Druckschrift 
Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
Entstehung
Seite
393
Einzelbild herunterladen
 

Die Ersatzmittel des Rohrzuckers.

393

1

V

mit den Worten: „die Hände wusch er sich mit Kosenwasser undkaute beständig Süssholz."

Dass der eingedickte frische Most, den schon die Altenals Versüssungsmittel benutzten, eine besondere Zuckerart enthalte,war bereits den Arabern wohlbekannt.*) Ibn-al-Awäm sagt be-treff der Bereitung des Traubensyrups (II, 398 und 400): „manpresst den Saft aus, lässt ihn absitzen, kocht ihn in kupfernenKesseln ein, schäumt mit einem Schaumlöifel ab, konzentriert dieMasse unter fortwährendem Umrühren, und trocknet sie zuletzt inder Sonne; am Rande des Kessels krystallisiert dabei eine ArtZucker." Ibn-ßatuta erzählt (I, 187), dass man in Balbek denstark eingedickten Traubensaft mit einem Pulver (jedenfalls mitfestem Traubenzucker von einer vorhergehenden Operation) mische,wodurch derselbe fest werde und erhärte, worauf man das Gefässzerbreche, den Zucker, der ein grosses hartes Stück bilde, zer-kleinere, und daraus mit Pistazien und Mandeln „Elmolabban",d. h. „Geziegeltes" bereite. Nach Heyd spricht auch Schihab-eddin von Traubenzucker, den er, „nicht zu scharf und nicht zusüss" nennt („Notices et Extraits" XIII, 336), und ebenso scheintihn Pegolotti (S. 211), sowie Makkari (I, 6) im Sinne zu haben,wo dieser unter den Erzeugnissen Portugals „eine Art Honig, demZucker sehr ähnlich, und niemals im flüssigen Zustande" anführt.In späterer Zeit (1600) erwähnen Olivier de Serres (II, 103) undGlauber (1660) einen körnigen Zucker aus Honig, Rosinen, ein-gedicktem Most, oder Obstsaft, ebenso auch Junker (1730) im„Conspectus chemiae" (Kopp, „Geschichte der Chemie" IV); abererst Marggraf stellte denselben durch Ausziehen mittelst Wasserund Alkohol rein dar (1747), und erklärte ihn für „eine ArtZucker",also für verschieden vom Rohrzucker. Der Apotheker Gnutsch(1781) gewann Traubenzucker aus grossen Rosinen, sowie aus demSyrup von Muskatellertrauben, „die am Stocke zu Rosinen gereiftwaren", wobei 150 Pfund Syrup 50 Pfund Zucker lieferten (Poppe,„Gesch. d. Techn." IV, 148ff.); auch Gerhard erhielt um dieselbeZeit krystallisierten Traubenzucker aus Rosinen (Böhmer I, 768),und Tömlich solchen aus Pflaumen, „so rein, dass man ihn zumKaffee benutzen konnte" (Rössig 35). Aus Honig isolierte Lowitz1792 den Traubenzucker, konnte ihn aber anfangs nicht krystalli-siert erhalten (Phillippe 717), was indessen noch im selben Jahre,

*) Die Ausscheidung eines Zuckers bei Diabetes (Zuckerkrankheit) be-spricht schon Susruta ausführlich (I, 46 und 183; II, 105), doch scheinenweder die indischen noch die arabischen Ärzte jemals seine Natur unter-sucht, und ihn als identisch mit Traubenzucker erkannt zu haben.