Die Ersatzmittel des Rohrzuckers.
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„Grossen lutherischen Narren" (ed. Scheible II, 167): „Ihr edlerGeist gleicht Rubenfleisch, Und schmeckt so wohl wie Pfaffen-kohl", und Hans Sachs führt in den Possen „Das heiss' Eisen"und „Der Rossdieb zu Fünsing" („Ausgewählte dramatische Werke",Lpzg.; 123 und 188) die sprüchwörtliche Redensart an: „Eidschwören ist leichter als Rüben graben".
In wissenschaftlicher Hinsicht erörtert zuerst der BotanikerCäsalpino (1509—1603) die Rübe ausführlich (Sachs, „Ge-schichte der Botanik", München 1875, 56); nach Gorräus (S. 456)ist sie eine, bei Vielen sehr beliebte Speise, die jedoch keine Nähr-kraft besitzt, und infolge ihres süssen Saftes leicht Galle erregt;Tabernämontanus berichtet (II, 790 und 814), dass die Rübenam besten an trockenen Orten gedeihen, desto süsser werden, jemehr der Saft in die Wurzel statt in die Blätter ziehe, dass dieausgekochte Brühe, „besonders die aus gedörrten Rüben, wie inSachsen üblich", sehr süss, und ein gutes Mittel gegen Hals- undBrustschmerzen sei, sowie dass verbrannte Rüben eine sehr scharfeAsche gäben. Die grosse Rolle, welche Rüben als Heilmittelspielten, geht auch aus der Schmähschrift des Benancio widerdie Apotheker (um 1550) hervor, worin er diese beschuldigt, ge-trocknete Rüben statt kostbarer Wurzeln zu verkaufen, sowie ausdem Gedichte „La theriaque francaise" des Apothekers Maginet,welches als notwendigen Bestandteil dieses Wundermittels auchRübensamen aufzählt (Phillippe 158 und 893). Der LeibarztRudolf II. (1576 —1612), Oswald Croll, ein grosser Anhängerdes Paracelsus, behauptete, dass Rüben besonders ein Specificumgegen Wassersucht seien, „da eine Rübe wie ein geschwollenerFuss aussieht"*) (Sprengel II, 435).
Olivier de Serres (II, 246) sagt 1600: „Die Rübe ist vorkurzem aus Italien zu uns gekommen, und ist gross, rot, viel-blätterig, und von angenehmem Geschmack; .... sie braucht gutbearbeiteten Boden, damit die Wurzel tief eindringen kann, denndas ist die Hauptsache; die Wurzel hat zartes Fleisch und giebtbeim Kochen einen Saft, welcher ähnlich wie Zuckersyrup schmeckt,
*) Dieser sog. „Theorie der Signaturen" des Paracelsus entsprechend,galt z. B. auch das Leberblümchen als Mittel gegen Leberkrankheiten, weilseine Blätter ioberförrnig und unten braun aussehen, der Natternkopf alsMittel gegen Schlangenbisse, weil seine Blumenkrone einem Natternkopfegleicht, das Schöllkraut als Mittel gegen die Gelbsucht, weil es gelbe Blütenund einen gelben Saft besitzt, die Siegwurz als hieb- und stichfest machend,weil ihre Blätter von schwertförmiger Gestalt sind, u. dgl. mehr (PetersI, 166).
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