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Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
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Fünfzehnter Abschnitt.

Mischungen; auch die Araber, besonders Avicenna, machen vondiesen sehr oft Gebrauch, können aber die Anwendung dieses Mittelsvielleicht auch den Indern entlehnt haben, da es bei Susruta oftvorkommt (z. B. I, 40). Zur Zeit des Platearius wurde in Süd-italien schon vielSüssholz angebaut; „man zerstösst oder zerquetschtdie Wurzeln, kocht die Masse mit Wasser aus, dickt die Lösungbis fast zur Trockne ein, presst ab, trocknet den Extrakt an derSonne, und formt ihn, der Gestalt der benutzten Gefässe ent-sprechend, in Kuchen, Stangen, oder runde Stücke" (S. 239).Petrus de Crescentiis (um 1300) giebt genau dieselbe Be-schreibung, ebenso Tabernämontanus (II, 916 und 1527), derdie Wurzel, den Saft, und den Syrup, sowie die heilkräftigen Ge-menge aus Süssholz, Wein, Manna und Zucker anführt, und sagt,der beste, ganz schwarze und zähe, sehr süsse Extrakt komriie ausKreta, — er bildet auch eine, mit dem venetianischen Löwen ge-stempelte Scheibe desselben ab, — sehr guter jedoch auch ausApulien, Spanien, und Südfrankreich. Der Katalog der FrankfurterApotheke von 1582 enthält kandischen, venedischen und spanischenSüssholzsaft, sowie „Radix dulcis Scytica", vermutlich russischesSüssholz; der Mainzer Katalog von 1605, und der Frankfurtervon 1609 führen diese Sorten ebenfalls auf, ausserdem aber noch„succus vulgaris" (Flückiger, „Dokumente"). Hierunter ist derSaft aus Bamberg zu verstehen, denn in der Nähe dieser Stadt,sowie überhaupt in Süddeutschland, wurde nach Tabernämon-tanus schon zu Anfang des 16. Jahrhundertes sehr viel Süssholzgebaut, wie denn z. B. schon oben angeführt wurde, dass sich diewürttembergischen Stände 1511, bei der Hochzeit des Herzogs,statt mit dem teuren Zucker, mit Süssholzsaft behalfen. Aus Italienund Spanien wurde auch Süssholz nach England ausgeführt; 1264kaufte Heinrich III. solches, und Eduard III. legte 1305 einenEingangszoll darauf (Rogers II, 453). Noch gegen Ende des18. Jahrhunderts sandte Spanien jährlich 4000 Zentner nach Lon-don, wo es zur Bierbereitung benutzt wurde (Böhmer I, 447),und in Sizilien sah 1770 Riedesel den Extrakt in grossen Mengennoch ganz ebenso bereiten, wie dies schon Platearius angiebt.Die einstige Verbreitung des Süssholzes in Deutschland hat ihreSpuren noch in manchen Redensarten hinterlassen, von denen„Süssholzraspelu" = „Komplimente machen" die bekannteste seindürfte; Hans Sachs sagt z. B. in der Posse „Das heiss' Eisen":„drum nehmt nur Süssholz in das Maul, zieht auf gute Seitenwiederum", und noch Rabener (1714—1771) zeichnet in seinen„Satiren" („Ausgew. Werke", Halle 1887, 41) das Bild eines Gecken

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