0 ihres, e 1 ^ Millionen holländische Gulden betragenden Grundkapitales; von 1602 bis 1729 soll sie die um 360 Millionen Gulden eingekauften Waaren um 1620 Millionen Gulden verkauft, also an denselben mehr als das dreifache des Erstehungspreises verdient haben; noch 1663 erhielten drei Schiffe für die um 600 000 Gulden erstandene Ladung 2 Millionen Gulden, 1697 fünf Schiffe für die um 5 Millionen Gulden erstandene Ladung 20 Millionen Gulden, und ein Fass Arak z. B., das in Batavia 55 Gulden kostete, wurde in Europa mit 700 Gulden bewertet (Falke II, 188ff.; Beer II, 188). Seit 21* 324 Zwölfter Abschnitt. ■ ■ der Mitte des 17. Jahrhunderts begann indes der holländische Handel immer mehr unter der Konkurrenz des französischen und englischen, sowie unter den zollpolitischen Massregeln der Nachbarländer zu leiden, und je mehr sich das Plantagensystem und die Industrie der westindischen Inseln entfaltete, desto fühlbarer wurde der Mangel ähnlicher, der Grossproduktion fähiger Kolonieen, und der, durch das, nur auf augenblicklichen Gewinn bedachte Ausbeutungssystem der ostindischen Kompagnie, begangene Fehler. Die, schon durch den Seekrieg mit England (1652—1654) der Vernichtung nahe gebrachte holländische Marine, vermochte sich in der Folgezeit nicht mehr zu ihrer früheren Höhe aufzuschwingen, und geriet im Laufe des 18. Jahrhunderts in immer weiteren Verfall, der schliesslich durch den Krieg mit England 1781 besiegelt wurde; die ostindische Kompagnie, die durch schlechte Leitung und mangelhafte Verwaltung seit etwa 1725 in stetem Rückschritte begriffen war, erhielt sich zwar bis 1795, in welchem Jahre sie von der Regierung aufgehoben wurde, vermochte aber für den Wohlstand des Mutterlandes nichts Wesentliches mehr zu leisten, um so mehr als sie sich zur Verfrachtung billigerer Massenartikel, z. B. Reis, Wachs, und vor allem Zucker, erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, also zu einer Zeit entschloss, in der Holland längst aufgehört hatte, der Hauptmarkt Nordeuropas zu sein. Besonders die Raffinationsindustrie Amsterdams, die sich seit 1587 in grossartiger Weise entwickelt, und England, Frankreich, Deutschland, und die Küstenstaaten der Ostsee mit Zucker versehen hatte (Beer II, 201; Falke II, 193), war seit etwa 1700 in raschem Niedergange begriffen, den selbst die vom Staate für Jeden, der mindestens 1000 Zentner Zucker versiede, ausgesetzten Prämien, nicht aufzuhalten vermochten (Beckmann, „Phys.-Okon. Bibl." XVIII, 512). In Deutschland und im Norden erlagen die Amsterdamer Raffinerieen den viel billiger und besser arbeitenden Hamburgs, auch geriet ihre Waare in Verruf, teils weil wiederholt grobe Fälschungen mit Mehl und Stärke vorkamen, teils weil man beim Klären der Zuckerlösung mit Rindsblut, welches ungefähr seit 1700 an die Stelle des kostspieligen Eiweisses getreten war, nicht vorsichtig genug verfuhr*); obwohl der Magistrat die Anwendung des Blutes erst ganz verbot (1704, 1714), und sie dann durch eigene sog. „Blut-Faktoren" überwachen Hess, wurde häufig übelriechendes, angeblich sogar madiges Blut angewendet, wodurch *) Das Klären von Salzlösungen mit Rindslilut erwähnt schon 1529 Agricola (Peters II, 136). :^ Der Zuckerverbraueh Europas im 17. und 18. Jahrhunderte. 325 der Zucker, besonders der braune Kandis, einen schlechten Geruch und hässliche Flecken erhielt, und die Brote bröcklig, zerfliesslich, und zum Seetransport unverwendbar wurden (Reisig, b. Beckmann a. a. 0.; Poppe, »Gesch. d. Tech." a. a. 0.). In England und Frankreich aber begannen die holländischen Fabrikate scbon nach der Mitte des 17. Jahrhunderts von den Märkten verdrängt zu werden, und zwar infolge der grossartigen national-ökonomischen Wandlungen, welche die inneren Verhältnisse jener Länder etwa seit 1650 eiuer völligen Umgestaltung entgegenführten. In Frankreich knüpfen sich dieselben an den Namen Colbert's, des genialen Schöpfers des Merkantilsystems, „welcher 1662 —1683 die Finanzen des Landes mit solcher Weisheit verwaltete, dass er nicht allein das Geld zu den kostspieligen Kriegen Ludwig XIV., zu den herrlichen Festen und Einrichtungen, und zu den Bestechungen auswärtiger Minister, ohne besonders drückende Massregeln herbeischaffte, sondern auch Künste und Wissenschaften unterstützte, Handel und Seewesen hob, eine glänzende Marine schuf, Fabriken und Manufakturen erstehen liess, und der Betriebsamkeit des ganzen Reiches einen neuen Aufschwung gab" (Weber, „Weltgeschichte" II, 247). Die Massregeln Colbert's, die sämmtlich bezweckten, die Zahlungsbilanz des Landes möglichst aktiv zu gestalten, die Einfuhr fremder, mit Baargeld zu bezahlender Waaren zu beschränken, die Ausfuhr der heimischen Waaren ins Ausland zu fördern, und eine möglichst grosse Geldmenge innerhalb der Grenzen anzuhäufen, — wodurch man zu jener Zeit Reichtum und Wohlstand des Staates für unbedingt gesichert hielt, — waren auch auf die Zuckerindustrie von tiefgehendem Einflüsse. Der Zoll auf Zucker, wie er 1664 festgesetzt wurde (4 Francs für den Ztr. Rohzucker aus französischen Kolonieen, 7 1 /'„ Francs für fremde Rohzucker, 15 .Francs für gedeckte Zucker, 2 2 V«. Francs für fremde Raffinade), war ein Prohibitivzoll, und kam einem Einfuhrverbote gleich; wie schon 1644 durch ein eigenes Gesetz der brasilische, so wurde nunmehr der holländische und englische Zucker verdrängt, deren Letzterer bis dahin die Nordküste, der Erstere aber ganz Nord- und Mittelfrankreich beherrscht hatte (Le Grand d'Aussy II, 202; Beer II, 239ff.; Falke II, 194 und 210). Um den einheimischen Raffinerieen Absatz im Auslände zu ermöglichen, wurde 1665 eine Rückvergütung des für den Rohzucker bezahlten Eingangszolles im Betrage von 9 Francs gewährt, welche, da man der Rechnung, statt der, zur Herstellung eines Zentners Raffinade wirklich nötigen l 1 /,—2 Zentner besten Rohzuckers, eine nicht unerheblich grössere Menge zu Grunde legte, eine bedeutende 326 Zwölfter Abschnitt. Prämie bedingte, deren Betrag 1684 schon sehr merklich geworden war. Den Kolonieen wurde 1669 das Raffinieren verboten, die Ausfuhr von Rohzucker in fremde Häfen untersagt, und die nach französischen Häfen nur gegen einen Ausfuhrzoll von 3°/ 0 gestattet (Beer II, 280); 1682 wurde dieser Zoll beträchtlich erhöht, und das Raffinieren wieder erlaubt, die Einfuhr solcher Raffinaden nach Frankreich aber mit einem Differentialzoll von 8°/ 0 zu gunsten der heimischen Siedereien belastet. Infolge dieser Umstände, und da während des Seekrieges von 1688 nur wenige französische Schiffe nach den Kolonieen kamen, ihre Waaren nicht gegen Rohzucker vertauschen wollten, und diesen hierdurch sehr entwerteten, wandten sich die Pflanzer seit 1695 der Darstellung des gedeckten Zuckers zu; die französischen Raffineure begannen aber schon im nächsten Jahre über dessen Einfuhr Klage zu erheben, suchten die Verschiffung des zum Decken bestimmten Thones in Rouen zu verhindern, und veranlassten schliesslich, dass 1698 der Einfuhrzoll für Rohzucker von 4 auf 3 und sodann auf 2 1 /., Francs für den Zentner, und die Exportvergütung von 9 Francs auf 5.62 Francs für den Zentner herabgesetzt, dagegen der Einfuhrzoll für gebleichten Zucker wieder auf 15 Francs, und der für Hutzucker auf 22*/ 2 Francs erhöht wurde (La bat cap. 17; „Guide du commerce de lAmerique", Marseille 1777, 382 ff.). Da nach dem Ryswicker Frieden (1697) die Zuckerpreise wieder stiegen, hauptsächlich weil die Raffinerieen in Nantes eine grosse Menge westindischen Zuckers aufkauften (L a b a t a. a. 0.), so machten viele Pflanzer wieder Rohzucker, oder hellen aber ungedeckten Rohzucker nach englischem System; andere jedoch blieben bei der Anfertigung von Raffinaden, deren direkte Verschiffung nach europäischen Häfen, der Türkei, und der Levante, besonders das Haus Maurellet in Marseille betrieb, und dadurch die Produkte portugiesischen Ursprunges (Madeira, St. Thomas) allmählich völlig verdrängte (Labat, a. a. 0.). Durch alle diese Umstände wurde es bewirkt, dass der Zuckerimport nach Frankreich selbst, kaum oder nur unerheblich zunahm, und dem wachsenden Bedürfnisse der französischen Raffinerieen, deren grösste sich in Marseille, Nantes, Angers, Orleans, und Saumur befanden, und „viele Tausende beschäftigten", nicht mehr genügen konnte (Falke II, 286 und 288); in richtiger Erkenntnis dieser Sachlage hob die Regierung 1717 alle Einfuhrbeschränkungen so gut wie völlig auf, und gestattete zugleich den Kolonieen den zollfreien Bezug der Waaren des Mutterlandes (Beer II, 280). Daraufhin nahm die Zuckerindustrie des französischen Westindiens einen grossartigen und an- Der Zuckerverbrauch Europas im 17. und 18. Jahrhunderte. 327 dauernden Aufschwung; während nach Arnould von 1700 his etwa 1715 im Jahresdurchschnitte für etwa 11 Millionen Francs Zucker in Frankreich zur Einfuhr gelangte, stieg diese Ziffer his zum Jahre 1788 auf 134 Millionen Francs (Beer II, 283), und zwar wurden 1788 436 434 Meterzentner Rohzucker, 384 283 Meterzentner gedeckter Zucker, und 121037 Meterzentner Syrupzucker und Abfälle importiert (Humboldt, „Nouv. Esp." III, 181), wovon 213—217 000 Meterzentner im Inlande zum Verbrauche kamen (ebd. III, 181; „Cuba* II, 40ff.; Mac-Culloch III, 1464), während der Rest zur Ausfuhr nach anderen europäischen Staaten diente. Im Jahre 1789 betrug der Konsum Frankreichs etwa 230000, 1798 etwa 257 500 Meterzentner (Humboldt, „Nouv.-Esp." III, 181), und wurde, bevor die Verwüstung Domingos eintrat, von den Kolonieen so reichlich gedeckt, dass es diesen 1784 gestattet werden konnte, Syrup und Rum auch direkt nach fremden Häfen auszuführen. Neben dem oben erwähnten Rückzolle gewährte ein Gesetz von 1786 den französischen Raffinerieen auch noch eine offene Prämie von 4 Francs für den Zentner exportierter weisser Waare, welche bis 1806 bestehen blieb; dagegen wurde bei Einführung der Republik das Gesetz von 1767 aufgehoben, welches die Einfuhr jedes Negersklaven in die französischen Kolonieen mit einem Zolle von 10 Francs belastete, dessen Hälfte indes auf den nach Frankreich zu exportierenden Kolonialzucker in Anrechnung gebracht werden durfte, indem man die Zollquittung bei der Entrichtung der Zuckersteuer in Zahlung gab (v. Kaufmann, „Die Zuckerindustrie in ihrer wirtschaftlichen Bedeutung", Berl. 1878,119). Ahnliche Zwecke wie Colhert's Reformen, verfolgten die in England 1651 von Cromwell erlassenen Navigationsakte (Falke II, 283; Beer II, 317ff., 376). Alle fremden Waaren durften fortan nur auf englischen Schiffen eingeführt, alle Rohprodukte der englischen Kolonieen nur auf deren eigenen, oder auf englischen Fahrzeugen, und zwar allein nach England oder dessen Kolonieen verfrachtet werden, und zur Einfuhr nach den Kolonieen durften nur die Waaren des Mutterlandes auf dessen eigenen Schiffen gelangen. Diese Verordnungen waren mit der Vernichtung des holländischen Zwischenhandels gleichbedeutend, und wurden von Holland mit der Kriegserklärung beantwortet; in dem zweijährigen Seekriege (1652—1654) unterlag aber die holländische Marine der englischen so vollständig, dass Holland, dessen Macht gänzlich gebrochen war, 1654 um Frieden bitten, und die Navigationsakte förmlich anerkennen musste; seine Bedeutung als Seemacht war seitdem im Schwinden, und England begann statt seiner die deut- f. 328 Zwölfter Abschnitt. sehen und nordischen Märkte zu beherrschen (Rogers V, 140). Auch in Ostindien wurde der holländische Einfluss allmählich vom englischen verdrängt; die englisch-ostindische Gesellchaft, welche 1599 mit einem Kapitale von 370000 Pfund Sterling gegründet worden war, 1601 bereits Java, Sumatra, und die Molukken aufsuchte, Tind auf den zwölf, in den Jahren 1603—1613 unternommenen Fahrten, Reingewinne von 171, 218, ja selbst von 340°/ o erzielt hatte, breitete ihre Thätigkeit immer weiter aus, Hess seit 1660 die Küsten des Gangesdeltas befahren, und besetzte 1668 Bombay; 1703 wurde sie mit einer zweiten privilegierten Gesellschaft vereinigt, und erweiterte von da ab systematisch und unter fortwährenden Kämpfen mit Holland, ihr Machtgebiet, bis. mit der Zusammenfassung der zahlreichen, mehr oder minder ausgedehnten Faktoreien und Besitzungen zu einem einheitlichen Ganzen, 1757 jene blutigen, mit unerhörter Zähigkeit und Nachhaltigkeit geführten Kriege zum Ausbruche kamen, die 1784 mit der Errichtung des englisch-ostindischen Reiches endigten. Durch das, in Cromwell's Navigationsakte ausdrücklich ausgesprochene Verbot, Rohstoffe zur Umarbeitung nach Holland zu verschiffen, wurde insbesondere die Zuckerindustrie Amsterdams auf das ärgste geschädigt, während zugleich die Englands raschen Aufschwung nahm, um so mehr als der, mit ausserordentlicher Schnelligkeit wachsende Nationalreichtum des Landes, Luxus und Wohlleben begünstigte, die Existenzbedingungen weiter Kreise verbesserte, und den Verbrauch von Kolonialwaaren aller Art steigerte, ja zu einem täglichen Bedürfnisse erhob (Beer 11,393). In London, Bristol, Greenock, und Glasgow wurden neue Raffinerieen errichtet (Reed 144), und durch deutsche Meister, die wegen ihrer Gewissenhaftigkeit und Reinlichkeit sehr beliebt waren, in Betrieb gesetzt*) (Poppe, „Gesch. der Techn.", a. a. O.); obwohl 1660 ein beträchtlicher Ausfuhrzoll auf den Rohzucker der Kolonieen gelegt wurde, so nahm deren Erzeugung doch so rasch zu, dass dieselben um 1680 bereits allein das für den ganzen englischen Markt erforderliche Quantum zu liefern vermochten, und den Ansprüchen desselben auch genügen konnten, als gegen 1685 die Zuckerausfuhr Englands nach Deutschland und dem Norden grössere Bedeutung gewann. Auch in England selbst wuchs der Zuckerverbrauch erheblich, wie z, B. aus der Thatsache folgt, *) Die Angabe Rogers' (V, 461)., dass vor 1673 eine Rohzuckereinfuhr nicht nachweisbar sei, kann also unmöglich allgemein richtig sein; vermutlich soll sie sich nur auf den Rohzucker der britischen Kolonieen beziehen. Der Zuckerverbrauch Europas im 17. und 18. Jahrhunderte. 329 dass seit 1664 zentnerweise Verkäufe von Zucker üblich wurden (Rogers V, 461); das Raffinationsgeschäft war äusserst lohnend, und Glasgow und Greenock blühten derart auf, dass erstere Stadt 1705, letztere 1707 einen neuen Hafen errichtete, und dass beide seit 1718 ihre eigenen Schiffe nach Westindien senden konnten (Buckle, „Geschichte der Zivilisation in England", Lpzg. 1870; II, 306). Nach dem Frieden von Utrecht (1713) gewann der englische Zuckerhandel noch mehr an Ausdehnung; 1732 warfen allein die westindischen Zuckerzölle 400 000 Pfund Sterling ab, und die Hälfte des eingeführten Zuckers wurde in Form von Raffinade wieder nach dem europäischen Festlande exportiert, besonders seit hierbei eine Rückvergütung des Eingaugszolles stattfand (Beer II, 36511'.). Angesichts der grossartigen Entfaltung der Zuckerindustrie Domingos trat in der Folgezeit die Bedeutung der englischen Produktion und Raffination in den Hintergrund, und erst nach der Vernichtung dieses Hauptlieferanten der alten Welt, übernahm sie von neuem, und dauernd, die führende Rolle. Was die Grösse des Zuckerverbrauches in England anbelangt, so liegen für die Zeit vor 1700 keine brauchbaren Angaben vor, teils weil der Konsum noch ein zu geringer war, teils weil erst 1696 zuverlässige Zollanschreibungen begannen (Mac-Culloch II, 1050; Beer III, 255). In den Jahren 1690—1699 betrug der Verbrauch nach Humboldt („Cuba" II, 40ff.) im Durchschuitte 50 800 Meterzentner; 1700 war er 110000 Meterzentner (Reed 188), 1701—1705 im Mittel 66040 Meterzentner (Humboldt a. a. O.), 1710 156810 Meterzentner (Reed 188). Für die Jahre 1731—1800 liegen genaue Zahlen vor, und zwar giebt Reed dieselben in englischen Zentnern (Cwts.) ausgedrückt, wie folgt an: Jahr Cwts. Jahr Cwts. Jahr Cwts. Jahr Cwts. 1731: 722 445 1742: 681179 1753: 958371 1764: 1246890 1732: 700944 1743: 744008 1754: 816304 1765: 1074467 1733: 899510 1744: 666213 1755: 1072305 1766: 1372480 1734: 650747 1745: 472052 1756: 832994 1767: 1313347 1735: 833 740 1746: 642523 1757: 1138423 1768: 1382929 1736: 819022 1747: 556 523 1758: 914707 1769: 1282935 1737: 510121 1748: 866141 1759: 1030 066 1770: 1577171 1738: 814815 1749: 805313 1760: 1202614 1771: 1254926 1789: 887924 1750: 807471 1761: 1128013 1772: 1569 826 1740: 639803 1751: 782167 1762: 1121803 1773: 1571569 1741: 817647 1752: 789389 1763: 1350456 1774: 1777414 330 Zwölfter Abschnitt. Jahr Cwts. Jahr Cwts. 1775 1640698 1792: 1361592 1776 1478140 1793: 1677097 1777 1207097 1794: 1489392 1778 1324140 1795: 1336 230 1779 1378337 1796: 1554062 1780 1221795 1797: 1273722 1780 —1790: 1620000 1798: 1476522 (im Mittel) 1799: 2 773795 1791 1403211 1800: 1506921 p* I Andere Autoren, bei denen sich Zahlenangaben für einzelne dieser Jahre finden, führen übrigens erheblich abweichende Ziffern an; so z. B. setzt Mac-Culloch (II, 1050) für 1734 940800 Cwts. ein (statt 650 747), für 1750 1000 000 (statt 807 471), für 1754 1193200 (statt 816304), für 1770/1775 1625000 (statt 1565269), für 1786/1795 1815000 (statt 1527 503). Humboldt hingegen („Cuba" II, 40ff.) hat durchweg kleinere Zahlen als Reed; für ganz Grossbritannien nimmt er an: 1761/1765 574520, 1771/1775 990330, 1781/1785 722 390, 1791/1795 774830 Cwts., für England allein 1771/1775 386080, 1786/1790 416560 Cwts., wobei ein Meterzentner rund gleich 2 Cwts. gerechnet ist. Ob diese Verschiedenheiten durch Differenzen in den der Rechnung zu Grande gelegten Ziffern, oder durch solche in der Berechnungsweise zu erklären sind, muss vorerst dahingestellt bleiben. In Deutschland, wo, wie bereits oben angeführt, die Zuckerraffination schon vor 1600 an verschiedenen Plätzen ein eifrig betriebenes Gewerbe bildete, erhielt sich dieselbe nach dem dreissig- jährigeu Kriege, wie es scheint, nur in Hamburg, wo sie schon seit der Zerstörung Antwerpens festen Boden gefasst hatte (Beer II, 474), und war auch hier zunächt mehr für die Versorgung des Nordens und der Ostseeländer, als für die des verarmten deutschen Reiches von Bedeutung. Grösseren Umfang gewann sie indes erst gegen 1700, als infolge der Feldzüge Ludwig XIV. gegen Holland, zahlreiche Amsterdamer Flüchtlinge nach Hamburg gekommen, und dem Wohlstande der Stadt durch Anknüpfung neuer Handelsverbindungen, Eröffnung eines umfassenden Geldverkehres, und Schaffung neuer industrieller Anlagen, von grossem Nutzen geworden waren (Beer IV, 177). Zahlreiche Raffinerieen wurden nach holländischem und englischem Muster errichtet, die Rohzucker erst über Holland und England, dann aber auch direkt aus Havre oder Lissabon bezogen, und die fertigen Produkte ohne Benutzung Der Zuckerverbruuch Europas im 17. und 18. Jahrhunderte. 181 von Zwischenhändlern unmittelbar nach den Absatzgebieten vertrieben (Beer II, 474; Falke II, 311; Busch, „Über die hamburgischen Zuckerfabriken". Hanib. 1790, 3ff.). Die Hamburger Zucker bewährten sich bald als reiner, fester, und namentlich für den Seetransport geeigneter, als die holländischen, und verdrängten diese seit 1700 in steigendem Masse aus Skandinavien, Finnland, Russland, und Deutschland, woselbst namentlich die Leipziger Messe stets grosse Umsätze in hamburgischen Raffinaden aufzuweisen hatte (Busch 8); seit etwa 1740 wurde auch die Konkurrenz Frankreichs, das bis dahin viel Zucker über Holland nach Nürnberg, und zur See nach Danzig geliefert hatte (Falke II, 289 und 298), allmählich überwunden; nur am Rhein blieb Holland herrschend, und sandte bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts jährlich 6—700 Schiffe mit Zucker und Kolonialwaaren nach Mainz (ebd. II, 324), während England über Hamburg und Bremen einen Teil des nördlichen Deutschlands mit den nämlichen Artikeln versorgte (ebd. II, 361). Diese Verhältnisse änderten sich erst, als Hamburg und Bremen nach Beendigung des nordamerikanischen Unabhängigkeitskrieges (1783) mit der Errichtung eigener Schiffe und der Eröffnung direkten Handels vorzugehen begannen, worin sie durch das völlige Stocken des Kolonialwaarenexportes Hollands, das, infolge seiner Einmischung in den amerikanischen Krieg, durch England völlig von seinen Rolonieen abgesperrt worden war, eine ebenso unerwartete wie mächtige Förderung erfuhren (Falke II,. 311; Beer II, 473). In den Jahren 1795—1798 soll die Zuckereinfuhr auf hamburgischen Schiffen durchschnittlich 380000 Meterzentner, im Jahre 1799 sogar 490000 Meterzentner betragen haben, und die Rückwirkung dieser Umsätze auf den Öesammt- handel Deutschlands und den Absatz seiner Erwerbserzeugnisse, war eine grosse/ Die erste Konkurrenz innerhalb des deutschen Reiches scheint den Hamburger Raffinerieen gegen Ende des 17. Jahrhunderts in Brandenburg entstanden zu sein. Im sog. „Konkordate von St. Veit" hatten nämlich Kaiser Leopold und die Kurfürsten 1676 bestimmt, es solle fortan im ganzen römischen Reiche kein holländischer Zucker mehr verkauft werden, „als welcher die heimischen Gewerbe behindert, und viel Bargeld an feindlich gesinnte Ausländer bringt"; den bereits in Deutschland befindlichen Zucker sollten Deutsche noch ein Jahr, Fremde noch zwei Monate lang feilhalten dürfen, während er nach Verlauf dieser Zeit der Konfiskation verfalle. Diese Verfügung dürfte die Errichtung von Zuckerraffinerieen in Schlalach. Lindow, und Schöpstorff in Bran- 332 Zwölfter Abschnitt. ■ denburg, ,denen die Regierung jeglichen Vorschub leistete", veranlasst haben. Aus einem Erlasse Friedrich Wilhelm's, des grossen Kurfürsten, von 1686, geht auch hervor, dass um diese Zeit „Interessenten, auf ein Privilegium hin, eine Siederei in Berlin angerichtet hatten», deren Erzeugnisse von den Hamburgern in gehässiger Weise bekämpft, und als minderwertig und schlecht hingestellt wurden. Um einer Schädigung der Berliner Siederei vorzubeugen, befiehlt der Herrscher, allen fremden Zucker mit einem Groschen pro Pfund zu versteuern, für den Fall aber, dass ein Kaufmann solchen bereits versteuerten Zucker wieder nach dem Auslande verkaufen wolle, die betreffende Menge anzuschreiben, und sie dem Kaufmanne, sobald dieser das nächste Mal neuen Zucker beziehe, in Abschlag zu bringen, so dass er für dieselbe keine Steuer, sondern nur 2°/ 0 des Einkaufs wertes zu bezahlen habe; die Hamburger, welche die Messe in Frankfurt a. 0. beschicken, sollen selbst auch nur jene 2°/ 0 bezahlen, dürfen aber ihren Zucker nur an solche Personen verkaufen, die vorher die Steuer erlegt und einen Passierschein erworben haben; allen unversteuerten Zucker hat die Behörde mit Beschlag zu belegen. Die Bestimmungen dieses Erlasses wurden indes schon 1687 durch einen zweiten „moderiert": die „Accise" wird auf 6 Pfennige für das Pfund festgesetzt, mit Ausnahme der, für die Berliner Siederei eingehenden Rohzucker, welche 2 Pfennige bezahlen, wofür aber dann auch die aus ihnen dargestellten Raffinaden übei - all steuerfrei bleiben; die Hamburger haben auf der Frankfurter Messe 1 Pfennig für das Pfund im en-gros-Handel, 4 Pfennig im Detailhandel zu entrichten, und die in Frankfurt ansässigen Kauf leute sollen, so lange die Messe dauert, dieselbe Vergünstigung gemessen, weshalb sie vor Anfang und nach Schluss der Messe ihre Vorräte anmelden und amtlich nachwiegen lassen müssen; die Käufer auf der Messe haben in ihrem Heimatsorte 2 Pfennige Accise für das Pfund nachzuzahlen, mit Ausnahme des für die eigene Haushaltung bestimmten Zuckers, welcher zwar der Kontrolle wegen anzumelden ist, aber steuerfrei bleibt (E b e rti, , Neue Zeitschrift für Zuckerindustrie", Berl. 1889; XXIII. 149: „Deutsche Zuckerindustrie". Berl. 1890; XV, 186), Über das weitere Schicksal dieser Berliner Siederei ist nichts bekannt, doch scheint sich dieselbe nicht lange erhalten zu haben, zum mindesten war zur Zeit als Friedrich der Grosse seine handelspolitischen Reformen begann, die Erinnerung an ihr Bestehen erloschen. Zu den Industrieen, die der grosse König, in seinem Bestreben, Preussen zu einem geschlossenen, selbständigen, auf Der Zuekerverbrauch Europas im 17. und 18. Jahrhunderte. 333 eigenen Füssen stehenden Handels- und Gewerbegebiete zu machen, in Berlin neu erstehen liess, gehörte auch die Zuckerraffination, denn als unbedingter Anhänger des Colbert'schen Merkantilsystems suchte Friedrich IL, „um das Geld möglichst im Lande zu behalten", gerade die teuren Kolonialwaaren entweder durch hohe Zölle (50—150°/ 0 des Wertes) und Einfuhrverbote ganz aus- zuschliessen, oder sie wenigstens durch Umarbeitung im Inlande für den Wohlstand seiner Staaten indirekt nutzbar zu machen. Etwa fünfhundert Waarenarten wurden monopolisiert und durften nur auf Staatsrechnung, oder durch besonders Privilegierte eingeführt und verkauft werden, und zu diesen gehörte auch der Zucker und der Syrup, deren Eingang, zum Schaden der Hamburger Fabrikanten, erst durch einen Prohibitivzoll beschränkt, und dann (1751) gänzlich verboten wurde (Falke II, 248ff., 256ff.). Im Jahre 1749 erhielt Splittberger ein Privilegium zur Anlegung von Zucker- siedereien in Berlin, deren eine, nach holländischem Muster erbaut, noch im selben Jahre, die andere, nach englischem Vorbilde eingerichtet, 1751 in Betrieb kam; 1760 wurdeSplittgerber's Monopol über die ganze Monarchie ausgedehnt (Otto, a. a. 0. II, 217), und daraufhin 1774 in Bromberg, 1785 in Minden und in Breslau eine Raffinerie eröffnet. Im Jahre 1785 verkaufte die Berliner Siederei für 153 710 Thaler Zucker, die Mindener für 108 000, die Bromberger für 24 544, und der Steuerbetrag belief sich 1788 auf 345 400 Thaler, bei einem Gesammterlös der privi- ligierten Fabriken von etwa 860000 Thalern. Nach dem Tode Friedrich des Grossen (1786) wurde zwar Splittgerber's alleiniges Monopol aufgehoben (Busch 17), das Einfuhrverbot für fremden Zucker blieb aber-unverändert, so dass nach 1790 neue Raffinerieen zu erstehen begannen: die ersten legte v. Velthusen in Wismar und Stettin an*) (Busch 34), sodann folgten die Siedereien von Danzig, Frankfurt a. O., Havelberg, Magdeburg, Königsberg und Elbing (Beer II, 466), welche beiden letzteren Städte, ihrer entfernten Lage wegen, anfangs allein die Erlaubnis erhalten hatten, fremde Raffinaden einzuführen, und 1784 24123, 1785 zusammen 15436 Zentner importierten. Mehrere dieser Raffinerieen gingen indes bald wieder ein, und auch die in den Rheinlanden und Hannover errichteten, vermochten sich nicht zu behaupten (Busch 34); immerhin erzeugten aber die sämmtlichen preussischen Fabriken 1790 bereits 100 000 Zentner Zucker und *) Aus letzterer ging die noch jetzt bestehende Pommersche Provinzial- Zuckersiederei hervor. 334 Zwölfter Abschnitt. m 1 I ■ < 20 000 Zentner Syrup (Busch 36). Die Verkaufspreise derselben waren 15—20°/ o höher als die der Hamburger, der Gewinn überstieg aber trotzdem selten 8°/ 0 , teils weil die Erstehungskosten der Waare um 4—6 Thaler pro Zentner höher waren, als die in Hamburg gewöhnlichen, teils weil die drückenden Monopolpreise einen ausgebreiteten Schleichhandel ins Leben riefen, so dass z. B. allein längs der sächsischen Grenze der jährliche Schmuggel auf 40— 50000 Zentner geschätzt wurde (Falke a. a. O). Der Befehl Friedrich des Grossen, „sich in Berlin allemal nach den Hamburger Preisen zu richten, und nach diesen, mit einem kleinen Vorteil wegen des weiteren Transportes, die Zucker zu verkaufen", wurde schon zu dessen Lebzeiten nicht genau beachtet (Busch 50); in späterer Zeit aber artete die willkürliche Festsetzung der Preise zu einem derartigen Unfuge aus, dass sie die dringendsten Klagen seitens der Steuerzahler hervorrief, und schliesslich auch die Aufmerksamkeit der Regierung erregte. So z. B. lautet ein Erlass Friedrich Wilhelm III. vom 5. Oktober 1799 an das Generaldirektorium der Steuern: „Se. Maj. haben aus den öffentlichen Blättern ersehen, dass die Zuckerpreise im Auslande um 60°/ o gefallen sind, und gleichwohl müssen sie erfahren, dass die hiesigen Zuckerfabrikanten die Preise nur um einen Groschen für den feinsten Zucker heruntergesetzt haben, und dies damit beschönigen, dass sie den Rohzucker noch zu teuren Preisen eingekauft haben. Dieser Vorwand verdient aber um so weniger die geringste Rücksicht, als eben diese Fabrikanten, zu den Zeiten wo die Zuckerpreise im Auslande stiegen, ihren Zucker ebenfalls verteuerten, ungeachtet sie ihn noch wohlfeil eingekauft hatten. Wollte man denselben demohngeachtet stattfinden lassen, so würde durch das, bloss zum allgemeinen Besten gegebene Verbot der Einfuhr der fremden raffinierten Zucker, das ganze Land denen Zuckerfabrikanten zinsbar gemacht werden, welches Se. Maj. schlechterdings nicht gestatten können. Allerhöchstdieselben befehlen daher dem Generaldirektorio, sämmtliche Unternehmer von Zuckersiedereien sofort anzuhalten die Zuckerpreise verhältnismässig herunterzusetzen, und wie solches geschehen, binnen acht Tagen anzuzeigen, oder darauf anzutragen, dass die im Auslande fabrizierten Zucker ebenfalls, gegen eine doppelte Accise, eingelassen werden." Die , Berlinische Zuckersiederei-Kompagnie"*) richtete gegen diesen *) Dieselbe war, nach vergeblichem Einsprüche Splittgerbor's und Jordans, 1794 privilegiert worden; s. die „Aktonmässige Darstellung" dieses Streites, Berl. 1797. Der Zuckerverbraueh Europas im 17. und 18. Jahrhunderte. 335 Erlass eine „Vorstellung" an den König, in der sie wesentlich auf das Vorübergehende der Konjunktur hinwies; der König nahm indes diese „Vorstellung" höchst ungnädig auf, riet der Kompagnie, falls sie demnächst so sicher wieder hohe Preise erwarte, lieber sogleich billigen Rohzucker einzukaufen und sich dadurch für die Zukunft einen Gewinn zu sichern, schlug die Gewährung ihrer Ansuchen „mit Rücksicht auf das Interesse der gesammten Bevölkerung" rundweg ab, und schloss seinen Erlass mit den Worten: „Übrigens wird das Fabriken-Departement bei der verlangten Preisermässigung die gehörige Rücksicht darauf nehmen, dass die Zuckersiedereien bei einer vernünftigen Disposition bestehen können, so wie auch Se. Maj. hoffen, dass die Fabrikanten es nicht dahin werden kommen lassen, dass der fremde Zucker eingelassen werden müsse. Sollte dies aber wider Vermuten dennoch der Fall werden, so werden Se. Maj. dennoch die inländischen Raffinerieen so begünstigen, dass es nur ihre eigene Schuld sein würde, wenn sie dabei nicht bestehen können" (Stadelmann, „Preussens Könige in ihrer Thätigkeit für die Landeskultur" Lpzg. 1887; 239ff.). In Mitteldeutschland blieb Nürnberg zwar auch im 17. Jahrhundert ein Hauptsitz des Zuckerhandels, doch scheint die Zuckerraffination nach dem dreissigjährigen Kriege aufgehört zu haben, und an ihre Stelle trat die Darstellung von Zuckerwaaren. „Der Handel der Nürnberger Zuckerbäcker war sehr beträchtlich, und ihre Waare weit und breit beliebt; man machte weisse, rote und blaue Zuckerzeltlein, Gerstenzucker, kandierte Früchte, überzogene Gewürze, verzuckerten Ingwer, eingemachte Pomeranzen und Zitronen, weisse Lebkuchen, braungebackenes Zuckerwerk, u. dergl. mehr. Von feinem weissea Kandit- oder Kandiszucker wurden grosse Mengen verfertigt, deren Qualität schöner, krystallinischer, heller und feiner war, als man sie in Holland und Hamburg zu machen vermochte; das, was hierbei als flüssige Masse übrig blieb, wurde zu den meisten der oben bemeldeten Konfitüren genommen, und darum konnte man diese so wohlfeil im Grossen verfertigen. Auch viele feine von Traganth gefertigte Arbeiten, Devisen und Vexirkonfekt, und viele kleine, äusserst niedliche und feine Sachen wurden gemacht und nach auswärts verschickt" (Roth III, 76). Auch die Fabrikation von blechernen lackierten Dosen, und eckigen und ovalen Zuckerschachteln war ein bedeutendes Gewerbe (ebd. II, 321; Poppe, „Gesch. d. Techn." II, 459) Im 17. Jahrhundert erliess der Stadtrat, auf die Klagen der Zuckerbäcker hin, wiederholte Verbote gegen die fremde Konkurrenz, besonders gegen die mit Zuckerwaaren und verzuckerten Früchten handelnden i 336 Zwölfter Abschnitt. ■ Italiener (Roth III, 201), und auch zu Anfang des 18. Jahrhun- dertes nahm Nürnberg immer noch den Rang des wichtigsten mitteldeutschen Stapelplatzes für Zucker und Zuckerfabrikate ein (ebd. I, 4). Die Schwierigkeiten, die sich dem Bezüge des französischen Zuckers, welcher den Nürnberger Markt beherrschte, infolge der politischen Ereignisse entgegenstellten, und die Nichtbeachtung der 1734 erlassenen Bestimmung, dass Zucker nicht als Kriegskontre- bande gelten solle, thaten in späterer Zeit der Blüte des städtischen Zuckerhandels grossen Abbruch (ebd. II, 159 und 193), und bereiteten den Verfall desselben vor, der durch die Handelsbeschränkungen in Preussen und in Osterreich, bald darauf herbeigeführt wurde. Wie Friedrich IL, so bemühte sich nämlich auch Maria Theresia um die Hebung der Industrie ihrer Lande. Schon Karl VI. (1711—1740) hatte 1719 eine „Kaiserlich privilegierte orientalische Kompagnie" gegründet, derselben das Monopol des Handels mit Spanien und Portugal übertragen, und ihr 1722 ein Privilegium auf Errichtung einer Zuckerraffinerie erteilt (Beer II, 444). Maria Theresia erneuerte dasselbe nicht wieder, sondern überliess es auf 25 Jahre einer holländischen Kompagnie, die 1750 in Fiume eine Siederei erbaute, und nicht nur den Inlandsmarkt versorgte, sondern auch exportierte, z. B. 1780 etwa 1800 Zentner (ebd. II, 457). Zur Zeit Josefs IL wurde auch in Triest eine Raffinerie gegründet, die sich indessen, obwohl ihr der Kaiser besonderen Schutz angedeihen Hess, nicht behaupten konnte (Busch, Vorr. 3); besser entwickelte sich die Raffinerie in Königsaal bei Prag (1787 als Aktiengesellschaft mit 150 000 fl. Kapital ins Leben gerufen), in deren Interesse Josef IL das, bereits von Maria Theresia erlassene Einfuhrverbot fremden Zuckers erneuerte (Busch 54), während ihr Leopold IL (1790 — 1792) die Erlaubnis erteilte, „in Wien, Linz, Brunn, Prag und Lemberg, Zuckerhüte in öffentlichen Magazinen zu verkaufen" (Beckmann, „Phys.-Okon. Bibl." XIX, 19). Auch in Wien und Klosterneuburg (bei Wien) wurden unter der Regierung Josefs IL Zuckersiedereien errichtet; es wird besonders bemerkt, dass diese ihre Kochpfannen mit Oedenburger Steinkohlen heizten, was vermutlich geschah, um der Steuernachlässe teilhaftig zu werden, die Maria Theresia, in der Absicht, die Einführung dieses neuen Brennmaterials zu fördern, allen Jenen versprochen hatte, die sich desselben zu gewerblichen Zwecken bedienen würden. In Russland wurde die erste Raffinerie, auf Befehl Peter des Grossen, durch das „Manufaktur-Kollegium" zu Petersburg 1702 erbaut; gegen Ende des 18. Jahrhunderts waren auch — Der Zuckerverbrauch Europas im 17. und 18. Jahrhunderte. 337 Siedereien zu Moskau und Kaluga im Betriebe, welche indes, trotz der hohen Zölle auf fremde Zucker, nicht recht gedeihen konnten. so dass Russland eines der wichtigsten Absatzgebiete für Hamburg blieb (Busch 40). In Norwegen gab es seit 1740 Zuckerraffinerieen (Beer II, 495), in Schweden seit 1738, und das ausschliessliche Privilegium derselben wurde erst 1790 aufgehoben (Beckmann, „Phys.-Ökon. Bibl." XVII, 526); 1792 sandte die Insel St. Croix 110 000 Zentner Rohzucker nach Norwegen, Schweden und Dänemark, und lieferte ebendahin für 550 000 Thaler Rum (ebd. XVIII, 409); die dänische Raffination hatte ihren Hauptsitz in Flensburg, wo 1798 fünf Siedereien bestanden, und jährlich für etwa 230 000 Thal er Zucker und Syrup verkauften (ebd. XX, 427). AVas den Zuckerkonsum ganz Europas anbelangt, so liegen für diesen natürlich noch viel weniger als für den der Einzelstaaten Zahlen vor, die auf Verlässlichkeit Anspruch erheben könnten; für 1730 wird als Ziffer desselben 750000 Meterzentner angenommen (Scherzer, „Das wirtschaftliche Leben der Völker", Lpzg. 1885, 103), für 1756 1250000 Meterzentner („Das Ausland" 1847, 72 und 881), für die "Zeit um 1800 etwas über 2—a 1 / 9 Millionen Meterzentner (Humboldt, „Nouv.Esp." III, 181; „Reisen" II, 347; Bernoulli, „Technologie" II, 30); alle diese Angaben sind als blosse Schätzungen anzusehen, und können möglicherweise mit beträchtlichen Fehlern behaftet sein. Vergleicht man die Mengen des im 17. und noch mehr im 18. Jahrhunderte produzierten, und nach Europa eingeführten Zuckers mit jenen Quantitäten, die in den vorhergehenden Zeiten den Gegenstand des Handels, und zwar eines als beträchtlich angesehenen, bildeten, so drängt sich ohne weiteres die Überzeugung auf, dass mächtigere und weit umfassendere Faktoren den Zuckerverbrauch begünstigt und gehoben haben müssen, als die in früheren Perioden wirksamen, welche sich allein auf die Verwendung des Zuckers zu Zwecken des Tafelluxus und der Medizin beschränkten. Diese Verwendungen erfuhren keineswegs einen Abbruch, auch sie erforderten vielmehr weit grössere Massen Zucker als bisher. Der mit Zucker und Zuckerwaaren getriebene Luxus wurde vor allem durch den französischen Hof gefördert, und überstieg bei den von Ludwig XIV*. veranstalteten Feierlichkeiten, namentlich bei dem berühmten siebentägigen Zaubergartenfest in Versailles (1664), alle Grenzen, so dass die Grossen des Reiches, und die auswärtigen Fürsten, deren Haushalt eine sorgfältige Nachahmung des königlichen im Kleinen zu sein pflegte, darauf verzichten mussten, ähnliches zu leisten (Le Grand d'Aussy III, 390 ff); zu Tiippmann, Geschichte des Zuckers. 22 338. Zwölfter Abschnitt. den Leidenschaften der Zeit gehörte es, die Speisetafeln völlig mit Bildern und Mosaikfiguren aus bunten Zuckerkügelchen zu bedecken, deren Anfertigung zu einer eigentümlichen künstlerischen Geschicklichkeit ausgebildet wurde; ferner genoss man mit besonderer Vorliebe Eis, das zuerst 1660 Procop, ein Florentiner, in vielen Sorten anzufertigen verstand, süsse mit Rum und Arak gewürzte Getränke, deren Gebrauch aus England eingeführt wurde, verzuckerte junge Erbsen, die ein Brief der Madame d e Maintenon (1696) als unübertreffliche Delikatesse bezeichnet, und winzige Stückchen der schärfsten Arome und Gewürze, die mit einer dicken Zuckerschicht überzogen waren (ebd. I, 95 und 169; III, 103 und 109). Auf diese spielt Moliere an, wenn er in der Komödie „L'etourdi" („Oeuvres", Paris 1869; I, 41) Mascarille sagen lässt: „Elle fait la sucreo, et vout passer pour prüde, — „Mais je puis on parier aveoque certitudo." Die Bereitung solcher Zuckerwaaren lag zu Anfang des 17. Jahrhundertes noch allein in den Händen der Apotheker; Jean de Renou's „Dispensatorium medicum" von 1615 schreibt diesen vor, dass sie stets einen besonderen Schrank für Zuckerwerk und Konfekte besitzen müssen (Phillippe 13), und Ludwig XIII. (1610—1643) sicherte denselben durch das Dekret von 1638 den alleinigen Verkauf von Zucker und Syrupen zu, wodurch der seit 1485 zwischen Apothekern und Gewürzhändlern geführte Streit neu angeregt wurde. Erst Ludwig XIV. entschied diesen 1707 dahin, dass Letztere zwar Zucker, Syrup, und Honig als solche verkaufen dürften, aber keine daraus verfertigten Waaren, und so hatten noch 1771 bloss die privilegierten Apotheker das Recht, verzuckerten Anis, Koriander und Fenchel, Zitronat, Orangeat, Konfekte und Liköre zu liefern (ebd. 191, 219 ff., 230, 233). „In bürgerlichen Kreisen," sagt Brillat-Savarin in der gegen 1800 verfassten „Physiologie des Geschmackes", „war der Zucker zur Zeit Ludwig's XIII. kaum dem Namen nach bekannt, und auch zur Zeit Ludwig's XIV. fand man ihn anfangs nur in Apotheken; die Klage Scarron's (des witzigen Dichters, dessen Wittwe der König später zur Marquise de Maintenon erhob), dass seine Schwester aus Geiz die Löcher ihrer Zuckerdose habe kleiner machen lassen, beweist indessen, dass dieses Gerät damals (1666) schon im Gebrauche war, und in der That kam der Zucker seit 1650 immer mehr in Aufnahme. Dass er gerade aus den Laboratorien der Apotheker in die Welt hinauswanderte, gereichte ihm nicht zum Vorteil; man sah ihn misstrauisch an, die Einen behaupten, er erhitze, die Anderen, er greife die Brust an, noch l Der Zuckerverbrauch Europas im 17. und 18. Jahrhunderte. 339 Andere, er begünstige den Schlagfluss, und nur sehr allmählich musste die Verläumdung vor der Wahrheit die Flucht ergreifen. Vor mehr als achtzig Jahren wurde dann der merkwürdige Satz ausgesprochen, der Zucker bringe niemandem Schaden, als dem Geldbeutel. Seither wurde sein Gebrauch mit jedem Tage häufiger und gewöhnlicher; man kann behaupten, dass er jetzt eine allgemeine Würze ist, und es giebt kein Weib, namentlich unter den Begüterten, das nicht mehr Geld für Zucker als für Brot ausgäbe" (S. 49, 87, 89). Unter den Gelehrten des 17. Jahrhunderts erklärten namentlich Boyle (1626—1691) und Kunckel (1630—1703) den Zucker unschädlich, der Erstere, weil er entdeckt hatte, dass alle süssen mehligen Stoffe der geistigen Gäbrung fähig seien, der Letztere, weil er wahrnahm, dass ein Zusatz von Zucker den Eintritt der Gährungen begünstige (Hoefer II, 160 und 204); Beide folgerten hieraus, dass der Zucker auch bei der Verdauung schädliche Gährungen errege, und hierdurch vielerlei Magenkrankheiten verursache. Garenzieres sagt in „Angliae flagellum" (1647, S. 92): „Zucker ist kein Nährstoff, sondern ein Gift, und nichts besseres könnte man thun, als ihn nach Indien zurückschicken, wodurch allein die Lungenschwindsucht, die sein unmässiger Genuss uns gebracht hat, unterdrückt werden könnte"; nach Willis (,,l)e scor- buto", 1674) bewirkt der Zucker Zersetzungen und bösartige Wucherungen, nach Pauli erhitzt er den Körper, und ist dadurch den ohnehin schon heissen Lungen schädlich, nach Ray ruft er Fäulnis hervor, indem er die, den menschlichen Leib erhaltenden und konservierenden „bitteren Prinzipien" neutralisiert (Moseley a. a. 0.), nach Lemery („Traite universel des drogues simples", 1693) greift er die Mundschleimhaut an und verdirbt die Zähne, und nach Herrmann („Cynosura", 1710; I, 704) reizt er das Zahnfleisch, den Gaumen und die Brust. Wie seine Tadler, so hatte der Zucker aber auch seine Lobredner und Verteidiger: Borelli in Neapel (1608 —1679) widerlegte die Verwandlung des Zuckers in Galle, und bekämpfte die der Galle bei der Verdauung zugewiesene Rolle; wie man überhaupt die Lebenskraft verwerfen, und alle Erscheinungen allein aus den Gesetzen der Statik und Hydraulik' erklären müsse, so sei dies auch bei der Verdauung der Fall: diese werde durch eine rein mechanische zermalmende Wirkung (trituratio) des Magens verursacht, und habe daher mit der Galle und der vermeintlichen Umwandlung von Zucker in Galle, nichts zu schaffen. Borelli berechnete die verdauende Kraft für den Magen eines Truthahnes auf 1350 Pfund, 22* \ 340 Zwölfter Abschnitt. ■ sein Zeitgenosse Hecquet für den menschlichen Magen sogar auf 261000 Pfund (Haeser II, 284 und 317; Sprengel IV, 386). Nach Angelus Sala aus Vicenza, Leibarzt des Herzogs von Mecklenburg-Schwerin („Opera medico-chymica", Rostock 1650; Abschnitt „Sacharologia") wirkt Zucker beruhigend, fiebermildernd, lösend, nährend, stärkend, blutreinigend, und wundheilend, fördert die Thätigkeit des Magens, der Leber und der Nieren, und schützt vor Fäulnis und Gährung; Pometius empfiehlt Zuckerpulver gegen Augenleiden, die „Portugiesischen Pastillen", aus Rosenzucker, Ambra und Traganth gegen Fieber, die „St. Rochus-Zeltchen", aus Angelika, Schwarzwurzel, Safran, Zitronen, Schwefel, Vipernpulver und viel Zucker, gegen die Pest, die verzuckerten Gewürze und Früchte, deren er einige vierzig Arten aufzählt, gegen Magenkrankheiten (I, 101 ff.; I, 11, 13, 69, 145, 229, 264, 266), die „grossen Mischungen" Alkermes, Hamec, Mithridat, Theriak, und Hyacinth, die sämmtlich viel Zucker enthalten, als Universalheilmittel (I, 38 und 300; II, 179 und 371), und den „Zuckergeist", durch Destillation von Zucker, Zucker mit Alkohol, oder Zucker mit Salmiak dargestellt, da wo alle anderen Mittel versagen. Auch Lemery (1645—1715) spricht in seinem „Cours de Chymie" (Paris 1675) bei Erwähnung des Zuckers wesentlich von diesem „Zuckergeist", dem schon Khunrath so wunderbare Eigenschaften zuschrieb, und Ludovici (1625—1682), Leibarzt des Herzogs von Gotha, der grosse Reformator der Pharmacie, beschäftigte sich ebenfalls vielfach mit demselben (Phillippe, 491). Scultetus („Chirurgie", Frankf. 1666; II, 64) heilte Geschwüre und Wunden durch Einstreuen mit Zuckerstaub, — eine Kunst, die zuerst Staricius von den Türken gelernt haben soll (Hoffmann- Maederjan a. a. O.), — und verwandte eine Lösung von Kandis, Zimmtöl und Rosensyrup in Eselsmilch, zur Behandlung der Lungenschwindsucht (Rohr a. a. O.). Hoffmann-Maederjan (1700) erklärte Zucker für ein echtes, leicht verdauliches, und vorzüglich assimilierbares Nahrungsmittel, ßoerhave („Elementa Chemiae", 1774; II, 260), und Geoffroy („De vegetabilibus", 1774; I, 9) bestätigten dies, Slane („Vindications of sugar", London 1715) widerlegte die Behauptung, dass Zucker die Zähne verderbe, Rouelle (1703—1770), der Lehrer Lavoisiers, lobte den Zucker als besser, gesünder, und verdaulicher wie Honig, und Hufe 1 and („Makrobiotik", 1795; II, 2, 15) empfahl ihn „als bestes Digestiv" zur Beförderung der Verdauung, und zur Erhaltung der Gesundheit. Wie aus diesen Anführungen ersichtlich ist, spielte der Zucker, sowohl als Gegenstand des Luxus, als auch als medizinisches 1 i ^ Der Zuckerverbrauch Buropas im 17. und 18. Jahrhunderte. 341 Mittel, im 17. und 18. Jahrhundert eine bedeutende Rolle, und seine Verwendung zu beiden Zwecken war in steter und immerfort wachsender Zunahme begriffen; dennoch hätte dieselbe niemals einen so ungeheuren, zunächst nach hunderttausenden, zuletzt nach Millionen Zentnern zählenden Konsum ins Leben rufen können, wären diesem nicht seit etwa 1650 ganz neue und mächtige Förderer entstanden, die ihm durch völlige Umwandlung der täglichen Gewohnheiten und Sitten fast aller Völker, binnen kurzem die weitesten Kreise erschlossen. Der Kaffee, der Thee, und die Chokolade waren es, deren Genuss, indem er sich mit überraschender Schnelligkeit allerorten verbreitete und einbürgerte, zugleich auch dem Zucker allgemeine und massenweise Anwendung sicherte. Die Kultur des Kakaobaumes war zur Zeit der Eroberung Mexikos durch die Spanier (1519) daselbst überall verbreitet, und schon seit alter Zeit üblich, da es feststeht, dass der Kakao oder Kakaohatl bereits den Tolteken, als sie 1325 von den Azteken aus Mexiko verdrängt wurden, seit mehreren Jahrhunderten bekannt gewesen war. Die Kakaobohnen dienten als Münze*), auch wurden die Steuern in ihnen gezahlt, und im Reichsschatze fanden die Eroberer nicht weniger als 2 1 / 2 Millionen Pfund derselben vor. In seinem ersten Briefe an Kaiser Karl V. schildert Cortez (1519) die Kakaoplantagen, das Aussehen des Baumes und Samens, und dessen Anwendung; als Genussmittel stand der Kakao damals bei allen Volksklassen im Gebrauche, und zwar wurden, nach den Berichten von Hernandez und Tor quem ad a, die gerösteten, geschälten und gestossenen Bohnen mit kaltem Wasser zu einem Brei verrieben, und dieser, bei armen Leuten mit Maismehl, bei den Vornehmen mit Honig, Gewürzen und Vanille, zu einer dicken schäumenden Masse verrührt, welche Chocolatl (von Choco = Schaum, und Atl = Wasser) genannt wurde, und deren Erfindung man einem mythischen Könige zuschrieb (Prescott, „Conquest of Mexico" I, 135 und 155; Humboldt, „Nouv. Esp." III, 194; Ratzel III, 675). Die Spanier, welche die Chokolade zuerst am Hofe des Montezuma kennen lernten, schickten sie schon 1520 nach Europa (Beer II, 97); da indes Acosta 1584, Benzoni 1565, und Clusius 1593, sie als ungesund, widerwärtig, und der Thätigkeit des Herzens schädlich bezeichneten, so blieb ihr Gebrauch lange Zeit auf Spanien allein beschränkt (Fristedt, b. Wittstein, „Pharmakognosie des Pflanzenreiches", Breslau, 1882,364; Volz 281 ff.). Carletti, der 1606 von weiten Reisen, *) Humboldt fand diesen Gebrauch noch in Costarica vor. 342 Zwölfter Abschnitt. die ihn auch nach Westindien geführt hatten, nach Florenz zurückkehrte, brachte dorthin die Chokolade mit, und lehrte die Kunst ihrer Bereitung, und die Herstellung eines warmen Getränkes aus Kakaomehl; der neue Genuss erregte ausserordentliches Aufsehen, breitete sich rasch über ganz Italien aus, und wurde von dort aus auch nach Deutschland und Frankreich übermittelt. In Deutschland galt die Chokolade nur als Medizin, und findet sich als „Succolata indica praeparata" in der Kasseler Apothekertaxe von 1656, und im Katalog der Dresdener Hofapotheke von 1683 (Flückiger, „Dokumente"). In Frankreich wurde Chokolade zuerst 1615 durch Anna von Spanien, die Gemahlin Ludwig'sXIIL, bekannt, gelangte aber nur in Besitz weniger Vornehmer, z. B. in den des Kardinals Richelieu, Bruders des Ministers; als Maria Theresia von Spanien, die Gemahlin Ludwig's XIV., nach Paris kam (1661), war der Gebrauch der Chokolade noch so ungewöhnlich, dass die Königin Aufsehen vermeiden wollte und „se cachait pour prendre son chocolat"; der Hof nahm jedoch bald diese Sitte an, und während man 1671, wie aus einem Briefe der Madame de Sevigne an ihre Tochter hervorgeht, die Chokolade ausserhalb Paris noch kaum kannte, war gegen 1680 ihre Anwendung im ganzen Lande schon so allgemein, dass die französischen Kolonieen, und zwar zuerst Martinique, Kakao im grossen anzubauen begannen (Le Grand d'Aussy III, 119). Pometius sagt bereits: „Chokolade macht man aus Kakao, Gewürz und Zucker, die beste in Paris" (I, 238). In England war Chokolade schon um 1625 sehr verbreitet, 1649 bauten bereits die englischen Antillen Kakao, und 1657 gab es in London ein öffentliches Choko- ladehaus (Volz 281 ff.). Ebenso war in Holland Kakao schon vor 1650 ein gesuchter Artikel; die holländischen Ärzte rühmten ihn ausserordentlich, und begünstigten hierdurch seine Verbreitung, so z. B. brachte ihn Bontekoe, der Leibarzt des grossen Kurfürsten, 1679 nach Berlin, und suchte ihn dort einzuführen. Friedrich der Grosse verbot den Chokoladenimport, und befahl dem Chemiker Marggraf, nach den Angaben eines französischen Arztes Missa, ein Surrogat dafür aus Lindenblüten und -Früchten herzustellen: die Bemühungen dieses Gelehrten blieben aber ohne Erfolg (Beckmann, „Phys.-Ökon. Bibl." VI, 483; Wiegleb, „Geschichte der Chemie", Berl. 1791; II, 122). Um 1700 verbreitete sich die Chokolade auch nach Russland und Schweden; Linne, der sie 1769 in den „Amoenitates academicae" beschrieb, gehörte zu ihren grössten Lobrednern, und gab dem Kakaobaume den Namen „Theobroma" (Götterspeise). ! 4 Der Zuckervorbrauch Europas im 17. und 18. Jahrhunderte. 343 Der Theestraucli wächst in Assam, in Cockinchina, und nach Fontanier auch in der Mandschurei wild (Decandolle 94; „Flora cochin." 414), nicht aber in China, wo er, obwohl auf- fiilligerweise kein Dokument, kein Reisender, und kein Missionär des Mittelalters dies erwähnt, seit den ältesten Zeiten heimisch, und zum Zwecke des Theegenusses kultiviert war. Bereits das im 12. vorchristlichen Jahrhundert verfasste Buch „Rhya" spricht von Thee als von etwas längst bekanntem, und ein Kommentator aus dem 4. Jahrhundert gieht eine gute Beschreibung des Theestrauches (Bretschneider 13 und 45); wahrscheinlich bereits zur Zeit der Tsin-Dynastie (265—419 n. Chr.), sicher aber im 6. Jahrhundert, war der Thee schon ganz allgemein verbreitet (s. Ritter, „Erdkunde" III, 231), 783 wurde er mit 10°/ 0 besteuert, 793 mit besonderen Zöllen belegt und zu einem kaiserlichen Monopol erklärt (So leim an, b. Rein au d, „Relation" I, 40), und 810 durch einen buddhistischen Wanderpriester aus China nach Japan gebracht. Chinesische Quellen bestätigen, dass der Thee im 8. und 9. Jahrhunderte für das ganze Reich ein unentbehrlicher Konsumartikel war (Reinaud, „Relation" II, 28); er wurde stets möglichst heiss, und ohne jeden Znsatz genossen, so wie auch heute noch die Vornehmen und die Hofkreise Chinas jede Beigabe von Milch, Zucker und dergleichen, strengstens vermeiden (Davis, „La Chine" I, 296; Anderson, „Ambassy to China", London 1795, 74; Klemm VI, 15). Die Araber lernten den Thee in China im 8. Jahrhunderte kennen, verwandten ihn aber unter dem Namen „Tschai" nur in der Medizin; seine Einführung in Indien dürfte, da kein Sanskritwort für denselben existiert, erst in ziemlich später Zeit stattgefunden haben. In Europa nennen den Thee zuerst Ramusio (1559), Almeida, der ihn in einem, zu Japan verfassten Briefe als „Chia" erwähnt (1576), Maffe'i, der ihn in der „Historia Indica" beschreibt (1588), und Texeira, der um die nämliche Zeit die getrockneten Blätter in Malakka sah; nähere Nachrichten gaben jedoch erst Jaricci und Trigaultius (1610), und genauere Beschreibungen Bontius (1631), der Reisende Olearius (1633), und Mandelslohe (1645), welche indes sämmtlich die medizinischen Eigenschaften noch in den Vordergrund stellen (Wittstein a. a. 0. 852; Volz 346 ff.). Die holländisch-ostindische Gesellschaft begann um 1630 den Theehandel zu betreiben, und brachte anfangs nur kleine Sendungen von einigen Zentnern nach Europa; bald aber fand das neue Getränk weitere Verbreitung, und zwar wesentlich infolge der panegyrischen Verherrlichungen desselben durch die holländischen Ärzte Tulpius, van Craanen (1620—1690), und oßf? 344 Zwölfter Abschnitt. I Bontekoe (1647 —1685), deren Schriften vmd Traktate allerorten das grösste Aufsehen hervorriefen, und den Verfassern fürstliehe Honorare seitens der holländisch-ostindischen Kompagnie eintrugen. „Die Gewinnsucht der holländischen Kaufleute, und die Theorie der modischen Ärzte boten sich die Hand, um den Thee als eine Panacee, und als das beste Mittel zur Erhaltung der Gesundheit anzupreisen; diesen, erst seit kurzem aus Ostindien eingeführten Handelsartikel erklärten die Ärzte als zur Verdünnung des Blutes ganz unentbehrlich. Sein feines, öliges, flüchtiges Salz, dessen subtile Geister mit den tierischen Geistern so nahe verwandt seien, sollte die Lebenskraft erhöhen, das Gedächtnis stärken, und alle seelischen Fähigkeiten steigern; es wurde vorgeschrieben, grosse Massen des Getränkes, z. B. zur Vertreibung des Fiebers 40 — 50 Tassen hintereinander zu gemessen" (Sprengel IV, 391; Haeserll, 377 ff.). In Paris wurde der Thee 1635 bekannt; die Ärzte Morisset und Blegny erschöpften sich in Lobeserhebungen, verfertigten Thee-Konserven und -Syrupe, rieten an, Thee zu rauchen, und verschafften dem Theegenuss Eingang bei Hofe, woselbst, wie aus einem Briefe der Madame de Sevigne hervorgeht, die Mar- quise de Sabliere 1680 den Zusatz von Milch oder Creme erfand (Le Grand d'Aussy III, 114 ff.); Pometius sagt bereits, der Thee stehe seit einigen Jahren in so allgemeinem Gebrauche, dass er selbst bei jeder guten Bürgersfrau zu finden sei (I, 162). In England war der Thee \\m 1650 noch selten, aber obwohl 1660, als Lord Arlington zuerst Thee direkt aus Ostindien brachte, ein Pfund etwa 60 Mark kostete, und die englisch-ostindische Gesellschaft noch 1664 dem König Karl IL zwei Pfund als Geschenk überreichte, war der Theegenuss doch schon verbreitet genug, um 1660 besteuert werden zu können (Voltz 346 ff.), und gegen 1700 wird er bereits als ein allgemein üblicher bezeichnet (Rogers V, 461). In Deutschland wurde der Thee durch die holländischen Hofärzte des grossen Kurfürsten bekannt; die Nordhausen er Apothekerordnung von 1657 führt ihn an, ebenso der Katalog der Dresdener Hofapotheke von 1683; in der Lieg- nitzer Apotheke kostete 1662 eine Hand voll noch 15 Gulden, in Ulm 1664 ein Lot 32 Kreuzer, in Leipzig 1689 eine Hand voll vier Groschen, und in Erfurt 1696 ein Lot einen Groschen (Flückiger, „Dokumente"). Nach Russland soll der Thee durch eine asiatische Gesandtschaft gelangt sein, und so rasche Aufnahme gefunden haben, dass 1674 bereits grosse Mengen desselben konsumiert wurden (Volz 346 ff.); ebenso war sein Verbrauch in Nordamerika schon bald nach 1700 ein sehr bedeutender, und die Der Zuckerverbrauch Europas im 17. und 18. Jahrhunderte. 345 Wichtigkeit des Thees als Einfuhrartikel erhellt am besten aus der hervorragenden Rolle, welche die Theezölle und die Versenkung der Theeschiffe in Boston (1773) beim Ausbruch des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges spielten. Der Kaffeebaum wächst im Sudan und in Abessinien wild, und soll seinen Namen von der Landschaft Kaffa im äthiopischen Hochlande empfangen haben (Ritter, „Erdkunde" XIII, 565); doch giebt es auch eine in Westafrika heimische Art, Coffea liberica, welche der ostafrikanischen als in vieler Hinsicht überlegen geschildert wird (Ratzel I, 15 und 572). Bei den Gallas in Abessinien soll der Kaffeegenuss seit jeher üblich gewesen sein, doch liegen Erwähnungen des Kaffees, wie es scheint, erst aus dem 9. Jahrhundert vor; 831 kam Kaffee, den indische Kaufleute in Dschiddah, der Hafenstadt Mekkas, als Zoll entrichtet hatten, nach Kairo (Quatremere, „Memoires* II, 290); Razi (850—923) kennt den Kaffee (Ibn-Beithar I, 389), und auch Avicenna (980—1037) beschreibt ihn, sagt, er werde nach Tisch, und in kaltem Zustande zur Beruhigung und Abkühlung genossen, und warnt, ihm Zucker zuzusetzen, weil er dann ausserordentlich schädlich wirke (S. 130). Es wird berichtet, dass der Kaffeebaum zuerst im Jahre 1258 nach Arabien gelangt sei, wo Aden bereits im 14. Jahrhundert Kaffeehandel betrieb, und 1459 dessen erklärter Mittelpunkt war, von dem aus dieses Gewächs erst 1567 nach Mekka und Mokka verpflanzt wurde (Wittstein a. a. 0. 359; Volz 324 ff.); anfänglich hatte der Kaffee unter der Anfeindung der mohammedanischen Orthodoxen zu leiden, und Chair-Beg, der Statthalter von Mekka, Hess sogar seinen Gebrauch verbieten, und alle Vorräte verbrennen, wie die Einen behaupten, weil er die Wirkung des Kaffees mit der des Weines verwechselte, wie die Anderen sagen,'weil ihm die Versammlungen und Gespräche vieler Menschen in den öffentlichen Kaffeehäusern staatsgefährlich erschienen. In Kairo gab es schon vor 1500 viele Kaffeehäuser, deren auch die Erzählungen ,Tausend und Eine Nacht" öfters gedenken (IV, 162, 173, 178), ebenso auch bald darauf in Persien und Syrien. Nach Konstantinopel brachte Sei im, nach der Eroberung Ägyptens (1517), den ersten Kaffee, 1534 gab es bereits Kaffeehäuser, und 1554 wurde auch hier deren Schliessung aus Gründen des Staatswohles versucht, jedoch gleichfalls ohne Erfolg. Im westlichen Europa lernten vermutlich die Venetianer zuerst den Kaffee kennen; 1512 wurde eine ihrer Gesandtschaften in Kairo mit Kaffee bewirtet (Romanin V, 367), 1556 sandte der Reisende Bellonius einige Proben der gerösteten Körner an Clusius 346 Zwölfter Abschnitt. ■ I 1580 brachten einige Venetianer gebrannte Bohnen als Heilmittel nach Hause (Volz 324 ff.), und 1584 gab Prosper Alpinus, der als Arzt des venetianischen Konsuls vier Jahre in Ägypten verweilte, die erste, unvollkommene Beschreibung des Kaffee- baunies (Decandolle 333). Leonhard Rauwolf aus Augsburg, ein gelehrter Arzt, der in den Jahren 1573 —1576 den Orient bereiste, und 1606 als Feldmedikus zu Hatvan in Ungarn starb, sagt in seiner „Raiss in die Morgenländer" (Lauingen 1582): „Unter anderen habens allda in Aleppo ein gut Getränk, welliches sie hochhalten, Chaube von jenen benannt, das ist gar nahe wie Dinten so schwarz, und in Gebresten, sonderlich des Magens, sehr dienstlich;" in der That war zu jener Zeit auch die medizinische Wirkung des Kaffees, der im Oriente stets ohne jede Zuthat genossen wurde (und noch wird), eine hochgeschätzte, wie dies namentlich die Anpreisung derselben im „Tedhkirat" des Daud el Antaki (1597), einem der wichtigsten spätarabischen Werke über Heilmittellehre, beweist (Leclerc II, 305; Klemm VII, 23). Um 1600 war der Kaffee schon im ganzen Oriente ein allgemeines Bedürfnis geworden; in Kairo gab es 1620 über 1000 Kaffeehäuser, die Levante allein bezog alljährlich über 200 000 Zentner aus Jemen (Beer II, 93 ff.), der Reisende Olearius beschreibt die Herrlichkeit der Kaffeehäuser in Persien, und selbst nach Indien wurden 1642 durch holländische Vermittelung 642 Zentner ans Arabien importiert (Volz 324 ff.). Von Konstantinopel aus brachte Pietro della Valle den Kaffee 1615 nach Venedig, und 1626 nach Rom; 1645 bestand in Venedig bereits ein Kaffeehaus, und die Sitte des Kaffeetrinkens verbreitete sich mit unerhörter Schnelligkeit binnen weniger Jahre durch ganz Italien (Ellis, „Geschichte des Kaffees", London 1774; Wittstein 360; Volz 324 ff.). In England erwähnt Baco von Verulam schon 1624 den Kaffee, 1652 errichtete Pasqua, der armenische Diener eines türkischen Arztes, das erste Kaffeehaus, 1660 waren die Kaffeehäuser schon besteuert, und 1675 erregte der Versuch Karl's IL, sie „als Brutstätten der Rebellion" behördlich schliessen zu lassen, Strassenunruhen (Ellis a. a. O.)*); um 1700 wurde Kaffee schon allgemein und massenhaft konsumiert (Rogers V, 461). In Frankreich eröffneten zuerst 1644 in Marseille einige Kaufleute ein Kaffeehaus (Le Grand d'Aussy III, 126ff.), dem 1650, 1659, 1664, und 1671 zahlreiche andere nachfolgten; in Paris war, nach Aublet, ein Getränk *) Macaulay behandelt in seinem Geschiclitsworke den Einflus.s der Kaffeehäuser auf die politischen Zustände Englands im 17. Jahrhunderte, in sobr eingehender und ausführlicher Weise. ^^—^^[ Der Zuckerverbrauch Europas im 17. und 18. Jahrhunderte. 347 „Cahovet" schon zur Zeit Ludwig's XIII. (1610—1643) bekannt („Histoire des plantes de la Guyane", Paris 1774), auch brachte 1657 Thevenot Kaffee dahin, in Aufnahme kam derselbe aber erst, als Ludwig XIV. beim Empfange der Gesandtschaft Sultan Mohammed's IV. Kaffee genoss (1670), und dieses Getränk in Hofkreisen einführte. Der hohe Adel und die besseren Bürgerkreise begannen sofort gleichfalls Kaffee zu trinken, auf der Messe von St.-Germain wurde noch im nämlichen Jahre Kaffee öffentlich ausgeschänkt, 1671 gründeten Pascal, ein Grieche, und Procop, ein Italiener, die ersten Kaffeehäuser, und so gross war das plötzliche Verlangen nach Kaffee, dass der Preis desselben in Marseille, wo er damals allein zu haben war, auf 140 Francs für das Pfund emporschnellte (Le Grand dAussy III, 126ff.; Brillat-Savarin a. a. O.). Obwohl der Kaffee anfangs als gesundheitsschädlich galt, — noch Madame de Sevigne rät 1680 ihrer Tochter, ihn nur mit Milch und Zucker zu trinken „ pour en temperer le danger", — so war doch schon in kürzester Zeit sein Genuss durch ganz Frankreich verbreitet, wo er den des Thees dauernd verdrängte (Pometius I, 162). „Ein Gebräu von Kaffee," sagt Pometius (1, 235), „ist heutzutage bei jedermann üblich; man setzt Zucker zu, zuweilen auch Gewürz und Zimmt, und manche Leute essen auch die gekochten Bohnen*);" als 1709 der erste Kaffee auf französischen Schiffen direkt aus Arabien importiert wurde, bildete er den Gegenstand einer Manie: alle Welt musste Kaffee essen und trinken, es wurden Tabletten, Konfekte, Syrupe und Liköre daraus bereitet, der berühmte Doktor Ravoisier empfahl sogar Kaffee zu schnupfen, und diese Auswüchse trugen nicht wenig dazu bei, den Kaffee allen Kreisen bekannt zu machen, und ihn rasch zu einem wahren Volksgetränke zu erheben (Le Grand d'Aussy a. a. O.). In Holland war der Kaffeegenuss schon ein ganz allgemeiner, als 1666 in Amsterdam das erste öffentliche Kaffeehaus entstand, und den Holländern gebührt auch das Verdienst, 1694 zum ersten Male rohen, d. h. ungebrannten Kaffee in ganzen Bohnen, nach Europa gebracht zu haben (Beck- *) Elisabeth Charlotte von Orleans, geb. Prinzessin von der Pfalz, schreibt 1699 aus Versailles in ihren „Briofen" (ed. Geiger, Sttgt. 62 und 16(5): „Viele Leute hier trinken Thee und Kaffee und Chokolato, aber ich nehme gar nichts von diesem Zeug, bilde mir ein, es sei nicht gesund. Kann nicht begreifen, wie man es gerne trinkt. Thee kommt mir vor wie Heu und Mist, Kaffee wie Russ und Feigbohnen, und Chokolado ist mir zu süss, thut mir wehe im Magen. Was ich aber wohl essen möchte, wäre eine gute Kalteschale oder eine Biersuppe, . . . braunen Kohl oder Sauerkraut . . .. die iisse ich herzlich gern mit Buch, wollteGott ich könnte so glücklich werden ! il 348 Zwölfter Abschnitt. mann, „Phys.-Okon. Bibl." VII, 24; Volz 324ff.). Die Ärzte Veslingius, van Craanen, und Bontekoe waren es abermals, die im Interesse der leidenden Menschheit, sowie des Geldbeutels der holländischen Kaufleute, „dieses höchst kostbare, wirksame, und unübertreffliche Gesundheitsmittel" in marktschreierischer Weise und mit grossem Erfolge empfahlen (Haeser II, 377 ff). Bontekoe führte den Kaffee am Hofe des grossen Kurfürsten ein, auch findet er sich als Heilmittel im Kataloge der Dresdener Hofapotheke von 1683, und unter dem Namen „Cortex Coffe" in der Erfurter Apothekentaxe von 1696 genannt, und mit einem Groschen das Lot bewertet (Flückiger, „Dokumente"). Das erste deutsche Kaffeehaus erhielt 1679 Hamburg durch englische Kaufleute (Wittstein 359); es folgten dann Wien, — wo Kolschitzky nach der glücklichen Befreiung der Stadt von den Türken (1683), als Belohnung für den Mut, mit dem er unter äusserster Lebensgefahr die Linien der Belagerer passierte, um dem Entsatzheere die entscheidende Botschaft zu bringen, die Erlaubnis zur Errichtung eines Kaffeehauses erhielt, — 1686 Nürnberg und Regensburg, 1687 Köln, 1700 Danzig, 1713 Augsburg, 1720 Leipzig, und 1721 Berlin. Um 1750 war auch in ganz Deutschland der Kaffee- genuss schon allgemein üblich, und Kaffee in Hamburg und Bremen Gegenstand eines bedeutenden Handels (Falke II, 356). Friedrich der Grosse versuchte vergeblich, den Konsum desselben einzuschränken; die von Marggraf und anderen Chemikern aus Roggen, Gerste, Eicheln, unechten Kastanien, Rüben und dergl. dargestellten Surrogate fanden keinen Absatz*), und durch die Verordnung von 1781, welche Kaffee zum Monopol erklärte, die Abgabe von sog. „Bremischeinen" nur an Adelige, Geistliche und Beamte gestattete, alle Übrigen aber zwang, gebrannten Kaffee, 24 Lot für einen Thaler, vom Staate zu kaufen, wurde lediglich der Schleichhandel begünstigt (Beckmann, „Phys.-Okon. Bibl." VI, 483). In Dänemark und Schweden verbreitete sich der Kaffee erst nach 1700; Linne beschrieb ihn 1769 in den „Amoenitates academicae", und widerlegte die Beschuldigung, dass er die Gesundheit des Volkes untergrabe (ebd. I, 204). Schon bald naeh 1650 war die Nachfrage nach Kaffee in ganz Europa so gross geworden, dass ihn das alte Produktionsland, Arabien, auf die Dauer nicht mehr allein befriedigen konnte; zuerst brachten die Holländer unter vanHoorn, kurz vor 1690 den Kaffee nach Batavia, und begründeten dort die *) Erst später wurde der sog. Zichorienkaftee, aus gebrannten Rüben, beliebt; 1790 wurde in Magdeburg die erste Zichorienfabrik errichtet, 1797 gab es ihrer bereits vierzehn. H ■■ Der Zuckerverbrauch Europas im 17. und 18. Jahrhunderte. 349 ' ersten Plantagen; 1718 gelangte er dann nach Sumatra, 1719 nach Surinam und Bourbon, 1720 nach Ceylon, 1723 nach Martinique, 1725 nach Cayenne, 1730 nach Cuba, Domingo, Guadeloupe, und Guyana, 1732 nach Jamaika, 1765 nach Mauritius, und 1770 nach Brasilien (Decandolle 333; Beer II, 93ff.; Volz 324ff.). Nach Holland lieferten die Kolonieen 1719, nach Frankreich 1726, nach England 1740 den ersten eigengebauten Kaffee; 1770 war der ■westindische Kaffee bereits alleinherrschend, und blieb dies bis zum Aufblühen des brasilischen Exportes, der aber im 18. Jahrhunderte noch bedeutungslos war (Handelmann 449). Diese allgemeine und rasche Verbreitung der Chokolade, des Thees und des Kaffees, denen man allenfalls noch den Rum an- schliessen könnte, war es, die zugleich auch für den Konsum des Zuckers Bahn brach; diese Genussmittel waren die Träger, welche seinen Verbrauch hoben und förderten, aus einem Objekte des Luxus und der Heilkunde einen Gegenstand des täglichen Verbrauches der Bürgerhäuser schufen, und an die Stelle einer kostbaren , schon infolge ihrer geringen Menge nur auserwählten Kreisen zugänglichen Waare, einen im Grossbetriebe erzeugten Massenartikel als Welthandelsprodukt treten Hessen. Der ziffer- mässige Betrag dieser Einflüsse lässt sich leider nur in höchst unvollkommener Weise abschätzen; so z. B. soll der Wert der französischen Kaffeeeinfuhr 1700 etwa 5, 1790 etwa 60 Millionen Kranes gewesen sein, und als Theeimport in England seitens der ostindischen Kompagnie, wird angegeben: 1068 :100 Pfund, 1710: 1420 Zentner, 1721:4000 Zentner, 1731:8168 Zentner, 1761: 26192 Zentner, 1784:86083 Zentner, und um 1800:200000 Zentner, wobei aber der Schleichhandel, dem Pitt 1784 durch Herabsetzung des Zolles von 19 auf 12,5°/ 0 den Boden zu entziehen suchte, mindestens die gleiche Menge geliefert haben soll (Beer II, 96). Nach Humboldt („Reisen" II, 347) konsumierte ganz Europa gegen 1800 jährlich 230000 Zentner Kakao, 320000 Zentner Thee, 1400 000 Zentner Kaffee, und 4500 000 Zentner Zucker, im Gesammtwerte von 558,2 Millionen Francs. Die bis zur Verwüstung Domingos im Ganzen stetig sinkenden Preise begünstigten den Verbrauch des Zuckers (sowie aller Kolonialwaaren), und gaben ihm auch das Übergewicht über seinen gefährlichsten Konkurrenten, den Honig; während dieser um 1700 noch in Frankreich und England vielfach im Gebrauche stand (Pometius II, 162), und in Deutschland noch um 1750 mit Vorliebe zum Versüssen, zum Einmachen der Früchte, und als Zusatz beim Bierbrauen verwendet wurde (Falke II, 366; Beckmann, „Bertr." II, 377; „Technolo- ■ 350 Zwölfter Abschnitt. n : :i gie" 139), gab man in letzterem Lande einige Jahrzehnte darauf dem Zucker bereits überall den Vorzug*), „da er nicht nur besser süsst als Honig, sondern auch wohlfeiler ist" (Beckmann, „Phys. Ökon. Bibl." XI, 63), und in England, Holland und Frankreich war der Zucker schon um 1750, „ganz allgemein verbreitet, und auch den weniger Bemittelten zugänglich", wie Adam Smith, der grosse Nationalökonom, in dessen Ruhmeskranz die Bekämpfung der Kolonialpolitik der merkantilen Schule, und die Vernichtung der Vorurteile über das Kolonialwesen, nicht die letzte Stelle einnimmt, in seinem unsterblichen Werke „Wealth of Nations" (1776) bezeugt. Die geringsten Fortschritte scheint der Zuckerkonsum während des 17. und 18. Jahrhunderts in Spanien und Portugal gemacht zu haben, obwohl Lissabon ein wichtiger Stapelplatz für brasilianischen Zucker, und ein Haupterzeugungsort für „Alfeloa"**), d. i. Zuckerwerk und Süssigkeiten aller Art, blieb. Dieser Umstand macht es auch erklärlich, dass der Zucker in den Werken der spanischen Litteratur jener Periode auffällig selten erwähnt wird. Bei Cervantes (1547—1616) wird er im „Don Quijote" nicht genannt; in der Novelle „Preciosa" heisst es: „Bei Gott, dieses Mädchen ist so prachtvoll, sie könnte nicht besser sein, wenn sie von Silber und Zuckerteig gemacht wäre", und im Zwischenspiel „Die eifersüchtige Alte" (Rapp, „Spanisches Theater", Hildb. 1868; II, 155) ist von Zucker und verzuckerten Figuren die Rede. Bei Lope de Vega (1562—1635) findet sich im „Kerker von Sevilla" einmal der Ausruf „o mein Zucker-Paisano!" (Rapp IV, 358), und in der Posse „Die Alimente" kommt ein wandernder Zuckerbäcker und verzuckerter Mandelkuchen vor (Schack, „Spanisches Theater", Sttgt.; III, 305). Calderon (1600—1687) sagt im Lustspiele „Der Verborgene und die Verkappte" („Ausgewählte Werke", deutsch von Schlegel und Gries, Sttgt.; III, 270): „Süssigkeit aus Portugal „Bring' ich, doppelt süss zu nennen, — „Süss als Süssigkeit, und süss „Weil sie Portugal gesendet. Rojas (geb. 1641) erwähnt im „Garcia von Castagnar", einem der volkstümlichsten Dramen der spanischen Bühne, Mostsyrup und *) Nach der Verwüstung Domingos wurde die Bienenzucht wieder eifrig betrieben, und warf z.B. 1798 bis20°/ 0 Reingewinn ab (Beckmann, „Phys.- Ökon. Bibl." XX, 335). **) Älfeloa und Alfelogiro (Zuckerbäcker) kommt nach Dozy vom arabischen Halwa (= Zuckerwerk) her. Der Zuckervoi'braucli Europas im 17. und 18. Jahrhunderte. 351 Rosenlionig als in reichen Bauernhäusern allgemein gebräuchlich (Rapp VII, 122), und auch in Lope de Vega's „Dr. Simpel" (Schack II, 286) sagt der Doktor: „Dieser Mensch nascht mir noch die eingemachten Birnen aus meinem Honigtopf!" Bei den lyrischen Dichtern findet sich der Zucker ebenfalls merkwürdig selten genannt; in den Gedichten der „Blütenlese spanischer Dichter" (ed. Hart, Sttgt.) begegnen wir z. B. nur einmal, in Roxas- Zoxilla's „Zofenliebe" (verf. um 1660) dem Ausdrucke „Zucker- püppchen". Ebenso verhält es sich bezüglich der Prosalitteratur; eine der wenigen Stellen die des Zuckers Erwähnung thun, ist z. B. die folgende aus Balthasar Gracian's „Handorakel und Kunst der Weltklugheit" (deutsch von Schopenhauer, Lpzg. 1871, 171): „Allezeit habe man den Mund voll Zucker, um seine Worte damit zu versüssen, so dass sie selbst dem Feinde wohlschmecken." Sogar die Litteratur des in damaliger Zeit so verarmten Deutschlands tlmt es in dieser Hinsicht der spanischen zuvor, und ganz abgesehen vom „Brunnen Arethusa, darin lauter Zuckerwasser" in Grimmelshausen's „Simplicius Simplicissimus",jenem, die Gräuel des dreissigjährigeu Krieges in so schauerlicher Nacktheit enthüllenden Lebensbilde, dürfte vielleicht seit den Zeiten der arabischen Hofdichter nicht so viel Zucker zu gereimtem Phrasen verbraucht und verarbeitet worden sein, als seitens Hoffmanswaldau's (1618—1679) und Lohenstein's (1625—1683), der wahren Vertreter der deutschen Schwulstpoesie; bei Ersterem wimmelt in manchen Gedichten fast jede Zeile von Zuckerworten, Zuckersilben, Zuckerlust, Zuckerrosen, Zuckermündlein, u. dergl., und der Letztere lässt im „Sultan Ibrahim"-die „Seelen" aus den Lippen der schönen Ambre „Zuckerseim und Zuckers süsse Huld" saugen, in „Venus" den „sanften zuckersüssen West" wehen, und versteigt sich schliesslich zu der Kraftstelle: „Nektar, und Zucker, und saftiger Zimmt, „Perlontau, Honig, und Jupiters Salt, „Balsam der über Kohlenglut glimmt, „Aller Gewächse vereinigte Kraft, „Schmecket zu rechnen mehr bitter als süsse „Gegen -den Nektar der zuckernen Küsse", die ein trauriges Beispiel dessen liefert, was man zur Zeit der tiefsten Erniedrigung der deutschen Litteratur unter Poesie verstand, und als warnendes Muster für die Vergeblichkeit des Beginnens dasteht, den Mangel tiefen Innengefühls durch äusseren Flitterstaat ersetzen zu wollen. II DREIZEHNTER ABSC I INITT. Die europäische Zuckerraffination im 17., 18., und zu Anfang; des 19. Jahrhunderts. Die Kunst der Zuckersiederei scheint, obwohl sie schon im 16., und noch mehr im 17. Jahrhundert, in den wichtigsten europäischen Ländern ziemlich verbreitet war, innerhalb dieser Periode keine ausführliche, speziell technologische Beschreibung erfahren zu haben, vermutlich weil ihre Ausübung auch noch in diesem Zeitalter als Zunfteigentum betrachtet, und geheim gehalten wurde; immerhin lassen sich jedoch aus der, bereits oben erwähnten „Sacharologia" des Angelus Sala („Opera Medico-Chymica", Rostock 1650, 137ff.), sowie aus der „Histoire generale des Dro- gues" des Pometius, einige Anhaltspunkte zur Beurteilung des damaligen Standes derselben gewinnen. Nach Sala leben Tausende von Menschen von der Erzeugung des Zuckers aus Zuckerrohr, und der Handel mit Zucker ist ebenso bedeutend wie der mit Öl, Salz, Wein, Wolle und Gewürzen; der rohe Zucker kommt so, wie ihn das Pressen oder Aviskochen des Rohres und das Reinigen und Eindicken des Saftes liefert, in roher Form nach Europa, wo ihn dann die „Zuckermacher'' (dulciarii) umschmelzen, und in reinere Waare überführen. Von dieser sind namentlich sechs Sorten beliebt: schneeweisser glänzender Krystall- zucker, gewöhnlicher weisser Krystallzucker, gelblicher Farin, gelber aber rein süsser Farin, rötlicher Farin von allerlei Beigeschmack, und weisser harter trockner Brotzucker; bei der Bereitung dieser Zucker entstehen gleichzeitig auch verschiedene Arten Syrup: der geringste, Melazzo, ist honigdick, rot, von süsslich-empyreumatischem Geschmacke, und dient zum Genüsse statt Honig oder Butter, zum Färben, zur groben Konditorarbeit, und als Zusatz bei der Bierbrauerei; der nächstbeste ist hellgelb, honigsüss, und besonders zum Einmachen der Früchte geeignet, der reinste endlich weiss, so süss und köstlich wie der Zucker selbst, aber auch ebenso teuer. Die Kunst den Zucker rein, hart, und glänzend weiss zu machen heisst „Reafinatio", und bedient sich gewisser Operationen, die -Jf Die europäische Zuckerraffination im 17., 18., u. zu Anfang d. 19. Jahrb. 353 mehrmals wiederholt werden müssen; zu diesen gehört das Auflösen, das Abschäumen, das Klären, das Filtrieren durch Säcke, welche man nachher mit heissem Wasser aussüsst, das Giessen der eingekochten Massen in Formen, das Abziehen des Syrups, das Trocknen, und das Zerkleinern. Um Zucker von bester Qualität zu erhalten, löst man den Rohzucker in Wasser, filtriert die Lösung, um Sand und Unreinigkeiten zu entfernen, klärt sie mit Eiweiss, kocht ein, und füllt die Masse in Formen; wenn diese erkaltet sind, lässt man den Syrup ablaufen, löst dann den Zucker in klarem Kalkwasser, schäumt sorgfältig ab, dickt ein, und giesst die Füllmasse wieder in Formen; man lässt nun abermals den dicken, klebrigen, übelriechenden, und scharf schmeckenden Syrup abziehen, und wiederholt alles dieses so oft, bis der Zucker rein und weiss, der Syrup hell und klar wird. Wenn man richtig verfährt, und nur gehörig verdünntes, aus frisch gebranntem Kalk bereitetes und durch Absitzenlassen in hölzernen oder steinernen Gefässen völlig geklärtes Kalkwasser verwendet, so ist es unmöglich, dass Kalk im Zucker zurückbleiben, und dieser nach Kalk schmecken sollte; da der Zucker, für sich, und als Zusatz, das gebräuchlichste Arzneimittel ist, so gilt es die Menge darüber aufzuklären, dass die Schädlichkeit der Klärung mit Kalk ein blosses Vorurteil ist, obgleich auch manche Arzte dasselbe teilen, und die ausschliessliche Anwendung mit Eiweiss gereinigten Zuckers vorschreiben. Es ist nämlich sicher, dass das Kalkwasser die dunklen schleimigen Substanzen des Rohzuckers leichtflüssiger macht, und da es beim Klären einen Teil seiner Alkalität verliert, auch mancherlei saure Stoffe neutralisiert; durch das Klären mit Kalk muss man also offenbar gerade sehr reine Zucker erhalten, und dass dies wirklich der Fall ist, und Icein Kalk in ihnen zurückbleibt, kann man daraus ersehen, dass solche Zucker vollkommen verbrennlich sind, und keinen Rückstand von Kalk oder Salzen hinterlassen. Nach Pometius (I, 101 ff.) kommt der, auf bekannte Weise*) bereitete Rohzucker hauptsächlich in zwei Formen nach Europa, als Moscovade und Kassonade. Die Moscovade soll grauweiss, trocken, und möglichst wenig schleimig sein, da sie aber in der Regel gelb bis braun, syrupreich, und von brenzlichem Geschmacke ist, so kaufen die Raffineure sie nicht gerne, oder verarbeiten sie wenigstens nicht allein. Die Kassonade ist mit Thon gedeckter, von den syrupreichen Teilen befreiter, und in der Sonne scharf *) Fig. 83 und 84 geben die Abbildung einer 3-Cylindor-Müble mit Ochsenbotrieb, einer Kochstation mit 5 Kesseln, und einer Zuckerrphr-Pflanzo. tiippmann, Geschichte des Zuckers. 23 354 Dreizehnter Abschnitt. 1 lli getrockneter Zucker, ein weisses, körniges, ähnlich wie Veilchen riechendes und schmeckendes Pulver, dessen beste Sorten aus Brasilien und Westindien kommen, und den eigentlichen Rohstoff der Eaffinerieen bilden. Das Hauptprodukt der letzteren ist Hutzucker in etwa 12 Pfund schweren Broten, die man in graues und blaues Papier einschlägt; sie sind weiss, feinkörnig, hart und klingend, und bilden die Waare des bürgerlichen Haushaltes, der sich nicht daran kehrt, dass sie häufig Fehler haben nnd gelbliche Flecken zeigen. Durch Umklären und Umkochen macht man aus diesem Zucker kleinere, sehr feine Brote von nur 2—6 Pfund Gewicht, welche man als Geschenke, zur Darstellung weissen Syrups, und zum Einmachen der feinsten Früchte und Konfitüren benutzt. Durch nochmaliges Umkochen solcher kleiner Brote, oder der allerbesten, ganz hellen brasilischen Kassonade, erhält man den sog. Königszucker, den man zuerst in Rouen, später auch in Dieppe und Orleans bereitete; er hat ein feines, dichtes, glänzendes, sehr festes Korn, und jeder einzelne Hut ist von oben bis unten tadellos, und an der Spitze ebenso schön wie am Fuss. Die Holländer, die jetzt solchen Zucker in kleinen, violett einpapierten Broten liefern, fabrizierten ihn früher in 18—20 Pfund schweren Hüten, wickelten diese in Palmblätter ein, und verkauften sie als „Palmzucker". Ahnlich sollen auch die Zucker beschaffen gewesen sein, welche vordem Madeira und Kanaria nach Europa sandten, die aber jetzt durch die westindischen und brasilischen verdrängt sind. Aus den Syrupen, die bei der Darstellung der feinen Zucker abfiiessen, kocht man den sog. „Chypre", einen rötlichgrauen, meist etwas feuchten und brenzlichen Zucker, der ehemals allgemein beliebt war, jetzt aber nur mehr von ärmeren Leuten gebraucht wird; der Syrup, der von diesen abfliesst, heisst „ Malasse", und geht meist nach Holland, wo ihn die Arbeitsleute statt Zucker verzehren, oder die Fabriken ihn zum Rumbrennen und zum Einquellen des Tabaks verwenden. Aus Hutzucker oder weisser Kassonade stellt man auch den Kandis dar: man löst den Zucker auf, kocht ihn nicht allzuschwer ein, füllt ihn in grosse kupferne Gefässe (Pötten), die mit kleinen Hölzchen ausgesetzt sind*), und hält ihn 14 Tage lang in einer sorgfältig geheizten Stube warm. Ebenso macht man auch braunen Kandis aus Moscovade, benutzt aber hierzu irdene Töpfe; den besten Kandis erzeugen noch immer die Holländer *) Die Gewohnheit, Zucker an Hölzchen krystallisieren zu lassen, erhielt sich noch lange, nachdem sie für andere Stoffe längst abgekommen war; so z. B. sagt Pometius (II, 345): „Borax schiesst an Baumwollfäden an, wie Zucker an Holz." ■K Die europäische Zuckerraffination im 17., 18., u. zu Anfang d. 19. Jahrli. 355 und er wird stets erheblich teurer bezahlt als der von Paris, Tours, oder Orleans. Die erste fachgemässe Beschreibung der Zuckerraffination verdanken wir Duhamel duMonceau (1700—1781), einem Chemiker, Gelehrten, und Technologen von seltener Vielseitigkeit und Gründlichkeit, der auf zahlreichen Gebieten Nützliches angeregt und bewirkt, und unter anderem auch zuerst das Natron als besonderes Alkali erkannt, und vorgeschlagen hat, Soda künstlich aus Kochsalz herzustellen. Auf Grund eigener genauer Beobachtungen in den Raffinerieen von Orleans, Nantes, la Roch eile, und Marseille, schrieb er das Werk „L'art de raffiner le Sucre", welches 1764 in Paris erschien, und neben dem laufenden ausführlichen Texte zehn Tafeln Blustrationen in Gross-Folio enthält, welche zahlreiche und getreue Abbildungen sämmtlicher Gebäude, Räume, Apparate und Geräte einer Raffinerie, bis zum kleinsten herab wiedergeben. Duhamel du Monceau beginnt mit der Schilderung des Rohzucker-Magazines. Ein solches soll jede Raffinerie haben, und es so gross und geräumig bauen, dass man Platz hat die Zuckerfasser zu lagern, zu zerschlagen, die verschiedenen Sorten Zucker auszusuchen, und getrennt in Haufen zu werfen; das Magazin soll luftig und reinlich sein, und muss deshalb mit Kanälen und Sammellöchern für die aus den Rohzuckerfässern stets abtropfenden Syrupe versehen werden. Da guter Rohzucker ' 2 / ft Raffinade giebt, schlechter aber viel weniger, so ist es offenbar, dass eine Raffinerie, um gut und gleichmässig zu arbeiten, auch stets ein gleichmässiges Gemisch aus den eingekauften Rohzuckern in Arbeit nehmen muss; dies bewirkt man am besten dadurch, dass man jede Klärpfanne mit einer bestimmten Anzahl von Holzkübeln ausstattet, von denen jedesmal die Hälfte oder ein Drittel mit besserem, die übrigen mit geringerem Rohzucker gefüllt zugetragen werden, so dass man stets ein Gemenge von gleichmässiger Beschaffenheit erhält. In der Regel hat man zwei Klärpfannen, einen Kochkessel, und einen Schaumkessel, welche sämmtlich vier Fuss Durchmesser besitzen, aus Kupferblechen zusammengenietet sind, flache Böden und ein bis zwei Randreifen haben (die man, wenn der Schaum steigt, aufsetzen, und nachher wieder abnehmen kann), und behufs leichterer Beschickung am bestell in den Boden eingesenkt, und ringsum mit Bleiplatten abgedeckt werden. Gefeuert wird mit Steinkohle*), *) Nach Vonel (,,Instruction sur l'usagc de la houille", Avignon 1775) verwandte die Raffinerie in Montpellier um 1750 zuerst Steinkohle zu Hoiz- zwecken. 28* 356 Dreizehnter Abschnitt. ■ und zwar berührt die Flamme nur den Unterteil des Kessels. Man füllt die Klärpfannen mittelst Eimern zu 2 / 3 mit reinem, völlig klarem Kalkwasser, bringt ein gleiches Gewicht Rohzucker hinein, heizt unter stetem Umrühren an, fügt einen Eimer ganz frisches Rindsblut (oder, nach alter Methode, die entsprechende Menge Eiweiss) zu, setzt die Randreifen auf, mässigt, sobald mau durchgemischt hat, sogleich das Feuer, lässt den Schaum aufsteigen, löscht, sowie dies geschehen ist, das Feuer aus, wartet eine Viertelstunde bis der Schaum zusammensinkt, und schöpft ihn ab; wenn man das Feuer nicht rechtzeitig löscht, so trennen sich Syrup und Schaum nicht voneinander ab. Nach dem Abschäumen feuert man wieder an, giebt noch etwas Blut und Kalkwasser zu, und wiederholt das Ganze so lange, bis kein Schaum mehr aufsteigt, und die Lösung völlig blank erscheint, worauf man sie durch einen mit Leinwand ausgelegten Korb, in eine grosse, meist versenkte Sammelkufe abfiltriert. Aus dieser schöpft man die Kläre in den Kochkessel, nimmt diesen halb voll, giebt starkes Feuer, setzt etwas Butter zu, um den Schaum niederzuhalten, und kocht rasch, jedoch nicht zu schnell (weil sonst plötzlich vieles feines Korn entsteht), unter stetem Umrühren mit dem Probestabe, bis zur Fadenprobe ein; im richtigen Moment löscht man das Feuer, und schöpft die Masse in den Kühlkessel. In diesem lässt man, um Ungleichheiten der Konzentration auszugleichen, 6—8 Sude zusammenkommen, rührt schliesslich nochmals tüchtig um (da sich oben eine Kruste bildet, und noch mehr Krystall zu Boden fällt), und füllt aus, indem man jede Form immer nur mit einem Viertel, bei kleinen Formen mit der Hälfte der ganzen Füllmassenmenge beschickt, und dies wiederholt bis sie voll sind. Die Formen sind aus Thon, und fassen meist 30—35 Pfund Füllmasse, was 15—17 Pfunden trockener Raffinade entspricht; man hat aber auch Formen, die nur 2, und solche, die 20 Pfund fertigen Zucker ergeben. Vor dem ersten Gebrauch lässt man sie 4—5 Tage in Gährwasser und 2—3 Tage in reinem Wasser liegen, wäscht und trocknet sie sorgfältig, und verstopft das Loch an der Spitze mit einem Leinwandlappen. Nach dem Füllen werden die Brote zweimal umgerührt, auskühlen gelassen, und dann durch die in den Fussböden vorhandenen Lucken auf die Böden befördert; hier entfernt man die Lappen, sticht mit einem Pfriemen ein, setzt die Brote auf Pötten, und lässt den roten schleimigen Grünsyrup ablaufen, was 4—G Tage dauert. Hierauf werden die Brote besichtigt, die guten auf andere Pötten gestellt, nach dem Abkratzen der obersten Schicht mit neuen Böden versehen, wozu man etwa 10°/ 0 weisser feingesiebter Kassonade an- Die europäische Zuckerraffination im 17., 18., u. zu Anfang d. 19. Jahrb. 357 wendet, und hierauf gedeckt. Zum Decken dient ein steifer Brei von feiner, farbloser, massig fetter Thonerde, deren beste Sorten, die nicht abfärben, das Wasser nur langsam abgeben, und nur wenig Zucker aufnehmen, aus Rouen und Saumur kommen, und vor dem Gebrauche acht Tage lang gewaschen, geknetet und gesiebt werden müssen. Je feiner der Zucker ist, in desto dünnerer Schicht trägt man die Erde auf, z. ß. für die feinkörnigsten Brote nur 3—5 Linien hoch. Man lässt nun die Brote, sorgfältig vor Luftzutritt geschützt, 8—10 Tage stehen, schneidet dann die Thon- schicht am Rande ringsum ein, hebt sie ab, besichtigt die Brote, und giebt ihnen eine zweite, wenn nötig, auch eine dritte Decke; die Brote, die* dann an der Spitze noch nicht rein sind, werden am besten umgeschmolzen, falls man sie nicht als Ausschuss verkaufen kann; die übrigen werden im rechten Momente, — der genau zu beachten ist, weil sonst die Spitzen locker werden, oder an der Form festhaften —, umgedreht, aus der Form gestossen, auf Leinwand gestellt, allmählich antrocknen gelassen (was bei kühler Jahreszeit durch Anzünden eines Kohlenbeckens befördert werden muss), und schliesslich in die Trockenstuben gebracht. Soyer in Orleans ersetzte zuerst deren frühere unvollkommene Gestalt durch eine bessere Einrichtung: seine Stuben bestehen aus sechs übereinander liegenden Lattenböden, die durch Lucken verbunden sind, 600—800 Brote fassen, und durch wenige Leute rasch ein- und ausgeräumt werden können. Man giebt nun 1—3 Tage schwache, dann 5—7 Tage starke Wärme (bis 50° R.), und lässt hierauf langsam auskühlen; nach dem Trocknen zeigen sich die Fehler: schlecht oder zu spät umgerührte Füllmassen geben „blumige" Brote, schlecht gedeckte Brote werden streifig und fleckig, schlecht vorgetrocknete erscheinen löcherig, oder fallen sogar zusammen. Die guten Brote werden abgeputzt, in blaues Papier eingeschlagen, weil die blaue Farbe des Papiers, die oft etwas gelbliche des Zuckers am besten verdeckt, mit Bindfaden verschnürt, und in Fässer verpackt. Die feinste Raffinade, welche ehemals nur die Holländer zu machen verstanden, heisst Königszucker; man verfertigt sie aus gewöhnlicher Raffinade, gedeckten Broten, oder ganz weisser Kasso- nade, indem man mit wenig Kalk- oder Alaunwasser und etwas Blut klärt, wiederholt durch feine Tücher filtriert, und mit ganz besonderer Sorgfalt einkocht, deckt, und trocknet. Königszucker wird stets in violettes Papier mit weisser Einlage verpackt, und das grosse Bedürfnis der Raffinerieen nach schönem Buntpapier, hat nicht wenig zur Entfaltung dieser Industrie in Frankreich beigetragen; vielfach wird diese edle Zuckerart verfälscht, indem man \M 358 Dreizehnter Abschnitt. den Kunden statt derselben gemeine Stampf brote verkauft, die man namentlich in Marseille mit sehr schönem Ausseren zu fabrizieren weiss, ohne jedoch den Hauptmangel, Zerbrechlichkeit und Zer- füesslichkeit, vermeiden zu können. Aus derselben Masse wie Königszucker kocht man auch weissen Kandis, lässt denselben in alten Formen, die nachher zerschlagen werden, 8—10 Tage kry- stallisieren, und sammelt den abtropfenden Syrup in Pötten; häufig werden dem Kandis allerlei Wohlgerüche, oder Indigo und Cochenille behufs schönerer Färbung zugesetzt. — Der Thon, den man von den gedeckten Broten abnimmt, wird getrocknet, gut ausgewaschen, und dann wieder verwendet. Vandebergue in Orleans hat zuerst vorgeschlagen, die Brote statt mit Thon direkt mit gesättigter Zuckerlösung auszudecken; dieses Verfahren ist aber nur für die besten und festesten Brote, z. B. für Königszucker, empfehlenswert, für gewöhnliche Waare aber ist es verwerflich, weil die Deckkläre solche unreinere und gröbere Massen zu rasch und ungleich- massig durchdringt, so dass gelbe Flecken und Streifen entstehen. — Der beim Kochen des Zuckers entstandene Schaum wird mit Kalkwasser verklärt, durch Tücher filtriert, eingekocht, und gemeinsam mit dem Feinsyrup der Brote wieder in die Rohzucker-Klär- pfannen zurückgebracht. Den Grünsyrup der Brote klärt man gleichfalls mit Kalkwasser, kocht ihn in grössere, sog. Lomps- formen ein, und behandelt ihn genau so wie die erste Füllmasse; das Auskühlen dauert aber 2—3 Tage, das Ablaufen des Grünsyrups 12—14 Tage, und das Decken 2—3 Monate. Man schlägt dann die Lompen aus, verarbeitet den guten trockenen Zucker zusammen mit dem Rohzucker, verklärt die schmierigen Teile, besonders die Köpfe, und den Grünsyrup nochmals mit Kalkwasser, und kocht die Masse in grosse, mittelst Dauben und Reifen verstärkte Basterformen, die man in einen stark geheizten Keller setzt. Erst nach 5—6 Monaten erhält man einen dunklen, feuchten, etwas brenz- lichen Zucker, den man für sich auflöst und zunächst zu Lompen umkocht (deren gute Teile man dann in die Klärpfannen einwirft), sowie einen dicken dunklen Syrup, den man an die holländischen Rumbrenner verkauft, da die Destillation in Frankreich selbst untersagt ist. Die Beschreibung Duhamel du Monceau's ging fast unverändert in die deutschen technologischen Werke des 18. Jahrhunderts über; sie findet sich im „Schauplatz der Künste und Handwerke" (Lpzg. 1775; IV, 223ff.), und liegt auch den Angaben von Beckmann („Anleitung zur Technologie", Göttingen 1780) und von Böhmer („Technische Geschichte der Pflanzen", Lpzg. 1794) zu Grunde. Nach Beckmann (S. 378ff.) wird die Masco- Die europäische Zuckerraffination im 17., 18., u. •/. Anfang d. 19. Jahi'li. 359 vade „d. i. ein bloss einmal gekochter, brauner, fast flüssiger Rohzucker" jetzt nicht mehr als solche in Deutschland genossen, sondern in den „Zuckerbäckereien" gereinigt, indem man sie mit Kalkwasser und Eiweiss, oder auch, nach einer in Amsterdam um 1700 gemachten Erfindung, mit Blut klärt; das Klären geschieht in kupfernen Pfannen, deren eine, bei 28 Zentner Gewicht, über 1000 Thaler kostet. Gekocht wird gleichfalls in kupfernen Pfannen, an deren Rand dabei ein feiner, und bei Vielen sehr beliebter Zucker, der sog. Pfannenzucker, eintrocknet. Die Zuckerformen kommen aus Holland, der Zuckerthon meist aus Rouen, Saumur, St. Malo, Bordeaux, und Briancon, obwohl eigentlich jede gute Pfeifenerde ganz ebenso brauchbar ist. Das fertige Produkt heisst Refinade oder Rafinade, und ist ein feinerer Melis; je mehr und öfter man es umarbeitet, desto schöner und weisser wird es, aber desto mehr verliert es auch von der ursprünglichen Wohlschmeckenden Süsse des Zuckers. Noch feiner wie Raffinade ist Kandis, den man in gelochten, mit Fäden durchzogenen, und mit Papier umklebten Kupferpotten krystallisieren lässt. Böhmer (I, 731 ff.) sagt gleichfalls, dass „Moscovade, auch Mascovade oder Muscuat" genannt, in Deutschland nicht mehr verkäuflich sei, sondern stets umgearbeitet werde. Man verfertigt Zuckerhüte, „die auch Zuckerbrot heissen", und deren beste Sorte, Feinzucker oder Refinat, „auch die Namen Valencia-, Valenz-Zucker, und bei den Ärzten Tabarzetzucker führt", Kaudiszucker, den man an Hölzchen, in neuerer Zeit auch an Fäden krystallisieren lässt, Penid- oder Kinderzucker, und Gerstenzucker oder gewundenen Zucker; die übrigbleibenden Syrupe kann man zu Rum brennen. Über den Betrieb der Berliner Raffinerieen findet sich einige Auskunft bei Hallens („Werkstätte der heutigen Künste", Lpzg. 1765*); IV, 1 ff.). Nachdem der Verfasser die Bereitung des Rohzuckers an der Hand Labat's geschildert, und erwähnt hat, dass der Versuch, in den königlichen Gewächshäusern Zuckerrohr zur Reife zu bringen und daraus Zucker zu pressen, leider kein brauchbares Ergebnis geliefert habe, sagt er: „Die Berliner Siedereien haben nach denen Amsterdams wegen ihres Umfanges den ersten Rang, und vor den Hamburgischen, deren man bei hunderten zählt, in der Menge der Pfannen den Vorzug. Die Berliner Pfannen fassen 24 Zentner Rohzucker und ebensoviel Kalkwasser, sie stehen j in Öfen eingemauert längs einer Wand, und jeder Ofen hat für *) Tafel 1. dieses Werkes giobt vermutlich die Abbildung einer Berliner Raffinerie. 360 Dreizehnter Abschnitt. Mi sich, ausserhalb dieser AVand, eine Aschenthür, und innerhalb eine Feuerung für Steinkohlen. Man kocht einige Stunden mit Ochsenblut und gequirlten Eiern, schöpft mit kupfernen Kellen durch Wollentücher, die auf einem Weidengeflecht liegen, in eine grosse viereckige Pfanne, pumpt mit einer kupfernen Pumpe durch tragbare kupferne oder bleierne Rinnen, die man jedesmal nach Bedarf zurechtlegt, in die inzwischen gereinigten Klärkessel zurück, kocht in diesen fertig, schöpft die Masse in die Kühlpfanne aus, und füllt sie schliesslich in die Hutformen. Je nach der Feinheit des Zuckers stehen diese 2 — 4 Monate auf den Syruptöpfen; man macht Hüte von 2—-20 Pfund Gewicht, und erhält dabei vier. Arten Syrup, die man der Reihe nach verkocht, oder wieder in die Klärpfannen nimmt. Das Decken mit Thon erfordert jedesmal 8—10 Tage, und ebensolange dauert das Vortrocknen, sowie das Trocknen in den Stuben. An Sorten werden fabriziert: Kanarien- brot, Kanarienzucker feinfein und gemeinfein, Raffinat fein und gemein, Melis oder Meils fein und gemein, Lumpen fein und gross, Farin oder Kochzucker weiss, gelb und braun, und Kauf- syrup. Auch fertigt man Kandis aus feinstem Raffinatzucker, in kupfernen feingelochten Becken, die man mit Fäden durchnäht, und dann von aussen durch aufgeklebtes Papier dichtet; die schlechten Stampfbrote, welche die Franzosen so vielfach machen, werden nicht nachgeahmt, es ist alles reiner und reeller Zucker." Nach Nicolai („Anmerkungen über die Zuckersiedereien in den preussischen Staaten"; Berlin 1792) sind die Zucker der Berliner Raffinerieen feiner, weisser und haltbarer als die der Hamburger, auch wird reinlicher gearbeitet wie in Hamburg, so z. B. besteht schon seit 1754 ein eigenes Gebäude zur Läuterung und Umarbeitung des Schaumes. Die Splittgerber'schen (später Schick- ler'schen) Siedereien haben 24 grosse, je 3000 Pfund Rohzucker fassende Pfannen, sie beschäftigen 90—100 „Zuckerbäcker", benutzen zur Feuerung die bis dahin in der Mark ganz unbekannten Steinkohlen, und zahlen dem Staate nicht nur direkt grosse Steuersummen, sondern wahren auch dessen Interesse dadurch, dass sie den Rohzucker (meist solchen der französisch-westindischen Inseln) statt über Hamburg über Stettin beziehen, wodurch die Frachtlölme dem Inlande erhalten bleiben. Über die eigentümlichen Verhältnisse der Hamburger Zuckerindustrie berichtet Busch in seinem bereits oben erwähnten Werke, und sieht die Veranlassung, die deren Entwickelung als Hausindustrie allein ermöglichte, hauptsächlich in dem zu Hamburg seit jeher herrschenden Gebrauche, Häuser im Ganzen geschäftsmässig Die europäische Zuckerraffination im 17., 18., u. z, Anfang d. 19. Jahrb. 361 zu vermieten. „Ein Arbeiter, der durch allmählich gewonnene Kenntnis der Sache, in einer der grösseren Fabriken bis zur Würde eines Meisterknechtes gestiegen ist, und von seinem Verdienst ein kleines Sümmchen zurückgelegt hat, sucht sich ein derbes, der Arbeit gewohntes Weib aus, heiratet sie, mietet ein Haus für etwa hundert Thaler, schafft sich eine Pfanne nebst Gerätschaft von seinem kleinen Kapital an, nimmt einen frischen gesunden Burschen entweder auf Zeit in Lehre, oder bloss als Tagelöhner, arbeitet nun selbdritt, allenfalls auch, wenn die Arbeit beiss geht, mit Hilfe einer starken Magd, und bringt es unter diesen Umständen, bei guten Zeiten, und wenn der Zucker stark gesucht ist, auf 100 000 Pfund im Jahr. Ein anderer, der weniger versteht und weniger zurückgelegt hat, arbeitet allein auf Kandiszucker, ein dritter, dessen Kräfte nicht einmal so weit reichen, kocht nur Syrup aus Schaum rein aus. Durch allmähliche Erweiterung solcher Raffinerieen sind alle die grossen Raffmerieen entstanden, die mit 12 Leuten arbeiten, jährlich 200 000—240 000 Mark umsetzen, und dabei 500 000—600000 Pfund ausliefern, nebst 100000 — 120000 Pfund Syrup. Man verarbeitet neben Rohzucker auch „gemachten Zucker", besonders sog. Lumpen, d. i. eine ganz grobe, nur oberflächlich raffinierte, durch Einkochen von Rohzucker, und Ablaufenlassen des Syrups gemachte Waare, die zumeist aus England kommt; die Engländer können diese nämlich mit grossem Vorteil exportieren, weil sie die, für 100 Pfund Rohzucker (dessen Ausfuhr verboten ist) erhobene Steuer, schon bei der Ausfuhr von 50 Pfund Raffinade rückvergütet erhalten, so dass sie an den geringeren Produkten, auch bei billigem Preis, grossen Nutzen behalten. Der Betrieb der Raffinerieen erfolgt in „Runden", deren Ausfall hauptsächlich von "der genauen Aufmerksamkeit auf den kritischen Moment des Siedens abhängt, wenn sich der Zucker setzt; durch scharfes Aufpassen kann man hierdurch leicht V 4 — 1 / 2 % mehr Ausbeute erzielen. Der erste Syrup beträgt bei feinem Rohzucker 45°/ 0 , bei ordinärem 55°/ 0 und mehr der ursprünglichen Menge; er giebt noch 2—4 Produkte, die wieder ein oder mehrere Male in den Klärkessel zurückwandern, bis zuletzt etwa 14°/ 0 Syrup mindestens übrig bleiben. Eine Runde dauert im ganzen 8—9 Monate, wovon 2—4 auf die Brot-, die übrigen auf die Syrup-Arbeit kommen; nach Schluss derselben wird alles gereinigt, und dann wieder mit Rohzuckerklären von neuem begonnen." Diese eigenartige Betriebsweise. —■ je 20—30 solche Fabrikanten hatten zusammen nur einen Buchhalter nötig (Busch 21), 362 Dreizehnter Abschnitt. — macht es erklärlich, wenn wir die Zahl der Hamburger Zucker- siedereien ganz ausserordentlich hoch angegeben finden: 1750 existierten ihrer 365 (Busch 18), 1767, als die Massregeln Friedrich's des Grossen eine zeitweise Handelsstörung herbeigeführt hatten, nach einer Liste „Der hiesigen Rafinadeurs Vereinbarung" 144; 1790 gab es 217 „Raffinadöre" (wovon zehn mit 12, die übrigen mit 4 — 5 Arbeitern), 78 „Kandismacher" (mit 2 — 3 Arbeitern), und 3 „Syrupkocher" (mit 1—2 Arbeitern), also zusammen 298 (Busch 18), und für 1799 weist ein, auf der Hamburger Stadtbibliothek befindliches Verzeichnis des Maklers Lehsten, 348 Firmen auf. Im Jahre 1766 errichteten die Hamburger „Zuckerbäcker" bereits gemeinsam eine Papierfabrik in Fuhlsbüttel (s. deren „Artikeln", Hamburg 1766) und verpflichteten sich, dort ihr sämmt- liches weisses und blaues Papier zu beziehen; die Anfertigung des letzteren gelang anfangs in Deutschland nicht (Beckmann, „Anl. zur Techn." 118) und erst 1785 und 1787 gaben Guyton de Morveau und Morian gute Vorschriften zur Herstellung desselben, und zur Färbung „mit einem Decoct von Brasilholz, Alaun und Salmiakgeist" (Wiegleb II, 426; Poppe, „Gesch. d. Techn." II, 217); die sog. „blaue Papiermühle" ging indes im Jahre 1798 wieder ein, da sie zu teuer produzierte (Beckmann, „Phys.-Ökon. Bibl." XX, 61). Den Thon zum Decken der Brote bezog man in Hamburg stets aus Rouen, St. Malo oder Saumur, weil er als Schiffsballast billiger zu stehen kam, als der aus dem Inlande herbeizuschaffende; dass der heimische Thon ebensogut in der Zuckerfabrikation verwendbar sei, wie der französische, zeigte zuerst der Raffineur Winkelmann in Hannover, welcher einen schön weissen Pfeifen- thon benutzte, den ein Bauer Heinrich Bremer 1765 zufällig auf seinem Grundstücke auffand; seither behalfen sich auch die Berliner Siedereien mit heimischem Thon aus der Gegend von Benstedt bei Merseburg, und die Breslauer mit solchem aus Nimbkau in Schlesien, während man bis dahin französischen Thon über Hamburg kommen lassen musste (Poppe, „Gesch. d. Techn." 148ff.; Beckmann, „Anl. z. Techn." 389; r Phys.-(")kon. Bibl." IV, 563). Nach Gotthard („Die Zuckersiederei in ihrem ganzen Umfange", Hamburg 1805) kaufte Hamburg seine Formen gegen Ende des 18. Jahrhunderts noch meist in Holland, Dänemark und Schweden, oder machte sie wenigstens, da die Versuche mit deutschem Thon missglückt waren (1760), aus holländischem, von welchem z. ß. 1795 über 4000 Zentner ankamen; an Thon zum Dio europäische Zuckerraffination im 17., 18.. n. zu Anfang d. 19. Jahrh. 363 Decken lieferten Havre und Rouen 1795 etwa 3900 Zentner, und der Zentner kostete, obwohl der Tkon als Ballast befördert wurde, 3—4 Mark (S. 14 und 35). Um der fremden Konkurrenz überall begegnen zu können, mussten die Hamburger so ziemlich alle Zuckersorten anfertigen, welche die übrigen einheimischen und fremden Raffinerieen fabrizierten: Berlin verkaufte Fein Kanari, fünf Sorten Raffinade, drei Sorten Melis, und zwei Sorten Lumpen; Havre kleine und grosse Raffinaden (3—7 Pfund schwer), drei Sorten Melis (2—9 Pfund schwer), und zwei Sorten Lumpen (10—12 Pfund schwer); Holland Kandisbrote (grobkörnige), Puderbrote (feinkörnige), Raffinade, Melis, Lompen, Bastarde, und gestossenen Puderzucker; England Melis, sog. Kanarilumpen, und feine sowie ordinäre Lomps; Dänemark fein Kanari, Kanarisorte, Extrafein Raffinad, Raffinade, Melis, und Lumpen. In Hamburg erzeugte man: Kandisbrote (sucre royal), Raffinade feinfein (5—6pfundig), Raffinade fein, Raffinade (10 —12pfundig), Melis in grossen, mittleren und kleinen Broden (letztere 5 — 6 pfundig), Lumpen oder Kochzucker (17—18 pfundig), Bastern oder Streuzucker (40 — SOpfündig), und weissen, gelben und braunen Kandis in zwei Qualitäten (S. 61 ff.). So konnte man überall „andienen", was auch von anderer Seite angeboten wurde, und die Raffination stand in so grossem Flor, dass sie eine der wichtigsten Triebfedern für Handel und Reichtum der Stadt war, die auch, obwohl Zucker schon zu Anfang des 18. Jahrhundertes in keinem Haushalte fehlte*), gegen 1800 jedenfalls bezüglich der Menge des verbrauchten Zuckers eine der ersten Stellen in Europa einnahm. Auch zu Anfang des 19. Jahrhundertes blieb das Zuckerraffinieren noch eine Hausindustrie; Soltau („Die Hamburger Zuckersiedereien", Hamburg 1820) sagt, dass um 1805 die Verhältnisse im ganzen die nämlichen wie zur Zeit Büsch's gewesen seien, nur war man *) Diese Behauptung wird durch dio. meist in Hamburg spielenden Komödien Holberg's (1684—1764) völlig bestätigt. In „Hans Franzen" III. 4 (Übers, von Prutz, Hildb. 1868) heisst es: „für Thee, Kaffee, Tabak, und Zucker reicht man in anständigen Häusern jährlich nicht mit hundert Thalern"; im „Politischen Kannegiessor" IV, 4 wird um Syrup für den Kaffee geschickt, in der „Wochonstubo" I, 2 geklagt, „dass man jetzt bei feinen Leuton, statt eines Tisches, vollgerüttelt mit Gerichten, nur Kaffoe, Theo und Komplimente vorgesetzt bekomme", und ebd. I, 7 findet sich folgendos Gespräch: Mädchen: „Ich muss auch noch gleich Gold zu einem Hut Zucker haben, es ist kein feiner Zucker mehr im Hause." Corfitz: „Der Zucker schon alle? Na, das ist doch, um einen armen Mann auf einmal zu ruinieren! Für Zucker geb' ich kein Geld mehr, sie können braunen Zucker nehmen, der ist lange gut." Mädchen: „Ei, Meister, man kann doch nicht braunen Zucker zum Kaffee nehmen, wenn Fremde da sind!" (Abfassuugszeit 1722 und 1723). 364 Dreizehnter Abschnitt.. I in der Rohzuckerbeschaffung vorsichtiger, „indem man auf Probe durch Nachstechen einkaufte", machte bessere Zucker, die in leichteres Papier verpackt wurden, und erhielt auch höhere Ausbeuten, nämlich aus 100 Pfund feinem weissen Rohzucker etwa" 55 Pfund Raffinade; die meisten Siedereien hatten 3—5 Arbeiter, und der Herr pflegte von 4 Uhr, die Knechte von 2 Uhr Früh an, bis zum späten Abende an den Pfannen zu stehen (S. 17, 12, 18, 6). Nach der Wiedereröffnung der Schiffahrt im Jahre 1814 begann sich auch der Zuckerhandel und die Zuckerindustrie neu zu heben, obwohl die „Zuckerbäcker", durch ihren erbitterten Widerstand gegen die Abschaffung der veralteten Usancen, das Interesse ihrer Sache in hohem Grade schädigten (Tooke und Newmarch I, 183). Die Zeit bis 1823 war eine sehr unglückliche Geschäftsperiode, da bestenfalls nur der Syrup noch etwas Gewinn Hess; grosse Verluste bewirkten Kreditbeschränkungen, und diese die Betriebseinstellung vieler kleinerer Fabriken, und Abnahme des vordem so blühenden Geschäftszweiges. Trotz dieser ungünstigen Verhältnisse erhielten sich aber 325 Siedereien, und durch Verbesserungen des Betriebes, namentlich des Klärens, gelang es denselben, die „gesuchtesten und beliebtesten Raffinaden von hoher Feinheit, und Melis von erster Güte zu liefern", und hierdurch die englische Einfuhr aus ganz Deutschland zu verdrängen (ebd. I, 238 und 245). Infolge des russischen Zolltarifs von 1823, und der grossen Konkurrenz der privilegierten preussischen Siedereien, gingen aber in den nächsten Jahren noch über hundert kleinere Fabriken ein, der Rohzuckerimport sank von 927 500 auf etwa 700000 Zentner, und der verarmte deutsche Markt, der meist nur ordinäre und ganz billige Lumpen und Melis aus hellem Brasilzucker konsumierte, konnte für den Verlust des russischen keinen Ersatz bieten (ebd. I, 24'J). In den nächsten Jahren kamen in Hamburg die sog. „Schmelzlumpen" auf den Markt, welche man in England und Holland darstellte, indem man Rohzucker ohne weitere Reinigung in grosse Formen einkochte, und den- Grün- syrup ablaufen liess; da dieser Rohstoff bedeutend reiner und ergiebiger war, so konnten die Hamburger Rafflnerieen erheblich mehr und billiger als bis dahin arbeiten, so dass die Einfuhr 1830 wieder bis auf 1150 000 Zentner stieg (ebd. I, 326), und die besten Aussichten geboten schienen. Dieselben wurden aber zunichte gemacht, „indem seither ein sogenanntes System des Schutzes der Arbeit ein Kunsterzeugnis aus dem Boden stampfte, das sich dem Absätze des natürlichen Zuckers hindernd in den Weg stellte, Die eui'opäischo Zucken-affination im 17., 18., u. /.. Anfang d. 19. Jahrb. 365 t den Zucker aus Runkelrüben". Die im Jahre 1837 verfügte Gleichsetzung der Zölle auf englische, belgische, holländische und französische Melis und Lompen, mit dem Eingangszoll auf Raffinade, konnte hierfür kein wirksames Gegengewicht bilden, einerseits weil diese Länder hohe Prämien gewährten, andererseits weil die Konkurrenz der preussischen Siedereien, deren Zahl auf 42 gestiegen war, immerfort zunahm; so z. ß. gab England bei der Ausfuhr von 1 Zentner Raffinade 41 sh. Vergütung (Zoll auf Rohzucker 27 sh.), Holland 15 fl. (Zoll 9 ff), Frankreich 60 Fr. (Zoll 18,75 — 22,50 Fr., je nach der Kolonie), wobei man etwa l 1 / 3 —1 1 /„ Zentner Rohzucker brauchte, um 1 Zentner Raffinade zu erzeugen, und selbst auf Syrup bewilligte Frankreich 6 Fr. Ausfuhrprämie für den Zentner, so dass Preussen den Eingangszoll von Mark 1,20 auf Mark 6 erhöhte, was wieder für die Hamburger Siedereien ein grosser Nachteil war (ebd. I, 391 und 558; Eberti, „Die deutsche Zuckerindustrie", Berl. 1889, 1300). Nur durch ganz besondere AVohlfeilheit und Haltbarkeit behaupteten sieb die Hamburger Zucker noch in Schweden, Finnland und am Schwarzen Meere, doch nahm die Fabrikation bis 1838 mindestens um ein Drittel, und nach 1838 noch mehr ab (Tooke und New- niarch I, 391 und 442), da um diese Zeit auch wieder England, dessen Markt überfüllt war, Zucker zu ausserordentlich billigen Preisen nach Hamburg lieferte; durch die grosse Beliebtheit ihrer Waare über den Kostenpunkt derselben lange Zeit hinweggetäuscht, hatten die Hamburger es auch versäumt, ihre alte Arbeitsweise rechtzeitig zu verlassen (ebd. I, 583). „Noch bis vor wenigen Jahren," sagt Dieterici (Schulze, „Die deutsche Zuckerfrage", Jena 1850; 163), „bestand das Verfahren der deutschen, besonders aber der Hamburger Raffinerieen, nur in folgendem: man löste den Robzucker, sowie er ankam, in Kalkwasser auf, setzte die zur Reinigung nötigen Stoffe zu, gewann durch Klären, Abseihen und Kochen dieser Masse festen Hutzucker, benutzte den abfallenden Syrup in ähnlicher Weise für Melis, und dessen Syrup für Lumpenzucker." Erst 1848 führte der unerträglich gewordene Druck der fremden Konkurrenz zur Anlage von Dampfsiedereien; 1850 gab es deren drei, neben 76 Fabriken des alten Systems, deren Waare aber vielfach als besser und schöner bezeichnet, und besonders von der nordischen Kundschaft der mit Dampf gekochten vorgezogen wurde (ebd. 15; Tooke und Newmarcb II, 762 und 786). Die Einfuhr Hamburgs war damals bereits auf etwa 500 000 Zentner gesunken, und nahm, im selben Masse wie allmählich der ausländische Markt an die europäischen Weststaaten, und der inlän- 366 Dreizehnter Abschnitt. dische an die Rübenzuckerfabrikation verloren ging, immer weiter, und schliesslich bis zur Bedeutungslosigkeit ab (ebd. I, 326). Unter den nämlichen widrigen Umständen hatten auch die preussischen Siedereien zu leiden, da die Vorteile, welche ihnen durch das Monopol geboten waren, infolge der wachsenden Erzeugung von Rübenzucker innerhalb des Steuergebietes, allmählich schwanden, und ihre Privilegien, ohne jemals formell aufgehoben zu werden, ihren Wert immer mehr, und schliesslich völlig verloren (Schulze a. a. 0.). Mit weit grösserer Energie und Intelligenz als die Hamburger Raffinerieen, waren dieselben jedoch bestrebt, sich der veränderten Lage anzupassen, und durch Einführung neuer Erfindungen und Verbesserungen ihren Betrieb billiger, und ihre Arbeit lohnender zu gestalten. Die erste und wesentlichste Umänderung des alten Raffinations-Verfahrens scheint 1778 von den Brüdern Boucherie in Bordeaux ausgegangen y.n sein, und bestand darin, die Zuckerlösung in flachen Kesseln, in einer höchstens 8—9 Zoll hohen Schicht, und bei nicht mehr als 85° R. einzudicken; man erhielt auf diese Weise sehr helle Füllmassen, und beschränkte die Melassenbildung derartig, dass die Ausbeute von 67°/ 0 auf 80°/ 0 des Rohzuckers stieg, und pro Quintal einen Vorteil von 23 Francs ergab. Der Staat ordnete daraufhin Raffinationsversuche an, die in Paris stattfanden, und so vorzüglich ausfielen, dass die Erfinder Schutz für ihr Verfahren, und ausserdem eine hohe Staatsprämie erhielten; eine von ihnen in Bercy bei Paris eingerichtete Raffinerie machte nicht nur den anerkannt schönsten Zucker, sondern auch die besten Geschäfte (Le Grand d'Aussy II, 204; Poppe, „Gesch. d. Techn. 1 ' IV, 148ff.). Im nämlichen Jahre (1778) führte auch Sainthill in Greenock die Läuterpfannen ein, die jedoch erst allgemein Anwendung fanden, als Smith sie (1823) mit einem Doppelboden versah, sodass man mit Dampf kochen konnte, und Taylor und Martineau ausserdem noch Dampfschlangen hinzufügten (ReedlO; Schmidt, „Handbuch der Zuckerfabrikation*, Weimar 1847, 124). An Stelle der eingemauerten Kochpfannen traten um 1780 die zuerst in Frankreich angewandten Schaukelpfannen, auch Seilpfannen genannt, weil sie den an einem Seil hängenden kleinen Kochkesseln der Zuckerbäcker nachgebildet waren (Poppe, „Technologisches Lexikon", Sttgt. 1820; II, 779); sie gestatteten das Fertigkochen auszuführen, ohne jedesmal das Feuer löschen zu müssen, und ermöglichten es, den Kessel gänzlich zu entleeren, und das Anbrennen der letzten Reste Füllmasse zu vermeiden. Statt der Schwenkpfannen benutzte man auch die Einrichtung Raphneau's, Die europäische Zuckerraffination im 17., 18., u. z. Anfang d. l'J. Jahrb.. 367 wonach an den beiden Enden eines starken Wagebalkens zwei gleiche Pfannen aufgehängt wurden, sodass man, sobald der Sud beendet war, durch Drehen des Balkens den einen Kessel vom Feuer abheben, und den anderen, inzwischen mit Klärsei gefüllten, an dessen Stelle bringen konnte (Schmidt 91). Der Kunstgriff, die beim Kochen entstandene gelbliche Färbung des Zuckers durch einen Zusatz von Indigoblau vor Beendigung des Sudes zu verdecken, war 1773 schon bekannt, wurde aber erst 1780 durch Beckmann öffentlich erwähnt („Anl. z. Techn." 395; „Phys.-Okon. Bibl." XVII, 526). Dass man durch sorgfältigeres Einkochen der Syrupe, durch sorgsame Regulierung der Temperatur, und durch Benutzung grösserer Gelasse an Stelle der Lompen- und Baster- Formen, viel mehr und weit besseren und grobkörnigeren Farin gewinnen könne, zeigte zuerst eine Pariser Raffinerie im Jahre 1783 (Gotthard 5); meist wendete man grosse, mit Zinkblech ausgeschlagene, und am Boden mit einigen Abnussöfihungen versehene Kisten an, deren Vorzüge noch Parayon rühmt (Schmidt 186). Von der Dampf kraft machten zuerst die Raffinerieen in Bristol Gebrauch, welche seit 1800 die Basterzucker mittelst eines marmornen Kollerganges zerkleinerten (Poppe, „Gesch. d. Techn." IV, 148ff.); weitere Verbreitung fand aber die Anwendung des Dampfes erst, als Howard 1813 das Kochen im luftleeren Räume erfand, und einen, anfangs nur mit einem Doppelboden, später auch mit Heizschlangen versehenen Vacuumapparat konstruierte (Reed 12). Den Ersatz der kupfernen und messingnen Saftpumpen, welche selbst schon einen grossen Fortschritt gegenüber der früher allein üblichen Arbeit mit dem Schöpflöffel bildeten, durch das sog. Montejus, erdachte Dubrunfaut (1819), und schuf hierdurch die Möglichkeit, grosse Massen Klärsel, ohne jede Abkühlung, mittelst Dampf auf beliebige Entfernungen fortzubewegen (Schmidt 85). Zur Entfärbung der Zuckerlösungen suchte man zunächst Holzkohle anzuwenden, deren grosses Absorptionsvermögen für färbende, schleimige, und schmierige Stoffe, von welchem man schon im 15. Jahrhunderte zur Reinigung von Alaun- und Salpeter-Lösungen Nutzen zog (Peters II, 129), Lowitz 1785 neu entdeckt hatte; 1786'stellten Lowitz und Succow mittelst Holzkohle schönen, klar krystallisierten Weinstein dar, den man bis dahin nur in Venedig, und zwar durch Klären mit Eiweiss und Thonerde, zu bereiten verstand, 1788 reinigte Trommsdorf mit Holzkohle „übelriechende und faule Weine" (Böhmer I, 688ff. und 411), 1792 bestätigte Gadolin „deren Eigenschaft alle Kry- 368 Dreizehnter Abschnitt. B I ■ stallisationen zu fördern" (Beckmann, „Phys.-Ökon. Bibl." XVIII, 365), 1793 entfärbten Lowitz und Piepenbring Ol, Alkohol und Honig mit Holzkohle, hatten aber bei Zuckersyrupen keinen Erfolg (ebd. XVIII, 166; Wiegleb II, 540), und 1794 gelang es einer englischen Raffinerie, Holzkohle mit grossem Vorteil beim Klären des Rohzuckers zu benutzen (Poppe, „Gesch. d. Techn. 6 IV, 148 ff.). Daraufhin wurden in der Folgezeit viele Patente genommen, in denen Holzkohle, allein, oder zusammen mit anderen Klärmitteln, eine Rolle spielte: eines der bekanntesten war das Guillon's (Schmidt 328), welcher auch zuerst, zum Abziehen des geklärten Saftes unter der Schaumdecke, einen Heber benutzt haben soll, dessen einer Schenkel vorher gefüllt werden konnte, so dass kein Ansaugen desselben nötig war. Die Knochenkohle, deren entfärbende Wirkung ziemlich gleichzeitig von den Pharmaceuten Magnes in Toulouse, und Figuier in Montpellier, 1812 zufällig entdeckt wurde (Schmidt 36)*), — von Letzterem bei Darstellung einer Stiefelwichse aus Weinessig, Honig und Beinschwarz, — fand, wie es scheint, sofort in den französischen und englischen Raffinerieen Anwendung. Martineau in London nahm 1815 ein Patent auf das Klären von Rohzucker mit Knochenkohle (Reed 12), und zwar wurde dieselbe als feines Pulver in den Syrup gebracht, und letzterer dann durch Körbe aus Weidengeflecht, die mit einem Tuch ausgelegt waren, filtriert. Dieses Verfahren verbreitete sich rasch, und war z. B. in Hamburg schon 1821 unter dem Namen „englische Methode" allgemein üblich (Tooke und Newmarch I, 245). Dem lästigen Missstande, der in der leichten Verstopfung des Tuches durch den feinen Kohlenschlamm lag, half 1825 Taylor durch seine „Sackfilter" ab, die, bei grosser freier Oberfläche, dem Safte leichten Durchgang gestatten, und noch heute in den Kolonialzucker-Raffinerieen mit Nutzen angewandt werden. Säulenfilter, welche den Gebrauch einer beliebig grossen Menge Knochenkohle in gekörntem Zustande, und daher deren Wiederbelebung ermöglichten, führten 1829 Dumont, und 1830 Derosne ein (Schmidt 143), geschlossene Filter, durch die das Klärsei unter Druck strömte, aber erst Peyron 1835 (ebd. 346). Als Klärmittel wandte 1802 Murray Thonerde an (Beckmann, „Phys.-Ökon. Bibl." XXI, 60), Howard 1810 Thonerde- hydrat und Gyps (Schmidt 142), Wilson 1815 Zink- oder Zinn- *) P ometius (I, 292; II, 124) beschreibt sie genau, ohne indes die entfärbende Kraft zu erwähnen. Die europäische Zuckorraffination im 17., 18., u. ■/.. Anfang d. 19. Jahrh. 369 Oxydhydrat (ebd. 326), Freund 1827 kohlensaures Kali und Walkererde, Pajot de Charmes 1821 Thonerde und Kohlenstaub, eine Pariser Raffinerie Bleiessig und Kreide (ebd. 330), und Batley Hess sich 1810 das, schon den Persern bekannte Läutern mittelst Milch, als neue Erfindung patentieren (Poppe, „Gesch. d. Techn." IV, 148ff.). Auch wurden verschiedene Verfahren vorgeschlagen, um den Rohzucker schon vor dem Auflösen von allen, oder den meisten verunreinigenden Substanzen zu befreien: Boucherie schichtete denselben 12—15 Zoll hoch in flache viereckige Ge- fässe mit Siebboden, und gab eine Thondecke (Poppe, „Techn. Lex." V, 781 ff), Wakefield suchte die Melasse mechanisch abzupressen (Schmidt 340), Howard stellte mit möglichst wenig Wasser eine dicke Maische her, füllte diese in Basterformen, und Hess den Syrup abziehen (ebd. 331), Druke verdrängte ihn durch eine Decke von „gut angemachtem, von allen groben Teilchen mittelst einer Seiherpresse*) abfiltriertem Gyps" (Poppe, „Techn. Lex." V, 781 ff), endlich wurde auch angeraten „den Rohzucker ohne Auflösen und Wiedereinkochen zu läutern", indem man ihn angefeuchtet in ein Gefäss mit Doppelboden bringt, und den Syrup unter Dampfdruck oder Luftdruck von oben, Luftleere von unten, oder hydrostatischem Druck, von den Krystallen trennt (ebd.). Ähnliche Apparate zum Ausdecken des Rohzuckers in dünner Schicht unter Anwendung der Luftleere konstruierten auch Hayne, Crosley, Poole, Graham, und Cooper (Schmidt 335ff; Wray 380ff), und noch weit mehr derartige Patente wurden genommen, als die Kolonieen sog. Melado, d. i. geläuterten und dann sofort eingedickten, Syrup und Krystalle enthaltenden Saft, nach England zu senden begannen (Reed 14). Die Bodenarbeit erfuhr wesentliche Verbesserungen, indem man die Brote nicht mehr auf Pötten, sondern auf hölzerne, anfangs mit Thonrinnen, später mit Zinkblech ausgekleidete Stellagen setzte, und auf Vorschlag Ho ward's nur mit kalter gesättigter Zuckerlösung deckte; trotz der bahnbrechenden Bemühungen Ho ward's wurde indessen das Decken mit Thon erst nach 1850 völlig aufgegeben (Poppe, „Techn. Lex." V, 781 ff.; Reed 35 und 136). Der Ersatz der wässerigen Zuckerlösung durch eine alkoholische, den namentlich Derosne und Parayon empfahlen, bewährte sich nicht, auch nicht, als Thon und verdünnter Alkohol angewandt wurden (Schmidt 186). Howard konstruierte auch zuerst Metallformen zur Herstellung gepresster Brote, und empfahl *) Filterpressen waren also jedenfalls schon vor 1820 bekannt. Iiippmann, Gescliiclito dca Zuckers. 24 370 Dreizehnter Abschnitt. ■ die Heizung der Trockenstuben mittelst eines blossen heissen Luftstromes, die zuerst Gouillory in Paris 1831 ausführte; Gutteridge trocknete die Brote bereits im luftverdünnten Räume (ebd. 394ff.). Was die Verwendung von Zucker und Syrup zu anderen technischen Zwecken betrifft, so stand die Bereitung von Alkohol durch Vergährung von Melasse und sonstigen Fabrikationsabfällen, sowie das Einquellen (sog. Saucieren) von Tabak in Zuckerlösung, auf das bereits Angelus Sala hinweist, namentlich in Holland in Gebrauch. In England pflegte man schon um 1730 Zucker und Zucker- ■wasser aus gebranntem Zucker beim Brauen des Porterbieres allgemein anzuwenden (Poppe, „Gesch. d. Techn." IV, 223); später wurde jedoch dieser Zusatz verboten, und erst 1847 mit Rücksicht auf die damaligen hohen Getreidepreise, wieder gestattet (Tooke und Newmarch I, 583). Nach Böhmer lässt sich Zucker oder Zuckersyrup mit Vorteil beim Stärken der Spitzen, als Verdickungsmittel für Malerfarben und Tinte, zur Milchkonservierung, als Räucherpulver, „mit Alaun zu einem Phosphorus"*), zur Bereitung der Indigoküpe und Tabaksauce, sowie zur Gewebe-Appretur gebrauchen (I, 752; II, 8, 38, 528), zu welchem letzteren Zwecke früher auch Honig oder Manna benutzt wurde (Bischoff, „Geschichte der Färbekunst", Stendal 1780; Sestini, „Briefe aus Sizilien", Lpzg. 1780). Zucker dient ferner als Zusatz zum Biere, zusammen mit Kreide „zum Anmachen schaaler Biere", zur Weinverbesserung und zur Darstellung eines „künstlichen Ungarweines", den man aus Zucker, Rosinen und Branntwein, oder aus Zucker, Syrup, Zibeben, Weinstein und Vitriolgeist bereitet, und mit Alaun und Eiweissklärt (Böhmer I, 752,408,422; Beckmann, „Phys.- Okon. Bibl." XV, 275). Die Branntweinbrennerei aus dem teuren Zucker-Syrup hörte erst auf ein einträgliches Gewerbe zu sein, als Bergius abermals nachdrücklich darauf hinwies, dass man Alkohol aus jedem zucker- oder stärkehaltigen Rohmaterial, also auch aus den billigen Rüben, Möhren, Kartoffeln, u. dergl. gewinnen könnte (ebd. XII, 554). Die europäische Rohrzuckerfabrikation kam zwar während des 17. und auch noch während des 18. Jahrhunderts, nicht ganz zum Stillstande, war aber ohne jede allgemeine Bedeutung, und nur *) Glüht man Zucker und Alaun, und lässt das Gemisch in einem geschlossenen Gefässe erkalten, so erhält man eine Masse, die sich, infolge ihres Gehaltes an fein vorteiltem Kaliumsulfid, bei Luftzutritt so rasch oxydiert, dass Erglühen und Entflammung eintritt (Scheelo). Die europäische Zuckerraffination im 17., 18., u. ■/.. Anfang d. 19. Jahrh. .371 von lokaler AVichtigkeit. In Sizilien suchte man 1684 den Anbau des Zuckerrohres neu zu beleben, indem man auf amerikanischen Zucker einen bedeutenden Eingangszoll legte, und diesen 1732 noch erhöhte. Die Massregel blieb jedoch ohne Erfolg, um so mehr als die guten Methoden für Kultur und Fabrikation bereits in Vergessenheit geraten waren (Gregorio 753ff.); Riedesel („Reisen durch Sizilien", Lond. 1773, 67) sah 1767 noch Zuckerrohr anbauen und Zucker erzeugen, ebenso Brydone („Reise in Sizilien", Lond. 1773), welcher letztere auch berichtet, dass in Malta Zuckerrohr gepflanzt werde. Willoughby, der 1664 Spanien bereiste (Ray, „Travels" 1773; I, 409), beschreibt die Zuckergewinnung bei Valencia: Das Rohr wurde gemahlen und gepresst, der Saft eingekocht, sorgfältig abgeschäumt, durch Tücher nitriert, aus dem dritten Kochkessel in eine Kühlpfanne, und aus dieser in thönerne Hutformen ausgefüllt, deren Löcher mit Zucker verstopft waren, die Füllmasse mit Thon gedeckt und 5—6 Monate so stehen gelassen, und sodann der Zucker ausgeschlagen; er war ziemlich hart und weiss, wurde 14 Tage getrocknet, und dann auf Raffinade verarbeitet, wobei 3—4 mal mit 2—3 Dutzend Eiern pro Kessel geklärt und umgekocht wurde, bis, unter jedesmaligem Verluste von 1 / ß der Masse, schliesslich weisser Zucker von der gewünschten Feinheit entstand; aus den Syrupen gewann man durch Klären und Verkochen noch mehrere Sorten Farine. Wie in Europa, so verfiel der Anbau des Zuckerrohres auch in Nordafrika und den westafrikanischen Inseln. Palma hatte 1764 noch ziemlich viel Zuckerrohr (Glass, „Geschichte der Entdeckung und Eroberung der kanarischen Inseln", Lpzg. 1787), zur Zeit Humboldt's konnte die Produktion jene von 1780, — etwa 1000 Zentner Rohzucker, — schon nicht mehr erreichen („Reisen" II, 306), und bald darauf hörte sie ganz auf; ebenso geschah es auf Madeira, wo erst 1852, nach Vernichtung der blühenden Weinkultur durch die Traubenkrankheit, aufs neue Zuckerrohr angepflanzt wurde (Grisebach II, 505). In Ägypten sahen Bruce, und später Niebuhr, Zuckerrohr ernten, und daraus in kleinstem Massstabe, sehr schlechten und unreinen Zucker gewinnen („Beschreibung Arabiens", Kopenh. 1772, 497); im grossen liess erst Mehemet Ali (1820) Kultur und Fabrikation neu erstehen (Volz 384). In Marokko geriet die Zuckerindustrie schon im 17. Jahrhundert in Verfall, da die Raffi- nerieen der südfranzösischen Hafenstädte den Zucker weit billiger dahin lieferten, als man ihn im Lande selbst erzeugen konnte; die kleinen Brote von 3—5 Pfund Gewicht betrachtete man im Inneren 24* 372 Dreizehnter Abschnitt. der Provinz als eine Art Tauschmittel, sie vertraten in gewissen Gegenden, und bei bestimmten Waaren, die Stelle des Geldes, und dienten namentlich als beliebtes und allgemein übliches Geschenk an Personen, deren Gunst, Einfluss und Wohlwollen gewonnen werden sollte. Die noch heutzutage in Marokko bestehende Vorliebe für kleine Brote von geringem Gewichte, ist also vermutlich nur das Überbleibsel einer Jahrhunderte alten, und mit Zähigkeit festgehaltenen Gewohnheit. VIERZEHNTER ABSCHNITT. Der Zucker im Orient seit Beginn des 14. Jahrhundertes. Obwohl die Zuckererzeugung Asiens, namentlich was die östlichen Produktionsgebiete anbetrifft, der Menge nach seit dem frühesten Mittelalter in stetig fortdauerndem, erheblichem Wachs- tume begriffen war, so blieb sie doch in technischer Hinsicht stets auf sehr tiefer Stufe stehen, und nahm im grossen und ganzen an den gewaltigen Fortschritten der europäischen und amerikanischen Zuckerindustrie, bis in die neuere, und vielfach bis in die neueste Zeit, keinerlei Anteil. In China wurde nach den Berichten von Du-Halde („Description de l'empire de la Chine", Paris 1735), Staunton („Ämbassy to China«, Lond. 1797), Braam („Reisen in China" I, 43 und 45), Barrow („Heise in China" II, 310), und Meyen („Reise um die Erde" II, 314), noch im 18. und 19. Jahrhunderte „nach demselben, laut Versicherung der Chinesen uralten Verfahren gearbeitet, das in diesem Lande seit über einem Jahrtausende im Gebrauche steht": Das Zuckerrohr wird zerkleinert, und entweder auf Handmühlen, mit denen wandernde Lohnarbeiter von Plantage zu Plantage ziehen, oder auf Pressmühlen mit Walzen aus hartem Holz oder Stein, die von einigen Büffeln, direkt, oder mit einer Zahnrad-Übersetzung umgetrieben werden, ausgepresst. Der Saft läuft durch ein Bambusrohr und ein aus Binsen geflochtenes Sieb in eine, mit glatten Wänden versehene Lehmgrube, wird aus dieser in die Kochkessel geschöpft, deren meist vier vorhanden sind, und unter sorgfältigem Abschäumen eingekocht, wobei das ausgepresste Rohr als Feuerung dient; zur Klärung verwendet man zuweilen Asche oder Kalk, bemisst die Menge desselben nach dem Gerüche des Saftes, füllt den entstehenden Schaum in Beutel, und presst ihn aus. In der Regel wird aber der Saft ohne jeden Zusatz fertiggekocht, die Füllmasse auf geflochtene Matten ausgegossen, in Mattensäcke oder Bambuskörbe gefüllt, erstarren gelassen, und 374 Vierzehnter Abschnitt. in der Sonne getrocknet; es entsteht eine weiche, dunkelbraune, etwas erdig, aber sehr süss schmeckende Masse, welche den Ansprüchen der grossen Mehrzahl der chinesischen Konsumenten völlig genügt. Will man bessern Zucker erzeugen, so bringt man die Füllmasse in grosse hölzerne Kübel oder Bütten, zieht nach einiger Zeit den Syrup durch ein Loch im Boden ab, -trennt die oberste Schicht, welche, wenn man den Saft sorgfältig filtriert hat, aus lockeren, schön weissen Krystallen besteht, vom übrigen noch dunklen Zucker, trocknet sie an der Sonne, und packt die Waare, welche häufig noch pulverisiert wird um sie weisser erscheinen zvi lassen, in Matten oder Körbe aus Bambus, die mit getrockneten Rohrblättern ausgelegt sind. Nach einer anderen Methode lässt man den bis zur Hälfte eingedickten Saft absitzen, filtriert ihn dann durch ein Tuch, kocht fertig, schüttet die Füllmasse in einen grossen irdenen Topf, und rührt sie mit einem Bambusrohr um; die Krystalle, die beim Erkalten aufsteigen und sich an das Rohr anhängen, werden abgeschöpft, und geben, an der Sonne getrocknet, einen ziemlich weissen Zucker. Das Decken mit Thon ist erst im Laufe der letzten Jahrhunderte eingeführt worden; man bringt dazu die Füllmasse in grosse, sehr flache Holztrichter, und legt auf diese eine Schicht feinen Thones, die von Zeit zu Zeit erneuert wird; nach einigen Wochen hat sich der Syrup am Boden gesammelt, und wird dort durch eine Öffnung abgelassen. Die oberste Schicht ergiebt weissen, die mittlere braunen, und die unterste schwarzen Zucker, doch ist letzterer oft so feucht und schmierig, dass er nochmals umgekocht werden muss. Um Kandis zu fabrizieren, wird weisser Zucker in Wasser aufgelöst, der Saft mit Eiern geklärt, und die Füllmasse in ein Thongefäss gegossen; nach dem Erkalten zerschlägt man dasselbe und sucht die Krystalle heraus. Sehr beliebt ist auch brauner und ganz schwarzer Kandis, letzterer durch Zusatz von etwas Kienruss bereitet. Die eigentliche Raffination des Zuckers ist den Chinesen unbekannt; man begnügt sich mit dem ein- oder mehrmaligen Abpressen des mit Wasser befeuchteten Rohzuckers mittels einer Schraubenspindel; erst 1842 wurden in Hongkong zwei Raffinerieen nach europäischem Muster errichtet, die jedoch keine besonderen Erfolge aufzuweisen hatten, da die gewöhnlichen Rohzucker und Syrupe den Bedürfnissen der chinesischen Küche und Konservenfabrikation, welche letztere sich hauptsächlich auf Früchte, Ingwer und Seerosen- Knollen erstreckt, in jeder Weise entsprechen (s. Ritter IX, 264; Klemm VI, 74, 9, 37; Scherzer a. a. 0. 108; Beer V, 54 und 58). « Der Zucker im Orient seit Beginn des 14. Jahrhundertes. 375 » In Japan war 1770, als Thunberg dieses Land bereiste, das Zuckerrohr noch unbekannt: »Zucker fehlt in Japan und wird aus dem Auslande bezogen" („Reise nach Japan", Berl. 1792; II, 70. „Flora Japonica", 1784); der japanische Name des Zuckers „Satto", ist aus dem chinesischen Schatang verstümmelt, da der japanischen Sprache die Laute Seh und ng fehlen (Ritter 315), und in der That kam der meiste Zucker aus China, und, wie der Missionär de Rhodes (um 1635) bezeugt, aus Cochinchina, nach Japan (Ritter 345). Die Industrie Cochinchinas stand übrigens selbst auf sehr tiefer Stufe, und wurde, ebenso wie die Siams, erst gegen 1800 durch die Chinesen vervollkommnet (Ritter 344; Ratzel III, 482). Gegenwärtig wird in Japan viel Zuckerrohr angebaut, die Fabrikation ist aber meist noch eine sehr primitive, und beschränkt sich darauf, die Füllmasse auf Matten oder flache Steine auszu- giessen, sie nach dem Erkalten in Stücke zu schneiden, und diese an der Sonne zu trocknen. In Indien wurde zur Zeit Ibn-Batuta's (um 1350) sowohl in Bengalen, dessen Zuckerreichtum schon Marco Polo rühmt, als auch an der Westküste, sehr viel Zuckerrohr gebaut, „besonders in Canoga, von wo aus man den Zucker nach Delhi bringt, und in Baccanora am Golf von Malabar, das einen Überftuss an Rohr hat, dessengleichen es nirgends in der Welt giebt" („Reisen" III, 133; IV, 25 und 78). In Bengalen fand Ibn-Batuta den Zucker massenhaft und in unglaublicher Billigkeit vor (ebd. IV, 211), und der Gebrauch desselben war allerorten ein ganz allgemeiner: vor dem Essen gab man „mit Kand versüsstes Wasser, d. i. Syrup mit Wasser gemischt", herum (ebd. III, 124, 242), zum Nachtisch genoss man Syrup (ebd. III, 379), zu jedem festlichen Mahle gehörte Zuckerwerk und „Chischti", ein ziegeiförmiger Kuchen aus Mehl, Butter und Zucker (ebd. III, 435 und 123), bei Hochzeiten und Leichenbegängnissen bewirtete man die Gäste mit Syrupwasser und Rosenwasser, das in mächtige Schläuche aus Büffelhaut gefüllt war (ebd;' I, 247 und 366; III, 237 und 285), und Zucker oder Syrup benutzte man zu Gaben und Geschenken, wie denn z. B. eine indische Prinzessin, als Beweis ihrer Gunst, Ibn-Batuta vier Pfund Melasse überreichen Hess (ebd. IV, 252). Dass Zucker ein ganz gewöhnlicher Nahrungsgegenstand war, geht auch aus dem Umstände hervor, dass er zur Naturalverpflegung gehörte; unter den Lebensmitteln z. B., die Ibn-Batuta vom Sultan von Delhi erhielt, befanden sich stets „ auch eine grosse Anzahl Pfunde Zucker" (ebd. III, 382 und 385). Delhi war nach Ferischta („Geschichte Hindostans", ed. Briggs I, 359) schon zur Zeit des 376 Vierzehnter Abschnitt. ■ 1 Sultans Aladdin (1296—1317) Sitz eines grossen Zuckermarktes, dessen Preise von den mohammedanischen Herrschern, die sich überhaupt für die Ausbreitung und Verbesserung der Zuckerindustrie sehr interessierten, stets genau festgesetzt wurden; man verkaufte daselbst Kand (Melasse, Syrup), rohen roten Zucker, und weissen Mehlzucker. Weisser krystallisierter Stückzucker "war nach Schihabeddin („Notices et Extraits" XIII, 175 und 212) um 1360 in Indien noch kaum bekannt, und wurde dort auch in der Folgezeit nicht angefertigt. Vasco de Gama, der 1478 in Calicut sehr viel Zucker vorfand (Ramusio, „Navigationi e viaggi", Venedig 1563; I, 120), Barthema, ein bolognesischer Kaufmann, der 1500 in Indien war (ebd. I, 158 und 165), und Barbosa, der Gefährte Magellan's (ebd. I, 315), sprechen stets nur von „zucchero candido in pulvere" (weissem Krystallzucker), und Barbosa sagt ausdrücklich: „Man macht in Bengalen weissen und guten Zucker, versteht es aber nicht, ihn in Form von Stückzucker (Brotzucker) herzustellen, sondern nur als Mehl; in Leinensäcken, die man mit rohen Häuten überzieht und gut zusammennäht, wird er auf viele Schiffe geladen, und zum Verkaufe nach verschiedenen Ländern geführt." Barbosa sah solchen billigen bengalischen Krystallzucker in Ceylon (ebd. I, 313) sowie in Arabien (ebd. I, 292 und 300), und Alvares (um 1500), Barthema, und Corsali (um 1515) berichten, dass Zucker auch von der indischen Westküste, und aus Baroche, dem alten Barygaza, nach Zibith in Arabien, Ormuz, Aden, und den Häfen des roten Meeres verführt werde (ebd. I, 123 und 179; Ritter 388). Garcia da Orta erwähnt müden Gebrauch des Zuckers zum Einmachen von Früchten und Wurzeln (Clusius 231 ff.), macht aber über seine Herstellung keine nähere Mitteilung, vermutlich weil der Zucker, der niemals ein Objekt des portugiesisch-ostindischen Handels wurde, den Portugiesen kein weiteres Interesse bot (Beer II, 125). Genauere Angaben finden sich erst bei Rumphius („Herbarium amboinense", verf. 1690; V, 186 ff. und Tafel 74); nach den Beobachtungen desselben kommen auf den indischen Inseln drei Arten Zuckerrohr vor: die erste ist hellfarbig, zartrindig, langgliedrig, saftig und zuckerreich, die zweite rötlich, dickrindig, kurzgliedrig, saftärmer aber zuckerreicher, die dritte dünnstenglig, zartrindig, sehr saft- und auch sehr zuckerreich; manche nehmen auch noch eine vierte, schwarze Abart an. Baut man Zuckerrohr zum unmittelbaren Genüsse an, so pflanzt man grössere Triebe aus, will man es aber auf Zucker verarbeiten, so benutzt man die Spitzen und Knospen; da das Zuckerrohr viel Sonnenwärme, aber auch viel Der Zucker im Orient seit Beginn des 14. Jahrhunderte«. 377 * Feuchtigkeit braucht, so muss man die Lage der Felder mit Sorgfalt auswählen, und für tiefes Pflügen, rechtzeitige und wiederholte Entfernung des Unkrautes, und ausreichende Bewässerung sorgen. Das Rohr ist nach zehn Monaten reif, und muss alle drei Jahre erneuert werden; vielfach, z. B. in Java, schneidet man es in einem Drittel der Höhe ab, doch ist dieser Gebrauch verwerflich, da es zwar sehr rasch nachwächst, aber wesentlich an Qualität verliert. Wenn das Rohr gereift erscheint, wird es geerntet, abgeputzt, und zwischen zwei, von Ochsen getriebenen Walzen aus hartem Holz ausgepresst; den Saft leitet man durch Schläuche aus Ochsenhaut in grosse Sammelgefässe, schöpft ihn aus diesen in eiserne, in eine gemauerte Feuerung eingelassene Kochkessel, dickt ihn ein, bis er gelbrot und beinahe fest ist, füllt dann die Masse in tiefe irdene Schüsseln oder grosse Hache Töpfe aus, und stellt sie zum Trocknen in die Sonne. Das oberste wird hierbei weiss, und heisst Kochzucker, das übrige bleibt gelb oder rot, und wird Muscovade genannt; aus dem ersteren machen die Chinesen den Kandiszucker, indem sie ihn in grossen Kesseln wieder auflösen, mit Eiweiss klären und abschäumen, wobei sie zuletzt etwas Hühnerfett beifügen, und die gekochte Masse in Schüsseln oder Töpfen, in welche sie gespaltene Stücke Zuckerrohr eingelegt haben, erkalten lassen; ebensolchen Kandis, der zwar weniger hart und schön, dafür aber süsser ist, machen sie auch aus gelbem, rotem und braunem Zucker. Da die Chinesen grosse Betrüger sind, so fälschen sie oft den Muscovadezucker mit Palmzucker, oder versieden gleich Zuckerrohr- und Palmsaft zusammen, oder packen die Körbe nur oben mit gutem Zucker voll, während man darunter Erde,. Asche oder dürre Blätter findet. Ebenso nehmen sie auch heimlich statt des Hühnerfettes zerlassenen Speck zum Kochen des Zuckers, obwohl sie wissen, dass die Inder nichts gemessen dürfen, was mit den Abfällen unreiner Tiere in Berührung gekommen ist.*) Wie aus den Mitteilungen Rumph's ersichtlich ist, waren meist die Chinesen die Förderer der Zuckerrohrkultur; ausser in *) Die Marsoiller Raffmerioen liefern noch jetzt Zucker nach Indien, dessen Sitcke von Parsi-Kauflouten versiegelt, und mit einein Geleitschein versehen worden, wolchor bezeugt, dass bei der Herstellung des Zuckers weder Blut noch Knochenkohle angewendet wurde. — Die Knochenkohle begegnete übrigens anfangs auch in Europa grossen Vorurteilen. Böttcher erwähnt z. B. in einer Schrift, in welcher er die Reinigung dos Rübensaftes mit Braunkohle empfiehlt (Altenburg 1836), „dass Viele nicht genug lebhaft kundgeben können, mit welchem Widerwillen sie mit Knoehenkoble gereinigten Zucker gemessen." ■ ■ 378 Vierzehnter Abschnitt. Amboina, brachten sie dieselbe auch in Java und Sumatra in Schwung, jedoch gelang dies erst um 1700, zum teil sogar erst um 1750 (Beer II, 188; Ritter 339). Die Fabrikation selbst war eine höchst unvollkommene: das Rohr wurde in Mörsern gestampft, oder zwischen den Holzcylindern einer Handmühle, allenfalls auch in einer Pressmühle (Mörser mit rotierender, durch Ochsen umgetriebener Keule) zerquetscht, der Saft, von dem man aus 100 Pfund Rohr meist nur 30 Pfund erhielt, in kleinen Kesseln, oft sogar nur in irdenen Töpfen eingekocht, und die Füllmasse, in Schläuche oder Matten eingewickelt, verkauft. Erst um die Mitte des 18. Jahrhunderts verbesserten die Holländer und Engländer die Fabrikations-Methoden, ohne indessen anfangs hieraus grösseren Gewinn zu ziehen, da die heimische Bevölkerung kein Verlangen nach dem reineren, aber auch teureren Zucker der neu eingerichteten Fabriken trug (Beckmann, „Phys.-Okon. Bibl." XI, 526), die Ausfuhr nach Europa aber keinen Vorteil bot; der Amsterdamer Markt hatte nämlich um diese Zeit schon so sehr an Bedeutung eingebüsst, dass er für grössere Zuckermengen aus neuen Produktionsgebieten nicht mehr genügend aufnahmefähig war, während der englische Handel, der noch gegen 1800 ein vier- bis fünfmal grösseres Kapital im westindischen Verkehre investiert hatte als im ostindischen, dem letzteren wenig Beachtung schenkte, um so mehr als derselbe vielfach, und gerade auch in Beziehung auf Zucker, erheblichen Differentialzöllen zu gunsten des ersteren unterworfen war (Tooke und Newmarch II, 209 und 215). Nach Humboldt („Nouv. Esp." III, 185) begannen grössere Mengen ostindischen Zuckers erst nach der Verwüstung Domingos in Europa zu erscheinen, doch gelangten z. B. selbst 1817 erst 6220, und 1821 nur 12900 Ballen nach Liverpool (Volz 320). Hingegen waren die Vereinigten Staaten, in denen sich, infolge besonderer Zollverhältnisse, selbst zu New-York der ostindische Zucker billiger als der westindische stellte, schon gegen 1800 ein sehr bedeutendes Absatzgebiet der ostasiatischen Zuckerindustrie (Humboldt, „Nuov. Esp." III, 184ff.; V, 122ff. und 152); in den Jahren 1800, 1801 und 1802 bezogen dieselben, bei einem Ge- sammtkonsume von 286 701, 195316, und 187 844 Meterzentnern, 14171, 15052, und 11376 Meterzentner Zucker aus den holländischen Besitzungen, und 5 265, 7 906, und 12 214 Meterzentner aus China, den ostindischen Inseln, und Manila. Auf Manila fand schon Pigafetta, der Gefährte Magellan's (1510) das Zuckerrohr heimisch, und beschreibt auch die Gewinnung von Wein, Essig, Branntwein und Syrup aus dessen Saft (Ramusio I, 363); die Der Zucker im Orient seit Beginn des 14. Jahrhundertes. 379 Fabrikation festen Zuckers wurde aber in Manila und auf den übrigen Philippinen erst im 18. Jahrhunderte durch die Chinesen eingeführt, und um 1800 bestand bereits eine erhebliche Ausfuhr, die in der Folgezeit rasch zunahm, obwohl der Zucker von der geringsten Qualität, und eigentlich meist nur in Matten gegossene, sehr dunkle Füllmasse war (Beer V, 68 und 133). Durch chinesische Pächter aus Formosa und Cochinchina, woselbst die Produktion zu Beginn des 19. Jahrhunderts gleichfalls stark zunahm (Beer V, 42 und 59), wurde die Kunst der Zuckerbereitung auch nach vielen der ozeanischen Inseln verpflanzt, auf welchen das Zuckerrohr selbst (jedoch nur in kultiviertem Zustande), schon zur Zeit ihrer Entdeckung bekannt gewesen, aber ausschliesslich zum unmittelbaren Genüsse verwendet worden war; die Verbreitung der Fabrikation machte indes nur langsame Fortschritte, so dass z. B. Chamisso auf seiner Reise um die Welt (1815—1818), die Bewohner der Pelew-Inseln nur mit der Syrupbereitung bekannt traf, während die der Osterinsel noch nicht einmal diese verstanden („Werke", Hildb. 1870; II, 316 und 298). Nach dem australischen Festlande wurde das Zuckerrohr sogar erst um 1850 verpflanzt, und noch 1869 war die ganze dortige Erzeugung bloss 5190 Meterzentner (Beer V, 107). Wie nach dem Osten, so breitete das Zuckerrohr sich von Indien auch nach Westen weiter aus. In Madagaskar fanden 1506 Tristan d'Acunha, der Entdecker dieser Insel, und 1515 Corsali, der Reisegefährte Magellan's, das Rohr bereits vor, doch genoss man nur dessen Saft, oder liess ihn zu Wein vergähren (Ramusio I, 178); später wurde auch die Erzeugung festen Zuckers eingeführt, die indes stets eine höchst unvollkommene blieb (Ratzel II, 506). Aus Madagaskar verpflanzten die Franzosen 1664 das Zuckerrohr nach Bourbon; nach Mauritius gelangte es erst 1712, nach Südafrika, namentlich Nntal, sogar erst 1852 (Ritter 380ff.; Flückiger und Hanbury a. a. O.). Von Indien aus liess der Sultan Babur 1524 auch neuerdings Zuckerrohr nach Kabul und dem Oxuslande bringen („Me- moires" ed. Erskine, Lond. 1826, 138 und 141); aber obwohl er versichert, dasselbe sei so trefflich gediehen, dass Zucker einen Hauptartikel des Kabuler Marktes gebildet habe, so war doch diese Blüte nicht von Dauer, und die Anpflanzungen gingen allmählich wieder ein. Dasselbe Schicksal betraf die um die nämliche Zeit angelegten Plantagen von Tiflis; erst 1839 wurde dort der Anbau wieder aufgenommen, und ergab schon im nächsten Jahre 1200 Zentner Zucker (Volz 320). D 380 Vierzehnter Abschnitt. In Arabien fand Ibn-Batuta den Zucker allgemein verbreitet, und namentlich seine medizinischen Wirkungen in hohem Ansehen stehend, so dass keine Karawane Mekka verliess, ohne eine Kamelsladung Zucker und Syrup für die unterwegs Erkrankenden mitzunehmen („Reisen" I, 405); in späterer Zeit kam viel Zucker aus Indien, doch wurde auch in Südarabien, besonders fn Jemen, solcher bereitet, wie dies noch Niebuhr („Beschreibung Arabiens", Kopenh. 1772) erwähnt; der verpönte Genuss indischen Araks mit Zucker und Zimmtextrakt hatte derartig überhand genommen, dass er selbst an der heiligen Stätte zu Mekka, keine Seltenheit mehr bildete (Klemm VII, 22). Im Irak und in Kleinasien bot man zur Zeit Ibn-Batuta's jedem Gaste, und selbst jedem Pilger, neben Brot und Fleisch auch Zuckervverk, Syrupwasser mit Zitronensaft, und kleine Küchen an („Reisen" II, 23 und 32; II, 274, 285, 304, 307), und selbst arme Klosterherbergen thaten dies (ebd. II, 348). Im Irak war namentlich Bagdad wegen seines Reichtums an Zucker, und der ausgezeichneten Qualität seiner Konfitüren, Konserven und Syrupe berühmt, wie noch 1450 Barbaro's enthusiastische Schilderung beweist („Viaggi in Persia", 46). In Damaskus sah Ulrich Kraft aus Ulm um 1580 „das Zuckerrohr übel angebaut und den Zucker schlecht und gering", dagegen wurden „Massen von erstaunlich grossen und süssen Mandeln unreif gebrochen, in den grünen Schalen gesotten und in Zucker eingemacht, und der Krug dieser Herrlichkeit um l 1 /, Dukaten verkauft" (Otto, a. a. O. I, 57ff.). Auch Rauwolf lobt 1573, die in Zucker und Honig eingemachten Früchte, sowie die Konfekte und Zuckerwaaren von Damaskus und Aleppo, die in der Welt nicht ihresgleichen hätten („Raiss" I, 109). Die Türken, welche nach Ibn-Batuta im 14. Jahrhundert noch alles Zuckerwerk verabscheuten, und seinen Genuss für eine Schande, ja selbst für eine Sünde erklärten („Reisen" II, 365 und 387), fanden mit der Zeit grossen Geschmack an Zucker und Süssigkeiten aller Art, und trieben im 17. und 18. Jahrhundert den grössten Luxus damit. Das Küchenpersonal des Sultans, welches, der hergebrachten Ordnung gemäss, 1350 Mann zählte, enthielt „eine ganze Rotte Zuckerbäcker", von denen wieder eine Abteilung ausschliesslich die so hoch geschätzten Rosenkonserven, in einem eigenen, jedem Fremden unzugänglichen Räume des Palastes, dem sog. „Rosenzimmer", darzustellen hatte. Bei grossen Festen, z. B. bei der Vermählung der Prinzessinnen, wurden ungeheure Mengen des kostbarsten und kunstvollsten Zuckerwerkes bereitet, und in ■M Dor Zucker im Orient seit Beginn des 14. Jahrhunderten. 381 goldenen Körben verschenkt; zu den Hochzeits-Zeremonieen gehörte es auch, dass ein Sklave zwei Schüsseln mit Taubenbraten und Zucker herbeihrachte, und der Bräutigam der Braut ein Stück Taube in den Mund steckte, wogegen er von ihr ein Stück Zucker empfing (Klemm Vll, 19, 200, 206). In Persien rühmt Ibn-Batuta die Fülle des Zuckers und der Zuckerwaaren („Reisen" II, 78), und die letzteren standen während des ganzen Mittelalters, und auch noch in späterer Zeit, in hohem Rufe. Kuchen und Naschwerk in allen Formen und Farben, aus Reismehl, Eiern, Sesamöl, Pinien, Mandeln, Rosinen, Honig, Zucker und Manna, Pilaw mit Obstsaft, Safran, Tamarinden, Granaten und Zucker, Scherbet aus gefrorener Milch mit Zucker, Zimmt, Honig und Kräutern, und Sorbets aus dem Safte von Orangen, Zitronen, Granaten, Cedern, Hagedorn, Veilchen, Rosen, Lindenblüten, und Zwiebeln, mit Zucker, Honig, Safran, Ambra und Moschus gewürzt, bildeten die unentbehrlichen Bestandteile der feineren persischen Küche; ferner wurden die herrlichsten, in Zucker, oder Syrup mit Essig eingemachten Früchte dargestellt, die in mehr als sechzig Sorten, und in Glasflaschen wohl verpackt, einen grossen, selbst auf den indischen Inseln geschätzten Exportartikel bildeten (Chardin, „Voyages en Perse" III, 76ff; Jaubert, „Voyage en Perse" 209; Klemm VII, 19ff.). Der Anbau von Zuckerrohr nahm aber in Persien stetig ab, und nur Mäzenderän brachte solches bis in die neueste Zeit hervor (Gmelin, „Reisen in Russland" 1776; Spiegel I, 256); der dort erzeugte Rohzucker war indes dunkel und schlecht, und auch die Produkte der sog. Raffinerieen in Jezd und Ispahan erwiesen sich stets als mangelhaft, so dass die Brote als weich und fleckig, und die Kandise, die man an bleibeschwerten Fäden in irdenen Schüsseln krystallisieren liess, als kleinsteinig und geringwertig galten (Schindler, „The Sugar Cane" 1889, 415). In den ersteh Jahrzehnten des 19. Jahrbundertes bezogen die persischen Kauf leute noch alle besseren Zucker über Bombay, Innerasien, Ohiwa, und den Kaspisee, aus China (Ritter, „Erdkunde" VIII, 519), namentlich waren die schönen chinesischen Kandise gesucht, für welche die vornehmen Kreise besondere Vorliebe zeigten; als z. B. Feth-Ali-Schah 1815 einen Siegeseinzug in Teheran hielt, „trug man ihm als Huldigung Vasen mit Kandis entgegen, denen er die grössten Stücke entnahm und sie den Gesandten und Günstlingen als Zeichen seines Wohlwollens überreichte, worauf die Vasen zerschlagen, und die übrigen Krystalle auf die Strasse geworfen wurden, so dass der Weg damit wie mit Blumen bestreut war" (Morier, b. Ritter 825). 382 Vierzehnter Abschnitt. Die neupersischen Dichter erwähnen den Zucker sehr häufig, und räumen ihm in ihren Erzählungen, Sprüchen und Gleichnissen eine bevorzugte Stellung ein. Ibn-,Jemin (gest. 1344) sagt z.B. (Hart, „Divan der persischen Poesie", Halle 1887, 157): .... Sei kein Thor! „Was Sinn, ergreife, und was Form, wirf hin, „Denn er ist Zucker, sie gemeines Rohr." < „Ein kluger Mann wählt den zum Freunde nicht, „Der sich zum Freunde dessen Feind erkor, „Und hofft vom Bösen nimmer gute That: „Denn niemals Zucker giebt gemeines Rohr." Chodschendi (gest. 1380) gedenkt seiner Geliebten mit den Worten: „Dieser Mund, so süss wie Zucker, gleicht weinvollem Goldpokale; „Gleich der Mücke stirbt, wer einmal trank von deines Mundes Schale." In des Dschämt (gest. 1492) „Jussuf und Suleicha" heisst es (Hart 199 und 204): „Da lag Suleicha mit dem Zuckormund, „Den Zuckerschlaf auf der Narcissen Paar . . . „Ihr war's im Traum, als tret' ein Jüngling ein . . . „Sein lächelnder Rubin goss Zucker aus, „Und sprach sein Mund, war's nichts als Süssigkoit, .... „Zum Zuckerballen schafft sein Mund ihr Herz." „Und Mädchen stöhn auf ihren Wink bereit, „Vom Haupt zum Fusso süss wie Zuckerrohr: .... „Sie blasen Anmutszauber auf ihn hin, „Der Ersten süsser Mund streut Zucker aus: „„Verzuckro deinen süssen Gaum durch mich, „Brich meines Zuckorballens Schloss entzwei, „Und käue Zucker gleich dem Papagei!"" Scheich Hiläli (um 1500) beginnt sein Gedicht „König und Derwisch" mit den Versen: „Ein Rosenboet das weite Weltall war, „Und gleich dem Tag die Nacht so hell und klar. „Ein Milch- und Zucker-haltigor Pokal „Erschien der Himmel, in des Vollmonds Strahl." Urfi giebt den Ratschlag (Hammer-Purgstall, „Duftkörner aus persischen Dichtern", Sttgt. 1860, 122): „Zeig' dich in jeglicher Form um allen alles zu worden, „Zucker sei in der Milch und in dem Essige Senf" und ein anderer persischer Spruch (Rückert, „Poetisches Tagebuch" 1888, 87) verbirgt hohe Weisheit unter dem Gleichnisse: > =£= M^Mi^^n Der Zucker im Orient seit Beginn des 14. Jahrhundertes. 383 „Des Zuckers Süssigkeit verleiht „Verschiedenem Zuckergobilcke „Die Süssigkeit „Verschiedener Geschmäcke: „Ein Geist vorbindet den Stoffen sich, „Begeistert sie verschiedentlich, „Und wie er verschieden erscheine, „Bleibt er der Eine". Bei Häfis (gest. 1389 oder 1390), dem Fürsten der persischen Dichter, spielen auf Zucker bezügliche Vergleiche und Bilder ebenfalls eine grosse Rolle. Von seinem Liebchen sagt er (Meier, „Morgenländische Anthologie", Hildb. 1869, 117 und 124): „Obgleich es an mich, den Derwisch, nicht „So ein einzig Wörtchen richtet, das Rippchen, „So geb' ich dennoch mein Herze hin „Für seine schweigenden Zuckorlippchen." „Herr giob mir auch mein täglich Brot „Vom Zucker ihrer Lippen stots! „O horchet, — Häfis botet ja, — „Sprecht Amen, Hörer des Gebots!" Ebenso beziehen sich folgende Stellen auf seine Geliebte (Hart 174, 180, 174): „Schön sind rosongloicho Leiber, Lippen zuckersüsse; „Doch nur wenn sie das Umarmen dulden und die Küsse." „Sieh', während auf dem Zuckerrohre „Die Papagei'n sich fröhlich wiegen, „Wie schlagen hoffnungslos die Pfotchen „Sich übers Haupt die armen Fliegon!" „Sprich mir nicht von Zucker, Reiz, und andrer Süssigkeit: „Sehnsucht nur nach deinen Lippen ist mir Süssigkeit!" Über das ruhelose Weltgetriebe setzt sich der Dichter mit den Worten hinweg: „Legt das Gute Eins zum Andorn, „Heute Zucker, morgen Wein; „Nicht nach Mekka will ich wandern, „Kann mit Lust zu Hause sein." Von seinen Werken sagt er mit Selbstbewusstsein: „Mein'Schroiberohr ist ein Zuckerrohr „Im Ägypten der Beredtsamkoit, „Mein Schreiborohr ist ein Zuckerrohr „In der Vollendung der Süssigkeit." 384 Vierzehnter Abschnitt. Hierher gehören auch die, von Goethe im „Westöstlichen Divan" nachgebildeten Sprüche, deren erster sich auf den berühmten Fabeldichter Lokman bezieht, nach welchem schon die 31. Sure des Korans benannt ist: „Was brachte Lokman nicht hervor, „Den man den Garst'gon hiess? „Die Süssigkoit liegt nicht im Rohr, „Der Zucker, der ist süss." „Thut ein Schilf sich doch hervor „Wolton zu versüssen! „Möge meinem Schreiborohr „Liebliches entfliesson." FÜNFZEHNTER ABSCHNITT. Die Ersatzmittel des Rohrzuckers. Neben dem Rohrzucker aus Zuckerrohr, und dem Honig, den beiden wichtigsten und ausgiebigsten Versüssungsmitteln, sind in manchen Gegenden seit altersher, in anderen seit längerer oder kürzerer Zeit, auch andere Süssstoffe in Gebrauch gestanden, und haben, durch besondere örtliche, politische, oder handelspolitische Bedingungen begünstigt, zuweilen eine nicht unbedeutende Wichtigkeit erlangt; ist es auch nur den wenigsten derselben gelungen, sich dauernd zu behaupten, und im Welthandel eine Rolle zu spielen, so war dies doch bei einigen in ausgedehntem Maasse der Fall, und wie diese hierdurch, so bieten die übrigen in anbetracht der Umstände, die ihre Anwendung erstehen und wieder vergehen Hessen, ein allgemeines geschichtliches Interesse dar. Eines der ältesten Ersatzmittel des Zuckers aus Zuckerrohr . ist der Palmzucker, der aus dem Safte der Palmen Phoenix silvestris, Cocos nucifera, Borassus flabelliformis, Caryota urens, und Arenga saccharifera, in Indien bereitet wird, und unter dem Namen „Jaggery" (Gagori, Sharkari) daselbst vermutlich ebensolange bekannt ist, wie der Rohrzucker selbst (Lassen I, 312 ff.). Die Palmen, aus denen man Zucker bereiten will, werden reihenweise in fruchtbaren, hoch und trocken gelegenen Ländereien angepflanzt, wo sie zwar weniger, aber zuckerreicheren und leichter krystallisierenden Saft ergeben, als dicht an der Küste, oder an den Flussufern, und sind zuweilen vom 5., in der Regel aber vom 8. bis zum 30. Jahre, ertragfähig. Die Saftgewinnung geschieht in der Zeit von Anfang November bis Mitte Februar, und erfolgt derart, dass man, dicht unterhalb der niedrigsten Zweige der Krone, einen zolltiefen Einschnitt in Gestalt eines gleichseitigen Dreiecks von etwa 6 Zoll Seitenlänge anbringt, in die nach unten gekehrte Spitze desselben ein Stück p Lippmunn, Geschichte des Zuckers. 25 386 Fünfzehnter Abschnitt. Bambusrohr einsteckt, und unter diesem ein irdenes Gef'äss befestigt; hat man den Einschnitt nachmittags oder gegen Abend gemacht, so findet man am nächsten Morgen, wenn man das Ge- fäss abnimmt (was vor Sonnenaufgang geschehen muss), 2 / 3 — :i / 4 desselben mit einem dünnflüssigen, sehr süssen, fast aus reiner Rohrzuckerlösung bestehenden Safte angefüllt, und zwar ftiesst desto mehr davon aus, je kühler und ruhiger das Wetter ist. Man kann drei Tage hintereinander Saft gewinnen, muss aber dann dem Baume eine gewisse Ruhezeit lassen, weshalb die Pflanzer ihre Palmfelder meistens in 6—7 Abteilungen trennen, und diese während der Erntezeit stets in regelmässigen Zwischenräumen aufs neue besuchen; bei jungen Bäumen zapft man im ersten Jahre nur die Hälfte, im zweiten nur drei Viertel derjenigen Saftmenge, ab, die sie erfahrungsgemäss überhaupt liefern können, und die im ganzen einem Zuckerertrage von 35—40 Pfunden für die Palme entspricht. Der frische Saft wird in halbkugeligen Thonpf'annen, die innen zuweilen mit etwas Kalk bestrichen werden, auf freiem Feuer zu einem dicken Syrup eingekocht, den man in flache Schüsseln, zuweilen auch in Düten aus grossen Palmblättern ausgiesst, und an der Sonne trocknen lässt; will man rasch reineren Zucker erhalten, so giesst man die Füllmasse auch in Weidenkörbe, deren Boden eine Schicht feinen Sandes enthält, durch welchen dann ein Teil des Syrups abtropfen kann (Flückiger und Hanbury, a. a. 0.; „Ena Brit." XXII, 628; Reed 104ff.; Böhmer I, 765). Häufig begnügt man sich auch damit, den Saft bloss zu Honigkonsistenz einzudampfen; schon Ibn-Batuta („Reisen" II, 209; IV", 113 und 139) meldet, „dass der Saft der Kokospalme abgezogen, in Kesseln zu einem vorzüglichen Honig eingedickt, und in dieser Gestalt nach ganz Indien und China exportiert wird", und in der That findet sich Palmzucker schon in dem chinesischen Werke „Kuangchi" genannt, welches vermutlich im 10. Jahrhundert n. Chr. abgefasst ist (Bretschneider 25). Der Dattelhonig hingegen, den Ibn- Batuta ebenfalls erwähnt („Reisen" II, 9), den auch schonHerodot (I, 193) und Strabo (XVI, 1, 14) kennen, und die „Mischnah" rühmt (Low 124), wurde nicht am Feuer eingekocht, sondern vermutlich aus den reifen Früchten ausgepresst. Acosta, der um 1580 schrieb (s. Clusius 269), berichtet, dass in Indien der „Sura" genannte Palmsaft, durch Eindicken zu Zucker (Jagara) verarbeitet werde, den man in ungeheuren Mengen konsumiere, aber auch als geschätztes Heilmittel anwende; in Europa hielt man den braunen zähen Jaggery noch im 18. Jahrhunderte nicht für identisch mit Rohrzucker (Hoffmann-Maederjan, a. a. 0.). Auch gegenwärtig 4 T Die Ersatzmittel des Rohrzuckers. 387 wird die Erzeugung solchen rohen Palmzuckers in Indien noch in grosser Ausdehnung betrieben, und man findet häufig Bauern, die 600—800 Palmen besitzen; die gesammte Produktion dürfte jährlich mindestens eine Million Meterzentner betragen (Scherzer 117). Was für die warmen und tropischen Länder die Zuckerpalme, das ist für die nördlich gelegenen kalten Gegenden der Zuckerahorn (Acer saccharinum), als dessen Heimat Nordamerika anzusehen ist. Sogleich nach dem Aufhören der Winterkälte beginnt der Saft dieses Baumes aufzusteigen, und sein Zufluss, der in hohem Grade vom täglichen Wechsel der Witterung abhängig ist, pflegt bis Ende März, manchmal bis Anfang April anzudauern; frostige Nächte und sonnige Tage befördern ihn, auch fliesst der Saft reichlicher bei Tage als bei Nacht, und ist bei Bäumen, die mehr im Freien und entfernt von dichtem Unterholze stehen, reiner und süsser, als bei jenen, die inmitten des Waldes wachsen. An günstigen „Safttagen", deren man während der 5—6wöchentlichen Erntezeit meist nur 10—15 zählt, kann ein Baum bis 12 Liter Saft liefern; dieser fliesst zuerst meistens ziemlich geschwind aus, dann aber tritt eine mehrstündige Ruhepause ein, nach deren Verlauf der Ausfluss von neuem anfängt. Sobald der Baum Blätter entfaltet, nimmt die Saftmenge rasch ab, und auch die Süssigkeit des Saftes, der aus fast reiner liohrzuckerlösung besteht, lässt bedeutend nach. Die Zuckergewinnung beginnt daher stets sogleich nach der Schneeschmelze; da ausgewachsene Bäume durch das Anzapfen, selbst wenn es 40 Jahre hintereinander geschieht, nachweislich nicht geschädigt werden, während jüngere sehr empfindlich sind, so wählt man nur Stämme von mindestens 20—25 Jahren aus, bohrt dieselben einige Fuss über dem Erdboden 5 —10 Zentimeter tief an, steckt eine Röhre in das Loch, und stellt unter dieselbe ein Gefäss; in grosse Bäume macht man zwei oder drei Löcher, benutzt jedoch niemals die nämlichen Bohrstellen mehrere Jahre hintereinander. Der frische Saft wird sogleich in kleinen Kesseln auf freiem Feuer unter fortwährendem Umrühren eingedampft, abgeschäumt, und in irdenen oder birkenrindenen Formen erstarren gelassen; man erhält so kleine Platten und Tafeln eines rötlichen, durchscheinenden, sehr wohlschmeckenden Zuckers, der zuweilen noch durch Umkochen und Klären mit etwas Kalk, Milch oder Eiweiss, weiter gereinigt wird (Duhamel du Monceau, „Traite des arbres et arbustes" I, 32; Rush, „The sugar-maple- tree", Philad. 1792; Maw, b. Wittstein 944; Reed 122). Häufig wird auch bloss Syrup fabriziert, oder der Saft, nach Rush, durch Ausfrieren, nur bis zu einem gewissen Grade konzentriert (Böhmer I, 25* 388 Fünfzehnter Abschnitt. 753 ff.). In der Regel erhält man aus einem Ahornstamme im ganzen 48—96 Liter Saft, und aus diesem, bei völligem Einkochen 1—3 Kilogramm Zucker; doch kann diese Menge ausnahmsweise auch auf das doppelte, und selbst auf noch mehr steigen. — Die Bereitung des Ahornzuckers war den riordamerika- nischen Indianern bereits bekannt, als die Europäer nach Kanada kamen, und zwar soll sie zuerst der Stamm der Delawaren betrieben haben, der nämliche, welcher auch zuerst den regelmässigen Anbau des Maises, und hiermit überhaupt den Ackerbau, zu pflegen begonnen hatte (Lippert II, 163). Die Franzosen, deren Kolonie Kanada bis zum Pariser Frieden von 1763 war, lernten die Zuckerbereitung aus Ahornsaft von den Eingeborenen, nach Kalm (1751) gewann dieselbe aber erst grössere Bedeutung, als die Quäker und Herrnhuter sich zum Betriebe dieser Fabrikation vereinigten, in der Hoffnung, hierdurch die des Rohrzuckers, und damit zugleich die Sklaverei zu verdrängen, — ein Unterfangen, das sich freilich alsbald als fruchtlos erwies (Beckmann, „Phys.-Okon. Bibl." XV, 8). Nach Brissot („Voyage dans les etats unis" 1788) und Coxe („View of the united states" 1794) lieferte ein Morgen Land mit 140 Ahornstämmen 500—700 Pfund Zucker, und eine Familie konnte jährlich etwa 15 Zentner Zucker darstellen, vorausgesetzt, dass es nicht an nahem Brennholze mangelte. Trotz dieses geringen Ergebnisses wurde die Erzeugung von Ahornzucker durch den Franzosen Lanthenas und den Schweden Stählhammer auch in Europa empfohlen, als infolge der Verwüstung Domingos, und durch die kriegerischen Wirren zu Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhundertes, alle Kolonialwaaren, und namentlich auch Zucker, ausserordentlich im Preise stiegen. Auf Veranlassung des preussischen Ministers von Struensee, welcher später auch Samen aus Amerika kommen Hess, stellte Hermb- städt 1797 im königlichen Tiergarten zu Berlin zunächst Versuche mit dem Safte des Silberahorns an („Chemische Versuche und Beobachtungen über die Darstellung des Zuckers", Berl. 1799), auch wurden die Verwalter sämmtlicher Staatsforsten beauftragt, zur Probe Ahornsal't abzuzapfen, und in eingedicktem Zustande nach Berlin zu senden, woselbst er raffiniert werden sollte (Poppe, „Gesch. d. Techn." IV, 148ff.; Rössig, „Abhandlung über die vorzüglichsten einheimischen, oder leicht einheimisch zu machenden Zuckersurrogate *, Lpzg. 1799; 20 und 31). Auch die märkische Kammer Hess 1798 eine grössere Menge Ahornsaft einkochen und zu weissem Hutzucker raffinieren (Beckmann, „Phys.-Okon. Bibl." XX, 256), ebenso 1799 die Breslauer Siederei, welcher Heinrich Die Ersatzmittel des Rohrzuckers. 389 ♦ * I aus Schweidnitz, 17 Liter „schönen Syrupes aus 28 Bäumen gewonnen" ablieferte, und ebenso wurde bei den Versuchen des Grafen von Veitheim in Harbcke und des Prinzen Heinrich auf Schloss Rheinsberg (1798) „sehr guter Rohzucker, das Pfund zu l 1 / 2 guten Groschen Erstehungspreis * gewonnen. In Österreich befahl Fürst Liechtenstein 1800 auf seinen Gütern 30000 Stück Ahornstämme anzupflanzen, und errichtete 1809 in Eisgrub eine Siederei, um den von acht Domänen erzeugten Ahornzucker zu raffinieren. Obwohl sich alle diese Unternehmungen staatlicher Unterstützung und mannigfacher Begünstigungen erfreuten, so konnten sie sich doch nicht dauernd behaupten, und gingen sämmtlich wieder ein, als die Zuckerpreise auf normalen Stand zurücksanken. Gegenwärtig wird Ahornzucker nur mehr in Nordamerika gewonnen, und zwar noch immer nach der oben geschilderten primitiven Arbeitsweise; die Gesammterzeugung wird auf 100—200000 Meterzentner Zucker und 120000 Meterzentner Melasse geschätzt, und ist im Zunehmen begriffen („Ena Brit." XXII, 628; Scherzer 117). Die Völker Mittelamerikas stellten auch Zucker aus Mais dar. Diese Pflanze war schon seit der ältesten Zeit in Nord- und Südamerika bekannt, wurde selbst von halbnomadischen Stämmen an ihren jeweiligen Wohnsitzen angebaut, und war in Mexiko jedenfalls Gegenstand einer uralten Kultur, da die Göttin Cinteutl (von Cintli = Mais) oder Chicomecoate, welche ungefähr die Stellung der Ceres einnahm, Maiskolben in den Händen haltend abgebildet wurde, und die Sonnenjungfrauen sowie die Priester, bei ihren Festen und Opfern Kränze von dürren Maisblättern trugen, und sich die Lippen mit Maismehl und Honig bestrichen (Decandolle 315; Ratzel III, 673; Klemm V, 107 und 109). Maismehl war auch der Hauptbestandteil der mexikanischen Speisen, und wurde auf vielerlei Art zu süssen Gerichten verarbeitet, von denen die Azteken grosse Freunde waren; sie besassen daher eine geregelte Bienenzucht (Peschel, „Entd." 528), deren Produkte sogar exportiert wurden, — so z. B. stammte das grosse Brot Wachs, welches Kolumbus aus dem bienenlosen Cuba mitbrachte, und dem König Ferdinand überreichte, nach Herrera aus Yukatan (Humboldt, „Cuba" II, 24), — und bereiteten Süssstoffe aus verschiedenen Pflanzensäften. Humboldt berichtet hierüber („Nouv. Esp.» III, 63 und 61): „Vor Ankunft der Europäer pressten die Mexikaner, und auch die .Peruaner, den Saft der Maisstengel aus, und konzentrierten ihn nicht nur durch Einkochen, sondern stellten auch durch Abkühlen des eingedickten Saftes Rohzucker dar, worüber Cortez, in seinem Berichte an Karl V. über den mexikanischen I i 390 Fünfzehnter Abschnitt. Marktverkehr*) sagt: man verkaufe dort Bienenhonig, Wachs, Syrup von den Maisstengeln, welche so süss seien wie Zuckerrohr, und Maguey-Syrup, ferner auch den Zucker, welchen die Eingebornen aus diesen Pflanzen machten, und dahin brächten. Wirklich enthält auch der Mais gewisser tropischer Gegenden so .vielen und so süssen Saft, dass ich oft die Indianer ibn wie aus Zuckerrohr aussaugen sah. In Toluca wird sogar der Mais durch Mühlen ausgequetscht, und der Saft zu „Pulque de mahis" vergohren; in Mexiko war dieses Getränk, sowie manches ähnliche, seit jeher gemein, in Peru aber zur Inkazeit verboten" (s. Acosta, „Historia natural y moral des las Indias", Barcelona 1591, üb. 4, cap. 16). Die von Humboldt erwähnte Varietät des Maises ist der sog. Süssmais, dessen frisch eingedickter Saft 15 —16°/ 0 schön krystalli- sierte Zuckermasse ergeben kann (»Das Ausland" 1842, 976; Volz 317), während die gewöhnlichen Maisarten viel ärmeren und unreineren Saft führen. In Europa erhielt Justi „aus entsprechend gezüchtetem Mais guten Zucker" („Ökonomische Schriften" 1766; I, 414; II, 191), Jacquin (1784) und Marabelli gewannen Zucker durch Auspressen der im Safte stehenden Stengel („De Zea Mais", Pavia 1793), und auch Meidinger in Wien hoffte auf diese Weise grosse Erfolge zu erzielen (1799), die sich indessen, entsprechend den Versuchen Hermbstädt's (a. a. 0.), nicht einstellten, obgleich er sogar eigens zu diesem Zwecke eine besondere Siedepfanne erfand (Poppe, „Gesch. d. Techn." IV, 148ff.). Die Zuckerhirse (Sorghum saccharatum) ist nach Decandolle (S. 307) in Innerafrika heimisch, jedoch in wildem Zustande unbekannt; infolge der häufigen Verwechslungen dieser Gattung mit den zahlreichen übrigen Sorghum-Arten, die gleichfalls sämmtlich afrikanischen Ursprungs zu sein scheinen, ist ihre Geschichte noch wenig aufgeklärt. Nach Sprengel („Bot." I, 10) wird sie schon bei Hesekiel genannt; auch könnte sich vielleicht der Bericht Herodot's (IV, 194): „Bei den Gyzanten (südlich von Karthago) schaffen die Bienen viel Honig, noch viel mehr aber bereiten, wie behauptet wird, menschliche Arbeiter", auf Zuckerhirse beziehen. Nach Italien gelangte Sorghum erst zu Anfang der römischen Kaiserzeit (Plinius XVIII, 55), doch scheint es sich hierbei, entgegen Decandolle's Ansicht, um Sorghum vulgare (Mohrenhirse, Durrah), gehandelt zu haben, da angegeben wird, der Anbau dieser Pflanze sei trotz ihrer grossen Fruchtbarkeit nicht beibehalten worden, ■ *) „Drei Berichte des Don Fernando Cortez an Karl V.", deutseh von Koppe, Berl. 1834; Androe, „Geogr. d. Welth.«, Sttgt. 1877; I, 75. Die Ersatzmittel dos Rohrzuckers. 391 weil das unschöne und wenig wohlschmeckende Korn keine Abnehmer fand (Hehn 444). Ob die Sorghumart, welche die Araber nennen (z. B. Ibn-al-Awäm II, 77) und vielfach verbreiteten, Zuckerhirse war, erscheint zweifelhaft; was Petrus de Crescen- tiis (um 1300) als „milica" beschreibt, ist jedenfalls Durrah, und erst Taberniimontanus spricht deutlich von Sorghum sacchara- tum, wo er sagt (11, 662): „dieses Rohr hat einen süssen Geschmack, fast ebenso wie Zuckerrohr." In Europa hat der Anbau der Zuckerhirse, obwohl Pater Arduino aus derselben Syrup und Zucker gewann (Rössig 51), niemals Boden gefasst; von grösster Wichtigkeit und Ausdehnung ist er aber schon seit sehr alter Zeit in China, woselbst jedoch der Saft nur zum unmittelbaren Genüsse und zur Darstellung berauschender Getränke, und niemals zur Zuckererzeugung dient (Bretschneider 46ff.; Decandolle 307). Die letztere ist in Nordamerika seit fast dreissig Jahren der Gegenstand unausgesetzter und sehr eifriger Bemühungen geblieben, die indes, trotz reichlicher Unterstützungen seitens des Staates, kein brauchbares Resultat ergaben; 1885 war die Gesammtmenge des aus Sorghum dargestellten, grösstenteils sehr unreinen Zuckers, 3000 Meterzentner („Ena Brit." XXII, 628), doch wurde ausserdem noch sehr viel Syrup gewonnen. Die Zuckerwurzel (Sium Sisarum) wächst in Süd- und Mittelasien wild, wurde aber in Südeuropa und Nordafrika möglicherweise schon seit Alters her kultiviert, da bereits die Ägypter ihr Bier mit Zuckerwurzeln und Lupinen gewürzt haben sollen (Sprengel I, 75; Lippert I, 629; Herodot II, 77); Theophrast führt sie jedoch nicht an, und die Stellen bei Plinius, Dios- korides und Columella sind nicht über jeden Zweifel erhaben (Decandolle 31). Im 12. Jahrhundert erwähnt sie ein Verzeichnis der Äbtissin Hildegard unter dem Namen „Gerla" (Wittstein 948), und in späterer Zeit beschreiben sie Olivier de Serres (II, 471), Clusius, und Tabernämontanus (II, 868), welcher Letztere sagt, „die beste Sorte komme jetzt aus Westindien, sei süss wie Zucker, und gelte als ein Schleck." Dass diese Süssig- keit auf einen Gehalt an Rohrzucker zurückzuführen sei, zeigte zuerst 1747 Marggraf („Berichte der Berliner Akademie" 1747; „Chemische Schriften" 1768, II, 70). Das Süssholz (Radix liquiritiae) war bereits Theophrast bekannt („Hist. plant." IX, 13), und auch Dioskorides, Galenus, Oribasius, Marcellus Empiricus (um 408, s. Haeser I, 625), und Paulus Aegineta beschreiben die Wurzel, den eingedickten Saft derselben, und die aus ihm bereiteten Arzneien, Pastillen und I ■ I I m 392 Fünfzehnter Abschnitt. Mischungen; auch die Araber, besonders Avicenna, machen von diesen sehr oft Gebrauch, können aber die Anwendung dieses Mittels vielleicht auch den Indern entlehnt haben, da es bei Susruta oft vorkommt (z. B. I, 40). Zur Zeit des Platearius wurde in Süditalien schon vielSüssholz angebaut; „man zerstösst oder zerquetscht die Wurzeln, kocht die Masse mit Wasser aus, dickt die Lösung bis fast zur Trockne ein, presst ab, trocknet den Extrakt an der Sonne, und formt ihn, der Gestalt der benutzten Gefässe entsprechend, in Kuchen, Stangen, oder runde Stücke" (S. 239). Petrus de Crescentiis (um 1300) giebt genau dieselbe Beschreibung, ebenso Tabernämontanus (II, 916 und 1527), der die Wurzel, den Saft, und den Syrup, sowie die heilkräftigen Gemenge aus Süssholz, Wein, Manna und Zucker anführt, und sagt, der beste, ganz schwarze und zähe, sehr süsse Extrakt komriie aus Kreta, — er bildet auch eine, mit dem venetianischen Löwen gestempelte Scheibe desselben ab, — sehr guter jedoch auch aus Apulien, Spanien, und Südfrankreich. Der Katalog der Frankfurter Apotheke von 1582 enthält kandischen, venedischen und spanischen Süssholzsaft, sowie „Radix dulcis Scytica", vermutlich russisches Süssholz; der Mainzer Katalog von 1605, und der Frankfurter von 1609 führen diese Sorten ebenfalls auf, ausserdem aber noch „succus vulgaris" (Flückiger, „Dokumente"). Hierunter ist der Saft aus Bamberg zu verstehen, denn in der Nähe dieser Stadt, sowie überhaupt in Süddeutschland, wurde nach Tabernämontanus schon zu Anfang des 16. Jahrhundertes sehr viel Süssholz gebaut, wie denn z. B. schon oben angeführt wurde, dass sich die württembergischen Stände 1511, bei der Hochzeit des Herzogs, statt mit dem teuren Zucker, mit Süssholzsaft behalfen. Aus Italien und Spanien wurde auch Süssholz nach England ausgeführt; 1264 kaufte Heinrich III. solches, und Eduard III. legte 1305 einen Eingangszoll darauf (Rogers II, 453). Noch gegen Ende des 18. Jahrhunderts sandte Spanien jährlich 4000 Zentner nach London, wo es zur Bierbereitung benutzt wurde (Böhmer I, 447), und in Sizilien sah 1770 Riedesel den Extrakt in grossen Mengen noch ganz ebenso bereiten, wie dies schon Platearius angiebt. Die einstige Verbreitung des Süssholzes in Deutschland hat ihre Spuren noch in manchen Redensarten hinterlassen, von denen „Süssholzraspelu" = „Komplimente machen" die bekannteste sein dürfte; Hans Sachs sagt z. B. in der Posse „Das heiss' Eisen": „drum nehmt nur Süssholz in das Maul, zieht auf gute Seiten wiederum", und noch Rabener (1714—1771) zeichnet in seinen „Satiren" („Ausgew. Werke", Halle 1887, 41) das Bild eines Gecken 4 Die Ersatzmittel des Rohrzuckers. 393 1 V mit den Worten: „die Hände wusch er sich mit Kosenwasser und kaute beständig Süssholz." Dass der eingedickte frische Most, den schon die Alten als Versüssungsmittel benutzten, eine besondere Zuckerart enthalte, war bereits den Arabern wohlbekannt.*) Ibn-al-Awäm sagt betreff der Bereitung des Traubensyrups (II, 398 und 400): „man presst den Saft aus, lässt ihn absitzen, kocht ihn in kupfernen Kesseln ein, schäumt mit einem Schaumlöifel ab, konzentriert die Masse unter fortwährendem Umrühren, und trocknet sie zuletzt in der Sonne; am Rande des Kessels krystallisiert dabei eine Art Zucker." Ibn-ßatuta erzählt (I, 187), dass man in Balbek den stark eingedickten Traubensaft mit einem Pulver (jedenfalls mit festem Traubenzucker von einer vorhergehenden Operation) mische, wodurch derselbe fest werde und erhärte, worauf man das Gefäss zerbreche, den Zucker, der ein grosses hartes Stück bilde, zerkleinere, und daraus mit Pistazien und Mandeln „Elmolabban", d. h. „Geziegeltes" bereite. Nach Heyd spricht auch Schihab- eddin von Traubenzucker, den er, „nicht zu scharf und nicht zu süss" nennt („Notices et Extraits" XIII, 336), und ebenso scheint ihn Pegolotti (S. 211), sowie Makkari (I, 6) im Sinne zu haben, wo dieser unter den Erzeugnissen Portugals „eine Art Honig, dem Zucker sehr ähnlich, und niemals im flüssigen Zustande" anführt. In späterer Zeit (1600) erwähnen Olivier de Serres (II, 103) und Glauber (1660) einen körnigen Zucker aus Honig, Rosinen, eingedicktem Most, oder Obstsaft, ebenso auch Junker (1730) im „Conspectus chemiae" (Kopp, „Geschichte der Chemie" IV); aber erst Marggraf stellte denselben durch Ausziehen mittelst Wasser und Alkohol rein dar (1747), und erklärte ihn für „eine ArtZucker", also für verschieden vom Rohrzucker. Der Apotheker Gnutsch (1781) gewann Traubenzucker aus grossen Rosinen, sowie aus dem Syrup von Muskatellertrauben, „die am Stocke zu Rosinen gereift waren", wobei 150 Pfund Syrup 50 Pfund Zucker lieferten (Poppe, „Gesch. d. Techn." IV, 148ff.); auch Gerhard erhielt um dieselbe Zeit krystallisierten Traubenzucker aus Rosinen (Böhmer I, 768), und Tömlich solchen aus Pflaumen, „so rein, dass man ihn zum Kaffee benutzen konnte" (Rössig 35). Aus Honig isolierte Lowitz 1792 den Traubenzucker, konnte ihn aber anfangs nicht krystallisiert erhalten (Phillippe 717), was indessen noch im selben Jahre, *) Die Ausscheidung eines Zuckers bei Diabetes (Zuckerkrankheit) bespricht schon Susruta ausführlich (I, 46 und 183; II, 105), doch scheinen weder die indischen noch die arabischen Ärzte jemals seine Natur untersucht, und ihn als identisch mit Traubenzucker erkannt zu haben. Fünfzehnter Abschnitt. und zwar gleichfalls unter Anwendung von Holzkohle, Martini in Venedig glückte, sowie bald darauf (1796) Sestini in Florenz, und Braumüller in Berlin (Poppe, a. a. 0.). Grössere Wichtigkeit erlangte der Traubenzucker zur Zeit der Kontinentalsperre; Napoleon versprach Proust für die Anlage einer Fabrik, die krystallisierten Traubenzucker nach seinen Angaben erzeugen sollte, eine Belohnung von 100 000 Francs, die indes Proust, da er sich einer so schwierigen, praktischen Aufgabe nicht für gewachsen hielt, ablehnte (Dumas, „Lecons sur la philosophie chimique", Paris 1878, 235), und als 1808 Parmentier, und 1810 Foucques, aus Most 6—8°/ 0 „des schönsten und weissesten Zuckers" herstellten, sicherte ein kaiserliches Dekret (von 1810) denjenigen zwölf Fabriken, die nach der ihnen mitzuteilenden Vorschrift den meisten Traubenzucker produzieren würden, eine Staatsprämie von 200000 Francs zu. Die Vorschrift bestand nach Poppe („Techn. Lex." V, 819) darin, den Most zu konzentrieren, mit Kreide zu neutralisieren, mit Eiweiss oder Blut zu klären, stark einzudicken, etwas fertigen Zucker einzurühren, 20—80 Tage stehen zu lassen, den Syrnp durch Stramin abzufiltrieren, und den Zucker ein oder mehreremale mit Wasser oder Alkohol zu befeuchten, und stark abzupressen. Aus 500 Pfund Trauben sollte man 100 Pfund Syrup, 70 Pfund rohen, und 35 Pfund raffinierten Traubenzucker erhalten. Nach der Aufhebung derKontinentalsperre ging diese Fabrikation allerorten wieder ein, um so mehr als inzwischen Kirchhoff (1811) die Darstellung des zwar viel unreineren, aber ungleich billigeren Traubenzuckers aus Stärke entdeckt hatte. Die nahe Verwandtschaft dieser Substanzen war übrigens schon vorher erkannt, oder vielmehr geahnt worden: „Wie kommt es," sagte Napoleon eines Tages zu Laplace, „dass ein Glas Wasser, in dem ich ein Stück Zucker auflöse, mir weit süsser erscheint, als ein Glas, welches gleichviel gestossenes Zuckerpulver gelöst enthält?" „Sire," antwortete der Gelehrte, „es giebt drei Stoffe, deren Grundprinzip ein und dasselbe ist, nämlich Gummi, Stärke und Zucker; sie unterscheiden sich nur durch gewisse Bedingungen, deren Natur noch Geheimnis ist. Vermutlich aber werden durch den Stoss, den der Mörsel ausübt, einige Zuckerteilchen in Stärke oder Gummi übergeführt werden, und auf diese Weise den Unterschied bedingen" (Brillat-Savarin 90). — Dass in vielen Pflanzensäften neben dem Traubenzucker noch ein unkrystallisierbarer „Schleimzucker" (jetzt Lävulose genannt) vorhanden sei, erkannten schon Marggraf und Lowitz, aber erst Vauquelin und Deyeux klärten diese Verhältnisse vollkommen auf (1799), und zeigten die Ver- ! Die Ersatzmittel des Rohrzuckers. 395 * schiedenheit dieser Zucker voneinander und vom Rohrzucker. Kirchhoff wies auch nach, dass sein Stärkezuckersyrup (Sirop imponderable, Capillairsyrup) keinen Schleimzucker enthalte; „Sirop imponderable" wurde derselbe geheissen, weil er so dickflüssig ist, dass die Beaume'sche Spindel nicht in ihm einsinkt; Capillairsyrup aber war ursprünglich der Name eines sehr zähen Syrups aus dem kanadischen Venushaar (Adiantum capillus Veneris), einer Pflanze, der man in früherer Zeit grosse medizinische Wirkungen zuschrieb (Pometius 1, 167). Neben dem Traubenzucker wurde auch der Milchzucker während der Kontinentalsperre als Ersatz für Rohrzucker empfohlen, — jedenfalls von Personen, die seine so geringe Süssigkeit gar nicht kannten, sondern sich durch das Wort „Zucker" täuschen Hessen. Nach Hall er sollen schon die indischen Brahmanen um die Existenz des Milchzuckers gewusst haben; da die Behandlung der Milch zu den Kulthandlungen derselben gehörte, so ist diese Angabe an sich nicht geradezu unmöglich, wohl aber sind die nötigen Beweise bisher nicht erbracht worden, und auch Haller selbst hat keine Belegstellen angegeben. Entdeckt wurde der Milchzucker durch Bartoletti (1581—1630) in Bologna, der ihn durch Eindampfen von Molken gewann; Testi in Reggio stellte ihn 1701 aufs neue dar, und erklärt ihn für ein hervorragendes Arzneimittel; Lichtenstein (1772), Rouelle (1773), und Hermbstädt (1782) untersuchten ihn näher, waren aber nicht im stände, über seine Natur ins Klare zu kommen (Wiegleb 11, 121 und 137). Dass die alten Mexikaner und Peruaner aus dem Safte der Agave Syrup und Zucker gewannen, ist schon oben erwähnt worden; schneidet man den Mitteltrieb dieser Pflanze vor Bildung des Blütenschaftes aus, so findet man ihn sehr süss und wie mit Zuckersyrup durchtränkt, und in der entstandenen Vertiefung sammelt sich der Saft, der zur Bildung des Schaftes und seiner Teile bestimmt war, in solcher Menge an, dass man 4—5 Monate lang täglich 3—4 Liter desselben gewinnen kann (Wittstein 5); in frischem Zustande schmeckt derselbe rein süss, und giebt beim Eindicken krystallisierte Füllmasse, an der Luft stehend, geht er aber sogleich in Gährung über, und liefert das, unter dem Namen Pulque, in Mexiko auch als Maguey bekannte, allbeliebte Getränk (Humboldt, „Nouv. Esp." 111, 63). Auch der Saft der in Ostindien heimischen Banane (Musa paradisiaca), von der arabische Forscher die sonderbare Ansicht hegten, sie sei ein Bastard aus Palmen und Zuckerrohr (Low 336), liefert einen sehr süssen, jedoch unkrystallisierbaren Syrup; der Mehlzucker, der an den getrock- «***-•▼ 396 Fünfzehnter Abschnitt. ; neten Bananen effloresziert, wird von manchen Völkern gesammelt, und als wirksames Mittel bei Vergiftungen angewandt (Humboldt, „Reisen" IV, 91). Der Johannisbrotbaum (Ceratonia siliqua) war schon Theo- phrast, Dioskorides und Plinius bekannt, und ist nach Strabo (XVII, 2, 2) in Äthiopien heimisch; die Araber nannten ihn Karob, und benutzten seine Samen als Gewichte*), woher der Name Karat rühren soll (Wittstein 349). Die sehr süssen und saftreichen Früchte liefern ausgepresst einen höchst wohlschmeckenden Honig- saf't, der entweder zum Einmachen von Obst dient (Low 177; Hehn 398), oder eingedickt, und in Form von Syrup oder Paste verkauft wird, wie dies bereits Ibn-Batuta beschreibt (I,. 128); noch jetzt ist die Anwendung dieses Syrups, welcher „Ikratameli" oder „Keratameli" heisst, im ganzen Oriente üblich. Der Name Johannisbrot ist auf die Mythe zurückzuführen, dass der Saft dieser Pflanze der „heilige Honig" gewesen sei, der Johannes dem Täufer in der Wüste als Speise diente. Von anderen Pflanzen, welche Zuckersurrogate von minderer, oder nur vorübergehender Wichtigkeit lieferten, sind noch folgende zu erwähnen: Die Birke (Betula alba, vom keltischen Betu) ergiebt, wenn sie im Frühjahre, vor Entwicklung der Blätter angebohrt wird, einen süssen wohlschmeckenden Saft, aus dem in Schottland und Irland Syrup und ein Wein, in Nordamerika, nach Kalm und Stählhammer auch viel Zucker bereitet wurde, welcher dem Ahornzucker sehr ähnlich war (Böhmer I, 423 und 759). Hermb- städt (a. a. 0.) erhielt krystallisierten Zucker bloss aus dem Safte der sog. Schwarzbirke, während der der Weissbirke nur Syrup lieferte. Aus Bärenklau (Heracleum sphondylium oder sibiricum) wurde in Nordasien nach Strahlenberg's, Steller's, und Gmelin's Beschreibung, durch Trocknen der im Juni geernteten, von der Aussen- rinde befreiten, zu Büscheln zusammengebundenen Stengeln und Blattstiele, ein Zucker gewonnen, der in so grosser Menge effloreszierte, dass man, beim Schütteln der getrockneten Pflanzen in Säcken, 1 Pfund davon aus 40 Pfund Trockengut erhielt; in Litauen, Polen und Schlesien sog man auch die rohen Stengel aus, und es wurde aus dem Safte Alkohol gewonnen (Böhmer 1, 477; Rössig 47; Beckmann, „Phys.-Ökon. Bibl." XX, 25; Hermbstädt, a. a. 0.). Vom syrischen Hundskohl (Asclepias gigantea) berichtet Böhmer (I, 760): „Man pflückt des Morgens die mit Tau be- • *) Nach Nachtigal ist dies in Fez noch jetzt gebräuchlich. Die Ersatzmittel des Rohrzuckers. 397 , deckten Blätter ab, drückt sie aus, kocht den Saft ein, und erhält einen guten braunen Zucker"; schon Avicenna erwähnt denselben als kräftiges Heilmittel (S. 163). Dass beim Trocknen des isländischen Meergrases (Laminaria saccharina) „ein wahrer Zucker ausschwitzt*, wurde nach Rössig (S. 47) und Beckmann („Phys.-Ökon. Bibl." II, 489) 1737 zufällig in Irland entdeckt, war aber in Island schon seit langer Zeit bekannt (Böhmer I, 762). Bierkander, welcher bemerkt hatte, dass ein angeblicher Zucker aus Tannennadeln, in Wirklichkeit nur infolge Verletzungen derselben durch gewisse Insekten ausgeschieden werde, glaubte, dass auch der „Meergraszucker" von Blattläusen herrühre. Uie sog. Mannagrütze, auch Himmelstau genannt, ist nicht, wie früher fälschlich vermutet wurde, eine Mannaart, sondern die sehr süsse und zuckerreiche Frucht des Mannagrases (Festuca fluitans, vom keltischen Fest = Nahrung), das in Südeuropa sehr verbreitet ist, und ehemals auch zur Bereitung eines Mehles diente (Böhmer I, 292; Beckmann, „Phys.-Ökon. Bibl." VI, 292; Wittstein 517). Die süsse essbarc Wurzel der Pastinake (Pastinaca sativa) beschrieb bereits Dioskorides; Marggraf wies ihren Gehalt an Zucker nach, den er aber ebensowenig wie Hermbstädt krystalli- siert erhielt, und Gleditsch empfahl sie (um 1750) als Material zur Zuckerbereitung; zu dem nämlichen Zwecke benutzte derselbe die Queckenwurzel (Triticum repens), aus deren süssem Safte, den schon Diodor (1, 43) und Ibn-Beithar erwähnt, namentlich der Apotheker Ulitzsch in Torgau, „einen vortrefflichen Syrup kochte" (Poppe, „Gesch. d. Techn." IV, 1481f.). Der Süssigkeit des Melonensaftes gedenken schon Galenus und Columella; einen „Speisesyrup" aus Melonen bereitete der Apotheker Rückert, und wiederholt wurden Versuche gemacht, aus dieser Frucht auch Zucker im Grossen zu gewinnen, zuletzt in Süd-Russland (Klemm X, 31), Kalifornien, und Ungarn (Poppe a.a.O.; Wittstein 588)) dieselben blieben jedoch ergebnislos, ebenso wie diejenigen, deren Gegenstand der Seidenkürbis war, auf welchen man ganz besondere Hoffnungen gesetzt hatte (Schmidt, Vorr. 14). Aus Malz stellte Riem 1775 einen Syrup her, und gab 1797 in Gemeinschaft mit Rüdiger, eine verbesserte Vorschrift („Ökon. Schriften", Dresden 1797): man sollte hiernach das Malz mit Wasser auskochen, die Lösung mit Ilolzkohlenpulver Klären, mit Eiweiss abschäumen, durch ein Tuch filtrieren, und eindicken. Der Syrup war wohlschmeckend, aber wenig haltbar (Rössig 42). Den Zuckergehalt der Möhre (Daucus carota), deren süssen Saft schon Theophrast, Dioskorides und Columella, als Heil- Wv 398 Fünfzehnter Abschnitt. mittel anwandten, entdeckte Marggraf, doch erhielten weder er noch Hermbstädt krystallisierten Zucker; Gleditsch, sowie Forster in Halle (1770) verarbeiteten den Saft zu Speisesyrup und auf Alkohol, namentlich aber empfahl Nicolai die Herstellung „des bei den Landwirten längst beliebten und geschätzten Möhren- syrups" im grossen, und sprach die bestimmte Erwartung aus, durch denselben den Zucker ganz oder grösstenteils verdrängt zu sehen („Patriotische Vorschläge zur Verminderung der Konsumtion des Zuckers in Deutschland", Göttingen 1792); die Konsumenten schlössen sich jedoch den Folgerungen Nicolai's nicht an, und vermochten auch seinem „lieblichen und vorzüglichen Syrupe aus Birnsaft" keinen Geschmack abzugewinnen.*) Dasselbe gilt für den Syrup aus Kohlrüben und Steckrüben, der, „trotz seines nicht abzuleugnenden rettigartigen Geruches und unangenehmen Beigeschmackes", in Gleditsch und dem Apotheker Dörffurt in Wittenberg, seine begeisterten Vorkämpfer fand (Gotthard 67; Poppe, „Gesch. d. Techn." IV, 148ff.; Hermbstädt, a. a. 0.). Die Runkelrübe oder Mangold (Beta cicla) wächst nach De- candolle (S. 46) am Mittelmeer, am kaspischen Meer, auf den kanarischen Inseln, in Mesopotamieen, und in Ostindien wild, besitzt keinen gemeinsamen indo-europäischen Namen, und dürfte nicht länger als seit dem 4.—-6. vorchristlichen Jahrhundert kultiviert sein; Hehn glaubt, sie sei in Europa einheimisch (S. 458), doch ist dieses Indigenat wohl kein ausschliessliches, da sie in China seit uralter Zeit angebaut wird (Bretschneider, 3), während allerdings kein Sanskritwort für Rübe besteht (Roxburgh, „Flora indica" II, 59), was sich mit der Angabe, dass sie auch in Indien zu Hause sei, nicht leicht vereinigen lässt. Vermutlich ist die wilde Stammform der Rübe, die an den Meeresküsten verschiedener Teile der alten Welt gedieh, gleichzeitig von mehreren Völkern gepflegt und veredelt worden: „die Mehrzahl der von uns als Gemüse benutzten Pflanzenarten, besonders Rüben, Kohl und Kresse, sind eigentlich aus Halophyten (Salzpflanzen) gezüchtet, und daher kommt es auch, dass sie einen an aufgeschlossenen Alkalien reichen Boden verlangen" (Kerner, „Pflanzenleben", Lpzg. 1888; I, 68). Jedenfalls ist aber die Rübe seit ungleich längerer Zeit eine Kulturpflanze, als Decandolle annimmt, denn schon ein altägyptisches Tempelgemälde zeigt einen Gärtner mit einer Rübe (Woenig 191, *) Mühevolle jedoch fruchtlose Versuche zur Darstellung von Zucker aus dem Safte der Äpfel, Birnen, Pflaumen und Kastanien unternahmen auch Dubuc, Fontenolle, Marcel de Serres, Guorazzi, Darcet, und Alluard (Leng, „Handbuch der Zuckerfabrikation", Ilmenau 1834, 302ff.). Die Ersatzmittel des Rohrzuckers. 399 * > mit Abbildung), und auch sonst wird die Rübe als eine in Altägypten wohlbekannte Pflanze häufig erwähnt; doch will hieraus Woenig nicht folgern, dass sie in Ägypten, oder überhaupt am Mittelmeer heimisch wäre, er glaubt vielmehr, ihr Indigenat sei, infolge der durch lange Perioden fortgesetzten Kultur, völlig verwischt (S. 217). Herodot nennt die Rübe unter den Pflanzen, welche den Arbeitern beim Pyramidenbau zur Nahrung dienten (II, 125), und noch zur römischen Kaiserzeit bauten die Ägypter lieber Rüben als Getreide an(Mommsen V, 574); auch Nassiri Chosrau (um 1040) erwähnt die Menge der Rüben in Ägypten („Sefer Nameh" 150), und Bellonius sagt, weisse Rüben seien dort die gewöhnlichste Speise (Clusius 186). Dem primitiven Ackerbaue der Indogermanen waren, nach Schrader, Rübe, Linse und Hanf nicht bekannt (Ranke, »Der Mensch", Lpzg. 1887; II, 538), hingegen besassen die Gräko-Italer schon vor ihrer Trennung Hirse, Bobnen, und Rüben, deren Anpflanzung vielleicht dem Ackerbaue vorausging (Hehn 59); Pytheas von Massilia fand diese drei Pflanzen auch im Besitze der keltischen Völkerschaften an den nordeuropäischen Küsten*), die er im vierten vorchristlichen Jahrhundert befuhr (Strabo IV, 5, 5; Hehn 495), und der Name Beta soll sogar dem keltischen bett (= rot, in Bezug auf die Art mit roter Wurzel) entlehnt sein (Wittstein 704). Sicher ist, dass Theophrast, Plinius, Go- lumella und Dioskorides, neben der wilden Rübe (ttmlov tiyQiov, beta silvestris), auch die rote (rtvrlov /.lelav, betae genus nigrum) und weisse (ttiirlov ktvxbv, betae genus candidius) kannten. Hippokrates gebraucht bereits den Rübensaft als Heilmittel, und wendet ihn vielfach statt Honig an (Haeser I, 165), ebenso Di- phylos von Siphnos, ein Arzt des 4. vorchristlichen Jahrhundertes (Sprengel, „Bot." I, 102); zu Athen galten Rüben als einer der gewöhnlichsten Marktartikel, und es wurden nicht nur die Wurzeln, sondern auch die Blätter verspeist, wie denn z. B. Aristophanes „Aal in Mangoldblättern gekocht" erwähnt („Die Acharner" v. 880; „Der Friede" v. 1000). In Italien waren die Rüben ebenfalls wohlbekannt; Kannibal zog von Casilinum ab, weil die Einwohner listigerweise an der Stadtmauer Rüben bauten, und er sie sehr gut verproviantiert glaubte, wenn sie deren Reife abwarten könnten (Strabo V,.14, 10); Cato (234—149 v. Chr.) bespricht die Rüben in seinem Werke über den Landbau (Meyer, „Bot." I, 342), *) Nach Grisebaeh (I, 118) kommt die Rübe selbst in Lappland noch fort. 400 Fünfzehnter Abschnitt. Plautus nennt sie eine allgemein gebräuchliche Speise der kleinen Leute („Pseudolus" III, 2), und Cornelius Celsus (um 30 n. Chr.) und Columella (60 n. Chr.) empfehlen ihren Anbau (Meyer, „Bot" II, 17 und 69). Wie verbreitet derselbe zur Kaiserzeit bereits war, geht am besten aus den ausführlichen Angaben des Plinius hervor: „Nächst Getreide und Bohnen," sagt er „ist kein Gewächs nützlicher als die weisse Rübe, deren Wurzel als Speise und als Viehfutter, deren junge Sprossen als Gemüse, und deren Blätter als Beifutter dienen; auch halten sich die Rüben, wenn man sie in der Erde aufbewahrt, und dann zum Trocknen hinlegt, so lange bis wieder neue da sind. Weisse Rüben säe man nur in gut gedüngten Boden, und wer im Frühjahre säen will, ■ verteile den Mist schon im Winter; zum Düngen für Rüben ist Holzasche sehr geeignet, doch ist es besser, öfter zu düngen, als viel auf einmal, denn ein zu stark gedüngter Acker verbrennt die Pflanzen. Auch baut man nicht stets Rüben auf dem nämlichen Boden, sondern hält einen Fruchtwechsel ein, am besten Wiese, Rüben und Getreide. Die jungen Rüben muss man durch fleissiges Behacken von Unkraut frei halten; durch Versetzen werden sie besser und grösser, doch müssen sie stets ganz von der Erde bedeckt sein (d. i. die Köpfe dürfen nicht aus dieser hervorsehen). Durch zu grosse Hitze schiessen sie in die Blätter, während sie bei geringerer Wärme süsser und grösser werden; je zartere Blätter sie haben, desto süsser sind sie, besonders ist aber die weisse böotische Rübe durch Kürze, Rundung und Süssigkeit ausgezeichnet. Der Samen geht im ersten Jahre oft nur teilweise auf, und ist dauerhaft; im vierten Jahre jedoch taugt er nicht mehr zur Aussaat. Um ihn beim Säen gegen Ungeziefer zu schützen, kann man ihn in ein Gemisch von Öl und Soda einquellen" („Hist. Nat." XVII, 34, 45, 53, 67; XIX, 25, 35, 58, 60). Die Römer assen Rüben gekocht, eingemacht, und geröstet, und zwar waren namentlich die Sorten von Aquila, Verona und Norikum beliebt (Volz 110); nach Hehn (S. 496) galt die Rübe als „transpadanus fructus", doch beweist dies nicht unbedingt, dass sie aus dem gallischen Oberitalien eingewandert sei, denn es wird andrerseits auch wieder gemeldet, erst die Römer hätten die Rübe nach Gallien gebracht (Volz 126). Die „Rüben", die Tiberius von rheinischen deutschen Stämmen als Tribut einfordern Hess, waren wohl nicht, wie einige Autoren (z. B. Beer I, 226) annahmen, süsse weisse Rüben, sondern vermutlich Zuckerwurzeln (Volz 140). Dioskorides erklärt die weisse Rübe als sehr gesund für den Die Ersatzmittel des Rohrzuckers. 401 Magen, gebraucht den rohen und den gekochten Saft zu verschiedenen Heilzwecken, und benutzt auch Rübe mit Alaun oder Kümmel, und Rübenblätter, für sich, oder mit Wein, gegen einige Krankheiten („Mat. Med." II, 149; „de fac. par." I, 30, 72, 118, 178). Gralenus verwendet die Rübe in ähnlicher Weise (Ibn-Beithar II, 41), ebenso auch Sammonicus (gest. 211), sowie Anthimus (um 530) in seiner „Diätetik" (Meyer, „Bot." II, 216; Haeserl, 632); Athenäus und Apicius Cölius gedenken ihrer zu kulinarischen Zwecken (Meyer, „Bot." II, 201 und 242), Isidorus Hispalensis (ed. Lindemann 548, und 557) bespricht sie gleichfalls, und Simeon Seth (um 1075) erachtet sie für schädlich, weil ihr Saft viele Galle verursache, d. h., in der Sprache dieser Zeit, weil er sehr süss sei. Im Orient war die Rübe bereits in alter Zeit bekannt, und wird z. B. bei Jesaias genannt (Low 273). Die arabischen Ärzte wandten sie vielfach an: Räzi verschreibt sehr oft Rübensaft (z. B. S. 83), Avicenna wilde Rüben, Rübensamen, Rübensaft, und eingemachte Rüben (S. 8, 9, 20, 24, 145), und Ibn-Serafiün sagt („De substantiis medicinarum" Lyon 1525, 143): „Rübe wirkt auflösend und erweichend; ihr Nährwert ist aber gering, und falls viele Salze vorhanden sind, kann der Genuss sogar üble Folgen haben." Nach Ibn-al-Awäm bezeichnet schondersog. „Nabathäi- sche Traktat" die Rübe als „wohlbekannt und überall sehr verbreitet" (I, 99); Ibn-al-Awäm erklärt dieselbe für sehr nützlich als Nahrungsmittel und als Futter, rät, sie nur in gutem, gedüngtem, tiefgepflügtem Boden anzubauen, im April zu säen, und nach einigen Wochen zu verziehen, giebt Mittel an, um je nach Wunsch die Wurzel oder die Blätter zu starker Entwicklung zu bringen, schreibt die Prüfung des Samens durch Keimversuche vor, und macht darauf aufmerksam, dass die Rübe das grösste Bestreben habe zu entarten; und dem Boden so viele Salze zu entziehen vermöge, dass ihr wiederholter Anbau ein Mittel zur Entsalzung schlechter Böden an die Hand gebe (II, 19 und 165 ff.). — Die aramäisch-arabischen Namen der Rübe, Silk oder Selkä, weisen nach Low (S. 273) auf das griechische oixelog, neugriechisch asvxlov, d. h. sizilisch, zurück*): „die sizilische Art des Mangold, die rote Rübe, ist auf diese Weise dasjenige Kind der Insel, das dem Namen der Heimat die weiteste Verbreitung verschafft hat." Silk bedeutet speciell *) Bei den alten Autoren finden sich die Formen tevtXoq, rsvtkor, xevrXwv, ouvzXor, aevrXlov; auch der Namo Beta cicla enthält einen Hinweis auf Sizilien, und bei Räzi (S. 83) heisst die Rübe noch einfach Sicula oder Sicla, z. B. aqua siclae = Rübensaft. Lippmiin li, Geschichte dos Zuckers. £\) n Fünfzehnter Abschnitt. die weisswurzelige Spielart der Rübe (Low 425); diese ist vermutlich die Stammform sowohl der weissen als der roten Varietät, die noch jetzt durch vielerlei Übergänge zusammenhängen, und als deren Bindeglied man vielleicht die sogenannte Dickrübe ansehen könnte, deren weiss bis gelb gefärbte Abarten häufig von mehr oder weniger zahlreichen roten Ringen durchzogen sind (Wittstein 703). In den „Kapitularien" Karl des Grossen wird die Rübe unter den Pflanzen genannt, deren Anbau auf den kaiserlichen Domänen anbefohlen war, und das „Breviarium rerum fiscalium". eine Art Inventurbuch der Güterverwaltung, zeigt, dass diese Anordnung auch allenthalben befolgt wurde (Meyer, „Bot." III, 401 und 411); im Klostergarten zu St. Gallen waren 820 ebenfalls Rüben angepflanzt (Phillippe 1040), und zur Zeit der Hohenstaufen, sowie im „Augsburger Statut" von 1276 findet man dieselben noch als Gartenpflanzen angeführt (Raumer V, 324; Volz 201). Vielleicht waren dies indes bessere Sorten, denn im 12. und 13. Jahrhunderte werden Rüben auch als allgemein gebräuchliche Bauernspeise erwähnt (Schultz I, 283). Rübengraben gilt in der Erzählung „Meier Helmbrecht" desWernher von Tegernsee(v. 1361; ed. Fulda, Halle 1888, 68) als grobe Bauernarbeit, und Rüben mit Speck bilden z. B. die zweite Hauptspeise bei der Bauernhochzeit im Liede „von Metzis Hochzeit" (Lassberg, „Liedersaal" III, 399); aber auch im „Buch von guter Speise" kommt als No. 48 „ein Condiment aus Rüben, mit Kümmel, Anis, Pfeffer, Petersilie, Essig, Honig, Safran, Senf und Birnen" vor, und ein „Rübenkuchen" wird 1333 in den Rechnungen des Dauphin Humbert aufgeführt (Le Grand dAussy II, 277), während wieder Bartholomäus Anglicus (lib. 17 cap. 22) sagt: „Die Rübe ist eine gemeine und überall bekannte Pflanze." Dass auch der süsse Geschmack derselben nicht in Vergessenheit geriet, zeigt eine Stelle im Lustspiele „Wer hat Kleie?" des portugiesischen Dichters Gil- Vincente (um 1500, s. Rapp, „Spanisches Theater", Hildb. 1868; I, 91), wo es von Aires heisst: „O hätt' er doch in seinem Kopf nur Grütze „Soviel, als Zucker führt ein Rübenkopf!" In einem deutschen Weihnachtsspiele aus dem Anfange des 15. Jahr- hundertes bitten die Hirten das Christkind, es möge Grütze, Pflaumen und Rüben geraten lassen (Scherer, „Litg." 248); Fischart prophezeit in „Aller Praktik Grossmutter" (ed. Scheible I, 649): „In Frankreich werden vollauf Rüben sein", Murner sagt im i Die Ersatzmittel des Rohrzuckers. 403 f „Grossen lutherischen Narren" (ed. Scheible II, 167): „Ihr edler Geist gleicht Rubenfleisch, Und schmeckt so wohl wie Pfaffen- kohl", und Hans Sachs führt in den Possen „Das heiss' Eisen" und „Der Rossdieb zu Fünsing" („Ausgewählte dramatische Werke", Lpzg.; 123 und 188) die sprüchwörtliche Redensart an: „Eid schwören ist leichter als Rüben graben". In wissenschaftlicher Hinsicht erörtert zuerst der Botaniker Cäsalpino (1509—1603) die Rübe ausführlich (Sachs, „Geschichte der Botanik", München 1875, 56); nach Gorräus (S. 456) ist sie eine, bei Vielen sehr beliebte Speise, die jedoch keine Nährkraft besitzt, und infolge ihres süssen Saftes leicht Galle erregt; Tabernämontanus berichtet (II, 790 und 814), dass die Rüben am besten an trockenen Orten gedeihen, desto süsser werden, je mehr der Saft in die Wurzel statt in die Blätter ziehe, dass die ausgekochte Brühe, „besonders die aus gedörrten Rüben, wie in Sachsen üblich", sehr süss, und ein gutes Mittel gegen Hals- und Brustschmerzen sei, sowie dass verbrannte Rüben eine sehr scharfe Asche gäben. Die grosse Rolle, welche Rüben als Heilmittel spielten, geht auch aus der Schmähschrift des Benancio wider die Apotheker (um 1550) hervor, worin er diese beschuldigt, getrocknete Rüben statt kostbarer Wurzeln zu verkaufen, sowie aus dem Gedichte „La theriaque francaise" des Apothekers Maginet, welches als notwendigen Bestandteil dieses Wundermittels auch Rübensamen aufzählt (Phillippe 158 und 893). Der Leibarzt Rudolf II. (1576 —1612), Oswald Croll, ein grosser Anhänger des Paracelsus, behauptete, dass Rüben besonders ein Specificum gegen Wassersucht seien, „da eine Rübe wie ein geschwollener Fuss aussieht"*) (Sprengel II, 435). Olivier de Serres (II, 246) sagt 1600: „Die Rübe ist vor kurzem aus Italien zu uns gekommen, und ist gross, rot, vielblätterig, und von angenehmem Geschmack; .... sie braucht gut bearbeiteten Boden, damit die Wurzel tief eindringen kann, denn das ist die Hauptsache; die Wurzel hat zartes Fleisch und giebt beim Kochen einen Saft, welcher ähnlich wie Zuckersyrup schmeckt, *) Dieser sog. „Theorie der Signaturen" des Paracelsus entsprechend, galt z. B. auch das Leberblümchen als Mittel gegen Leberkrankheiten, weil seine Blätter ioberförrnig und unten braun aussehen, der Natternkopf als Mittel gegen Schlangenbisse, weil seine Blumenkrone einem Natternkopfe gleicht, das Schöllkraut als Mittel gegen die Gelbsucht, weil es gelbe Blüten und einen gelben Saft besitzt, die Siegwurz als hieb- und stichfest machend, weil ihre Blätter von schwertförmiger Gestalt sind, u. dgl. mehr (Peters I, 166). 26* 404 Fünfzehnter Abschnitt. • \ fe I und prächtig rot anzuschauen ist. 0 *) Offenbar bezieht sich die Nachricht de Serre's nur auf die rote Rübe, vielleicht sogar nur auf eine besondere Varietät derselben, da Rüben anderer Art schon vorher in Frankreich und den Niederlanden verbreitet waren; in England dagegen kannte man, nach Rogers (IV, 653), im 15. und 16. Jahrhundert die Rüben nicht, sondern bezog sie, wie fast alles Gemüse, aus Flandern, und erst frühestens gegen Ende der Regierungszeit Heinrich VIII. (1509—1547) kamen auch in England vereinzelte Anpflanzungen vor (Volz 477). Die, gegenwärtig vorzugsweise als „Zuckerrübe" bezeichnete Rüben-Gattung, gelangte nach Rössig („Versuch einer botanischen Bestimmung der Runkel- oder Zuckerrübe", Lpzg. 1800) ursprünglich unter dem Namen „Burgunderrübe" aus den burgundischen Niederlanden durch mennonitische Auswanderer in die Pfalz, und verbreitete sich von dieser aus allmählich nach Schwaben, Franken, Sachsen, Schlesien, und dem übrigen Deutschland; in Sachsen, besonders im Magdeburg'schen und Halberstädt'schen, wurde sie als Viehfutter benutzt, und war zu diesem Zwecke um die Mitte des 18. Jahrhundertes schon ganz allgemein gebräuchlich. Die Süssig- keit des Rübensaftes veranlasste Marggraf (1709—1782) diesen einer Untersuchung zu unterwerfen, wobei er sowohl im „weissen Mangold" als auch im „Rübenmangold" (Runkelrübe, roter Mangold) Zucker auffand und ihn in Substanz darstellte („Berichte der Berliner Akademie" 1747; „Chemische Schriften" 1768, II, 70; Scheibler, „Aktenstücke zur Geschichte der Rübenzuckerfabrikation ir Deutschland während ihrer ersten Entwicklung", Berl. 1875). Obwohl um diese Zeit „weisser Mangold sowohl, als auch Runkelrüben, in Thüringen und in der Mark sehr gemein, und schon seit langer Zeit als Futter angebaut waren" (Hermbstädt, a. a. O.), so fanden doch Marggrafs Ergebnisse zunächst keine Verwertung, wenn man nicht dahin rechnen will, dass Riem in Dresden („Bienenpflege" 1775) Rübensyrup bereitete, um ihn als Nahrung für seine Bienen zu verwenden; es lag dies hauptsächlich daran, dass zunächst noch die Bedingungen für die Entstehung und die Zucht zuckerreicher Rüben unbekannt waren, und erst der Ermittlung bedurften, — eine Aufgabe, welche Achard (1753—1821) *) Diese Worte bieten offenbar keine genügende Unterlage, um, wie dies neuerdings in Frankreich üblich geworden ist, die Entdeckung des Zuckers in der Rübe, statt Marggraf, Olivier de Sorres zuzuschreiben. Ein unparteiischer französischer Forscher wie Hoofer, sagt auch geradezu (II, 407): „Die Entdeckung dos einheimischen Zuckers verdankt man Marggraf." t 4 Die Ersatzmittel des Rohrzuckers. 405 t durch seine 1786 begonnenen Anbauversuche auf dem Gute Caulls- dorf bei Berlin, in ebenso rascher als vollkommener Weise löste (Scheibler 9). Nach Frankreich brachte die Zuckerrübe, nachdem ihre Verbreitung in den Niederlanden und in Deutschland längst eine allgemeine geworden war, 1775 Vilmorin (Olivier de Serres I, 187 und 494; II, 450), aber ihren regelmässigen Anbau führten erst der Abbe Rozier 1782, und Commercelle 1784 ein (ebd. II, 450); nach England wurde sie 1786 durch Perkins, nach Nordamerika erst 1830 durch Vaughan und Donaldson verpflanzt. Auf die Entwicklung der Rübenzuckerfabrikation einzugehen, liegt nicht mehr im Rahmen dieser Schrift; ausser auf Scheibler's Abhandlung, sei diesbezüglich auf die Originalwerke aus dem Ende des vorigen und dem Anfange dieses Jahrhundertes hingewiesen, deren Scheibler 21, Rössig 18, Gotthard 37, und Poppe („Techn. Lex." V, 829ff.) für die Zeit von 1747—1818 nicht weniger als 84 aufzählt. Erwähnt sei nur, dass der erste, von Achard in etwas grösserem Massstabe dargestellte Rübenrohzucker, 1798 von der Berliner Zuckersiederei-Kompagnie zu Kandis, Farin und Syrup raffiniert wurde*) (Scheibler 10), und dass 1800 abermals drei Berliner Raffinerieen, die Havelberger Siederei, und die Schlesische Gebirgs-Raffinerie in Hirschberg, Achard'sehen Rohzucker (zusammen 16 Zentner, dargestellt in Berlin) zur Verarbeitung überwiesen erhielten. Die letztgenannte Anstalt überreichte noch im selben Jahre Friedrich Wilhelm 111. ein Brot feinster Raffinade aus Rübenzucker, welches den König in so hohem Masse befriedigte, dass er ihr, ausser dem Ausdrucke seines besonderen Wohlwollens, auch die grosse goldene Medaille zur Belohnung des Kunstfleisses zukommen Hess (Stadelmann, a. a. O. 257). In gleichein Sinne wie Achard, jedoch mit weniger Ausdauer, und ohne nachhaltigen Erfolg, arbeiteten Nöldechen, welcher seineu Rohzucker durch Jordan und Co. in Berlin 1799 raffinieren Hess (Gotthard 79), Hermbstädt (1799), dessen Rohzucker „einen Hut guten weissen Zuckers" lieferte (ebd. 83), Göttling (1799), welcher die getrockneten Rübenscheiben in Holzkübeln einer systematischen Auslaugung mit Wasser, nach dem Gegenstromprinzipe unterwarf, und hierdurch konzentrierte Säfte, und, infolge der Möglichkeit, dieselben rasch einzudampfen, guten und *) Dieselbe erhielt aus 18 Pfund Rohzucker 2 Pfund ordinären Kandis, 2 Pfund Lumpenzucker, je 1 Pfund weissen und gelben Farin, und 8 Pfund Syrup, zusammen 14 Pfund (Gotthard 104). H ■ Fünfzehnter Abschnitt. sehr leicht raffinierbaren Rohzucker erhielt (ebd. 94), und Lam- padius, der 1799 die nach dreiwöchentlicher Arbeit aus 100 Pfund Rüben dargestellten 4 Pfund weissen Melis, in Form von 8 Zoll hohen Miniaturhütchen dem Kurfürsten von Sachsen überreichte, und bei einem zweiten grösseren Versuche, aus 100 Zentner Rüben 2 Zentner Rohzucker, und aus diesen 180 Pfund Melis gewann (ebd. 88). Die erste wirkliche Rübenzuckerfabrik, Cunern in Schlesien, erbaute Achard mit königlicher Unterstützung, und setzte sie im März 1802 in Betrieb (Scheibler 16); auch die Fabrikanlagen von Hermbstädt und Freyer (1802), v. Borg- stede (1802), v. Grothe (1802), v. Carmer (1804) und v. Koppy (1805) erfreuten sich in jeder Weise der Förderung seitens des Königs, sowie seines grössten Interesses (Stadelmann 272, 273, 275, 306, 318), kamen jedoch schliesslich zumeist nicht zur Ausführung, oder arbeiteten ohne genügenden Erfolg. Im allgemeinen versprach man sich von dem neuen Gewerbszweige nicht viel: Krümitz sagt in seiner „Encyklopädie" (Berl. 1801): „Das Resultat wird wohl ein ganz guter und wohlfeiler Syrup sein", ähnlich äussert sich auch Riem, und noch 1811 heisst es bei Poppe („Gesch. d. Techn." IV, 148ff.): „. . . . man hat vom Rübenzucker viel mehr erwartet, als sich eigentlich von ihm erwarten liess, doch kann man in unseren Tagen, wo beinahe kein Rohrzucker mehr für Geld zu haben ist, recht sehr bedauern, dass die Rübenzuckerfabrikation nicht besser in Gang kömmt, weil sie doch immerhin wenigstens eine brauchbare Waare liefert." In Frankreich wurden, nachdem eine Kommission der hervorragendsten Chemiker Achard's Angaben geprüft, und seine Versuche wiederholt hatte, zwei Fabriken in St. Ouen und Chelles errichtet, welche aber, jedenfalls weil es an der nötigen Sachkenntnis fehlte, den gehegten Erwartungen in keiner Weise zu entsprechen vermochten (Scbeibler 17). Erst 1808 nahm Delessert in seiner 1801 gegründeten grossen Raffinerie zu Passy bei Paris, die Rübenverarbeitung wieder auf, und erreichte, nach vielen vergeblichen Bemühungen, endlich, durch Anwendung der Methode von Bonmatin*) (der für dieselbe einen Staatspreis erhielt), sowie durch ausgiebige Benutzung der Holzkohle, einen vollständigen Erfolg; auf Chaptal's Bericht hin, stattete Napoleon 1812 der Fabrik zu Passy jenen denkwürdigen Besuch ab, welcher für die *) Dieselbe bestand darin, den Saft erst mit Kalk zu klären und nur dessen Übersehuss mit Schwefelsäure zu neutralisieren; Achard verfuhr umgekehrt. 4 i^^H^^^^^^HHHHIH Die Ersatzmittel des Rohrzuckers. 407 t ganze Weiterentwicklung der fi-anzösischen Rtibenzuckerfabrikation von so ausserordentlicher Tragweite werden sollte, und zunächst Delessert den Auftrag verschaffte, so rasch wie möglich zehn neue Fabriken zu errichten und in Betrieb zu setzen (Flourens, „Eloge historique de Benj. Delessert", Memoires de l'Academie 1850, 119 und 145). In England wurde im Interesse der Kolonieen die Entstehung von Rübenzuckerfabriken von vornherein verhindert, indem deren Erzeugnisse sogleich ebenso hoch besteuert werden sollten wie der indische Zucker. Aber auch in anderen Ländern hatte die Rüben- zuckerindustrie, welcher selbst hervorragende und weitschauende Geister wie Liebig („Chemische Briefe", Lpzg. 1878, 99ff.), Existenzberechtigung und Zukunft absprachen, bis gegen die Mitte des Jahrhunderte» um ihr Dasein zu kämpfen, und dasselbe gegenüber kolonialen oder rein fiskalischen Interesseu zu verteidigen; noch 1842 verlangte die französische Regierung von den Kammern einen Kredit von 50 Millionen Francs, um die damals bestehenden 389 Rübenzuckerfabriken einlösen, und die weitere Erzeugung von Rübenzucker verbieten zu können (Stölzel, „Entstehung und Fortentwicklung der Rübenzuckerfabrikation", Berl. 1848), und eine ähnliche Massregel schlug Schulze 1850 für Deutschland vor („Die deutsche Zuckerfrage", Jena 1850, 109 und 111), und bezifferte die, zum Erwerb von 213 Fabriken, sowie zur Entschädigung der in diesen beschäftigten Arbeiter nötige Summe, auf 10 Millionen Thaler. 4 * * * i SECHZEHNTER ABSCHNITT. I I Geschichte der Zuckerpreise. „Die Schätzung der mittelalterlichen Geldbewertung ist äusserst schwierig, besonders auch zufolge der zahlreichen Veränderungen des Geldwesens" (Leber 2 und 329). „Die Münz- und Geldverhältnisse älterer Zeiten sind höchst unklar, da es an genügenden Nachrichten durchaus fehlt" (Beer I, 143). „Bei der Verwicklung des Münzwesens ist es sehr schwer, den Wert der in alten Zeiten erwähnten Summen in richtiger Weise zu berechnen" (Simonsfeld II, 12). „Das Geldwesen ist bei weitem der schwierigste, an deutlichen und bestimmten Urkunden ärmste Teil der Geschichte des gewerblichen Wesens in früheren Jahrhunderten" (Hüllmann I, 401). Diese Aussprüche bewährter Forscher der verschiedensten Richtung, denen sich mit Leichtigkeit noch viele andere gleichen Sinnes anreihen Hessen, zeigen zur Genüge, dass das zu einer Geschiebte der Preise im allgemeinen, und noch mehr das zur Preisgeschichte einer einzelnen Waarengattung nötige Material, gegenwärtig noch nicht vorhanden ist, ja noch nicht vorhanden sein kann, da es zunächst noch an der wichtigsten Vorarbeit, an der sicheren Feststellung der Geldwerte, fehlt. In noch höherem Grade als alle anderen Teile der Geschichte des Zuckers, muss sich daher gerade der vorliegende darauf beschränken, in sprunghafter und aphoristischer Weise seinen Gegenstand mehr anzudeuten als auszuführen. Dreierlei Punkte sind es, welche zur Beurteilung der uns überlieferten, an Zahl ohnehin spärlichen Preisbestimmungen von besonderer Wichtigkeit erscheinen: der innere Wert der Münzen, das Verhältnis des Silbers zum Golde, und das, des auf diese Weise ermittelten Goldwertes, zum jetzigen Geldwerte. Leider herrscht ■***■ '■■ . _. _M_ Geschichte der Zuckerpreise. 409 i bezüglich aller dieser Punkte noch grosse Ungewissheit. „Der innere Wert der Gold- und der Silber-Münzen in England und Frankreich, welcher für die Berechnung der Preisangaben sehr wichtig wäre, wurde wiederholt, und zum Teil durch gewaltsame Eingriffe, erheblich geändert, und jene hierdurch häufig sehr erschwert oder ganz unmöglich gemacht" (Tooke und Newmarch II, 473). In England z. B. herrschte bis 1344 reine Silberwährung, und Gold wurde erst von Eduard III. seit 1344 regelmässig geprägt; während aber die Währungsgrundlagen bis zur Zeit Heinrich VIII. so ziemlich die nämlichen blieben, wurden allein in den Jahren 1527 —1572 Feinheit und Gehalt der Silbermünzen achtmal verändert (ebd. II, 473; Rogers I, 173). In Frankreich hingegen fanden schon im 14. Jahrhunderte mehr als 150 solche Umgestaltungen statt, und in den Jahren 1497—1602 wurde mit der Währungsgrundlage 19 Mal gewechselt, wobei der innere Gehalt der Münzen meist verringert, manchmal aber auch stark erhöht, im ganzen jedoch auf etwa die Hälfte seines ursprünglichen Betrages herabgesetzt wurde (Rogers I, 178; Tooke und Newmarch II, 482). Infolge dieser Umstände war auch das Wertverhältnis zwischen Silber und Gold ein schwankendes; während dasselbe für das Ende des 13. und den Anfang des 14. Jahrhundertes von Thomas zu 1:12 berechnet wird (s. Yule I, 88), findet man für das 14. und 15. Jahrhundert bald erheblich höhere, bald niedrigere Zahlen angegeben, aus denen sich nur das Eine erkennen lässt, dass es dem Münzwesen völlig an stabilen Grundlagen fehlte. Das Zuströmen von Edelmetallen nach der Entdeckung Amerikas brachte neue Veränderungen mit sich, die jedoch in dieser Hinsicht weit weniger einschneidend waren, als in Bezug auf das Sinken des Geldwertes im allgemeinen; von 1492 bis ungefähr 1530 übte die Vermehrung der Umlaufsmittel noch wenig Einfluss, von dieser Zeit an jedoch, kam der riesige Zufluss an Gold und Silber zur vollen Geltung*), und indem der Geldvorrat seit 1492 etwa um 600°/ o zunahm, wurde die Kaufkraft des Geldes entsprechend verringert und die Waarenpreise stiegen rasch um 250 — 350°/ 0 (Tooke und Newmarch II, 423; Rogers IV, 716; V, *) Über die Höhe desselben gehen die Schiitzungen von Humboldt („Nouv. Esp." IV, 226 und 244), Soetbeer, Jacob und Anderen, weit auseinander; nach Tooke und Newmarch, die Jacob's Zahlen annehmen (II, 462), zirkulierten 1492 rund 667, 1600: 3110, 1700: 8300 Millionen Mark; Humboldt und Soetbeer haben weitaus höhere Ziffern. Block giebt für 1500 die Summe von 3000 Millionen Francs an, für die spätere Zeit entsprechend grössere Zahlen. 410 Sechzehnter Abschnitt. 788). Nach Leber (S. 103) kann man annehmen, dass der Wert des Geldes die nachstehenden Vielfachen des jetzigen betrug: im 8. Jahrhunderte 11 „ 9. „ 8 „ 10. „ 8 „ H. „ 12. „ 13. „ 6 „ U. „ 6 „ 15. ,, 6 im 1. Viertel des 16. Jahrhundertes 6 <*• ii ii 3- ii ii 4 Ä 11 11 17. Jahrhunderte 18. 19. ■ u NachMas-Latrie ist der Faktor für das 10., 11., und 12. Jahrhundert 8 — 7, und für das 13. und 14. Jahrhundert nimmt er 6 an (I, 29; II, 87); Rogers hinwiederum erklärt, 8 sei der kleinste zulässige Multiplikator für das 14. Jahrhundert, und für den Beginn desselben habe man noch 12 einzusetzen (I, 415 und 259). Was die für die Bewertung des Zuckers besonders wichtigen Münzen anbelangt, so ist betreff Venedigs zu erwähnen, dass es daselbst in der Zeit von 1250—1350 dreierlei Lira gab (s. Douet d'Arcq und Wailly, bei Yule II, 533ff.): 1. Lira dei Grossi (Libra. Denar. Venet. gross.) = 10 Golddukaten = etwa 75 Mark Goldwert, eingeteilt in 20 Soldi zu 12 Denari; 2. Lira ai Grossi (L. d. V. ad gross.) = 1 / 2 Golddukaten = etwa 3,75 Mark Goldwert; 3. Lira dei Piccoli (L. d. V. parv.) = 1 / s (später nur 2 / 7 ) Golddukaten = etwa 2,50 (später 2,15) Mark Goldwert. Es gab ferner noch die venetianische Mark Silber == 44 Mark, und die venetia- nische Goldzechine = 7,50 Mark Goldwert, eingeteilt in 18 Grossi, wobei jedoch auch Grossi zu nur e j i dieses Nennwertes im Umlauf waren. Ein florentinischer Gulden hatte etwa 9,45 Mark, ein ägyptischer Goldbesant etwa 11 Mark Goldwert. Frankreich besass denLivre tournois von 18,04—20,26 Francs, und den Livre parisis von 22,55—25,33 Francs Silberwert, eingeteilt in 20 Sols; Thomas (s. Yule I, 88) fand durch Wägung von Münzen König Ludwig des Heiligen (1226—1270) und Philipp IV. (1285—1314) für den Livre tournois 17,70—18,14 Francs Silberwert, es besass also, bei einem Verhältnisse des Silbers zum Golde = 1:12, ein Livre tournois damals etwa 15 Mark, und eine französische Mark Silbers etwa 60 Mark Goldwert. Nach Leber (S. 262) begann die Wertdifferenz zwischen dem Livre tournois und parisis schon zur Zeit Philipp I. (gest. 1108) und erhielt sich bis auf Ludwig XIV.; meist waren 4 L. p. = 5 L. t., doch schwankte dieses Verhältnis + ■■ Geschichte dor Zuckerpreise. 411 oft, z. B. berechnet Mas-Latrie (II, 449) für 1398: 1 Mark Silber = 6 L. p. = 3 L. t. = etwa 54 Francs Goldwert. Um 1200 hatte ein Byzantiner (Goldbesant) etwa 9,5 Francs Goldwert, entsprechend 80 Francs heutigen Wertes (Mas-Latrie I, 29; Prutz 253); Schultz (II, 274) berechnet ihn sogar auf 202,60 Francs, doch scheint hierbei ein Irrtum obzuwalten. Ein gewöhnlicher Besant hatte um 1200 2,37 Francs, um 1450 nur mehr 1,50 Francs Goldwert (Mas-Latrie II, 450), entsprechend etwa 19, beziehungsweise 9 Francs heutigen Wertes; um die nämliche Zeit (1450) besass 1 Fiorino (== 4 Besant) etwa 36 Francs, und 1 venetianischer Dukaten von 7,20 Francs Goldwert etwa 43 Francs heutigen Wertes (Mas-Latrie III, 90 und 92; II, 450); für 1500 giebt hingegen Röhricht den Goldwert der venetia- nischen Zechine auf 9,60 Mark an („Deutsche Pilgerreisen", Gotha 1889, 53), also ganz erheblich höher. Über- die Preise in den Produktionsländern selbst, sind wir nur wenig unterrichtet; Ibn-Batuta („Reisen" IV, 211) sagt, in Bengalen koste ein dortiger Ritl Zucker 4 Drachmen oder 1 / 2 Silberdinar, und ein Ritl Syrup 8 Drachmen, doch lässt sich hieraus nichts Bestimmtes entnehmen, da weder feststeht, welcher der unzähligen Ritl in Bengalen Geltung hatte, noch welches der Wert des Dinars war, der zwischen 10—15 Dirhem (ungefähr 10—-15 Francs Goldwert) schwanken konnte (Kremer I, 15). Nach Barbosa (Ramusio I, 315) kostete 1510, in Friedenszeiten, 1 Zentner weisser bengalischer Krystallzucker in Malabar 2 Dukaten; nimmt mau den Rö bricht 'sehen Wert und den Multiplikator 6 an, so entspräche dies 115,20 Mark in jetzigem Goldwerte, während sich 86,40 Francs ergeben, wenn man vom Werte des Dukatens = 7,20 Francs ausgeht.*) In Damaskus kostete um 1400 1 Cantaro gewöhnlicher Hutzucker 50, 1 Cantaro Kandis 130 Dukaten (Uzzano 114); da 1 Cantaro nach Mas-Latrie = 250 Kilogramm war, so ergiebt dies für 1 Zentner Brotzucker 72 Francs, für 1 Zentner Kandis 187,2 Francs, oder, in heutigem Geldwerte 432, beziehungsweise 1123,20 Francs. In Sizilien war 1408 der Preis für 1 Zentner einmal und zweimal umgekochten Zucker, zu Palermo 16 — 18 und 25 — 30 Fiorini (Uzzano 165), im Mittel also 112 und 165 Francs, oder in heutigem Geldwerte 672 und 990 Francs. Auf Cypern schwankten die Preise für einmal gekochten gewöhnlichen Krystallzucker (hierzu gehörten z. B. die Produkte 1 *) Alle derartigen Rechnungen haben, wegen der sich häufenden unkontrollierbaren Fohlerquellen, nur einen ganz ungefähren Vergleichswort. 412 Sechzehnter Abschnitt. von Kolossi) in den Jahren 1445—1464 zwischen 25—35 Dukaten für den Quintal, und zwar an Ort und Stelle und im Grosshandel (Mas-Latrie III, 27, 28, 90); da ein cyprischer Quintal = 250 Kilogramm war, so kostete 1 Zentner Krystallzucker 5 — 7 Dukaten, was 36—50,4 Francs Goldwert und 216—302,4 Francs nach heutigem Geldwerte entspricht. Für das Jahr 1468 liegen die Preise von einmal, zweimal und dreimal umgekochtem Zucker vor (Mas-Latrie III, 221, 232, 249, 220); dieselben betrugen 25—35 oder 36, 70, und 100—120 Dukaten für den Quintal, verhalten sich also ungefähr wie 1:2: 4,5, und gestatten daher auch einen Schluss auf die beim Umkochen erzielten Ausbeuten zu ziehen. Es kostete daher 1 Zentner einmal, zweimal und dreimal umgekochten Zuckers 5—7 l /o, 14, und 20—24 Dukaten, entsprechend 36—51,8, 100,8, und 144—172,8 Francs Goldwert, oder 216—310,8, 604,8 und 864—1036,8 Francs in heutigem Geldwert; in Letzterem ausgedrückt wäre also 1468 im cyprischen Grosshandel 1 Pfund des gewöhnlichen Zuckers auf 2,16—3,11 Francs, 1 Pfund des besseren auf 6,05 Francs, und 1 Pfund der feinsten Sorte auf 8,64—10,37 Francs zu stehen gekommen. Auch aus Syrien wird für das Jahr 1476, auf Grund einer Rechnung, die der Herzog Albrecht von Sachsen während seiner Pilgerfahrt empfing, der Preis für 1 Zentner feinsten Zuckers auf 100 Dukaten angegeben (Röhricht a. a. 0. 170). Die Preise in den Konsumtionsländern stellten sich natürlich weitaus höher, sowohl wegen der meist beträchtlichen Eingangszölle, als auch wegen der ausserordentlich hohen Transportkosten. Die Verschiffung von Famagusta auf Cypern nach Genua, kostete z. B. 1391 für den Quintal Hutzucker 1 Lira 3 Soldi, für den Quintal Krystallzucker 14 Soldi (Mas-Latrie III, 775 und 777); je nachdem Lira ai grossi oder dei piccoli gemeint ist, berechnen sich hieraus für den Zentner Hutzucker 3,96—6, und für den Zentner Krystallzucker 3,52—5,20 Mark heutigen Geldwertes. Die Seefracht von Venedig nach Antwerpen betrug für 1 Zentner Krystallzucker 18,75 Mark heutigen Wertes, für Brotzucker und überhaupt für feinere Waaren war sie jedoch ungleich teurer, und belief sich z. B. für 1 Zentner Tücher, zwischen Mailand und Brügge, auf 40 Mark; die Landfracht für den nämlichen Weg stellte sich auf 50 Mark, also nicht viel teurer (Peschel, „Entd." 44). Noch 1550 kostete der Transport einer 5 Zentner schweren Kiste Zucker von Antwerpen nach London, in heutigem Geldwerte 8 Mark, also für den Zentner 1,60 Mark, und die Verfrachtung gewöhnlicher Massengüter aus Lissabon, Kadix, Sevilla und Malaga nach London, für den 4 ' Geschichte der Zuckerpreise. 413 Zentner 8, 8,40, 9,20 und 10,00 Mark (Rogers IV, 144). Für kostbarere Handelsartikel, wie z. B. Brotzucker, hatte übrigens fast jeder grössere Stapelplatz seine besondere Berechnungsmethode für das Brutto- und Nettogewicht, die Tara-Abschläge, die Wiegegelder, Verpackungskosten, Tragelöhne, u. s. f., welche sowohl den Grundpreis, als auch die Hauptsumme der Versandtkosten oft in sehr erheblicher Weise beeinflussten (Meder 6, 7, 24, 52, 53). Der erste grosse Zuckertransport aus Venedig nach England (1319) bestand nach Marin (V, 306) aus 1000 Zentnern Brotzucker, und 100 Zentnern Kandis, im Gesammtwerte von 3180 Lira dei Grossi. Da Kandis gewöhnlich 2 1 /., mal mehr kostete als Brotzucker, so kann man, um einen Durchschnittspreis zu berechnen, ein Gewicht von 1250 Zentnern annehmen; 3180 Lira dei Grossi sind 31800 Golddukaten, oder (wenn man diese mit 7,20 Francs bewertet) 228960 Francs Goldwert — 1373 760 Francs jetzigen Geldwertes; in letzterem ausgedrückt war also 1319 1 Zentner Raffinade in London 1098 Francs wert. Zufällig besitzen wir aus dem. nämlichen Jahre die Angabe, dass der schottische Hofhalt 1 Pfund Zucker für 1 sh. 9 x / 2 d. gekauft habe (Reed 143 ff.); hieraus berechnet sich der Wert eines Zentners auf 179 sh. O. 1 /^ d., entsprechend 1074 sh. 1 d., oder rund 1074 Mark in jetzigem Geldwerte, welche Zahl mit der oben angeführten in genügender Weise übereinstimmt. In Paris wurden 1372 vier kleine Brote feinster Raffinade aus dem Nachlasse der Jeanne d'Evreux, dritten Gemahlin Karl's des Schönen, auf den enormen Preis von 28,45 Francs für das Pfund (in heutigem Geldwerte ausgedrückt) geschätzt (Leber 94), so dass 1 Zentner dieser Waare 2845 Francs gekostet hätte. Ebenfalls in jetzigem Geldwerte berechnet sich der Pariser Preis des Zentners, für 1426 auf 1441 Francs (Leber 78), für 1482 auf 375 Francs (Du Cange VII, 644b), für 1542 gemäss eines Ediktes Franz' I., auf 340 Francs (Leber 307), für 1585 auf 300 Francs (s. Flückiger, „Dokumente"), und für 1598 auf 534 Francs (Leber 86). Von 1450 bis etwa 1500 fielen die Zuckerpreise infolge der Konkurrenz des portugiesischen Madeirazuckers beträchtlich,-iim sodann, hauptsächlich wegen des Ausfalles der ägyptischen Produktion, wieder rasch anzusteigen; nach Heyd kaufte Ludwig Rottengatter aus Ulm, 1490 in Genua, von Spinola 450 Mader abrote, 3183 Pfund schwer, für 395 Lire, woraus sich der Preis eines Zentners zu 12,4 Lire, und da 1 Lira = 1 / 2 Golddukaten = 3,60 Francs Goldwert ist, zu 44,60 Francs Goldwert, oder 267,84 Francs jetzigen Geldwertes ergiebt. Sechzehnter Abschnitt. Was die Preise in Deutschland anbelangt, so liegen zwar auch für diese einige Angaben vor, dieselben sind aber noch viel unsicherer und weniger vergleichbar als die im Vorgehenden angeführten, teils weil die Berechnungen auf zweifelhaften Grundlagen beruhen, teils weil es sich häufig um die Preise, und zwar um die Detailpreise, von kleineren Städten handelt. In Danzig kostete 1 kulmisches Pfund Zucker 1400 9 — 10 Scot, von denen 24 eine Mark (im Werte von 12 jetzigen Mark) ausmachten, so dass sich der Zentner in jetzigem Geldwerte auf 450—500 Mark berechnet (s. Flückiger, „Dokumente"); im nämlichen Werte ausgedrückt, kostete 1 Zentner 1410 in Marienburg 450—600 Mark (Klemm IX, 88), 1445 in Wien 700 Mark (Weiss, „Geschichte der Stadt Wien«, Wien 1872; II, 228), 1480 in Freiburg i. ßr. 650 Mark (s. Flückiger, „Dokumente"), 1488 in Schweinfurt 820 Mark (Scherr, „Deutsche Kultur- nnd Sittengeschichte" 1887, 240), 1500 in Innsbruck 253 Mark (Falke II, 338 ff.), 1515 in Innsbruck 506 Mark (ebd.), 1513 in Augsburg 499 Mark (Volz 217ff.), 1540 in Lüneburg 450 Mark (Sartorius III, 573), 1548 in Nürnberg 222 Mark (Peters II, 13), und 1556 in Nürnberg 450 Mark (Meder 10).*) Wie aus Meder's „Handel-Buch" hervorgeht, und wie bereits oben erwähnt wurde, lieferte Nürnberg in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts auch Madera-Zucker aus Antorff (Antwerpen) nach Venedig (S. 10), und es lässt sich hierfür nach Meder's Angaben folgende annähernde Rechnung aufstellen, bei welcher indes einige Posten nur aus der Differenz gegenüber den feststehenden Endsummen entnommen werden konnten: i 1 Roba (Arrobe) Zucker kostete in Ilha de Madera . 500 Realen Unkosten bis aufs Schiff (S. 63)....... 55 „ 1 Roba kostete in Madera an Bord...... 555 Realen 10°/ o Zoll bei der Ausfuhr......... 55 Unkosten und Transport bis Antorff (S. 30) . . . 180 , 1 Roba kostete also in Antorff....... 790 Realen 1 Zentner = 4 Arroben kam demnach in Antwerpen auf 790 X 4 = 3160 Realen zu stehen, welche Summe etwa 8 Dukaten oder 216 Schillingen, also 10 Gulden und 16 Schillingen in Gold entsprach. I *) Melis kostete, nach dem Haushaltungsbuche des Patriziers Paulus Behaim, 15C9 in Nürnberg bloss 120 Mark (Peters II, 13). t Geschichte der Zuckerpreise. 415 1 Zentner Zucker kostete in Antorif.....10 fl. 16 sh. i I S Fracht für 1 Zentner nach Nürnberg (S. 34) . . 3 „ Mauth, Provision, und Gewichtsdifferenz (S. 41) . 2 , 1 Zentner Zucker kostete in Nürnberg (S. 10) . . 16 fl Verpackung, Mauth und Fuhrlohn bis Porto (S. 10) 2 r Fracht von Porto bis Venedig, Pro visionu. Eingangszoll 10 , 1 Zentner Zucker kostete in Venedig (S. 6) . . . 3 „ 11 , 10 sh. 10 „ 4 . 29 fl. 4 sh. Letztere Summe entspricht 21 8 / 4 Dukaten, und in heutigem Geldwerte 377 Mark; aus welchen Gründen und unter welchen Umständen es sich lohnte, den Zucker auf einem solchen Umwege und mit so hohen Unkosten nach Venedig zu schaffen, während gleichzeitig auch diese Stadt Zucker nach Deutschland exportierte, geht aus dem Werke Meder's nicht hervor. In jetzigem Geldwerte betrug der Preis für 1 Zentner Zucker in Madera 122,8 Mark, in Antwerpen 184,3 Mark, in Nürnberg 281,6 Mark, in Venedig 377 Mark, woraus, auch abgesehen von den Eingangs- und Ausfuhrzöllen, die Verteuerung der Waare genügend erhellt, da sich diese Zahlen ungefähr wie 100:151:211:309 verhalten. Während der Erstehungspreis in Madera um 1650 noch 122,8 Mark (in heutigem Geldwerte) für 1 Zentner betrug, berechnet sich derselbe aus den Angaben des Barläus (S. 534 und 588) für brasilischen Zucker um 1640 nur mehr auf 86,4 Mark, und es ist daher leicht zu ersehen, weshalb die Zuckererzeugung der alten Welt sich der amerikanischen gegenüber nicht zu behaupten vermochte, oder nur da weiterbestand, wo örtliche Verhältnisse eine besonders billige Produktion ermöglichten, wie dies z. B. in Valencia der Fall war, woselbst, nach Willoughby, 1664 1 Zentner Rohzucker 70 Francs, 1 Zentner weisser Zucker 100—120 Francs kostete. Für die französischen Antillen hat Labat (cap. 17, und 20—25) einige Preisangaben gemacht, welche indessen nur zeigen, dass die Preise daselbst ausschliesslich von der Leichtigkeit und Regelmässigkeit der Verbindungen mit dem Mutterlande abhingen, und dass, sobald diese gestört wurden, der Zucker unverkäuflich, und daher so gut wie wertlos war. Während der Kriegsjahre 1694, 1696 und 1697 kostete z. B. 1 Zentner Rohzucker nur 10, 18 und 20 Francs in heutigem Geldwerte; nach dem Ryswicker Frieden stieg er sofort 1698 auf 36 Francs, 1699 auf 48—56 Francs, und 1700 auf 90 Francs; zu gleicher Zeit kostete 1 Zentner Syrup- zucker 30 Francs, 1 Zentner Rohrzuckergrünsyrup zum Rumbrennen 20 Francs, 1 Zentner Raffinade 168—-176 Francs, und 1 Zentner Königszucker etwa 400 Francs. Im Laufe des 18. Jahrhundertes rr 416 Sechzehnter Ahsehnitt. verminderten sich, mit der Ausdehnung der Industrie, auch die Gestehungskosten bedeutend; in Domingo betrug 1791 der Wert eines Zentners der Gesammtausfuhr, in welcher auch viel weisser Zucker inbegriffen war, 66 Francs (Handelmann, „Geschichte der Insel Haiti", 28), und in Cuba galt um 1800 die Produktion noch für lohnend, wenn man für 1 Zentner gemischten Rohzuckers (halb gelb, halb braun) 36 Francs erhielt, während in Wirklichkeit um diese Zeit meist 50—-55 Francs erlöst wurden (Humboldt, „Cuba" I, 189 ff.; „Reisen" II, 345; „Nouv. Esp." III, 184); auch in Veracruz liess ein Preis von 68 Francs sehr reichlichen Gewinn („Nouv. Esp." III, 170; IV, 363 und 369). Eine zusammenhängende Darstellung der Preisbewegung für Zucker seit der Zeit der Kreuzzüge, lässt sich vorerst nur für ein einziges europäisches Land aufstellen, nämlich für England, und zwar auf Grund des Werkes von Rogers, welches in Bezug auf Genauigkeit, Übersichtlichkeit und Vollständigkeit, nicht seinesgleichen in der Weltliteratur besitzt; die bis jetzt erschienenen sechs Bände reichen bis zum Jahre 1702, und beginnen mit dem Jahre 1259, für welches sich, dank der sorgfältigen und unveränderten Erhaltung der englischen Archive, bereits ausführliche Daten vorfinden (I, 1 und Vorr. 5). Die einzelnen Preiszahlen für Zucker stehen in den Bänden II, 542 ff., III, 523 ff. und 703, VI, 421 ff. und 673, die, für die einzelnen Dezennien auf Grund dieses höchst umfassenden Materiales berechneten Durchschnitte, in den Bänden I, 641, IV, 681 ff., und V, 471 ff. Im Jahre 1264 kaufte der königliche Haushalt 1 Pfund Zucker zu 1 sh., und 1 Pfund alexandrinischen (Krystall-) Zucker zu 10 d.; 1285 erwarb der Earl Cläre 64 1 / 2 Pfund Zucker, für welchen kein Preis angegeben ist; 1334 kostete das Pfund Brotzucker 1 sh. 2 d., cyprischer Krystallzucker 7 d., Caffetin 1 sh., 1392 1 Pfund 4 sh.; der Zucker, welcher zumeist durch italienische Kaufleute importiert wurde, war also ein sehr teurer und kostbarer Luxusartikel (I, 633, 625, 66). Seit Anfang des 14. Jahrhundertes findet sich der Grundpreis des Zuckers meist für 12 Pfund angegeben; diese kosteten 1360: 20 sh., 1376: 20 sh., 1377: 22 sh., 1387: 19 sh., 1392: 24 sh., 1395: 18 sh., 1399: 14 sh. Von 1400 bis 1450 tritt, wie zu gleicher Zeit auch bei allen anderen orientalischen Produkten, eine rapide Preissteigerung ein, welcher dann seit 1458, unter dem Einflüsse des wachsenden Angebotes von Madeirazucker, ein allmählicher Fall folgte; 12 Pfund Zucker kosteten: 1450: 24 sh. 1459: 18 sh. 9 d. 1464: 16 sh. 1466: 18 sh. 1458: 18 sh. 1463: 14 sh. 1465: 14 sh. 1468: 11 sh. Geschichte der Zuckerpreise. 417 '. 1469 12 sh. 1472 12 sh. 1478 8 sh. 6 d. 1480 5 sh. 6 d. 1481 7 sh. 3 d. 1482: 6 sh. 3 d. 1498: 6 sh. 1488: 6 sh. 1501: 3 sh. 1492: 4 sh. 5 l / s d. 1503: 2 sh. 9 d. 1494: 3 sh. ll 1 ^ d. 1495: 2 sb. 9 1 /,, d. Dieser Preis war der niedrigste, und von da an stieg derselbe infolge des Aufhörens der ägyptischen Fabrikation, fortwährend, so dass 12 Pfund Zucker 1505: 3 sh., 1510: 4 sh., 1540: 8 sh., und 1552 wieder 16 — 18 sh. kosteten (IV, 674 ff., 656, 672). Als gegen Mitte des 16. Jahrhunderts die Zufuhren aus Amerika und Afrika den Ausfall der ägyptischen Erzeugung zu decken vermochten, und bald darauf Zucker in bis dahin ungekannten Mengen auf den europäischen Markt brachten, war eine Verbilligung dieser Waare nicht mehr möglich, weil inzwischen schon die allgemeine, sowie, durch Ausprägung minderwertigen Geldes durch H ei n r ich VIII., die speziell englische, grosse Preissteigerung begonnen hatte, so dass der einzige Erfolg der massenhaften Zufuhren nur der war, dass jene für Zucker nicht im selben Maasse wie für alle anderen Waaren zum Ausdrucke kam. Hauptursachen dieser Preissteigerung waren der sinkende Wert der Edelmetalle, die Zunahme der Bevölkerung, die wachsende Nachfrage nach Bodenprodukten bei geringen Fortschritten der Landwirtschaft, das Fallen der Arbeitslöhne, und die völlige Veränderung des Ertrages der Grundrenten (V, 788); die Bedeutung dieser beispiellosen Umwälzung aller national-ökonomischen Verhältnisse geht z. B. daraus hervor, dass 1541—1582 die Preise der wichtigsten Verbrauchs- und Lebensmittel schon 2 1 /,— 3 1 / 2 mal höher waren als 1401—1540 (IV, 716), und dass sich die Preise von 1541 —1582 zu denen von 1583—1642 wie 1:1,5 — 2,6, und diese wieder zu denen von 1643—1702 wie 1:1,1—1,7 verhielten. So kostete z. B. ein Quarter Weizen 1260 — 1542 5 sh. ll 1 /,, d., im 17. Jahrhunderte aber 41 sh., also siebenmal mehr als noch hundert Jahre vorher (V, 824). Diesen allgemeinen Einflüssen gehorchend, stiegen auch die Zuckerpreise von 1541 — 1582 bis 1583 —1642 im Verhältnisse 1:1,5, und erst gegen 1650 begannen sie, infolge der rasch zunehmenden, hauptsächlich durch den grossen Konsum an Chokolade, Thee und Kaffee bedingten Einfuhr, wieder zurückzugehen (V, 461). Während man bis dahin Zucker meist l / s Pfund-, 1 Pfund-, 12 Pfund-weise oder allenfalls, — besonders als Geschenk für hochstehende Persönlichkeiten (V, 463) —, Brodweise kaufte, tritt 1644 zuerst der Preis für den Zentner (cwt.) auf, und zwar mit 84 sh. Im Jahre 1698 kostete 1 Pfund Lissaboner (d. h. wohl, über Lissabon kommender) Lippmann, Geschichto des Zuckers. 27 I!: 1 Sechzehnter Abschnitt. Brotzucker 7 d., doppelt raffinierter Hutzucker 1 sh.; 1702 waren die Preise für diese Waaren 10 d., und 1 sh. 3 d., für weissen Kandis 2 sh. 8 d., für braunen 1 sh. 8 d. Das Gewicht der Brote schwankte zwischen 4—-56 Pfund, betrug aber meistens 10—11 Pfund; ausser den eben angeführten Sorten finden sich noch genannt: brauner Zucker, roher Zucker, Lompenzucker, Zucker in Tafeln (piain sugar), Küchen- und Einmachzucker (kitchen sugar, preserving sugar), Staubzucker, feiner Staubzucker, feiner Zucker, halbfeiner Zucker, Basterzucker, Muscovade, Muskera (noch 1639! V, 442), Zucker aus derBerberei, Syrup aus Venedig und London, und Melasse. Als Durchschnittspreis des Zentners Zucker berechnet sich für die grossen Perioden 1259-1350, 1351—1400,1401-1540,1541—1582, und 1583 — 1702: 104 sh. 2 d., 158 sh. 4 d., 100 sh., 107 sh. 5 1 / 2 d., und 141 sh. l r, / (i d., oder, in jetzigem Geldwerte: 624 sh. 12 d., 949 sh. 4 d., 600 sh., 322 sh. 6*/, d., und 423 sh. 6 8 /, d.*) Die Durchschnitte für die einzelnen Dezennien giebt nachstehende Tabelle wieder, in welcher als Multiplikatoren zur Berechnung des heutigen Geldwertes, nur die niedrigeren Zahlen von Leber (S. 103) eingesetzt wurden: Raffinade Kohzueker Kafiinade Rohzucker o Kuffimide Kohzuclier l'reis Preis Preis Preis I'rels In heutig ItD Geldwerte Dezennium %. für 1 Pfund für 12 Pfd. für 1 Cwt. für 1 Cwt. ; 'S für 1 Cwt. für 1 Cwt. sh. tl. Bll. (1. Bll. (1. sh. a. » sii. a. sh. d.' 1259—1270 1 4 1 /» __ __ fl37 6 _ __ 6 825 0 __ __ 1271—1280 6 1281—1290 0 97, — — 77 1 — — 6 462 6 — — 1291—1300 1 8 — — 166 8 — — 6 1000 0 — — 1301-1310 i Q>/ 8 — — 104 2 — — 6") 626 0 — — 1311—1320 fi 1321—1330 1 2 — — 111 8 — — 6 670 0 — — 1331—1340 0 11 — — 91 8 ■— — 6 550 0 — — 1341—1350 1 2 — — 111 8 — — 6 670 0 — — 1351—1360 — — — _ — — — — 6 — — — — 1361—1370 — — — — __ _ — — 6 — — _ __ 1371—1380 1 9 — — 175 0 — — 6 1050 0 — — 1381 — 1390 1 5»/, — .— 145 10 — — 6 875 0 _ _ 1391—1400 1 6 1 /. — — 154 2 6 925 0 — — *) Die Preise sind in dieser Form, und nicht in Pfunden Sterling ausgedrückt, weil man für die heutigen Preise rund 1 Cwt. = 1 Zentner und 1 sh. = 1 Mark setzen kann, wodurch dio Zahlen für den nicht-englischen Leser an Übersichtlichkeit gewinnen. **) Nach Rogers wäre hier 12, und für die Zeit von 1300—1400 im Mittel 8 zu setzen (I, 415). Geschichte der Zuckerpreise. 419 ltaffinado Kohzueker Haffinade Kohzucker H 0 Itaffinade Ilohzucker Preis Prois Preis P reis rt £ Preis In heutig BDI Geldwerte Dezennium "ci für 12 Pfd. für 12 Pfd. für 1 Cwt. für Cwt. ja 3 für 1 Cwt. für 1 Cwt. Bh. d. Sil. (1. sh. (1. sh. d. r3 Sh. d. sh. d. 1401—1410 24 0 __ __ 200 0 _ 6 1200 0 1411—1420 — — — __ __ __ 6 — — — — 1431—1440 | 24 0 __ __ 200 0 — __ 6 1200 0 — — 1441—14501| 24 0 — — 200 0 — — 6 1200 0 — — 1451—1460 14 3 — — 118 9 — — 6 712 6 _ — 1461—1470' 14 10 — — 123 77. — 6 741 9 — — 1471—1480 |i 8 8 — — 72 2 2 / a — 6 433 4 — — 1481—1490| 6 6 — — 54 2 — — 6 325 0 — — 1491—1500 4 3V, — — 85 97. — 6 214 7 — — 1501—1510 3 2i/ 4 — — 26 67* — — 6 160 47. — — 1511—1520 6 21/, — — 51 87« — — 6 310 7 ,— — 1521—1530 6 »h — — 56 5 — — 4 225 8 — — 1531—1540 7 4 — — 01 l 1 /. — — 4 244 6 — p — 1541—1550 1 11 O'/i 91 10 — — 4 367 4 — — 1551—1560,1 13 11 — — 116 ^/ 3 — — 3 348 8 — — 1561-1570 9 5 — — 78 57, — — . 3 235 5 — — 1571 — 1582 17 2»/ 4 — — 143 6 — — 3 450 6 — — 1583—1592 17 l 1 /» 13 8«/ 4 ! 142 «7. 110 97s 2 285 1 221 7 1593-16021! 19 1% 15 0 3 / 4 159 27. 95 674 1 2 318 5 191 07u 1603—1612 | 20 3 1 /! 13 8 168 9 113 107,- 2 337 6 227 97 3 1613—1622 17 11V, 12 7»/, 149 5*/ 4 105 27, 2 298 117- 210 5 1623-1632 19 l«/ 4 13 l 1 /, 159 •Vi 109 27, 2 319 1 218 5 1633-1642 21 67« 16 0 179 87.. 118 4 2 359 4V, 226 8 1643-16521 19 4 14 47« 161 17s 119 77, 2 322 273 239 3 1653—1662 12 6 8 6 104 2 70 10 2 208 4 141 8 1663—1672 12 0 9 0 100 0 75 0 2 200 0 150 0 1673—1682 10 0 — — 91 4 — — 2 182 8 _ __ 1683—1692; 9 6 6 9 79 3 56 3 2 158 6 112 6 1693—1702! 12 9'/, 7 2 106 ?V. 59 87. 2 213 27« 119 57, Einige Preisangaben, die sich bei Reed (143 ff.) vorfinden, stimmen im ganzen mit den vorstehenden Durchschnitten, welche ein einzig dastehendes Bild über die Preisgestaltung des Zuckers im Laufe eines halben Jahrtausends gewähren, genügend überein; so z. B. kostete, im heutigen Geldwerte ausgedrückt, 1 Zentner Raffinade 1319: 1074 sh. 1 d., 1516: 350 sh. 0 d., 1531: 350 sh, 0 d., 1554: 300 sh. 0 d., 1558: 225 sh. 0 d., 1588: 300 sh. 0 d., 1625: 250 sh. 0 d., 1654: 216 sh. 8 d. und 1 Zentner Rohzucker 1554: 250 sh. 0 d. Vergleiche der englischen Preise mit denen der Produktionsländer lassen sich aus Mangel an Zahlenmaterial nicht ziehen, soweit dies indessen die wenigen vorliegenden Ziffern zu 27* 420 Sechzehnter Abschnitt. ersehen gestatteD, waren die ersteren meist 2—3mal höher als die letzteren, — ein Verhältnis, das dem weiter oben beim Madeirazucker dargelegten so ziemlich entspricht. Für die Zeit von 1702—1800 sind ähnlich zusammenfassende Angaben wie die von Rogers nicht vorhanden; die nachstehenden Zahlen, die sich bei Reed, Tooke und Newmarck, , Mac- Culloch und Anderen vorfinden, sind keine Durchschnitte, sondern bloss Einzelpreise aus dem betreffenden Dezennium, und können daher weder unter sich, noch mit den Rogers'schen Ziffern als vergleichbar angesehen werden, besonders da im 18. noch mehr als im 17. Jahrhunderte, die Preise infolge des Einflusses der Seekriege, der Kaperei, sowie der Auflegung von Zöllen, unsicherer und schwankender werden (Rogers V, 444; Reed 143ff.; Beer III, 255). II affin ade Rohzucker >-< O Raffinade Rohzucker Preis Preis es M Preis in heutigem Geldwerte Dezennium für 1 Cwt. für l Cwt. £ für 1 Cwt. für 1 Cwt. nh. p. sh. p. i sh. p, sh. p. 1702—1710 134 8 72 0 2 269 4 114 0 1711-1720 124 0 67 2 2 248 0 134 4 1721—1730 — — 63 6 2 — — 127 0 1731-1740 62 3 — — 2 124 6 — — 1741—1750 41 8 — — 2 83 4 — — 1751—1760 80 2*/ 9 — — ! 2 160 5 — — 1761—1770 — — — — 2 — — — — 1771—1780 87 8 64 0 2 175 4 128 0 1781-1790 56 0 — — 2 112 0 — — 1791-1800 76 10 52 10 2 153 0 105 0 Die Einfuhr-von Rohzucker aus den englischen Kolonieen ist nach Rogers (V, 461 ff.) ziffernmässig erst für das Jahrzehnt 1673 —1682 nachweisbar, obgleich sie jedenfalls schon früher stattfand; von da ab verdrängte dieser Rohzucker den brasilischen, welcher bis dahin die europäischen Märkte beherrscht hatte, in England vollständig. Ursprünglich zahlte Rohzucker, wie alle importierten Waaren, nur einen Eingangszoll von 5 °/ 0 des Wertes, und zwar erhob die Republik (1649) denselben vom Empfänger oder Konsumenten; 1661 wurde der Zoll auf 1 sh. 6 d. für 1 Cwt. festgesetzt, 1669 auf 2 sh. 14 d., 1685 auf 2 sh. 4 d. für Muscovade und 7 sh. für Raffinade der eigenen Kolonieen, auf 4 sh. 8 d. für brasilische Muscovade, auf 14 sh. für fremde Raffinade, und auf 28 sh. für fremden Brotzucker (Reed 168 ff.; II Geschichte der Zuckerpreise. ,421 Rogers V, 461 ff.; Beer III, 202 ff). Da indess die englischen Kolonieen den Bedarf der aufblühenden Raffinationsindustrie in dieser Zeit noch nicht zu befriedigen vermochten, so wurde 1693 der Differentialzoll auf fremden Zucker wieder aufgehoben. Seither betrug der Zoll für 1 Cwt. Rohzucker: 1703: 3 sh. 5 d., 1747: 4 sh. 10 d., 1759: 6 sh. 4 d., 1779: 6 sh. 8 d., 1787: 12 sh. 4 d., 1791: 15 sh., 1797: 17 sh. 6., 1799: 20 sh. Die weitere Ent- wickelung dieser Zollsätze, sowie ihr Einfluss auf den Zuckerpreis, und hierdurch auf den Zuckerkonsum, geht aus folgender Tabelle hervor, die behufs Veranschaulichung dieser Verhältnisse ausnahmsweise bis auf die Gegenwart fortgeführt ist. Miitlorcr Preis Zollsatz Inlandspreis Konsum auf Jahr Verbrauch iti Tonnen für 1 Cwt. für 1 Cwt. für 1 Cwt. den Kopf sh. d. sh. et. sh. d. Pfund Unzen 1801 138639 59 5 20 ov, 79 5»/, 19 6 1805 103805 51 8 23 6 76 2 13 15 1810 175465 49 1 17 10»/, 66 117 4 21 15 1815 110564 61 10 31 2 93 0 12 15 1820 145093 36 2 27 0 63 2 15 11 1825 153992 38 6 27 0 65 6 15 1 1830 186102 24 11 25 6 50 5 17 8 1835 192828 33 5 24 2 57 5 17 3 1840 179741 49 1 24 9 73 10 15 4 1845 342831 32 11 14 674 46 6V 4 - 19 14 1850 304575 26 1 12 9 38 10 24 13 1855 371726 27 4 13 5 40 9 29 13 1860 438020 28 10 13 n 42 67, 33 15 1865 518318 22 5 10 i 1 /. 32 6V, 38 11 1870 693501 22 7 7 9 1 /. 30 47, 49 12 1875 912000 21 0 0 0 3 /* 21 0 3 / 4 62 6 1880 956000 19 6 — 19 6 62 8 1885 1076000 16 3 — — 16 3 67 1 Der Gesammtertrag der Eingangszölle.auf Zucker belief sich 1697 auf 30000, 1799 schon auf 2 321 930 Pfund Sterling (Stolz el a.a.O.); gegen Ende des 18. Jahrhundertes wurde indes der Zuckermarkt, infolge der handelspolitischen Ereignisse und kriegerischen Verwickelungen, von gewaltsamen Störungen heimgesucht. Während 1793 —1794 l Zentner Moscovade 32—58 sh., und 1 Zentner Raffinade 60—70 sh. kostete, betrugen diese Preise 1798—1799 fast das Doppelte, nämlich 62—87, und 96—115 sh., und sanken 1800—1801 wieder auf 28 — 50, und 50—70 sh. herab (Tooke und Newmarch I, 100 und 111). Von da ab trat bis 1805 eine bedeutende Steigerung ein, welcher aber, mit dem Beginne der 422 Sechzehnter Abschnitt. Napoleonischen Kontinentalsperre, ein noch tieferer Fall folgte; vorzugsweise begünstigt wurde der Letztere durch die bestehenden Handelsmonopole und Differentialzölle zu gunsten der eigenen Kolonieen, infolge welcher, trotz mangelnden Absatzes, die Einfuhren in England fortdauerten, so dass daselbst, von 1809—1813 allein an Zucker und Kaffee für mehr als 15 Millionen Pfund Sterling angehäuft wurde, die Preise in Papier 4—5 mal niedriger waren als die am Kontinente in Gold, und der Überfluss an billigem Zucker die Grundbesitzer bewog, denselben zur Fütterung des Mastviehes zu verwenden (ebd. I, 54, 126, 600; II, 209). In den Jahren 1811 — 1812 kostete 1 Zentner Rohzucker 34, 1 Zentner Raffinade 30 — 46 sh.; nach Aufhebung der Kontinentalsperre stiegen diese Preise plötzlich auf 97 und 110—134 sh., um schon im nächsten Jahre (1816) wieder auf den Normalstand von 45 und 50—55 sh. zurückzusinken (ebd. I, 159 und 176). Der ostindische Zucker zahlte in den Jahren 1793—1803 einen Eingangszoll von 37 —38°/ 0 seines Wertes; von 1803 an war er stets um 8—11 sh. für den Zentner höher besteuert als der westindische;*) 1832 war noch der Zoll auf westindischen Rohzucker 24, auf ostindischen 32, und auf fremden 63 sh., und erst 1836 wurde auch der Zoll auf ostindischen Zucker auf 24 sh. herabgesetzt, und sodann 1848 der Differentialzoll auf fremden Rohzucker aufgehoben (ebd. II, 215), hauptsächlich weil die eigenen Kolonieen nicht mehr im stände waren, den Bedarf der englischen Raffinerieen zu decken (Beer III, 302ff). Letztere genossen, da die Steuer-Rückerstattung bei der Ausfuhr auf Grund der Annahme erfolgte, dass man aus 100 Rohzucker nur 59 Raffinade erhalte, eine so erhebliche Prämie, dass z. B. zu Jamaika der in England raffinierte Cubazucker billiger verkauft werden konnte, als der an Ort und Stelle erzeugte; nachdem Raffinationsversuche unter Leitung Ure's diesen Missstand aufgedeckt hatten, wurde er 1834 beseitigt (Mac-Culloch III, 1472; Stölzel a. a. O.).**) Die *) Noch 1810—1822 betrug der ganze Import aus Ostindion nur 67 500 Meterzentner (Humboldt, „Cuba" II, 40ff.) **) Nach Ure ergaben: Kafflnaclc Bastoni Syrup Verlust 100 Jamaikazucker..... 56.61 19.10 20.56 3.73 100 gedeckter Brasilzucker , . 72.68 9.74 13.91 3.67 100 Rohzucker auf offenem Feuer gekocht......... 62.50 19.80 13.70 4.00 100 Rohzucker im Vacuum ver- k0C ht .......... 70.53 15.04 10.68 3.75 (s. Schubarth, „Handbuch der technischen Chemie", Berl. 1851; III, 164), n t Geschichte der Zuckerpreise. 423 i westindischen Kolonieen empfanden indessen weniger diese Erleichterung, als den Druck, welchen die Herabsetzung und schliessliche Aufhebung der Differentialzölle ausübte, besonders da dieselbe mit der Abschaffung der Sklaverei zusammenfiel, welche in den hauptsächlich konkurrierenden spanischen Kolonieen, vor allem in Cuba, fortbestand. Obwohl die seit 1834 gegründeten Ackerbaugesellschaften durch Verbesserungen des landwirtschaftlichen und industriellen Betriebes,*) die Erstehungskosten des Zuckers erheblich herabzumindern vermochten, so wirkten doch die veränderten Produktions-Verhältnisse, und namentlich die ungenügend, nämlich ohne gleichzeitige Sorge für den Aufbau einer bürgerlichen Gesellschaft, organisierte Sklaven-Befreiung, auf lange Zeit hinaus wirklich schädigend (Beer III, 337—339). Während sich z. B. der Gesammtexport der Antillen 1826—1836 von 2,7 auf auf 3,5 Millionen Meterzentner hob (Humboldt, „Reisen" II, 228), ging die Ausfuhr der englischen Besitzungen von 1,7 auf 0,8 Millionen Meterzentner herab, um erst allmählich wieder zur früheren Höhe anzusteigen; die Produktion von Cuba und Portoriko gewann inzwischen jährlich an Bedeutung, und begann auch die Vereinigten Staaten zu versorgen, deren 33 Raffinerieen bereits 1810 % über 80 000 Meterzentner Rohzucker verarbeiteten, und nur durch den häufigen Wechsel in der Zollgesetzgebung an rascher Entfaltung gehindert wurden. Der Ausfall der westindischen Produktion machte sich jedoch in England nicht fühlbar, da gerade von der nämlichen Zeit ab, die Erzeugnisse anderer Gegenden dessen Markt aufzusuchen, oder ihm Zucker, die aus ihren bisherigen Absatzgebieten verdrängt wurden, zuzuführen begannen; in dieser Richtung ist namentlich die Produktion von Haiti, Venezuela, Trinidad, Mexiko, Brasilien, Mauritius, Ägypten, Natal, Java, und Ostindien zu nennen (Beer III, 352; V, 148, 158 ff., 170, 187, 232). In Frankreich erlangten während der Revolution und der Kaiserzeit nicht weniger als 18 Dekrete über die Zuckerzölle Ge- Infolgo dieser Prämien konnten die englischen (und ebenso auch die holländischen) Raffineure schon 1804 den Zentner Raffinade häufig um 20—21 Francs billiger liefern als die französischen, was diesen Veranlassung zu vielfältigen Klagen gab (v. Kaufmann, a. a. O. 76). *) Hierzu gehörte die Einführung verlässlichor Triebkraft (Wasser, Dampf), eiserner Rohrmühlen, und besserer Saftreinigung; zu dieser dienten, neben Asche und Kalk, auch Kalium- und Natriumsulfat, Salmiak, Chlorkalium, Salpeter, Magnesia, Thonerde, schwefelsaure Thonerdo und Gerbsäure. Auch wandte man zum Klären, statt tierischen Eiweisses, die an Ei- weiss reichen Samen und Früchte von Hibiscus osculentus an (Macfadyen 113; Poppe, „Techn. Lex." V, 802). 424 Sechzehnter Abschnitt. setzeskraft*), und von 1791 bis zum Erlass der Kontinentalsperre wurden die Zölle für 100 Kilogramm Zucker von 30 bis auf 400 Francs erhöht (Beer IV, 15, 18, 70), so dass es schliesslich lohnte, Zucker von England nach Salonichi zu verschiffen, ihn auf Tragtieren durch die Türkei, Serbien und Ungarn nach Wien zu schaffen, und von da aus durch Süd- oder Mittel-Deutschland nach Frankreich einzuschwärzen, wo das Pfund gerne mit 5—6 Francs und darüber bezahlt wurde (Tooke und Newmarch I, 143); 1816 setzte man den Zoll für je 1 Meterzentner französischen Rohzucker und gedeckten Zucker auf 49.5 und 70 Francs, den für fremden Zucker auf 90 Francs fest, 1819 wurde letzterer auf 125 Francs erhöht, und der auf fremden Schiffen zugeführte Zucker noch mit einem Zuschlage von 10 Francs belegt, und einige Jahre später bedachte man den fremden Zucker mit einer neuen „Surtaxe 1 ' von 50 Francs. Da trotzdem die Klagen der Kolonieen fortdauerten, so wurde auch die Raffination solches fremden Zuckers zwecks Wiederausfuhr, unmöglich gemacht, indem für alle raffinierten Zucker der nämliche einheitliche Rückvergütungssatz in Wirksamkeit trat; die Folge dieser Massregeln war jedoch ein rasches Aufblühen der Rübenzuckerindustrie, da man auch für 100 Kilogramm Raffinade aus dem, damals noch steuerfreien Rübenzucker, 120 Francs rückvergütet bekam. Der Antrag der Regierung, sämmtlich Rübenzuckerfabriken für 40 Millionen Francs anzukaufen, und sodann auf Rübenzucker eine dem Zuckereingangszolle gleiche Prohibitiv- Steuer zu legen, wurde 1840 vom Parlamente abgelehnt, die Einnahmen aus den Zuckerzöllen fielen aber so rasch, dass schon 1843 die Kammern, nunmehr im Gegensatze zur Regierung, die eine allmähliche Regelung wünschte, die sofortige Gleichstellung des Rüben- und des Rohrzuckers beschlossen.**) Man kann annehmen, dass nur die gleichzeitig erfolgte Aufhebung der Sklaverei, welche auf die Produktion der Kolonieen lähmend wirkte, damals die französische Rübenzuckerindustrie vor dem Untergange bewahrt hat (Beer IV, 7Off.). Der Konsum nahm in Frankreich nur langsam zu: 1801 betrug er 252200, 1806—1821 im Durchschnitt 384230 Meterzentner, ungerechnet etwa 10000 Meterzentner Rübenzucker, der in ungefähr 200 Fabriken erzeugt wurde (Humboldt, „Cuba" II, 4Off.). Die eigenen Kolonieen, welche, infolge der Ausschliessung aller fremden Zucker durch Prohibitivzölle, den französischen Markt *) Vor der Revolution betrug der Detail-Preis des Zuckers in Paris 5—6 Francs das Pfund, also nach heutigem Geldwerte 10—12 Francs (Brillat- Savarin, 89). **) Genauere Angaben finden sich bei v. Kaufmann, a. a. O, 118ft'. ----- r-^^m WM Geschichte der Zuckerpreise. 425 allein beherrschten, waren zuweilen kaum im stände den Ansprüchen desselben zu genügen, und es kam vor, dass Rohzucker in Havre doppelt so teuer als in London war (Stölzel, a. a. 0.). In Deutschland kostete, während der Kontinentalsperre, zu Hamburg 1 Zentner Zucker 100—200 Thlr. (Schulze 41; Stölzel, a. a. 0.), im Kleinverkehre des Binnenlandes 200—300 Thaler, und da die Zuckerpreise schon seit der Verwüstung Domingos sehr hohe gewesen waren, so ist es leicht begreiflich, dass alle Bestrebungen den Zuckerkonsum zu vermindern, als patriotische Thaten begrüsst wurden, und dass eine ganze, ausschliesslich solche Zwecke verfolgende Litteratur entstand. Nach Wiedereröffnung der Schiffahrt (1814) kostete zu Hamburg 1 Zentner ordinäre Raffinade 49 Thaler 8 Groschen, doch ging dieser Preis schon im nächsten Jahre auf 36 Thaler 5 Groschen, und von da ab bis 1850 allmählich auf 11 Thaler 5 Groschen herunter (Schulze a. a. 0.). In Preussen, sowie später im Zollvereine, war der Zuckerpreis, auch abgesehen von der Steuer und den grösseren Transportkosten des Rohzuckers (zusammen etwa 7 Thaler 20 Groschen für den Zentner), wegen des Monopols ein erheblich höherer, er überstieg z. B. in den Jahren 1822—1825 den Hamburger Preis um 9 Thaler 6 Groschen, so dass es häufig lohnte, trotz des Eingangszolles Zucker aus Hamburg oder Bremen nach Berlin kommen zu lassen. Durch die wachsende Erzeugung von Rübenzucker innerhalb des Zollgebietes erlosch indessen die Bedeutung des Monopols nach und nach; in den Jahren 1825—1831 war der Berliner Preis nur mehr um 7 Thaler 24 Groschen höher als der Hamburger, 1832—1833 betrug der Unterschied 5 Thaler 8 Groschen, 1834 —1839: 5 Thaler 3 Groschen, 1840—1844: 3 Thaler 19 Groschen, 1845—1849:'20 Groschen, und 1850 nur mehr 16 Groschen. Dabei stieg die Anzahl der preussischen Siedereien in den Jahren 1822—1845 von 36 auf 53, und die Verarbeitung derselben von 118813 auf 1232 976 Zentner; die Eingangszölle für Rohzucker, Kochzucker*), Lompen, und Raffinade betrugen in Thalern 1828: 4, 8, 10, 10; 1831: 5, 11, 5, 11; 1837: 5, 9, 11, 11; 1839: 5, 9, ö 1 /^ 11; 1843: 5, 8, 10, 10**); die Rückvergütung bei der Ausfuhr erfolgte auf 'die Annahme hin, dass 4 Zentner Rohzucker 3 Zentner Raffinade gäben (Schulze, a. a. 0.; Stölzel, a. a. 0.). *) Unter Kochzucker ist gelber und brauner Farin, sowie Zuckermehl zu verstehen, wie die preussische Erhebungsrollo von 1828/1830 ausdrücklich festsetzt. **) Näheres über Ursachen und Folgen dieser wiederholten Abänderungen der Zollsätze, s. bei v. Kaufmann, a. a, O. 90ff. 426 Sechzehnter Abschnitt. II Was die Preise für Zucker-Surrogate und Zuckerwaaren anbelangt, so finden sich nach Rogers (IV, 145; V, 461) in England erwähnt (für das Pfund): 1285 zwei Töpfe Rosen- und Veilchenzucker zu 13 und 14 sh. (in heutigem Geldwerte 78 und 8*4 sh.); 1388 Ingwerbrot zu 2 sh. 8 d. (16 sh.); 1401—1582 Zuckerplätzchen zu 1 sh. ■— 1 sh. 4 d. (6—8 sh.), Zuckerbrot zu 1 sh. 6 d. (7 sh.), Perled und Almond-Sngar, d. i. fein und grobgekörnter Zucker, zu 1 sh. — 1 sh. 4 d. (6—8 sh.), Penedy oder Penettes, d. i. Penidium, zu 1 sh.— ■2 1 / 4 sh. (6—13 1 /,, sh.), Dragge, d. i. Dragee zu 9 d. (4 sh. 6 d.), verschiedene Comfits zu 7 1 /,, d. — 1 sh. 3 3 / 4 d. (3 sh. 9 d. — 7 sh. 10 1 /.. <*'•), Cassons zu 8 d. {4 sh.), Marmeladen zu 1 sh. 2 d. — 1 sh. 6 d. (8—9 sh.), und Biskuit, Makronen, und Marzipan zu 10 d.— 1 sh. 6 d. (5 -9 sh.); ferner 1582—1702: Comfits von Veilchen, Orangen, Ingwer, Cina- momen, Rosmarin, Muskat, Fenchel, Koriander, Oleander, Mandeln, Zitronen, Kirschen, Kümmel, und Himbeeren, zu 1 sh. 4 d. — 3 sh.- 6 d. (2 sh. 8 d. —7 sh.), Biskuit zu 1 sh. 4 d. — 2 sh. 6 d. (2 sh. 8 d. — 5 sh.), Zitronen in Zucker eingekocht zu 3 sh. 6 d. (7 sh.), kandierte Zitronen zu 2 sh. 8 d. (5 sh. 6 d.), Marzipan zu 1 sh. (2 sh.), Syrup zu 9 d. (1 sh. 6 d.), Liquoritia, d. i. Süssholzpaste, zu 8^ d. (1 sh. 4 1 /,, d.), und Manna die Unze zu 3—8 d. (6 d. — 1 sh. 4 d.). Honig wurde im 13. und 14. Jahrhundert wenig bereitet; vor 1347 kostete die Gallone im Mittel 7 d. (3 sh. 6 d.), 1372— 1399 im Mittel 1 sh. 2 d. (13 sh.). Im 15. Jahrhunderte wurde viel Honig aus Portugal bezogen, daneben aber auch Süssholzsaft aus Italien und Spanien, von dem 12 Pfund im Mittel 3 sh. 2 1 / 2 d. (19 sh. 3 d.) kosteten; erst Pitzherbert riet in einer 1523 gegedruckten Schrift die allgemeine Einführung der Bienenzucht an, und die Königin Elisabeth setzte den Preis des Honigs auf 1 sh. 2 d. (3 sh. 6 d.) für die Gallone fest. In den Jahren 1401—1540 betrug der Durchschnittspreis der Gallone 1 sh. 2 1 / 4 d. (7 sh. l x / 2 d.), in den Jahren 1541—1582: 3 sh. 4 d. (10 sh.), in der Zeit von 1582—1702: 5 sh. 4 x / 4 d. (16 sh. 8 / 4 d.), wobei als Minimum (1592) 3 sh. 4 d. (10 sh.), als Maximum (1689) 13 sh. 4 d. (26 sh. 8 d.) vorkommt (I, 66, 399, 418; II, 406; III, 219, 207, 699; IV, 141, 664, 54, 361, 718; V, 319; VI, 229ff.). In Frankreich kostete ein Pfund Dragees, in jetzigem Geldwerte ausgedrückt: 1322 20,63 Francs, 1333 33 Francs, 1418 16,50 Francs (Leber 74 und 76); die Gewürze die man zu Dragees zu verarbeiten pflegte, wurden 1372, im Nachlasse der Jeanne d'Evreux, nach gleichen Grundlagen berechnet, wie folgt bewertet: Pfeffer 21,30 Francs, Ingwer 25,75 Francs, Zimmt 34,16 Francs, Geschichte der Zuckerpreise. '427 Nelken 56,90 Francs, Macis 167,20 Francs, Safran 256,00 Francs, und ein Edikt Franz I. von 1542 setzt nachstehende Preise fest: Pfeffer 11 Francs, Ingwer 11 Francs, Zimmt 26,40 Francs, Nelken 44 Francs, Macis 44 Francs, Safran 66 Francs, Muskat 13,20 Francs, Borax 44 Francs, Kampher 88 Francs, kalabrische Manna 66 Francs, französische Manna 11 Francs, Rhabarber 275 Francs, Moschus 2200 Francs, Ambra 2860 Francs (Leber 94). Eine derartige Wertschätzung der Kostbarkeiten und Arome des Orients kann nicht Wunder nehmen, wenn man bedenkt, dass nach Mun selbst 1621, also nach mehr wie einem .lahrhunderte seit der Entdeckung des Seeweges nach Indien, die Preise für Gewürze und Spezereien in England immer noch 8 —10 mal höher waren als in Malabar (Rogers V, 452), und dass die Handelsmonopole der Portugiesen, obwohl an für sich noch schwer und drückend genug, dennoch, gegenüber den Verhältnissen der früheren ägyptischen Alleinherrschaft, einen wesentlichen Fortschritt, und eine ausserordentliche Erleichterung vorstellten. SIEBZEHNTER ABSCHNITT. Ansichten über Entstellung und Wesen des Zuckers. Die Eigenschaften der durch charakteristischen Geruch oder Geschmack ausgezeichneten Pflanzenstoffe, und die Bildung derselben in den lebenden Gewächsen, haben bereits in den ältesten Zeiten die Aufmerksamkeit besonnener Beobachter erregt, und sie veranlasst diesen Erscheinungen nachzuforschen, und die sie bedingenden inneren Vorgänge zu erklären. Schon Demokritos (geb. um 460 v. Chr.) versuchte es, und zwar vermutlich auf Grund noch älterer Lehren, die Mannigfaltigkeit der Gerüche und Geschmäcke, auf eine Verschiedenheit der letzten Bestandteile der Körper zurückzuführen: „alle Eigenschaften der Dinge", sagt er („Fragm. phil.", ed. Mullach 1843), „beruhen nur auf der Gestalt, Grösse, Lage und Ordnung ihrer Atome, während die sinnlichen Qualitäten, die wir ihnen beilegen, in Wahrheit nur die Art ausdrücken, wie sie auf unsere Sinne wirken, z. B. süss, bitter, warm, kalt, u. dergl." Dieser mechanistischen Auffassung gegenüber blieb indes die Empedokleisch-Aristotelische Lehre von den vier Qualitäten, auf deren Grundlage schon weiter oben des näheren hingewiesen wurde, fast allgemein anerkannt, und gestützt auf die Autorität des Aristoteles und seiner arabischen Kommentatoren, galt sie, trotz ihrer Schwierigkeit und Dunkelheit, während eines Zeitraumes von fast zwei Jahrtausenden, als unangreifbar und in jeder Hinsicht völlig ausreichend. Nach Empedokles wird die Verschiedenheit des Geschmackes der Pflanzensäfte durch die Verschiedenheit der im Erdboden vorhandenen Safte, und diese durch die Unterschiede der „ Kochungen * bedingt, welche selbst wieder von der Art und dem Grade der Durchdringung der vier Qualitäten (warm, kalt, trocken, feucht) abhängen; Aristoteles und Theophrast schliessen sich unter Verwerfung der von Demokritos vertretenen Ansicht, dieser Lehre an, und der erstere sagt ausdrücklich („De sensu et sensib." cap. ■■ **&s^L < Ansichten über Entstehung und Wesen des Zuckers. 429 4): „So viele Geschmäcke in den Fruchthüllen, ehen so viele müssen offenbar auch in der Erde walten", er nimmt also an, dass alle in den Pflanzen enthaltenen Stoffe fertig gebildet im Erdboden vorhanden sind, und aus diesem durch die Wurzeln in die Pflanze gelangen, welche sich hierbei ganz passiv verhält, und nur das Dargebotene aufnimmt (Sachs 501; Meyer, „Bot." I, 125 und 176; Sprengel I, 312). Praxagoras von Kos (um 350 v. Chr.) behauptet, dass ein Pflanzenstoff dann süss schmecke, wenn er dem „süssen Safte" des menschlichen Körpers, einem der zehn Hauptsäfte, von welchen man diesen erfüllt dachte, analog sei; auch Plato vertritt im „Timäus" eine ähnliche Auffassung: „Die Annehmlichkeit des Geschmackes wird bedingt durch die Übereinstimmung der Säfte des Nahrungsmittels mit den verwandten Säften der Zungenadern; von der Zunge führen nämlich kleine Adern zum Herzen, als zum Sitze des Begehrungsvermögens, und diese nehmen die Geschmacksteilchen auf, lösen sie in ihren Säften, und führen sie so der Seele .zu" (Sprengel I, 437; Phillippe 356). Diese Anschauung hat insofern mit der, Plato im übrigen völlig fernliegenden des De- mokritos, einen Berührungspunkt, als auch letzterer eine Einwirkung der „Geschmacksteilchen" auf die Seele annimmt, welche -er indes für verschieden von dem subjektiven Geschmacksgefühle erklärt: „Das Süsse und das Bittere, besteht ebenso wie die Farbe, wie Wärme und Kälte, ausschliesslich in unserer Meinung, denn an und für sich giebt es nichts als den leeren Raum und die Atome. Je nachdem diese gestaltet und in den Körpern geordnet sind, ist auch ihre Wirkung verschieden; durch runde, gleich grosse, symmetrisch angeordnete Atome wird das Gefühl des Süssen, durch eckige oder spitzige, ungleich grosse und unregelmässig angeordnete, das des Sauren erregt werden* (Sprengel I, 329; Lange, „Geschichte des Materialismus"; Lpz. 1887, 16). Auch Theophrast sagt („De causis plantarum" VI, 1), dass runde Atome den süssen, eckige den bitteren und salzigen Geschmack verursachen, und der grosse Verfechter der mechanistischen Weltanschauung, Lucretius (98—55 v. Chr.) spricht in seinem Lehrgedichte „Über die Natur •der Dinge* (deutsch von Seydel, München 1881) dieselbe Meinung in folgenden Versen aus (II, 351): „Honig und Milch löst süss sich im Mund, indessen des Wermuts „Herber Geschmack, und Centauriumsaft, verziehen das Antlitz: „Leicht entnimmst du hieraus, dass aus glatten und rundlichen Teilchen „Alles besteht, wovon uns der sinnliche Eindruck wohlthut, „Während das Rauhe und Bittere fest in einander gefügt ist, Dass es die Sinne uns schmerzlich erregt, und dem Körper Gewalt thut." 430 Siebzehnter Abschnitt. < Es kann nicht Wunder nehmen, dass eine scheinbar so anschauliche, und das Kausalitätsbedürfnis befriedigende Erklärung grossen Beifall fand, und sich bis in späte Zeiten erhielt, wie wir sie denn z. B. noch bei dem berühmten Chemiker Lemery (1645—1715) in fast unveränderter Fassung vorfinden (Kopp, „Beitr." III, 192); allgemeine Annahme wurde ihr jedoch keineswegs zu Teil, da sie sowohl von der aristotelischen, als auch von der skeptischen Schule zurückgewiesen wurde. So z. B. sagt schon Sextus Empiricus (um 200 n. Chr.) vermutlich den Worten Pyrrho's (gest. 288 v. Chr.) folgend: „Wir verwerfen zwar den Gebrauch der Sinne keineswegs, und läugnen nicht etwa, dass der Honig süss schmecke, wenn aber das Wesen des süssen Geschmackes untersucht werden soll, dann bekennen wir unsere Unwissenheit, und verachten die kategorischen Erklärungen der Dogmatiker" (Sprengel I, 579). Die arabischen Gelehrten nahmen, als unbedingte Verehrer der aristotelischen Lehren, auch die Qualitäten-Theorie an, und erweiterten sie, ohne ihre Grandlagen wesentlich abzuändern, in vielen Richtungen; bereits bei Massudi (IV, 2) findet sich z. B. erwähnt, dass die Qualitäten selbst das Klima der Länder bedingten, und dass der „Hauptgeschmack des Orientes der süsse sei", weil das Morgenland zugleich heiss und feucht wäre. Spätere Autoren versichern indes, dass der süsse Geschmack nicht durch Hitze und Feuchtigkeit, sondern durch mittlere Temperatur und eine gewisse Zusammensetzung der Stoffe aus nicht allzufeinen Bestandteilen bedingt werde (Sprengel II, 389), und dass er, wenn einmal vorhanden, von einem Stoffe auf manche andere übertragen werden könne. Nach Kazwini (ed. Ethe, Lpzg. 1868; I, 209) gehört zu diesen vorzüglich das Wasser: „Im Wasser liegt eine Kraft, von solcher Art, dass es, wenn man in ihm Speise, z. B. Rosinen, einweicht, deren gesammte Süssigkeit einsaugt, und keine Spur derselben in jenen zurücklässt; Wasser ist nämlich für alle Kräfte empfänglich, und wenn es sich mit den verschiedenen Materien vermischt, so nimmt es deren Kräfte, also alle Arten der Farbe und des Geschmackes in sich auf, ohne selbst im geringsten Farbe oder Geschmack zu haben, so dass es einmal zu Ol, ein andermal zu Honig, ein drittes Mal zu Milch, ein viertes Mal zu Blut wird." *) Unter den, ausserhalb des arabischen Kreises stehenden mittel- *) Nach Plato's „Timäus" ergeben die vielen Arten des Wassers, durch die Pflanzen und die Erde destilliert, die verschiedenen Pflanzensäfte, und eine der vier Hauptarten dieser Säfte, welche zugleich auch ein hitziges Prinzip enthält, ist der Honig. Ansichten über Entstehung und Wesen des Zuckers. ,431 alterlichen Denkern, die den vorliegenden Problemen näher traten, ist in erster Reihe Albert von Bollstaedt, auch Albertus Magnus geheissen (1193-—1280), anzuführen, welcher in Padua studierte, meist in Köln, wo Thomas von Aquino sein Schüler war, zeitweise aber auch in Paris und Rom lebte, und der gefeierteste Lehrer und grösste Naturforscher des 13. Jahrhundertes war, dessen Schriften indes meist unverstanden, und daher auch bald ungelesen blieben. Er beschäftigte sich zuerst mit den Lehren des Aristoteles, die er aus den lateinischen Übersetzungen arabischer Versionen kennen lernte, und als Frucht des Studiums dieser Werke, zu denen man damals auch noch das später als unecht erkannte „Buch über die Pflanzen* zählte, erscheint unter anderem auch seine Schrift „De vegetabilibus", die wichtigste und umfassendste Darstellung der wissenschaftlichen Botanik seit dem Altertume, die neben zahlreichen, den Griechen und Arabern entnommenen Gedanken, auch eine Fülle eigener, oft überraschender Beobachtungen enthält (Haeser I, 694; Meyer, „Bot." IV, 12, 65, 78). „Die Bestandteile der Pflanze", sagt Albertus Magnus, „müssen ihr durch den Ernährungsprozess von aussen zugeführt werden, auch muss die Nahrung den Gliedern der Pflanze zugänglich, daher in Auflösung befindlich sein. Die Natur derselben wird durch die vier Qualitäten bestimmt, aus deren Mischung alles Körperliche entsteht. Vom Überflusse wässeriger Feuchtigkeit reinigt sich die Pflanze durch die Blätter, welche zugleich auch die Früchte zu schützen haben" (ebd. 12, 52, 76). Diese Auffassuug über die Funktion der Blätter ist auch die des Aristoteles und des Nicolaos Damascenus; erstem - sagt* („Physic. auscult." II, 8): „Die Blätter sind zur Bedeckung der Frucht da", letzterer: „Zweck der Blätter ist, dass die Sonne durch sie die Feuchtigkeit anziehe, und dass sie die Frucht gegen die Sonnenglut schützen" (Meyer, „Bot." I, 115 und 332). Erst Roger Baco (1214—1294) sprach die Vermutung aus, dass, wie die Wurzeln aus dem Boden, so auch vielleicht die Blätter aus der Luft, der Pflanze Nahrung zuführen könnten (Haeser II, 235); mit deutlicher Bestimmtheit vertrat diesen Gedanken jedoch erst Lionardo da Vinci (1492—1519), das staunenswerteste Universalgenie, das die Menschheit wohl je hervorgebracht, ein Mann, ebenso gross als Maler, Architekt und Bildhauer, wie als Ingenieur, Anatom und Physiker, ebenso erfahren in der Theorie wie in der Praxis, dabei ein überlegter und klarer Denker, dem es zu gleichem Ruhme gereicht, die drei Lieblingsprobleme seiner Zeit, das Perpetuum mobile, die Quadratur des Kreises, und die künstliche Darstellung des Goldes als unausführbar j I ni 432 Siebzehnter Abschnitt. erkannt, als, — ein Jahrhundert vor Baco von Verulam*) —, den Salz ausgesprochen zu haben: „Die Erfahrung allein ist es, die niemals täuscht, wohl aber geht unser Urteil manchmal irre, indem es derselben etwas entnimmt, was nicht in ihr liegt. Mit der Erfahrung müssen wir anfangen, und durch sie die Schlüsse des Verstandes korrigieren." Lionardo da Vinci nun, betrachtet die Blätter geradezu als Ernährungsorgane der Pflanze, welche durch sie Stoffe aus der Luft aufnimmt, und aus diesen, und den durch die Wurzel zugeführten, auf geheimnisvolle Weise die zahlreichen verschiedenen Substanzen erzeugt, die sich in ihren Säften vorfinden; da sich die Flamme und der atmende Körper beide von Luft nähren, und die Luft, in welcher Atmung oder Verbrennung stattgefunden haben, zu weiterem Atmen nicht mehr tauglich ist, so vermutet er, auf Grund der in der ganzen Natur herrschenden Ökonomie, dass diese Luft noch den Pflanzen als Nahrung dienen könne, da es doch bekannt sei, dass schlechte und verdorbene Luft durch Pflanzen wieder gereinigt und atembar gemacht werde, — eine in der That staunenswerte Vorausahnung der wahren Verhältnisse.**) Paracelsus (1493—1541) wandte seine Theorie, dass alles Körperliche aus Schwefel, Salz und Quecksilber bestehe, auch auf die Pflanzenwelt an, und erklärte die Verschiedenheit der Pflanzenstoffe, ihres Geschmackes und Geruches, durch die Verschiedenheit der Mischungen jener Grundstoffe;, jedoch soll dieselbe auch von der Natur der Gestirne abhängen, da jede Pflanze als ein irdischer Stern, und als abhängig von einem bestimmten himmlischen zu betrachten sei (Meyer, „Bot." IV, 429); mit besonderem Eifer verfolgte Paracelsus die Aufgabe, die charakteristischen Bestandteile der Pflanzen, die er deren Quintessenz nannte, aus ihnen aus- *) Betreff der Überschätzung des von Baco auf die Naturwissenschaften ausgeübten Einflusses, s. Liebig, „Reden und Abhandlungen", Lpzg. 1874, 220 ff. **) Lionardo da Vinci ist der Erfinder des Hygrometers, des Schiffslogs, des Fallschirmes, und des Lampencylinders, sowie der Camera obscura und des Naturselbstdruckes; er erklärte in richtiger Woiso Entstehung und Wesen der Versteinerungen, die Natur der Wellenbewegung, die Grundprinzipion der Mechanik, und die Mechanik dos Weltalls, als dessen Mittelpunkt er dio Erde verwarf; er war der grösste Anatom seiner Zeit, trieb zuerst vergleichende Anatomie, entwarf dio ersten, wirklich richtigen und lehrreichen anatomischen Zeichnungen, und schuf dio Wissenschaft von der Statik und Mechanik des menschlichen Körpers (Raab, „Lionardo da Vinci als Naturforscher", Berl. 1880; Haeserll, 28; Humboldt, „Kosmos" 11,324 und 484). ■■ Ansichten über Entstehung und Wesen des Zuckers. 433 zuziehen, ohne dass er aber hierbei wesentliche und dauernde Ergebnisse erzielt hätte (Kopp, „ Geschichte der Chemie" IV). Seine Ansichten blieben jedoch auf lange Zeit hinaus herrschend und noch Libavius (1600) sagt in seiner „Alchemia" kurzweg: „Alle organischen Substanzen bestehen aus den Grundstoffen Salz, Schwefel und Quecksilber, und aus diesen bilden sich die flüchtigen Geister, die Säfte, die Öle, und die Quintessenzen." Fast allgemein glaubte man während des 16. Jahrhundertes noch, dass diese Bildung ausschliesslich im Erdboden vor sich gehe, und die Wurzeln bloss die fertigen Stoffe aufnähmen, wie denn z. B. noch Campanella (1568—1639) sagt: „Die Pflanze ist ein bewegungsloses Tier, und die Wurzel ist ihr Mund." Erst Caesalpino (1519 —1603), obwohl ein getreuer Schüler des Aristoteles, beginnt von dieser Ansicht abzuweichen, und Jungius (1587—1657), als Philosoph ein Vorgänger des Leibnitz, ein kritischer Gegner der Scholastik und des Aristoteles, weist der Pflanze schon in bestimmter Weise eine selbstthätige chemische Mitwirkung bei ihrer Ernährung zu (Sachs 487, 63, 492); die ersten Versuche über diesen Gegenstand stellte van Helmont (1577—1644) an, schloss aber aus denselben fälschlich, dass die Pflanzen alle ihre Bestandteile allein aus Wasser bildeten (ebd. 493). In seltsamer Weise aus Wahrheit und Aberglauben gemischt, sind die Ansichten, die Baco von Verulam im „Novum Organum", dem zweiten Teile der „Instauratio magna scienciarum" (1620), äussert. Es heisst darin: „Die Entstehung der Pflanzen beginnt mit der Verbindung gewisser Säfte in der Erde. Es steht fest, dass die entsprechenden organischen Bestandteile der Pflanzen die ihnen gleichen oder ähnlichen mit einer gewissen Auswahl aus ihren Nährmitteln anziehen, sie sich ähnlich machen, und in ihre Natur umwandeln. Für verschiedene Pflanzen sind verschiedene Arten Dünger förderlich, z. B. Mist, Kreide, oder Asche, was durch den Versuch zu erforschen ist; zwei aussaugende Pflanzenarten nebeneinander, nehmen sich die Nahrung weg, ebenso wieder wachsen z. B. Kornblumen aus den Säften, welche das Getreide als unbrauchbar von sich stösst. Die Bildung der Säfte beruht auf gewissen natürlichen Eigenschaften der Körper. Zur richtigen Erkenntnis eines Körpers muss man aber ermitteln, welches seine Geister*) sind, wozu Auflösung, Erwärmung, Destillation, und dergl., feine Mittel bieten. Alle Körper, denen ein *) Die Erklärung aller immanenten Eigenschaften durch „Geister" ist ein echt scholastischer Zug, dor sich auch bei Paracelsus, und noch bei Cartesius findet. Ijippmann, Geschichte des Zuckers. 28 434 Siebzehnter Abschnitt. | 1 I starker Geist innewohnt, sind dauerhaft und zersetzen sich nicht leicht, denn der herrschende und befehlshaberische Geist führt hier fest und kräftig die Zügel. Die Leitung der Bewegung, d. i. die Art, wie sich Körper begegnen, hemmen und zurückstossen, ist auch von grossem Einflüsse auf Gestalten und Verhältnisse gewisser Gefässe: dieselbe Kraft, welche beim Destillieren die leichten Dünste nach oben steigen lässt, macht schwere Schmutzstoffe in anderen Fällen nach unten sinken, und deshalb befördert die Form eines aufrecht stehenden Kegels (Destillirhelm) die Verdichtung der Dämpfe, und die eines verkehrt stehenden (Zuckerhut) die .Reinigung der Zuckermassen. Zucker, ebenso wie Schwämme, Papier und Tuch erfreuen sich nämlich nicht an der Luft, und vertragen sich nicht gerne mit der in ihren Poren eingeengten; daher stossen sie diese am liebsten wieder aus und ziehen Wasser oder andere Flüssigkeiten an, ja heben diese sogar in die Höhe, wenn sie nur halb eingetaucht sind. Sicher ist es, dass der ganz trockene und harte Zucker jeder Art im Dunklen beim Zerschlagen und Zerbrechen leuchtet, welche Erscheinung seiner Geister an das St. Elmsfeuer mahnt. Das schwere Sieden von Zuckersyrup (ebenso von Ol), gegenüber dem des Wassers und Weins, des Essigs und der Milch, erklärt sich daraus, dass die Dampf blasen in dieser zähen Flüssigkeit weniger Öffnungen zum Aufsteigen und Entweichen finden; man kann dieses Sieden mit dem Aufblähen des sich mit Geistern erfüllenden keimenden Pflanzensamens, mit der Ausbrütung der Eier, und mit der Entstehung von Tieren und Pflanzen bei der Fäulnis vergleichen" *) (II, 5, 48, 50, 7, 12, 41). *) Diese Anschauung war im Altertum und Mittelalter ganz allgemein verbreitet. Plinius („Hist. Nat." IX, 84) berichtet, und zwar, wie stets, auf Grund viel älterer Quellen (Aristoteles, ,,Hist. Nat."; Diodor I, 10): „Wenn der Nil Ägypten wieder verlässt, so findet man kleine Mäuse, deren Erzeugung aus Wasser und Erde eben begonnen hat, indem sie an einem Teile des Körpers schon leben, während der Rest noch aus Erde besteht." Isidorus Hispalensis (od. Lindemann, 398) lässt Würmer aus Holz, Fleisch oder Erde, von selbst entstehen; Albiruni, ein sonst zuverlässiger Forscher, der z. B. die spezifischen Gewichte von 18 Edelsteinen und Metallen durch Wägen in Luft und Wasser auf das Genaueste bestimmte (Kremer II, 458), will die Bildung von Mäusen aus Schlamm, sowie von Bienen und Wespen aus gefaultem Fleisch selbst beobachtet haben („Chronologie" 214), und Albertus Magnus leugnet zwar die Urzeugung der höheren Tiere, nicht aber die der Pflanzen: „Kräuter, Staudon und Bäume wachsen nämlich an Orten, wohin kein Samen gelangt zu sein scheint, und aus der Fäulnis von Eichen- und Buchenwäldern bilden sich Espen und Birken" (Meyer, „Bot." IV, 59ff.). Paracelsus hält an der Generatio aequivoca für niedere Tiere, Gras und Unkraut fest, und nimmt nur Korn und Weizen, sowie die Lilie aus, weil diese Pflanzen zuerst im Paradies gewachsen seien (ebd. IV, V mmpBHHggpi ■■ Ansichten über Entstehung und Wesen des Zuckers. 435 Im Laufe des 17. Jahrhunderts wurden die Lehren des Caesalpino und Jungius allenthalben endgültig angenommen, besonders als Malpighi (1628—1694) mit der wohldurchdachten Theorie hervortrat, dass die Blätter die eigentlichen ernährenden Organe der Pflanzen seien. Auch der grosse Physiker Mariotte (1610—1684) legte in der Abhandlung „Sur le sujet des plantes" dar, dass die Gewächse die letzten Bestandteile der in ihnen enthaltenen, verschiedenen, und selbst wieder zusammengesetzten Stoffe, aus der Erde und der Luft aufnehmen und durch chemische Umsetzung umgestalten, doch blieb diese Ansicht unverstanden, und geriet, trotz der späteren Bemühungen des Philosophen Christian Wolff, wieder in Vergessenheit (Sachs 494, 498, 511). Gleichzeitig mit Mariotte gab auch Stahl (1660—1734) an, dass die Pflanzen den grössten Teil ihrer „brennbaren Substanz" der Atmosphäre entzögen (Kopp, „Beitr." 111, 224); dies hinderte jedoch Stahl und Becher (1635—1682) nicht, anzunehmen, dass jene organischen Stoffe Salz, Schwefel und Quecksilber enthielten, deren Zusammenhang ein sehr komplizierter sei; als nähere Bestandteile bezeichnete Stahl gewisse salzig-saure Teilchen, Wasser, Phlogiston, und zuweilen etwas Erde. Näher wurde die Aufnahme gasförmiger Nahrungsstoffe aus der Luft zuerst von Haies (1677 —1761) untersucht, systematisch bewiesen, auf bekannte physikalische und chemische Gesetze zurückgeführt, und an die Thätigkeit der Blätter geknüpft, wobei dem Lichte (das man nach Newton für einen Stoff hielt), in Zusammenwirkung mit Wasser, und den aus dem Erdboden aufgenommenen Substanzen, eine wichtige Rolle zufiel (Sachs 515); Haies bemerkt auch das Entstehen einer besonderen Gasart bei der Gährung von Zuckerlösungen, hielt sie aber nur für veränderte Luft (Hoefer II, 340), und erst Black (1728—1799) erkannte dieselbe als Kohlensäure, und identifizierte sie mit dem „gas sylvestre", welches van Helmont bei der Gährung, der Verbrennung organischer Stoffe, und der Auflösung gewisser 429). Van Helmont glaubte die Synthese von Mäusen aus Weizenmehl und einem schmutzigen Hemd ausgeführt zu haben (Meyer, „Gesch. d. Chem." 63); nach Cardanus (1501—1576) bilden sich bei rascher Fäulnis nur > niedrige Tiere, z. B. Mäuse, bei langsamer aber, z. B. der der stehenden Gewässer, auch Biber, Hasen, und Gazellen (Sprengel II, 329), und ähnliche Vorgänge finden bei der Gährung statt, wie schon Dinus de Garba aus Florenz (gest. 1327) behauptete (ebd. III, 503). Aber selbst 1830 schreibt Bohlen noch ganz ernstlich („Das alte Indien" 1,34): „aus dem Nilschlamm entwickelt sich eino Menge Ungeziefer, besonders Mäuse, Frösche und Sumpfmücken." — [Strabo (XI, 14, 4) liess die Mücken aus den Funken der Eisen-Schmolzhütton entstehen.] 28* l 1 B ■ Siebzehnter Abschnitt. Mineralien in Säure erhalten hatte, aber nicht aufzufangen und zu isolieren vermochte (ebd. 344). Die Entstehung von Kohlensäure und Wasser bei der Verbrennung organischer Substanzen war übrigens, in ähnlicher Weise wie von van Helmont (1650), auch von Glauber (1664), Geoffroy (1718), Stahl (1731), Juncker (1730), Boerhave (1732), und vor allem von Scheele (1777) beobachtet worden, welcher Letztere daraufhin schloss, dass jene Stoffe aus Kohlensäure, Wasser und Phlogiston bestehen müssen (Kopp, „Gesch. d. Chemie" IV.). Die gegen Ende des 18. Jahrhunderts gemachten, wichtigen, chemischen Fortschritte, lieferten gleichzeitig auch die Basis für die Begründung der neueren Ernährungslehre der Pflanzen (Sachs 483); Priestley entdeckte 1774 den Sauerstoff (Kopp a. a. 0. I, 306 ff.; „Entwicklung der Chemie in der neueren Zeit", München 1873, 138ff.), Lavoisier erkannte 1775 qualitativ, und 1781 quantitativ die Zusammensetzung der Kohlensäure aus Kohlenstoff und Sauerstoff, bewies 1783 auf Grund einer Beobachtung Caven- dish's (Bildung von Wasser bei der Verbrennung von Wasserstoff), dass Wasser aus Sauerstoff und Wasserstoff bestehe, und folgerte noch im selben Jahre, dass der Alkohol, dessen Verbrennung Kohlensäure und Wasser liefere, Kohlenstoff und Wasserstoff enthalten müsse; doch betrachte er die organischen Stoffe als ternäre Verbindungen, in welchen Sauerstoff, Kohlenstoff und Wasserstoff nicht direkt aneinander gekettet seien. Dass grüne Pflanzenteile Sauerstoff abgeben, nahm schon Priestley wahr, aber erst Ingen-Houss (1730—1799) entdeckte 1779, dass zwar die grünen Blätter im Sonnenlichte Sauerstoff aushauchen, daneben aber auch eine stetige Kohlensäure-Entwicklung stattfinde, dass also Atmung und Assimilation wohl von einander zu unterscheiden seien, und dass die Kohlensäure der Luft als Hauptquelle für den Kohlenstoffgehalt der Pflanzen zu betrachten sei (Sachs 533). Durch Sandkultur-Versuche mit kohlensäurehaltigem Wasser hatte auch schon Percivall (1775) in klarer Weise die Wichtigkeit der Kohlensäure als Pflanzen- Nährstoff dargelegt, nahm jedoch irrtümlicherweise an, dieselbe sei direkt aus der wässerigen Lösung absorbiert worden, was schon Schrader bei genauer Wiederholung dieser Versuche als unmöglich erkannte (Sprengel, „Bot." II, 313 und 319). Quantitativ behandelte die Ernährungsfragen zuerst Saussure (1767—1845), und stellte hierbei fest (1804), dass zugleich mit dem Kohlenstoffe auch die Bestandteile des Wassers gebunden werden, und dass zum normalen Gedeihen der Pflanze auch die Gegenwart von stick- ' Ansichten über Entstehung und Wesen des Zuckers. 437 *» stoffhaltigen Verbindungen und Aschenbestandteilen unbedingt erforderlich sei; diese Lehren fanden jedoch wenig Verbreitung und noch weniger Glauben, und die Ungewissheit, die auf diesem Gebiete herrschte, geht am besten aus dem Umstände hervor, dass noch 1838 die Göttinger Akademie die Preisfrage stellte, „ob die pflanzliche Asche in den Pflanzen selbst erzeugt werde, und für deren Wachstum wirklich nötig sei", — eine Frage, die erst 1840 durch die Arbeiten Liebig's und Boussingault's ihre endgültige Erledigung fand (Sachs 537, 568, 574). Ein Haupthindernis für das richtige Verständnis aller dieser Verhältnisse, war der Glauben an eine besondere „Lebenskraft", welcher namentlich von den Anhängern der naturphilosophischen Schule hartnäckig festgehalten wurde, und noch 1827 einen Berzelius zu seinen Verteidigern zählte; es bedurfte der Synthese des Harnstoffes durch Wöhler (1828), um denselben zu widerlegen, und zu zeigen, dass die lebenden Organismen, ebenso wie die tote Aussenwelt, von den nämlichen, einheitlichen, chemischen und physikalischen Gesetzen beherrscht werden. Neben Dutrochet (1776—1847), welcher die grosse Wichtigkeit der endosmotischen Erscheinungen für das Verständnis gewisser physiologischer Vorgänge nachwies, bahnte namentlich der ältere Decandolle eine rationelle Erklärung derselben an (Sachs 550, 556, 559). Wie er in seiner „ Pflanzenphysiologie * auseinandersetzt (1832), „zerlegt das Sonnenlicht in den Blättern den rohen Nahrungssaft, giebt den Sauerstoff als Gas an die Aussenwelt ab, und überträgt den Kohlenstoff an die Pflanze, wobei zunächst ein Gummi gebildet wird, der aus einem Atom Kohlenstoff und einem Atom*) Wasser besteht, und durch sehr geringe Umänderungen in Stärke, Cellulose und Zucker verwandelt werden kann, Verbindungen, deren Zusammensetzung fast die nämliche ist. Nachts steigt dann dieser gummihaltige Saft wieder in die Wurzeln hinab, und setzt dabei in bestimmten Organen Gummi, Stärke, Zucker, Cellulose, oder fettes Ol, als Reservestoffe ab." Diese Vorstellungen nähern sich bereits in hohem Grade den noch heute üblichen, deren Entwicklung wir wesentlich Sachs verdanken, welcher auch schon die Frage nach der Art der Fortleitung dieser Bildungsstoffe, und nach der Natur derselben, auf mikrochemischem Wege zu lösen trachtete. Das eigentliche Wesen des Zuckers suchte zuerst wohl Angelus Sala in seiner „Sacharologia" (1650) zu ergründen. Er sagt darüber (S. 137ff.): „Bei der gemässigten trockenen Destillation erhält man aus dem Zucker seine vier Bestandteile, *) Nach heutigem Ausdrucke: Molekül. Siebzehnter Abschnitt. nämlich Wasser, ein auf diesem schwimmendes Öl, eine Säure, die stark genug ist, um Kreide aufzulösen, und ein rückständiges, dem Weinsteine ähnliches Salz. In Alkohol löst sich der Zucker, ohne dabei, wie manche behaupten, seine Natur zu ändern; dagegen wird Zucker beim Erwärmen mit Salpetersäure, Schwefelsäure oder Essig, derart verändert, dass er seine frühere Form auf keine Weise wieder annehmen kann, und es entsteht eine saure, rötliche, auch in Alkohol lösliche Masse, die aber nicht die wunderbaren pharmazeutischen Eigenschaften hat, welche Viele ihr zuschreiben. Mit Salpeter krystallisiert der Zucker nicht zusammen, obwohl beiderlei Krystalle etwas von einander enthalten. Bei der Gährung giebt der Zucker Alkohol, und zwar ist dessen Geschmack zu Anfang reiner und angenehmer, weil beim Stehen an der Luft später Essigsäure gebildet wird. Dass der Alkohol nur aus dem Wasser, oder dem Ol, oder dem Schwefel des Zuckers hervorgehen soll, ist falsch, wie dies auch die Mengenverhältnisse beweisen, es muss vielmehr die ganze Substanz des Zuckers sein, die bei der Gährung, auf noch unbekannte Weise, zum Teil in Alkohol übergeführt wird." Dass bei der Gährung Kohlensäure entsteht, hat Sala nicht wahrgenommen, und diese vermutlich für Luft gehalten; sehr merkwürdig ist seine Erklärung der Gährung: „Diese ist nichts weiter als eine innerliche Bewegung der Elementarteilchen, die sich in anderer Weise zu lagern trachten, wodurch eine Verbindung von neuer Art entsteht" (Hoefer II, 210). Boyle (1626—1691) beschäftigte sich ebenfalls mit der Gährung des Zuckers; bei dieser Gelegenheit bemerkte er, dass sich Zucker in Wasser unter Wärmebindung löst, und mit Schnee eine Kältemischung giebt (ebd. II, 169), auch bestimmte er das spezifische Gewicht des Honigs, das er 1.450 fand (ebd. II, 176). In quantitativer Hinsicht studierte die Gährungsvorgänge erst Cavendish (1766), und erhielt dabei aus Zucker 57 °/ 0 Kohlensäure; genauere aber auch noch nicht richtige Zahlen für Kohlensäure und Alkohol ermittelte Lavoisier (1789). In ähnlicher Weise wie Sala untersuchte auch Willis (1674) den Zucker, und kam zum Resultate, dass derselbe aus Schwefel, einer Säure, und einem ätzenden Salze bestehe (Moseley a. a. 0.). Auch nach Hoffmann-Maederjan (1701) istZucker eine salzig-schwefelige Substanz, und seine Salznatur geht aus seiner Löslichkeit und Krystallisationsfahigkeit, aus seiner weissen Farbe, und aus seinem süssen Geschmacke hervor, „da ein nicht salzartiger Stoff überhaupt nicht schmecken könnte"; neben der Salznatur zeigt sich aber auch, beim Verbrennen und Schmelzen, eine schwefelig-erdige, f : Ansichten über Entstehung und Wesen des Zuckers. 439 und da diese Bestandteile die salzigen an Menge weit übertreffen, so schmeckt Zucker, entgegen allen anderen Salzen, süss. Die trockene Destillation des Zuckers giebt ausserdem noch ein Öl und eine Säure, und die Gährung brennbaren Alkohol und Essig, es sind also sehr zahlreiche und mannigfache Bestandteile in ihm enthalten. Nach Hallens (S. 7) ist Zucker „ein, in ein flüchtiges Öl eingewickeltes Sauersalz, mit schwefeligen und erdigen Teilen verbunden", nach Herrmann, entsprechend Becher's Lehre, „eine Verbindung von Schwefel, fettiger Erde, salzigen Teilchen und Wasser«, nach Ludolf („Chemie", Erfurt 1752, 1018) besteht er wesentlich aus Schwefel. Beckmann erklärt Zucker für „eine saure Seife, d. i. ein Fett, mit einem sauren Salze verbunden" und bezeichnet als seine näheren Bestandteile „Wasser, Erde, Säure, und ein feines, öliges, brennbares Wesen" („Anl. z. Techn." 176, 378): Böhmer sagt (I, 695, 751, 386ff.): „Zucker besteht aus einem wesentlich sauren Salz, das jedoch mit einem feinen Öl und Erde vermischt ist, daher auch nicht sauer schmeckt; die Gährung desselben beweist, dass sich in seinem Grund auch ein brennbarer Geist vorfindet, neben dem noch eine sauer-salzige, schleimige Mischung vorhanden ist." Ahnliche Ansichten finden sich bei Cartheuser (1774), Rouelle (1703—1770), und den anderen letzten Vertretern der phlogistischen Schule, denen Zucker als ein, dem Schwefel analoger, aus „brennbarem Wesen" und Säure bestehender Körper, als „ein vegetabilisches Hepar, in welchem das ölige Prinzip durch eine Säure mit dem Wasser mischbar geworden ist", und als ein „eigentliches essentiales Pflanzensalz" galt (Hoeferll, 364 und 407; Berthelot, „Die chemische Synthese", Lpzg. 1877, 43; Kopp, „Gesch. d. Chem." IV). Letztere Anschauung wurde aber erst durch Marggraf zur herrschenden erhoben (Scheibler 27), welcher die, namentlich von Glauber (1660) verfochtene Behauptung, der Zuckersaft sei ursprünglich nur eine honigartige Masse, und gebe erst durch die chemische Behandlung, und namentlich durch die Einwirkung des Kalkes, trockenen festen krystallisierten Zucker, dadurch widerlegte, dass er den Zucker mittelst Alkohol, unmittelbar in Substanz, aus den Pflanzen auszog. Die Frage, ob der Kalk zu den wesentlichen Bestandteilen des Zuckers gehöre, und denselben gesundheitsschädlich und „hitzig" mache, wie zahlreiche Arzte versicherten, war eine viel umstrittene; obwohl Wiegleb („Chemische Versuche", Berlin 1774) die Angabe des Angelus Sala bestätigte, dass reiner Zucker ohne Hinterlassung von Asche vollständig verbrenne, so fand dieselbe dennoch nur wenig Glauben, und noch 1785 unter- ■ I 440 Siebzehnter Abschnitt. nahm Hielm eine neue ausführliche Untersuchung, als deren Ergebnis er mitteilt, dass der reinste Zucker fast keinen, der rohe Zucker ziemlich vielen, und der Syrup sehr vielen Kalk enthalte, welcher demnach nicht aus dem Zuckerrohre stammen könne, sondern erst bei der Fabrikation in den Saft eingeführt werde; das allgemeine Vorurteil wurde aber auch hierdurch nicht beseitigt, und Spuren desselben wirken sogar heute noch fort. Im Jahre 1776 entdeckte Bergman (1735—1784) die Entstehung der sog. „Zuckersäure" (heute Oxalsäure) bei der Behandlung des Zuckers mit Salpetersäure (Haeser II, 445); diese Beobachtung machte das grösste Aufsehen, und schien so unerklärlich, dass z. B. Girtanner (1795) und Wurzer (1806) sagen: „von jetzt ab müsse man die Verwandlung von Metallen in einander für möglich halten, und für nicht merkwürdiger, als die des süssesten Körpers, des Zuckers, in den sauersten, die Zuckersäure" (Kopp, „Alchemie" II, 168 und 175). Nach Stahl's System wurde nunmehr der Zucker als eine Verbindung von Phlogiston und Oxalsäure betrachtet, welches erstere durch die Salpetersäure ausgetrieben werde; dieser Meinung war auch Morveau, während Fourcroy als weitere Bestandteile noch „alkalische, sowie gewisse fette Teilchen* annahm. Nach Lavoisier („Traite de chitnie" 1793; I, 69) ist der Zucker eine Verbindung einer kleinen Menge brennbarer Luft mit einer grossen Masse kohliger Substanz, und geht durch Aufnahme eines säuernden Prinzipes in Oxalsäure über; Zucker ist das neutrale niedrigere Oxyd eines kohlenwasserstoff- haltigen Radikals, und Oxalsäure dessen höhere Oxydationsstufe (Kopp, „Entw." 178 und 522; Schorlemmer, „Ursprung und Entwicklung der organischen Chemie", Braunschweig 1889, 12); nach Girtanner (1795) ist er „die wahre Grundlage der Oxalsäure, und zwar ein vegetabilisches Oxyd mit zwei Grundlagen, welches Kohlenstoff und Wasserstoff genau zusammen verbunden, und durch etwas Sauerstoff in ein Oxyd verwandelt, enthält". In der Gährung des Zuckers sieht Lavoisier den Zerfall des Oxydes in Sauerstoff, welcher sich an einen Teil des Kohlenstoffes bindet und als Kohlensäure entweicht, und in das kohlenwasserstoffhaltige Radikal, das unter Aufnahme von Sauerstoff in Alkohol übergeht: „Könnte man Kohlensäure und Alkohol wieder verbinden, so müsste daraus der Zucker zurückentstehen" (Kopp, „Gesch. der Chem." IV). Diese geläuterten Anschauungen fanden indes nur wenige Anhänger, während die grosse Menge der Chemiker an den älteren und geläufigeren Lehren festhielt; so z. B. erklärte Fab-' broni noch 1785 die Gährung für eine blosse Veränderung des i Ansichten über Entstehung und Wesen des Zuckers. 441 i Zuckers durch die Pflanzensäuren, Göttling (1797) Hess den hierbei gebildeten Alkohol aus Lichtstoff, Wasserstoff, etwas Kohlenstoff, und einer unvollkommenen Pflanzensäure bestehen, Wiegleb (1784) glaubte noch, die Zuckersäure (deren Identität mit Savary's Oxalsäure Scheele 1784 bewies) bestehe aus Salpetersäure, vegetabilischem Stoffe, und Phlogiston, der Zucker aber, den Lehren Bergman's (1776) und Macquer's (1778) gemäss, aus Zuckersäure, Phlogiston, und einem Ol; auch Essigsäure wurde im Zucker vermutet, da Scheele (1774) eine, bei der Oxydation desselben mit Braunstein und Schwefelsäure entstehende Substanz (die erst Döbereiner 1822 als Ameisensäure erkannte), für Essigsäure erklärt hatte (Kopp, a. a. 0.). Den Milchzucker, bei dessen Oxydation Scheele (1780), und unabhängig davon auch Hermbstädt (1782), die Schleimsäure beobachtet hatten, deutete man in analoger Weise wie den Rohrzucker als eine Verbindung von Schleimsäure, Zuckersäure, Kalkerde, Phlogiston, und Salz (Wiegleb, „Gesch. d. Chem.« II, 276, 299, 301, 336). Die erste Analyse des Zuckers rührt von Lavoisier her (1789), doch waren seine Zahlen, ebenso wie die Berthollet's (1803), zu niedrig, was angesichts der Unvollkommenheit der benutzten Methoden nicht wunder nehmen kann; genauere Resultate erhielten erst Gay-Lussac und Thenard (1810), Berzelius (1814), Gay- Lussac (1815), und Döbereiner (1822). Letzterer schloss sich auch schon 1816 in bestimmter Weise den Anschauungen Lavoi- sier's über den Zucker an, und betrachtete ihn als aus Kohlensäure, Kohlenoxyd, Kohlenwasserstoff und Wasser zusammengesetzt (Kopp, „Entw." 551), während Gay-Lussac (1814) Kohlenstoff- und Wasserdämpf, Dalton (1808) Alkohol und Kohlensäure, und Dumas und Boullay (1828) Äthylen, Wasser und Kohlensäure als nähere Bestandteile annahmen, und die Konstitution des Zuckers mit der des kohlensauren Ammoniaks verglichen (Kopp, „Entw." 551 und 299; Schorlemmer, a. a. 0. 16). Über die Ursache der Süssigkeit des Zuckers wurden, nebst den schon oben angeführten Theorien, noch zahlreiche andere aufgestellt, denen zumeist völlig willkürliche, vorgefasste Meinungen oder Voraussetzungen zu Grunde liegen; im allgemeinen begnügten sich einsichtigere Forscher damit, ihre Unwissenheit einzugestehen, oder, namentlich in älterer Zeit, den unabänderlichen Willen Gottes als Erklärungsgrund anzugeben. Häufig nahm man auch zu einer eigentümlichen dem Zucker anhaftenden „vis edulcativa" (versüssen- den Kraft) seine Zuflucht, deren Wesen aber hinwiederum selbst dunkel und geheimnisvoll blieb. I 442 Siebzehnter Abschnitt. -* H Die Süssigkeit, als hervorragendste und jedermann auffällige Eigenschaft des Zuckers oder Honigs, dürfte es veranlasst haben, dass diese Stoffe seit jeher mit besonderer Vorliebe als Beispiele bei der philosophischen Erörterung des Verhältnisses zwischen Empfindung und Aussenwelt benutzt wurden. Einige diesbezügliche Ansprüche antiker Autoren sind bereits oben angeführt worden; ein vedischer Spruch, citiert in Hartmann's „Philosophie des Unbewussten" (1872, 26) sagt gleichfalls: „auch der Syrupsaft bringt sich selbst nicht in Erfahrung, und dennoch sagen wir, vermöge der von jenem Safte verschiedenen Sinne die ihn erkennen, dass er von süsser Natur sei." In John Locke's (1632—1704) „Versuch über den menschlichen Verstand" heisst es: „Wermutsamen und Senfkörner, die das Kind von sich stösst, sind, das weiss es gewiss, nicht Apfel oder Zucker, nach denen es schreit: längst bevor das Kind den logischen Satz des Widerspruches kennt, weiss es genau, dass süss nicht bitter ist." Bei Berkeley (1684 —1753) findet sich der Satz: „Das einzige Objekt des Verstandes sind Ideen: sinnliche Eigenschaften, wie weiss und süss, sind subjektive Zustände der Seele, Sinnendinge, wie Zucker, Komplexe von Empfindungen"; bei Hume (1711—1776) steht der analoge Ausspruch: „Bei der mehrmaligen Empfindung derselben Merkmalgruppe bleibt sich das Vorstellen immer gleich: jedesmal wenn ich Zucker sehe, thue ich dasselbe, ich verknüpfe nämlich die Eigenschaften der weissen Farbe, des süssen Geschmackes, und der Härte miteinander." Ebenso sagt Kant in den „Prolegomena" (Grundzüge der Erkenntnis-Theorie, §. 19): „Dass der Zucker süss, der Wermut widrig sei, sind bloss subjektiv gültige Urteile." Selbst in einem Werke aus allerjüngster Zeit, wie Max Müller's „Das Denken im Lichte der Sprache", weiss der Verfasser kein geeigneteres Beispiel zur Darstellung seines Gedankenganges zu finden, und sagt(S. 21 und 409): „So wird Süssigkeit . . ., die fürs erste nur einen passiven Zustand des Subjektes darstellt, infolge des unserem Geiste anhaftenden Zwanges jedes Ding als Ursache oder Wirkung aufzufassen, in eine Ursache, oder in das, was wir ein ausser uns befindliches Objekt nennen, verwandelt. Statt zu sagen: wir empfinden süss . . ., gehen wir weiter, und sagen, dass dies andere ausser uns süss, Zucker, sei. Drücken wir uns subjektiv aus, so meinen wir, die Empfindung dieses Dinges, Zucker, ist von der Empfindung des Süssen, nicht von der Empfindung eines anderen süssen Dinges begleitet; drücken wir uns objektiv aus, so meinen wir, dieses Stück Zucker ist süss, d. h. es ruft in uns eine Empfindung hervor, die wir süss nennen." , Nachträge. M I. Tabelle der Jahreszahlen, die geographische Verbreitung des Zuckerrohres betreffend. Jahreszahl um 327 v. Chr. » 250 ,, „ 1 n. Chr. ,, 400 „ „ » 450 „ „ „ 600 „ „ n 643 „ „ „ 680 „ „ ., 700 „ „ ,, 700 „ „ », 700 „ „ ?) '^O )» Jl )) '": JJ ?J ., 750 „ „ ii 818 „ „ >i 827 „ „ „ 850 „ „ „ 850 ,, „ » 900 „ „ „ 900 „ „ „ 1100 „ „ „ 1100 „ „ „ 1200 „ „ 1420 „ „ um 1480 „ „ 1493 u. 1514 um 1520 n. Chr. 1524 ., „ 1532 „ „ um 1533 „ „ 1549 „ „ um 1580 ., „ 1580 „ „ 1620 „ „ Gegen« Näheros auf Seite Jenseits des Ganges 60 China 157 Ostindische Inseln (Java) 166 Kaschmir, Tibet 91 Gondisapür 91 Ceylon 167 Ägypten 133 Syrien (Damaskus) 152 Cypern 203 Cambodja 167 Sokotora 168 Marokko 143 Spanien 145 Provence 187 Kreta 185 Sizilien 144 Madagaskar 167 Andamanen, Nikobaren 166 Tyrus, Tripolis, u. s. f. 152 Tabaristan, Balch 151 Sansibar 169 Morea 185 Majorka 225 Madeira 248 Kanarion, St. Thomas 249 Domingo 257 u. 258 Mexiko 259 Kabul, Tiflis, Oxus 379 Brasilien 260 Peru 259 Provence 271 Neuspanien 259 u. 318 Paraguay 320 Argentinien 320 Gewährsmann Noarchos Fahian Moses von Chorene Ritter Mas-Latrie Abel-Remusat Massudi Dozy Reed Beer Gibbon Soleiman Soleiman Istachri; Mukaddassi Istachri Edrisi Ritter Pogolotti Barros Poschel; Knapp Kolumbus; Oviedo Humboldt Babur Handelmann Cieza Olivier de Serres Humboldt Volz Volz dEf= 444 Nachträge. Jahreszahl Gegend Näheres auf Seite Gewährsmann um 1630 n. Chr. Guadeloupe, Martinique 301 Moseley „ 1640 „ 1J St. Christoph 301 Moseley 1641 „ Barbados 301 Ligon 1664 „ Bourbon 379 Ritter 1673 „ Louisiana 320 — 1712 „ Mauritius 379 Ritter ach 1770 „ )J Japan 375 Thunberg 1785 „ Pennsylvanien 320 Poppe um 1850 „ Australien 379 Beer 1852 „ Natal 379 Ritter 1852 „ »J Madeira 371 Grisebach II. Berichtigungen und Ergänzungen. Zu Seite II: „Meilichios" und „Melodie" hängt nicht mit ,,/xiXi u zusammen; die betreffende Angabe war, wie mehrere andere des 1. Abschnittes, einem Aufsatze von Dr. M. Landau, „Die Bienen in Glauben und Brauch" entnommen. Zu Seite 13: Die Schreibweise Pometius statt Povnet hat keine eigentliche Berechtigung. Zu Seite 24: Über Soma s. noch bei Zimmer („Altindisches Loben" 1879, 63 und 272), und Just („Botanischer Jahresbericht" 1885, II, 448, No. 148). Zu Seite 33: Über den geringen, moist 2—4°/ 0 betragenden Zuckergehalt der wilden Saccharum-Arten s. Winter („Mededelingen van het proef'station Midden-Java to Somarang" 1890, 32ff.). Zu Seite 35: Das Werk von Schröter heisst: „Der Bambus und seine Be- doutung als Nutzpflanze", Zürich 1885; nach S. 18 ist Bambusa vulgaris in Amerika erst aus der alton Welt eingeführt. Zu Seite 36: Das Werk von Bentley und Trimon heisst „Medicinalplants", Lond. 1880; das von Nees „Plantao medicinales", Düsseid. 1828—33. Zu Seite 37: Es ist zweifellos, dass Harrison und Bovell gleichfalls, und ganz selbständig, den Samen des Zuckerrohres entdeckt, und aus diesem neue Pflanzen gezüchtet haben, wie dies auch Morris in Kew bezeugt („Sugar-Cane", Lond. 1890, 66 und 176). Zu Seite 55: Von Caraka begann 1888 in Calcutta eine (indische) Ausgabe zu erscheinen. Zu Seite 70: Das Manuskript No. 2327 der Pariser Bibliothek, eine alche- mistische Encyklopädio, 1478 geschrieben, und mit einem Briefe an Michael Psollos beginnend, enthält u. a. eine vermutlich sehr alte Liste dor sieben, den sieben Planeten geweihton Metalle und ihrer Derivate. Als solche dos Kupfers, x a ^ x b8, 110, 115, 117, 118, 140, 144, 151, 152, 161, 163, 167, 168, ' 176, 185, 222, 229, 230, 248, 251, 443. Edwards 37. Eginbard 178. El-Basri 122. El-Bekri 138, 140, 143. El-Kindi 121, 122, 127. Elisabeth Charlotte von Orleans 347. Lippmann, Geschichte des Zuckers. Ellis 346. El-Scherif 122. El-Temimi 126. Empedoklos 428. Ency clopedia Britannien S3, 115, 137,386,389, 391. Enwery 152. Eratosthenes 61, 63, 67, 73, 250, 254. Ercilla 269. Erskine 379. Est 27 '. Estienne 270. Estoile 272. Ethe 107, 108, 111, 147, . 430. Euripidos 9, 14. Eustathius 170. Eutrop 67. Ezechiel 132. Fabbroni 441. Fabri 239. Fabricius 65, 82. Fahian 42, 71, 91, 92. 158, 166, 443. Falcandus 176. Falke 23, 18«, 194, 195, 229, 230, 238, 244, 253, 263, 264, 265, 267, 268, 272, 278, 322—327, 331, 333, 334, 348, 349, 413. Faryes 177. Fazius 218. Ferischta 375. Ficalho 446. Fingerhuth 445. Fiorontino 232. Firdusi 129, 130. Fischart 283. 402. Fischer 171. Fitzherbert 426. Flavius Josephus 7. Flourens 407. Flückiger 15, 71, 79, 80, 86, 101,132,166,241, 242, 245, 253, 282, 288, 342, 344, 348, 379, 386, 392, 413, 414, 445, 446. Fontanier 342. Ford 277. Förster 187. Forster 33, 307. 398. Fourcroy 77, 440. Fragment v. Orleans 187. 29 f 450 Register. Franciscus 318. Francisque Michel 188, 201, 230, 235, 236, 237, 273. Frankfurter Katalog 282. Frankfurter Liste 245. Frauenlob 199. Frere Lorons 188. Fresoobaldi 202, 203, 213, 223. Freysing 278. Frischlin 279. Fristedt 341. Fritze 54. Froschuiäusokrieg 9. Fulda 402. Fuldaor Annaion 22,193. Fuchs 74, 285. Fulcherius Carnotensis 180. Gage 34, 308. aale 181. Galenos 61, «8, 71—73, 83, 84, 88, 121, 127, 135, 171, 295, 391, 397, 401. Gallicioli 202. Garcia da Orta 76, 78, 83, 84, 86, 103, 376, 445. Garcilasso delaVega259. Garenzieres 339. Gargiolli 202, 213. Gayangos 145. Gober 134, 192. Geiger 5, 6, 30, 347. Gelbcko 274, 277. Gellius 12, 123. Geoffroy 340, 436. Geoponica 72. Gerardus 79. Gerhai d von Cremona 124. Gervinus 261. Gesenius 132. Gesta Dei por Francos 180, 212. Gesta Romanorum 243. Ghistele 202, 204, 213, O 1 Q Gibbon 144, 443. Gildemeister 70, 97, 98, 123, 225. Gil-Vincente 402. Girtanner 440. Glass 62, 371. Glauber 393, 436, 439. Gloditsch 397, 398. Gmelin 381, 396. Gnäus Matius 69. Goejo 215. Goes 446. Goethe 129, 384. Göttling 44). Götz «7, 181, 132, 157, 161, 162, 183, 250, 254, 275. Goguet 131. Gomara 259. Gontier 273. Gorkom 446. Gorräus 82, 83, 105, 250, 403. Gottfried von Strassburg 197, 199. Gotthard 302, 363, 367, 398, 405. Gracian 351. Graff 201. Gregor von Tours 186, 254. Gregorio 216, 217, 255, 256, 257, 261, 361. Grierson 3!), 51, 99, 101, 103, 137. Gries 209, 350. Grimm 30, 201, 224, 281. Grimmeishausen 351. Grisebach 31, 32, 33— 38, 85, 156-158, 371, 399, 444. Grohmann 26. Groote 214. Gucci 202, 213. Gudar 123. Gudrun 198. Guicciardini 230, 263, 323. Guinizelli 162. Gumppenberg 205. Gutschmid 91. Guyard 97. Guyot de Provins 162, 188. Guyton de Morveau 362, 440. Haas 56. Hadji von Granada 147, 148, 149. Haeser 17, 18, 55, 58, 68, 70, 71, 72, 94, 124, 128, 129, 150, 151, 157, 170-173, 182, 189, 191, 192, 197, 244, 245, 285, 286, 340, 344, 348, 391, 399, 401, 431, 432, 440. Haetzlerin 200. Hafls 383. Hafiz-Dimeschki 114. Hagen v. d. 199, 200. Halachischo Schriften 132. Haies 435. Hallens 359, 439. Haller 128, 395. Hamasa 106, 107. Hamilton 132. Hammer-Purgstall 154, 382 Hamza 117, 128. Han 322. Hanbury 132, 166, 246, 379, 386, 445. Handelmann 258, 200, 261, 293, 299, 300, 303-305, 349, 416, 443. Hans Sachs 283, 392,403. Harff 85, 214, 239. Hariri 130. Harrison 37, 444. Harrys 269. Hart 153, 154, 351, 382, 883. Hartmann 442. Hartmann von Aue 188, 197, 198. Harun-al-Raschid 118. Hase 92. Hasskarl 33. Hayne 36. Hecquet 340. Heeren 46, 67. Hehn 5, 7, 14, 20, 23, 30, 67, 132, 261, 391, 396, 398, 399, 400. Heinrich vonVeldekel98. Heinrich von Weisson- see 199. Heldenbuch 198. Holmont 286, 433, 435, 436. Hcllwald 239. Hemakandra 50. Henfzner 276. Henne am Rhyn 241. Hennepin 34, 74. Hermbstiidt 388, 390, 395 — 398, 404 — 406, 441. \ I. Verzeichnis der citierten Schriftsteller und Werke. 451 Hermes Trismegistos 30. Hermoluos Barbaros284, 289. Hernandoz 74, 341. Herodot 7, 10, 16—19, 59, 97, 104, 109, 171, 250, 254, 386. 390, 391, 399. Herquet 182, 205, 207, 224. Herrera 257, 388. Herrmann 6, 339, 439. Hertz 196, 197. Hertzborg 232. Hesekiel 390. Hesiod 8. Hessler 56, 57, 58. Hesychius 24. Heydl44, 171,181,185, 193, 194, 203, 211, 212, 225, 230, 232, 247, 249, 254, 266, 393, 413. Hielm 440. Hioronymus 71. Hilali 382. Hildegard 391. Hippokrates 18, 48, 72, 171, 195, 399. Hiuen-Thsang42, 44, 50, 65, 116, 159. Hoan-yu-ki 167. Hod son 43. Hoefer 48, 70, 125, 135, 136, 140, 189, 242, 244 — 246, 286, 338, 404, 435, 438, 439. Hoermann 318. Host 34. Hotfmann 132, 28«, 318, 340, 386, 438. Hofl'mannswaldau 351. Hohes Lied 6. Holborg 363. Homer 6, 7, 9, 123. Honein-ben-Ishak 121. Hookor 34, 36. Horaz 14, 16, 19, 89, 135, 248. Hrabanus Mauras 197. Hüllmann22, 162, 163, 176, 184, 186, 187, 192, 193, 1»4, 195, 226, 229, 230, 238, 241, 242, 244, 266, 408. Hüne 306. Hufeland 340. Hugesius 318. Huilkrd-Breholles 176, 177, 197. Humboldt 25, 34, 35, 37, 38, 39, 44, 48, 59, 62, 65, 77, 78, 80—82, 104, 155, 166, 192, 225, 251, 254, 258, 259, 270, 301, 304— 308, 318-320, 327, 329, 330, 337, 341, 349, 371, 378, 388, 390, 395, 396, 409, 416, 422, 423, 424, 432, 443. Hunie 442. Hütten 282. Ibn-Abi-Usaibiali 56,57, 113, 123. Tbn-Alathir 181. Ibn-al-Awäm 147—149, 295, 391, 392, 401. Ibn-Badja 150. Ibn-Batuta 80, 104, 112, 139, 165, 212, 213, 223, 375, 380, 381, 386, 393, 396, 411. Ibn-Boithar 79,105,120, 122, 132, 135, 142, 143, 150, 151, 170, 295, 345, 397, 401. Ibn-Bessam 112. Ibn-Bothlan 143. Ibn-Chaldun 118, 248. Ibn-Chalikan »5, 111, 130, 138, 139. Ihn - Chordädbeh 118, 161, 178. Ibn-Dschamia 141. Ibn-Eltilraid 128. Ibn-el-Wardi 144. Ibn-Fatima 143. Ibn-Haukal 78, 79, 97, »8, 101.110,113,114, 117, 118. 119, 143, 145, 250. Ibn-Hedjadj 147. lbn-Jomin 382. Ibn-Imran 84, 122. Ibn-Miissawaih 120, 121, 145. Ibn-Roschd 150. Ibn-Rumi 113. Ibn-Seraliün s. Serapion. Ibn-Sina s. Aviconna. Ibn-Wahschiah 147. Ibn-Zohr 150. Ilias 5, 7, 8. 123. Indische Studien siehe Weber. lngen=Houss 436. Isidorus Hispalensis 19, 62. 71—73, 197, 401, 434. Istachri 84, 114. 117, 118. 119. 151, 250, 443. Jacob 409. Jacobus de Vitriaco 161, 180, 190. Jacquin 390. Jakut 07, 102, 109, 115, 117, 118, 151. Jambulos 66. Jaricci 343. Jasid-ben-Chaled 56. Jaubert 98, 381. Jehan de Saintre 191. Jeremias 132. Jesaias 132, 401. Johannes Damascenus 243. Johann von Würzburg 243. Joinville 236. Jordan 7. Joubert 285. Jovianus 147. Juba 62, 248. Julien 42, 159. 166. Junghans 244. Jungius 433, 435. Junius 147. Junker 393. 436. Just 444. Justi 390. Juvenal 68. 234. Kalender von Cordova 146. Kalidasa 54, 55. Kahn 388, 396. Kant 442. Kapitularien 21, 402. Katka 123. Kaufmann 327,422, 424, 425. Kazwini 107, 108, 111, 147, 430. Kedrenos 90. Kerner 69, 85, 398. Khunrath 278. 291, 340. Kirchhort' 395. Kitab al sokkar 123. 29* Register. I Klemm 2, 8, 23, 101, 104. 156. 15s, 159, 197, 241. 242, 244, 281, 343, 340, 374, 380. 381, 389, 397, 414. Kluge 30. Knapp 24«, 259, 260, 443. Kodäma 118. Kolumbus 257, 443. Kopp 48, 70, 121, 133, 134. 135, 140, 169, 191, 192. 245, 285. 393. 430, 433, 436, 439, 440. 441. 445. Koppe 390. Koran 107. 108. Kosmas Indikoploustes 71, 93, 103. Kraft 255. 380. Kremer 90, 107, 109— 120, 123, 128, 129, 134, 140, 152, 161, 254, 411, 434, 445. Krüger 37, 38. Krümitz 406. Ktesias 59. Kuangchi 386. Kuhn 24, 25, 26, 29, 55, 79. Ku-kindse-wen-fu 159. Kunckel 338. L.abat »08, 318, 326, 359, 415. Lachmann 188. Lactantius 71. Lacroix 236. Laet 34, 308. La Grange 217. Lamprecht 195. Landau 444. Lane 223. Lange 429. Langenstein 199. Langius 74. Lasinio 223. Lassberg 22, 199, 402. Lassen 25—29, 32, 39— 42, 45—50, 54—60, 65, 66, 70, 71, 80— 82, 90, 121, 131, 132, 157, 166, 167, 216, 385 Laurent 182, 223, 236. Lavoisier 340, 436, 438, 440, 441. Leber 235, 237, 251, 271, 408, 410, 413, 418, 426. Le Bon 5. Lecky 61. Leclerc 107, 120—123, 126, 128, 142, 150, 151, 164, 346. Lehsten 362. Le Grand d'Aussy 4. 21. 48, 118, 187,191,192, 215, 227, 228, 233— 238. 270—275, 301, 302, 324, 337, 342, 344, 346, 347, 366, 402. Lemery 339. 340, 430. Leng 398. Lenz 445. Leo Africanus 214. Lepsius 104. Lery, 34, 308. Lexer 198, 243. Libavius 286. 433. Liebaut 272. Liebig 407, 432, 437. Lieblein 16, 132. Liedersaal 22. 199, 402. Ligon 801, 308, 444. Lindemann 19. 62. 401, 434. Linne 342, 348. Lionardo da Vinci 431, 432. Lippert 1, 3, 20, 44, 388, 391. Li-schi-tschin 158, 159, 160. Littre 200, 201, 236, 237, 274. Livingstone 2. Livius 104. Lobedanz 54. Locke 442. Low 72, 84, 132, 147, 386, 395, 396, 401, 402. Lohengrin 199. Lohenstein 351. Lonicorus 290. Lope de Vega 350, 351. Lotter 22. Louteiro 34, 37, 78, 156, 157. Lucrez 79, 117, 429. Ludolf 439. Ludovici 340. Ludwig 319. Lüben 201, 241. Lukanus 63, 73. Lullus 192. Luther 30, 283. Macaulay 346. Mac-Culloch »0,179,275, 302, 303. 327, 329, 330, 420, 422. Macer Floridus 197. Macfadyen 34, 36, 37, 39, 79, 308, 423. Macie 77. Macpherson 275. Macquer 441. Maederjan 132, 280, 318, 340, 386, 438. Maffei 343. Magelhaens 33. Maginet 403. Magnetes 170. Mahäbhärata 44, 45. Mahmud Ibn-el-Husoin 114. Mahn 132. Maimonides 150. Maintenon 338. Makkari 145, 146, 185, 222, 249, 393. Makrizi 102, 138, 139, 142, 143, 145, 183. Makrobius 15. 19. Malpighi 435. Manardus 73, 249. 284. Mandel sloho 343. Manka 123. Mantias 08. Mantegaz/.a 5. Manu 28, 44, 47, 55. Manzi 223, 229. Marabelli 390. MarcellusEmpiricus391. Marco Polo 103, 136. 162—165, 107, 168, 211, 375. Marcianus 68. Marcus Graecus 136. Marggraf 391, 393, 394, 397, 398, 404, 439. Maria 70, 135. Marie de France 197. Marin 177 — 179, 193. 226—231, 268, 322, 413. Marinus von Tyrus 66. Mariotte 435. Mariti 104. Markgraf 293, 295, 318. &**/•■ |HH ■ n I. Verzeichnis der eitierten Schriftsteller und Werke. 453 i » Martial 12, 14. 16. 19. Mas-Latrie 183 — 186, 203—210, 222—224. 228. 234, 410—412. 441. Massingor 272. Massudi 44, 97. 106, 107-113, 116, 118, 120, 121. 137, 161, 168, 169, 250, 254. 430, 441. Matthäus Sylvnticus245, 290. Matthewes 34. Matthiolus 74, 82. Maw 387. Meder 2«3, 267, 269, 279. 413, 414, 415. Medini 51. Megasthenos 27,45,60— 63, 67, 72. Mogenberg 246. Meibornius 132. Meidinger 390. Meier 54, 160, 383. Memoires Acad. Inscript. 1S7, 225, 236. Menagier de Paris 236. Merea 277. Mesue der Jüngere 142. Metamorphosen 9. Meyen 373. Meyer 8.1, 55, 56. 60— 64. 69—71, 80, 81, 82, 92, 94, 99, 119, 121, 127. 128, 134, 151, 169, 170—173, 189, 190, 197. 245, 246. 284-28.6, 399- 402, 429—432, 434, 435. Michaud 36. 181. Michel Angelo 209. Mignan 117. Miquel 31, 38. Mischnah 132, 386. Mocenigo 226. Modus et ratio 236. Möricke 10. Mokaddassil52.161,443. Moliere 234. 238. Mommsen 7. 15, 16. 65, 66, 67, 70, 164, 186, 254, 399. Monnot 149. Monstrelet 238. Montuus 289. Mordtmann 114. Morian 362. Morier 381. Morisset 344. Morosini 239. Morris 444. "Mosehos 11. Moseley 34, 63, 127, 170, 227, 258. 259, 263, 275, 286, 295, 301—305, 339, 438, 444. Moses von Chorene 91, 92, 93, 443. Movers 132. Müller A. 56, 139, 144, 146. 150, 215, 253. Müller M. 5, 27, 40, 42, 45, 46. 442. Mulla ch 428. Mun 426. Munck 105. Mungsin 159. Muratori 176, 192. 206, 210. Murner 283, 402. Musandinus 189. Mussis 226. Mustalahat 100. Myller 199. Myrepsus 170. Nabathäischer Traktat 147, 401. Nachtigal 396. Nau - lang - tsao mu- chuang 49, 158. Nardius 318.. Nassiri Chosran 84, 102, 11«, 138,142,152,399. Navigationsakte 327. Nearchos 27. 60, 61, 63, 67, 72, 73, 82, 443. Neckam 162. Nees von Esenbeck 36, 444. Neri di Donnto 226. Neuenstadt 243. Neumayer 35. Newberry 8. Newniarch 263,274, 275. 364, 365, 368, 370, 378, 409, 420, 421, 424. Newton 435. Nibelungen 198. Nicolai 360, 398. Nicolaos Damascenos 60, 63, 121, 431. Nicols 249. Nicolson 304. Niebuhr 86, 105, 371, 380. Niesen 84. Nikander 11, 68. ' Nizämi 153. Nöldechen 34. Nöldeke 92, 109, 132, 147. Nürnberger Hochzeitsbuch 242. Nürnberger Kochbuch 281. Occo 282. Odorico da I'ordenone 80, 105, 212. Odyssee 7, 8. Osterley 243. Oetinger 280. Ohsson 164. Olearius 343, 346. Olivier de Serres 177, 227. 233, 271, 273, 391. 393, 403, 404, 405, 443. Olynipiodorus 48. Onesikritos 60, 61, 63. Ordonnances des rois 235, 236. Oribasius 70, 391. Orpheus 6. Otto 237. 255, 277. 333, 380. Ouseley 98. Ovid 9, 11, 276. Oviedo 258, 259, 443. Pagnini 218. Palissy 228, 286. Palladius 14, 117. Paücatantram 94. Pancirollus 170, 227, 250, 268. Pandekten 09. Panini 49. Pannier 288. Papyrus Ebers 17. Papyrus Rainer 133, 164. Paracelaus 285, 403, 432—434. l'arayon 367. Paruta 267. Pasch 146. l'asi 80. 215, 222—224, 268, 269. Patafljila 49. . I i ! H ■ ., I 454 Patrick Rüssel 77, 78. Pau 131. Pauli 339. Paulus Aegineta 68, 72, 73, 88, 89, 127, 391. Pauthier 158, 164. Pegolotti 80. 103, 218, 219, 222—224, 225, 229, 231, 393, 443. Pei-wen-yun-fu 159. Pentateuch 132. Percivall 436. Periplus65, 81, 82,250. Pertz 21. Peschel23, «7. 71, 161, 162. 163. 185, 186, 210, 211, 219, 223, 248, 249, 251—254, 257-259, 388, 412, 443. Peter von Dusburg 23. Peters 140, 173, 217, 228, 244, 256, 278, 279, 282. 283, 288, 292, 324, 367, 403, 413. Petrarca 172, 232. 246, 248. Petrus de Crescenliis 391, 392. Petrus Martyr 62, 258. Pfeiffer 199, 246. Philipp der Schöne 235. Phillipp 106, 163, 164. Phillippe 151. 192, 197, 236, 238, 271, 282, 338, 340, 393, 402, 403, 429. Philo der Essäer 7. Picolo 85. Pietro della Valle 346. Pigafetta 33, 378. Piloti 211. Pindar 10, 11. Pirrus 176. Piso 77. 293, 294, 296, 318. Plante 293. Platearius 84, 173, 174, ISO, 190, 392. Platen 218. Plato 11, 12, 94, 429, 430. Plautus 400. Plaz 318. Pliniua 4, 7, 12-21, 48, 62. «3-69, 73, 75. 76, 81-83, 87, 88, 123, Register. 133,134,136,171,173, 247,254,390,391,396, 399, 400, 434. Plutarch 6. Poleck 77, 78. Polo s. Marco Polo. Pomotius 13, 201, 224, 228,340,342,344,347, 352—354, 368, 395, 444. Poppe 75, 278, 205,320, 324, 328, 335, 362, 366-370, 3S8, 390, 393—398, 405, 406, 423, 444. Porphyrius 21, 67. Porta 31, 286. Präpositus 173. Praxagoras 429. Pre 288, 318. Proscott 341. Priestley 436. Priscianus 140. Priuli 252, 253. Prokopius 118. Prosper Alpinus 346. Prutzl52,171,179,181, 182, 184, 187, 189, 198, 202, 363, 411. Psellos 169, 444. Ptolomäus 66, 71. Puranas 41, 49, 55. Pyrrho 430. Pytheas 19, 399. Quatremere 107, 138, 139, 210, 345. Quiqueran 271. Raab 432. Rabelais 274. Rabener 392. Racine 234. Raimund Lull 192. Rajus 318. Rämayana 44, 45, 46. Ranmsio 105, 249, 268, 343,376,378,379,411. Ranke 265, 267, 399. Ranzano 217. Rapp 850, 351, 402. Ratzel 2, 3, 4, 12, 34, 43, 44, 89, 101. 104, 139, 341, 345, 375, 379, 389. Raumer 181, 402. Rauwolf 346, 380. Ravoisier 347. f Ray 339, 371. Raynouard 188. Räzi 84, 105, 122, 12:!, 124,125,126,128,135, 150, 192, 345, 401. Reed 34, 51, 99, 101, 103,137,145,226,231, 258,263,275.295,290, 299, 301, 328-330, 366,368,369,386,387, 413, 419, 420, 443. Regimen Salornitanum 172. Reinaud 40, 44, 93, 94, 97, 107,116,118,120, 161, 162, 166. 167, 181, 343. Reinbot 199. Reinfried von Urämisch weig 163. Reisig 325. Renan 150. Renou 338. Renzi 173. Rhanmius Fannius Pa- laemon 140. Rheede 33. Rhodes 375. Rhya 343. Richter 90. Richthofen 67, 156, 161. Ricobaldus von Ferrara 192. Ricoldus de Monte- Crucis 85, 183, 223. Rigveda 27, 29, 40. Riedesol 86, 371, 392. Riem 406. Ritter 88, 30, 43, 47, 81, 90, 92, 94,99,115. 117,118,131,133,136. 145, 156, 158-160, 164.165,170,175,176, 178,185,201,214,216. 218,226,249,250.263, 299, 343, 345, 374— 379,381,443,444,446. Roehr 62. Roehricht 194,411,412. Rössig 388, 391, 393. 396, 397, 404, 405. 425. Roger Baco 245, 431. Rogers 230, 231, 274, 275, 323, 328, 329. 344, 346, 392, 404, 409, 410, 413, 416, « 418, 420, 425, 427. ^1'- I. Verzeichnis der citierten Schriftsteller und Werke. Rohlfs 144. "Rohr 281, 818. Rohrbach 241. Rojas 850. ' Rolandino 198. Romanin 164, 177, 178, 179,181,184,193,195, 227—230, 231, 252— 255, 266—268, 322, 345. Röscher 265. Rosenmüller 132. Roth 22, 56, 195, 242, 244, 262, 266, 278, 335, 336. Rouolle 340, 439. Roxas-Zoxilla 351. Roxburgh 33, 37, 398. Royle 33, 56. Rozior 140. Rubianus 282. Rubruquis 164. Rückert 106, 107, 108, 130, 156, 243. 382. Ruollius 284. Ruisbroeck 164. Rumph 33, 35, 37, 75, 76, 78, 83, 166, 376, 377. Rumpolt 281. Ruodlieb 198. Rush 387. Byff 279. Saadi 143, 153. Saalfeld 69. Sabbatai - bon - Abraham 171. Sabliere 344. . Sachau 30, 95', 244. Sachs 403, 429, 433- 437. Sacy 107, 141. Sämund 23. Sahir Farjabi 153. Sala 340, 352, 370, 437, 438, 440. Saladin d'Asculo 246. Salernus 172. Salmasius 69, 72, 75, 76, 79-82, 83, 84, 86, 89, 101, 104, 170, 273. Salmuth 227. Salomon 103. Sammonicus 68, 401. Sandors 281, 283. Sandjahal 57. Sanguinetti 112. San-Marte 198, 200. Sansovino 177. Sanulo 212, 215, 229, 251, 266. Sartorius 220, 230, 280, 322, 413. Saussure 436. Savary 131. Saxo Grammaticus 104. Sealigor 60, 74, 286. Schack 49,110,129,138, 144_146, 173, 175, 176,179,230,350,351. Schacht 37. Schad 308. Schauplatz der Künste 358. Scheele 370, 436, 441. Schefer 116. Scheible 283, 402, 403. Scheibler 404, 405, 406, 439. Scheror 173, 184, 198, 246,267,283,301,402. Sehen- 4, 173, 188, 280, 414. Scherzer 155, 337, 374, 387, 389. Schihabeddin 376, 393. Schiking 156, 157, 160. Schiller 201, 241. Schindler 100, 381. Schlechta 130. Schlegel 46, 350. Schliomann 104. Schindler 232. Schmidt 3(i(J, 367—369, 397. Schopenhauer 351. Schorlemmer 440, 441. Schrader 81, 104, 133, 194, 399, 436. Schreckenstoin 281. Schröter 35, 444, 445. Schubarth 422. Schultz 162, 163, 195, 196,198,233,402,411. Schulze 365, 366, 407, 424, 425. Schweinichen 281. Scarron 338. Scinä 218. Scribonius Largus 63. Scultotus 340. Sedillot 164. Sendahchar 123. Soneca 12, 13, 63, 73. 455 120. Serapion 85, 86. 125, 245, 401. Serveto 284. Sestini 103, 370. Sevigne 342, 344, 347. Sextus Empiricus 430. Seydel 429. Shakespeare 9, 233, 276, 277. Sigoli 213. Simeon Seth 170, 401._ Simon Ja-nuensis 125,245. Simonsfeld 193,194,195. 238, 239, 253, 263, 265—268, 322, 408. Simon von Kahira 132. Simrock 4, 23, 24, 104. 179, 198, 200, 233, 243. Slane 95, 340. Sloane 295. Smith 350. Smithson 77. Sootbeer 409. Soleiman 161. 166, 167, 343, 443. Solmus 69, 73. Soltau 363. Soltwedol 38. Sontheimer 120, 127. Sophokles 9. Southey 308. Spiegel 24, 25, 90—94, 96, 97, 108, 120, 381. Sprengel «1, 64, 70,71, 82, 88, 122, 125, 126. 132, 150, 169, 170, 177, 189, 223, 245, 246, 284-286, 340, 344, 390, 391, 399, 403, 429, 430, 435, 436. Ssunia-siang-yu 158. Stadelmann 335 , 405, 406. Stählhammer 396. Stahl 435, 436, 440. Staricius 340. Stationers Company 275. Statius 67, 68. Staunton 373. Steinschneider 123, 124, 134. 147. 150, 171— 173. Steiler 396. Stenzler 56. Stephanos 121,170,200. Stephanus der Ältere 134. I 456 Stetten 197, 245, 277, 278 St. Martin 91. Stölzel 407, 421, 422, 424, 425. Stow 274. Strabo 4, 6, 12, 14— 19, 27, 45, 60, 61, 63, 66, 67, 69, 71, 83, 87—89, 117, 133, 135, 137, 139, 250, 251, 254, 386, 396, 399, 435. Strahlenberg 396. Suchenwirt 243. Suchier 188. Sukung 159. Sueton 69. Susruta 55—58, 80, 88, 120, 123, 392, 393. Sutras 41, 53. Sylvius 272. Synesius 48, 140, 170. Tabari 92, 93, 94, 97, 108, 109, 116, 147. Tabernämontanus 80, 287, 290, 291, 891, 392, 403. Tacitus 4, 66. Tafel 170. Talmud 132. Tantras 41. Tao-hung-king 158. Taaso 269. Tausend und eine Nacht 95, 161, 215, 216, 345. Tertullianus 71. Texeiva 343. Thaalibi 115, 119. Thebais 5. Thoogonie 8. Theokrit 10. Theophanes 90. Thoophrast 13, 40, 60 —63, 72, 81, 82, 87, 121, 123, 171, 284, 391, 396, 397, 399, 428. Thietmar von Merseburg 194. Thölden 140. Thomas 409, 410. Thomas von Aquino 234, 431. Thomson 32. Thsouly 156. Thukydides7,11, 14,79. Register. Thunberg 375, 444. Thwaites 33. Tischreden 6. Tooke 268, 274, 275, 364, 365, 368, 370, 378, 409, 420, 421, 424. Torquemada 341. Trigaultius 343. Trimberg 199. Trimon 36, 444. Triomphes de la noble dame 233. Tristan d'Acunha 379. Troili 218. Tulpius 343. Tussac 37. Tzetzes 170. Ulrici 276. Ulstedt 242. Upa -Purana-Krijajoga- sara 49. Ure 422. Urfi 382. Utuan 160. Uzzano 80, 225, 411. "Vajasaneyi-Samhita 41. Varga 286. Varro 12, 15, 16, 69, 78, 189. Varro Narbonensis 62. Vasco de Gama 376. Vauquolin 77. Veden 27, 41. Vendidäd 96. Velho 252. Venel 355. Veslingius 348. Veuves 304. Vidaure 85. Viennot 218, 234, 237. Villanova s. Arnaldus von Villanova. Vincentius Bellovacen- sis 190. Vindanionios 72, 147. Virchow's Archiv 123, 134, 147, 150, 171. 173. Virgil 10—14, 62, 276. Vitruv 117, 139. Vivien de St.-Martin 42. Voltaire 76. Volney 211. Volz21, 22,34, 133,155, 178, 226, 241—243, 257, 258. 279, 280, 320, 341—344, 346- 349,371,378,379,390, 400,402,404,413,443. Vossius 78. Vullers 101, 182. Wackernagel 195, 196, 198. Wailly 410. Walafrid Strabus 197. Wallich 33. Wallis 34. Walter von der Vogelweide 198. Wansho 159. Weber, A. 26, 27, 40, 41, 43, 45, 46, 48, 53 -56, 94,111,120,109. Weber, G. 23, 302, 305, 322, 325. Webstor 277. Weigand 201. Weil 95, 215. Weiss 69, 241, 414. Wolte 4. Wolter 446. Weltzer 4. Wernher von Tegornsee 402. Wieglob 113, 342, 362, 368, 395, 439, 441. Wilbrandus von Oldenburg 182. Wilhelm von Tyrus 181. Willis 285, 338, 438. Willoughby 295, 371, 415. Wilson 56. Winter 444. Wiso 56. Witte 232. Wittstoin 64, 341, 343— 348, 387, 391, 395— 399, 402. Woehler 437. Wönig 17, 44, 85, 104, 111, 131, 170, 398, 399. Wolff'276, 438. Wolfram von Eschenbach 198, 200, 238. Wolkonstein 243. Wolzogen 281. Wray 37, 39, 75, 369. Wüstenibldl07,123,125, 126, 141, 147, 150, 151. * TT IL Verzeichnis der geographischen und Eigen-Namen. 457 Wulfila 30. Wulfstan 23. Wurzer 440. Xenophon 15, 16. Ximenes 34, 308. Yule 83. 103, 136, 137, 163, 164, 210, 211, 409, 410. Zahlheimb 318. Zarnoke 198. 243. Zeitschrift für Biologie 2. Zeller 60. Zendavesta 26. Zimmer 25, 41, 444. Zosimos 48. II. Verzeichnis der geographischen und Eigen-Namen. Aachen 22. Abbas 113. Abhanden 111,116,118, 119, 143, 169. Abderrachman 145, 146, 150. Abessinien 2. 37, 345. Abul-Fadl 145. Achämeniden 97. Achard 404, 405. 406. Accon 152, 181, 182, 184-186, 202. Adam 108. Adamaua 2. Aden 80, 141, 168, 210, 253, 345, 376. Adherbeidschan 211. Adi-Buddha 43. Adonis 11. Adrast 6. Ägypten 37, 44, 60, 65, 71, 86, 112, 131, 133, 135, 137, 141, 142, 143, 169., 171, 173, 185, 186, 193, 202, 210. 212, 216, 218, 225, 226, .230, 237, 252—256, 267, 274, 287, 294, 345. 346, 371, 391, 399, 423, 434. 443. Äthiopien 71, 396. Afghanistan 36. Afrasiab 129. Agesilaos 16. Agesipolis 16. Aghlabiden 144. Agni 25. Aguilon 257, 258. Ahia 6. Ahwaz 92, 93, 108, 114, 115, 117, 118, 125. Aidab 210. Aires 402. Aladdin 376. Alaja 193, 212. Alba 264. Albaria 180. Albrecht I. 242. Albrocht IV r . 280. Albrecht von Bremen 242. Albrecht von Sachsen 412. Albuquerque 253. Aleppo 152, 185, 202, 346, 380. Alexander der Grosso 43, 44, 54, 59, 60, 87, 127, 142. Alexandria 70. 80, 162. 186-188, 193, 203, 205, 210, 211, 213, 220-224, 231, 253. Alfons IV. 248. AlfonsoV. 216, 218,249, 252. Alfonso VI. 186. Al-Hakim Bi-Amr-Illah 138. Ali 110. Ali-Schir 216. Alluard 398. Almagrurim 251. Almeida 253, 262. Almeria 185. Al-Muktadi-Billah 138. Amalfi 163, 171, 227. Amboina 378. Ambro 351. Amenemhat 254. Amerika 3. 34, 37, 257, 261, 293, 301, 303, 344, 387, 389, 391, 396, 417. Amida 70. Amiens 234. Amman 283. Amsterdam 264, 266, 323, 324, 328, 359, 378. Amor 11. Amoriter 6. Andalusien 146. Andamanen 166, 443. Angers 326. Angola 2. Anna von Sachsen 280. Anna von Spanien 342. Annam 165. Annobon 249. Antillen 307, 308, 318, 415, 423. Antiochia 92, 152, 181, 182. 185, 202. Antoninus Pius 67. Antorff s. Antwerpen. Antwerpen 229,230,232, 263, 264, 266, 269, 274, 278, 279, 323, 330, 412, 415. Anurädhäpura 58. Aphrodite 8, 11, 123, 170. Apollo 7. Apulien 175, 393. Aquila 400. Arabien 59. 62. 64, 66, 71, 85-87, 116, 131, 132, 160. 254, 287, 345—348, 376, 380. Aragonien 185, 284. Area 152. Arcadius 117. Archa 180. ■ Archimodes 139. Archipehigus 166. Arcona 23. Ardaschir 92, 97. Arduino 391. Argentinien 320, 443. Ariako 65. Arier 24. Arisläus 7, 12. Arkadien 7. Arlington 344. Armenien 193. Armida 269. 458 Arragän 119. Arta 269. Artaxorxes 59. Aschelia 204, 207. Aschtar 110. Asker-Mokräm 115, 119. Asna 139. Asow 212, 247. Assam 32, 157, 343. Assuan 137. Astrachan 212. Aswinas 29. Athen 399. Atienza 258. Atossa 8. Attila 20. Audhumbla 4. Augsburg 195, 197, 230, 241, 244, 262, 266, 267, 277, 278, 281, 282, 321, 322, 346, 348, 414. Augustus 18, 60, 63, 65, 60, 67. Australien 2, 379, 444. Avignon 269. 272. Aziz 142. Azoren 248, 249. Azteken 341, 389. Bab-el-Mandeb 65. Babylon 136, 137, 139. Baccanora 375. Bagdad 111, 112, 116, 119—121, 136, 142, 143, 152, 164, 211, 380. Bahia 260, 261. Bähikäs 47. Bahna 107. Bahräm-Gör 97. Balbek 142, 393. Balch 119, 151, 443. Balduin 180—182, 186, 195. Bali 167. Ballostro 258. Bamberg 392. Bambillonia 136, 163, 224. Banah 79. Barbados 301, 302, 315, 444. Barbarigo 210. Barcelona 185, 241, 244, 248, 263, 269. Bardi 218, 219. Bari 171. Register. Barkamarys 43. Baroach 65. Barocho 65, 79, 376. Bartoletti 395. Barugatcheva 65. Barukakkha 65. Barygaza65—67, 69, 79, 116, 161, 376. Basadonna 231. Basel 196, 230, 285. Bassora 83. 108,116,161. Batavia 307, 323, 348. Batley 369. Beaudricourt 234. Beaume 395. Beatrix von Neapel 241. Behaim 262, 263. Beirut 152,182, 183,202, 204, 268. Bektomur 143. Belus 182. Benares 43. Benedikt XI. 184. Bengalen 32, 39, 40, 50, 157, 159. 166, 167, 375, 376, 411. Benstedt 362. Beowulf 24. Bercy 366. Bergzabern 287. Berlin 244. 332—334, 342, 348, 359-363, 394, 405, 425. Bernhard von Clairvaux 130. Berthelot 441. Berynwall 214. Berzelius 437, 441. Bethecala 74, 82. Bhqja 54, 55. Bhrigugacha 65. Biliar 89, 158. Binän 167. Bisnaga 83. Blaubauren 279. Bligh 307. Böotion 7. Bolivia 88. Bologna 193, 215, 226, H95 Bombay 828, 381. Bongo 2, 44. Bonifacius von Mont- ferrat 36. Bonmatin 407. Bordeaux 359, 366. Borgstede 406. Bomeo 33, 43. Borre 320. Boston 345. Boucherie 366, 369. Bougainville 307. Boullay 441. Bourbon 349, 379, 444. Brabant 229, 230. Brachiano 277. Braganza 299. Brahmaputra 32. Brandenburg 331. Brasilion 103, 260, 261, 274, 293-297. 301- 305, 349, 354, 415, 423, 443, 445. Braumüller 394. Braunschweig 282. Bremen 242, 331, 348, 425. Bremer 362. Bresa 260. Breslau 238, 833, 362, 388. Brianeon 86, 359. Brindisi 171. Brisa 7. Bristol 328. Bromberg 338. Brügge 229, 232, 263, 269, 412. Brunn 836. Brüssel 278. Buddha 40, 41, 42. Bugia 230. Bulak 214. Burgund 4, .404. Burzwoih 94. Bussin 274. Byron 277. Cabot 267. Cabral 260. Cadix 229. Caesar 15, 16, 63. Caesarea 185, 202. Caffa 228. Caindu 103. Cai's 140. Calandrino 277. Calatubo 176. Calicut 165, 211, 251, 253, 376. Calydna 14. Camboy 65. Cambodja 167, 443 Cambray 266. Camula 141. Canada. 36. i II. Verzeichnis der geographischen und Eigen-Namon. 459 Canarien 62, 74, 248, 249, 257, 263, 271, 294,307,354,398,443. Candelore 193, 212,247. Canoga 375. Cantarini 207. Capverdische Inseln249. Carmer 406. Cartesius 433. Casilinum 399. Cassianus Bassus 72. Cassigny 307. Castell-Canamella 182. Caterina Cornaro 207, 209, 210. Caullsdorf 405. Cayenno 307, 319, 349. Cocrops 17. Celebes 167, 323. Cerberus 9. Ceres 10, 389. Ceuta 144. Ceylon 33, 56, 66, 67, 71,161, 163, 167,323, 349, 376, 443. Chair-Beg 345. Chalid 216. Chalid Ibn-Jezid 134. Chamein 140. Chanfu 161. Chaptal 406. Charlotte von Savoyen 234, 238. Chelles 406. ehester 274. Chicomecoate 389. Chili 320. China 34, 35, 06, 67, 71, 80, 101, 116, 136, 137, 155, 161—164, 211, 212, 228, 247, 254, 284, 287, 323, 343, 373, 375, 381, 386. 391, 398, 443. Chincheuw 165. Chiwa 381. Chorasan 84, 116, 119. Chosroüs I. 94, 95, 109. Chosroes II. 89, 97; Chosrau s. Chosroes. Chusistan 92, 108, 115, 118. Cilicion 12. Cinteutl 389. Cläre 230, 416. Claudio 276. Claudius 67, 140. Clemens V. 185. Cochinchina33,156.157, 343, 375, 379. Coeur 237. Cofity 208, 228. Colbert 325, 327, 333. Commercelle 405. Commodus 69. Constantinus Coprony- mus 72. Constantinus Pogonatus 72. Cook 307. Cooper 369. Coptos 138. Cordova 146. Cornaro 204. 205—207, 209. Correa 260. Costa 206. Coupion 208, 228. Craneo 220, 221. Croniwell 302, 327, 328. Crosley 369. Cuba 259, 305, 319, 323, 349, 389, 416, 422. 423. Cunorn 406. Cypcrn 104, 203—205, 2U8—210, 213, 215, 216, 218, 220, 221, 222, 224—228. 231, 248. 255. 268, 270, 287, 411, 412, 443. Daeosta 302. Daedalus 11. Dalmatien 269. Dalton 441. Damaskus 110, 112, 142, 152, 180. 182, 202, 203, 225, 263, 380, 411, 443. Damiette 213, 223. Dandolo 193, 195. Danzig 242, 331, 333, 248. 413. Darabgerd 151. Darcet 398. Darius 97, 104, 109, 254. Dastagert 89, 97. Defena 214. Dekhan 38. Delawaren 388. Delossert 406, 407. Delhi 375. Demorara 319. Demeter 10. Der-el-llaheri 181. Derosne 368, 369. Derotte 214. Deruty 214. DeutsoherOrdenl82,242. Deyeux 394. Deyp 214. Dhanvantari 55. Diaz 252. Diaz de Solis 34. Dieppe 251, 354. Dijon 228. Dikte 11. Dionysos 7, 9. Djanan 167. Djevian 117. Djiddah 210. 345. Djimi 141. Diordis 120, 121. Djur 2. Döbereinor 441. Dörffurt 398. Domingo 257—259, 274, 303—307, 320, 327, 329, 849, 350, 378, 388,416,423,424,443. Dom Pedro 252. Donaldson 405. Dongola 138. Doria 251. Dresden 278, 342. 344, 348, 404. Druke 309. Dschafar Essadik 134. Dscheilan 119. Dschemschid 96. Dschobbi 115 Dubrunfant 367. Dubuc 398. Dugnesclin 236. Dumas 441. Dumont 368. Düsseldorf 280. Kdessa 92. 93. Eduard I. 232. Eduard II. 232. Eduard III. 392, 409. Eduard VI. 322. Ehingen 230. Einsiedeln 285. Eisgrub 389. Elbing 333. Eleazar 235. Elephantine 17. Elisabeth (Kön.) 275, 276, 322, 426. Elisabeth von Österreich 272. J 460 Elmahdi 210. Elymais 91. England 195, 229, 230, 232, 264, 274—277, 299, 321, 323, 330, 331, 342, 344, 346, 349, 350, 364, 370, 404, 406, 407, 409, 413, 416, 422. Endry 272. Ephesus 92. Episkopia 209. Erfurt 344, 348. Eryx 11. Ethor 168. Ksther 215. Esthland 23. Ethelred 230. Euböa 215. Eurydikß 12. Euphrat 34, 108, 152. Faenza 164. Falconieri 181. Palstaff 276. Famagusta 204, 225, 255, 412. Farsistan 118. Fatimiden 38, 144. Favin 237. Fayum 140. Ferdinand 255. 280, 389. Ferondo 232. Ferrara 192, 285. Ferrer 204. Feth-Ali-Schah 381. Feucht 22. Fez 144, 248. Fialar 23. Fidelis 254. Fidschi-Inseln 3, 34. Figuior 368. Filangieri 176. Finisterre 303. Finkoner 244. Finnland 331, 365. Fiume 336. Flandern 229, 230, 231, 404. Flavio.Gioja 163. Flensburg 337. Florenz 225, 226, 247, 342, 394. Fontonelle 398. Formosa 379. Förster 307. Foucques 394. Foya 214. Register. Fra Mauro 252. Franken 404. Frankfurt 230, 238, 244, 263, 264, 282, 287, 322, 332, 333, 392. Franz I. 270, 271, 413, 426. Freiburg 197, 241, 414. Frey 244. Freya 24. Freyer 406. Freund 369. Froundschafts-Inseln 33. Friedrich II. (Kaiser) 104, 176, 177, 181, 195, 197. Friedrich II. (König) 332—334, 336, 342, 348,_ 362. Friedrich von Babenborg 194. Friedrich Wilhelm 1. 332. Friedrich Wilhelm III. 334, 405. Fuchau 163. Fugger 262, 281. Fukien 162, 165. Fulda 22. Funan 49, 158. CJadolin 367. Gaeta 171, 218. Galar 23. Galgala 182. Kalla 345. Gändhära 50, 159. Ganges 32, 39, 40. 43, 49, 65, 158, 159. 328, 443. Gardiner 274. Gaston de Foix 188. Gauda 32. Gaura 32, 39. Gay-Lussac 441. Gaza 142, 186. G eisen weiler 21. Genua 177, 179, 184— 186, 192, 193, 204, 225, 229, 232, 241, 247, 249, 263, 266, 269, 322, 412, 413. Georg von Bayern 241. Georg von Sachsen 282. Gerhard 393. Germanen 4, 21. Gersives 129. Gesellschafts-Inseln 33. Gibail 152. i Gilan 119. Giorgone 206. Glasgow 328. 329. Gnutsch 393. Goa 76. 253. Görlitz 22. Goes 260. Göttling 405. Götz von Berliehingen 195. Gomera 249. Gondisapür 91—94, 99, 101, 107, 114, 115, 119, 120, 129, 443. Goor 39. Gosbert 21. Gotha 340. Gottfried von Bouillon 179, 180. Gouadeloupo 34, 301. 302, 317, 349, 444. Gouillory 370. Graham 369. Granada 149, 225, 260. Greenock 328, 329, 366. Greenwich 276. Griechenland 84, 185, 186. Grothe 406. Guerazzi 398. Guinea 249, 257, 307. Gur 39. Gustav I. 242. Gutteridge 370. Guyana 104, 319, 349. Guy von Lusignan 203. Guzurate 79. Gyzanten 390. Haag 299. Hadrian 9, 67. Haifa 152. Hakam 146. Halberstadt 404. Halle 245, 286, 398. Hamadan 119. Hamburg 244, 266, 278, 291, 324, 330—337, 348, 360-365, 424, 425. Han-Dynastie 156. Hangenau 163. Hannibal 399. Hannover 333, 362. Haöma 24, 26. Harbcke 389. Hardan 98. Haret-ben Kaludah 107. * £»&---#;< i II. Verzeichnis der geographischen und Eigen-Namen. 461 Harrar 2. Hybla 14. 328, 377, 378, 428, Harun - al - Raschid 120, Hymettus 14. 443, 446. 161, 186, 254. Hypatia 140. Joanne d'Evreux 237, Hassan-ben-Ali 144. Hyphasis 87, 88. 413. 426. Hatvan 346. Jemen 94, 107, 112. Havelberg 383. Ibn-Sukkara 130. Jericho 182, 183, 202. Havre 330, 363, 4 24. Ibn-Tabarzed 130. Jerobeam 6. Hayne 369. Ibrahim Ilm-Mahdi 112. Jerusalem 110, 176, 181. Hayti s. Domingo. Ikonium 185. 182, 186, 203. Heidrun 23. Ilkracco 123. Jesd 211, 381. Heinrich 388, 389. lllyrien 6. Johann (Kön.) 236. Heinrich 11. 22, 270. Ilpa 24, Johann IL 249. Heinrich III. 195, 272, Indianer 8, 388. Johann XXII. 184. 273, 392. Indien' 39, 59, 64 -66, Johannes der Täufer 7, Heinrich IV. 179, 272, 69, 71, 74, 80, 84, 86, 396. 273. 87, 91. 93, 97, 107, Johann von Jülich 280. Heinrich VI. 238. 138, 137, 158, 163, Johann von Sachsen 280. Heinrich VIII. 275, 404, 166, 195, 211, 247, Johann iterorden 182, 409, 417. 251, 254, 260, 262, 204—207, 219, 270. Heinrich der Seefahrer 264, 267, 269, 278, Jonathan 180. 248, 252. 287, 293, 294, 323, Jordan (Fluss) 152, 180, Heinrich von Cham328, 343, 346, 375, 202. pagne 203. 377, 379, 380, 385, Jordan 334, 405. Hekate 9, 10. 386, 398, 426. Josef IL 336. Hektor 123. (ndogormanen 5,25 399. Julianus Apostata67,72. Heia 24. Indra 25, 26, 55. Jupiter 83. Helena 9. Indus 27, 34, 50, 91, Justinian 107. Heraklius 72, 89. 94, 97, 98, 116, 159, Hermione 9. 161. Kabul 36, i(8, 379, 443. Herrnhuter 388. Ingelheim 21. Kadesia 108. ■ Heu-Han 160. Innocenz VI. 184. Kadix 412. Hieronymiter 258. Innsbruck 266, 414 Kafta 228, 345, 446. Hildeshoün 244. Irak 380. Kai-Chosru 129. Hili 165. Irland 23, 396. Kairo 85, 135—142,180, Himalaya 32. Isaak 203. 182, 210, 213—215, Himavat 30. Isabella, von Bayern 237. 222,223,234,345,346. Hindukusch 151. Island 23, 397. Kairowän 144, 145. Hippalos 65. Isle de France 307 Kalabar 167. Hira 108. Ispahan 381. Kalabrien 83, 86, 218, Hi8paniola s. Domingo. Iswara 43. 257. Hoang-Schi 159. Ixavaaku 43. Kalah 161. Holland 230, 264, 265, Ixvaku 43, 46. Kalifornien 396. 293, 299, 321, 323, Kallisthenes 26. 327, 328, 330, 331, Jacob 206, 228. Kalmücken 3. 335, 342, 347, 349, Jakob 6. Kaluga 337. 350, 359, 362, 364, Jakobäa von Baden 280. Kama 42. 370. Jaffa 179, 185, 22; Kambyses 17. Hongkong 374. * Jakub-bon-Killis 1^ 2. Kanada 388. Honorius 117. Jala 110. Kanarien s. Canarien. Hoorn 348. Jam 96. Kandia 270. Hottentotten 3. Jamaika 302, 305, 307, Kandragupta 45. Houtman 260. 315, 349, 422. Kanton 161, 162. Howard 3Q7—370. Jamschid 96. Karakas 307, 328. Huang-Ti 157. Janotus 274. Karl 11. 302, 344. Huanka 259. Janus 205, 206. Karl IV. 226, 235, 245. Hugo I. 204. Japan 164, 323, 348, Karl V. 234, 237, 288. Hulagu-Khan 142, 164, 375, 444. 258, 260, 262, 322, Humbort 235, 402. Java 71, 166, 167, 264, 341, 389, 390. L ■ 462 Karl VI. 237, 336. Karl VII. 236. Karl VIII. 238. Karl IX. 272. Karl der Grosse 21, 178, 186. 194, 196. 402. Karl der Kahle 21. Karl der Kühne 229. Karl der Schöne 413. Karl von Anjou 192,216. Karl von Valois 192. Karmel 152. Karthago 164, 390. Kanin 92, 115. Kaschan 211. Kaschmir 91, 443. Kaspisee 38, 151, 211, 381, 398. Kasran 117. Kassel 342. Katalonien 185, 215. Katharina von Medici 270. Kattigara 66. Kaucambi 159. Kaukasus 15. Kazdär 98. Keck 287. Kefend 43. Kelbiten 144. Kentucky '68. Keos 7. Kennan 119, 212. Kettnor 241. Khoraibeh 110. Khorni 91. Kiaochi 158. Kiechha 91. Kinsay 163, 165. Kirchhoff 394. Kirke 8. Klosterneuburg 336. Klytemnästra 8. Kölbele 244. Köln 195, 230, 238, 241, 263, 264, 348, 431. Königsaal 336. Königsberg 333. Königsfelden 241. Kofi 138. Koilum 161, 165, 167. Kolossi 204, 205, 207, 212. Kolschitzky 348. Kolumbus 257, :-S89. Komnenos 170, 203. Kongo 2. Konstantin VII. 150,169. Register. Konstantinopel 70, 169, 171, 178, 183—186, 193, 194, 203,229,2H0, 233, 247, 252, 345, 346. Konstanz 241. Koppy 406. Kordofan 104. Korea 158. Kos 429. Kosseir 131, 141. Krak 182, 202. Kreta 11, 185, 204, 215, 226.289,322,392,443. Kronos 6, 24. Krumau 281. Kublai-Chan 136, 163— 165. Kuklia 204, 207. Kumaradaea 54. Kurdistan 85. Kurmark 22. Kus 138, 141, 210. Kwangtung 156. Kwasir 23. liadronen 33. Lajazzo 193, 211, 225. Lampadius 406. Landshut 241. Lanthenas 388. Laodicea 152, 180, 204. Laplace 394. La Plata 34, 294. Lappen, 3, 399. Laristan 212. Leibnitz 433. Leipzig 197, 331, 344, 348. Lemberg 336. Lemva 204. Leopold 331. Leopold von Babenbe% 194. Leo von Armenien 237. Liang-Dynastio 158. Libanon 83, 88. Lichtenstein 395. Lidwina 235. Liechtenstein 389. Liegnitz 281, 344. Lille 238. Lima 155. Limassol 204, 208. Lindow 331. Linz 336. Lissabon 229, 251—253, 260 — 268, 274, 279, 281, 293, 300, 330, 350, 412, 417. Liverpool 378. Lokman 384, 446. London 231, 244, 266, 269, 274, 275, 322, 328, 342, 368, 392, 412, 418, 424. Loredano 331. Lorsch 21. Louisiana 320, 444. Lowitz 366,367,393,394. Ludwig VII. 187. Ludwig IX. 190. Ludwig XI. 234, 238. Ludwig XIII. 328, 342, 347. Ludwig XIV. 322, 330, 337, 338, 842, 347, 410. Ludwig der Deutsche 21. Ludwig der Heilige 187, 279, 410. Lübeck 238, 242, 280. Lüneburg 280, 414. Lusignan 205, 206. Luther 267. Lyon 263, 269. Madagascar 2, 167, 379, 443. Madeira 74, 248—250, 257, 260 — 263, 268, 271, 274, 279, 287, 299, 326, 354, 371, 413, 414, 415, 443, 444. Madrid 258. Magadha 158. Magalhaes 253, 376,378. Magdeburg 22, 333, 348, 404. Maghreb 144. Magno 368. Mahdi 112. Mahmud vonGhazna40, 129 Mailand 226, 244, 412. Mainz 195, 230, 281, 331, 392. Majolika 225, 268, 443. Makart 238. Malabar 66, 79, 83, 93, 161, 165, 375, 411, 427. Malaga 120, 185, 225, 412. Malakka 161, 253, 343. 1 ^^EB PW^M IL Verzeichnis der geographischen und Eigen-Namen. 463 Mälava 54, 55. Malayen 101, 104, 157. 166. Malediven 168. Malek-Schah 138. Malhan 167. Malicha 225. Malipiero 210. Mallorca 192. Malta 185,218,270,287, 288, 871. Mamistra 182. Manieluken 215, 254. Mamun 120, 121. Mandschurei 343. Mandsurfin 79. Mangalore 65. Manganja 2. Manila 378, 379. Manka 120. Manlawy 213, 214. Mansur 111, 120, 121, 186. Mansur-Kelaun 139. Mansura 97. Manu 28. 47, 55. Manuel 184, 262. Maquette 320. Marcel de Serres 398. Marcus Aurelius 67, 69. Margaretha 277. Margat 181, 182. Marggraf 342, 348. Maria von Bourbon 206. Maria von Medici 272. Maria von Spanien 342. Maria Theresia 336. Marienburg 242, 414. Markab 152, 181. Marokko 143, 144, 230, 231, 248, 268, 271, 443. Marra 180. Marseille 186, 229, 234, 263, 326, 346, 347, 355, 358, 377. Martin 216, 307, 313. Martineau 368. Martini 207, 208, 394. Martinique301,302.307, 313, 342. 349, 444. Mascarille 338. Maschera 214. Masekan 117. Maskan 98. Maskat 151, 161. Matthias von Ungarn241. Mauretanien 62: Mauritius 349, 379, 423, Monte Cassino 171, 172. 444. Montecorvino 212. Maxi. 195, 229,266, 267. Monte Pellegrino 182. M:\zenderan 38, 381. Montezuma 341. Mazzara 175. Montpellier 186, 188, Mecklenburg 340. 189,204,270,285,368. Megasthenes 45. Morea 185, 213, 215, Mehemet-Ali 871. 226, 322, 443. Meissen 22. 282. Moritz von Nassau 293, Mekka 107, 210, 345, 298, 299. 380, 446. Moskau 337. Mekrän96, 98, 117, 119. Mossul 119. Meli 288. Motamid 112. Melissa 11. Motawakkil 121. Meloria 185 Motobijs 214. Meliteus 11. Motril 149. Melusine 238. Mounsie 274. Mendel 239. Münster 197. Mendoza 84. Muktafi 113. Menya 214. Muktadir 123. Mergentheim 280. Murrey 268. , % Merseburg 22, 362. Musa 148. Merw 84. Muskau 22. Meserkan 115. Musrikan 114, 115. Mesopotamien 92, 93, Mustakfi 113. 108, 142, 398. Muziris 65. Mexiko 38. 44, 269, 274, Myos Hormos 66. 319, 341, 389, 390, 395, 423, 443. Nablus 202. Mezieros 236. Nadira 96. Micheli 207. Nantes 326, 354. Mildway 275. Napoleon 394, 406, 422. Mimir 24. Narbonne 186, 204. Minden 333. Natal 879. 423, 444. Miniet 140. Navarra 188, 189. Mint-sing-hien 163 Neapel 171, 177, 192, Misr 137, 164. 206, 246, 269, 285, Missa 342. 286. 338. Mississipi 34, 74. Necho 250, 254. Missouri 3. Norbudda 65. Mithras 13. Nero 63. Mithridates 63. Nestor 8. • Mitra 29. Nestorianer 93, 119. Moüwiah 110, 445. Nestorius 92. Mocenigo 226. Neugranada 38. Modena 225, 226. Neuguinea 3. Modyford 302. Neuseeland 33. Mohallab 110, 445 Neuspanien 259, 443. Mohammed 106, 107. • New-Orleans 320. Mohammed IV. 347. Newyork 378. Mohtadi 112. Niederlande 195, 229 — Mokka 345, 446. 232. 264. 403—405. Mokoto 158. Nigua 258. Molukken 66, 167, 265, Nikobaren 166, 443. 323, 328. Nikosia 206. Mongolen 4, 136, 142, Nil 2, 139—141, 189, 143, 164, 211. 210, 213, 214, 254, Monreale 176. 434. 464 Register. II U ! Nimbkau 362. Ningpo 161. Njassa 2. Nöldechen 405. Nootkasund 3. Nordhauson 344. Norikum 400. Normannen 145, 171, 175. Northumberland 276. Norwegen 337. Nürnberg 22, 195, 239— 244, 262, 263, 266, 278-282, 291, 331, 335, 336, 348, 414, 415. Nubion 133. Nureddin 215. Oberlausitz 22. Obollah 93, 108, 161. Oceam'on 33, 37, 104. Odorico da Pordenone 212. Oldenburg 336. Ofen 241. Olives 295. OmajjadenllO, 111,119, 169. Oman 151. Omar 108, 109, 254. Ombrios 62. Opliir 132. Orinoko 104. Orleans 326, 354, 355, 357, 358. Ormus 83, 86, 151, 212, 253, 376. Orsoolo 178, 179. Osiris 17. Osterinsel 33, 379. Ostgothen 177. Otaheiti 301, 307. Othinan 110. Otbman-ben-Affan 107. Othreis 11. Otto' I. 22. Otto II. 22. Oxus 94, 379, 443. Padua 227, 228, 431. Pajot de Charmes 369. Paläologon 185. Palatin 212. Palermo 144, 145, 175— 177, 217, 255, 284, 411. Palibrotha 45. Pallas Athene 10. Palma 258, 371. Pan 11. Pandareos 8. Pannonion 20. Paphos 204, 208. Paraguay 320, 443. Paraibo 260. Parayon 369. Paris 234, 238, 244, 272, 276, 342, 344-347, 355, 366, 370, 406, 413, 423, 431. Parmentier 394. Parther 67. Pascal 347. Pasqua 346. Pasqualigo 252. Passy 400. Pavia 178, 285. Pelewinseln 379. Pendschab 27. 47. Pennsylvanion 15, 320, 444. Pera 185, 249. Percy 276. Perkins 405. Pernambuco 261, 298. Persien 92, 96, 97, 102. 105, 108, 115, Uli. 119, 133, 137, 151, 158, 160, 163, 164, 345, 346, 381. Persisches Meer 92, 116, 162, 212, 253. Peru 3, 259, 390, 395, 443. Peruzzi 218, 219. Peter der Grosse 330. Petersburg 336. Peter von Aragonien 216. Peter von Luxemburg 235. Petterson 242. Peyron 308. Pfalz 404, Philipp 1. 410. Philipp II. 264, 293, 322. Philipp III. 322. Philipp IV. 410. Philipp August 187. Philippinen 379. Philipp von Burgund 238. Phinika 205. Phönicien 13.1, 132. Piaconza 226. Piave 239. Piepenbring 368. Pietro a Vinea 177. Pipin 186. Pisa 80, 177, 179, 185, 180,192,204,225,229. Piskopi 204, 206, 208, 209. Pius V. 257. Platinus 236. Points 274. Pollio Romilius 18. Polynesien 2. Pommern 22. Pompejus 12. Pontus 15. Poole 369. Porto 415. Portorico 323, 423. Portugal 229, 248—250, 253, 263, 264, 273, 293, 299, 301, 322, 330, 350, 393, 420, 446. Porus 07. Pourushacpa 20. Prag 238, 330. Principe 249. Priskus 20. Procop 338, 347. Prometheus 25. Proserpina 10. Proteus 13. Proust 394. Provence 86, 173, 186— 188, 198, 215, 234, 271, 392, 443. Ptolemäus Philadelphus 01, 254. Punatja 159. Pundra 32. Puntland 131, 132, 445. Purpurinseln 248. Pytbia 10. Quäker 388. Quiloa 65. Quilon 161. Jtachia 67. Rama 46. Ramses 254. Raplmeau 366. Rasek 117. Ravenna 178. Rawal 43. Regensburg 194, 196, 244, 348. Reggio 395. IL Verzeichnis der geographischen und Eigen-Namen Regiomontanus 262. Rei 119. Restfm 117. Rheinsberg 389. Rhodus 2U6, 208, 213, 220, 221, 226, 255, 270. Riccio 269. Richard Löwenherz 162, 181, 203, 230. Richelieu 342. Eiern 397, 404. Rio de Janeiro 34, 260. Rochelle 355. Roger 1. 175. Roger IL 176. Rogior de Moulin 182. Rom 118, 269, 346, 431. Komulus 15. Rosenberg 281. Rosette 213, 214. Rotes Meer 62, 66, 210, 253, 254, 376. Roth 277. Rottengattor 249, 413. Rouelle 395. Rouen 314, 326,354,357, 359, 362, 363. Rozier 405. Rückert 397. Rüdiger 397. Rudolf IL 403. Russland 331, 336, 342, 344, 397. Ryswick 303, 326. Sabur 151. Sachsen 404. >■ Sainthill 366. Sakuntala 54. Salamis 14. Salerno 171, 172, 189, 196, 197. Salomo 132. Salomo-Inseln 3. Salonichi 424. Sandwich-Inseln 33. Sansibar 168, 443. ' Sapur 92, 96, 97. Sarazenen 179, 204. Sardinien 7, 15. Satalia 212. Saturnus 11. Saul 180. Saumur 326, 357, 359, 362. Savary 441. Savitar 29. Lippmann, Geschichte dos Zuckers. Scapin 234. Slous 229. tvo Schakar-Ab 115. Sluis 229. Schandion 214. Smith 366. Scherazäde 215. Sohar 151. Schoheristan 151. Soissons 284. Schickler 360. Sokotora 44, 131, 161, Schiras 151. 167, 253, 443. Schlalach 331. Soleiniiinan 101, 114. Schlegelholtz 205. Söma 24, 26, 27. Schlesien 404, 406. Somali 2. Schneider 280. Souza 260. Schöppstorf 331. Soyer 357. Schottland 231, 396. Spanien 145, 443. Schwaben 404. Speciale 217. Schweden 242, 337, 342, Speyer 280. 348, 362, 365. Sphakteria 14. Schwoidnitz 197, 389. Spinola 218, 249, 413. Schweinfurt 241, 414. Splittgorbor 333, 334, Schwerin 340. 360. Sebastian 277. Sse-Tschuan 159. Sedjostan 118. Stählhammer 388. Seeland 230. St Christoph 301, 302, Soleucia 93. 444. Seleukos 45. St. Croix 337. Selim 1. 254, 345. St. Dambray 235. Somista 140. St. Denis 22. Senegal 251. Stein 194. Serbaz 117. Stephansworth 21. Serbien 424. Stophen 275. Serer 66. Stettin 333. Serera 206. St. Gallen 402. Sestini 394. St. Germain 347. Sethi I. 254. St. Gilles 187. Sevilla 71, 85, 147, 229, St. Malo 359, 362. 412. St. Ouen 406. Shehr 168. Strambailli 208, 209. Shin-Nung 156. Stradanus 217, 256 .' Siain 167, 323. Strassburg 238. Sidon 152, 182, 202. Strozzi 269. Siena 225, 226. Struensoe 388. Sierra Leone 34, 251. St. Thomas 74, 249, 250. Sif 24. 263, 287, 298, 326, Sigogne 270. 443, 446. Sinai 85, 107, 210. Stuttgart 241, 245, 280. Sind 98, 116. St. Vincent 34, 260, 261. Sindbad 161. Subandy 43. Siphnos 399. Succow 366. Siraf 116, 117, 161. Sudan 2,34,104,141 345. Sizilien 7, 144, 145, 169, Suez 210, 253, 254 171, 175—179, 185, Suleiman 111. 1 186, 213, 215, 216, Sully 273. 218, 226, 230, 248, Sumatra 167, 328, 349, 255 — 257, 261, 268, 378. 287, 307, 371, 392, Sunda 166. 401, 411, 443. Sung 161, 163. Skandinavien 331. Suq-al-Ahwaz 92. Skelton 277. Süra 26. Skythen 20. Surianer 181. 30 466 Register. PM Surinam 319, 349. Sus-el-Aksa 144. Susiana 91—94,108.110, 114. Swantewit 23. Synesius 70. Syrakus 144, 216, 255. Syrien 83, 110, 142, 151, 152, 162, 164, 171, 178, 180, 183, 186, 187, 198, 202, 203, 211. 216, 220, 221, 226, 230, 254, 255, 345, 412, 443. Tabaristan 151, 443. Tabris 211. Tacitus 63. Tahiti 33, 34. Taillevant 236, 237. Taitsung 158, 159. Tamerlan 212. Tamumah 167. Tana 212, 247. Tanah 79, 116. Tang-Dynastie 159, 161. Tanger 143. Taprobane 67. Tarent 171. Tarudant 144. Taulantier 6. Tauris 211. Taylor 368. Teheran 381. Teneriffa 249. Terenut 140. Terfet 140. Terrafirma 318. Testi 395. Tetuan 34. Themistoklos 10. Thenard 441. Theodemar 21. Theodorus 177. Theodosius 93. Thevenot 347. Thopas 232. Thor 24. Thracien 7. Thüringen 404. Thurneysser 192. Tiberias 152, 182, 202. Tiberius 400. Tibet 3, 91, 103, 443. Tiepolo 193. Tiflis 379, 443. Tigris 83, 92, 101, 115, 151. Tingis 143. Tizian 266. Tömlich 393. Toledo 186, 188, 258. Tolteken 341. Toluca 390. Tonga-Insel 33. Tonkin 165. Tor 210. Torgau 397. Tortosa 152. Totes Meer 182. 202. Trommsdorf 367. Toulouse 368. Tours 355. Trajan 67, 254. Trani 171. Trapezuntl78,211,212, 247. Treviso 193. Tribur 22. Triest 336. Trinidad 207, 320, 423. Tripolis (Afrika) 144. Tripolis (Syrien) 152, 162. 180, 182, 202, 268, 443. Tsou 159. Tsin 161, 343. Tswanehau-fu 165. Türkon 193, 212, 254, 255, 267, 322, 340, 348, 380, 424. Tunguson 3. Tunis 248. Tuster 115. Tyrusl52,181,202, 443. IJdjäna 159. Uli'tzsch 396. Ulm 230, 239, 241, 244, 249, 255, 344, 380, 413. Ulrich von Württemberg 241, 279. Ungarn 397, 424. Unguon 136, 163. Urban VI. 184. Urvasi 54. Utrecht 230, 239. Vadavamukha 49. Valenia 181. Valencia 185, 231, 250, 268-270, 287, 295, 359, 371, 415. Valerianus 92. Vandebergue 358. Vararan 97. Varenne 317. Varuna 26, 29. Vasco de Gama 252, 253. Vasista 46. Vasukra 41. Vaughan 405. Vauquelin 394. Vejanus 15. Ve'loso 258. Veitheim 389. Velthusen 333. Venedig 80, 177, 178, 184, 185, 192-195. 204—211, 226, 228— 232, 238, 239. 242, 247, 249, 251—255, 265—269, 274, 279, 322, 345, 346, 367, 394, 410-415. Venezuela 262, 319, 320, 423. Veracruz 416. Vordun 194. Verona 227, 400. Versailles 337, 347. Viconza 227. Vienne 184, 235. Viglioni 211. Villach 195. Villa da reinha 260, 261. Village 237. Vilmorin 405. Vishnu 26, 52. Visvamitra 55. Vitiges 118. Vivaldi 251. Wakefield 369. Wathik 112. Weisseni'els 240. Wolling 192. Weiser 262, 281. Wertaeh 195. Wetzlar 197. Wien 194, 230, 239, 241, 266, 336, 348, 390, 414, 424. Wiener Neustadt 239. Wilhelm II. 176, 320. Wilhelm von Oranien 280. Wilson 368. Winkolmann 862. Wismar 333. Wissant 229. Wiswamitra 46. Wittenberg 398. II. Verzeichnis der geographischen und Eigen-Namon. 467 Wohlgemuth 241. Wolfenbüttel 282. Wolgast 281. Worms 22, 280. Wotan 24, 25. Würzburg 197. Wuti 157. Wyschehrad 22. Ximenes 84. 808. Yantsekiang 156. Yau 155. Yü 155. Yggdrasil 28, 24. Zaccaria 193. Zaledj 168. Zambesi 2. Zaytun 165, 212. Zeni 251. Zeno 92, 118. Zonobia 284. Zeus 6, 11. Zeus Meilichios 11. Zibith 876. Zigeunor 97. Zingis 122, 148. Zoroaster 26. Zosimus 70. Zweibrücken 285. A-Cor saccharinum 387. Ackerbau 25, 388, 399. Adiantum 398. Aeromeli 83, 84. Aethylen 441. Ätzkalk 134, 135,311. Agave 395. Ahorn 387. Ahornsyrup 387. Ahornzucker 103, 387, 388. Alaun 135, 312,315, 319, 357, 362, 367, 401. Alba comestio 191. Alchemie, 70, 133, 134. Alfeloa 350. Alhagi 84. Aihassen 86, 102, 445. Alhossar 86, 102. Alkalien 134—136, 163, 311, 315. Alkermes 340. Alkohol 125, 192, 235, 245, 270, 290, 306, 315,317,340,368,370, 398, 488—441. Almazara 145. Almond sugar 231, 425. Aloe 44, 63, 83,90, 125, 141. Alpenid s. Fanid. Alphoenix s. Fanid. Alurnen zuccarinum 224. Ameisensäure 441. Ambrosia 26, 55. Amolassarum 231. Amrita 26, 55. Analyse des Zuckers 441. Anbau des Zuckerrohres 146-148, 213, 216, 218, 255, 260, 261, 294, 371, 376. III. Sachregister. Apotheken 129, 196, 197, 236-238, 241, 244, 245, 271, 273, 279,281,282-285,287 —291, 338, 403. Apothekenschau 244, 245. Apotheker-Taxe 197, 241, 271, 273, 282, 352, 348. Aqua auri 192. Aqua siclae 401. Aquavit 242. Arabischer Stein 88. Araeomoter 140. Arak 47, 323, 388, 380. Arenga 385. Arroba 248. Arten dos Zuckerrohres 38, 39. Arundo sagittata 34. Asava 47. Asclepias 25, 28, 58,396. Atome 428, 429. Ausbeute beim Raffinieren 210, 327, 364, 366, 412. Axika 29. Bärenklau 396. Bagasse 294, 307. Bambillonia-Zucker 219, 222, 223, 225. Bambus 35, 37, 60, 69, 76, 77, 79,90,91,101, 106, 156, 444, 445. Banane 395. Barili 222. Bassia latifolia 47, 58. Bastern 311, 358, 363, 418. Baumwolle 59, 62, 81, 90, 133, 150, 222, 224, 227, 233, 268. Becheribrm 105, 149. Benit s. Fanid. Besant 410, 411. Bestandteile d. Zuckers 438—442. Beta 398. Botula 396. Bewässerung des Zuckerrohres 39, 115. Bholi 52. Bhura 52. Biene als Symbol 20 Bienen im Volksrechte 21. Bienensegen 21. Bienenstöcke 12, 21,22. Bienenzucht 7, 12, 426. Birkensaft 396. Blancmanger 191. Blanco 306. Bloiessig 369. Blüten d. Zuckerrohres 36, 37. ' Blut zum Klären 824, 356—360, 394. Blutmeth 24. Borassus 385. Boutre 208. Bior 112. 275, 290, 349, 350, 370, 391, 392. Brauner Zucker 53, 122, 126, 127. Brauttrunk 29. Brautzucker 281. Briofdionst 178, 193. Brioftaubenpost 142,211. Brode Zucker 103. Brodform des Zuckers 104, 105, 227, 228. 468 Register. Brodzucker 187, 191, 193, 202, 204, 210, 218—25,230,231,236, 250, 282, 313, 354, 371, 411-416, 420. Bruggia 220. Bueare 319. Buntpapier 357, 362. Byssus 81. CJaffetino - Zucker 219, 222, 223, 225, 231, 236, 416. Cagassa 294. Cahovot 347. Calamelli 180, 181. Capillairsyrup 395. Carkarä 44, 50. Caryota 385. Cassata 145. Cassonade 223,273,316, 353 Cassons 231, 426. C'eratonia 396. Chabis 107, 112, 141. Chaki 52. Chancaca 320. Cheb 181. Che-Che 158. Chekverkehr 116. ChS-Tang 159, 160. Chhoa 52. Omni 52. Chischti 375. Chokolade341,342,347, 349, 417. Chokoladen-Surrogat 342. Christentum 20, 21. Chronologie Indiens 40. Chypre 354. Cidhu 48. Ciaret 190, 196,200,237, 242, 288. Ciaret claratum 196. Cocospalme 385, 386. Comfits 231, 425, 426. Confetti 129. Coppia di zuchero 222. Cubbeita 145. Cucurucho 306. Cyperwein 196. Dampf 365, 366, 367. Dattelhonig 386. Dattel wein 111, 112. Daucus carota 397. Docken des Zuckers 136, 174, 295, 314, 316, 318,358,360,369,374. Deckkläre 358. Destillation 48, 71, 125, 134, 169, 227, 317, 358, 438, 439. DestiÜierer 47. Diabetes 393. Diapenidion 124, 174, 191, 231, 245, 274, 290. Differentialzoll a. Zucker 325, 226, 421-423. Dinar 109, 411. Dirhom 109. Djudabah 113, 114. Donmaschino - Zucker 219—225. Donmaschino afatato 225. Doolo' 137. Dragge (Dragees) 231, 274, 425, 426. Drageoir 234. Drosomeli 83, 84. Duftkügelchen 129. üulloah 137, 160. Durrah 390, 391. Duschab 111. Eindicken des Zuckerrohrsaftes 44, 51. Eindicken des Saftes durch Ausfrioren 387. Einmachzucker 418. Eis, künstliches 113. Eistransport 142. Eiweiss 88,135, 141,209, 224,273,286,297,316, 353,356,359,360,367, 374, 377, 387,394,397, 423. Elaicmieli 83. El-Kand 123. El-Oschar 86. Endosmose 437. Endreim 172. Engenho 261, 300. Englisch-Ostindische Gesellschaft 328. Entfärbung 367, 368. Entstehung d. Honigs 18. Epicier 233. Epices 234, 237. Erfindung des festen Zuckers 50. Ernährung der Pflanzen 429—437. Erstehungskosten des Zuckers414-416,423. Essigsäure 441. Etymologie von Honig und Moth 30. Euphorbien 62, 86. Fabrikaticms - Kosten 306, 317. Fabrikations -Verfahren 51, 133, 136, 149, 174, 182, 183, 189, 249, 294, 296, 306, 308, 318, 319. Fälschungen 244, 246, 267,278,324,357,377. Faludadsch 112. Fanid 98,100—102, 115, 117, 120, 122—126, 170, 174, 191, 200, 224, 231, 242, 271, 282, 290, 359, 425. Farin 360. Farin da seiloppi 225. Feinsyrup 315, 316, 358. Feronia 58. Ferula 62. Festor Zucker 50, 89, 97, 98,120, 137, 159, 176, 379. Festuca 397. Feuer zum Eindicken des Saftes 44. Filter, 19, 368. Fleischnahrung 1, 3, 5. Fiorino 410, 411. Fondaco 194, 211, 239. 266, 322. Fortpflanzung der Bienen 12. Früchte des Zuckerrohres 36, 37, 88. Fruchtweine 141. Füllmassen 208,249,312, 316,317,373,378,379. Fungus Molitensis 288. Währung 4, 435, 438, 439, 441. Gährung des Honigwassers 4, 5. Gaggeri 58. Gagori 58, 385. Galle aus Zucker 191, 339, 286, 289, 401. Garn 105. Garapa 295. Gas sylvestre 435. Gauda32, 47, 50,53,106. Gedeckter Zucker 812, 313, 320. Gegohrene Getränke 47, 125. Gehonigtos Bier 22. Geister 433, 434. Geldwerte 109, 200, 265, 408—410. Generatio aequivoca 434, 435. Gerbsäure zum Klären 135, 423. Gerla 391. Gerstenzucker 102, 359. Gestalt der Erde 71. Gewürze in Rom 66. Gewürze und Zucker 124, 125, 191, 19C, 241. 242, 420. Giftiger Honig 15, 58. Glühwein 196. Golaur 52. Gold (mystische Kraft) 28, 29, 58, 128, 192. Goldsuppe 230. Gold wasser 191. Goor 51, 137. Grünsyrup315, 358, 415. Guarapo 295, 319. Guildive 317. Gula 47, 50, 160. Gulabatu 165. Guraur 52. Gurpalta 137. Gyps 312, 818,*868, 369. Halophyten 398. Halwa 110, 111,139,350. Hamec 340. Handel 116, 161, 105, 179, 182-186, 194, 195, 203, 204, 206, 211, 212, 218, 220, 229, 238, 239, 241, 247, 252, 253, 259«- 268, 275, 293, 299, 302, 305, 321-327, 331, 336, 349, 304- 300, 378. Handels-Dispens 184. Handels-Privilogion 179, 185, 180, 228, 232, 322, 422, 427. Handels-Verbote 184, 259, 204, 299, 322, 332,383,335,336,342. III. Sachregister. Handels-Vorträge 178, 185, 237, 247. Hansa 230, 232, 239, 263, 321, 322. Haoscer 86. Hedysarum 84. Heimat des Zuckerrohres 31. Horacleum 390. Herkunit des Honigs 13. Hiang-Tang 160. Hibiscus 423. Himmelstau 13. Hippokras 196, 235,237, 238, 273, 288. Holländisch-Ostindische Compagnio 264, 323, 324, 343, 344. Holländisch - Westindische Compagnio 299. Holzkohle 866 — 308, 394, 397, 406. Honig, 1, 444, 445. Honig als Abgabe 22. Honig als conserviren- des Mittel 10.173,351. Honig als erste Nahrung 6, 29. HonigalsGeschenk6,107. Honig als Medizin 17, 18, 68, 71, 107, 124, 134,150,170,172,173. Honig als Symbol 20. Honig als Tauschmittel 3, 6. Honig als Zehnten 21. Honigdachs 2. Honig-Gattungen 14. Honig-Getränke 18. 111, 170. Honig-Handel 23. Honighändler 14. Honig in derAlchomie 70. Honigkuchen 9, 14, 17. Honigmost 170. * Honig ohne Bionen 00. Honigschau 278. Honigstein 88. Honigtau 23, 60. Honigtrank 5, 0, 84, 110, 170. Honigvogel 2. Honigwasser 2, 18, 110. Honig zum Gottesdienst 20. Honig zu Kulthandlungen 8—10, 10, 29, 109, 281. 469 Honig zum Opfer 8 — 10, 16, 17. Honig zur Speisenbereitung 14, 10, 215, 220, 230, 349, 350, 351, 420. Hosar 86. Hundskohl 396. Hut Zuckor 223. Hyacinth 340. Hydrorosaton 170. Ikratameli 396. Imudsch 100. Indigenat des Zuckerrohres 34, 36. Indigo 82, 87, 101, 103. 122, 307. Indische Chronologie 40. Indische Medizin 54, 55, 93, 107, 120. Indisches Salz 72, 73. Indo-Chinesischer Handel 116, 161, 165. Ingwer 49, 83, 90, 108, 111, 124, 133, 141, 191, 196, 227, 230, 231, 233, 235 — 237, 240- 242, 267, 273— 275, 425, 426. Internodien des Zuckerrohres 39. lspodio 80. Ixu 46. Jagara 386. Jaggery 58, 385. Johannisbrot 396. Kädi-Bissen 112. Kältemischung mittelst Zucker 438. Kaffee 127, 233, 341, 345—849, 417, 422, 446. Kattee-Surrogat 348. Kakao 341, 342. Kalam 101. Kaliumcarbonat 134, 135. Kalk 134, 135, 287, 311, 313, 315, 318, 353, 356, 358, 359, 373, 387,406,423,439,440. Kalmus 132. Kameldorn 84. Kan-Che 158. 470 Kand 50, 100, 105, 117, 123, 375, 376. Kandiszucker 136, 137, 164, 170, 191, 202, 210, 220, 224, 225, .231, 236, 242, 250, 268. 274. 276, 282, 284, 286, 289, 291, 317, 322, 325, 335, 340, 354, 358, 359, 360, 366, 374, 377, 381, 411, 413, 418. Kantaraka 46. Kapilha 58. Kavob 396, 446. Koteif 112, 113. Kegelform des Zuckers 104,105,227,296,297. Keratameli 396. Khanda 50. Khaur 51, 52, 137. Kildevil 317. Kistenzuckor 223. Klären, s. Blut, Eiweiss, u. s. f. Klärmittel 368, 369. Klibanos 104. Klima, für Zuckerrohr geeignetes 38. Klumps 305. Knochenkohle 368, 377. Königszucker 316, 317, 354, 357, 415. Kochrezepte 240. Kochungen 62, 284, 285, 428, 429. Kochzucker 435. Kohlensäure 435, 436— 438, 440. Kohlrüben 398. Kol 52. Kolhu 52. Kontinentalsperre 394, 395, 422. Krouzzüge 118, 179— 181, 183, 185, 195, 203, 212, 230. Krystallisation 136,139, 286, 367, 439. Krystallzucker 51, 187, 193, 202, 204, 206, 208, 220 — 222, 225, 231, 236, 239, 411 — 414, 416. Kuchenbäcker 15, 187. Küchenzucker 418. Kugelgestalt der Erde 251. Register. Ijäuterpfamien 366. Lävulose 394. Laminaria 397. Landesvermessung 109. Lautertrank 196. Lebenskraft 437. Lebensmittel-Kontrolle 242. Leberblümchen 403. Lebkuchen 245, 278. Legende von Buddha 42. Legende über Zuckerrohr 43. Leoninische Verse 172. Liebeszauber 41, 42. Liköre 270, 271, 338. Liquoritia 426. Lira 410. Ltt 196. Livre parisis u. tournois 410, 411. Lomps 305,358,418,425. Lotsa 2. Lotus 170, 171. Lumpen 305,360,361-364 Lupinen 391. Luxus66, 110—113,141, 145,152,186,187,192, 195, 226, 235—238, 242, 268, 270, 278— 276, 278, 288, 289. Luxusgosetzo 16, 226, 242, 268. Luxussteuern 118. Magister Sackcherarius 177. Magnetnadel 162, 163, 227. Madhudhuli 50, 137. Madhuka 47. Mädhvi 47. Madi 111. Maguey 390, 395. Mahähärata, Bearbeitung 45. Mail 52. Mairoya 46, 47. Mais 3,35, 36, 388—390. Maissyrup 390. Maiszucker 389, 390. Makronen 231, 426. Malasse 354. Malzzucker 397. Mangold s. Rübe. Maniok 2. Manna 83—89,104, 127, 246,370,392,426,445. Manna coeli 85. Mannagras 397. Mannagrütze 397. Mannaklee 84. Mannaschildlaus 86. Manu, Bearbeitung 46. Marmelade, 271, 273— 275, 426. Marzipan 216, 224, 226, 231, 232, 268, 272— 274, 279—28" 288 290, 426. Massara 145, 176, 181. Matsjandi 50. Meergras 397. Melado 369. Melasse 51, 52, 208,209, 215,222,263,288,306, 317, 354, 369, 370. Melis288, 360,361,363, 364, 406. Melitinus 87. Melonensaft 397. Mel silvestre 180. Merkantilsystem 325. Meth 5, 17—25, 30, 47, 111, 196, 200, 290. MethodischeAuslaugung 445. Methuen-Vertrag 299. Milch (Mehlzucker) 126. Milch zum Klären 102, 127, 141, 160, 387. Milchstein 88. Milchzucker 395, 441. Milica 391. Misri 137, 164. Mi-Tang 160. Mithridat 340. Möhre 397, 398. Mohallabijjah 110. Mohrenhirse 390. Montejus 367. Moräz' 196. 200. Morinda 29. Moscovado223, 224,277, 295,298,353,354,358, 359,371,418,420. MostalsHonig-Ersatz 15. Mucchera-Zucker 219, 223, 225. Mühle für Zuckerrohr 52,117,160,214,217, 257—261, 253, 423. Musa 395. Musoiatto - Zucker 219, 222, 223. Muskera 418. JTaMt 101. Natriumcarbonat 134. Natternkopf 403. Naturalabgaben 109, 118, 119. Nauröz 95, 96, 107. Nimphool 51. Ni-Tang 160. Nitron 184, 186, 174. Nucatula 145. Oblaten macher 187. Obstwein 4(i, 47, 112, 187, 196. Obstzucht 20-'!. Ölpresse 7. Oinomel 170. Omphakomel 170. Opfer-Ceromoniell 27, 28. Orange 85, 156. Orienthandel 211. Orseille 248. Oschar 86. Ostindiseher Zucker 265. Otaheiti-Rohr 307. Oxalsäure 440, 441. Oxyzuccara 173, 191. Paisthi 47. Palmblättor 223. Palmwoin 17, 47, 59, 66, 67, 71, 166. Palmzucker 58, 354, 377, 385, 386. Pamolzucker 297, 298. Panid s. Fanid. Pani rifatti 219. Panocho 89. Papolon 318, 319. Papiergeld 104, 165. Parmolia 85. Pastinake 397. Penidium s. Panid. Perled sugar 231, 425. Persisches Rohr 110. Pfannenzucker 359.' Pfeffer 66, 69, 82, 90, 125, 141, 195, 196, 198, 227, 233, 237, 239-244, 266, 267, 277, 426. Pfefferkuchen 278. Pflanzennahrung 1, 2. Phani 50, 98. Phanid s. Fanid. Phanita 50, 98. Phlogiston 435—441. III. Sachregister. Phoenix silvestris 385. Piment 196. Ping-Tang 160. Plantagen 114,182,249, 300, 304, 324. Plain-sugar 418. Polveres.Krystallzucker. Polvore dezamburade 208. Portugisisch -Brasilische Compa-gnie 299. Portugiesische Pastillen 340. Porzellan, in China 166. Po-sha-tang 160, 162. Prasannä 49. Preissteigerung 409.417. Presse für Zuckerrohr 160. Pressmühle 52. Privilegien 228, 282. Puderzucker 363. Pulque 390, 395. Pundra 46. Punsch 47. Puntfahrten 131. Qualitäten-Theorie 121, 428—431. Quobrado 306. Quockenwurzel 397. Quintessenz 285, 291, 432, 483. Rab 52. Raffinade 224. Raffination 102, 103, 136, 137, 163, 208, 210, 218. 228, 229, 256, 268, 274, 277, 291, 297, 316, 324, 328, 329, 330, 331— 337, 352, 355, 359. 361, 371, 374. Raffination, Erfindung 227, 228. Raffinations - Verbote 305, 326. Raffinations - Versuche 366, 422 Raffiniren 224. Rak 47. Rämäyana, Bearbeitung 45. Rapadura 103. ■ Ras 52. Rasäla 46. Räwa 52. 471 Reichsbiongarten 22. Reim 172. Reis 46, 47, 57, 65-67, 88, 89, 112, 114, 120, 124, 151, 156, 157, 160, 166, 168, 216, 236, 240, 324. Rohrhonig 60, 61, 63— 68, 76, 81, 82, 90,126. Rohr-Manna 89. Rohzucker - Bereitung 31, 44, 99, 100, 133. 136. 149, 158, 159, 166, 174, 180—183, 189, 209, 214, 217, 256, 294, 296, 301, 802, 306, 308, 318, 819, 371, 373, 377. 378, 446. Ronchosura 71. Rosäton 111. Rosonsyrup 121, 122, 127, 141, 147, 173, 174, 177, 190, 245, 246, 340. Rosenzucker 124, 150— 158, 170, 173, 174, 188. 191, 224, 225, 230, 286, 242, 245, 246, 274, 286, 340, 380. 425. Rotl 222. Rüben 236, 398—407. Rübenkuchen 402. Rübensyrup 404—406. Rübenzucker 365, 366. 404—407, 424—427, 437. Rückvergütung 325— 329, 832, 361, 365. 422, 424, 425. Rührwerke 139. Rum 47, 270, 271, 803, 327,338,354,358,359: Runkolrübe s. Rübe. Sabunijjeh 141. Saccharum-Arten 31,32. 444. Saccharum farinaceum 282, 288. Saccharum lucidum 289. Saccharum misicollu- neum 282, 28*. Saccharum turbinatum 282, 290. Sackfilter 368. Saftrcinigung 423. 472 Register. Saftpumpen 360, 367. Sakeharon 64, 65, 68, 70—73, 76, 81—83, 87—89, 125, 127,444, 445. Sakkara 44, 49, 52. Sakkar-Mambu 76,77,81. Salpeter 239, 423, 438. Salz 1, 2, 3, 103, 104. Salzbüto 228. Samen des Zuckerrohres 236—238, 444. Sarcostema 25. Satire aut die Medizin 128. Satto 375. Sauconmacher 237. Sauciren des Tabaks 370. Sauerhonig 18. 19. Sauerstott 436,437, 440. Schakar 100. Schatang 159, 160, 165, 375. Schaukelpfannen 366. Schaumwein 272. Schoker 100. Schiffbau 163. Schiftinühlen 118. Schirquest 83. Schleichhandel 304. Schleimsäure 441. Schloimzueker 394. Schmelzlumpon 361,364. Schnee-Magazine 203, Schöllkraut 403. Schöpfräder 139. Schraubenpumpen 139. Schule von Salerno 171. Schwefel im Zucker 437, 438-440. Scot 414. Seidonkürbis 397. Seiherpresse 369. Seilpfanne 366. Solkä 401. Sensale 211. Sharkari 385. Shimi 158—160, 165. Silberahorn 388. Silberwährung 409 Siegwurz 403. Signaturen 403. Silk 401. Sinopel 196, 200. Sirop imponderable 395. Sitopala 50. Sium sisarum 391. Sklaverei 257-260,298, 300, 304, 306, 317 327, 388, 423, 424. Solimanisoher Zucker 100, 101, 120, 122 126. Sömaopfer 26, 27, 28 444. Sömapflanze 25, 28, 444. Sömatrank 24, 26, 28 444. Sorbet 112, 152. Sorghum 2, 34, 46, 44 390, 391. Spielarten des Zucker rohres 38, 39. Spiessgias 311, 312, 313 Spodium 79. Stärkozucker 394, 395 Stammform des Zuckerrohres 33. Stampfbrode 225, 317 357, 358, 360. 369. Staubzucker 418. Steckrübe 398. Steinhonig 50. Steinkohlen 836, 355, 360. St. Elmsfeuer 434. Steuer auf Bier 112. Steuer auf Biswasser 113. Steuer auf Fabriken 118. Steuer auf Mühion 118, 145. Steuer auf Thoe 343, 344. Steuer auf Zucker 163, 164, 175, 176. St. Rochus-Zeltchen 340. Stückzucker51,137, 376. Sucre terre s. gedeckter Zucker. Sucre tors 200. Süssholz 58, 101, 103, 279.301,392,426,446. Süssigkeit des Zuckers 441, 442. Süssmais 390. Suezkanal 253, 254. Süra 26, 28, 49, 386. Syringitis 87. Syropel 196. Syrup 51, 52, 58, 141 142, 146, 151, 170 172, 174, 176, 189 191, 208, 215, 222 225,. 235, 245, 250 257, 263, 268, 271 273, 282, 284-288 290, 295, 312, 314 317, 327, 338, 354, 358, 360, 364, 369, 375, 379, 426, 445. Syrupschau 278. Tabarsad 101—103 120-126, 142, 170, 282, 287, 359. Tabaschir 76—83, 86 88, 89, 122, 125, 127, 150, 294, 445. Tabarzeth s. Tabarsad Tabu 166. Tafelluxus 16, 111. 112 Taft'ia 317. Tala 67. Tamariske 85. Tang-Chuang 159. 160. 'Pari 47. Tauschhandolm.Zuckerrohr 166. Terenjabin 83—85. Terra melitensis 288. Thauhonig 60. Thoe 157, 233, 841, 343-847, 349, 417. Theriak 63,210,340,403. Thonerdel35, 367—869, 423. Thonerde zum Decken 295, 297, 306, 314, 356, 357, 360, 362, 369, 374. Thonformen 311, 356, 359, 362. Tithymallos 86. Toddy 47. Toleranzedikt 322. Traganth 335. Transportkosten 204, 281, 412, 413. Trappeto 217, 256. 258, 309. Traubensyrup 118. Traubonzucker 139, 898, 394. Triticum 397. Trockenstuben 357, 370. Tschai 343. Tubo 166. Übersetzungen ins Arabische 120, 121. Umkochen des Zuckers 208, 250. Umschiffung Afrikas 250—252, 254. Ursprung dos Feuers u. Göttertrankes 24, 25. Urzeugung 434, 435. Uschtorgras 84. Vacuum 367. Valenz-Zucker 359. Varietäten des Zuckerrohres 38, 39. Voden 41. Veilchen und Rosen für Wein 19. Veilchensyrup 121, 122, 146, 174, 177, 190, 245, 425. Veilchenzucker 124,151, 173, 174, 177, 188, 191, 224, 225, 230, 236, 243. Venushaar 395. Verbot dos Raffinirons s. Raffinationsverhot. Vorbot des Zuckerrohr- Anbaues 305. Verpackung dos Zuckers 222, 239, 264. Verwildertes Zuckerrohr 35. Verzuckerte Früchto u. Gewürze 191,196,202, 215, 225, 229, 233, 234, 236, 239, 242, 268, 270—273, 275, 279, 280, 282, 288, 289, 335, 338, 340, 380, 381, 425, 426. Vinum saecatum 19. Vis edulcativa 442. Wachs 20, 21, 23. Währungs - Verhältnis 409, 410. Wärmobindung 438. Waffelbäcker 237. Walkerordo 295, 369. Waren - Versicherung 193. Wasserbad 70. Wassermühlen 117, 309, 319. Wasserräder 139. Weinbereitung 44. Weltoscho 23. Welthandel 261, 262, 321, 385. Weltmeere (die sieben) 49. III. Sachregister. Wesen des Zuckers 438—441. Wilde Saccharumarton 32, 33, 444. Wildes Zuckerrohr 33, 41, 308. Windmühlen 118, 309. Würzweine 19. Wundorkraft des Goldes u. Silbers 29. Yggdrasil 23, 24. Zamburri208,209, 220, 221. Zechine 410, 411. Zoidolgoricht 22. Zeidelwoson 22. Zeremoniell beim Somä- opfor 27, 28. Zeremoniell b. Zuckerrohr-Ernten 52. Zeremoniell b. Zuckerrohr-Pflanzen 51. Zichorienkafl'oo 348. Zinopol 196. Zucker-Ahorn 3, 75,103, 387. Zucker als Geschenk 143,187,193,203,210, 234, 372, 375, 381. Zuckor als Gift 318, 339. Zucker als Mastfutter 422. Zucker als Mörtol 58. Zuckor als Steuer 118, 119, 205. Zucker als Tauschmittel 372. Zuckor als Zahlung 206, 207. Zuckerbäcker 193, 241, 278, 350. Zucker bei Festen und religiösen Zeremonien 53,153,193,235, 241, 275,279,280,281,375, 380. Zucker beim Biorbrauen 370. Zuckerdosen 335, 338. Zuckerenquöte 302, 303. Zuckererde s. Thonordo. Zuckeressig290,378,439. Zuckerfabriken 114,115. 117,140,145,149,158, 163, 174, 176,177, 180 — 185, 202, 209, 213, 473 214,217,241,249,256, 259,261,294,290,301, 306,308,318,319,371, 373, 377, 378. Zucker für Speisen und Getränke 141, 142, 152,187,191,190,215, 216, 226, 233, 230— 238, 240, 241, 268— 276,279,280,288,335, 338, 374, 375, 381. Zuckergeist 340. Zuckorhandol 116, 119, 142,144,165,179,182, 187,192,193,204,205, 212,218,226,227,230, 239,241,247,255,259, 261,265,268,269,296, 300,302,325,326,327, 329,331,336,337,364, 365, 366, 378, 381. Zuckerhirso s. Sorghum. Zuckerhüto als Wappen 298. Zucker in derMedicin57, 103, 120, 122, 124— 128, 141, 150—152, 170,174,175,189,191, 235—238, 273, 279, 282—291, 338—340, 380. Zucker-Karawanen 180, 181. Zuckerkrankheit 393. Zuckor - Lieferurigs - Vertrag 207. Zuckermeister 177, 208, 248, 249, 25S. Zuoker-Monopoll89,275, 333, 336, 425. Zucker-Prämieii824,326, 327, 365, 422. Zucker-Preise 267, 268, 274, 333, 884,876,888, 408. Zucker-Produktion 297 —306, 320, 322, 327, 864, 371, 423. Zucker-Raffinerien 114, 115,117,136,138,145, 146,163,202,208,210, 218,263,264,274,278, 291, 324, 328-337, 352, 355, 359,3,61,371. Zuckerrohr 2, 3, 38, 51, 53,66,67, 80, 91, 93, 95, 98, 99, 107—110, 117,122,126,131,132, 474 137, 141, 144—151, 154, 156—159, 165, 168, 177, 180—182, 185, 187, 202—205, 208,209,213,214,216, 218,230,248,249,255 —261, 269, 278, 287, 294, 297, 300, 307, 308,318,320,359,371, 375, 376, 378-381. Zuckerrohr als Liebeszauber 42. Zuckerrohr ak Tribut 49. Zuckerrohr ind. Medizin 54,57,93,99, 124,127. Zuckerrohr-Müh lo 52, 140, 152, 160, 185, Register. 204,249,294,297,309, 353, 376—378. Zuckorrosät s. Roson- zucker. Zuckersäure 440, 441. Zuckorsortnn 231, 282, 287, 352, 357, 359, 360, 363. Zuekcrsteuor 145, 163, 164,176,210,217,297, 327, 332 333. Zuckorvcrbrauch 231, 274—276, 279, 327— 331, 337, 349, 350, 363,378,421,424,425 Zuekurviolät s. Veilchen- zuckor. Zuekorwork 110—113, 139,141,143,145,150, 152,170,175,193,196, 216,224,226,231,232, 236-238, 268-276, 278-281, 288, 289, 335, 338, 350,37:!,375, 380, 425, 426. Zuekerwurzel 391, 400. Zuckerzü]lol78,187,192, 193,225,231,236,258, 261,263,264,298,303, 325,326,329,332,333 364, 365, 378, 420— 425, 445. Zwischenknoten des Zuckerrohren 39. Messe & Becker in Leipzig, (rtw/r. Anst ■ r. Körner ä,- Dietrich , Ififiiig. ngsbezirke des Zuckerrohres. Dahe stait Chorasan Sdttras X __ — ^ lermau Sejestan Ormux leiran fr* 0 W lEdis rlips Sokotora Geogr.Anst -t. Eörner ScJHetridi .lapzig. Die ersteitTerbreitungsbezirke des Zuckerrohres. 474 137, 141, 144—151, 154, 156—159, 165, 168, 177, 180—182, 185, 187, 202—205, 208,209,213,214,216, 218,236,248,249,255 —261, 269, 278, 287, 294, 297, 300, 307, 308,318.320,359,371, 375, 876, 378-381. Zuckerrohr uls Liobes- ziiubor 42. Zuckerrohr als Tribut 49. Zuckerrohr in d. Medizin 54,57,93,99, 124,127. Zuckerrohr-Mühle 52, 140, 152, 160, 185, 204, i 353, : . Zucken zucke Zuckers Zuckerg 287, 860, - Zuckers 164, 1 327, ; Zuckern 274- 331, 363, { Zuckeri zucke Druck von tte