Ansichten über Entstehung und Wesen des Zuckers.
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stoffhaltigen Verbindungen und Aschenbestandteilen unbedingterforderlich sei; diese Lehren fanden jedoch wenig Verbreitungund noch weniger Glauben, und die Ungewissheit, die auf diesemGebiete herrschte, geht am besten aus dem Umstände hervor,dass noch 1838 die Göttinger Akademie die Preisfrage stellte, „obdie pflanzliche Asche in den Pflanzen selbst erzeugt werde, undfür deren Wachstum wirklich nötig sei", — eine Frage, die erst1840 durch die Arbeiten Liebig's und Boussingault's ihreendgültige Erledigung fand (Sachs 537, 568, 574). Ein Haupt-hindernis für das richtige Verständnis aller dieser Verhältnisse,war der Glauben an eine besondere „Lebenskraft", welcher nament-lich von den Anhängern der naturphilosophischen Schule hart-näckig festgehalten wurde, und noch 1827 einen Berzelius zuseinen Verteidigern zählte; es bedurfte der Synthese des Harn-stoffes durch Wöhler (1828), um denselben zu widerlegen, undzu zeigen, dass die lebenden Organismen, ebenso wie die toteAussenwelt, von den nämlichen, einheitlichen, chemischen undphysikalischen Gesetzen beherrscht werden.
Neben Dutrochet (1776—1847), welcher die grosse Wichtig-keit der endosmotischen Erscheinungen für das Verständnis gewisserphysiologischer Vorgänge nachwies, bahnte namentlich der ältereDecandolle eine rationelle Erklärung derselben an (Sachs 550,556, 559). Wie er in seiner „ Pflanzenphysiologie * auseinander-setzt (1832), „zerlegt das Sonnenlicht in den Blättern den rohenNahrungssaft, giebt den Sauerstoff als Gas an die Aussenwelt ab,und überträgt den Kohlenstoff an die Pflanze, wobei zunächst einGummi gebildet wird, der aus einem Atom Kohlenstoff und einemAtom*) Wasser besteht, und durch sehr geringe Umänderungenin Stärke, Cellulose und Zucker verwandelt werden kann, Verbin-dungen, deren Zusammensetzung fast die nämliche ist. Nachtssteigt dann dieser gummihaltige Saft wieder in die Wurzeln hinab,und setzt dabei in bestimmten Organen Gummi, Stärke, Zucker,Cellulose, oder fettes Ol, als Reservestoffe ab." Diese Vorstellungennähern sich bereits in hohem Grade den noch heute üblichen, derenEntwicklung wir wesentlich Sachs verdanken, welcher auch schondie Frage nach der Art der Fortleitung dieser Bildungsstoffe, und nachder Natur derselben, auf mikrochemischem Wege zu lösen trachtete.
Das eigentliche Wesen des Zuckers suchte zuerst wohlAngelus Sala in seiner „Sacharologia" (1650) zu ergründen.Er sagt darüber (S. 137ff.): „Bei der gemässigten trockenenDestillation erhält man aus dem Zucker seine vier Bestandteile,
*) Nach heutigem Ausdrucke: Molekül.