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Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
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Siebzehnter Abschnitt.

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Es kann nicht Wunder nehmen, dass eine scheinbar so anschau-liche, und das Kausalitätsbedürfnis befriedigende Erklärung grossenBeifall fand, und sich bis in späte Zeiten erhielt, wie wir sie dennz. B. noch bei dem berühmten Chemiker Lemery (1645—1715)in fast unveränderter Fassung vorfinden (Kopp, „Beitr." III, 192);allgemeine Annahme wurde ihr jedoch keineswegs zu Teil, da siesowohl von der aristotelischen, als auch von der skeptischen Schulezurückgewiesen wurde. So z. B. sagt schon Sextus Empiricus(um 200 n. Chr.) vermutlich den Worten Pyrrho's (gest. 288 v.Chr.) folgend: „Wir verwerfen zwar den Gebrauch der Sinne keines-wegs, und läugnen nicht etwa, dass der Honig süss schmecke,wenn aber das Wesen des süssen Geschmackes untersucht werdensoll, dann bekennen wir unsere Unwissenheit, und verachten diekategorischen Erklärungen der Dogmatiker" (Sprengel I, 579).

Die arabischen Gelehrten nahmen, als unbedingte Verehrer deraristotelischen Lehren, auch die Qualitäten-Theorie an, und erwei-terten sie, ohne ihre Grandlagen wesentlich abzuändern, in vielenRichtungen; bereits bei Massudi (IV, 2) findet sich z. B. erwähnt,dass die Qualitäten selbst das Klima der Länder bedingten, unddass der „Hauptgeschmack des Orientes der süsse sei", weil dasMorgenland zugleich heiss und feucht wäre. Spätere Autorenversichern indes, dass der süsse Geschmack nicht durch Hitze undFeuchtigkeit, sondern durch mittlere Temperatur und eine gewisseZusammensetzung der Stoffe aus nicht allzufeinen Bestandteilenbedingt werde (Sprengel II, 389), und dass er, wenn einmal vor-handen, von einem Stoffe auf manche andere übertragen werdenkönne. Nach Kazwini (ed. Ethe, Lpzg. 1868; I, 209) gehörtzu diesen vorzüglich das Wasser: „Im Wasser liegt eine Kraft,von solcher Art, dass es, wenn man in ihm Speise, z. B. Rosinen,einweicht, deren gesammte Süssigkeit einsaugt, und keine Spurderselben in jenen zurücklässt; Wasser ist nämlich für alle Kräfteempfänglich, und wenn es sich mit den verschiedenen Materienvermischt, so nimmt es deren Kräfte, also alle Arten der Farbeund des Geschmackes in sich auf, ohne selbst im geringsten Farbeoder Geschmack zu haben, so dass es einmal zu Ol, ein andermalzu Honig, ein drittes Mal zu Milch, ein viertes Mal zu Blut wird." *)

Unter den, ausserhalb des arabischen Kreises stehenden mittel-

*) Nach Plato's „Timäus" ergeben die vielen Arten des Wassers,durch die Pflanzen und die Erde destilliert, die verschiedenen Pflanzensäfte,und eine der vier Hauptarten dieser Säfte, welche zugleich auch ein hitzigesPrinzip enthält, ist der Honig.