■M
Dor Zucker im Orient seit Beginn des 14. Jahrhunderten. 381
goldenen Körben verschenkt; zu den Hochzeits-Zeremonieen gehörtees auch, dass ein Sklave zwei Schüsseln mit Taubenbraten undZucker herbeihrachte, und der Bräutigam der Braut ein StückTaube in den Mund steckte, wogegen er von ihr ein Stück Zuckerempfing (Klemm Vll, 19, 200, 206).
In Persien rühmt Ibn-Batuta die Fülle des Zuckers und derZuckerwaaren („Reisen" II, 78), und die letzteren standen währenddes ganzen Mittelalters, und auch noch in späterer Zeit, in hohemRufe. Kuchen und Naschwerk in allen Formen und Farben, ausReismehl, Eiern, Sesamöl, Pinien, Mandeln, Rosinen, Honig, Zuckerund Manna, Pilaw mit Obstsaft, Safran, Tamarinden, Granaten undZucker, Scherbet aus gefrorener Milch mit Zucker, Zimmt, Honigund Kräutern, und Sorbets aus dem Safte von Orangen, Zitronen,Granaten, Cedern, Hagedorn, Veilchen, Rosen, Lindenblüten, undZwiebeln, mit Zucker, Honig, Safran, Ambra und Moschus gewürzt,bildeten die unentbehrlichen Bestandteile der feineren persischenKüche; ferner wurden die herrlichsten, in Zucker, oder Syrup mitEssig eingemachten Früchte dargestellt, die in mehr als sechzigSorten, und in Glasflaschen wohl verpackt, einen grossen, selbstauf den indischen Inseln geschätzten Exportartikel bildeten (Char-din, „Voyages en Perse" III, 76ff; Jaubert, „Voyage en Perse"209; Klemm VII, 19ff.). Der Anbau von Zuckerrohr nahm aberin Persien stetig ab, und nur Mäzenderän brachte solches bis indie neueste Zeit hervor (Gmelin, „Reisen in Russland" 1776;Spiegel I, 256); der dort erzeugte Rohzucker war indes dunkelund schlecht, und auch die Produkte der sog. Raffinerieen in Jezdund Ispahan erwiesen sich stets als mangelhaft, so dass die Broteals weich und fleckig, und die Kandise, die man an bleibeschwertenFäden in irdenen Schüsseln krystallisieren liess, als kleinsteinigund geringwertig galten (Schindler, „The Sugar Cane" 1889,415). In den ersteh Jahrzehnten des 19. Jahrbundertes bezogendie persischen Kauf leute noch alle besseren Zucker über Bombay,Innerasien, Ohiwa, und den Kaspisee, aus China (Ritter, „Erd-kunde" VIII, 519), namentlich waren die schönen chinesischenKandise gesucht, für welche die vornehmen Kreise besondere Vor-liebe zeigten; als z. B. Feth-Ali-Schah 1815 einen Siegeseinzugin Teheran hielt, „trug man ihm als Huldigung Vasen mit Kandisentgegen, denen er die grössten Stücke entnahm und sie den Ge-sandten und Günstlingen als Zeichen seines Wohlwollens überreichte,worauf die Vasen zerschlagen, und die übrigen Krystalle auf dieStrasse geworfen wurden, so dass der Weg damit wie mit Blumenbestreut war" (Morier, b. Ritter 825).