Fünfzehnter Abschnitt.
und zwar gleichfalls unter Anwendung von Holzkohle, Martiniin Venedig glückte, sowie bald darauf (1796) Sestini in Florenz,und Braumüller in Berlin (Poppe, a. a. 0.). Grössere Wichtig-keit erlangte der Traubenzucker zur Zeit der Kontinentalsperre;Napoleon versprach Proust für die Anlage einer Fabrik, diekrystallisierten Traubenzucker nach seinen Angaben erzeugen sollte,eine Belohnung von 100 000 Francs, die indes Proust, da ersich einer so schwierigen, praktischen Aufgabe nicht für ge-wachsen hielt, ablehnte (Dumas, „Lecons sur la philosophiechimique", Paris 1878, 235), und als 1808 Parmentier, und1810 Foucques, aus Most 6—8°/ 0 „des schönsten und weissestenZuckers" herstellten, sicherte ein kaiserliches Dekret (von 1810)
denjenigen zwölf Fabriken, die nach der ihnen mitzuteilendenVorschrift den meisten Traubenzucker produzieren würden, eineStaatsprämie von 200000 Francs zu. Die Vorschrift bestand nachPoppe („Techn. Lex." V, 819) darin, den Most zu konzentrieren,mit Kreide zu neutralisieren, mit Eiweiss oder Blut zu klären, starkeinzudicken, etwas fertigen Zucker einzurühren, 20—80 Tage stehenzu lassen, den Syrnp durch Stramin abzufiltrieren, und den Zuckerein oder mehreremale mit Wasser oder Alkohol zu befeuchten,und stark abzupressen. Aus 500 Pfund Trauben sollte man100 Pfund Syrup, 70 Pfund rohen, und 35 Pfund raffinierten Trauben-zucker erhalten. Nach der Aufhebung derKontinentalsperre ging dieseFabrikation allerorten wieder ein, um so mehr als inzwischen Kirch-hoff (1811) die Darstellung des zwar viel unreineren, aber ungleichbilligeren Traubenzuckers aus Stärke entdeckt hatte. Die naheVerwandtschaft dieser Substanzen war übrigens schon vorher er-kannt, oder vielmehr geahnt worden: „Wie kommt es," sagteNapoleon eines Tages zu Laplace, „dass ein Glas Wasser, in demich ein Stück Zucker auflöse, mir weit süsser erscheint, als einGlas, welches gleichviel gestossenes Zuckerpulver gelöst enthält?"„Sire," antwortete der Gelehrte, „es giebt drei Stoffe, deren Grund-prinzip ein und dasselbe ist, nämlich Gummi, Stärke und Zucker;sie unterscheiden sich nur durch gewisse Bedingungen, deren Naturnoch Geheimnis ist. Vermutlich aber werden durch den Stoss, dender Mörsel ausübt, einige Zuckerteilchen in Stärke oder Gummiübergeführt werden, und auf diese Weise den Unterschied bedingen"(Brillat-Savarin 90). — Dass in vielen Pflanzensäften nebendem Traubenzucker noch ein unkrystallisierbarer „Schleimzucker"(jetzt Lävulose genannt) vorhanden sei, erkannten schon Marg-graf und Lowitz, aber erst Vauquelin und Deyeux klärtendiese Verhältnisse vollkommen auf (1799), und zeigten die Ver-
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