434
Siebzehnter Abschnitt.
|
1
I
starker Geist innewohnt, sind dauerhaft und zersetzen sich nichtleicht, denn der herrschende und befehlshaberische Geist führt hierfest und kräftig die Zügel. Die Leitung der Bewegung, d. i. dieArt, wie sich Körper begegnen, hemmen und zurückstossen, istauch von grossem Einflüsse auf Gestalten und Verhältnisse gewisserGefässe: dieselbe Kraft, welche beim Destillieren die leichtenDünste nach oben steigen lässt, macht schwere Schmutzstoffe inanderen Fällen nach unten sinken, und deshalb befördert die Formeines aufrecht stehenden Kegels (Destillirhelm) die Verdichtungder Dämpfe, und die eines verkehrt stehenden (Zuckerhut) die.Reinigung der Zuckermassen. Zucker, ebenso wie Schwämme,Papier und Tuch erfreuen sich nämlich nicht an der Luft, undvertragen sich nicht gerne mit der in ihren Poren eingeengten;daher stossen sie diese am liebsten wieder aus und ziehen Wasseroder andere Flüssigkeiten an, ja heben diese sogar in die Höhe,wenn sie nur halb eingetaucht sind. Sicher ist es, dass der ganztrockene und harte Zucker jeder Art im Dunklen beim Zerschlagenund Zerbrechen leuchtet, welche Erscheinung seiner Geister an dasSt. Elmsfeuer mahnt. Das schwere Sieden von Zuckersyrup (ebensovon Ol), gegenüber dem des Wassers und Weins, des Essigs undder Milch, erklärt sich daraus, dass die Dampf blasen in dieserzähen Flüssigkeit weniger Öffnungen zum Aufsteigen und Ent-weichen finden; man kann dieses Sieden mit dem Aufblähen dessich mit Geistern erfüllenden keimenden Pflanzensamens, mit derAusbrütung der Eier, und mit der Entstehung von Tieren undPflanzen bei der Fäulnis vergleichen" *) (II, 5, 48, 50, 7, 12, 41).
*) Diese Anschauung war im Altertum und Mittelalter ganz allgemeinverbreitet. Plinius („Hist. Nat." IX, 84) berichtet, und zwar, wie stets, aufGrund viel älterer Quellen (Aristoteles, ,,Hist. Nat."; Diodor I, 10):„Wenn der Nil Ägypten wieder verlässt, so findet man kleine Mäuse, derenErzeugung aus Wasser und Erde eben begonnen hat, indem sie an einemTeile des Körpers schon leben, während der Rest noch aus Erde besteht."Isidorus Hispalensis (od. Lindemann, 398) lässt Würmer aus Holz,Fleisch oder Erde, von selbst entstehen; Albiruni, ein sonst zuverlässigerForscher, der z. B. die spezifischen Gewichte von 18 Edelsteinen und Metallendurch Wägen in Luft und Wasser auf das Genaueste bestimmte (Kremer II,458), will die Bildung von Mäusen aus Schlamm, sowie von Bienen undWespen aus gefaultem Fleisch selbst beobachtet haben („Chronologie" 214),und Albertus Magnus leugnet zwar die Urzeugung der höheren Tiere,nicht aber die der Pflanzen: „Kräuter, Staudon und Bäume wachsen nämlichan Orten, wohin kein Samen gelangt zu sein scheint, und aus der Fäulnisvon Eichen- und Buchenwäldern bilden sich Espen und Birken" (Meyer,„Bot." IV, 59ff.). Paracelsus hält an der Generatio aequivoca für niedereTiere, Gras und Unkraut fest, und nimmt nur Korn und Weizen, sowie dieLilie aus, weil diese Pflanzen zuerst im Paradies gewachsen seien (ebd. IV,
V